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E_1940_Zeitung_Nr.018

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BERN, Dienstag, 30. April 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 18 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Kortozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION U.ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnindzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inscratenschliiss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Gerade beim Fahrtrichtungssignal Nr. 19 wird jedoch zu einer Verdeutlichung meist ein anderes Verfahren eingeschlagen. Jedermann kennt die in unseren Städten häufig zu sehenden aus Embahnsperrtafel (Nr. 9 der Verordnung) und Richtungszeichen Nr. 19, wie sie zur Kennzeichnung des Kreisverkehrs auf Plätzen angewendet "werden. Hier wird die Verdeutlichung der an die Fahrzeugführer gerichteten Weisung gleich auf zweierlei Art erstrebt. Einmal bildet das Einbahneignal infolge seiner rotweissen Färbung schon an sich ein sehr gut sichtoares Verkehrszeichen, und besonders aus der Kombination mit dem blauweiseen Richtungszeichen ergibt sich ein sehr kontrastisches Signalbild, das nicht übersehen werden kann. Zweitens aber ergänzen sich auf diese Weise die beiden Signaie auch begrifflich und psychologisch sehr gut. So wirksam die beschriebene Art und Weise der Signalisierung des Rechtsverkehrs ist, so wenig vorteilhaft iet jedoch ihre Rückwirkung auf die psychologische Geltung des blauweissen Richtungszeichens allein. Dpnn nunmehr besteht die grosse Abb. 7. Doppeleignal für Rechtsverkehr an einer Verkehrskanzel in Hasel (Aeschenplatz). Gefahr, dass dieses Zeichen bei Verwendung ohne das Signal Nr. 9 überhaupt nicht mehr als zwingender Befehl betrachtet wird, sondern gewissermassen als blosse Einladung oder als einfacher Ratschlag, die bezeichnete Richtung einzuschlagen. (Dieser Sachverhalt liegt übrigens bei dem bereite erwähnten Signal am Sonnenquai in Zürich vor, Siehe A.R. Nr. 17. Signal-Pathologie Doppelsignale (Schluss) ' das nur den Verkehr nach dem Bellevueplatz nach rechts verweisen soll, im übrigen aber selbst' von den Behörden im Widerspruch zur Signalordnung nicht als verbindlich betrachtet wird, da der lokale Verkehr nach der Torgaese links vom Signal vorbeigeht.) Noch deutlicher als an der üblichen Form der Doppelsignale für Rechtsverkehr wird der innere Widerspruch solcher Signalbilder am Beispiel einer Abb. 8. Signalidyll an einer Baustelle. Verkehrskanzel in Basel (Abb. 7), wo die beiden Verkehrszeichen übereinander angeordnet sind. In dieser Anordnung kommt unverkennbar zum Ausdruck, dass die beiden Scheiben gewissermassen als ein einziges Signal betrachtet werden und als Symbol für einen einheitlichen Slgnaltoeg-riff. der sich selbstverständlich richtigerweise auch durch ein einziges Zeichen müsste darstellen lassen. Halten die meisten der bisher betrachteten Abarten der ordonnanzmässigen Signale einer kritischen Würdigung noch einigermassen stand, weil achtenswerte Gründe hinter ihrer Verwendung stehen, so trifft man gelegentlich auf Verkehrszeichen, die schlechthin als unverständlich oder sonstwie unangebracht bezeichnet werden müssen. Das Idyll von Abb. 8 sei zwar bloss kuriositätshalber wiedergegeben. An einer im Bau befindlichen Nebenstrasse am Thunersee fand der Verfasser das Warnzeichen Nr. 6, wie es meist für Baustellen auf offener Strasse verwendet wird. Ein vorsorglicher Arbeiter hat ihm einen Umleitungspfeil auf blauem Grunde beigefügt und überdies auf einem Brettchen erst noch die Bemerkung « Gesperrt» beigefügt. Doch noch nicht genug: neben der gelben Laterne für die Nacht wurde zu allem Ueberflu&s noch eine gelbe Flagge für den Tag aufgesteckt, und dann muss freilich noch ein Spassvogel am Werk gewesen sein; denn die Tafel mit dem Spruch von den Anlagen und Bänken, die dem Schi#ze des Publikums empfohlen werden, hat nun auch bei weitgehender Auslegung des Begriffes Strassenverkehr mit der Signalisation einer Baustelle nichts mehr zu tun ... Eine ins eigentlich Rätselhafte gehende Verbindung zweier Signalbilder zeigt Abb. 9 vom Berner Kasinoplatz. Stehen bei den üblichen und häufigen Kombination der Signale 9 und 19 die beiden Zeichen doch insofern in einer klaren logischen Beziehung, als die rotweisse Sperrtafel, links angebracht, die eine Fahrtrichtung verbietet und der Pfeil positiv nach rechts auf die andere hinweist, so verbietet hier die Sperrtafel gerade die Durchfahrt dort, wo der links angebrachte Pfeil hindeutet. Es handelt sich bei diesem Signal um den verzweifelten Versuch, die für einen Ortsfremden gänzlich unverständliche Verkehrssituation auf einem schlecht organisierten Platz (dem Berner Kasinoplatz) zu klären. Zum Schlüsse sei der nicht seltenen Fälle gedacht, da der Automobilist noch Signale alter Ordonnanz aus den Zeiten des interkantonalen Konkordates antrifft oder gar Verkehrszeichen « eigener Schöpfung » irgendeiner Ortsbehörde oder vielleicht gar bloss reines phantastischen Signalmalers. Das in Abb. 10 wiedergegebene frühere Signal für Rechtsverkehr oder Kreiselverkehr (die weisse Spirale auf blauem Grund) war freilich durchaus kein so ungeeignetes Signalbild und wäre noch heute manchem anderen Versuch vorzuziehen, den Rechtsverkehr zu signalisieren, wovon aber hier nicht weiter die Rede sein soll. Ein Beispiel aber für ein ausschliesslich der freien Phantasie entstammendes Signal zeigt die Aufnahme der Abb. 11 aus einer schweizerischen Kleinstadt, die sich im übrigen durchaus bemüht, mit der Entwicklung des Strassenverkehrs Schritt zu halten. Wir haben gesehen, dass sich die Verkehrspraxis aus den verschiedensten Gründen nicht mit den Verkehrszeichen der Signalverordnung begnügt, oft nicht begnügen kann. In einzelnen Fällen erweitert sie einen Signalbegriff, verändert sie ein Signalbild nur ganz wenig und erreicht doch schon eine ins Gewicht fallende Verbesserung der Verständlichkeit ihrer Absichten. In anderen schafft sie auf dem Wege des Gewohnheitsrechtes Präjudizien, ja eigentliche neue Vorschläge für eine spätere Gesetzesrevision auf schweizerischem oder internationalem Boden. In einer letzten Kategorie von Fällen wieder zeigt der normwidrige Gebrauch eines der Versinnbildlichung eines ganz bestimmten Signalbegriffes dienenden Zeichens für ganz andere Zwecke eine iLücke im Signalkodex und leistet auch dadurch wertvolle Vorarbeit für künftige Zeiten. Der Strassenverkehr ist lebendiges Leben. Seine Entwicklung geht immer weiter und stellt ständig neue Anforderungen an sämtliche Disziplinen der Verkehrstechnik. In diesem Sinne können wir einen grossen Teil der geschilderten Anomalien der Strassensignalisierung als eine Entwicklungserscheinung betrachten, die wir .nicht nur zu bedauern haben. -mm- Zum Kongress der AIACR in Bern 11.—13. Mai. Die Geschäfte der einzelnen Kommissionen. Den internationalen Kommissionen der AIACR werden anlässlich des Berner Kongresses während der Pfingsttage folgende Geschäfte zur Behandlung vorliegen: INT. TOURISTIKKOMMISSION. (Samstag, 11. Mai.) Protokoll der letzten Sitzung. Erörterung der Mittel, die geeignet sein können, den internationalen Tourismus unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu fördern. Anregungen der Clubs. Prüfung des Reglementsentwurfes für den Straesenverkehr nach den Vorschlägen der Expertenkommission für Verkehrsrecht. Verschiedenes. INT. VERKEHRS- UND ZOLLKOMMISSION. (Samstag, 11. Mai, nachmittags.) Protokoll der letzten Sitzung. Triptyk« und Grenzpassierscheinhefte für die Slowakei. Mechanisierung der Ausfüllung der Grenzpaesierfchernhefte. Fristen für die Zolldokumente, vor allem für Grenz. Passierscheinhüfte. Reglierung der vom AG von Polen ausgegebenen Zolldokumente (Triptyks oder Carnets). Reglierung der Zolldokumente in Staaten, welche zur Zeit den Wiederaustritt von Fahrzeugen durch ausserordentliche Vorschriften verhindern. Prüfung der Mittel zur Behebung der Schwierigkeiten, die sich in einzelnen Ländern erhoben haben und die normale Funktion des Triptyks und Carnets erschweren. Zahlungsschwierigkeiten mit ausländischem Geld in bezug auf nicht gelöschte Zolldokumente oder auf Zahlungen überhaupt. Verschiedenes. INT. SPORTKOMMISSION. (Montag, 13. Mai, 10 Uhr, Bellevue Palace Hotel.) U Protokoll der letzten Sitzung. 2. Antrag betreffend Aenderung des Annexes G des internationalen Sportreglementes. 3. Internationale Rennformel 1941—1943. 4. Europameisterschaft der Fahrer 1939. 5. Antrag auf Aenderung der Art. 216 und 175b des internationalen Sportreglementes. 6. Antrag, die für Bussen, für Kautionen bei Protesten und bei Appellationen an die nationalen AG festgesetzten Beträge in ihrer vollen Höhe nur bei internationalen Veranstaltungen zu erheben. 7. Antrag betr. Aenderung der Art. 276 und 277 des internationalen Sportreglementes: a) Herabsetzung der Kaution für die Eintragung von Veranstaltungen im internationalen Sportkalender von 12 auf 6 £, sofern es sich nicht um Grandes epreuves handelt; b) Herabsetzung der Gebühr für die Neueintragung und die Datumsänderung um die Hälfte. 7. Antrag, die internationale Sportkommission möge einen interpretierenden Beschluss über Art. 276b fassen, um eine large und liberale Handhabung des Begriffs der Datumskollision zu ermöglichen, besonders für Veranstaltungen in Ländern, die weder über eine eigene Autoindustrie, noch über Berufsfahrer, noch auch über grosse Mittel für die Pflege des Autosportes verfügen. 8. Antrag, die internationale Sportkommission möge einen interpretierenden Beschluss über Art. In dieser Nummer s Zwangsweise Einführung von Transportgemeinschaften für Lastwagen. Der Entwurf zum neuen bern. Autosteuerdekret. Mille Miglia-Bericht. Zweipedal-Bedienung von SerienwagenTatsache geworden. Feuilleton: Seite 7. Abb. 9. Unverständliche Signalisierung eines Sonderfalles von Rechtsverkehr auf dem Rerner Kasinoplatz. Abb. 10. Früheres Signalbild für Rechtsverkehr, gelegentlich noch heute zu sehen. Abb. 11. Phantasie-Signal an Stelle des vorschriftsmässigen Vorsichtesignals mit Aufschrift «Schule>.