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E_1940_Zeitung_Nr.016

E_1940_Zeitung_Nr.016

BERN, Dienstag, 16. AprU 1940 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Am 7. Dezember hatte Nationalrat Vallotton den Bundesrat über die durch den Mangel an Lastwagen geschaffenen Zustände und über die Frage der Motorfahrzeugbesteuerung interpelliert. Als parlamentarischer Niederschlag der von Herrn Vallotton ausgelösten Aktion, wozu sein in der «Automobil-Revue» veröffentlichter Artikel das Signal gab, sollte die Interpellation nach der Auffassung des prominenten Waadtländer Ratsherrn auf der Stelle vor das Forum der Volksvertreter gelangen. Es kam nicht dazu, weil die Instanzen des eidg. Post- und Eisenbahndepartementes erst die Unterlagen für die bundesrätliche Antwort zusammentragen mussten. Gleichzeitig liefen auch Verhandlungen mit den Automobilverbänden. So geschah's, dass die Behandlung der Angelegenheit verschoben wurde, nicht auf die sehr kurz bemessene ausserordentliche Februarsession, sondern auf die Frühjahrstagung; Erst-letzte Woche kam damit Herr Vallotton zum Wort, in einem Augenblick allerdings, da die Entwicklung der aussenpolitischen Ereignisse seinem Mahnruf und seinem Appell zum zeitigen Handeln in dieser Frage ein besonders ernstes Relief verlieh. Aber die Beantwortung durch den Bundesrat -blieb aus — bedauerlicherweise, muss man sagen — sie steht erst für die Junisession zu erwarten. Um den Hehr Lastwagen, weniger Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Was hat der Bundesrat In dieser Hinsicht getan? fragt Nationalrat Vallotton. Text der Interpellation nochmals zu wiederholen: 1. Die allgemeine Mobilmachung hat die Requisition zahlreicher ziviler Materiallastwagen zur Folge gehabt, die jedoch in Industrie, Handel und Landwirtschaft notwendig oder gar unentbehrlich sind. Dieselben Fahrzeuge waren aber auch in der Armee unentbehrlich und konnten wegen des Mangels an Lastwagen von drei bis fünf Tonnen nicht freigegeben werden. Was für Beschlüsse gedenkt der Bundesrat zu fassen, um diesem auf die Länge unhaltbaren Zustand Abhilfe zu schaffen? 2. Die fiskalischen und Zoll-Lasten drücken weiterhin stark auf die Motorfahrzeuge, trotzdem deren Gebrauch infolge der Breonstöürationierung wesentlich eingeschränkt ist. Aue diesem Grunde sind Tausende von Nummern zurückgegeben und Tausende von Fahrzeugen aufgebockt worden, was eine Schwächung der Landesverteidigung, einen Ausfall an S'teuerund Zolleinnahmen für die Kantone und den Bund und eine schwere Bedrohung für die Automobilindustrie und den Automoibilhandel bedeutet. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat, im Einvernehmen mit den Kantonen, auf diesem Gebiet zu ergreifen? Und die Begründung (im Wortlaut.) . Bevor ich auf die Fragen näher eintrete, welche wir an den Bundesrat gerichtet, gestatten Sie mir einige Feststellungen, aus denen sich die Grundsätze ableiten lassen, die nach unserem Dafürhalten die Stellungnahme der Behörden gegenüber dem weitverzweigten Problem des Automobils bestimmen sollten. Wir besitzen in der Schweiz 95 000 Personenund Lastwagen, wozu noch 26 000 Motorräder kommen, ein Bestand, der beträchtliche Vermögenswerte repräsentiert. Genau gesagt: 94 850 Motorwagen, nämlich 72 500 Personen-, 20 650 Lastwagen und 1700 Autobusse. Vom Autogewerbe und -handel leben in unserem Lande rund 50 000 Personen. Das in den Fabriken, Garagen, Werkstätten, Tankstellen und Lagern investierte Kapital erreicht mehrere Milliarden. Im Jahr 1938 nahm der Bund ungefähr 43 Millionen an Benzdnzöllen und 13 J^ Millionen an Einfuhrzöllen auf Fahrzeugen, Bestandteilen und Stillegungen Zubehör ein, insgesamt somit nahezu 57 Millionen (56 660 340 Fr.). Die Kantone ihrerseits lösten aus Verkehrssteuern, Taxen und Gebühren im selben Jahr über 30 Millionen; überdies fiel ihnen noch der Beazinzollviertel im Betrage von 11% Millionen zu. Alles in allem bezifferte sich 'der Ertrag, der Bund und Kantonen aus dem Motorfahrzeugverkehr zufloss, auf fast 100 Millionen, ganz zu schweigen von den übrigen, ordentlichen Steuern, welche von den Liegenschaftsbesitzern und den Autotransportunternehmungen entrichtet wurden. Dabei darf man nicht übersehen, dass die Förderung des Automobilverkehrs eines der wenigen wirksamen Mittel verkörpert, um der Hotellerie zu helfen, deren tragische Situation ein jeder von Ihnen kennt Gestützt auf diese Zahlen dürfen wir behaupten, dass Bund wie Kantonen schon in Friedenszeiten die gebieterische Pflicht erwächst, nichts zu unterlassen, was dem Schütze des Motorfahrzeugs dienen könnte, dieses bedeutsamen Trägers wirtschaftlichen Wohlergehens. ..Noch etwas aber verdient in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden: Der Motorfahrzeugpark bildet ein wichtiges Element unserer Landesverteidigung, denn im Falle eines Krieges erfolgen die Truppen- und Materialtransporte, die Verpflegung, die Evakuierung mit der Bahn und mit dem Auto. Dieser Park muss also zahlenmässig genügend stark eein, er muss weiter aus soliden Fahrzeugen von guter Qualität bestehen und ausserdem in «ständiger Fahrbereitschaft stehen, u. a. damit der Ersatz zerstörter Militärfahrzeuge und die Evakuation keine Störungen erleiden. Sie wissen, was in Finnland geschehen ist: von einem Tag auf den andern wurden sämtliche Motorfahrzeuge für den Transport Hunderttaueender von Soldaten requiriert. Damit ist auch gesagt, dass der Bund alle Massnahmen ergreifen muss, welche geeignet sind, um uns einen grossen, qualitativ einwandfreien und jederzeit verfügbaren Motorfahrzeugpark zu sichern. INSERTIONS-PREIS Dl* achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 4» . GrSssere Inserate nach Spezialtarlf Inmratensehta« 4 Tage vor Erscheinen der Hammer In dieser Nummer: Jetzt auch fabrikneue Personenwagen von der Requisition befreit Um das neue bernische Steuerdekret. Kleiner gebt*s nimmer! Feuilleton: Seite 7. Zusätzliche Benzinrationen. Im Kriegsfalle teilen sich Schiene und Straese in die Aufgabe, eie arbeiten Hand in Hand, sie ergänzen sich in ihren Anstrengungen. Dieße Zusammenarbeit wechselt je nach den Umständen, den zu lösenden Aufgaben, nach der Entwicklung der Kriegelage und den eintretenden Zerstörungen, ohne dass es möglich wäre, eie schon zum vorneherein in ein Schema zu spannen. Was über die Ereignisse in Polen zu unserer Kenntnis gelangt ist und was wir in Finnland gesehen haben, bestärkt uns in der Auffassung, dass die Bahnen — und besonders die elektrifizierten mit ihren leicht verwundbaren Zentralen — der Bombardierungsgefahr stärker ausgesetzt sind als der Lastwagen, der vereinzelt fahren und bei der Zerstörung einer Strasse seine Boute in unserem umfangreichen Strassennetz ändern kann. " * : Von dieser engen, unerlässlichen Zusammenarbeit zwischen Schiene und Strasse sollte unsere ganze Politik getragen sein. Einmal für alle: lassen wir in der Schweiz von diesem abscheulichen Zweikampf zwischen Bahn und Auto ab, einem Kampf, der schon so viel Unheil gestiftet hat, der den bon sens Lügen straft und für die Landesverteidigung eine nicht wegzuleugnende, ernste Gefahr bedeutet. Zugleich bedroht uns ein anderer Konflikt: der Zusammenprall zwischen den Interessen der Armee einerseits und der zivilen Wirtschaft ander- „Meisterwerke" des Strassenbaues Zwecks reibungsloser Bewältigung des Strassenverkehrs während der Landesausstellung haben bekanntlich Stadt und Kanton Zürich verschiedene .Zufahrtsstrassen in grosszügiger Weise ausbauen lassen. Zu diesen Strecken zählen u. a. die Limmattal-Ueberlandstrasse zwischen dem Gaswerk der Stadt Zürich (Schlieren) und dem Hardturm-Sportplatz, sowie die beiden Seeuferstrassen. Bereits am 4. Okt. 1938 haben wir in unserm Blatt die umgebaute Limmattalstrasse einer eingehenden Kritik unterzogen. Wie unsere linksstehende Abbildung deutlich beweist, haben sich inzwischen die von uns seinerzeit erwähnten Mängel in ihrer vollen Tragweite ausgewirkt. Die aus der falschen Längsprofilierung hervorgehende Konzentration des Schnellverkehrs auf die Strassenmitte sorgte automatisch dafür, dass sich der langsamere Schwerverkehr auf den beiden Strassenrändern abwickelte. Deren Wellenberge und -täler waren nicht in der Lage, den Achsdrucken die entsprechende Widerstandskraft entgegenzustellen, so dass heute genau um Walzenbreite eine auf dem Reissbrett als « wohldurchdachte > Konstruktion sich präsentierende Lösung eher derjenigen eines Pfusch Werkes gleicht. Hierbei ist zu betonen, dass der Fehler durchaus nicht in der Belagsart (Teerasphalt), sondern beim Unterbau zu suchen ist. Durch den Schwerverkehr wurde das Profil mehr oder weniger egalisiert, was sich •für den Belag recht unheilvoll auswirken musste. Trotz frühzeitig vorgenommener Flickarbeiten wird man kaum darum herumkommen, den nicht gerade billigen Umbau der Limmattalstrasse eben noch einmal umzubauen! Die rechtsstehende Abbildung zeigt einen ebenfalls noch neuern Belag auf der linksufrigen Seestrasse bei Rüschlikon. Vermutlich handelt es sich hier um einen zweischichtigen Teerasphaltbeton. Auch in diesem Falle liegt die Ursache der Zerstörung nicht im Belag, sondern im Untergrund, wie dies aus den Frostblähungen deutlich hervorgeht.