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E_1940_Zeitung_Nr.025

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Was geschieht jetzt mit

Was geschieht jetzt mit der Benzinrationierung da ein Waffenstillstand in den Bereich der Möglichkeit rückt ? Die entscheidende Wendung, welche sich jetzt im Ablauf der Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz in Frankreich vollzieht, legt die Frage nahe, ob nicht der Eintritt eines Waffenstillstandes eine Aenderung der Pläne für die mit dem 1. Juli beginnende neue Benzinrationierungsperiode herbeiführen könnte, wobei natürlich die leise Hoffnung mitschwingt, die bisher geplante Reduktion möchte eine Milderung erfahren- Unsere Erkundigungen an massgebender Stelle der Sektion für Kraft und Wärme haben "ergeben, dass es sich, im Moment noch.nicht überblicken lässt, inwiefern 'die gegenwärtige internationale Lage einen Einfluss auf die Rationierung ausüben werde. Auf jeden Fall muss sie sich nach den Einfuhrverhältnissen richten und wie sich in dieser Beziehung die Dinge gestalten, das hängt von der Entwicklung des weltpolitischen Geschehens ab. Hier aber befindet sich zurzeit alles derart in Bewegung, dass es unmöglich ist, klar genug zu sehen. Irgend etwas Positives hinsichtlich der künftigen Benzinrationierung kann deshalb im Augenblick nicht gesagt werden, vielmehr sehen sich die zuständigen Instanzen gezwungen, hiezu alle Vorbehalte anzubringen. Abwarten muss deshalb die Losung sein, abwarten, was die nächste Zeit bringt, denn davon hängen die: kommenden Massnahmen auf dem Gebiet der Treibstoffrationierung in unserem Lande ab. Die Befahrbarkeit der Alpenstrassen. Zahlreiche Automobilisten haben es während der letzten Wochen wohl empfunden, dass die in früheren Jahren zur Selbstverständlichkeit gewordenen wöchentlichen Berichte über die Befahrbarkeit der Alpemstrassen vollständig ausfielen und auch die jeweiligen Strassensperre-Meldungen ausblieben. Erwägungen militärischer Natur bilden den Grund zu dieser Massnahme und es ist selbstverständlich, dass sich der zivile Automobilverkehr der neuen Sachlage verständnisvoll zu fügen hatte; denn, es wäre nicht zu Verantworten gewesen? in »einer Zeit> da verschiedene Alpenstrassen nur schwer oder überhaupt nicht fährbar waren, diese Angaben gewissen Interessenten zugänglich zu machen. Heute, in der zweiten Juilihälfte, iliegen die Verhältnisse nun allerdings etwas anders. Nicht dass die Wachsamkeit vermindert werden dürfte. Solange der Krieg auf dem Kontinent wütet, muss die Aufrechterhaltung hundertprozentiger 'Wehrbereitschaft — und dazu zählt auch die Sicherung des gesammten Verkehrswesens auf Schiene, Strasse und Auto Ein zeitgemässes Geburtstagsgeschenk wurde Frau Berat Benz, der Witwe des Erfinders des Automobils, Carl Benz, von den deutschen Behörden überreicht: zu ihrem 91. Geburtstag erhielt sie den «roten Winkel» und die Bewilligung für die Zulassung ihres Wagens zum Verkehr. Wieviel Benzin brauchen die Autos in USA? Dass es, in Litern ausgedrückt, eine astronomische Ziffer sein muss, können Sie sich an den Fingern einer Hand abzählen, aber auf 78,5 Milliarden Liter haben Sie vielleicht doch nicht geraten. Soviel nämlich haben die 30,7 Millionen Wagen der Vereinigten Staaten letztes Jahr geschluckt. Was pro Fahrzeug einen Durchschnitt von 2550 Litern ausmacht. In entsprechenden Dimensionen schwelgt auch die Zahl der Tankstellen, die sich auf rund 400 000 beläuft. Wass'er — erstes Gebot sein. Aber man wird der Erfüllung dieser .Forderung kaum Abbruch tun, wenn man die Frage der. Be- 'nützung der Alpenstrassen durch den zivilen Motorfahrzeugverkehr einer Revision im Siinne einer durch die geänderten Verhältnisse bedingten Lockerung unterzieht. Nach Mitte Juni stehen'meist alle Alpenstrassen — auch die höher gelegenen — in normalen- Jahren dem Rad offen. Schneeschleuder und Menschenhand oder Sonne und Föhn sind dem Schnee zu Leibe gerückt, eine Tatsache, die auch im Ausland bekannt ist, finden sich doch die normalen Oefmungszeiten der europäischen Alpenstrassen — nicht nur der schweizerischen — in fast allen Automobilführern und Reisebüchern der Welt. Ein « Geheimnis » besteht hier tatsächlich nicht. Man weiss, Ende Juni pflegen alle schweizerischen Alpenstrassen schneefrei zu sein und die schweizerischen Instanzen für die Vefkehrswerbung unternehmen ja seit zwei Dezennien alljährlich eine rege .Auslandspropaganda, um allen Reiselustigen in Erinnerung zu rufen, dass unsere durch ihre Sicherheit und ihren fortschrittlichen Betrieb weltbekannten Alpenposten ihre Kurse mit dem 15. Juni wieder aufgenommen haben. Wenn nun auch eine Anzahl unserer Alpenstrassen in Gebieten liegen, welche dem zivilen Strassenverkehr nicht bedingungslos freigegeben werden können, so erhebt sich doch die Frage, ob es nicht möglich wäre, ihm jeweils den einen von zwei parallel laufenden Übergängen zu öffnen und so gewisse Verkehrbverbindungen zu schaffen, ohne dass der komplizierte und auch kostspielige Transport durch einen der Alpentunnels mit in den Kauf genommen werden muss. Durch Anordnung militärischer Verkehrskontrollen über alle Fahrzeuginsassen, Photographieapparate usw. könnte man allfälligen Übergriffen resp. Missbräuchen einen Riegel schieben, so dass die Landesverteidigung darunter in keiner Weise zu leiden hätte. Etliche dieser Alpenstrassen erschliessen Touristikeebiete, wo nicht einmal eine Bahnverbindung bis zu den in Betracht kommenden Kur- und Ferienorten besteht. Sie würden durch den vollständigen Aufall des noch möglichen Zustromes schweizerischer Autoferiengäste schwer getroffen, so dass man auch aus diesem Grunde auf ein gewisses Entgegenkommen zu hoffen wagt. Dazu kommt, dass auch der Geschäftsverkehr per Auto nach gewissen abgelegeneren Landesteilen wie Graubünden, Tessin, Oberwallis usw. in diesen schweren Zeiten so weit erleichtert werden sollte, als es die Umstände erlauben. Durch detaillierte Informationen über die diesjährige Befahrbarkeit der Alpenstrassen könnten Zweifel und Irrtümer beseitigt, viele telephonische und schriftliche Anfragen sowie unnütze Fahrten vermieden werden, ohne dass -r- und das ist und bleibt ja bei all dem die Hauptsache — die Landesverteidigung und militärische Bereitschaft damit irgendwie in Mitleidenschaft gezogen würde. . . ' .V . Die Strolchenfahrt nach dem MFG und dem neuen schweizerischen Strafrecht In den Jahren nach dem letzten Weltkrieg, als das Automobil plötzlich das populärste Verkehrsmittel wurde, erwuchs unsern Kriminalisten und Gerichten eine neue unerwartete Aufgabe: die Bekämpfung der Autostrolche. Was ist ein Autostrolch? Für den juristischen Laien ist diese Frage rasch beantwortet. Er bezeichnet als Autostrolch jenen Menschen, der sich rechtswidrig eines Motorfahrzeuges bemächtigt, um damit eine sog.. « Spritztour > zu machen. Unsere Gerichte dagegen hat das Aütostrolchentum hinsichtlich der Umschreibung des Deliktes lange- Zeit in Verlegenheit gesetzt, da es sich einerseits weder um Betrug 'noch Diebstahl handelt, anderseits aber ein gesetzlicher Sondertatbestand fehlte. In neuerer Zeit hat nun die Gesetzgebung eine Lösung geschaffen, die sich praktisch bewährt und soeben von Bundesrichter Huber in der « Schweiz. Juristenzeitung > ausführlich dargestellt wird unter dem Titel: « Der Gebrauchsdiebstahl an Motorfahrzeugen nach dem schweizerischen Strafgesetzbuch•• Nach dem schweizerischen Motorfahrzeuggesetz (Art. 62) wird mit Gefängnis oder Busse bestraft, wer sich ein Motorfahrzeug rechtswidrig zum Gebrauch aneignet, ohne dass der Tatbestand des Diebstahls erfüllt ist. Schon vor Inkrafttreten des Motorfahrzeuggesetzes hatten auch einzelne Kantone den sog. Gebrauchsdiebstahl allgemein oder an Motorfahrzeugen mit Strafe bedroht. Die Gerichte wurden dadurch in die Lage versetzt, Rechtsbrecher zu bestrafen, die zwar kein fremdes Auto stahlen, wohl aber sich ein solches vorübergehend aneigneten. Wie nötig eine derartige Sanktion war, wussten die Gerichte schon lange. Nicht nur war es unerfreulich, dass früher ein Autostrolch nur wegen Benzindiebstahls oder allfälliger Sachbeschädigung bestraft werden konnte, in mehreren bekannten Kriminalfällen erwies es sich vielmehr, dass der Gebrauchsdiebstahl an Motorfahrzeugen auch die Verbrechensbegehung erleichtert. Es ist also kein Wunder, dass auch das am 1. Januar 1942 in Kraft tretende schweizerische Strafgesetzbuch den Autostrolchen auf den Leib rücken will. Bereits im Entwurf von 1918 war ein solcher Tatbestand geschaffen worden. Das umfassende Delikt des Art 143 StGB sieht vor: < Wer ohne Bereicherungsabsicht eine bewegliche Sache dem Berechtigten entzieht und ihn dadurch schädigt, wird auf Antrag mit Gefängnis oder Busse bestraft.» Man sieht, dass das schweizerische Strafgesetzbuch in dieser Hinsicht sehr weit geht und den Anwendungsbereich des Gebrauchsdiebstahls stark erweitert hat. Es wird sich indessen bei der Einführung des neuen Rechts die Frage erheben, ob der Strolchenfahrer künftig einfach wegen Sachentziehung zu bestrafen sei oder nach wie vor gemäss Motorfahrzeuggesetz wegen Gebrauchsdiebstahl. Diese Frage ist auch für die weitere Oeffentlichkeit von Bedeutung, weil Art. 143 StGB nur auf Antrag des Geschädigten funktioniert, wogegen das Motorfahrzeüggesetz ein Offizialdelikt enthält. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 18. Juni 1940 — N° 25 i s t i s c h e r Eine klotzige Stange Gold haben sich die Vereinigten Staaten mit der Einführung der Benzinsteuer gesichert. Von 1919 bis 1939 sind dem Fiskus daraus neun Milliarden Dollar zugeflossen. Schlusslicht für Radfahrer. Vom 1. Oktober 1940 ab müssen in Deutschland alle Fahrräder ein rotes Schlusslicht führen, da das Katzenauge nicht ausreicht. Neue Erdgasbohrungen in Italien. Die AGIP (Azienda Generale Haliana Petroli) plant die Vornahme 60 neuer Bohrungen namentlich in Oberitalien und im Apennin. Zweck der Hebung: die Suche nach Erdgas- (Methan) und Erdölvorkommen. Mit Methan laufen in Italien bekanntlich eine grosse Zahl von Nutzfahrzeugen. Nach einer ausführlichen Würdigung der beiden gesetzlichen Tatbestände kommt Bundesrichter Huber zu der Schlussfolgerung, dass die bisherige Strafbestimmung des Motorfahrzeuggesetzes mit dem neuen Strafrecht nicht aufgehoben wird, sondern als Spezialnorm zu betrachten ist, die dann in Frage kommt, wenn Art. 143 StGB nicht zutrifft. Strolchenfahrer werden also auch unter dem neuen Recht ihrer gerechten Strafe nicht entgehen. Das Zürcher Volk stimmt der Verkehrssteuerreduktion zu (Schluss von Seite 1.) Die in diesem Ermächtigungsgesetz vorgesehenen Verkehrssteuerermässigungen werden, wie die kantonale Polizeidirektion zugesichert hat, mit dem 1. Juli in Kraft treten. In den nächsten Tagen schon wird der Regierungsrat die Vollziehungsverordnung und die Skala der Steuerreduktionen genehmigen. In einer seiner letzten Nummern setzt sich «The Motör>, eine der führenden englischen Auto-Fachzeitschriften, mit d&n Problemen auseinander, welche die Mechanisierung der Kriegsführung heraufbeschworen hat'und nimmt dabei mit überraschender Offenheit' das laisser faire, laisser aller aufs Korn, dem die englischen Behörden bisher in den Dingen der Armee-Motorisierung gehuldigt. «Es ist nicht zuviel gesagt»,— liest man da — «wenn festgestellt wird, dass die militärischen Ereignisse der letzten Wochen yorgefasste Anschauungen der Kriegsführung radikal ausgelöscht haben. Der Schnelligkeit des deutschen Vormarsches lässt sich' nichts Aehnliches in der Geschichte zur Seite stellen. In-west-östlicher Richtung misst Holland um die, 150Meilen (ca.230km). Diese Distanz in einer Woche,zurückzulegen, bedeutet für eine Armee schon eine ansehnliche Leistung; sie steigert sich aber zu einer respektgebietenden soldatischen Tat, wenn die Truppen dabei noch Kämpfe zu bestehen haben. Zugleich hat es sich erwiesen, dass die Zusammenarbeit zwischen schweren Tanks und Bombern imstande ist, normal verteidigte Stellungen zu durchbrechen und dass, sobald dieser Fall eintritt, mechanisierte Einheiten schnell vorzustossen und weite Landstriche in ihre Gewalt zu bringen vermögen. Allerdings, die Deutschen müssen dabei einen raschen Verbrauch der Materialreserven in Kauf nehmen, die sie während der vergangenen Jahre angelegt und wofür sich nicht in gleichem Masse Ersatz schaffen lässt, wie es die eintretenden Verluste erheischen. Einen Beweis jedoch haben sie erbracht, an dem es nichts zu deuteln und zu zweifeln gibt: den Beweis dafür, dass der Verbrennungsmotor das moderne Schlachtfeld beherrscht. Es darf In diesem Zusammenhang wohl festgestellt werden, dass man in der. britischen Armee um diese Dinge wusste und sich darüber, im klaren war, dass dieser Zustand .während .einiger Zeit andauern würde. Aber währenddem lediglich unsere militärischen Behörden daraus ihre Lehren zogen, um die Mechanisierung und den motorischen Transport in ihre Ueberlegungen miteinzuschliessen, bildete in Deutschland' die Motorisierung das Leitmotiv nicht nur für die Armee, sondern für die ganze Nation. Die Mechanisierung eines Volkes bietet indessen nicht nur moralische, sondern auch materielle Aspekte. Es ist in England Tradition, Jagd und Polo ebenso als eine Methode zur Beherrschung der Reittechnik wie als wertvolles Mittel zur Charakterbildung zu betrachten. Diese Sportarten passten ins Bild des Pferdezeitalters; heute jedoch darf das Motorrad Damit ist dann der Schritt getan, um die durch die Kürzung der Benzinrationen ab 1. Juli zu befürchtende Stillegung zahlreicher Motorfahrzeuge einzudämmen. Es ist 5 Minuten vor zwölf; die Regierung wird deshalb gut beraten sein, wenn sie den Umfang ihrer Reduktionen derart massiv bemisst, dass es sich für den Motorfahrzeugbesitzer noch lohnt, trotz der zu gewärtigenden geringeren Benzinrationen sein Vehikel noch in Betrieb zu belassen. Dass auch die kantonale Strassenverkehrsliga bei der Aufstellung dieser Skala zugezogen und deren Verlangen und Vorschläge berücksichtigt werden sollen, sei hier dankbar anerkannt. Man will und muss in Zürich ganze Arbeit leisten und eine taugliche Lösung suchen. Schliesslich sei noch der Vollständigkeit halber erwähnt, dass durch die Annahme des Ermächtigungsgesetzes die Trolleybusse im Kanton Zürich ab 1. Juli 1940 steuerfrei bleiben und dass anderseits die bisher gewährte 50prozentige Steuerreduktion für Aerztewagen in Wegfall gekommen ist, was aber auch im neuen Verkehrsgesetz vorgesehen war und durch die allgemeine Steuerreduktion teilweise ausgeglichen wird. Was bringt die nächste Vollziehungsverordnung? Am Montag nach der Abstimmung berief der kantonale Polizeidirektor die Vertreter der Strassenverkehrsverbände zu sich, um ihnen seinen ersten Vorschlag für die Vollziehungsverordnung zu unterbreiten. Fand das Prinzip, das ihr zugrunde liegt : Abstufung der Steuerreduktion nach dem Benzinquantum, das der Halter zugeteilt erhält, auch die Billigung der Verbände, so gingen die Meinungen in bezug auf gewisse Einzelheiten noch auseinander. Der Vorstand der kantonalen Strassenverkehrsliga wird deshalb heute Dienstag in einer Sitzung zu der ganzen Angelegenheit Stellung beziehen. Fest steht indessen heute schon, dass die Reduktion auf 1. Juli in Kraft treten wird; diese Zusicherung hat Regierungsrat Briner an der Konferenz vom Montag neuerdings abgegeben. „Der Unsinn des Festhaltens an einem langsamen Zeitalter" den Anspruch darauf erheben, an deren Stelle zu treten. Was verschlägt's, wenn unsere etwas ältlichen Magistraten darin einen geräuschvollen, der Sicherheit abträglichen Unfug zu erblicken belieben? In Tat und Wahrheit stellt das Motorrad ein ideales Trainingsmittel für unsere Jugend dar, in ziviler sowohl als auch in militärischer Hinsicht. Gross aufgezogene Geländeprüfungen und andere Wettbewerbe für Motorräder verkörpern in Deutschland wie in Italien anerkanntermassen einen Teil des nationalen Lebens. Ganz zufällig kommt es deshalb nicht, wenn die Deutschen über rund 20000 Motorräder verfügen, die mit Flammenwerfern, Granaten und Maschinengewehren armiert sind. Es ist nicht unbillig und verrät keinen Pessimismus wenn festgestellt wird, dass England hier in manchen Punkten den Anschluss verpasst hat. Seih Zögern erklärt sich als Ausfluss einer unangebrachten Selbstgefälligkeit, eines Mangels an richtiger Einschätzung neuer technischer Ideen und eines Wunsches, lieber bequem als tätig zu leben. Die Rückschläge, die wir erlitten, werden nicht umsonst gewesen sein, wenn sie uns aus einer derart gefährlichen Einstellung aufrütteln. Sie sollten uns zu ausdauernderen und intensiveren Bemühungen aufstacheln, nicht bloss heute, da wir unmittelbar von einem Feind bedroht sind, dessen Ausrüstung und Bewaffnung an Stärke alles Bisherige übertrifft, sondern auch in der Nachkriegszeit, da ein neues Europa, nein, eine neue Welt aufgebaut werden muss. Im Angesicht der Invasionsgefahr, womit zahlreiche Orte zu rechnen haben mögen, sollte jedes Motorrad und jeder Wagen mobilisiert werden, um die Möglichkeit rascher Transporte nach allen Richtungen sicherzustellen. Höchstgeschwindigkeiten und ähnliche Anachronismen, die dem Fortschritt in den vergangenen Jahren Bleigewichte anhängten, gehören weggefegt. Ebenso die engstirnige Auflehnung gegen die volle Ausnützung der Strassentransporte, worin für das Land keine geringere Gefahr liegt als in den Operationen der «fünften Kolonne». Milton hat gesagt: «Das Gute und das Schlechte, das wir in dieser Welt kennen, wächst fast untrennbar miteinander auf.» Das Schlechte offenbart sich in diesen Tagen einem jeden. Strebe auch der letzte unter uns danach, dass auch das Gute Wirklichkeit werde. Der Verbrennungsmotor hat sich als Kriegsinstrument von ungeahnter Wirksamkeit entpuppt. An uns liegt es, dafür zu sorgen, dass er in den Dienst der sozialen und wirtschaftlichen Fortschrittes gestellt wird. An Möglichkeiten dazu gebricht es nicht.»

N°25 — DIENSTAG, 18. Juni 1940 AUTOMOBIL-REVUE Kriegs wirisch aft Flucht «aus F-a»«aiml*B»«2»Äcl» Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen Fortschreitender Ausbau der organisatorischen Grundlagen. Den bisherigen Massnahmen für die Schaffun von Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen haben die Behörden weitere Anordnungen im Sinn' des organisatorischen Ausbaues dieser Einrichtung folgen lassen. Zum einen ist nunmehr die definitive Einteilung der Arbeitsgemeinschaften nach Regionen erfolgt; 34 an der Zahl, decken sie sich in 19 Fällen mit dem Gebiet des Kantons resp. Halbkantons selbst, währenddem der Kanton Bern sich in 5, die Waadt in drei, St. Gallen in vier, der Tessin der Aargau und das Wallis in je zwei Regionen gliedern. Alles in allem genommen existieren somii 37 Regionen, wobei allerdings Gebietsbereinigungen die sich durch die Verhältnisse als notwendig erweisen sollten, vorbehalten bleiben. Anderseits hat die «Gruppe kriegswirtschaftliche Motorfahrzeugtransporte» der Sektion für Kraft und Wärme eine Einteilung der Sacheniransporte nach Massgabe ihrer Bedeutung für die Kriegswirtschaft und Landesversorgung vorgenommen und in einem Erlass vom 16. Mai zusammengefasst. Dabei wird unterschieden zwischen Werk- und gewerbsmässigen Transporten. Jede dieser Hauptkategorien zerfällt in eine Anzahl Gruppen, die wiederum, zum Teil sogar sehr weitgehend, unterteilt werden. Was die Werktransporte anbelangt, so umfassen sje folgende Gruppen: I. Transporte für die Wirtschaft der Armee, Werktransporte der Lebensmittelversorgung, der Gesungheitspflege, der öffentlichen Verwaltungen der Kantone und Gemeinden und der Kriegswirtschaft. Ein Beispiel: Das Reglement des Kantons Wallis. Bereits haben indessen einzelne Kantone ihre Reglemente erlassen, beispielsweise das Wallis, dessen Staatsrat am 5. Juni beschloss, dass entsprechend den Weisungen des Kriegsindustrie- und Arbeitsamtes die im Kanton wohnhaften oder stationierten Halter von Motorlastwagen, Camionetten, Lieferwagen und industriellen Traktoren eine Arbeitsgemeinschaft für Sachentransporte bilden, welche für die Versorgung des Landes und für dessen Kriegswirtschaft lebenswichtig sind. Das Reglement nimmt eine Unterteilung der kantonalen Arbeitsgemeinschaft in fünf Gruppen- (Monthey, Martigny, Sitten, Siders und Brig) vor und umschreibt sodann die Organe (Zentralvorstand, kant. Bureau und rerionale Kommissionen) sowie deren Kompetenzen. Jeder Halter von Motorfahrzeugen, welche der Arbeitsgemeinschaft unterstellt sind, hat eine monatliche Taxe in der Höhe von 20 Rappen pro PS zu entrichten. Mit der Festsetzung der für die Mitglieder verbindlichen, je nach den Umständen jederzeit änderbaren Transporttarife, findet eine weitere wichtige Frage ihre Regelung. Diese Tarife bewegen sich innerhalb nachstehender Skala: Pro Kilometer: für Lastwagen bis 2 t = 50 Rp.; bis 3 t = 60 Rp; bis 4 t = 70 Rp. und bis 5 t = 80 Rp. Dazu kommt ein Zuschlag von 10 Rp. pro Kilometer auf Gebirgsstrassen. Pro Stude: für Lastwagen bis 2 t = 5 Fr.; bis 3 t = 6 Fr.; bis 4 t = 7 Fr. und bis 5 t = 8 Fr. Der Zuschlag auf Gebirgsstrassen wird hier auf 50 Rp. pro Stunde bemessen. Für Lastwagen, die mehr als 10 km von ihrem Standort zum Arbeitsplatz zu fahren haben, ist überdies vom elften Kilometer an eine Entschädigung von 50 Rp. zu bezahlen. In diesen Taxen, welche die Unternehmungen direkt bei ihren Arbeitgebern einkassieren, ist auch die Entschädigung des Chauffeurs für die Mitarbeit beim Ein- und Ausladen mit inbegriffen. Haftpflicht für requirierte Motorfahrzeuge. Um Missverständnissen bezüglich der Haftpflichtversicherung für requirierte Motorfahrzeuge auf der Fahrt zum Stellungsplatz oder bei der Abholung vorzubeugen, eine Frage, worüber in Nr. 21 der « A.-R. » berichtet worden war, teilt die Unfallversicherungsgesellschaft « Zürich » mit: « Nachdem nun der Bund bei der Requisition von Motorfahrzeugen die Haftung bereits mit dem Zeitpunkt der Indienstnahme der Fahrzeuge übernimmt, kann dem Zivilhalter die Prämienrückvergütung bereits vom Tage nach dem Einrückungsdatum an gewährt werden. Der Klarheit halber 1) Ganz allein ist dieser Schweizer aus Mülhausen angekommen. Das Wageninnere steckt voll von Koffern usw., hinten ein Sack, auf dem Dach ein Velo. 2) Vorn, seitwärts und hinten ist dieser Wagen bepackt. Trotzdem hat er 1000 km hinter sich gebracht. 3) Die heimgekehrten Schweizer werden von ihren Landsleuten mit Fragen bestürmt. Genf, 17. Juni 1940. Als am Montag das Vordringen der deutschen Truppen bis in die Juragegend bekannt wurde, da wueste man in Genf, dass nun der Zug der Evakuierenden noch stärker anschwellen würde. Aber selbst wer unter ihnen ein Auto besass, kam nicht viel schneller vorwärts als jene, die zu Fuss flohen, beladen mit ein paar Bündeln. Beweis . jener Schweizer, der 8 Stunden brauchte, um von BesanQon nach Lons-Ie-Saulnier zu gelangen. «Die Strasse >, sagte er, « war überfüllt mit Fahrzeugen aller Art, mit Militärcamions, an denen sogar auf den Kotflügeln noch Soldaten klebten. Dazu kam II. Transporte flüssiger Kraftstoffe und von volle Tage habe ich bis Genf benötigt und ich kann die Masse der Fussgänger, die sich durch das Gemenge ihren Weg suchten wie es gerade ging. > Citroen hahe ich ungefähr 1000 km machen müs- Sie versichern • ein Spass war's nicht. Mit meinem Am Zoll von Grand-Saconnex gleitet der Blick sen; in normalen Zeiten braucht man nur etwa über eine lange Kette von Wagen. Ununterbrochen 500 zu fahren. Es bedurfte einer wahren Engelsgeduld, um von Paris wegzukommen, denn Sie rollt deses Defile vorüber. Auf dem Dach, auf den Stoßstangen, auf den können sich kaum vorstellen, wie die wenigen, dem Schmiermitteln. III. Transporte zur Versorgung d. Landwirtschaft. IV Brennstofftransporte. V Getränketransporte. VI. Werktransporte von Baustoffen, Installationsmaterial und Haushaltartikeln. VII. Werktransporte, ausgeführt von Betrieben der Industrie, des Gewerbes und des Handels, soweit sie nicht direkt für die Kriegswirtschaft arbeiten. Bei den gewerbsmässigen Transporten umschreibt der Erlass die einzelnen Gruppen wie folgt: I. Bahncamionnagetransporte. II. Möbeltransporte. III. Uebrige Transporte des Fuhrhaltereigewerbes und Autotransporte im Nahverkehr. IV a) Sachentransporte der selbständigen gewerbsmässigen Ferntransporteure, b) Sachentransporte der Lastwagenspediteure. Als für die Landesversorgung < lebenswichtige Transporte I. Ordnung » haben nach der behördlichen Anordnung zu gelten die Transporte von Mehl, Milch und die Camionnagetransporte von Bahngütern von und zu den Bahnstationen nach und' von den Domizilen der Verfrachter. Im übrigen befindet sich bei den zuständigen Stellen ein Reglement für die Organisation von Arbeitsgemeinschaften in den Kantonen in Vorbereitung. Es handelt sich dabei um ein Muster, dessen Zweckbestimmung darin liegt, den Kantonen die Aufstellung ihrer Vorschriften erleichtern zu helfen und das ihnen den nötigen Spielraum für deren Anpassung an ihre besondern Verhältnisse und Bedürfnisse gewährt. Kotflügeln, überall wo sich ein Plätzchen findet, haben die Insassen ihre Habseligkeiten verstaut. Im Nu sind die Wagen von Leuten umgeben, ein Strom möchten wir an dieser Stelle immerhin festhalten, dass diese Regelung nur gilt • 1. Rückwirkend für die anlässlich der ersten Mobilmachung Ende August/anfangs September 1939 requirierten Motorfahrzeuge, und 2. für den Fall einer Remobilmachung der Grenztruppen oder der ganzen Armee, d. h. also besonders auch im Falle der Generalmobilmachung vom 10. und 11. Mai. Im übrigen erlauben wir uns, um allfällige Missverständnisse zu vermeiden, noch ausdrücklich zu erwähnen, dass für Motorfahrzeuge, die vom Bund überhaupt nicht eingeschätzt werden, d. h. nur mit Ohne Hemmung, ohne Müh Fährt's hinauf, auf Berg undFlüh Dem Motor geht's besonders wohl, Wenn in ihm zirkuliert „Autol". Dank dem Auto kehren zahlreiche Schweizer in ihr Land zurück von Fragen ergiesst sich über sie. Müde bis zum Zusammenbrechen sind sie, und doch strahlt ein glückseliges Lächeln aus ihren Mienen, sich wieder in ihrer Heimat zu wissen. Und willig lassen sie die Fragen über sieh ergehen, aus denen aufrichtiges Mitgefühl spricht. Da ist ein braver Walliser, der nach ungezählten Fährnissen und Zwischenfällen den Weg von Paris in die Schweiz zurückgefunden hat. Tausende von andern erlebten die gleiche Odysee, hin- und hergeworfen zwischen Gefahr und Hoffnung. « Ich fuhr am 13. Juni von Paris weg. Vier Zivilverkehr noch freigelassenen Strassen verstopft waren. Unterwegs nach Troyes wurde ich in Romilly angehalten, denn die deutschen Tanks waren dem Zivilkontrollschild eingemietet sind, nach wie vor der Zivilhalter und dessen Versicherer haftet, weshalb hier eine Rabattgewährung nicht in Betracht kommt. > Strassenbauten am linken Seeufer in Zürich. Die nach dem Abbruch der Landesausstellung wiederhergestellte Mythenquaistrasse zwischen Strandibad und Wollishofen ist letzten Samstag für den gesamten Verkehr neuerdings geöffnet worden. Die Autolprodukte sind aus den hochwertigsten Rohmaterialien des Weltmarktes hergestellt und in unserer Schweizer Fabrik mit schweizerischer Sorgfalt veredelt. AUTOL-EXTRA, AUTOL- VALVE und AUTOL-GOLD - DIESEL sind Höchstleistungs- Markenöle, die durch Widerstandsfähigkeit, Schmierwert und Sauberkeit konkurrenzlos sind. — AUTOL (ges. gesch. seit 1901) ist das erste und älteste europäische Automobil-Marken-Oel. AUTOL A.G. BASEL 19 s« nb Verlangen Sie in Ihrer Garage die AUTOL-Produkte, Sie werden hiermit am besten bedientI nicht weit weg. Irgendwie aber mussten wir durch, und wenn es uns schliesslich glückte, dann dankten wir es einem Inferno, einem riesigen Flammenvorhang, der aus Gebäuden, angehaltenen Last- und Personenwagen emporstieg und uns den Blicken entzog. Ans Essen ued* Schlafen dachte man kaum. Ein einziger Gedanke beherrschte unsern Willen: heimzukommen. Und jetzt haben meine Frau und ich nur einen Wunsch : ein Bad und dann schlafen, schlafen .. > Auf den gleichen Grundton, das Sehnen nach Ruhe nach all den Aufregungen und Schrecknissen der Flucht, waren auch andere Schilderungen abgestimmt. Ueberall aber hörte man Worte des Dankes für den brüderlich-herzlichen Empfang, der diesen Flüchtenden zuteil wurde. Balsam ist's für ihre Herzen, auch wenn materielle Sorgen über sie hereinbrechen, sie, denen Frankreich eine zweite Heimat war. Helfe ein jeder, soweit es ihm seine Mittel erlauben 1 Allerdings bleibt das innerste Stück des Mythenquais vor dem Neubau der Rentenanstalt zur Zeit noch wegen Bauarbeiten gesperrt, wobei in der Mitte der Fahrbahn des Mythenquais eine neue Verkehrsteilungsinsel erstellt wird. Der ganze Verkehr der neueröffneten Quaietrasse muss sich vorläufig über die Alfred-Escher-Strasse abwickeln, die längs des Belvoirparkes einen neuen Belag erhalten hat. TOURISTIK INT. AUTOTOURISMUS NACH DER SCHWEIZ. Der Mai bleibt mit 1579 Einreisen hinter dem April (2186) und sogar hinter dem März (1740) zurück. Aus der Statistik der eidg. Oberzolldirektion ergilbt sich für den Mai 1940 folgendes Bild: Abfertigung mit w,£,j,, B> "'»»•'»»' l|i I I II 1 i iii li II 1 ' Prov. Eintrittskarte — 9 — 403 — 412 Freipass 79 5 — 719 34 837 Triptyk 24 11 4 157 6 201 Grenzpassierscheinheft — — — 127 2 129 Kontrollschein — — — — — — Total 103 25 4 1406 42 1579 Totalziffern der ersten fünf Monate: A mkX B.F.„,mk.hr III! I ü \ i Sri I < H 1 ' Januar 84 21 1 557 34 697 Februar 742 22 4 802 31 933 März 108 37 6 1554 35 1740 April 154 31 4 1930 46 2186 Mai 103 25, 3_1406_ 42_1579 Total 523 135 18 6249 209 7135 Damit stellt s ich der Anteil des Monats Mai auf bloss 22,13 %> des Total© der ersten fünf Monate. An den April-Ziffern gemessen beträgt der Rückgang 22,7% und 9,6 % im Vergleich mit dem März. Dass diese rückläufige Entwicklung der Verschärfung des Krieges zuzuschreiben ist, bedarf weiter keiner Erläuterung. Betrachtet man den Grenzverkehr für sich allein, dann entfallen auf den Mai bloss 19,69 °/o des Totais der ersten fünf Monate. Die Einbusse gegenüber dem April beziffert eich hier auf 33,12 %, gegenüber dem März 4,63%. Nicht viel besser gestaltet sich die Lage im eigentlichen Touristikverkehr. Die im Mai registrierten Einreisen von Motorrädern. Personenwagen und Autocars repräsentieren mit 1034 nicht mehr als 22,39 % aller Grenzübertritte im Zeitraum Januar-Mai und liegen damit um 27 % tiefer als im April. Wird jede dieser Kategorien einzeln ins Auge gefasst, so stellt es sich heraus, dass die Eintritte der Motorräder im Mai nur 18,38% des Total© der ersten fünf Monate 1940 erreichten. Bei den Autocars errechnet sich die entsprechende Quote mit 16,66 %, bei den Personenwagen mit 22,49 %. Aehnlich liegen die Dinge auch bei den Lastwagen. Eine Untersuchung nach der Art der für die Einreisen verwendeten Zolldokumente liefert für die letzten drei Monate nachstehende prozentualen Anteile: Mai April März Prov. Eintrittekarte 26,09 21,73 32,24 Passavant 53,01 56,95 -49,36 Triptyk 12,73 12,81 9,89 Grenzpassierscheinhfift 8,17 8,51 8,51 100 100 100