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E_1940_Zeitung_Nr.021

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BERN, Dienstag, 21. Mai 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 21 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EME TkT •n TS- RE IS Tl Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.—, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION ^ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die aebtgespaltene 2 nun hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Grfissere Inserate nach Spezialtarif Inseraten$cblns8 4 Tage vor Erscheinen der Ifnmmer Mit der neuerlichen allgemeinen Mobilmachung sind wieder Tausende von Motorfahrzeugen auf ihren militärischen Sammelplätzen eingerückt. Für wie lange ? Niemand weiss es, aber darüber ist sich heute ein jeder Wagenhalter im klaren, dass er jenes Opfer, welches die abermalige Requisition von ihm fordert, auf sich nehmen muss, so oder so. Tage, wie sie unser Land jetzt durchlebt, auferlegen einem jeden Verzichte. Kleinmütiges Verzagen heisst versagen. Vor den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Landesverteidigung haben die Wünsche und Interessen des einzelnen zurücktreten. Auf der anderen Seite muss freilich auch die Armee einsehen, dass die gesunde Entwicklung unserer Wirtschaft eine der Hauptbedingungen der Widerstandskraft des Landes darstellt, denn Armee und Wirtschaft bilden eine unzertrennliche Einheit. Die eine existiert nur durch die andere. Innerlich und äusserlich bereit sein ist heute alles. Was wir mit der innerlichen Bereitschaft meinen ? Jene Immunität gegen die Arglist der Zeit, die bewirkt, dass wir angesichts der ständig in neuen Erscheinungsformen an unseren Nerven zerrenden Gefahren kühles Blut-bewahren und uns nicht zu kopflosem Tun verleiten lassen. Unerschütterlich fest bleiben im Glauben an uns selbst und im Willen, uns gegen jeden Angriff zur Wehr zu setzen, komme er, woher er wolle, das darf und muss das Land heute von einem jeden erwarten. Die äussere Bereitschaft findet, auf den Automobilisten angewendet, ihren Ausdruck darin, dass er, soweit die Fahrzeuge dem zivilen Leben noch verblieben sind, für deren dauernde Betriebsbereitschaft sorgt, ganz gleichgültig, ob er die Kontrollschilder eingelöst hat oder nicht. Auch die Stillegung des Wagens entbindet nicht von der Pflicht, ihn zu pflegen und für alle Eventualitäten zu rüsten, in erster Linie dadurch, dass Batterie, Beleuchtung und Bereifung instandgehalten werden. Und wenn letzter Tage das Platzkommando einer ostschweizerischen Stadt an die Motorfahrzeughalter einen Appell in diesem Sinn richtete, dann verdient er überall Beherzigung. So wenig Worte man nämlich auch über die Erstellung und Aufrechterhaltung der ständigen Fahrbereitschaft verlieren sollte, weil es heute daran überhaupt nichts mehr zu deuteln gibt — die Erfahrung und Beobachtung lehrt immer und immer wieder, dass Nachlässigkeit und Sorglosigkeit in dieser Hinsicht keineswegs zu den Ausnahmen gehören. Wer sich aber zu solchen Vorkehrungen nicht entschliessen kann, schadet dem Lande, denn allerdings erschwert er dadurch Bereitxchaft eine anfällige von den Behörden angeordnete Evakuation, wofür sämtliche noch nicht requirierten Fahrzeuge mit Beschlag belegt und der Verfügungsgewalt der mit dieser Aufgabe betrauten Instanzen unterstellt werden. Darüber hinaus aber — und dieser Umstand fällt noch schwerer ins Gewicht — liegt in der Vernachlässigung der Instandhaltung des Wagens eine ernste Gefahr nicht nur für die Armee, sondern auch für die Wirtschaft, wie Nationalrat Vallotton in seinen Artikeln sowohl als auch in der Begründung seiner Interpellation mit drastischer Eindringlichkeit dargelegt hat. Freilich, die Gerechtigkeit erheischt es, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass an den zahlreichen Stillegungen, womit ja meist die Entladung der Batterie und das Luftauslassen aus den Pneus Hand in Hand geht, der Fiskus durchaus nicht unbeteiligt ist. Bund und Kantone haben aber ein Interesse daran, dem Motorfahrzeughalter einen Anreiz zum ständigen Gebrauch seines Vehikels zu bieten. Eine derartige Aufmunterung jedoch könnte nur von einer Anpassung der Verkehrssteuern an die durch die Treibstoffrationierung geschaffenen Verhältnisse, d. h. von einer namhaften Steuererleichterung ausgehen. Haben auch einzelne Kantone den Motorfahrzeugbesitzern in dieser Hinsicht Entgegenkommen gezeigt, so bleibt immerhin noch viel zu tun übrig. Auf die Interpellation Vallotton, « welche Massnahmen der Bundesrat im Einverständnis mit den Kantonen zu ergreifen gedenke, um die Stillegung von Fahrzeugen zu verhindern », konnte die bundesrätliche Antwort leider nicht mehr in der Aprilsession erfolgen. Indessen ändert dieser Umstand nichts daran, dass gerade unter den heutigen Verhältnissen das Problem der Steuererleichterungen neue Aktualität gewinnt und stärker denn je nach einer Lösung drängt. Haftpflicht auf der Fahrt zum Stellungsplatz oder bei der Abholung am Entlassungsort Wir entnehmen dem « Motorlastwagen > folgende interessante Darlegungen zu dieser Frage : Grundsätzlich haftet jeder Halter militärisch requirierter Motorfahrzeuge bei der Fahrt zum Stellungsplatz oder bei der Abjiolung ab Entlassungsort für alle Schäden, welche ihm oder seinem Beauftragten bei diesem Anlasse zustossen mit Einschluss des erlittenen Eigenschadens. Die Versicherungsgesellschaften sind die Verpflichtung eingegangen, dass sie für solche Schadensfälle aufkommen, selbst wenn für die Dauer der Requisition ein Antrag auf Sistierung der Police vorliegt. Liegt kein ausdrücklicher Sistierungsantrag vor, dann tritt die Garantie der Gesellschaft mit der Entlassung, d. h. mit der Ausstellung des Abschatzungsverbals automatisch wieder in Kraft. Auch das allfällige Fehlen der Winterausrüstung, wenn der Wagen z. B. im Herbst ohne Schneeketten oder Winterpneus eingerückt ist und die von der Armee gelieferte Winterausrüstung bei der Entlassung des Fahrzeuges wieder abgenommen wird, vermag an dieser Haftpflicht des Eigentümers nichts zu ändern. Der Bund ist nur solange verantwortlicher Halter des Fahrzeuges, als er tatsächlich über dieses verfügt, d. h. für die Zeit nach Einschätzung oder TJebernahme des Fahrzeugs bis zur Abschätzung und Rückgabe mit Einschluss von etwaigen Probefahrten, welche bei der Einschätzung oder Abschätzung von den zuständigen Militärorganen vorgenommen werden. Trotz dieser klaren Sachlage war aber die Verantwortlichkeitsfrage nicht restlos abgeklärt. Sämtliche Kommandos sind seinerzeit beauftragt worden, den Wagenbesitzern ihre Polizeinummern zurückzuerstatten. Dies hatte zur Folge, dass wohl in den meisten Fällen die Nummern bei den kantonalen Automobilämtern zur Umgehung der Steuerzahlung deponiert und gleichzeitig die zivile Haftpflichtversicherung zur Vermeidung der weiteren Prämienzahlung sistiert wurden. Im Falle eines Wiederaufgebotes des Wagens ist somit weder eine Fahrzeugnummer noch eine gültige Versicherung vorhanden, denn sehr oft hat der Wagenbesitzer kein Interesse daran, sie unter den obwaltenden Umständen zu erneuern. Ausserdem ist häufig der Geschäftsinhaber als Lenker des Fahrzeuges oder sein Chauffeur im Aktivdienst. Die Ueberführung an den Stellungsplatz oder die Abholung muss somit durch eine Drittperson erfolgen, die unter Umständen gar nicht über die nötigen Fahrkenntnisse verfügt oder keine Bewilligung zum Führen eines Wagens der betreffenden Klasse besitzt. Anderseits wäre die Lösung einer besonderen Fahrbewilligung (Tageskarte) ebenfalls mit Umständlichkeiten und Zeitverlusten verbunden, was zu mehrtägigen Ausfällen eine/' Militärentschädigung führt. Es erhob sich demzufolge die dringende Notwendigkeit, diese Frage im Hinblick auf deren Zusammenhänge mit den militärischen Belangen und der Gesetzgebung mit Armee und Eidg. Justiz- und Polizeidepartement gründlich abzuklären, wobei man zu folgender Lösung gelangte: 1. Haftpflichtversicherung. «a) Die Haftpflicht derjenigen Halter, deren Motorfahrzeuge vor der Requisition im Betrieb waren, ist auf der Fahrt zum Stellungsplatz durch die private Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung gedeckt. Bei diesen Fahrzeugen ist zudem auch die Heimfahrt durch die Haftpflichtversicherung gedeckt, erklären sich doch die Versicherungs- In dieser Nummer: Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen. Das Automobil in Kriegsdeutschland. Nachlese zum Grossen Preis von Tripolis gesellschaften gemäss Ziffer IV des Beschlusses der Unfalldirektoren-Konferenz vom 26. September 1939 betreffend die Haftpflichtversicherung requirierter Motorfahrzeuge bereit, die Deckung der dem privaten Halter obliegenden Haftpflicht für die direkte Fahrt vom Stellungsplatz zum zivilen Standort des Fahrzeuges auch dann zu übernehmen, wenn die Versicherung vorübergehend sistiert war. b) Handelt es sich um Motorfahrzeuge, die sich vor der Requisition ausser Betrieb befanden, so ist auf der Fahrt vom zivilen Standort an den Stellungsplatz und zurück wohl ein haftpflichtiger Halter — der Stellungspflichtige — vorhanden, doch fehlt eine private Haftpflichtversicherung, die für die Deckung der Haftpflicht aufzukommen hat. Für die Deckung dieser Haftpflicht ist trotzdem gesorgt. Der Bund hat nämlich mit einer Anzahl von Versicherungsgesellschaften einen Vertrag über die Haftpflichtversicherung der militärisch requirierten und eingeschätzten Motorfahrzeuge abgeschlossen. Diese vom Bunde abgeschlossene Haftpflichtversicherung deckt in erster Linie diejenigen Schäden, für welche der Bund als Halter der von der Armee übernommenen Motorfahrzeuge haftpflichtig wird. Für die hier in Frage stehenden Motorfahrzeuge beginnt sie jedoch schon mit dem Antritt der Ablieferungsfahrt durch den privaten Halter, frühestens jedoch 24 Stunden vor dem für die Ablieferung im Stellungsbefehl vorgesehenen Zeitpunkt und erlischt mit der Rückkehr des Fahrzeuges an seinen zivilen Standort, spätestens jedoch 24 Stunden nach der Abschätzung. Durch die Uebernahme dieser Verpflichtung durch die Versicherungsgesellschaften ist die Haftpflicht des zivilen Halters auf der Fahrt vom zivilen Standort des Motorfahrzeuges zum Stellungsplatz und zurück bis zu den in Art. 52 MFG vorgesehenen Versicherungssummen gedeckt. 2. Kaskoversicherung. Wie schon unter Ziffer 1 ausgeführt, hat der Halter des Motorfahrzeuges den an diesem entstandenen Schaden selbst zu tragen. Der Bund muss es ablehnen, zur Deckung solcher Schäden eine Kaskoversicherung abzuschliessen. 3. Tagesbewilligung. Es hat sich gezeigt, dass es in vielen Fällen technisch unmöglich ist, für die Fahrt vom zivilen Standort zum Motorfahrzeugstellungsplatz und zurück rechtzeitig kantonale Kontrollschilder zu beschaffen. Es konnte auf dieses Erfordernis jedoch verzichtet werden, nachdem dem Stellungspflichtigen im Marschbefehl der strenge Befehl erteilt wird, die Hin- oder Rückfahrt auf dem kürzesten Wege zurückzulegen und für diese Fahrten, wie oben dargetan wurde, eine Haftpflichtversicherung besteht. » Was somit die Haftpflichtversicherung und die Tagesbewilligungen anbetrifft, so kann die getroffe- F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 23. Fortsetzung « Hast du geschlafen, Mama?... Wir sind gleich da, Mutter. Er fährt schon ganz langsam. Hans steht sicher schon da zum Empfang !» Die Tür des Krankenwagens wird aufgerissen. Die beiden Männer vom Führersitz packen die Tragbahre, heben sie heraus. Wanda Römer sieht über sich das Grün der Bäume, die die Strasse säumen, und das Gesicht des Sohnes, der ihr einen Busch gelber Rosen in den Arm legt. Dann fühlt sie sich die Stufen hinauf- und durch einen kühlen Gang getragen. Es riecht nach Schmierseife und Sauberkeit. Eine weisslackierte Tür geht auf. Eine Schwester mit grosser weisser Haube sagt: « Grüss Gott, gnädige Frau !... Es wird Ihnen schon bei uns gefallen. > Die Männer setzen die Bahre auf dem grauen Linoleumboden ab, nehmen Wanda Römer bei den Schultern und Fussgelenken und legen sie behutsam auf das Bett, das, frisch bezogen, aufgeschlagen mitten im hellen Zimmer steht. « Wünschen gute Gesundheit! » Sie gehen hinaus. Die Schwester packt den kleinen Koffer aus, legt die Wäsche in die Lade, das Waschzeug neben die Schüssel. « Jetzt wollen wir uns hübsch ausziehen... bewegen Sie sich nicht, ich streife alles ab. » Hans kommt wieder ins Zimmer. « Der Krankenwagen ist bezahlt. Die Träger auch. Du brauchst dich um gar nichts mehr zu kümmern, Mutter. Nur um deine Gesundheit ! » Er küsst sie auf die Wange. Else gibt rasch die Rosen in ein Wasserglas und stellt es auf den Nachttisch. Dann stehen beide Kinder auf der Schwelle. Halb lachend, halb besorgt und zärtlich. « Jetzt bist du eine interessante Frau !...: ,... wie geht's Ihrer Frau Mutter ?... Ach danke, schlecht. Sie wird jetzt operiert!... Nein, wie entsetzlich !... Aber nein, wieso ! Operieren ist jetzt grosse Mode !...'» So stehen beide. Können sich nicht trennen von der Mutter. Führen Dialoge auf, um die Mutter aufzuheitern. Die Schwester aber zieht den weissen Vorhang vor, damit die Sonne die Kranke nicht blendet. Wanda Römer fühlt all die Liebe, all die Sorgfalt um sich herum, fühlt sie schmerzhaft — und spürt nur um so mehr, dass der Mann, für den sie jetzt, genau wie damals, in den Tod ginge, wenn er es verlangte, nicht bei ihr ist. Sie schliesst die Augen, hört, wie ihre Kinder behutsam und doch lachend die Tür hinter sich zuziehen. Kaum ist Hans Römer auf dem Gang draussen, als sich sein Gesicht verfinstert. « Else ! Es ist ernst!... Sehr ernst... Mutter hat natürlich keine Ahnung davon. Ich habe vorhin mit dem Chefarzt gesprochen. Der Professor sagt, er muss Mutter erst mehrere Tage unter Beobachtung halten... sie darf kaum essen, nicht trinken... Dann wird sie erst nochmal geröntgt... und dann will er erst entscheiden, ob sie operiert wird. Und auch das will er nicht allein bestimmen — das soll Vater tun !... » Else starrt den Bruder an : « Vater ?... Das geht doch nicht!» « Nein, eben ! Geht nicht. Das ist ja die Schweinerei !... Ich weiss überhaupt nicht mehr, was ich sagen soll!... Und vor vier Wochen kommt Vater nicht zurück. Keinen Tag vor dem ersten August. Keinen Tag eher !... Ich kann doch nicht über Mutter entscheiden, wenn sogar der Professor nicht weiss, ob...» Nach tiefem Schweigen fragt Else : « Ob in anderen Familien auch so unmögliche Zustände herrschen ? » Aber eine Antwort erwartet sie nicht. Sie haben sich beide auf eine Bank gesetzt, zwischen spielende Kinder, Verzweifelt. Ratlos... Um abzulenken, sagt Hans : « Ich habe eines deiner Kleider... das schwarze mit den roten Klappen drauf, und