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E_1940_Zeitung_Nr.019

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her einbringen, so mussten sie sich bald davon überzeugen, dass der Regierung eine solche Absicht ferne lag. Es ist schade und für unsere bisherige Ansicht bestimmend gewesen, dass die Dekretsverfasser die Oeffentlichkeit so lange im Dunkeln Hessen und damit ungewollt eine Atmosphäre des Misstrauens schufen, die bei rechtzeitiger und ausführlicher Dokumentierung der Interessenten sicher nicht aufgekommen wäre. Heute darf festgestellt werden, dass die Rechnungsgrundlagen der Regierung streng kaufmännischen Richtlinien entsprechen und keine Bereicherung des Fiskus bezwecken. der früheren Steuerordnung rechnet. Die Praxis wird hier erst die richtige Antwort geben. In der Erhebung eines Zuschlages von 50 Fr. würde aber die Berechnung der Wechselnummer gegen den fortschrittlichen Geist des neuen Steuerdekretes verstossen, das mit dem alten Grundsatz der Objektsteuer gründlich aufgeräumt hat. 3. Skonto. Das Dekret sieht für Vorausbezahlung der ganzen Jahressteuer einen Skonto von 2 % vor. Der Gegenvorschlag der Verbände geht auf eine Erhöhung von 2 auf 5 %. Zieht man in Betracht, dass der Ratenzahler, der nach dem Dekret die Steuern inskünftig monatlich bezahlen kann und dem Strassenverkehrsamt eigentlich erhebliche Mehrarbeit verursacht, nur 2 % mehr bezahlt als der am 1. Januar vorauszahlende Steuerpflichtige, so erscheint der Gegenvorschlag der Verbände ohne weiteres als begründet. Das Bestreben des Kantons muss immer auf die Erhaltung eines möglichst grossen Bestandes Der steuerliche Plafond von 4,3 Mill. Fr. kann ohne Schaden für den Fiskus nicht mehr gedrückt werden. Auf welche Weise dieser Geldbedarf durch die einzelnen Motorfahrzeugsteuerkategorien getragen werden soll, darüber lassen sich natürlich unendlich viele Varianten aufstellen. Die Regierung hat etliche Tabellen ausgearbeitet, bis sie sich auf den in der Automobil-Revue vom 30. April 1940 publizierten Entwurf geeinigt hat. Dieser hat, wiean Ganzjahreszahlern gerichtet sein, und um vorauszusehen war, bei den Automobilisten dieses Ziel zu erreichen, darf eine Einbusse nicht in allen Teilen Anklang gefunden. Die von 5 % bestimmt verantwortet werden. Widerstände, denen das Dekret bei den Strassenverkehrsverbänden begegnet, können in wesenden gestreift worden, dagegen wurde Die Benzinsteuer ist von keinem An- drei bestimmte Positionen gegliedert werden: von einem Vertreter des ACS die Frage der Ablösung der gegenwärtig gültigen Steuerformel durch eine feste Steuer pro Sitzplatz 1. Steuerskala. aufgeworfen. Dieses Verfahren hätte den Nahezu einstimmig ist der Dekretsentwurf: grossen Vorteil, dass es den Staat von der Steuerminimum 3 PS bei Fr. 144 mit progressiven Zuschlägen von 12, 18 und 24 Fr. hängiger machen und auf lange Sicht stabi- jeweiligen Konjunktur im Motorenbau unab- abgelehnt worden, weil diese Anordnung alle lere Steuerverhältnisse schaffen würde. Der Wagen unter 21 PS stärker belastet und ein Vorschlag vermochte sich aber nicht durch- Zug zum Klein- und Kleinstwagen noch mehr als bisher verstärken würde. Eine solche Erscheinung liegt aber nicht im Interesse des Landes, das darauf bedacht sein muss, möglichst viele Wagen der mittleren und oberen Steuerkategorien dauernd in Betrieb zu halten. Einzig in Kreisen der Gesellschaftswagenhalter fiel die Ablehnung nicht so deutlich aus, da, wie schon gesagt, die Fahrzeuge mit mehr als 21 PS gegenüber früher besser wegkommen. Der kantonale Polizeidirektor hat diese Voten zur Prüfung entgegengenommen und sich bereit erklärt, weitere Erhebungen im Sinne einer Senkung des Schnittpunktes der alten mit den neuen Steuern anzustellen. Dass dies nur auf Kosten der Kleinwagen möglich ist, steht für jeden Statistiker fest, und die 3600 Kleinwagenhalter im Kanton Bern tun gut daran, wenn sie heute schon die Wahrscheinlichkeit einer Steuererhöhung in naher Zukunft in Betracht ziehen. Dabei müssen sie allerdings bedenken, dass der alte Ansatz von 110 Fr. für Wagen bis 8 PS ungewöhnlich tief lag und der effektiven Leistung dieser hervorragend durchkonstruierten Vehikel schon lange nicht mehr entsprach. Dem Vernehmen nach hat sich das Strassenverkehrsamt sofort an neue Berechnungen für eine andere Steuerskala gemacht und zu dieser Zahlenarbeit Experten der Strassenverkehrsverbände zugezogen. 2. Wechselnummern. Mit Recht haben die Vertreter des ACS und des TCS die Erhebung eines Zuschlages von Fr. 50 auf den schwächeren Wagen beanstandet und diesen Betrag als eine Doppelsteuer bezeichnet. Die Regierung wies in ihrer Antwort auf das Beispiel anderer Kantone hin, aber es scheint, als habe sie in ihrem Entschluss noch nicht das letzte Wort gesagt. Die Verbände machten geltend, dass die Wechselnummern zusätzlichen Verkehr bringen, wogegen der Fiskus mit einem leichten Einnahmenausfall gegenüber Art. 60 Absatz 2 MFG droht für schwere Fälle oder bei Rückfall Gefängnis bis zu zwei Monaten oder Busse bis zu zweitausend Franken an. In der Regel wird gelungene oder auch nur versuchte Flucht naeh einem ernsthaften Unfall den Fall zu einem schweren machen. Damit berühren wir die eigentliche Führerffocht, Nicht jedes pflichtwidrige AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. MAI 1940 — N° 19 Die Fahrerflucht Steuerminimum geschaffen würde, das denzusetzen; wahrscheinlich schien er den übrigen Anwesenden, die sich nun einmal an die alte PS-Formel gewöhnt haben, doch allzu radikal zu sein. Es wäre falsch, wenn man aus dem Gesagten auf eine völlige Unbrauchbarkeit des Dekretsentwurfs schliessen würde. Im neuen bernischen Steuerdekret sind verschiedene automobilistische Begehren mit einer Konsequenz gelöst worden, der die Clubs ihre Anerkennung nicht versagen können. Und gerade weil der Dekretsentwurf in mancher Hinsicht wertvolle Neuerungen bringt, darf er nicht wegen

N° 19 — DIENSTAG, 7. MAI 1940 AUTOMOBIL-REVUE a Zum Kongress der AIACR in Bern der Tagung des Int. Verbandes anerkannter Automobil-Clubs (AIACR), die über Pfingsten in Bern zusammentritt, präsentiert sich wie folgt: Freitag, 10. Mal 1940: Empfang der Delegierten. Ab 20.30 Uhr: Fakultative Zusammenkunft im Bellevue Palace. Samstag, 11. Mai 1940, 10 Uhr: Sitzung der Internationalen To u r i s tikk o m - m i s s i o n (Sitzungszimmer des eidg. Finanzdepartements, Bundesgasse 3). 1-i Uhr: Sitzung der Internationalen Verkehrs- und Zollkommission (Sitzungszimmer des eidg. Finanzdepartements, Bundesgasse 3). 20.30 Uhr: Diner, offeriert vom eidg. ; Bundesrat, Hotel Bellevue Palace. Sonntag, 12. Mai 1940, 8.30 Uhr: Ausfahrt in Gesellschaftswagen nach dem Berner Land. Tempo kontrollieren — rechts halten! (Aus dem Bundesgericht.) Di« Kantonsstrasse Siviriez-Romont beschreibt an einer Stelle eine Kurve, die durch eine der Strassenböschung folgende Mauer unübersichtlich gemacht wird. Ein Motorradfahrer bog 40 m vor jener Kurve aus einem von links kommenden Weg in die daselbst 8,3 m breite Kantonsstrasse ein unti fuhr nachher, anstatt möglichst rasch nach der rechten Seite der Fahrbahn hinüber zu queren, mit 10—15 krn Geschwindigkeit nahe dem linken Strassenrand in der Richtung gegen Romont. In diesem Augenblick fuhr der Chauffeur einer Garage von Romont her mit mindestens 70 km Geschwindigkeit um die unübersichtliche Kurve. Er sah plötzlich den ihm langsam entgegenfahrenden Motorradfahrer auf etwa 40 m Entfernung, bremste aber seinen Wagen nicht ab, sondern hoffte, durch eine Linksbiegung am Motorrad vorbeizukommen. Da aber der Motorradfahrer in diesem Augenblick, freilich zu spät, nach rechts hinüberqueren wollte, kam es zu einem Zusammenstoss, bei dem der Motorradfahrer eine bleibende teilweise Invalidität und bedeutenden Sachschaden erlitt. Als der Motorradfahrer den Halter des Autos, bzw. dessen Haftpflichtversicherung, auf 50 000 Fr. Schadenersatz und Schmerzensgeld einklagte, zeigte sich, dass die gerichtlichen Instanzen die Schwere des beidseitigen Verschuldens sehr verschieden beurteilten. Das Bezirksgericht nahm ein leichteres Verschulden des Autofahrers an (2/5: 3/5), weshalb es die Klage nur für 15 220 Fr. schützte. Umgekehrt bewertete das Freiburger Kantonsgericht das Verschulden des Autolenkers auf 2/3, das des Klägers auf 1/3; demgemäss wurde die Versicherungsgesellschaft zur Zahlung von 33 000 Fr. verurteilt. Beide Parteien erklärten die Berufung ans Bundesgericht. Diese Instanz stimmte mit dem angefochtenen Urteil darin lüberein, das« die vom Autofahrer in einer unübersichtlichen Kurve eingehaltene Geschwindigkeit von mindestens 70 km ein schweres Verschulden bedeute. Nach Art. 25 MFG ist die Geschwindigkeit den jeweiligen Strassenund Verkehrsverhältnissen anzupassen und die Rechtsprechung leitet daraus die Regel ab, der Lenker habe sein Tempo so zu wählen, dass er stets in Sichtweite anhalten könne. Zudem wusste der ortskundige Chauffeur, dass kurz hinter der Kurve eine kleine Ortschaft liege. Sein Tempo bildete daher einen schweren Verstoss gegen Art. 25 MFG. Weniger schwerwiegend ist der Umstand, dass der Autofahrer, anstatt beim Auftauchen des Motorrades auf seiner rechten Seite zu bleiben und kräftig zu bremsen, den Zusammenstoss durch Ausbiegen nach links zu verhüten suchte : die Rechtsprechung erlaubt unter besonderen Umständen ein Ausweichen nach links zur Verhütung eines Unfalls und der Automobilist sah das Motorrad gerade auf sich zukommen. Ein schweres Verschulden trifft aber auch den Kläger, weil er sich nach dem Einbiegen in die Kantonsstrasse nicht beeilte, von der linken auf die ihm zukommende 10—13. Mai. Das vollständige Programm rechte Seite der Fahrbahn zu gelangen; diese Fahrlässigkeit wog um so schwerer, als auf der verkehrsreichen Kantonsstrasse jeden Augenblick ein Fahrzeug von Romont her um die unübersichtliche Kurve biegen konnte. Berücksichtigt inan, dass sich der Zusammenstoss ausserorts auf der vortrittsberechtigten Kantonsstrasse ereignete, so erscheint das Verschulden des Motorradfahrers gleich schwer wie das des Chauffeurs. Die Versicherungsgesellschaft 13 Uhr: Mittagessen, offeriert vom Automobilklub der Schweiz, Hotel du Lac in (Junten. 16—17 Uhr: Rückkehr nach Bern. 20.30 Uhr: EmpfangbeiDr. E.Mende, Zentralpräsident des A. C. S., in dessen Villa Brunnadernrain 37, Bern. Im Lauf des Abends: Vorführung des von Dr. Mende anlässlich des Kongresses in Washington aufgenommenen Films. Kaltes Büffet. Montag, 13. Mai 1940, 10 Uhr: Sitzung der I n t e rn a ti o al e n Sportkommission (Sitzungszimmer des eidg. Finanzdepartements, Bundesgasse 3). 14 Uhr : Sitzung des Vorstandes der AIACR (Sitzungszimmer des eidg. Finanzdepartements, Bundesgasse 3). 16 Uhr: Generalversammlung der AIAGR (Sitzungszimmer des eidg. Finanzdepartementes, Bundesgasse 3). 18.15 Uhr: Empfang der Stadt Bern im Rathatiskeller. hat angesichts dieser Verteilung des Verschuldens (1/2:1/2 dem Kläger nur die Hälfte des auf 41 974 Fr. berechneten Schadens, also 20 987 Fr. zu ersetzen, wozu noch 2000 Fr. Schmerzensgeld kommen! Wp. Gemeindefinanzen und Strassenwesen im Kanton Zürich. Das Statistische Amt des Kantons Zürich hat in seinen neuen < Statistischen Mitteilungen > eine interessante Zusammenstellung über die Gemeindefinanzen im Kanton Zürich im Jahre 1938 veröffentlicht, die auch Aufschluss gibt über die Rolle des Strassenwesens im Finanzhaushalt der zürcherischen Gemeinden. Demnach wurden im genannten Jahr von allen zürcherischen Gemeinden inklusive die Städte Zürich und Winterthur verausgabt Fr. 8 675 000 für Strassenunterhalt und 12 113 000 Franken für Strassenbau inklusive Kanalisationen, somit total Fr. 20 788 000. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von Fr. 542000. Verglichen mit 1937 haben die Landgemeinden Fr. 415 000 und die Stadt Winterthur Fr. 166 000 weniger, die Stadt Zürich dagegen Fr. 1 123 000 mehr für Strassenbau und -unterhalt verausgabt. Gemessen an den gesamten Finanzaufwendungen der Gemeinden des Jahres 1938 machen diese Ausgaben bei den Landgemeinden 12,6%, hei der Stadt Winterthur 13,6 °/o und bei der Stadt Zürich 13,1 °/o Von der Gesamtausgabe der Gemeinden für das Strassenwesen in der Höhe von Fr. 20 788 000 entfallen nicht weniger als 68 °/o auf die Stadt Zürich, 21 %> auf die Landgemeinden und 11 %> auf die Stadt Winterthur. Dabei bleibt allerdings zu berücksichtigen, dass der Strassenbau in den Städten mit all den Kanalisationen und Leitungsanlagen weit kostspieliger ist als in den Landgemeinden, was auch für den Unterhalt gilt, wo die Städte verhaltnismässig einen weit grösseren Aufwand zu leisten haben. Von Interesse sind auch die Angaben über die Aufwendungen für Strassenbeleuchtung, die sich 1938 für alle zürcherischen Gemeinden inklusive die Städte Zürich und Winterthur auf Fr. 887 000 stellten gegenüber Fr. 862 000 im Jahre 1937. Leider fehlt hier die Ausscheidung nach Städten und Landgemeinden, doch darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass der Hauptteil dieser sehr respektablen Aufwendung auf die beiden Städte Zürich und Winterthur entfällt, wobei aber anerkennend festgehalten werden darf, dass verschiedene Landgemeinden, besonders an den beiden Seeufern, in den letzten Jahren grosse Anstrengungen für eine ausreichende Verbesserung der Strassenbeleuchtung unternommen haben (Natrmmdampflampenbeleuchtung). V Si>«»*ft Franzosen in Indianapolis? Wie das «Auto> zu berichten weiss, soll Mme Schell die Absicht haben, für den Grossen Preis von Indianapolis zwei französische Wagen zu melden. Um deren Chancen richtig verteidigen zu können, wäre es allerdings erforderlich, dass sie auch mit Fahrern besetzt würden, die sich darauf auskennen. Man hofft deshalb, der Informationenminister werde Dreyfue und Le Begue •—• denn sie kämen als Piloten in Frage, sind aber beide mobilisiert — einen Urlaub (bewilligen. In den letzten Tagen ist übrigens dieser Vorschlag noch dahin erweitert worden, äass auch der französische Automobilmeister Sommer, dessen Wagen sich ja bereits in den U.S.A. befindet, sowie Raph, der < drüben > auch schon gestartet ist, nach Indianapolis entsandt werden sollten, damit Frankreich bei diesem grössten amerikanischen Rennen würdig und ausgiebig vertreten sei. Immerhin: vom Wunsch zur Tat bleibt noch ein weiter Schritt. Vor dem Grossen Preis von Tripolis. Am kommenden Sonntag hebt sich mit dem Grossen Preis von Tripolis der Vorhang über der Saison der internationalen Grand Prix, nachdem am 28. April die Mille Miglia als eigentlicher Auftakt der grossen Rennen des Kriegsjahres 1940 in Szene gegangen waren. Tripolis — das ist für die Leute vom Bau ein Begriff; das schnellste Rundstreckenrennen der Welt — und eines der bestdotierten obendrein, ganz zu schweigen von der mit allen Schikanen der Neuzeit arbeitenden Organisation und der Grossartigkeit der ganzen Anlage. Aber wozu hat man eine Lotterie? Die macht Jahr für Jahr nicht nur einen Lire-Millionär, sie wirft ausserdem auch « zuhanden » des AG von Tripolis eine hübsche Stange Geld ab, womit sich in Sachen Es hat sich mancherlei geändert; für die Versorgung des Landes mussten neue Einfuhrwege gefunden und manche Schwierigkeiten überwunden werden. Trotzdem hatten wir an einem fest: Qualität vor allem Produkte Essolube Esso Cssoleum Ausland Ausbau der Strecke, der Tribünen usw. allerhand anfangen lässt. Wie letztes Jahr schon bleibt auch diesmal der Kampf auf 1 K-Literwagen beschränkt. Mit dem Unterschied freilich, dass dem Rennen die internationale Note fehlt, denn die Deutschen, die 193Ü mit Lang und Caracciola den neuen lK-Liter-Mercedes-Benz zur Feuertaufe führten und dabei auf Anhieb die beiden ersten Plätze landeten, sind diesmal nicht von der Partie. So gestaltet sich das Rennen um die Millionen zu einer rein italienischen Angelegenheit, wobei die Entscheidung zwischen den Fabrikfahrern von Alfa Romeo und Maserati liegen wird. Darüber zu orakeln, wer als Sieger aus dem Ringen hervorgehen könnte, wäre ein müssiges Unterfangen. Man ist in den letzten Wochen und Monaten weder in der Mailänder Fabrik Alfas noch in Modena bei den Brüdern Maserati untätig gewesen und hat unentwegt an der Verbesserung der Wagen gearbeitet Mit der Leistungserhöhung der Motoren und damit der Geschwindigkeitssteigerung ist es allerdings beim spezifischen Charakter gerade der Mellaha-Rundstrecke nicht allein getan, denn stärker noch als dieses Moment fällt der Faktor Durchhaltevermögen ins Gewicht, ganz abgesehen davon, dass auch die Reifen ein gewichtiges Wort mitsprechen. Ob es den Italienern gelingen wird, das im Vorjahr vom Sieger Lang erzielte Stundenmittel von 197.796 km zu unterbieten? Bei den Probefahrten auf der Piste von Tripolis entpuppte sich der lH-Liter-Alfa- Romeo, allerdings nach inoffiziellen Zeitmessungen, als etwas! schneller, aber gesagt ist damit noch wenig. Was den -^Zylinder-Maserati mit je 4 Ventilen pro Zylinder anbetrifft, so hüten sich dessen Konstrukteure, ihre Karten aufzudecken, aber wenn sich ein Nuvolari von der Leistung des Wagens befriedigt erklärt, so muss schon was drin stecken. Als ein Duell Alfa - Maserati kündigt sich das Rennen an, wobei die Maserati zahlenmässig gewaltig in der Uebermacht sind. Von den beim Nennschluss vorliegenden 25 Meldungen entfallen nämlich nicht weniger als 21 auf die < Modenenser- Marke », während Alfa Romeo mit seiner 4köpfigen Fabrikequipe anrückt Den Hauptharsch stellen wiederum die Privatfahrer, 18 an der Zahl und alle auf Maserati. Die Nennliste präsentiert sich wie folgt: Alfa Romeo, offizielles Fabrikteam: Farina, Biondetti, Trossi und Pintacuda. Maserati, offizielles Fabrikteam: Nuvolari, Villoresi und Cortese. Privatfahrer: Bianco, Plate, Romano, Balestrero, Barbieri, Pagliano, Ruggeri, Palmieri, Ascari, Teagno, Quartara, Baruffi, Moradei, Rocco, Brezzi, Lanza, Gappelli und Taruffi. de Was geht bei der Benzinrationierung vor? Man ersucht uns um Aufnahme folgender Einsendung: Wir bringen keine Neuigkeit, wenn jwir feststellen, daes der Motorbrennstoff in der Schweiz rationiert ist Wir verraten auch nichts Neues, wenn wir erklären, dass der Schweizer Automobilist im allgemeinen Verständnis genug besitzt die tieferen Gründe dieser Massnahme zu erkennen. Soweit reicht eeine Einsichi freilich nicht, daes er eich den Sinn von Anordnungen erklären kann, wie sie mitunter von den Organen getroffen werden, welche mit der Durchführung der Rationierungsverordnung betraut sind. Zur Illustration dieser Behauptung sei hier von den Erfahrungen berichtet, die ein Zürcher Automobilist kürzlich bei einem Besuch auf der Rationierungsetelle machen musste. Er sprach dort vor, um — zum erstenmal in der Zuteilungsperiode März/April — eine Zusatzration zu erwirken, die ihm dazu verhelfen sollte, seinen geschäftlichen Reisebetrieb einigermassen im Rahmen des allernotwendigsten aufrechtzuerhalten. Der Bescheid fiel wenig erfreulich aus, denn der Gesuchsteller wurde mit der Bemerkung abgewiesen, er verfahre sein Benzin (l§0 Liter in zwei Monaten!) zum grossen Teil auf privaten Fahrten. Natürlich protestierte der Automobilist energisch gegen diese Behauptung und rückte mit eeiner Meinung offen heraus, dass er das Opfer einer ganz gewöhnlichen Denunziation geworden sei. Das wollte der Beamte nicht gelten lassen; er erklärte vielmehr, es sei festgestellt worden, daes sich der Gesuchsteller czu Ostern mit seinem Wagen im Tessin aufgehalten habe>. Kaum traute der Automobilist seinen Ohren — aber er hafte richtig verstanden. Und es war obendrein wahr Mit der Tessiner Reise hatte es seine Richtigkeit Nur trug sie durchaus nicht so «privaten» Charakter, wie der Beamte und sein Zuträger annahmen, sondern sie hatte einen eehr realen geschäftlichen Hintergrund. Zur Ehre des Beamten eei immerhin gesagt, dass er die sachlichen Einwände des Automobilisten achliesslich nach ihrem richtigen Wert würdigte und seine Zusatzration bewilligte. Unseres Erachtens aber darf damit die Angelegenheit nicht als erledigt betrachtet werden. An den Osterfeiertagen weilten Hunderte von Automobilieten aus allen Teilen der Schweiz im Tessin. Sie wurden von allen möglichen Verkehrsverbänden dazu aufgemacht, die Oetertage im Tessin zu verbringen, wobei man auch auf ihre freundeidgenöseieche Gesinnung appellierte. Helft der Teesiner Fremdenindustrie! rief man ihnen zu. Und die Automobilisten suchten, soweit es in ihren Mitteln, lag, der Tessiner Hotellerie und den mit ihr zusammenhängenden Wirtschaftszweigen zn helfen. Soll ihnen nun die Quittung dafür dergestalt präsentiert werden, dass ihnen der Benzinhahn verstopft wird? Erhalten sie vielleicht das Benzin geschenkt? Will man den Motorfahrzeug- T«rkehr vollständig unterbinden? Ausserdem fragt man eich, ob es der Schweizer Automobilist wirklich nötig hat, in seinem Tun und Lassen derart kontrolliert zu werden, wie aus dem zitierten Beispiel ersichtlich ist Bei der gegenwärtigen Höhe der Benzinpreise wird er es sich ohnedies mehr als einmal überlegen, ob er seine spärliche Benzintnenge für andere als für geschäftliche Zwecke verfahren wolle. Und wenn man die wenigen privaten Fahrten, die man eich sehliesslich noch leisten kann, vollends unterbinden will, dann bezahlen schluseendlich alle jene Institutionen, die auf den Reiseverkehr angewiesen sind, sowie das Automobilgewerbe die Zeche. Sie werden hoffentlich dafür Sorge tragen, dass nicht auch die «Rationitis» zur eidgenössischen Krankheit wird.