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E_1940_Zeitung_Nr.019

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W AUTOMOBIL-REVUE

W AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. MAI 1940 — N° 19 die Passfahrt nicht antreten wollte, bevor ich ihr genau erklärt hatte, wie sie den Postwagen zum Stillstand bringen könnte. In der Folge beobachtete die ängstliche Frau alle meine Bewegungen mit Argusaugen. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass mein aufmerksamer Passagier eben mehr Interesse am Technischen als an der Landschaft habe. Gelegenheit zum «Eingreifen» konnte ich der biederen Dame natürlich nicht gestatten. Aber auch ein Vertreter des starken Geschlechts weigerte sich einmal, mir sein kostbares Leben anzuvertrauen. Begründung? — Ich sei zu jung! Da gefällt es mir dann schon besser, wenn irgendein trinkfester Männerchor, der etwas viel dem Veltliner zugesprochen, mein Fahrgast wird. Vor lauter Gesang und Lärm höre ich weder das vertraute Summen des Motors noch den Dreiklang des Posthorns. Allein, verlassen, nur auf mich selbst angewiesen, kutschiere ich die dreissig Menschenleben über die Alpen. Meine dankbarsten und zugleich liebsten Passagiere sind die Buben. Noch ist es nur wenig mehr als ein Jahrzehnt her, da auch ich hinter Mutters Nähmaschine vom Motorenrausch erfasst wurde. Aus dem kindlichen Spiel ist Ernst geworden! Schon manches Knabenherz habe ich mir erobert, wenn ich solch einen «Sachverständigen» zu mir auf den Nebensitz beorderte. Wie leuchten da seine Augen, wenn es mit Schuss in die Kurven geht, die Motorbremse aufheult und das Posthorn munter in die Welt hinaus schallt. Alles will der Junge wissen. Ich muss ihm den Zweck der verschiedenen Manipulationen erklären, er fragt nach der Bedeutung jedes Hebels und interessiert sich besonders für die verschiedenen Instrumente. Am meisten jedoch fasziniert ihn das Zittern der Nadel im Geschwindigkeitsmesser. Mit jeder Faser seines Herzens nimmt er teil an der Fahrt. Ja, ja, die Buben! Vor langer Zeit fuhr ich einmal mit einer Schar durch die alten Gassen von Bern. «Extrapost! Extrapost!» dröhnte es wie aus einer Kehle in die Lauben, so dass sich die blumengeschmückten Fenster öffneten und auf den Strassen das Volk verwundert stehen blieb, als wäre die «Tour-de-Suisse»-Kolonne im Anzug. Ein andermal schaukelten wir mit zwei Postautomobilen in gemütlicher Fahrt eine Schule durchs Greyerzer Ländchen. War das ein fröhliches Erlebnis für die ABC-Schützen! Den Buben aber spukte der «Grand Prix der Automobile» in den Köpfen, der kurz vorher'vor den Toren Berns zum Austrag gekommen war. So wurde mein Wagen auf der Heimfahrt ungewollt zum «Auto- Union » und der meines Kollegen zu Caracciolas «Mercedes». Wir fuhren hinter dem «Mercedes», des aufgewirbelten Staubes wegen, in ziemlichem Abstand. Ich hatte dauernd Krach mit den jungen «Rennfahrern»: es ging ihnen immer zu langsam. Von unserem «Safety first» wollten die Knirpse nichts wissen. Mit Mühe gelang es mir, sie auf den Endspurt zu vertrösten. Wieder zurück in Bern, erlaubte uns das Strassengewirr der Stadt eine Abkürzung. Wir erreichten als erste das Schulhaus. Die Freude und der Jubel am erfochtenen «Sieg» waren unbeschreiblich. Ich erfuhr jetzt auch, dass dieser «Grand Prix» schon vor dem Ausflug unter den Buben als abgemachte Sache galt. Noch heute tönen die Spötteleien, welche die geschlagene Mannschaft über sich ergehen lassen musste, in meinen Ohren: «He, he, Caratsch, he, he!» Abschliessend noch etwas von einem blinden Passagier. Ja, sogar solche gibt es bei uns, wenn es diesmal auch nur ein kleiner Spatz war. Der «Gandria-Express» rollte eben — von seiner langen Fahrt ins Tessin zurück — in den heimatlichen Stall. Nun soll er auf Herz und Nieren geprüft werden, denn seine tägliche Leistung ist nicht gering: rund 400 Kilometer. Wie wir die Motorhaube öffnen, sitzt da auf schmierigem Gestänge, zerzaust und verschüchtert, ein — Spatz. Wir staunen, aber schon sieht der kleine Gefangene die Freiheit winken. Mit ein paar taumelnden Flügelschlägen entrinnt er der benzingeschwängerten Atmosphäre. Hoffentlich ist der Wechsel in die Höhenluft dem Gefiederten nicht schlecht bekommen. Ein Spatz nur, doch welche Angst muss sich dieses kleinen Vogelherzens bemächtigt haben, als er drunten in Italien vom rasenden Ungetüm aufgeschluckt wurde! Welcher Schrecken — auf zitterndem Gestänge, im Oeldunst des klopfenden Motorsl Albert Sigrist. Gepfl. Haus In bester Lage gegenüber Hauptbahnhof. Im beliebten Stadtrestaurant zu jedem Spezialplättll einen offenen Spitzenwein. J. Qauer. Kulinarische Streifereien im Tessin Der Tessin, unser Sonnengarten, hat etwas unsagbar Befreiendes. Nicht nur, weil wir die Sorgen des Alltaglebens zu Hause lassen und uns der Abwechslung, der neuen Eindrücke hingeben, sondern es ist das strahlend Sorglose, das von den Bewohnern, diesen freudigen Menschen, gleichsam auf uns tibergeht, sofern wir offenen Sinnes und Herzens dafür sind. Ich liebe den Tessin zu allen Jahreszeiten und bin stets wieder überrascht von dem bunten Reichtum der vielseitigen Szenerien, dem Glanz und der Beseeltheit der Landschaft, von ihrer wohltuenden Stille und von ihrem Frieden. Jede Wanderung bietet neue Ueberraschungen. Bei Streifereien hat man Gelegenheit, Land und Leute, Sitten und Gebräuche kennenzulernen. In einer der Osterien, die Gaststube und Küche zugleich bildet, setzt man sich in den rauchgeschwärzten Kamin am knisternden Feuer und lässt sich von dem gesprächigen Mütterchen erzählen. Leise summen die Mädchen bei ihrer Arbeit die entzückenden Weisen ihres Landes. Das ist der wahre Tessin, viel intimer als das Getriebe der Stadt. Die meisten Gebräuche sind mit dem Süden wesensverwandt, natürlicherweise. So gibt es auch keine speziell tessinische Küche. Man kocht nach italienischer. Art alla milanese, aüa genovese, alla toscana, alla romana, alla napoletana. , . Die Entwicklung der Kochkunst im'Altertum gelangte von den asiatischen Ländern''nach 'Griechenland und Italien. Die Perser vwussten schon in chaldäischer Zeit recht kostbare Speisen zu bereiten. Die Römer pflegten ihre Küche in raffinierter Weise. Die Tafelffeuden eines Apicius, Trjmalchio etc. von den ersten Geistesgrössen wie Plinius, Seneca, Horaz besungen, grenzten ans Fabelhafte. Die Märchen vom Schlaraffenland dürften darauf hinweisen. Die Römer befassten sich zum erstenmal mit den verschiedenen Gewürzen. Das Salz wurde von ihnen sehr geschätzt, ebenso die sfissen Gewürze für Bäckereien: - Rosinen, Sultaninen, Aenis, Kardome, Honig. Köstliche Gebäcke durften auf keiner Tafel fehlen. Die italienische Küche besitzt ihre scharf ausgeprägte Eigenart, die sich durch Jahrtausende entwickelt und die Gastronomie beeinflusst hat. Sie zeichnet sich durch ihre leichte Verdaulichkeit aus, besonders aber auch durch den grossen Reich" turn vielseitiger Zubereitung der Gerichte. Fast jede Stadt und jede Gegend kann sich einer speziellen Speise rühmen, und diese Spezialitäten haben die Tessiner aufgenommen und von Generation zu Generation übertragen. Der Besucher lernt diese Geheimnisse und Feinheiten der italienischen Küche oft in ganz kleinen Osterien kennen und schätzen. Bei Einkehr in einer der einfachen Trattorien mit der Inschrift: «vini scelti, pronta cucina», bestellt man sich Salami oder Salametti mit zuppa del paese, einer Eierspeise mit Tomatensauce in Fleischbrühe gekocht und mit Parmesankäse bestreut. Die freundliche Wirtin bringt die Speise auf blumengeschmücktem Teller, und dieses einfache Mahl mit einer Flasche Asti spumanti krönen, verleiht einen ganz besonderen Reiz. Denn zu den leiblichen Genüssen bietet sich dem Auge auf der hochgelegenen Terrasse eines Landgasthauses meistens eine wundervolle Aussicht in die Weite eines Tales oder auf den See und die Berge, Das Gebimmel der Glocken allein unterbricht die Stille, Es sagt dem Tessiner genau an der besonderen Art des Anschlages, was es gilt: zur Beichte, zum Essen, zu einem freudigen oder traurigen Anlass, Suppen sind im allgemeinen in der italienischen Küche nicht beliebt. Bei der kräftigen Minestra mit den dicken Bohnen weiss man gleich, woran man ist, nachher braucht es nur noch Früchte. Die echte italienische Mahlzeit wird mit Risotto, Spaghetti oder etwa einer fondua begonnen. La fondua alla piemontese soll die Neuenburger Fondue an geschmacklicher Feinheit übertreffen. Darüber mag der wahre Feinschmecker entscheiden. Die Teigwarengerichte werden im Tessin ganz vorzüglich zubereitet, manche schweizerdeutsche Hausfrau und Köchin könnte da lernen: Spaghetti alla-ticinese mit reichlich Butter, Tomatenpuree und geriebenem Parmesankäse, an Welch letzterem nie gespart werden darf, Maccheroni alla Napoletani, das klassische Gericht Neapels, das in allen Ländern nachgeahmt und je nach Geschmack der verschiedenen Völker, Gegenden und Produkte verändert ward in der Zubereitung. Das von Polcinella einst erfundene Urrezept lautet sehr einfach: brich die Tomaten mit den Fingern und dünste sie mit feingehackter Zwiebel so lange, bis sie welk erscheinen, treibe sie durch ein Sieb. Gib die Masse in einen Kochtopf, in Welchem sich auf 1 Kilo Tomaten 200 Gramm siedendes Olivenöl befindet. Darin lass die Tomaten so lange schmoren, bis eine dicke Sauce entsteht. Inzwischen koche die Makkaroni in viel Salzwasser gar, aber nicht zu weich, lasse sie abtropfen und gib sie lagenweise auf eine heisse Platte. Auf jede Lage streue reichlich geriebenen Parmesankäse und giesse einige Löffel der Tomatensauce darüber, rühre alles gut durcheinander und serviere heiss. 9 Diesem Gericht ebenbürtig ist der risotto alla milanese mit den berühmten cotolette alla milanese. Diese Mailänder Art muss verstanden sein. Ein Kenner hat mir verraten, dass der Name wohl oft auf dem Speisezettel figuriere, ein wirkliches cotolette alla milanese bekomme er aber selten zu gemessen. Es gibt gnocchi alla ferranese und ravioli alla genuese. Fritti sind in Oel gebratene und gebackene Speisen. Die deutsche Hausfrau rümpft die Nase, VOR ZWÖLFI! also — um so mehr, als der, Losvorrat auch diesmal wieder wohl lang vor der Ziehung erschöpft sein wird! Und es gibt ja soviel Gründe, um diese einzigartige Gelegenheit am Schopf zu packen: Einerseits: Das hohe Ziel, das heute jedem einzelnen von uns am Herzen liegen muss, nämlich unseren minderbemittelten Soldaten zu helfen und sonst gemeinnützig zu wirken. Anderseits: 20986 Treffer im Gesamtwert von Fr. 500000.— und darüber hinaus 25 Treffer ä je Fr. 1000.— EXTRA 1 und doch sollte das Backen in gutem Oel bei uns viel mehr eingeführt werden. Lugano, die Künstlerstadt, das Eldorado des Südens, mit dem strahlenden Himmel, dem blauen See, lockend, betörend — wie Bergwachen der Salvatore einerseits, der Monte Bre anderseits, das grün aufsteigende Land der collina d'oro, in der Ferne die dunklen Bergriesen — birgt in seinen Gassen und Gässchen mit den Salami- und bel-Paese-Düften einige typische alte Osterien. Bei Biaggi oder Caldelari bestelle dir eine frittura mista, ein Gemengsei aus Kälbsplätzchen, Hirn, Leber, Milken bestehend, mit raffinement zubereitet, oder eine frittura piccata. Ein stuffatino alla chiase (Schmorbraten mit Speck, Knoblauch und Tomatensaft), busecca, Kutteln mit verschiedenen Gemüsen und geriebenem Käse, ein bistecca alla firenese, das zarteste Beefsteack, das du je gegessen, über dem Rost auf glühendem Kohlenfeuer gebraten, oder fritto alla romana. Zum Rindfleisch kriegt man mostarda d'uva (Senffrüchte in Traubensaft) serviert. In Maroggio hängen die Schweinsfüsse reihenweise vor den Fenstern und werden wie Bündnerfleisch an der Luft getrocknet. Die Forellen des Langensees sind wegen ihres feinen Geschmacks berühmt. Bekannte Fischgerichte sind die cacciucco (Fischsuppe), beliebt auch der stoccafisso. Im Frühling gibt's zarten Ziegenbraten, ein pollo, ein knusperiges Hühnchen, zum Salat peperone. Auf Dessert wird im Süden viel gehalten: Zabione, Bavarese oder Schmalzgebackenes wie crostoli und Tordeleddi, kleine Kuchen mit einer Fülle von Ziegenkäse, Saffran, Mehl und Eiern, ähnlich den Zürcher Krapfen. Nie aber dürfen Früchte, die zarten saftigen Pfirsiche, die süssen blauen Trauben, die schmackhaften würzigen Heidelbeeren, Orangen, Feigen fehlen, und dazu der Gorgonzola, der im Tessin ebenso beliebt ist wie in seiner Heimat, der Lombardei. Zu einem pikanten Mahle gehört der Landwein. Den echten Nostrano bekommt man selten. Der einheimische Weinbau genügt dem Konsum nicht mehr. Was aus amerikanischen Reben gewonnen wird, gilt nicht als nostrano. Zur Charakteristik des Tessins zählen die Weingrotten von Caprino, Capolago, Morcote, Melide. Der süsse Asti spumante hat eine besondere Anziehungskraft und ist nicht teuer. Sehr ursprünglich ist die Grottenwirtschaft von Cevio im Maggiatal, wo der perlende Saft aus irdenem Krug in bunte Schalen geschenkt wird. Dazu werden Salami oder gekochter Schinken mit Maisbrot fegessen. Viel wird im Sommer die Gazzosa, die südliche Limonade, getrunken. Die 10-Los-Serie ist jetzt so günstig: sie enthält nicht nur einen sicheren Treffer (Haupttreffer Fr. 70 000.—I) — sie kann sogar, der Nachbartreffer wegen, 3 x 1000 Fr. gewinnen. 1 Los Fr. 5.— 10-Los-Serie Fr. 50.—\ plus 40 Cts. für Porto auf Postcheck 11110026. Adresse: 5EVA- Lotterie, Genfergasse 15, Bern. (Bei Vorbestellung der Ziehungsliste 30 Cts. mehr.) Lose auch bei den bernischen Banken sowie Privatbahnstationen erhältlich.

N°19 — DIENSTAG, 7 MAI 1940 AUTOMOBIL-REVUE "li! WFJ.TCVKrHV!IIF.1V •5 •. Das ehemalige deutsche Kolonialreich c A ß 0 L i Als letzte der Grossmächte tritt das Deutsche Reich in die Reihe der Kolonialmächte ein. Erst im Jahre 1883 erfolgt die erste Erwerbung von Kolonialbesitz in Südwestafrika durch 'die Bremer 'Kaufmannsfirma Lüderitz. Im folgenden Jahr wird das Lüderitzland unter deutschen Schutz gestellt. In der Folge erhält die Kolonie den Namen Deutsch-Südwestafrika und wird der Verwaltung von Gouverneuren unterstellt. Geraume Zeit dauert es, bis die Kolonie pazifiziert ist. 1893/94 tobt der Aufstand der Hottentotten unter Hendrik Witbooi, 1904/05 der äusserst blutige und kostspielige Aufstand der Herero und Hottentotten; bis zum Jahre 1907 bleibt die Kolonie in Kriegszustand. Deutsch-Südwestafrika gehört zu den grossen Kolonien Deutschlands; der territoriale Umfang beträgt das lj^fache des Mutterlandes. Die Kolonie liegt in einem der unwirtlichsten Teile Afrikas, besitzt jedoch ein gesundes Klima. Die Küsten sind infolge der starken Brandung und des Mangels an geeigneten Häfen schwer zugänglich. Ein 1500 Kilometer langer und 150 Kilometer breiter Wüstenstreifen zieht sich der Küste entlang und erschwert den Zutritt zum Innern ausserordentlich. Dadurch wurde Deutsch-Südwestafrika eines der am spätesten erschlossenen Gebiete des schwarzen Erdteils. Charakteristisch für die Landschaft sind weite Hochflächen mit hohem Steppengras, die oft von Heuschreckenschwärmen heimgesucht werden. Das Land ist schwach bevölkert. Die wichtigsten Volksstämme sind die ackerbautreibenden Ovambo und die viehzüchtenden Herero, zu denen sich noch die Bastarde gesellen, die aus der Vermischung von Buren mit Herero entstanden sind. Auch die Zahl der Weissen in der Kolonie ist gering. Es leben etwa 31600 Weisse dort, von denen ein Drittel Deutsche, die meisten Buren, der Rest Engländer sind. Die Verkehrssprache ist das «Afrika^is», die Sprache der Buren, eine Abwandlung des Holländischen. Bei Ausbruch des Weltkrieges verteidigte sich die. deutsche Schutztruppe unter von Heydebreck nahezu 1 Jahr lang gegen die Uebermacht der Ententetruppen, die von allen Seiten in die Kolonie einmarschierten. Schliesslich mussten die Verteidiger vor der Hauptmacht der Südafrikanischen Union kapitulieren. Nach Friedensschluss wurde die Kolonie der Union als Mandat übergeben, wobei die deutschen Ansiedler die englische Staatsangehörigkeit erhielten. Noch grösseren Umfang als Deutsch-Südwestafrika hat jene Kolonie, die nach ihrer Lage Deutsch-Ostafrika genannt wurde. Ihr Entstehen ist ähnlich gewesen wie das der englischen Kolonien. Die ersten Erwerbungen werden von einer Gesellschaft, der «Gesellschaft für deutsche Kolonisation», vorgenommen, die 1885 im Innern durch Verträge mit eingeborenen Häuptlingen Gebiete kauft und unter den Schutz des Reiches stellt. Durch eine Flottendemonstration zwingt das Reich den Sultan von Sansibar, auf den 10 Kilometer breiten Küstenstreifen zu verzichten und diesen pachtweise an Deutschland abzutreten. Durch den Zugang zur See wird die Kolonie erst lebensfähig. Ein Araberaufstand, der 1889/90 wegen des Sklavenhandels ausbricht, schlägt Reichskommissar Major Wissmann mit bewaffneter Hand nieder. 1891 tritt die Gesellschaft zurück und übergibt die gesamte Verwaltung dem Reiche. Die eingeborene Bevölkerung besteht zumeist aus Bantunegern und später eingewanderter Zulustämmön; In den Küstengebieten herrscht ein Völkergemisch von Eingeborenen, Arabern, Indern und Suaheli vor. Die Sprache der letzteren, das Kisuaheli, ist zur wichtigsten Verkehrssprache des Landes geworden. Die Zahl der Weissen ist noch geringer als in Deutsch-Südwestafrika: nämlich 8200, davon 2000 Deutsche, meist Kaufleute, Farmer, Aerzte und Beamte, die vorwiegend in den grösseren Ansiedlungen an der Küste leben. Im Weltkrieg hielt sich der Kommandeur der deutschen Schutztruppe, von Lettow-Vorbeck, während des ganzen Feldzuges gegen die grosse Uebermacht der Engländer und Franzosen. Immer wieder gelang es ihm, der drohenden Einkreisung zu entgehen. 1917 brach die Truppe auf portugiesisches Gebiet durch und wurde schliesslich auf englischem Territorium durch den Waffenstillstand überrascht. Nach dem Versailler Vertrag fielen Teile der Kolonie an Portugal und Belgien, der Vierwaldstätter- See und Umgebung Rest an England als Mandatar des Völkerbundes. Durch diese Erwerbung war England in der Lage, ein zusammenhängendes Kolonialreich in Afrika zu schaffen, das von Kairo bis zum Kap der Guten Hoffnung reichte. Die Erwerbung der drittgrössten Kolonie, Kameruns, verdankt das Deutsche Reich dem berühmten Afrikaforscher Gustav Nachtigal, der im P. ELISABETH • lONI^I^ SAMOA -t. Jahre 1884 in Duala die deutsche Flagge hisst. Spätere Expeditionen führen zur Besitznahme grosser Gebiete im Innern, Verträge mit England und Frankreich sichern die Zugänge zum Tschadsee. Eine Erweiterung erfährt die Kolonie 1911, als Deutschland durch zwei Gebietsstreifen um Kamerun für den Verzicht auf seine Ansprüche in Marokko entschädigt wird. Kamerun liegt in der tropischen Zone und bietet für die Kolonisation noch grosse Möglichkeiten, da bisher nur die Küstengebiete und die den Verkehrswegen nahe gelegenen Gebiete wirtschaftlich erschlossen sind. Das Land liefert in erster Linie Holz und die Produkte der Oelpalme, ferner Kautschuk, Kakao, Bananen und Tabak. Das Küstengebiet am Golf von Guinea ist flach. Im Innern steigt das Gebirge bis 1800 Meter an und trägt erloschene Vulkane, die bis 3000 Meter Höhe erreichen. Die Flüsse sind wasserreich, da das regenreiche Aequatorialklima vorherrscht. Südkamerun ist noch von Urwäldern bedeckt, Mittelkamerun, vorwiegend Savanne, mit hohem Gras, und Nordkamerun Steppe. Die Bevölkerung besteht aus Bantunegern, im Hochland aus Völkern sudanischen Ursprungs. Daneben sind noch Zwergvölker (Pigmäen) vorhanden. Das Land ist dünn bevölkert. Im gleichen Jahr hisst Nachtigal auch die deutsche Fahne in Togo, das ebenfalls zur deutschen Kolonie erklärt wird. Das Land steigt hinter einer 200 Kilometer breiten hafenarmen Küste zum Togogebirge an, an das sich im Westen ein 400 Meter hohes Tafelland anschliesst. Infolge geringer Niederschläge erstreckt sich die Steppe bis zur Küste. Die Bevölkerung besteht vorwiegend aus Sudannegern. Im Weltkrieg besetzten Engländer und Franzosen sowohl Kamerun, als auch Togo. In Kamerun behauptete sich die deutsche Schutztruppe bis September 1916 und trat dann auf spanisches Gebiet über. Togo, das bereits seit 1903 von Seiten des Reiches keine Zuschüsse mehr benötigte, besass keine Schutztruppe. Der stellvertretende Gouverneur, v. Doering, musste daher im August 1914 vor den einmarschierenden Ententetruppen kapitulieren. Beide Kolonien wurden nach dem Friedensvertrag zwischen England und Frankreich als Mandatgebiete aufgeteilt. Ausser den Besitzungen in Afrika besass das Deutsche Reich noch folgende Kolonien in der Südsee: Deutsch-Neuguinea, die Inselgruppen der Karolinen, Marianen, die Palauinseln, die Marshallinseln und Samoa. Die Erwerbung erfolgte ebenfalls im Jahre 1884 und wurde 1899 vollendet. Das Klima von Neuguinea ist feuchttropisch und für Europäer sehr ungesund. Daher ist die Auswertung des Bodens noch gering. Hauptausfuhrprodukt ist Kopra. Die Kolonie untersteht jetzt australischer Verwaltung. Die Karolinen bilden die grösste Inselgruppe Mikronesiens und bestehen aus 700 Inseln, zum Teil Atolle (Koralleninseln). Das Klima ist ebenfalls tropisch, jedoch für Europäer angenehm. Die Inselgruppe wurde 1899 mit den Marianen und den Palauinseln von Spanien erworben und untersteht jetzt japanischer Verwaltung. Samoa, die drittgrösste Inselgruppe Polynesiens, hat ebenfalls ein für Europäer angenehmes Klima. Die Urbevölkerung zeichnet sich durch Schönheit und hohe Kultur aus. Die Kolonie untersteht jetzt politisch Neuseeland. Obwohl das Deutsche Reich erst spät mit der Erwerbung auswärtiger Besitzungen begonnen hatte, stand es bei Ausbruch des Weltkrieges als Kolonialmacht bereits an dritter Stelle. Sein Kolonialbesitz umfasste einen Flächenraum von 2 952 000 Quadratkilometer, mit 14 824 000 Einwohnern, d. h. die fünffache Grosse des Mutter^ landes. Durch den Frieden von Versailles gingen sämtliche deutsche Kolonien in den Besitz der ehemaligen Feindstaaten über. EIDGENÖSSISCHE BANK (Aktiengesellschaft) Gegründet 1863 Pfingsten VITZNÄUERHOF PARKHOTEL HOTEL TERMINUS HOTEL RIGI wie üblich in Vitznaa bieten Ihnen unvergleichlich schöne Pfingstferien. Ausgesuchte Festtagsmenus. Sichern Sie sich beizeiten Unterkunft. Eine Pfingstfahrt auf RIGI immer wieder ein Erlebnis! 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