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E_1940_Zeitung_Nr.011

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BERN, Dienstag. 12. März 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Aufgab« A (ohne Versteherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- Aujland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab« B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Vom JCcwtcn aus gesehen. (rmr) Auch wenn wir als Automobilisten Ton den Kantonen etwas verlangen — ein steuerliches Entgegenkommen nämlich — vergeben wir uns nichts, wenn wir uns die Argumente vor Augen halten, mit denen auf dieser Seite operiert wird. Die Kantone stellen tatsächlich vor einem schweren Dilemma. Einerseits benötigen sie die Hubraumsteuern dringend zur Finanzierung des Strassenwesens, wobei man sich darüber Rechenschaft ablegen muss, dass die Aufwendungen hiefür nicht plötzlich in einem Ausmass reduziert werden können, das eine Lockerung der Steuerschraube gestattet. Anderseits zeigen sich wenigstens einzelne der Kantone der Erkenntnis zugänglich, dass die Gerechtigkeit eine Anpassung der Steuern an die infolge der Benzinrationierung zwangsweise eingeschränkte Fahrleistung gebietet Ein Steuerabbau soll auch die weitere Schwächung der Steuerkraft jener Wirtschaftsgruppen bremsen, deren Existenz vom Betrieb der Fahrzeuge abhängt. Daran kann wohl kein Zweifel bestehen, dass es den Kanonen — säe sind der Atnboss — nicht leicht fällt, das heikle Problem in einer Art und Weise zu lösen, welche die Motorfahrzeughalter befriedigt, ohne zugleich im Finanzhaushalt zu einer Störung zu führen. Die Gründe, welche sie für ihre Haltung ins Feld führen, mögen ungefähr lauten: «Mit dem Geld, das wir in Form von Verkehrssteuern einkassieren, bauen wir die Strassen aus, verbreitern wir Kurven, beseitigen wir unübersichtliche Stellen, lassen wir Steinpflästerunigen oder Betonbeläge anbringen, besolden wir die Verkehrspolizei, räumen wir den Schnee weg und sanden wir Glatteisstellen. Wir bessern die durch die Abnutzung und die Witterung entstandenen Schäden aus. Ihr seht also, dass wir euch reale Gegenleistungen bieten. Und dann — ist die von uns erhobene Steuer nicht viel kleiner als die indirekte Benzinsteuer, die euch der Bund abfordert?> Damit berührt das Plädoyer der Kantone tatsächlich den Kardinalpunkt: In normalen Zeiten entfielen auf die Kantone 1/3, auf den Bund jedoch 2/3 des dem motorischen Strassenverkehr auferlegten Steueraufkommens. *) Siehe Nr. 10. ABONNEMENTS-PREISE: Zwischen Hammer und Amboss Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevu«, B«m Gmehiftsttelle Zürich: Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 Versuchen wir dies an einem Beispiel zu veranschaulichen. Es erscheint psychologisch durchaus verständlich, wenn jemand, der beruflich auf sein Fahrzeug angewiesen ist, die sagen wir 300 Fr. Jahressteuer, welche er im Januar auf den Tisch der kanonalen Motorfahrzeugkontrolle legen muss, als drückend empfindet, weil es ihm schwer fällt, eine solche Summe aufzubringen. Im Laufe des Jahres entrichtet jedoch derselbe Mann in kleinen Fraktionen, die er kaum merkt, dem Bund ebenfalls eine Steuer, den «berühmten» Benzinzoll, der leicht an die 500—600 Franken in 12 Monaten ausmachen kann. Wenn man die auf einen Schlag ausgegebenen 300 Fr. auf Nimmerwiedersehen in der grossen Registrierkasse verschwinden sieht, dann entspricht diese Vorstellung der Wirklichkeit nicht ganz. Vielmehr bedarf sie einer Korrektur. Von den 300 Franken kommt ein hoher Prozentsatz, vielleicht sind es 250 bis 280 Fr., dem Steuerzahler wieder in Form besserer, sicherer Strassen zugut. Auf eine kurze Formel gebracht, heisst das: das Geld bleibt dem Strassenverkehr erhalten. Aber wie verhält es sich mit dem halben Tausender Benzinzoll, der uns fast unmerklich abgeknöpft worden ist? Fest steht nur das eine: Von den 500 Fr., welche der Bund in unserem Beispiel dem Automobilisten aus der Tasche holt, fliessen kaum mehr als 150 Franken auf die Strasse zurück. Was mit den übrigen 350 Fr. geschieht, wissen wir nicht. Damit man uns indessen nicht missverstehe: Es lag uns beileibe völlig fern, mit diesem Vergleich etwa den Status quo aller Hubraumtaxen zu verteidigen, vielmehr sollte er lediglich die Aufmerksamkeit auf den Umstand lenken, dass die Abgaben an den Kanton immerhin zum grössten Teil im Interesse des Automobilisten verwendet werden, was für den Benzinzoll nicht zutrifft. Italienischer Strassenbau in Abessinien "Was Italien in verhältnismässjg kurzerjijeit zur -wirtschaftlichen Erschliessung Abessiniens an etrassenbaulichen Leistungen hervorgebracht^ nötigt allerhand Respekt ab. Man denke beispielsweise nur an die neue, die Danakilwüste durchquerende Verbindung Addis Abeba-Rotes Meer, die in 234 Jahren entstand und bei einer Länge von 861 km 80-grosse und etwa 1500 kleinere Brücken aufweist. Unsere Bilder vermitteln einen Begriff von der Grosszügigkeit und Modernität des Strassennetzes, das, teilweise in einer Höhe bis zu 3000 m. ü. M., in Abessinien entstanden ist. Die Hochebene von Mai Ceu, Vom Aibä-Pass gesehen. INSERTIONS-PREIS Dl« aehtfespanene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif IaieratemehhiM 4 Tage v«r Erseheinen der Nummer (Schluss Seite 2.) In dieser Nummer: Steuerprobleme. Ein neues Amphibien-Fahrzeug. Osterfahrten und was es dabei zu beachten gilt. Feuilleton: Seite 7. „Gehilfenschaft" beim Fahren in angetrunkenem Zustand ist nach bundesgerichtlicher Praxis strafbar. Eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung führte unlängst eine junge Frau vor das baselstädtische Strafgericht. Sie hatte an einem Samstag nachmittag mit einem Kellner und einem Fahrlehrer in dessen Wagen etliche Wirtschaften besucht. Und wie es so zu gehen pflegt: die Gesellschaft geriet dabei in feuchtfröhliche Stimmung. Gerade deswegen und weil sie merkte, wie ihr der Alkohol zu Kopfe stieg, weigerte sich die Frau, weiterzufahren. Der Fahrlehrer aber, der selbst genug hatte, brachte es fertig, dass sie sich dennoch ans Lenkrad seines Autos setzte. Und dann geschah es: in der Steinenvorstadt überfuhr sie einen 62jährigen Arbeiter, der zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Dafür hat die Frau nun mit vier Monaten Gefängnis zu Wissen. Ausserdem erhob der Staatsanwalt aber auch Anklage gegen die beiden Begleiter, und zwar wegen «Gehilfenschaft beim Fahren in angetrunkenem Zustand». Die rechtliche Handhabe dazu bot ihm ein Urteil des Bundesgerichts (das in Nr. 80/1939 der A.-R. veröffentlicht worden ist), wonach Gehilfe beim Vergehen des Art. 59 MFG nicht nur der Passagier, sondern jeder andere Zechkumpan und auch der Wirt werden kann, der den Fahrer durch Zahlen der Zeche zum Trinken animiert und weiss, dass dieser noch einen längern Weg vor sich hat. Dabei genügt auch schon der eventuelle Vorsatz, der den strafbaren Erfolg in Kauf nimmt. Und das Ende vom Lied: dass der Kellner zu einer Woche Gefängnis bedingt, der Fahrlehrer dagegen zu einem Monat Gefängnis unbedingt verurteilt wurde, weil ihm insofern ein schwereres Verschulden zur Last fällt, als er sein Fahrzeug einer angetrunkenen Lenkerin zur Verfügung stellte. m m •üiümiiiüMiiiiiiiiiÄ» Auf der Hauptstrasse Asmara - Adi Ugri Auf der Hochebene von Cobbo. (Aufnahmen Fotocelere, Asmara.)