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E_1940_Zeitung_Nr.010

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i»l AUTOMOBIL-REVUE

i»l AUTOMOBIL-REVUE DONNERSTAG, 29. FEBRUAR 1940 — N° lü nossen und stellte iestj dass wir vorläufig etwa 200 Rotkreuz-Schwestern in ihrer schmucken Uniform und ebensoviele Heilsarmeesoldaten und -soldatinnen, die alle an die Front bestimmt waren, an Bord hatten. Zivilreisende sah ich nur etwa zehn bis zwölf, wahrscheinlich Beamte und einige Geschäftsleute. Die Truppen, die ich auf dem Pier gesehen hatte, kamen nun an Bord und füllten sehr bald das Vorder- und das Hinterdeck. Ich lehnte mich über die Reling des Promenadendecks und sah dem Treiben zu. Neben mir stand eine Rotkreuz-Schwester; sie sprach mich an und bemerkte, wie schade es doch sei, dass alle diese jungen, prächtigen Menschen, die noch vor kurzem in Zivilkleidern steckten, ihre Heimat und ihre Lieben verlassen müssten, um einem Ungewissen Kriegsleben entgegenzugehen, von dem sie unter Umständen nie mehr zurückkehren würden. Während diesen Betrachtungen kam ein Herr, der auf der Brust ein silbernes Schild trug, auf mich zu und fragte mich nach meinem Namen. Ich wies mich aus und der Beamte des amerikanischen Geheimdienstes, denn um einen solchen handelte es sich, bat mich, ihm in meine Kabine zu folgen. Dort angelangt, musste ich mein gesamtes Gepäck öffnen, das einer eingehenden Untersuchung unterworfen wurde. Es wurde alles in Ordnung befunden, ich konnte wieder an Deck gehen. Die Soldaten waren nun alle eingeschifft. Einer unter ihnen war auf der Planke, die das Zwischendeck mit dem Pier verband, ausgerutscht und hatte den Fuss gebrochen. Er wurde sofort ins Schiffslazarett gebracht. Inzwischen ist es Abend geworden, und der Gong ertönt zum Abendessen. Ich begebe mich in den Speisesaal, der bereits mit Offizieren angefüllt ist. Es wird mir ein Platz zwischen einem Major und einem Leutnant angewiesen. Im Gegensatz zu der Lebensmittelknappheit in den kriegführenden europäischen Ländern, wie ich sie später in Europa vorfand, war auf diesen Schiffen keinerlei Mangel. Amerika hatte in dieser Beziehung auch im Kriege alles, was das Herz begehrte. Die Transportschiffe europäischer Herkunft nahmen daher in Amerika stets genügend Lebensmittel an Bord für Hin- und Rückreise, so dass wir genug Butter, frisches Brot, Eier, Milch und anderes hatten, was zum Beispiel in Paris alles kaum mehr erhältlich war. Der Steward fragt mich, was ich trinke. Ich bestelle eine Flasche Rotwein, die mir auch ohne weiteres mit einem Trinkglas serviert wird. Da bemerke ich erst, dass bei jedem Gedeck nur eine Teetasse steht. Die amerikanischen Offiziere dürfen ebensowenig wie die Soldaten Alkohol trinken. Am untersten Ende der Tafel sitzt der Kommandeur der Truppe; es ist für die Offiziere unmöglich, Wein zu bestellen. Da stösst mich der Major neben mir an und schaut gleichzeitig nach seiner linken Hand, die er unter den Tisch hält. Auch ich sehe hinunter und bemerke, dass er seine leere Teetasse in der Hand hat. Ich muss lachen, das Blinzeln seiner Augen hat deutlicher wie Worte gesprochen, Ich nehme ihm die Tasse ab und fülle sie unter dem Tisch mit meinem Wein. Der Kommandeur merkt nichts, nur der Leutnant zu meiner Linken ist nicht blind. Auch er erhält eine Tasse voll. Die übrigen Zivilisten an Bord tun bald dasselbe ihren militärischen Nachbarn gegenüber, und dieser Trick wurde nun während der ganzen Reise durchgeführt. Abwechslungsweise bezahlen die Herren der Reihe nach ihre Flaschen Wein, die natürlich ich bestellen musste. Der Steward war bald im Bilde, so dass ich auch von Zeit zu Zeit eine Tasse Kognak bestellen konnte, den er mir an Stelle des Tees servierte. Auch dieser wurde zum grossen Gaudium der Offiziere unter dem Tisch in den Tassen verteilt. Es ist finstere Nacht, als ich wieder an Deck komme. Gerade löst sich die «Chicago» vom Pier und treibt, von Schleppern gezogen, auf den Fluss hinaus. Alle Lichter sind vollständig abgeblendet, und das Rauchen auf Deck ist bei einbrechender Dunkelheit aufs strengste verboten. Kein Streichholz darf angezündet werden. Langsam fahren wir den Fluss hinunter, der offenen See zu. Vorbei an den Wolkenkratzern New Yorks, wir passieren Governors Island, die Freiheitsstatue und erreichen bald die sogenannte Quarantäne. Es ist eine schöne, klare Nacht. Dort drüben leuchtet das Lichtermeer von Coney Island, New Yorks riesiger Vergnügungsstätte. Deutlich sehen wir, wie das hellerleuchtete Riesenrad sich dreht, und manchmal dringen einzelne Töne von Musikkapellen bis zu uns herüber. Und gerade auf dieser Höhe rasselt plötzlich der Anker, und wir erfahren, dass wir hier über Nacht vor Anker Hegen, bleiben werden. Wir hatten uns schon gefreut, dass die Reise endlich beginnen werde und waren daher bitter enttäuscht. Ich wusste, dass in Anbettacht der Gefahr kein Schiff allein die Ueberfahrt machen durfte, sondern dass stets mehrere Schiffe zusammen, von einem sogenannten «Convoi», das heisst von Kriegsschiffen begleitet, zur Sicherheit gegen U-Boote, und unter ständigem Zickzackfahren den Ozean zu überqueren hatten. Es würden den Passagieren nicht nur keinerlei Auskünfte oder Erklärungen abgegeben, man getraute sich auch nicht zu fragen, denn schon das Fragen konnte als ein Verdachtsmoment ausgelegt werden. So hing jeder unbefriedigt seinen Gedanken nach, i Am nächsten Morgen lagen wir noch an derselben Stelle. Nichts hatte sich geändert über Nacht Die Soldaten lagen dicht gedrängt auf dem Zwischendeck. Jeder hatte den vorschriftsmässigen Rettungsgürtel angelegt oder neben sich liegen. Sie sangen traurige, sentimentale Soldaten-, Kriegs- und Heimatlieder. Es war wirklich keine Stimmung, die irgendeinen von uns hätte fröhlich werden lassen. Zwei Tage und zwei Nächte lagen wir hier vor Anker. Nach und nach trafen weitere Schiffe ein, die alle neben uns vor Anker gingen. Ganz in unserer Nähe lag die «Lorraine», damals eines der besten französischen Schiffe. Am dritten Morgen waren fünfzehn Schiffe beieinander. Kurz darauf kamen zwei grosse Kreuzer, zwei Torpedoboote und ein Schiff, das einen Fesselballon mit sich führte. Einige Flugzeuge flogen über uns hinweg, hinaus aufs offene Meer. Sie kamen nach etwa einer Stunde zurück und gaben Signale ab, worauf sich der «Convoi» nun endgültig in Bewegung setzte. Voraus einer der Kreuzer, ein zweiter neben uns, links und rechts je ein Torpedoboot, während «wir» in Gruppen von je fünf Schiffen, Gruppe hinter Gruppe, fuhren. Weit draussen auf der Backbordseite fuhr das Schiff mit dem Ballon. Von Zeit zu Zeit sahen wir, wie der Wachhabende im Ballon zur Ablösung an einer Strickleiter herunter- und sein Nachfolger in den Korb hinaufkletterte. Den ganzen Tag begleiteten uns Flugzeuge, die jedoch bei einbrechender Dunkelheit nach New York zurückkehrten. Am dritten Tage kehrte auch das Ballonschiff um und ging zurück. Nun waren wir mit den Kriegsschiffen allein auf hoher See. Von dem uns vorausfahrenden Kreuzer sahen wir bald Eigentlich steht auf dem Firmenschild «Shimy», aber das ist bloss ein internationaler Name, den er sich seiner vorwiegend angelsächsischen Kundschaft wegen zugelegt hat. «Chez Ibrahim» hätte meiner Ansicht nach 1 nicht nur den Vorteil geh'dbt, der Wahrheit zu entsprechen, sondern es hafte sich so vornehm angehört wie gewisse fashionable Lokale in Paris, die sich «Chez Victor> oder etwa «Chez Emile» nennen. Dessenungeachtet hat Ibrahim seinen Firmenschild nicht abgeändert, der Name klang ihm zu arabisch — seinen Erwägungen lagen offenbar dieselben Beweggründe zugrunde, die unsere Schweizer dazu veranlassen ihre Teestuben «Tea-rooms» zu nennen und mit «Grillrooms» und «lunch» herumzuwerfen, wo es doch für alle diese Dinge entsprechende Uebersetzungen gäbe. Kurzum, ob nun Shimy oder Ibrahim, es War dort immer am kühlsten und roch herrlich nach Amber und andern aufreizenden orientalischen Düften, denn Ibrahim ist einer der bekanntesten Parfumhändler (um konsequent zu sein, sollte ich ihn nun eigentlich Riechwasserhändler taufen!) Port-Saids, der gewichtige Filialen in Kairo und Luxor besitzt. Wer sich seiner Gunst erfreut — und ich durfte das — darf sich ruhig vom erstickend heissen Boulevard, der den Hafen flankiert, in seine kühle Boutique flüchten, auch wenn seine Börse es ihm nicht erlaubt, von jenen teuren Essenzen einzukaufen, von denen eine Ounze vierzig und mehr Franken kostet. Man darf sich dann ungeniert auf das kühle Ledersofa In der Ecke am offenen Fenster setzen, der Anblick des grünen Feigenbaumes im Hofe allein verschafft schon die Illusion der Kühle, der grosse Ventilator an der Decke tut ein Uebriges dazu, und man befinder sich in der angenehmen Lage, mitleidig auf die schwitzenden Passanten herabzuschauen, die von den Schiffen kommend, an Ibrahims Laden vorbeiströmeh. Das heisst nicht alle, denn es gibt immer welche, die bei Ibrahim einkehren, sei es dass sie die Kühle ahnen oder dass sie die wunderbaren Dürfe, locken, die ihnen um die Nase streichen beim Vorübergehen. Auf jeden Fall hält Ibrahim sein Geschäft auch zu jeder Stunde in der Nacht offen, wenn irgendein namhafter Dämpfer fällig ist, und wann wären am Hafen von Port-Said nicht Dampfer fällig? Kein Wunder, dass Ibrahims Geschäft, blüht. Er versteht nicht nur das Essenzen mischen — man muss ihn bei dieser-Arbeit gesehen haben, er macht daraus ein Ritual — sondern er ist auch ein vorzüglicher nur noch die Rauchschwaden, während da« hintere und die beiden Torpedoboote ständig in Sicht blieben. Von nun an begann auch, sobald es dunkel Wurde, das Zickzackfahren, indem alle Schiffe plötzlich und gleichzeitig im rechten Winke] nach Steuerbord und dann nach einiger Zeit wieder im rechten Winkel zur allgemeinen Fahrrichtung nach Backbord steuerten. Die Kommandos für dieses ständige Zickzacken wurden den Schiffen natürlich drahtlos übermittelt. Die fünf Schiffe jeder Gruppe waren selbstverständlich so weit voneinander entfernt, dass keinerlei Zusammenstoss zu befürchten war, und ausserdem liefen wir die ganze Reise nur unter halber Kraft. Es ist daher auch nicht zu verwundern, dass die Schiffe, die im Frieden die Ueberfahrt meistens in 6—7 Tagen machten, zu der Reise von New York nach Bordeaux 16 Tage benötigten. Ich muss hier noch beifügen, dass vorne am Bug, sowie hinten am Heck des Schiffes Kanonen aufgestellt waren. Neben jeder war ein Fernrohr. Zu meiner Verwunderung wurden diese Geschütze von englischen Marinesoldaten bedient und nicht von Franzosen, obwohl das Schiff ein französisches war. Während der Mann am Fernrohr ständig den Horizont absuchte, drehte der Mann am Geschütz dieses immer gleichzeitig in der Richtung des Fernrohres. Wann immer irgendwo draussen im Meere etwas Verdächtiges sich zeigte, wie zum Beispiel eine leise schwimmende Kiste oder ein grösserer Oelfleck, so wurde ein Schuss darauf abgegeben. Dabei gab es jedesmal ein grosses Geschrei unter den Rotkreuzschwestern und den Heilsarmeesoldaten, die glaubten, dass wirklich ein Unterseeboot gesichtet worden sei, und es bedurfte der Aufbietung aller unserer Ueberredüngskunst, die armen Leute wieder zu beruhigen. Mit der Zeit gewöhnten sie sich dann an die Schiesserei, Ibrahim (Schluss folg«.) Psychologe. Nie drängt er seinen Kunden seine Ware auf, ja er M so als läge ihm gar nichts an einem Geschäfte, sondern nur an einem Plauderstündchen mit den weissen Herrschaften aus ^ Uebersee, denen er,, ohne weitere Umstände von seinem kohlschwarzen Diener aus dem Sudan in zierlichen Porzellantässchen einen vorzüglichen arabischen Kaffee vorsetzen lässt, dem er, wenn er besonders gut gelaunt ist, je eine Messerspitze Amber beifügt. Gleichzeitig reicht er freigebig seine berühmten Amberzigaretten herum, wodurch im Nu eine angenehme Athmosphäre geschaffen Der Schmelztiegel der Speisekarte In New York ist vor einigen Monaten ein Restaurant eröffnet worden, in dem jeden Tag eine andere Nation kulinarisch zu Worte kommt. Am Montag geht es dort französisch zu, am Dienstag javanisch, am Mittwoch bayrisch usw., und ungefähr in einem Monat beginnt das Programm wieder von vorne. Die Idee des Restaurant-Inhabers hat gewaltigen Anklang gefunden,- schon auf Wochen vorher sind die Tische zum chinesischen Dinner oder russischen Frühstück ausverkauft. Aber die New Yorker hätten es gar nicht nötig, sich gerade auf dieses eine Lokal zu kaprizieren. Sie haben, auf engster Fläche im Herzen von Manhattan zusammengedrängt, buchstäblich sämtliche Nationalitäten der Erde gastronomisch vertreten, und darüber hinaus gibt es sogar einige Plätze, wo man echt amerikanisch essen kann. Damit ist New York zum vollendeten Schmelztiegel der Speisekarten geworden. 34 Nationalrestaurants können innerhalb weniger Strassenblocks gezählt werden. Kenner beginnen mit schwedischen Aperitifs, bevor sie nebenan ihre französischen Tartines verzehren. Mexikanischer Lunch mit scharfen Chili con carne gilt als besonders stimulierend. Nachmittags treffen sich die Damen beim englischen Five o'clock Tea; einer der Inhaber englischer Teestuben hat, um auf der Höhe der Aktualität zu bleiben, sein Lokal mit Gasmaskenfutteralen ausgerüstet, die die Kundinnen um den Arm nehmen sollen, um sich wie in London zu fühlen. Seither wird das Lokal von Engländern boykottiert, macht aber um so bessere Geschäfte mit Amerikanern. Als solidestes Dinner gilt ein Chop Sue in einem der chinesischen Restaurants; kaum einer der Gäste, die sich auf dieses Gericht stürzen, weiss, dass der Name «Zusammengekehrte Abfälle für Bettler» bedeutet, und dass es vor ein paar Jahrzehnten erfunden wurde, als der chinesische Konsul in San Franzisko verspäteten amerikanischen Gästen nichts vorzusetzen wusste als das, was in der Küche übriggeblieben war. Hier mag erwähnt werden, dass die besseren chienesischen Restaurants Anweisungen ausliegen haben, aus denen man den Gebrauch der Stäbchen im Schnellverfahren erlernen kann. Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil die Stäbchenkunst doch nicht im Handumdrehen zu erlernen ist, sind nahe den chinesischen Restaurants auch immer chinesische Fleckentfernungsanstalten, und diese wiederum sind oft mit russisch-römischen Bädern, in New York türkische Bäder genannt, verbunden, damit der Gast, der die Kleider zwecks Reinigung auszieht, seine Zeit auch gleich zur persönlichen Reinigung benutzen kann. Selbstverständlich reicht auch eine Woche nicht, um sich durch die Nationalspeisen durchzuesse*n. Ein einmaliger Besuch in einer von New Yorks berühmten Beefsteak-Stuben kann einem unter Umständen für Tage den Appetit nehmen. Die Dicke der Schnitzel wird dort nach Zoll gemessen, und unter zwei Zoll kommt kein Stück Fleisch. Pro Zoll kann man 4—5 Dollar ansetzen; Bier dazu ist frei, aber kein Speisesoda, das an sich dringender gebraucht würde. Und es gibt nichts Sättig'enderes als 3 Zoll plus 6 Bier. Nationaispeise-Essen will gelernt sein, und es überrascht deshalb nicht, dass sich mitten im Essens-Viertel eine Schule aufgetan hat, wo Kurse abgehalten werden, wie man es richtig macht. Dass Hummern nicht mit dem Büchsenöffner geöffnet und Austern nicht zertreten werdan dürfen, wird als bekannt vorausgesetzt. Aber wie schlingt man die Makkaroni um die Gabel und von- dort herunter, und wie zerlegt man Alligatorbirnen, Indianerfeigen und Durianfrüchte? Darf man Tintenfisch mit dem Obstbesteck attackieren, und wenn ja, wie? Ist es gestattet, die Knochen indischer Lachtauben zu zerknacken, ohne dass die anderen Gäste lachen? Wieviel Zimmet gehört auf Känguruhschinken? Droht man die Muskatmühle rechts oder links herum? Und wie verhält man sich, wenn es etwas gibt, was es bisher überhaupt noch nicht zu essen gegeben hat. wie beispielsweise Haifischflossenpastete oder Hühnerleitercocktail? Alles dies einschliesslich der bereits erwähnten Stäbchen-Esskunst, wird gelehrt, gegen Entgelt natürlich. Und dann gibt es die Restaurants, in denen es auch amerikanisch zu essen gibt. Chicken ä la King und Club-Sandwich regieren die Speisekarte, daneben phantastische Kombinationen, wie Fleischbrühe mit Schlagsahne, marinierte Froschschenkel, Eis mit Käse und eine Legion gewagter Eiaufläure. Aber langsam beginnt die Invasion der fremden Spezialitäten. Deutschland und China führen; keine amerikanische Speisekarte ist heute mehr ohne Sauerkraut oder Chicken Chow Mein. Frankreich beschränkt sich auf die .exklusiveren Gaststätten, und die übrigen Nationen, von Russland abgesehen, folgen erst in weitem Abstand, um mit Patagonien (haben Sie schon einmal Vogeleiersalat ä la Magalhaes-Strasse probiert?) zu enden. Die amerikanische Speisekarte wird ständig internationaler. Umgekehrt worden die nationalen Küchen gezwungen, auch Speisen der Konkurrenz aufzunehmen. Das mexikanische Restaurant kann nicht mehr umhin, neben Popokatepetl-Tamalen auch russische Pirogen anzubieten. Schweizerkäse, made in Finnland, ist aus dem safranduftenden spanischen Restaurant New Yorks nicht mehr fortzudenken. Dazu kommt der Zwang, die unverständlichen Vokabeln der nationalen Köchen in halbwegs verdauliches Englisch zu übertragen, wenn die Gäste nicht acht Suppen hintereinander bestellen wollen. So halten auch amerikanische Gerichte und Spezialitäten der Antipoden in sonst exklusiven Futterstätten Einzug. Wer niemals Ist, die eine anregende Konversation bedingt. Es scheint ihn gar nicht zu interessieren, ob man sich zu seinem weitherum gerühmten Parfüm «Traum der Wüste» entschliessen wird oder nicht, mit dem er so nebenbei den anwesenden Damen die Ohrläppchen besprenkelt, vielmehr scheint ihn zu interessieren, von den Ausreisenden zu hören, wie sich die Reisernte in China gemacht hat und von den Einreisenden, wie man in Europa über Aegyptens Politik denkt. Die Ladies erkundigen sich über die Vielweiberei des Muselmans und möchten gerne wissen, wieviele Frauen Ibrahim sein eigen nennt. Ich habe ihn diese Frage mit Variationen beantworten hören, bald waren es sieben, bald bloss fünf und andere Male hat er sie auf ein rundes Dutzend ergänzt. Er scheint dabei die Sensationslust der fragenden Lady in Betracht zu ziehen. Ich selbst habe allen Grund, anzunehmen, dass Ibrahim überhaupt nur eine einzige Frau besitzt, die er zärtlich liebt. Auf meine Interpellation bezüglich der Elastizität seiner Angaben, meinte der schlaue Araber: Wenn man schon im Rufe der Vielweiberei stehe, so habe man sich danach zu richten, denn er habe es schon erlebt, dass eine Amerikanerin sich enttäuscht von ihm abgeWandt habe, als er ihr der Wahrheit gemäss verriet, er habe nur eine einzige Frau, ja diese eines Muselmans so unwürdige Enthüllung habe sie so empört, dass sie sein Geschäft verlassen im italienischen Restaurant ein Knäckebrot mit habe, ohne den ausgewählten Parfüm «arabische Limburger und türkischen Kaffee nach dem Wodka genommen hat, wird dies vielleicht nie Flitterwochen», an dem sie doch so grossen Gefallen gefunden hatte, zu kaufen. Seither hat Ibra- Soviel über die normalen Restaurants. Dane- ganz verstehen können. him, wie gesagt, so viele Frauen, wie es ihm im ben gibt es noch viele andere. Es gibt das Restaurant der 200%igen Vegetarier — nur — Blattsalat Moment als gegeben erscheint, und macht dabei in einigen fünfzig Ausführungen mit Riechsalz für sehr gute Geschäfte. Vielleicht, meinte er schmunzelnd, sei bei den Herrschaften die Erwägung Kartoffelsuppe einen Büchsenöffner braucht; Re- die, die vor Hunger schwach werden; das Restaurant der Konserven-Industrie, wo man sogar für ausschlaggebend, dass man einem Manne, der so staurants für Hunde, von wo auch Essensportionen nach Hause geschickt werden; und ein Restaurant, .viele Frauen zu unterhalten habe, unbedingt durch wo nur geschiedene Ehefrauen über 60 Jahre Zutritt haben. Endlich aber gibt es auch Restaurants, wo man normal essen kann; der Kenner einen Kauf helfen müsse. A. Hersperger. weiss sie zu finden. Ralph Harter.

JJO 10 — DIENSTAG, 5. MÄRZ 1940 WE LTGESCHEHE N Dschengis-Khan Im Jahre 570 n. Chr. wird in Mekka Mohammed geboren, der Begründer des Islams. Die neue Religion gewinnt zunächst in Arabien Boden und tritt dann ihren Siegeszug durch Palästina, Syrien, Medien und Persien an. Bagdad, Basra und Kufa werden Sitze der mohammedanischen Bildung und nehmen in der Welt eine führende Stellung ein. Von dort aus breitet sich der neue Glauben nach Aegypten aus. An die Stelle der griechischen Bildung, die der Hellenismus hierher verpflanzt hat, tritt die Kultur des Islams. Der Islam ist zu einer Weltmacht geworden: er gewinnt Afrika und Spanien und schickt sich an, ganz Europa zu erfassen. Unter den Abassiden (750—809) gelangt er zu einer grossen Blüte. Diese Herrscherfamilie gibt die eigentliche Eroberungspolitik auf und widmet sich den Werken des Friedens. Aus den «Märchen aus Tausend und einer Nacht» gewinnen wir eine Vorstellung von dem Geist dieser grossen Epoche. Der Mongolensturm macht dieser Entwicklung ein Ende. Die östlichen Völker in Asien, AUTOMOBIL-REVUE die die Religion Mohammeds angenommen haben, büssen im Laufe der Jahrhunderte in inneren Kämpfen ihre Kräfte ein, aber sie verstehen es, ihre Kultur auf einer hohen Stufe zu bewahren. Unter dem Druck barbarischer Völker, die aus dem Osten einfallen, bricht die arabisch-persische Kultur dieser Länder zusammen. Die Mongolen treten erst mit Dschengis- Khan, zu Beginn des 13. Jahrhunderts, bedeutungsvoll in der Geschichte auf. -Als wilde, grausame und raubgierige Nomaden durchstreifen sie ganz Zentralasien. Schon zu Beginn unserer Zeitrechnung hatte das kultivierte China sich ihrer Raubzüge erwehren müssen. Gegen die wilden mongolischen Stämme errichten die Chinesen im 3, Jahrhundert n. Chr. das Wunderwerk der grossen chinesischen Mauer. Im Jahre 1206 wird durch Beschluss des Reichstags der Mongolen ein Fürst namens Temudschin zum Dschengis-Khan gewählt. Den Titel deutet man verschieden: «grossmächtiger Herrscher » oder « unbeugsamer Herrscher ». Der Sinn der Bezeichnung ist, dass der Fürst als oberster Beherrscher aller Mongolenstämme gilt. Während der Name Cäsars zum Titel Kaiser wurde, ist hier der Titel des Herrschers zur Bezeichnung der Person geworden. Temudschin ist in die Geschichte unter dem Namen Dschengis-Khan eingegangen. Von der Jugend dieses grossen Eroberers wird berichtet, dass er im Alter von 12 Jahren Waise wurde und sich durch hohe kriegerische Eigenschaften auszeichnete. Bald ist er einer der befähigtsten mongolischen Heerführer. Schon früh verfolgt er sein Ziel, alle mongolischen Stämme seiner Oberherrschaft zu unterwerfen und zu einem grossen Einheitsstaat zusammenzüschweissen. Diese Stämme leben als Nomaden verstreut in ungeheuer ausgedehnten Gebieten, die sich von den japanischen Inseln bis zum Kaspischen Meer erstrecken. Dschengis-Khan gelingt diese Zusammenfassung. Er sieht sich im Besitz eines Riesenreiches, das er in grosszügiger Weise organisiert. Seine Hauptstadt ist Karakorum, im Norden der Wüste Gobi gelegen. Nachdem diese Reichsbildung geglückt ist, trachtet er danach, seine Herrschaft durch Eroberungen zu erweitern. Zuerst greift er China an. Die Grosse Mauer bedeutet ihm kein Hindernis. In relativ kurzer Zeit erobert er die nördliche Hälfte des alten chinesischen Reiches bis zum Hoangho. Diese Gebiete gehörten damals zu dem Reiche Kin, das von der Mandschurei aus gegründet worden war und in schärfstem Gegensatz zu den in Südchina regierenden Kaisern der Sung-Dynastie stand. Dschengis-Khan zerstört das Reich Kin, während er Südchina unangetastet lässt. Erst sein Enkel, Kublai- Khan, der Begründer Pekings, an dessen Hof der venezianische Reisende Marco Polo so viele Jahre weilte, vernichtet das Reich der Sung-Dynastie und vollzielt die Einigung Chinas. Von türkischen Stämmen verstärkt — man vermutet, dass der Khan selbst türkischer Abstammung war — erobert er das ganze Gebiet zwischen der Wüste Gobi und dem Schwarzen Meer, also Turkestan, Persien, Mesopotamien, Armenien, Georgien. Diese Länder, die bereits eine hohe islamitische Kultur besitzen und infolge ihres Reichtums und ihrer Fruchtbarkeit zur Blüte gelangt sind, werden von den Horden des Khans niedergetreten, geplündert und zerstört. Sie haben sich bis zum heutigen Tag von diesem Vernichtungsfeldzug nicht erholt. Herrliche Städte wie Buchara und Nischapur werden niedergebrannt, an den Bewohnern die scheusslichsten Grausamkeiten verübt. In Herat bleiben von 100 000 Einwohnern 16 am Leben. Eine andere Mongolenhorde gelangt plündernd und mordend bis nördlich des Kaspischen Meeres und bringt den Russen eine vernichtende Niederlage bei. Mit den geraubten Schätzen kehrt Dschengis- Khan nach Karakorum zurück. Mitten in den Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug nach China, im Jahre 1227, stirbt der grosse Eroberer, diese Geissei der Menschheit. Vor seinem Tode teilt er das Reich unter seine vier Söhne auf. Dschengis-Khan war, wie die meisten Eroberer, ein grosser Organisator und Gesetzgeber, aber diese zweifellos bestechenden Talente wurden vollkommen verdunkelt durch seine masslose Grausamkeit und Goldgier. Eine verfeinerte Lebensweise war ihm fremd. Für die hohe Kultur des Islams hatte er kein Verständnis. Zweifellos ist durch ihn die kulturelle Entwicklung der Menschheit im Osten um Jahrhunderte zurückgeworfen worden, manche Länder aus blühendsten Verhältnissen in den Zustand der Barbarei zurückversetzt worden. Mit seinem Tode ist die Mongolengefahr für Wer glaubt, der Fallschirm sei eine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts, täuscht sich, existierte er doch bereits zur Zeit Leonardo da Vincis, der im Jahre 1495 einen solchen eingehend beschrieb. Allerdings hat er seine gewaltige Bedeutung für die Praxis erst durch den Aufschwung des Flugwesens im Laufe der letzten fünfzig Jahre erhalten. Eine der grössten Unzulänglichkeiten des Fallschirms bestand bis vor kurzem darin, dass das Oeffnen unterblieb, wenn der zum Absprung gezwungene Luftpassagier den Handgriff nicht zu bedienen vermochte. Vor kurzem hat nun die italienische Armee in aller Stille unter der Leitung des Oberstlieutenants Prospero Freri ein neues Modell, den « Salvator > fertiggestellt, der zwei Vorrichtungen aufi weist, \yovpn die eine für die « willkürliche > Bedienung bestimmt ist, während die andere in Funktion tritt, falls die erforderlichen Manipulationen nicht mehr vorgenommen werden können. Diesem «Salvator > verdanken bis heute rund fünfhundert Flieger ihre Lebensrettung. Nachdem diese Frage gelöst ist, wird durch den Erfinder eine neue in Angriff genommen: Die Sicherung des Flugpassagiers, der in einem Kabinenflugzeug eingeschlossen ist und unter den gegenwärtigen Verhältnissen nie dazu kommt, im Falle der Gefahr den Sprung in die Tiefe zu tun. Von der Tatsache ausgehend, dass allein der Pilot eines Flugzeuges zu beurteilen vermag, ob und wann ein Absprung aus dem Flugzeug zur unumgänglichen Notwendigkeit wird, will nun Oberlieutenant Freri dem Flugzeuglenker ermöglichen, die Sitze auf elektro-mechanischem Wege in der gleichen Weise zu lösen, wie zum Beispiel ein Kriegsflieger seine Bomben abwirft. Im Falle der Gefahr würden demnach die Passagiere einfach durch den Boden des Flugzeuges in den Luftraum fallen gelassen; die umgehängde% JOuegswäschexel in !ß&tn adeltet die Schmelze* Sfoau iwv uasete Saidaten die Menschheit nicht zu Ende. Sein Sohn Oktai wird zum Dschengis-Khan erhoben. Er setzt die Feldzüge des Vaters fort, erobert China bis zum Jangtsekiang und zieht sich dann in seine Residenz Karakorum zurück. Mit dem in der ganzen Welt zusammengeraubten Gut gestaltet er diese so ungünstig am Rande der Wüste gelegene Stadt zu einem glänzenden Herrschersitz. Nach Mongolenart führt er hier ein verschwenderisches, rohes Genussleben. Sein Neffe Batu gelangt auf seinen Kriegszügen bis nach Moskau; er besiegt die Polen bei Chmielnik, die Ungarn auf der Heide von Mohi und schlägt die vereinigte deutsche und polnische Ritterschaft bei Wahlstatt in Schlesien. Schon steht Europa der Schrecken eines Mongoleneinfalls bevor. Aber der hartnäckige Widerstand der Ritter in dieser Schlacht veranlasst Batu, sich nach Mähren und Kroatien zu wenden. Unterwegs erreicht ihn die Nachricht vom Tode des Dschengis-Khan Oktai. Ueber Serbien und Bulgarien zieht Batu heim. Das Abendland ist frei. Es bleibt ihm das Geschick der blühenden östlichen Länder erspart, von den mongolischen Horden niedergetreten und vernichtet zu werden. Ein neuer italienischer Fallschirm rtfi ten Fallschirme würden sich selbsttätig öffnen, wodurch die Passagiere gerettet werden könnten, die bis jetzt in analogen Fällen fast ausnahmslos ihr Leben verloren. So phantastisch der Plan auf den ersten Blick erscheinen mag und so gross die Schwierigkeiten auch heute noch in technischer und psychischer Beziehung sein mögen, so wenig wird man doch die Möglichkeit einer derartigen Lösung von der Hand weisen dürfen. Wie viele Neuerungen und Erfindungen betrachtet der moderne Mensch als Selbstverständlichkeiten, für welche die frühere Generation nichts weiteres übrig hatte als ein mitleidiges Lächeln? 0 rnh*t«3 SÜ (Photos Schenker.) Basel Hotel Krafft am Rhein oberhalb „Mittlere Brücke". Ruhig schlafen (Zimmer ab Fr. 4.50). • Gut essen. Garage. Tel. 43.968. F. Lutz. Muri (Aargau) Rest zum Alpenzeiger T. C. 8. 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