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E_1940_Zeitung_Nr.015

E_1940_Zeitung_Nr.015

BERN, Dienstag, 9. April 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozusehlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222- Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di* aebtgecpattene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarlf InterateiuehlnM 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Verkehrsunterricht in der Schule treulichen Ergebnis, Hess sich doch statistisch der einwandfreie Beweis dafür erbringen, dass die Verkehrsunfälle bei den durch Verkehrsunterricht erfassten zehntausend Schulkindern in einem gewissen Zeitraum nach diesem Unterricht um mehr als SO"/» abnahmen. Dieser Ausgang der Aktion bewog die Schulund Polizeibehörden, den polizeilichen Verkehrsunterricht nachher in gewissen Zeitabständen zu wiederholen. Vor einigen Tagen ist die dritte « Tournee » dieser Art zu Ende gegangen, die abermals ungefähr zehntausend Schulkinder der obern Klassen als Teilnehmer sah. Erteilt wurde dieser Unterricht durch einen Polizeikorporal in Uniform. Die Tatsache, dass er sich als « Verkehrsunfall- Spezialist » seit Jahren ausschliesslich mit der Behandlung von Unfällen beschäftigt und deren bereits gegen 2000 polizeilich behandelt hat, imponierte natürlich den Schülern gewaltig. Im nachfolgenden sei versucht, die Art der Gestaltung dieses polizeilichen Verkehrsunterrichts in Bern kurz zu skizzieren. Wie bereits erwähnt, erfolgte der erste Versuch im Jahr 1935. Daran schloss sich im Winter 1937/38 die erste und in der Zeit nach Neujahr 1940 die zweite Wiederholung in allen Berner Schulen. Da es sich um ein neues Tätigkeitsgebiet der Polizei handelte, hiess es vorerst gewisse Erfahrungen sammeln. Aus diesem Grunde und um die Unterrichtsstunden abwechslungsreicher und interessanter zu gestalten, wechselte man den Lehrplan jedesmal wieder. Der Unterricht setzte sich aus einem ersten theoretischen und einem zweiten, praktischen Teil zusammen, wobei die Theorie alle drei Male ungefähr gleich blieb. In Gruppen von drei bis vier Klassen (ca. 120 Kinder) zusatnmengefasst, finden sich die Schüler zu dem auf zwei Stunden bemessenen Unterricht ein. Durch eine geeignete, dem Verständnis der Schüler nach Möglichkeit angepasste Einführung versuchte, der Polizeimann vorerst, den Kontakt mit den Kindern *) Siehe Nr. 14, Schluss *) Seit fünf Jahren hat die Stadt Bern mit nachweisbarem Erfolg in den Schulen einen polizeilichen Verkehrsunterricht eingeführt, der alle Klassen vom 5. Schuljahr aufwärts umfasst, und zwar sowohl in den städtischen als auch in den Privatschulen. Den ersten Versuch dieser Art unternahm man im Jahr 1935. Und er endete mit einem überaus erherzustellen. In humorvollen Worten schilderte er ihnen die Aufgaben der Polizei, die ganz und gar nicht darin bestehen, die Leute zu schikanieren oder als «Böölimaa» der Kinder aufzutreten, sondern um der Allgemeinheit zu dienen. Dann packte der « Lehrer » das eigentliche Thema, den Strassenverkehr an. wobei er So ists richtig: Zeichen geben durch Ausstrecken des Arms beim Abschwenken. mit ein paar drastischen, anschaulichen Beispielen das Interesse seiner Zuhörer zu gewinnen versuchte, etwa mit dem Hinweis darauf, dass es in der Stadt Bern allein ungefähr dreissigtausend Fahrräder und ungefähr fünftausend Motorfahrzeuge gebe, dass der Bubenbergplatz nach polizeilicher Kontrolle täglich von über zwanzigtausend Fahrzeugen befahren werde, währenddem auf der Lorrainebrücke ipro Tag etwa zehntausend Radfahrer verkehren. Natürlich könne nun aber bei den vielen hundert und tausend Fahrzeuglenkern nicht jeder so fahren, wie es ihm beliebe. Aus diesem Grunde seien Verkehrsvorschrtften aufgestellt worden, in denen ganz genau geschrieben stehe, wie sich jeder Fahrzeuglenker im Strassenverkehr zu verhalten habe. Freilich gebe es neben diesen noch eine viel grössere Kategorie von Strassenbenützern, nämlich die Fussgänger, zu denen grösstenteils auch die Schulkinder gehören. Auch für die Fussgänger bestehen Verkehrsvorschriften, allerdings nur einige wenige, aber die seien dafür um so wichtiger. Deshalb nahm denn auch der Polizist diese Fussgängerregeln einzeln genau durch und erläuterte sie, nicht ohne zugleich den Kindern klar zu machen, wie sie sich bei einem Verkehrunfall zu Verhalten haben. Dazu wurde anhand von speziell für den Verkehrsunterricht verfertigten Sperrholztafeln die Bedeutung der verschiedenen Signaltafeln erklärt. Besonders eingehende Behandlung fand das Thema « Radfahrer», wobei zahlreiche praktische Beispiele aus dem Dienst des Polizisten die von den Radfahrern immer und immer wieder begangenen Fehler illustrierten. Und selbstverständlich fehlte es nicht an Hinweisen auf den Anteil der Radfahrer an den Verkehrsunfällen, ebensowenig wie an Belehrungen über die vorgeschriebene Ausrüstung der Fahrräder. Im zweiten Teil erfolgten bei der erstmaligen Durchführung des Unterrichts praktische Vorführungen auf der Strasse. Zu diesem Zweck wurde der Vortragende von drei andern Polizisten assistiert. Mit Motorrädern, Automobilen und Fahrrädern führte man den Kindern vor Augen, wie sich Fahrzeugführer und Fussgänger im Strassenverkehr zu verhalten haben. Das geschah dadurch, dass zuerst die falsche, dann die richtige Fahrweise demonstriert wurde. Ferner wurden vorbeifahrende Fahrzeuge lebendiger Anschauungsunterricht. Gegenstand der Beobachtung und Kritik bildeten daneben auch vorbeifahrende Fahrzeuge und unvorsichtige Fussgänger. Bei der zweiten Verkehrsbelehrung trat an Stelle der praktischen Vorführungen auf der Strasse eine speziell konstruierte Verkehrstafel, die es ermöglichte, im Schulzimmer die entsprechenden Lehrert zu erteilen. Es handelte sich um eine Sperrholztafel, eine Strassenkreuzung darstellend, auf der mit einer sinnreichen Vorrichtung Fahrzeuge und Fussgänger beliebig verschoben werden konnten. Spielend' sozusagen lernten dabei die Kinder das richtige Benehmen im Strassenverkehr. Der dritte eben zu Ende gegangene Verkehrsunterrichtszyklus versuchte es wiederum mit einem andern Mittel : er ersetzte die praktischen Demonstrationen und die Verkehrs-tafel durch Lichtbilder, von denen ein Teil im Strassenverkehr photographierte Verkehrssünden zeigte, hauptsächlich von Velofahrern und Fussgängern. Daran schloss sich die Vorführung geeigneter Aufnahmen aus dem grossen Archiv der Stadtpolizei, Verkehrsunfälle darstellend, natürlich mit entsprechenden Kommentaren. Darunter befanden sich eine ganze Anzahl von schweren, tödlichen Verkehrsunfällen, hauptsächlich von Ingenieur Eugen Fontanellaz, technischer Experte im Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, hat mit Unterstützung der eidgenössischen Zentralstelle für Arbeitsbeschaffung ein generelles Vorprojekt für das schweizerische Verkehrsmuseum in Zürich ausgearbeitet. Aus dem erläuternden Text, der diese Studien (begleitet, geht hervor, dass In dieser Nummer: Kein Frühjahrssalon 1940, aber eine Ausstellung im Herbst? Der Leichtbelag auf der Grimselstrassse. Brennstoffe, die Rekorde brachen. Feuilleton: Seite 7. Kindern. Und gerade diese Projektionen haben bei der Jugend einen sehr starken, nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wenn, wie wir mit Bestimmtheit hoffen, dieser polizeiliche Verkehrsunterricht — der ja nur eines der Mittel der Unfallverhütung sein kann und will — dazu beiträgt, dass sich die kommende Generation auch in einem unaufhörlich steigenden Strassenverkehr besser zurechtfindet, und wenn sich dadurch die Zahl der Verkehrsunfälle auf ein Minimum herabmindern lässt, dann dürfte sich alle Mühe und Arbeit auf diesem Gebiet lohnen. , He. Ein generelles Vorprojekt FÜR DAS SCHWEIZERISCHE VERKEHRSMUSEUM IN ZÜRICH SBB-Güterbahnhof Zürich ein provisorisches Eisenbahn-Museum, doch genügt es den Anforderungen, welche an eine solche Schau gestellt werden müssen, längst nicht mehr. Tatsächlich ist denn auch in den letzten Jahren die Idee der Errichtung eines schweizerischen Verkehrsmuseums nie wieder zur Ruhe gekommen. Dass man dabei ursprünglich an man hofft, das Museum im Jahre 1947, da ein reines Eisenbahn-Museum dachte, hat seinen die schweizerischen Eisenbahnen das hundertjährige Grund darin, weil die Initianten im Lager der SBB Jubiläum ihres Bestehens und insbesondere den standen. Das ausführliche Expose Herrn Fontanellazs vom Juli 1938, das seine Entstehung Gene- 7. August als Eröffnungstag der « Spanischbrötli- Bahn » Zürich-Baden feiern werden, einweihen raldirektor Etter von der SBB und Oberst Vifian zu können. Allerdings besitzt unser Land im von der Eidsr. Zentraleteile für Arbeitsbeschaffung Praktischer Anschauungsunterricht auf der Strasse. Als Akteure wirken dabei Polizisten.