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E_1940_Zeitung_Nr.022

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konnte ich die Beobachtung machen, dass Leute mit starker Erkältung oder Fieber besser in Form waren als andere, die aus irgendeinem Grunde sich in seelischer Erregung oder Verstimmung befanden. Ebenso spielt körperliche Ermüdung, sofern ee sich nicht um Uebermüdung handelt, eine minder wichtige Rolle als geistige Abspannung, denn die von der Tagesarbeit ermüdeten Handarbeiter zeigen sich am Abend oft gelehriger als die Geistesarbeiter. Dies legt einen weitem Punkt nahe: Der Einfluss des Berufs. Im allgemeinen weist der geistig weniger tätige Mensch Vorteile gegenüber dem Geistesarbeiter auf, was ja bereits angedeutet wurde. Zu den am schwersten zu behandelnden Schülern gehören daher Aerzte, Juristen, Ingenieure und Lehrer. Umgekehrt stellen Angehörige der manuellen Berufe, besonders Schlosser und Mechaniker, gewöhnlich die Elite der Fahrschüler dar. Musiker sind wohl wegen der leichten Hand, ebenso wie Frauen, hervorragende «Schalter», was wahrscheinlich mit dem «Unlustgefühl» beim krachenden Schalten zusammenhängt. Ueberhaupt könnte man geradezu zu einer Einteilung; in gute «Schalter» und gute «Fahrer» versucht sein. Danach gehören in die erste Kategorie Damen und Musiker, vor allem Pianisten, in die zweite Handwerker und Kutscher. Bei den letzteren bildet der Sinn für die Strasse, den sie aus ihrem Beruf mitbringen, ein nicht zu unterschätzendes Plus. Der Einfluss des Temperaments. Das angeborene Temperament lässt sieh natürlich beim Fahren ebenso wenig wie bei allen anderen Lebensäusserungen verleugnen. Der Choleriker beansprucht das Monopol auf die Straese, er nimmt keine Rücksicht auf den übrigen Verkehr, schimpft auf jeden Passanten und sieht nur die Fehler seiner Umgebung. Seine eigenen Schnitzer fallen seiner Ansicht nach nicht i hm zur Last, sondern den widrigen Umständen, die ihm zufällig begegnen und denen er nicht gewachsen ist — was er selbstverstänlich niemals zugibt. Der Melancholiker dagegen leidet an einem Mangel an Selbstgefühl; er ist von jeder Stimmung abhängig und immer geneigt, schon in den ersten Fahnstunden beim geringsten Versagen die Flinte ins Korn zu werfen. Der Pendant schliesslich will alles gründlich kennenlernen, er wirkt durch eine Unmenge von Fragen zermürbend auf den Lehrer, und überdies soll alle-s experimentell erläutert werden ... Er schaltet ohne jede Notwendigkeit, nur um zu erproben, was beim Rückschalten vom 4. auf den 2. Gang in voller Fahrt ohne Zwischengas passiert, was wiederum «zermürbend» auf den Wagen wirkt! Der unangenehmste Typus aber verkörpert der Ueb erhebliche, der jeden Einwand zum vornherein zu widerlegen versucht, alles besser weis» und sich dabei nicht bewusst ist, dass er durch sein Verhalten den Lehrer zur Verzweiflung bringt und ihm die Initiative nimmt, die, ebenso wie das Vertrauen von Mensch zu Mensch, die Grundbedingung jedes Unterrichts ist. Alle diese Veranlagungen und psychologischen Grundlagen beeinflussen den Vorstellungsablauf oder das Reaktionsvermögen. Die Fähigkeit, auf Vorfälle auf der Strasse zu reagieren, soll mit der wachsenden Sicherheit in der Bedienung des Wagens ständig zunehmen und ist nur zum Teil mit «Geisteegegenwart» identisch, denn sie besteht darin, den Verkehrsverhältnissen entsprechend zu handeln, sich aus der momentanen Situation entwickelnde neue Situationen vorauszusehen und 6ofort die entsprechende Gegenreaktion folgen zu lassen. Dieses Reaktionsvermögen ist, abgesehen von den schon erwähnten Einflüssen, in einem gewiesen Masse angeboren, -wächst aber unbedingt mit steigender Uebung und läset sich durch bewusste Konzentration auf das Fahren erwerben. An dieser Stelle sei übrigens darauf hingewiesen, dass die Reaktionszeit den Bremsweg im Gefahrsfalle 'bedeutend vergrössert, und zwar z. B. bei 40 km Stundengeschwindigkeit um 45 %> bei einer Reaktionszeit von einer halben Sekunde, was einen guten Durchschnittswert darstellt. Für die Raschheit des Gedankenablaufs und die sofortige energische Vornahme jener Handlungen, welche die Situation erfordert, fällt vielmehr der Einfluss des Alters ebensosehr ins Gewicht wie jener des Berufs, des Temperaments und des Konzentrationsvermögens. In welchem Masse der Alkohol das Reaktionsvermögen und damit die allgemeine Beherrschung des Wagens vermindert, dazu erübrigt sich jedes weitere Wort. Eine richtige Beurteilung des eigenen Könnens ist ungemein selten und gegebenenfalls nur beim befähigten Fahrer zu finden, der sich einer strengen Selbstkritik zu unterziehen pflegt. Charakteristisch in dieser Beziehung wirkt der Fall einer Dame, die wegen gröbster Fahrfehler zu einer Wiederholung der Prüfung antreten musste und sich gegenüber den Prüfungsorganen mit dem empörten Ausruf wehrte: «Ich habe doch niemanden etwas zuleide getan!» — Bezeichnend auch die verwunderte Frage einer Aerztin: «Ich wusste gar nicht, dass man während der Fahrt bremsen kann!» Erwähnenswert ferner die Entschuldigung wegen eines Missgriffs während der Prüfungsfahrt: «Ich wurde während der Fahrstunden nie durch diese Strasse geführt.» Ueberhaupt lässt sich das Bestreben feststellen, für Fahrfehler irgend jemand anderen, z. B. als nächstgelegenes «Objekt» den Lehrer zum Sündenbock zu stempeln. Die Bemerkung des Lehrers gegenüber einer Dame, ohne sein Eingreifen wäre ein Handwagen angefahren worden, wurde mit der Antwort abgelehnt: «Keine Spur, zum Beweis: ich habe ihn gar nicht gesehen!!!» Was schliesslich die psychologische Seite des Theorieunterrichts anbelangt, so verhält sich die Eignung dabei oft gerade umgekehrt wie die beim praktischen Fahrunterricht. Auch hier macht man mit den Maturanden die besten Erfahrungen, hier rangieren die lerrigewohnten akademischen Berufe, aber auch Mechaniker, Schlosser und dergleichen, in erster Linie, während andere Berufsgruppen mit Lernschwierigkeiten oder zumindest mit dem sprachlichen Ausdruck zu kämpfen haben. Frauen sind im allgemeinen so ehrgeizig und anpassungsfähig, dass sie sich den Stoff nicht nur aneignen, sondern auch häufig wirklich beherrschen Merkwürdigerweise fällt die Erlernung der Verkehrszeichen und ihrer Bedeutung vielen Personen schwer — eine Aerztin z. B. hielt das Warnungszeichen mit der Lokomotive für ein «Fahrverbot für Lokomotiven» — und auch der Begriff Höchstgeschwindigkeit wird leider nur zu oft missverstanden. Jeder Lernwililge und mit durchschnittlichem Auffassungsvermögen Begabte kann zu einem sicheren Fahrer ausgebildet werden, wobei ich auf den Standpunkt eines berühmten Nervenarztes verweise, der sogar stark Nervösen das Autofahren empfahl, weil ee zur Anspannung der Aufmerksamkeit und damit zum «Vergessen» der nervösen Hast führe. — Eine Hauptaufgabe des Unterrichts erblicke ich darin, den Schüler zu einem gleichmassigen und ruhigen Fahrer heranzubilden, den Schnelligkeitswahn zu bekämpfen und der Devise «safety first» zu ihrem Rechte zu verhelfen. Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen Wie die in Nr. 21 der « A. R.» veröffentlichte offizielle Meldung verkündet, ist die Bildung von Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen angesichts der kürzlich erfolgten Kriegsmobilmachung der Armee nunmehr ins Stadium unverzüglicher Verwirklichung getreten. In einem Schreiben hat sich die Sektion für Kraft und Wärme an die Halter von Lastwagen und Traktoren gewendet, die nicht mit einem militärischen Aufgebot belegt sind. Darin weist die erwähnte Amtsstelle auf die am 11. Mai vom Kriegsindustrie- und -arbeitsamt erlassene Verfügung hin, welche, zusammen mit dem Bundesratsbeschluss vom 16. April 1940 die Grundlage der neuen Anordnungen bildet und folgenden Wortlaut trägt: 1. « Zur Sicherstellung der kriegswirtschaftlichen Motorfahrzeugtransporte erhält die Sektion für Kraft und Wärme den Auftrag, sofort die Bildung von Arbeitsgemeinschaften der Halter von Motorlastwagen, Anhängern, Lieferwagen und Traktoren anzuordnen. Sie trifft die organisatorischen Massnahmen und erteilt die nötigen Weisungen. 2. Zur Durchführung ihrer Aufgabe wird die Sektion für Kraft und Wärme ermächtigt, in Zusammenarbeit mit dem Armeekommando, Sektion für Mobilmachung, die nicht mit einem militärischen Marschbefehl belegten Motorlastwagen, Anhänger, Lieferwagen und Traktoren für die Kriegswirtschaft zu requirieren. 3. Zuwiderhandlungen gegen die Weisungen der Sektion für Kraft und Wärme bezüglich der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften werden nach den Bestimmungen des Art. 19 des Bundesratsbeschlusses vom 26. September 1939 über die Landesversorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen geahndet. » Gestützt auf diesen Erlass auferlegt die Sektion für Kraft und Wärme den Haltern von Lastwagen und Wagen mit auswechselbaren Karosserien (1 Tonne und mehr Nutzlast), von Lieferwagen (weniger als 1 f Nutzlast), Traktoren (mit Ausnahme der Halter von Traktoren, die ausschliesslich für landwirtschaftliche Zwecke Verwendung finden) und von Anhängern die Pflicht zum Beitritt zur regionalen Transportgemeinschaft, in deren Gebiet sich das Domizil des Halters befindet. Gleichzeitig bezeichnete das Schreiben die bisher nicht mit einem militärischen Aufgebot belegten Motorlastwagen und Traktoren, die durch einen dem Zirkular beigefügten (grauen) Marschbefehl mit braunem Aufgebotszettel vom Armeekommando für die Bedürfnisse der Kriegswirtschaft requiriert AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 28. MAI 1940. — N° 22 wurden. Das rechtliche Fundament dazu liefert die Requisitionsverordnung vom 3. März 1939. Für jedes dieser Fahrzeuge hatten die Halter ein Anmeldeformular auszufüllen und dieses bis 22. Mai dem Kriegswirtschaftsamt ihres Kantons einzusenden. Dabei betonte die Sektion für Kraft und Wärme ausdrücklich, dass ein allfällig bereits bestehender Aufgebotszettel durch den neuen Marschbefehl nicht etwa aufgehoben werden. Im übrigen musste die Anmeldung auch Angaben über die im Betrieb des Halters beschäftigten Personen und über allfällige Familienmitglieder und Hausangestellte enthalten, die zur Führung des oder der in Frage stehenden Fahrzeuge in Betracht fallen, denn das Gesetz bietet die Möglichkeit, jede mit der Wagenführung vertraute Person zur Dienstleistung aufzubieten. Ihren besondern Nachdruck erhielt diese Aufforderung durch den Hinweis, dass im Falle der Zuwiderhandlung die sofortige Requisition der im Schreiben erwähnten Fahrzeuge erfolgen könne. Was nun die Einzelheiten bezüglich der Organisation, der Aufgaben und der Durchführung der Arbeitsgemeinschaften, sowie die den Mitgliedern daraus erwachsenden Rechte-und Pflichten anbetrifft, so finden sie sich in den Weisungen der Sektion für Kraft und Wärme niedergelegt. Angesichts der Tragweite dieser Bestimmungen halten wir es für angezeigt, das umfangreiche Dokument in extenso zu veröffentlichen, weist es doch unserm kriegswirtschaftlichen Motortransportwesen ganz neue Wege. Weisungen Nr. 1 (vom 17. Mai 1940) DIE SEKTION FÜR KRAFT UND WARME DES KRIEGSINDUSTRIE- UND -ARBEITSAMTES, gestützt auf die Verfügung des Kriegsindustrie- und -arbeitsamtes vom 11. Mai 1940, erlässt über die Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen folgende Weisungen: I. Zweck der Ordnung. 1. Zur Sicherstellung der für die Kriegewirtschaft und die Landesversorgung lebenswichtigen Sachentransporte und angesichts der durch die Requisition zahlreicher Motorfahrzeuge erfolgten starken Verknappung der dem Zivilverkehr verbliebenen Bestände an Motorlastwagen, Traktoren und Anhängern ist eine möglichst rationelle Ausnutzung der der Wirtschaft des Landes zur Verfügung stehenden Nutzfahrzeuge unerlässlich. 2. Um dieses Ziel zu erreichen, sind im Benehmen mit den Kriegswirtschaftsämtern der Kantone und in Zusammenarbeit mit diesen Aemtern oder den von ihnen bezeichneten Stellen in der ganzen Schweiz regionale Arbeitsgemeinschaften für den Sachenverkehr zu bilden, welche sowohl Halter von Nutzfahrzeugen des Werkverkehrs als auch des gewerbsmässigen Verkehrs umfassen. 3. Die Halter von Motorlastwagen und Wagen mit auswechselbaren Karosserien (1 Tonne und mehr Nutzlast), Lieferwagen (weniger als 1 Tonne Nutzlast), Traktoren (ausgenommen die Halter von Traktoren, die ausschliesslich für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden) und von Anhängern für diese Fahrzeuge werden durch diese Weisung ohne weiteres zu Mitgliedern der regionalen Arbeitsgemeinschaft im Autotransportwesen, in deren Gebiet sich das Domizil des Halters befindet. Die Region, über welche sich jede Arbeitsgemeinschaft erstreckt, wird im Einvernehmen mit den Kantonen von der Sektion für Kraft und Wärme festgelegt. 4. Die Sektion für Kraft und Wärme wird in allen grundsätzlichen Fragen betreffend die Organisation der Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen eine von den am Motorlastwagenverkehr interessierten Wirtschafts- und Fachverbänden zu diesem Zwecke bestellte Kommission von Sachverständigen oder deren Arbeitsausschuss anhören oder zur Begutachtung einladen. 5. Die Auflösung 1 der Arbeitsgemeinschaften oder die vorübergehende ganze oder teilweise Einstellung ihrer Tätigkeit erfolgt nach Weisung der Sektion für Kraft und Wärme. II. Aufgaben der Arbeitsgemeinschaften und Richtlinien für ihre Tätigkeit 6. Die Arbeitsgemeinschaften überwachen die von ihren Mitgliedern im eigenen Werkverkehr zu besorgenden und regeln die Ausführung der den Mitgliedern von Dritten, bzw. von den Arbeitsgemeinschaften übertragenen Sachentransporte mit Motorfahrzeugen. Sie sichern die Zu- und Abfuhr der Güter und Tiere von und zu den Bahnstationen. Ferner organisieren sie im Rahmen der ihnen gegebenen Richtlinien und gestützt auf die von ihnen selbst aufgestellten Reglemente den Sammel- und Verteilerdienst in den Ortschaften und Regionen, sowie die für die Kriegswirtschaft und Landesversorgung notwendigen gewerbsmässigen Ferntransporte. Das Vertragsverhältnis der offiziellen Camionneure mit den Eisenbahnen und Schiffahrtsgesellschaften und die daraus sich ergebenden, mit dem Bahncamionnagedienst zusammenhängenden Rechte und Pflichten werden durch diese Regelung nicht berührt. Die Arbeitsgemeinschaften haben bei der Ueberwachung und Organisation der Sachentransporte auf die durch die Kriegswirtschaft und Landesversorgung bedingten Interessen, sowie auf eine angemessene Wahrung der Existenzmöglichkett der Betriebe Bedacht zu nehmen. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der gewerbsmäßigen Transportunternehmer, die bei der Uebertragung von Transporten für 'Dritte in- erster Linie zu berücksichtigen sind. Bei der Lösung ihrer Aufgaben können von den Arbeitsgemeinschaften auch lokale oder regionale Organisationen der Wirtschaft zur Mitarbeit beigezogen werden. 7. Die Arbeitsgemeinschaften sind in erster Linie Vermittlungsstellen zwischen ihren Mitgliedern und den Verfrachtern. Verfrachter, die über keine oder über ungenügende Strassentransportmittel verfügen, können ihre Transporte bei den Arbeitsgemeinschaften ihrer Region anmelden. Diese sichten die Anmeldungen nach ihrer Bedeutung für die Kriegswirtschaft und die Landesversorgung und beauftragen ein oder mehrere Mitglieder mit der Durchführung der Transporte. Die Mitglieder sind verpflichtet, diese Transporte auszuführen, gegebenenfalls unter Zurückstellung von eigenen, kriegswirtschaftlich weniger wichtigen Fuhren. 8. Sachentransporte, vorab Ferntransporte, die ohne erhebliche kriegswirtschaftliche oder transporttechnische Nachteile und zu angemessenen Beförderungspreisen von den öffentlichen Transportanstalten übernommen werden können, sind, wenn die Verhältnisse es erfordern, jenen zu übertragen. Sofern sich eine weitere Einschränkung des Fernverkehrs im kriegswirtschaftlichen Interesse als notwendig erweist, erlässt die Sektion für Kraft und Wärme darüber besondere Weisungen. 9. Die Sektion für Kraft und Wärme gibt den Arbeitsgemeinschaften die Einteilung der Sachentransporte nach Massgabe ihrer Bedeutung für die Kriegswirtschaft und die Landesversorgung bekannt. 10. Für den regionalen Sammel- und Verteilerdienst von Stückgütern sind — soweit möglich — War doch gut gewesen, dass sich sein Gerechtigkeitsgefühl dagegen gesträubt hatte, den Karsten zu entlassen — nach der fatalen Begegnung in Marienbad. Aber es lag in Römers Art, den Zorn über peinliche Zwischenfälle an sich selbst und nicht an andern auszulassen. Er hatte dem Karsten damals sogar freiwillig eine Gehaltserhöhung zugesprochen. Es war kein Schweigegeld, was er ihm da auswarf — denn es war ia noch gar nicht einmal sicher, dass der Karsten ihn wirklich gesehen hatte, wie er da in der Hotelhalle, gegen das Tageslicht stehend, die Auseinandersetzung mit dem Portier hatte, während Manon Luchon der Mantel herabgeglitten war, dass sie dastand in ihrem hellgrünen Trikot — noch von der Abendvorstellung her ... Und wenn selbst Karsten ihn gesehen hatte — es konnte da für den Ingenieur nur eine Deutung geben ... Aber solche Vergehen bucht ein Mann dem andern nicht auf Schuldkonto!... Wie zerschlagen fühlt sich Römer. Die Geschichte bekommt ihm diesmal nicht! Sechsundvierzig Jahre sind auch für einen Mann wie ihn keine Kleinigkeit! Gerade für ihn, bei seinem Verbrauch an Nervenkraft! Und — er benötigte alle seine Kräfte, die körperlichen und die geistigen!... Es gab Leute, die schon mit ihrem einen Leben nicht fertig wurden... und er ?... Er hatte sich überreich belastet mit Erleben. Er legt den Kopf an das weisse Schützdeckchen mit dem eingearbeiteten PLM über dem grauen Sammet der Polsterwand und zieht den in der Ecke hängenden Mantel schützend über sein Gesicht. Er denkt an sein Frau, die — so klug sie ist — es nicht verstanden hat, sein Vertrauen zu gewinnen. Weil sie immer zu fordernd gewesen war mit ihren Blicken und ihrer ständigen Bereitschaft, ihm zu verzeihen. Er wollte, er brauchte kein Verzeihen! Das eben hatte die Manon Luchon verstanden! Und darum war sie ihm wertvoll geworden. Die Manon hatte es gewusst, dass seine Ausbrüche keine Zeichen von Schwäche waren, die Verzeihung erheischten. Nein, dass es gerade seine besondere Stärke war, dass er es verstanden hatte, seinem Leben die Kurven zu geben, die er brauchte, um den beiden Polen seines Wesens Auswirkungsmöglichkeiten zu schaffen. Nie hatte sie geklagt; die Manon Luchon, wenn er zehn Monate des Jahres aus ihrem Leben verschwand! Nie hatte sie versucht, sich an ihn heranzudrängen, ausserhalb der Zeit, die ihr zugemessen war! Und hatte doch vom ersten Tage an, seit jener Aussprache in Marienbad, seinen Namen gewusst, seine Adresse, den Namen seiner Frau, seiner Kinder. Manon Luchon — Römer ist eingeschlafen. Der Zug fährt durch blühendes Land, zwischen Blumen, die unter weisser Staubschicht ersticken. « Voilä, Monsieur ! Wir sind gleich da »... Der Kondukteur schiebt die Tür auf. In seiner für ihn unverkennbaren, steifen Haltung steht Römer auf, steigt aus dem Zug. «Die Bahnhofswirtschaft ist da drüben, Monsieur! Es stehen aber auch Tische auf dem Perron... da ist's luftiger!... Also .gute Reise, Monsieur, ich werde alles erledigen!» « Halt! » ruft Direktor Römer dem Kondukteur nach, der wie auf Kommando stehen bleibt, so erinnert ihn der blanke harte Ton an seine Militärzeit. < Sie werden die Gefälligkeit haiben, Monsieur, den bewussten Brief abzuholen und ihn mir dann doch zu bringen! Aber etwas rasch, bitte. Nehmen Sie einen Wagen, wenn Sie einen auftreiben können! > Der Kondukteur salutiert < Bon, Monsieur. In zwanzig Minuten bin ich zurück. Der Gegenzug hat auch immer Verspätung! » Direktor Römer sitzt vor einem Mazagran, an einem kleinen Tisch auf dem Perron von Vence. War doch besser, er wusste, was in dem Brief ftand...! Er knipst mit den Fingern die vom Baum gefallenen, schon angebräunten Oleanderblüten von der Tischplatte. Fliegen, klebrig, umkreisen ihn immer dichter. Die Spätnachmittagshitze ist unerträglich. Und doch sitzt er da in der gleichen korrekten Haltung, die ihn auch auszeichnet, wenn er im Büro der Maschinenfabrik Vulkan vor seinem Schreibtisch arbeitet. Nur seine wieder unruhig trommelnden Finger verraten seine Unruhe. Er steht auf, geht zum Zeitungsstand, kauft Journale. Geht an seinen Platz zurück. Blättert zerstreut. (Fortsetzung folgt)

f N° 22 — DIENSTAG, 28. Mai 1940. AUTOMOBIL-REVUE S regelmässig verkehrende, gut ausgelastete Motorlastwagenkurse einzurichten, die bei Vorliegen des Bedürfnisses auch dazu dienen sollen, einen im Interesse der Kriegswirtschaft notwendigen werkeigenen Verteilungsdienst von Einkaufsgenossenschaften, Grossisten, Warenhäusern, Detailgeschäften usw. zu entlasten. Zu diesem Zwecke können durch die Arbeitsgemeinschaften Gütersammelstellen und Anmeldestellen eingerichtet werden. 11. In ländlichen Gegenden sind — soweit nicht bereits rationell eingerichtete Verkehrseinrichtungen bestehen — die gewerbsmässigen motorisierten Strassentransporte so zu organisieren, dass auf mehrere benachbarte Gemeinden womöglich nur eine Transportunternehmung entfällt. Bei der Wahl der Unternehmung sind auch die wirtschaftlich schwächeren Existenzen zu berücksichtigen, sofern ihr Wagenmaterial den Anforderungen entspricht und ihre Geschäftsführung für eine geordnete Besorgung der Transporte Gewähr bietet. 12. Wenn es die Verhältnisse erfordern, sind die Arbeitsgemeinschaften ermächtigt, die mietweise Abtretung von nicht oder nicht genügend beschäftigten Nutzfahrzeugen ihrer Mitglieder an dritte Unternehmen anzuordnen. Sie sind verpflichtet, Anordnungen der Gruppe Kriegswirtschaftliche Motorfahrzeugtransporte der Sektion für Kraft und Wärme betreffend die mietweise Abtretung von Fahrzeugen zu befolgen, sofern ihnen für diesen Zweck Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Die Arbeitsgemeinschaften stellen für die Entschädigung für ausgemietete Fahrzeuge Grundsätze und Höchstansätze auf, für welche die Genehmigung der Sektion für Kraft und Wärme einzuholen ist. Diese hört darüber die in Ziffer 4 erwähnte Kommission an. 13. Die Beförderungspreise für auf Rechnung Dritter auszuführende Transporte werden zwischen den beteiligten Mitgliedern und Verfrachtern vereinbart, wobei auf die ortsüblichen Ansätze abzustellen ist. Die Erhebung der Beförderungspreise ist Sache des einzelnen Tränsportunternehmens, das auch selbst für die Ausführung der Transporte haftet. Falls eine Verständigung zwischen den Beteiligten nicht zustande kommt, entscheidet die Arbeitsgemeinschaft. Deren Entscheid kann innert einer Frist von 10 Tagen bei der Sektion für Kraft und Wärme angefochten werden. Diese entscheidet endgültig, wobei sie die in Ziffer 4 genannte Kommission anhören kann. Die offiziellen Bahncamionnagetarife werden durch diese für die Arbeitsgemeinschaften zu treffende Ordnung nicht berührt. 14. Für die Berechnung der Entgelte sind in allen Fällen die von der Preiskontrollstelle des eidg. Volkswirtschaftsdepartements erlassenen einschlägigen Verfügungen massgebend. 15. Zur Wahrung der kriegswirtschaftlichen Intressen haben die Arbeitsgemeinschaften, vor allem die benachbarten, eine die Lösung ihrer Aufgaben fördernde Zusammenarbeit zu pflegen, wobei insbesondere auch den Bedürfnissen der einzelnen Berufsgruppen Rechnung zu tragen ist' Die Arbeitsgemeinschaften sind gehalten, sieh nötigenfalls gegenseitig mit Personal und Material zu unterstützen. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Arbeitsgemeinschaften entscheidet auf Antrag ihrer Gruppe Kriegswirtschaftliche Motorfahrzeugtransporte die Sektion für Kraft und Wärm© endgültig. 16. Die Arbeitsgemeinschaften sind verpflichtet, im Falle einer befohlenen EvakUätion alle unter ihrer Kontrolle stehenden Fahrzeuge und Wagenführer in den Dienst der Evakuatlon zu stellen. Sie erhalten darüber die nötigen Befehle von den zuständigen Territorialkommandos. III. Organisation der Arbeltsremeinschaften. 17. Die kantonalen Kriegswirtschaftsämter, bzw. die von ihnen bezeichneten Stellen, haben unverzüglich im Benehmen .mit den Wirtschaftsverbänden und den Fachorganisationen des Mötorlästwagenverkehrs die Organisation der Arbeitsgemeinschaften durchzuführen. 18. Die Organe der Arbeitsgemeinschaften sind: a) der Arbeitsausschuss, b) die Geschäftssielle. 19. Der Arbeitsaussohuss besteht aus 3—5 Mitgliedern, wovon 1 Mitglied vom kantonalen Kriegswirtschaftsamt von Amtes wegen bezeichnet wird. Die übrigen Mitglieder werden vom kantonalen Kriegswirtschaftsamt auf Vorschlag der am motorisierten Sachenverkehr interessierten Wirtschaftsund Fachverbände ernannt. Der Ausschuss konstituiert sich selbst. Die Mitglieder des Arbeitsausschusses arbeiten in der Regel ehrenamtlich. Die Geschäftsstelle wird vom kantonalen Kriegswirtschaftsamt, bzw. von der von ihm bezeichneten Amtsstelle übernommen. Sie stellt das erforderliche Personal. Dabei sind womöglich für die Durchführung der Aufgaben geeignete Fachleute zuzuziehen. 20. Die in Ziffer 3 angeordnete Mitgliedschaft erlischt mit dem Tode des Mitgliedes, mit der Auflösung der Firma oder mit der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft. 21. Die Arbeitsgemeinschaften haben ihre Tätigkeit auf die in Abschnitt II -umschriebenen Aufgaben zu beschränken. Sie stellen eigene Gtschäftsreglemente auf, welche der Genehmigung durch die Sektion für Kraft und Wärme unterliegen. 22. Die Mitglieder sind verpflichtet, alle behördlichen Erlasse betreffend die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaften, deren Reglemente, sowie alle Beschlüsse und Anordnungen der Organe der Arbeitsgemeinschaft genau zu befolgen. Der Geschäftsstelle steht das Recht zu, Ton den Mitgliedern alle das Tätigkeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft betreffenden Auskünfte und dazu gehörenden Belege zu verlangen. Sie hat dabei das Geschäftsgeheimnis der Mitglieder zu wahren. 23. Zur Deckung der Selbstkosten der Verwaltung (Geschäftsstelle, Bureaukosten, Reisespesen) können die Arbeitsgemeinschaften von den Mitgliedern, die ihre Dienste in Anspruch nehmen, sowie von den Verfrachtern von Gütern angemessene Gebühren erheben. Die Genehmigung der Gebührenansätze durch die Sektion für Kraft und Wärme bleibt vorbehalten. IV. Rekurse. 24. Innert 10 Tagen nach eröffneter Verfügung kann von den Mitgliedern der Rekurs an die Sektion für Kraft und Wärme ergriffen werden: a) gegen die erzwungene Ausmiete von Fahrzeugen, b) gegen die Festsetzung von Beförderungspreisen durch die Arbeitsgemeinschaften (Ziffer 13), c) gegen andere Verfügungen der Organe der Arbeitsgemeinschaften gegenüber einem Einzelmitglied, wenn sich dieses dadurch in seinen wirtschaftlichen Interessen erheblich benachteiligt fühlt. In wichtigeren Rekursfällen hört die Sektion für Kraft und Wärme die in Ziffer 4 genannte Kommission oder deren Arbeitsausschuss an. Die Entscheide der Sektion für Kraft und Wärme sind endgültig. V. Strafbestimmungen. 25. Gemäss Ziffer 3 der Verfügung des Kriegsindustrie- und -arbeitsamt vom 11. Mai 1940 werden Zuwiderhandlungen gegen die Weisungen der Wie in Nr. 21 der A. R. bereits gemeldet, hat der Bundesrat die auf Grund der Strassenlänge festgesetzten prozentualen Anteile der Kantone am Benzinzollertrag für die Jahre 1939 bis 1943 neu berechnet. Die Zuteilung erfolgt, wie erinnerlich, zu einem Drittel nach den prozentualen Ansätzen für die Strassenlänge, währenddem für die beiden andern Drittel nach dem geltenden Verteilungsschlüssel das Verhältnis der Strassenausgaben des Kantons zu den entsprechenden Ausgaben sämtlicher Kantone massgebend ist. Sektion für Kraft und Wärme bezüglich der Bildung und Durchführung der Arbeitsgemeinschaften nach den Bestimmungen des Art. 19 des Bundesratsbeschlusses vom 26. September 1939 über die Landesversorgung ;mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen geahndet. VI. Schlussbestimmungen. 26. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaften an ihre Mitglieder haben auf dem schriftlichen Wege zu erfolgen, bzw. sind durch Schreiben zu bestätigen. Sie können auch in den kantonalen Amtsblättern oder in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Kriegsindustrie- und -arbeitsamt Sektion für Kraft und Wärme Der Chef: Grimm. Der Benzinzollviertel für die Kantone erreicht für 1939 den Betrag von 10 833 037 Franken. Kantone Zürich Bern . . . . . . Luzern Uri Schwyz Obwalden. . . . Nidwaiden . . . Glarus Zug Freiburg . . . . Solothurn. . . . Basel-Stadt Basel-Land . . . Schaffhausen . . Appenzell A. Rh. Appenzell I. Rh.. St. Gallen. . . . Graubünden. . . Aargau Thurgau . . . . Tessm Waadt Wallis Neuenburg . . . Genf Die nach den Strassenlängen bemessenen Quoten waren 1928 erstmals festgesetzt worden. Wohl sah Art. 3 des Bundesratsbeschlusses vom 21. September deren Revision in Zeitabständen von je 5 Jahren vor, tatsächlich aber erfolgte sie zum zweitenmal erst 1935. Heute nun revidiert der Bundesrat diese Ansätze neuerdings, wobei sich, verglichen mit der bisherigen Regelung, allerdings nur geringfügige Unterschiede ergeben. In seiner Sitzung vom 24. Mai hat der Bundesrat die Verteilung des Benzinzollviertels 1939 an die Die Rückvergütung des Betrages von 10,833,037 Fr. an die Kantone, der sich für 1939 als deren Anteil am Benzinzollertrag ergibt Gesamtausgaben 1936—1938 Fr. 15 864 071 18 061 869 2 436 655 1 738 924 1 570 413 630 122 454 317 2 045 326 1 117 665 3 950 252 3 958 488 9 053 590 3 096 501 1 310 707 1 458 339 816 269 6 990 409 11 275 810 7 021 616 4 055 258 10 564 520 11 751 309 3 959 126 460 783 2 407 409 Verteilung */s l z nach Ausgaben % nach Strassenlängen Anteil 1939 Fr. % Fr. Fr. 908 932 1 034 855 139 608 99 632 89 977 36 103 26 030 117 187 • 64 037 226 330 226 802 518 726 177 414 75 097 83 556 46 768 400 516 646 048 402 304 232 346 605 294 673 292 226 838 26 400 137 933 6,7 14,5 4,1 1,9 2,1 0,8 0,7 1,3 1,4 4,2 2,8 0,4 2,4 1,0 1,6 0,4 6,3 11,6 6,3 4,8 5,3 9,6 5,2 3,0 1,6 241 938 523 597 148 052 68 609 75 831 28 888 25 277 46 943 50 554 151 663 101 108 14 444 86 664 36110 57 776 14 444 227 494 418 877 227 494 173 329 191 384 346 657 187 773 108 330 57 776 1 150 870 1 558 452 287 660 168 241 165 808 64 991 51307 164 130 114 591 377 993 327 910 533 170 264'078 111 207 141 332 61212 628 010 1 064 925 629 798 405 675 796 678 1 019 949 414 611 134 730 195 709 Ausgleichslonds 250 000 Fr. 80 000 15 000 50 000 25 000 15 000 15 000 25 000 25 000 Total 126 049 748 7 222 025 100 3 611 012 10 833 037 250 000 wählen Motorwagenfabrik Berna AG., Ölten Kantone genehmigt. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei allerdings bloss noch um einen Sechstel, und zwar deshalb, weil von der 1935 vorgenommenen Erhöhung des Grundzolles auf dem Benzin für die Kantone nichts abfällt. Aus der nebenstehenden Tabelle sind die Ausgaben der Kantone im Zeitraum 1936 bis 1938 sowie die daraus resultierende Zuteilung aus dem Benzinzoll ersichtlich. Die letzte Kolonne enthält die Beiträge, welche den Kantonen Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwaiden, Appenzell A.-Rh., Appenzell I.-Rh., Tessin und Wallis aus dem Ausgleichsfonds von 250000 Fr. gewährt werden. Unter dem Gesichtspunkt der Verteilung nach den Strassenausgaben erhält der Kanton Bern den fettesten Brocken, Zürich nimmt die zweite, Waadt die dritte, Graubünden die vierte, Tessin die fünfte und Basel-Stadt die sechste Stelle ein. Bei der Verteilung nach Strassenlängen marschiert Bern an der Spitze, gefolgt von Graubünden, Waadt, Zürich, St. Gallen und Aargau. Die Rückvergütungen nach Massgabe der Strassenlänge haben sich von 1937—1939 für Bern, Uri, Schwyz, Freiburg, Solothurn, Baselstadt, Tessin und Wallis ständig erhöht, währenddem für Luzern, Nidwalden, Zug, Neuenburg und Genf der umgekehrte Fall eintrat. \KTUELLES Stillgelegte Motorfahrzeuge müssen bereitgestellt werden. Innere und äussere Bereitschaft des Automobilisten, so lautete das Leitmotiv, worauf der Leitartikel in der letzten Nummer der A. R. abgestimmt war. Dass wir damit eine zeitgemässe Frage angeschnitten hatten, an der keiner von uns vorbeigehen darf, dafür liefern die Vorkehrungen der zürcherischen Zivil- und Militärbehörden, von denen im Nachstehenden die Rede ist, eine eindrucksvolle Illustration. Red. Wiederholt hat die Kantonale Strassenverkehrsliga Zürich unterstrichen, wie wichtig und unerlässlich es sei, den Grossteil dieses stillgelegten Motorfahrzeug-Parkes nicht nur im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit im Autogewerbe und auf die gesamte Verkehrs- und Volkswirtschaft sowie die Einnahmen des kantonalen Fiskus, sondern vor allem auch in Anbetracht der Notwendigkeiten der Landesverteidigung im Kriegsfall raschestens wieder in Verkehr zu bringen. Sie versuchte durch die 1938 lancierte Verkehrsgesetzesinitiative und in neuester Zeit durch das « Ermächtigungsgesetz » die dringend nötige Ermässigung der Steuern herbeizuführen, um die Hunderte und Tausende von Motorfahrzeugen wieder aus dem Winterschlaf zu wecken. Leider, wie man weiss, bis heute ohne positiven •Erfolg. Nun hat der Ernst der heutigen Zeit dieser Sachlage eine neue Wendung gegeben. Am 21. Mai haben die Kantonale Polizeidirektion und das Territorialkommando 6 eine Bekanntmachung an die zürcherischen Motorfahrzeughalter erlassen, worin ausgeführt wird, dass es im Interesse der Landesverteidigung nötig sei, sämtliche vorhandenen Motorfahrzeuge sofort fahrbereit zu machen. Die Halter stillgelegter Fahrzeuge haben diese unverzüglich in fahrbereiten Zustand zu versetzen dadurch, dass sie die Ladung der Batterien, die Instandstellung der Pneus und alle weiteren Vorbereitungen sofort vornehmen. Ferner ist für all diese Fahrzeuge die eiserne Ration Brennstoff — ausreichend für 100 km — bereitzustellen und im Fahrzeug aufzubewahren. Das Kantonale Kriegswirtschaftsamt gibt hiefür spezielle Benzinrationierungsscheine ab, die zu folgenden Bezügen, berechtigen: Wagen bis 7,5 HP 15 Liter, Wagen von 7,5 bis 15,5 HP 20 Liter, Wagen über 15,5 HP 25 Liter Benzin. Die Kosten dieser Brennstoffbeschaffung hat der Fahrzeughalter zu tragen. Sämtliche im Kanton Zürich stillgelegten Motorfahrzeuge müssen bei der Kantonalen Motorfahrzeugkontrolle mit einem speziellen Formular, das sowohl dort als auch bei den Automobilisten verbänden, den Statthalterämtern der Bezirke und den Gemeinderatskanzleien zu beziehen ist, sofort angemeldet werden, und zwar durch den Besitzer, in dessen Verhinderungsfall durch dessen Vertreter oder die Person, in deren Gewahrsam das Fahrzeug steht. Sofern zur Erstellung der Fahrbereitschaft stillgelegter Fahrzeuge Fahrten zu Garagen oder Reparaturwerkstätten unerlässlich sein sollten, so kann bei der Kantonalen Motorfahrzeugkontrolle in Zürich eine sog. Tagesbewilligung gelöst werden, deren Abgabe für diesen Zweck ohne Bezahlung einer Gebühr erfolgt; es muss nur die entsprechende Versicherungsprämie bezahlt werden, die ausnahmsweise von Fr. 6.50 auf Fr. 4.— pro Tag herabgesetzt wurde. Die neueste Massnahme dter Zürcher Zivil- und Militärbehörden liegt zweifellos im Interesse der Landesverteidigung. Es wäre nicht zu verantworten, wenn gegebenenfalls etliche Tausend Motorfahrzeuge unbenutzbar blieben, weil sie nicht betriebsbereit sind. Einmal mehr hat es sich aber auch gezeigt, wie wichtig es gewesen wäre, wenn die Behörden schon vor Jahren durch Reduktion der übersetzten Verkehrsgebühren einen Anreiz zur Inbetriebnahme Hunderter und Tausender stillgelegter Motorfahrzeuge geschaffen hätten. Diese bedauerliche Politik rächt sich jetzt bitter. V Bohrungen nach Erdgas im Rheintal ? Gewisse Anzeichen scheinen darauf hinzudeuten, dass mit der Ausbeutung der Methangaslager im st. gallischen Rheintal vorwärtsgemacht werden soll, obgleich heute die Angelegenheit noch nicht über das Stadium der Vorarbeiten hinausgediehen ist. Immerhin verlautet, die « Studiengesellschaft für Gas- und Erdölforschung in der Ostschweiz > stehe mit einem Zürcher Bankhaus in Unterhandlungen, um die Frage der Finanzierung eines Verwertungsprojektes abzuklären. Im übrigen sei sie auch bereits mit einem Unternehmen, das solche Bohrungen vornehme — die Konzession dafür erstreckt sich auf das Gebiet zwischen Staad am Bodensee und Sargans — in Verbindung getreten. Neben neuen Schürfungen beabsichtige die Gesellschaft vor allem, die bestehende Bohrung bis zum eigentlichen, viel tiefer gelegenen Gasvorkommen vorzutreiben und das auf diese Weise gewonnene Erdgas durch Rohrleitungen den städtischen Gaswerken zuzuleiten, um es mit dem Kohlengäs zu vermischen. Abwarten wird auch hier die beste Losung sein, wie bei so manenhem andern mehr oder weniger vorbeigelungenen Bohrversuch in der •Schweiz.