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E_1940_Zeitung_Nr.011

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6 AUTOMOB L-REVUE

6 AUTOMOB L-REVUE DIENSTAG, 12. MÄRZ 1940 — N° 11 Zux Hkachtung. bei Osterfatirten ins Ausland Nach den heute geltenden Vorschriften dürfen Motorfahrzeuge ohne behördliche Genehmigung nur für eine Dauer von 48 Stunden und nur im Rayon des kleinen Grenzverkehrs (10 km ab Grenze) ins Ausland ausgeführt werden. Wenn die Dauer der Fahrt 48 Stunden überschreitet, so ist dafür eine Bewilligung der Sektion für Ein- und Ausfuhr (Eigerplatz 1, Bern) erforderlich. Die Behandlung derartiger Gesuche nimmt 3—4 Tage in Anspruch, doch werden gegenwärtig überhaupt keine solchen Bewilligungen erteilt. Automobilisten, welche bereits eine Ausfuhrerlaubnis besitzen, sei die Vorschrift in Erinnerung gerufen, wonach sie höchstens 10 Liter Benzin mit ins Ausland nehmen können. Sämtliche Nachbarstaaten unseres Landes verlangen übrigens ein Visum; für Frankreich wird darüber hinaus ein sog. sauf-conduit benötigt, das durch die französische Gesandtschaft erhältlich ist. Zu beachten bleibt ausserdem, dass das Benzin überall rationiert ist, wobei sich der fremde Automobilist in Frankreich die Benzinbons zu beschaffen hat, am zweckmässigsten dadurch, dass er sie sich bei der Mairie'der ersten grösseren Ortschaft nach Passieren der Grenze ausstellen lässt. Im übrigen sind die schweizerischen Grenzübertrittssteilen nach wie vor teilweise geschlossen; ein Bundesratsbeschluss beschränkt den Grenzübertritt mit Motorfahrzeugen auf folgende Strassen: a) Grenzübertritt von Beutsehland her: Leopoldshöhe - Kleinhüningen - Basel, Grenzach - Basel, Lörrach - Riehen - Basel, Rheinfelden (Stadtbrücke), Koblenz, Ebringen, Thayngen, Konstanz - Kreuzungen Zollhauptstrasse, Kreuzlingen, St. Margrethen, Martinsbruck. b) G r en z ü b e r t ri 11 von Liechtenstein her* Buchs. c) Grenzübertritt von Italien her: Taufers (Tubre) - Münster, Tirano - Poschiavo, Chiavenna - Castasegna (Maloja-Route), Porlezza - Gandria - Lugano, Como - Chiasso, Ponte-Tresa, Simplonstrasse, Grosser St. Bernhard. d) Grenzübertritt von Frankreich her: Annemasse - Genf, St-Julien - Carouge - Genf, Gex - Ferney, Grand Saconnex - Genf, Jougne - Vallorbe, Pontarlier - Les Verrieres, Delle - Boncourt, St-Louis - Basel. AUTOTRANSPORTE DURCH DIE ALPEN- TUNNEL. Für die Beförderung von Automobilen als Gepäck ist auf den Stationen Erstfeld, Göschenen, Airolo, Biasca, Kandersteg, Brig, Domodossola eine Voranmeldung nicht notwendig, da sie über geeignete Wagen für die Beförderung von Autos verfügen. Sofern dagegen der Verlad in Gurtnellen, Wassen, Faido, Bellinzona, Lugano, Spiez oder Frutigen erfolgen soll, muss der Transport der Versandstation mindestens drei Stunden zum voraus angemeldet werden. Der Fahrzeuglenker hat dafür zu sorgen, dass der Verlad im allgemeinen eine halbe Stunde vor Abgang des zu benützenden Zuges beendigt ist Abgesehen von kranken und gebrechlichen Automobilreisenden, denen das Umsteigen in den Personenwagen der Bahn unmöglich ist oder nicht zugemutet werden kann, haben die Insassen.der Automobile während der Bahnbeförderung das Fahrzeug zu verlassen, dagegen brauchen sie ihr Gepäck nicht in den Bahnwagen mitzunehmen. Für Personenwagen bis zu 2000 kg -werden, sofern deren Beförderung als Gepäck erfolgt, nachstehende erhoben: Gotthardtunnel. Göschenen—Airolo oder umgekehrt: Fr. 20.— (plus Fr. 1.— auf je 100 kg Mehrgewicht). Göschenen—Faido oder umgekehrt: Fr. 32.— (plus Fr. 1.60 auf je 100 kg Mehrgewicht). Erstfeld—Airolo oder umgekehrt: Fr. 38.— (+ Fr. 1.90 auf je 100 kg Mehrgewicht). Simplontunnel. Brig—Iselle oder umgekehrt: Fr. 19.60 (+ Fr. 1.— auf je 100 kg Mehrgewicht). Iselle—Domodossola oder umgekehrt: Fr. 15.40 (+ Fr. —.75 auf je 100 kg Mehrgewicht). Lötschbergtunnel. Kandersteg—Brig oder umgekehrt: Fr. 35.— (+ Fr. 1.75 auf je 100 kg Mehrgewicht). Lötschberg-Simplon-Tunnel. Kandersteg—Iselle oder umgekehrt: Fr. 44.60 (+ Fr. 2.25 auf je 100 kg Mehrgewicht). Iselle—Domodossola oder umgekehrt: Fr. 15.40 (+ Fr. —.75 auf je 100 kg Mehrgewicht). Frachtermässigung für Rücktransport. Sofern die Automobile innert 30 Tagen im Hinund Rückweg auf der gleichen Strecke befördert werden, gewähren die Bahnen für beide Richtungen eine Frachtermässigung von 20 Prozent. In diesem Falle wird die einfache Fracht für den Rücktransport für die Strecke, auf 'welcher das Automobil VERZEICHNIS der über die Ostertage 1S40 für den Automobiltransport durch den Gotthardtunnel vorgesehenen Züge „ Züge: Göschenen Airolo Züge: Göschenen Airolo . . 2. KARFREITAG, DEN 22. MÄRZ 1940 2552 2558 920 2562 922 2568 924 2574 926 2582 2590 652 6.59 8.43 9.56 10.53 11.50 12.51 13.40 14.32 16.10 17.32 19.53 21.55 7.13 8.57 10.13 11.07 12.07 13.05 13.57 14.46 16.27 17.47 20.07 22.26 3. OSTERMONTAG, DEN 25. SUEZ 1940 Züge: Airolo . . . . ab 5555 2545 2547 931 2563 933 935 2567 937 2571 939 2585 2589 655 6.38 6.30 8.00 11.06 11.44 12.36 14.07 15.07 15.37 16.53 17.53 18.51 20.54 23.08 Göschenen . . an 7.02 6.44 8.14 11.23 11.57 12.53 14.24 15.22 15.54 17.06 18.10 19.05 21.08 23.38 Für die anderen Tage (23., 24. und 26. März) gilt das Verzeichnis, gültig vom 15. Mai 1939. Aenderungen bleiben vorbehalten. Domodossola Brig . . . . Züge: Frutigen . . Kandersteg . Brig . . .ab .an Frachtansätze ab an ab ab an 1. DONNERSTAG, DEN 21. MÄRZ 1940 5548 2552 2558 900 2562 902 2568 904 2574 906 4.28 6.59 8.43 4.57 7.13 8.57 10.15 9.58 2582 908 2590 10.53 11.52 12.5113.53 14.32 15.56 11.07 12.10 13.0514.10 14.46 16.13 17.32 17.50 19.53 17.47 18.07 20.07 21.55 652 22.26 Durch den Simplon- und Lötschbergtunnel werden folgende fahrplanmässige Züge geführt a) SIMPLON Züge: Brig Domodossola . . ab an ab an b) LÖTSCHBERG 0.51 1.12 1.58 G&P 5.30 7.10 G&P 7.45 9.00 5.52 6.15 7.00 P* 11.17 11.57 P* 10.05 10.53 G* 6.57 7.40 8.47 G&Px 12.10 13.50 P* 12.33 13.16 7.46 8.13 9.00 G* 10.02 10.56 11.36 9.55 10.16 11.03 P* 14.16 15.00 P* 13.47 14.32 11.25 11.50 12.36 Brig . . . ab 4.02 7.10 b 9.19 11.10 12.38 Kandersteg an 4.45 7.55 10.04 11.54 13.30 Frutigen . an 5.09 8.20 U0.28 12.14 13.56 P = Personenzüge. G = Güterzüge, x = Nur an Werktagen, t = * = Soweit die Zugbelastung es gestattet. T» P* 16.52 17.33 G &PK 14.29 16.12 G&P* 17.25 19.20 P* 17.09 17.52 Pt 18.10 18.59 G&P 17.40 18.55 P* 20.40 21.20 P* 19.30 20.15 G&P 21.00 22.27 G&P 20.50 22.14 G&P* P P P G* P 12.15 13.02 15.25 16.38 16.54 19.11 13.58 13.24 15.46 17.05 17.35 19.30 15.31 14.05 16.30 17.56 18.44 20.17 P P P P P GÜ 14.45 17.05 18.07 19.36 20.30 21.00 15.31 17.52 18.56 20.31 21.13 21.57 15.55 18.18 19.20 21.04 21.33 22.32 Nur an Sonn- und allgemeinen Feiertagen. schon im Hinweg befördert wurde, um 40% reduziert. Erfolgt der Hintransport durch den Gotthard und der Rücktransport durch den Simplontunnel oder umgekehrt, so hat der Automobilist Anspruch auf eine Frachtermässigung von Fr. 8.— für Wagen bis 2000 kg Gewicht. Im übrigen ergeben sich nach dem oben Gesagten für den Rücktransport von Autos bis 2000 kg innert 30 Tagen folgende Frachttarife: Gotthardtunnel. Göschenen—Airolo oder umgekehrt: Fr. 12.— (+ 60 Rp. auf je 100 kg Mehrgewicht). Göschenen—Faido oder umgekehrt: Fr. 19.— (+ 95 Rp. auf je 100 kg Mehrgewicht). Erstfeld—Airolo oder umgekehrt: Fr. 23.— (+ Fr. 1.15 auf je 100 kg Mehrgewicht). Simplontunnel. Brig—Iselle oder umgekehrt; Fr. 11.75 (+ 60 Rp. auf je 100 kg Mehrgewicht). Iselle—Domodossola oder umgekehrt. Fr. 9.25 (+ 45 Rp. auf je 100 kg Mehrgewicht). Lötschbergtunnel. Kandersteg—Brig oder umgekehrt: Fr. 21.— (+ Fr. 1.05 auf je 100 kg Mehrgewicht). Lötschberg-Simplon-Tunnel. Kandersteg—Iselle oder umgekehrt: Fr. 26.75 (+ Fr. 1.35 auf je 100 kg Mehrgewicht). Iselle—Domodossola oder umgekehrt: Fr. 9.25 (+ 4ö Rp. auf je 100 kg Mehrgewicht). Tai^uin^^n Autotransport- und Taxi-Gewerbe-Verband der Schweiz. Sonntag, den 3. März v fand in Zürich unter dem Vorsitz von Zentralpräsident Zgraggen die ordentliche Jahres-Generalversammlung dieses Verbandes statt. Nach rascher Erledigung der statutarischen Traktanden referierte der Basler Sekretär Kahn über die Möglichkeiten der Bildung von Arbeitsgemeinschaften im Autogütertransportgewerbe im Sinne des Bundesratebeschlusses vom 26. September 1939. Diese Arbeitsgemeinschaften werden offiziellen Charakter tragen und sollen, ausser höchstmöglicher Beichtung der Einsparung von Treibstoff und Wagenmaterial, auch der raschen und gerechten Verteilung der Speditioneaufträge dienen. Es ist beabsichtigt, in allen Ortschaften von über 10 000 Einwohnern mindestens eine .solche Arbeitsgemeinschaft ins Leben zu rufen. Im Bundeshaus sind bereits die ersten Weisungen und Reglemente für diese Organisationen entworfen worden; sie liegen heute bei den Militärbehörden zur Vernehmlassung. Ein weiteres interessantes Referat von Zentralsekretär Schaller befa«ste sich in erster Linie mit der Umstellung des Autobetriebes auf die Kriegswirtschaft unter spezieller Berücksichtigung der Treibstoff-Rationierung und der militärischen Requisition der Motorfahrzeuge. Abschliessend fasste die Versammlung eine Resolution, welche dahin tendiert, dass jene Autotransportgewerbler und Taxihalter, die während der Grenzbesetzung ihrem zivilen Gewerbe nachgehen können und über ihre Fahrzeuge verfügen, die Existenzen und die Kundschaft jener Kollegen, die im Militärdienst stehen, respektieren und schützen wollen. synthetischer Kunstharzlack auch auf Holz witterungsbeständig, zum Spritzen und Streichen. Trocknet im Glanz. In 30 Minuten staubfrei, in 5 Stunden trocken, in 10 Stunden durchhärtet. Relerenzen: S. B. B., Privatbahnen, Auto (Lieferungs-, Lastwagen, Autobus), Industrien aller Art. Jeder Automobilist sollte för sein gutes Geld auch gute Ware erhalten. 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N° 11 — DIENSTAG, 12. MÄRZ 1940 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 12, Fortsetzung So kam es, dass weder Sänger, noch Musiker, noch Schriftsteller bei ihnen verkehrten. Nur die engsten Berufskollegen des Vaters und ein paar hohe Beamte. Es war immer stocksteif und sehr langweilig. Dem Vater fehlte die Gabe, als Hausherr um sich herum Wohlbehagen zu schaffen. Man hatte immer irgendwie das Gefühl, dass er auf der Hut war vor irgend etwas. So dass nie rechte Fröhlichkeit aufkam. Wenn der letzte Gast gegangen war, atmete die ganze Familie erleichtert auf, und Else sagte, indem sie sich wie eine Türkin auf die Couch hockte : « So, jetzt wird's gemütlich ! » Und dann war's auch meist gemütlich, obwohl der Vater auch im engsten Familienkreise stets wie bedacht auf seine Würde schien. Zerstreut, ganz in seine Gedanken eingesponnen, hat sich Hans Römer an einem Tischchen niedergelassen. Erst als der Ober neben ihm steht, merkt er, dass er sich zu einem alten Herrn gesetzt hat, der adrett und ordentlich in seiner mageren Zierlichkeit, in keiner Weise dem Bild entspricht, das sich Hans von seinem Kaffeetischnachbarn gemacht hatte. Aber aufstehen und sich an einen interessanteren Tisch setzen — nein, das ging wohl nicht an. Aergerlich löffelt er in seiner Tasse herum. « Ein schöner Sommerabend heute », sagt der alte Herr. « Ja. Schön.» c Es sitzt sich nett hier in den Abendstunden, hier draussen... Ich habe Sie übrigens noch nie hier gesehn.. » « Nein. > € Für unsereinen der allein lebt, ist das wichtig, dass man einen Ort hat, an dem man jeden Tag dieselben Gesichter sieht. Auch wenn man die Leute, denen die Gesichter gehören, nicht weiter kennt.» Der kleine, sehr gepflegte Herr mit dem Noch einige V-8,11 PS zu Vorkriegspreisen gestutzten weissgrauen Bärtchen und den durchdringenden Augen hinter den funkelnden Brillengläsern schiebt seine Manschetten zurecht. « Noch ein Glas Wasser, Ober ! » ruft er dem vorübergehenden Kellner zu. «Ich bestell dann nachher gleich meinen Kaffee! » « Oder zwei Eier im Glas... wenn ich Sie einladen darf ? » sagt Hans Römer belustigt c Für mich einen Whisky ! » Er lehnt sich zurück, kreuzt die Beine, denkt an den Vater... wo der sich wohl herumtreiben mag jetzt. Von Norwegen hatte er im Winter ein paarmal gesprochen, dass er gern mal hingefahren wäre, aber die skandinavischen Sprachen nicht beherrsche und die Abhängigkeit von fremden Leuten nicht liebe, denen er nichts zu sagen habe. < Als ich noch ein junger Mann war — so vor dem Krieg, das heisst lange vor dem Krieg, da träumte ich immer von grossen Reisen während der Sommermonate», schlägt die Stimme des kleinen alten Herrn wieder an Hans Römers Ohr. « Eine Zeitlang war es Norwegen... musste es unbedingt Norwegen sein. Alle Schubläden hatte ich voll von Prospekten selbst der kleinsten Touren.. • aber — es kam nie dazu... Nun sitzt man Jahr für Jahr in diesem Nest... und 's geht auch... Um Studien zu machen, braucht man sie ja gar nicht, die anderen Länder... das ist so ein Unfug für junge Leute... Man braucht bloss mal in einen andern Beruf zu verreisen... in eine andere Gesellschaftsschicht — das erfrischt mehr... da lernt man mehr... da erfährt man mehr, als wenn man erst sein teures Geld auf der Bahn verfährt! » « Sie sind Schriftsteller ? » fragt Hans Römer angeregt. « Zum Teil... die eine Silbe stimmt — Graphologe ! Schriftdeuter! Eine Zeitlang war's Sitte, dass viele Tageszeitungen eine ständige Rubrik hatten .Graphologischer Briefkasten' ! Aber seit dem Kriege sparen sie Platz und Papier !... Das kommt Ihnen wohl komisch vor, dass ich immer ,vor' und ,nach' dem Krieg sage ?... Na ja ... Sie sind jung... für Sie war's noch kein Einschnitt ... es haben ja auch alle Leute den .grossen Einschnitt in ihrem Leben an anderer Stelle... ist immer ein Punkt, von dem sie ausgehen und sagen : bevor das und das ... und... nachdem das umd das... Aber so ein Krieg, sehen Sie, der für so viele Menschen den gleichen Einschnitt bringt der macht's dann, dass man sich nicht mehr so allein fühlt in der Welt, auch wenn man keinen hat, der den gleichen Namen trägt wie man selbst... darum quatsch ich wohlauch die Leute so leicht an ! Hat eben alles seine Gründe ! > Der blonde Junge, für den Graphologen, Messerschlucker, Zauberkünstler, Clowns und Tierbändiger ziemlich das gleiche sind, einer Pariakaste Zugehörige, die man nach Einwurf von ein paar Groschen besieht, bestaunt, befragt, fühlt sich dem kleinen, alten Herrn gegenüber plötzlich unterlegen. Er löst die gekreuzten Beine, rückt sich zu korrekterer Haltung zureeht, sagt mit dem kindlichen Lächeln, das ihn von Zeit zu Zeit überstrahlt: «Ich bin... wissen Sie, ich bin ein bisschen unbewandert in allen diesen verstiegenen... ich meine, übergeistigen Dingen... ich meine Graphologie *und so... verzeihen Sie, ist das nicht so eine Art Aberglaube... oder besser gesagt... so eine Art System, das man nachträglich zurechtlegt ? » I>er kleine Herr fühlt das Bedürfnis, sich für die Eier im Glas erkenntlich zu zeigen. «Ich will mich ja nicht mit meinen grossen Kollegen messen, obwohl auch ich... Aber sie sollen selbst urteilen, mein Herr... Zeigen Sie mir eine Schrift... es geht nicht um den Inhalt... nur um die Buchstabenführunig, um Schwung und Intervalle, um Aufstriche und Bindungen...» Hans Römer kramt bereits in seiner Brieftasche. Ein, Zettel von einer kleinen Freundin, mit der er zwei Sonntage hintereinander verbracht, fällt ihm in die Hand : « Geliebter Schatz!... Ich habe die ganze Nacht von dir geträumt und...» Dumme Gans ! denkt Hans Römer und wirft die kleingerissenen Fetzen in die Aschenschale. Plötzlich greift er zu — das ist das Richtige. Und er entfaltet die grüne Monte-Carlo- Numtnernliste, legt die mit Blaustift geschriebenen Worte: * Nehme an, dass die Angelegenheit durch meine Rückgabe aus der Welt geschafft ist. gerade unter die Augen des kleinen Herrn. Der nimmt das Blatt, zieht eine Lupe aus der Tasche und liest aufmerksam Auf- und Abstriche, Bindungen und Zwischenräume. Hans Römer yerbeisst sich ein Lächeln: er hört schon den, weisen Ausspruch des Meinen Zauberlesers : « Der Betreffende ist ein leidenschaftlicher Spieler, der es aber, trotz seiner SpieMeidenschaft nicht verabsäumt, eifrige Wahrscheinlichkeitsberechnungen anzustellen und Systeme auszuarbeiten 1 » Der alte Herr aber sagt: «Interessant. Donnerwetter, wirklich interessant ! Dass die Schrift verstellt ist, tut nichts zur Sache. Auch dass lateinische mit deutscher Schrift gemischt ist in dem kurzen Satz. Auch wenn es mit der linken Hand geschrieben wäre, täte es nichts zur Sache. Sehr interessant. Die Merkmale der eigentlichen, der echten Handschrift sind unverkennbar. Ein wirklich wertvolles, kleines graphologisches Dokument.» Hans Römer rückt näher. Beugt sich, Schläfe an Schläfe mit dem fremden alten Herrn, tief über die blauen Zeilen, als würde sich auch ihm plötzlich Alfred Beckers Charakter enträtseln. Der alte Herr legte die Lupe beiseite und nimmt die Brille ab, die er mit dem sauberen, aber abgewetzten Rand seines Rockärmels abputzt. « Ein ganz seltener Fall von Ambivalenz », erklärt der Graphologe mit vor Forscherfreude leuchtenden Augen. « Sozusagen ein klassisches Beispiel! » « Ambivalenz ?... Heisst das nicht...? » « Die Psychoanalyse hat den Ausdruck geprägt und ist der Seele dadurch erst so richtig hinter ihre Schliche gekommen !... Der Schreiber dieser Zeilen... ja, es ist sehr schwer, das einen! Laien verständlich zu machen... ist... hat stark oberbewusste Oharakterzüge... in manchen Punkten so stark ausgeprägt, dass sich die Uimgebupg möglicherweise jahrelang, ja vielleicht sogar das ganze Leben lang über den wahren, das heisst unterbewussten Charakter des Betreffenden täuschen kann.» « Stimmt! Stimmt! » sagt Hans Römer begeistert. « Weiter ! •» c Ja, weiter ist nichts. Das Ist alles !... Aber das ist so dominierend, dass dagegen alle anderen Eigentümlichkeiten verschwinden. Der hier», und er schlägt auf die Monte-Carlo-Liste, « gehört eben zu den sogenannten Doppelnaturen, wie sie, stärker oder schwächer ausgeprägt, zu Tausenden* zu Millionen in der Welt herumlaufen. Das heisst, Dopipelnaturen sind wir ja eigentlich alle ... auch ich... auch Sie... nur ist unsere Zwiegespaltenheit verkapselt, während sie bei manchen Menschen offenkundig wird —• oft gegen den Willen des Betreffenden, im Dämmerzustand.» (Fortsetzung folgt) Jäggi + Wüthrich MERCEDES - BENZ-AUTOMOBILE PERSONEN- UND DIESEL-LASTWAGEN Unverändert höchste Qualität in Material und Ausführung Besonders ökonomisch im Betrieb Sofort lieferbar ab Schweizerlager oder ab Fabriken, die in vollem Betrieb Fabrikniederlassungen: ZÜRICH / BERN / BASEL / LAUSANNE / GENF Vertreter an allen wichtigen Platzet UNION AG. SCHNEEKETTENFABRIK BIEL. Generalvertreter Henri Bachmann Biel, Spitalstrasse 12 b, Telephon Genf, Rue de Fribourg 3, Telephon Zürich. Löwenstrasse 31. Telenhnn 48.42 26.343 58.824 Die ächten Union-Schneeketten sind in allen Garagen und Fachgeschäften erhältlich.:Verlangen Sie aber ausdrücklich Original-Union-Schneeketten mit der Armbrustplombe. Seltene Gelegenheit! 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