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E_1940_Zeitung_Nr.017

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BERN, Dienstag, 23. April 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnXallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222- Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon'39.743 INSERTIONS-PREIS DM achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ap. GrSssere Inserate nach Spezialtarif Inseratcnsehlnn 4 Tage ver Erseheinen der Nummer Signal-Pathologie Der Kodex der in der Schweiz geltenden Strassenverkehrszeichen ist niedergelegt in der bundesrätlichen Verordnung über die Strassensignalisation vom 17. Oktober 1932. Diese Verordnung stützt sich rechtlich auf das Bundesgesetz über den Motorfahrzeugund Fahrradverkehr, in ihrem sachlichen Inhalt dagegen auf die internationale Ordnung der Verkehrssignale, wie sie durch den Völkerbund geschaffen und von sehr vielen Ländern der Erde ihrer nationalen Zeichensprache im Strassenverkehr zugrundegelegt worden ist. Die Liste der in der Signalverordnung enthaltenen Signalbegriffe und der zu ihrer Darstellung dienenden Verkehrszeichen ist abschliessend. Artikel 1 der Verordnung lautet in seinem ersten Satz: « Für die Signalisierung des Strassenverkehrs dürfen nur Signale verwendet werden, die in dieser Verordnung vorgesehen sind.» Andere Signalbilder sind daher grundsätzlich ausgeschlossen, und an und für sich ist es selbstverständlich durchaus erwünscht, dass der Verkehrsteilnehmer es nur mit einem ein für allemal festgelegten System symbolisch ausgedrückter Weisungen, Warnungen, Befehle und Verbote zu tun hat. Denn ein befriedigendes Mass von Verkehrssicherheit ist nur dadurch zu erreichen, dass die Strassenbenützer auf Grund langer Angewöhnung auf die verschiedenen Verkehrszeichen ganz automatisch richtig reagieren und nicht immer wieder in den Fall kommen, ein neues Signal zu erblicken, dessen Bedeutung ihnen unbekannt und das richtig zu befolgen ihnen daher schlechthin unmöglich ist. Trotzdem hat sich die Verkehrspraxis nicht an diesen Numerus clausus gehalten, sondern den starren Rahmen der Signalordnung nach den verschiedensten Richtungen gesprengt Eine ganze Reihe von Abweichungen und von neuen Signalbildern ist rein de facto geschaffen worden, und einzelne von ihnen sind eine alltägliche Erscheinung-in unsern Strassen. Teils handelt es sich dabei um Neuschöpfungen, denen nicht abgesprochen werden kann, dass sie eine eigentliche Bereicherung der offiziellen Zeichensprache darstellen, teils um Auswüchse, die von mehr oder weniger grossem Nachteil für die Verkehrsordnung und -Sicherheit sind, häufig aber einfach um den Ausdruck der Unsicherheit bei den Verkehrsbehörden darüber, was im einzelnen Falle Abb. 1. Signaüsierung einer Sackgasse nach Basler Muster. signalmässig zu tun ist. Man darf unter diesen Umständen füglich von einer Signalpathologie sprechen. Der Ausdruck soll dabei durchaus nicht kurzerhand im Sinne des Tadels an diese oder jene Adresse verstanden werden, sondern umfasst einfach die Gesamtheit der bald mehr oder weniger gerechtfertigten, bald rein irrtümlichen, bald ausgesprochenen unvorteilhaften Abweichungen vom amtlichen Signalsystem. Im Nachstehenden sollen sine ira et studio in freier Auswahl einige dieser Erscheinungen kurz besprochen werden, um Missverständnisse zwischen Verkehrswelt und für die Verkehrsordnung verantwortlichen Behörden zu beseitigen und das eine oder andere Zeichen auf seine Eignung zur späteren Aufnahme in einen zu erweiternden Signalkodex zu prüfen. Und nicht zuletzt bahnt der eine oder andere Hinweis möglicherweise eine Rückkehr zu einem Signalgebrauche an, der den offiziellen Vorschriften entspricht und vielleicht seine Dienste so gut leistet wie das Ersätzzeichen, das sich in" die Pra^is^etrtteschlichen hat. Das Endziel einer solchen Klärung soll eine Verbesserung der Verkehrssicherheit sein, die ja einer Erhöhung noch so dringend bedarf. Wenn oben gesagt wurde, dass die Signalverordnung als abgeschlossene Liste der Signalbilder Abb. 2. Signalieierung einer Sackgasse nach Zürcher Muster. zu gelten hat, so besteht anderseits angesichts der Unendlichkeit allen Lebens und des Auftretens immer neuer Probleme und Aufgaben die Tatsache, das« die Begriffswelt auch des Strassenverkehrs sich immer wandelt und ständig das Bedürfnis auftritt, einen neuen Begriff auch symbolisch auszudrücken und zu diesem Zwecke also beispielsweise ein neues Verkehrszeichen zu schaffen. Vielfach aiber lagen die Dinge von Anfang an so, dass die auf verhältmstnässig wenige Symbole beschränkte Zeichensprache der Signalverordnung schon von Anfang an nicht allen diesen Bedürfnissen gerecht wurde und sich die Notwendigkeit aufdrängte, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Der "Wunsch, den Verkehrsteilnehmern eine blind endende Strasse schon an ihrem Eingang als Sackgasse kenntlich zu machen, bestand sicherlich von jeher. Ein dazu wirklich geeignetes Zeichen fehlt jedoch in der Signalverordnung, und so haben nun verschiedene Städte, so beispielsweise Basel und Zürich, das Vorsichtssignal Nr. 22, das weisse Dreieck im blauen viereckigen Feld, als Notbehelf herangezogen, indem sie die Tafel mit einer zusätzlichen Aufschrift versehen. Basel verwendet hierzu die lapidaren Worte «Keine Durchfahrt», Zürich die etwas längere und schon deshalb «signalpsychologisch» nicht so vorteilhafte Wendung «Keine durchgehende Strasse» (Abb. 1 und 2). Aber gerade dieser Fall zeigt uns ein Beispiel einer durchaus unerwünschten Begriffeerweiterung Abb. 3. Beispiel einer verkehrstechnisch sehr ungeeigneten Signaüsierung mehrerer Begriffe durch Signalbilder und Aufschrift. eines zu anderen Zwecken bestimmten Verkehrszeichens. Denn das Zeichen Nr. 22 «iet überall da aufzustellen, wo der Führer besondere vorsichtig fahreD muss». Im Falle der Sackgasse kann jedoch nicht wohl von der Notwendigkeit einer Mahnung 4. RATIONIERUNGSPERIODE: 1. MAI BIS 30. JUNI 1940 (2 MONATE) (Die feiten Zahlen weisen auf jene Kategorien hin, bei denen eine Erhöhung der Zuteilungsmenge eintritt, wobei die für die Periode März—April zugestandenen Rationen in Klammern beigefügt sind.) Dringlich- Quanti- Motorenleistung (Steuer-PS): bis 7,5 PS 7,51-15,5 PS 15,51 PS u. mehr 2 3 4 5 250 (100+150) 220 (100+120) 180 130 90 Liter Benzin 210 320 370 0 (210+ + 160) 3200 180 270 320 2800 160 240 (120+ 280 + 160) (120+ 2400 140 210 240 220 0 120 180 (100+ 220 +120) (100+ 1800 100 150 180 1600 (110) 90 130 160 130 70 (60) 105 (90) 130 140 210 240 100 150 180 80 120 140 G 1 100 150 180 2 70(60) 105(90) 130(110) I) — 55(45) 85(70) 100 (80) Litertafel für Lieferwagen (Die fettgedruckten Zahlen haben jene Kategorien hervor, deren bisherige in Klammern beigefügte Ration eine gewisse Erhöhung erfahren hat.) Motorenleistung (Steuer-PS): i PS 7,51-15,5 PS 15,51 PS u. mehr Liter Benzin 370 (210+160) 320 270 190 (100+90) 130 70 110 (55+55) 55 (45) 85 (70) 180 270 130 190 (100+90) 90 130 70 110 (55+55) 55 (45) 85 (70) 500 (495) (320+180) 430 (270+160) 350 (210+140) 250 (100+150) 170 (85+85) 130 100 (80) 350 (210+140) 250 (100+150) 170 (85+85) 130 6 zur Vorsieht gesprochen werden, weil längst nicht immer die Gefahr eines Auffahrens am Ende der Strasse besteht. Vielfach handelt es sich ja einfach darum, dem Fahrzeugführer eine Irrfahrt zu ersparen, wenn er der Meinung sein könnte, die betreffende Strasse führe ihn zu einem bestimmten Hause oder Quartier, während sie in Wirklichkeit vorher aufhört Wie ein Blick auf die hier wiedergegebenen Litertafeln für, den Rationierungsabschnitt Mai/Juni 1940 lehrt, ist es mit der Lockerung der Benzinrationierung, über die in letzter Zeit von berufener und weniger berufener Seite so viel gemunkelt wurde, nicht eben weit her. Von den Kategorien A8, C2 und D abgesehen, deren bisherige Zuteilungsmengen um ca. 16-26% erhöht werden, bleibt alles beim alten. Man verhehlt sich auch bei den zuständigen Behörden nicht, dass sich die für die nächste Periode zugestandene Verbesserung sehr bescheiden ausnimmt, aber weiter zu gehen konnte man unter den heutigen Umständen auch beim besten Willen nicht verantworten. Qewiss, unsere Benzinzufuhr hat sich, das sei hier wiederholt, seit Beginn des laufenden Jahres durchaus befriedigend gestaltet; ob sich indessen die Irnportlage auch weiterhin in ähnlich günstigem Sinn entwickeln werde, dafür vermag nichts und niemand Gewähr zu bieten. Angesichts der unsicheren aussenpolitischen Situation, die binnen kürzester Zeit eine radikale Umkrempelung unserer Einfuhrverhältnisse bringen kann, vermochte man sich bei den für unsere Treibstoffversorgung verantwortlichen Amtsstellen zu weiteren Zugeständnissen nicht zu entschliessen, auch deshalb nicht, weil nach wie vor die absolute Notwendigkeit der Schaffung von Reserven besteht. Selbst wenn es bis zur Stunde gelungen ist, das hiefür aufgestellte Programm einzuhalten, so entbindet diese Tatsache die damit beauftragten Organe nicht von der Pflicht, auch für die Zukunft alles vorzukehren, was das Landesinteresse dabei von ihnen verlangt. Im übrigen steht ja den in den Kategorien A—^C eingeteilten Fahrzeughaltern unverändert die Möglichkeit offen, Zusatzmengen (Fortsetzung Seite 2.) Die Benzinrationen für Mai-Juni 1940 Bescheidene Erhöhung der Zuteilung in den Personenwagen-Kategorien A8, C2 und D. Dringlich- Litertafel für Personenwagen 6 fl Quanti- 100 (80) 1 130 190 250 (100+90) (100+150) 2 90 130 170 C (85+85) 3 70 110 130 (55+55) 4 55(45) 85(70) 100(80) zu verlangen (wobei allerdings der Hinweis angebracht erscheint, dass die «zusätzlichen Zusatzbewilligungen» für den April eine Ausnahme bilden). Damit ist eine Handhabe gegeben, um Härten auszumerzen und die Zuteilung den individuellen Verhältnissen und Bedürfnissen anzupassen. Dass dabei in erster Linie jene Leute Berücksichtigung finden, die zur Erhaltung ihrer wirtschaftlichen 'Existenz auf das Auto angewiesen sind, geht ganz in Ordnung und entspricht nur dem Kerngedanken des bundesrätlichen Grunderlasses. Bei der Zuteilung der Zusatzkontingente an die Kantone handelt die Sektion für Kraft