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E_1940_Zeitung_Nr.012

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BERN, Dienstag, 19. März 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 12 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insasse-iversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevu«, Barn Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DM aehtgespartene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtaril iMeratcnsehlns* 4 Tage vor Erseheinen der Kummet Bereit zur Ostevfahrt t Verlockend streicheln die ersten, warmen Frühlings-Sonnenstrahilen über die schlafenden Felder und Wälder, während der Frühjahrssturm noch böig durch die Wipfel kämmt und Reste von* Laub herunterbläst, die er im Herbst zu holen vergass. Die Schneedecke zerrinnt im heissen Atem des Föhns und schon strecken da und dort die ersten Frühlingsblumen, halb zaghaft, halb keck ihr Gesichtchen der Sonne entgegen. Es m u s s doch Frühling werden. Bereits steht Ostern vor der Tür, willkommene Feiertage winken. Drum werden eifrig Pläne geschmiedet. Wohin wird uns der Osterwind verwehen? Hinauf in den Märzenschnee, an die Gestade eines blauen Sees im Süden oder zieht es uns schlussendlich mehr in die erwachende Frühlingslandschaft unserer näheren Umgebung? Eins steht auf jeden Fall schon fest: Den Wagen benötigen wir unbedingt für diesen Zweck, ob er nun gegenwärtig in der Garage unbeschäftigt vor sich hindöst oder als unentbehrlicher Helfer ohnehin jahraus jahrein im Dienste steht. Mehr noch: Er soll sich von der besten Seite zeigen, von der Festtagsseite sozusagen, und darf uns nicht den Spass äri der Fahrt durch allerhand kleine Neckereien vergällen. Besonders, wenn seltenere Fahrgäste mitkommen, gewinnen oft unbeachtete, kleine Mängel, ein leises Klappern der Türen oder eine leichte Schalthemmung, die Papa in der Demonstration seiner Fahrkünste behindern, an Bedeutung. Sie wachsen sich zu einem wahren Aergernis aus, diese boshaften Kleinigkeiten, die man sonst so gerne übersieht, wenn man « unter sich Pfarrerstöchtern » ist. Wer hätte nicht schon die Erfahrung gemacht, dass der Radio stets gerade dann an «Magenstörungen» leidet, wenn man ihn Bekannten vorführen will ? Mit dem Wagen hat es manchmal eine ganz ähnliche Bewandtnis, sofern man nicht bewusst zum Rechten sieht. Vorläufig steht er noch der Dinge harrend, die da kommen sollen, festgewurzelt auf seinen zwei Holzböcken in der Garage und ist bass erstaunt, dass plötzlich die Türe aufgesperrt wird und das Licht nur so hereinflutet, worauf ein emsiges Treiben beginnt. Die beiden Buben arbeiten sich schichtweise mit der Reifenpumpe in Schweiss und prüfen zwischendurch sachkundig, ob der gewünschte Druck wohl schon erreicht ist. Ihr Eifer lässt den Wunsch nach einer Zündkerzenpumpe gar nicht erst aufkommen, die> für solche Zwecke sonst ganz praktisch ist. Derweil öffnet Vater den Ablaufhahn am Brennstofftank und lässt das Benzinrestchen in eine F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 13. Fortsetzung « Also ein geistiger Defekt in dem Fall ? » meint Hans Römer und bereut, dass er sich als Karriere nicht den Beruf eines Verteidigers erwählt, mit der Spezialität Strafsachen. Prachtvolle Plaidoyers mussten sich zusammenbringen lassen, wenn man mit all dem modernen Humbug wie Graphologie und Psychoanalyse ausgerüstet war!... Aber vielleicht war's kein Humbug ?... « Nein. Kein geistiger Defekt die Zwiegespaltenheit. Etwas Naturgegebenes... sie waren schon klug damals mit ihrem Januskopf, dem Kopf mit den zwei Gesichtern, die den Ausdruck trugen für zwei entgegengesetzte Wesensarten in ein und demselben Menschen. Wir alle haben so einen Januskopf... Sehen Sie : Mut ist nicht Mut, und Feigheit ist nicht Feigheit. Mut ist eine Teil- Flasche fleissen, um es gelegentlich als, Waschmittel verwerten zu können. Benzin hat nämlich ungleich anderen edlen Tropfen nicht die Eigenschaft, sich durch Lagern zu verbessern. Sogar ganz im Gegenteil ! Es wird durch den Luftsauerstoff mit der Zeit etwas oxydiert und kann dann klebrige Ausscheidungen bilden. Besonders unangenehme Erfahrungen scheinen diesbezüglich gegenwärtig die Engländer mit ihrem «Pool- Petrol» genannten, markenlosen Einheitsbenzin zu machen, das sehr rasch oxydiert und so starke Ausscheidungen zur Folge haben soll, dass bei Wiederinbetriebnahme vieler, stillgelegter Fahrzeuge Motorstörungen auftraten. Bei gutem Markenbenzin sind allerdings solche « Stempeneien » nicht zu befürchten. Trotzdem ist es besser, wenn man das alte Benzin, das im halbleeren Brennstoffreservoir intensiv mit der Luft in Berührung kam, mitsamt dem eventuell vorhandenen Kondenswasser und Schmutz ablaufen lässt, um Brennstoff aus der wohlgefüllten Reservekanne einzufüllen. Verfügt der Wagen noch über einen jener «.berühmten » alten .Vakuumförderer, scr.,Jansen wir auch daraus das alte Benzin ab und ersetzen es durch solches aus dem Reserve-; eigenschaft der Feigheit, und Feigheit ist eine Teileigenschaft des Mutes ! Erst beide Teileigenschaften zusammen ergeben die volle Eigenschaft, die dann entweder Mut oder Feigheit heisst, und zwar je nach der Teileigenschaft, die im Oberbewusstsein liegt! » « Das versteh© ich nicht. » Der alte Herr unterdrückt ein Lächeln : «Das glaub ich!... Also passen Sie mal auf: legen Sie mal... haben Sie ?... ein kanister. Besitzt der Motor jedoch statt dessen eine Förderpumpe, so nehmen wir deren Sobauglas ab und reinigen ihren Drahtfilter mit Benzin. Hat sich im Schwimmergehäuse des Vergasers ein Satz gebildet, so sollte er ebenfalls entfernt werden, was allerdings viele Wagenbesitzer lieber einem zuverlässigen Mechaniker überlassen. Nach Beendigung der Arbeit sind Schwimmergehäuse und Brennstoffpumpe mit Benzin zu füllen, damit die Pumpenmembrane nicht allzulange trocken. arbeiten muss und dabei vielleicht infolge ihres ausgetrockneten Zustandes rissig wird. Der Kühler ist natürlich leer und bedarf einer frischen Wasserfüllung. Stand der Wagen aber über den Winter im Betrieb, so ist jetzt der Augenblick zum Ablassen der Frostschutzbrühe sowie einer allgemeinen sonders wirksame Verfahren zur Verfügung stehen, die teils mechanisch mittelst Pressluift und Wasser, teils auf chemischem Weg den Belag von den Wänden des Kühlsystems lösen und dadurch die KüHwirkung soweit verbessern, dass selbst eine längere Bergfahrt nicht mehr zum Kochen des Wassers führt. Bedingung ist allerdings, dass der Propellerriemen nicht etwa schleift. Erweist er sich als zu locker, so spannen wir ihn nach Anweisung des Instruktionsbuches nach. Nun folgt die Füllung des Kühlers mit einer Kanne frischen Wassers, sowie die anschliessende Kontrolle des Kühlerblocks auf Dichtheit. — Aha, da haben wir's! Tröpfelt da nicht die Kühlwasserpumpe ? Lässt sich zum Glück durch Einfüllen von frischem, hitzebeständigem Spezialfett in die Wasserpumpenfettbüehse und Anziehen derselben leicht beheben ! (Schluss Seite 2.) Trotz allem — Förderung des ausländischen Autoverkehrs nach der Schweiz Trotz den Erschwerungen mannigfaltigster Art, unter denen der internationale Automobilreäseverkehr seit Kriegsausbruch zu leiden hat, gehen doch bei den Touristikbureaux der schweizer. Automobilistenverbände die ersten Auslandsanfragen über Autoreisen nach der Schweiz ein. Dabei handelt es sich nicht Hess, im tiefsten Kern seines Wesens ein Betrüger und Gauner ist ? » Fünffrankenstück auf den Tisch... so. Sehen Sie... die eine Seite zeigt einen Kopf, « Selbstverständlich ! Die Stärke der unter- die andere eine Zahl. Wir sehen nur die Seite, die nach oben zu liegt... also jetzt den Kopf... so ist es auch mit den Gefühlen und Eigenschaften und Charakterzügen... wir sehen, was im Oberbewusstsein liegt !... Reinigung des Kühlsystems gekommen, wozu vielen Garagen heute be- Gönnen Sie auch dem Wagen seine Frühjahrstoilette! Die entgegengesetzte Teileigenschaft liegt verborgen im Unterbewusstsein ! » «Entschleiert sich denn diese verdeckte Teileigenschaft nicht? » « Manchmal... Dann bricht die unterbewusste Komplementäreigenschaft mit Gewalt heraus — oft im Dämmerzustand, oft bei klarem Bewusstsein... oft einmalig, oft in rhythmischer Folge... dass die Umgebung entsetzt zurückweicht und von .Zwangshandlungen' spricht — die sich aber aus der Doppelnatur des Patienten, wenn Sie ihn so nennen wollen, sehr wohl erklären lassen ! » Hans Römer beugt sich vor. « Es wäre also durchaus möglich, dass ein hochachtbarer, rechtlicher Angestellter, der sich jahrzehntelang nichts zuschulden kommen bewussten Komplementäreigenschaft richtet sich nach der Stärke der oberbewussten Eigenschaft ... Je tyrannischer ein Mensch ist, um so hilfloser ist er in seiner zweiten Wesensart ! Denken Sie an Nero, als ihn dÄ Strafe ereilte.» «Ja... Sie haben recht. » Hans Römers Wangen brennen. Die Zigarettenreste häufen sich in der Aschenschale. «Haben Sie noch nie bei Senisationsiprozessen gelesen, dass Zeugen über einen Mörder, der sein Opfer unter qualvollen Martern zur Strecke gebracht hatte, aussagten : ,Aber es ist doch nicht möglich ! Der Angeklagte konnte ja keiner Fliege etwas zuleide tun !' ... Nein — eben nicht! Ein Mann von so sensibler Güte, dass er jede Fliege vom Fensterbrett scheucht, damit ihr kein Leid geschieht, trägt eben am Gegenpol, im Unterbewusstsein, die Komplementäreigenschaft dieser übersteigerten Güte : mitleidslose Grausamkeit!» « Dann hätte man also durch die Erkenntnis... wie soll ich das sagen... den Schlüsse! in der Hand, der... den seelischen Mechanismus erschliesst ? » « Selbstverständlich !... Sie haben das sogar sehr nett ausgedrückt. Achten Sie auf die stärkste oberbewusste Eigenschaft eines Menschen, den Sie kennenlernen oder kennen, und Sie werden wissen, welche entgegengesetzte Komplementäreigenschaft in seinem Unterbewusstsein ruht und eines Tages an die Oberfläche geschleudert werden kann — Kann... nicht immer wird. Sie werden immer wissen, worauf Sie bei einem Menschen gefasst sein müssen.» Hans Römer stösst heraus : « Ich bin Ihnen dankbar. Wirklich so dankbar ! Ich glaube, das ist die interessanteste Stunde, die ich erlebt habe ! » Und sich wienur um Ferienaufenthalte von Auslandsschweizern, sondern auch um Auslandsautomobilisten, die zu Kur- oder Ferienzwecken nach der gastlichen Schweiz fahren möchten. All diese Anfragen beziehen sich in erster Linie auf die Aufstellung von Reiserouten und -Programmen und selbstverständlich auch auf Zusendung von Itineraires und Kartenmaterial. Der Autotourist hat es eben nicht so einfach wie der Eisenbahnreisende, der sich an feste Verkehrsverbindungen halten kann; vielmehr sieht sich der Automobilist vor Dutzende von Möglichkeiten für die Ausgestaltung seiner Reiseroute gestellt. Um so In dieser Nummer: Kriegswirtschaftliche Erlasse. Pariser Brief. Herstellung von Pumpen-Zahnrädern aus Eisenpulver nach dem Pressverfahren.