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E_1940_Zeitung_Nr.025

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AUTOMOBIL-REVUE

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BERN, Dienstag, 18. Juni 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 25 Vondetta Corsa Die verträumte Insel im Mittelmeer, die Heimat des Mannes, der vor 125 Jahren das morsche Europa über den Haufen warf, ist nun plötzlich zum Streitobjekt zweier Mächte geworden. Vor zehn Jahren hat Korsika von sich reden gemacht, weil sich Frankreich damals in den Kopf setzte, die Insel von den Banditen zu säubern, und zwar mit einer Aktion grossen Stils, die fast einem Feldzug gleichkam. Eine Polizeimacht von 1500 Mann ist aus Frankreich hinübergeschafft worden, mit Panzerwagen, Tanks und Bombenflugzeugen. Ein General hat die Leitung der Operationen übernommen. Ganze Dörfer sind eingeschlossen, die telegraphischen und telephonischen Verbindungen auf einem grossen Teil der Insel unterbrochen worden; überall wurden Verhaftungen vorgenommen, nicht von Banditen, sondern von Einwohnern, Gemeinderäten, «Generalräten », die mit den Banditen unter einer Decke steckten, und von den Banditen selbst sind ihrer zwei, Caviglioli und Bartoli, erschossen worden. Aber es handelte sich bei diesem Feldzug nicht darum, möglichst viele Banditen zu erschiessen, denn es kamen ihrer nur etwa ein halbes Dutzend in Frage; man wollte die Zuhälterei, die hinter dem korsischen Banditentum steckt und der man es zu verdanken hat, dass die Banditenromantik in Korsika nicht aussterben will, einmal zu Paaren treiben. Aber da bekam man es mit einem grossen Teil der Bevölkerung zu tun, die auf der Seite der Banditen steht und die Tätigkeit der Polizei durch passiven oder offenen Widerstand durchkreuzte. Allzu romantisch braucht man sich das Banditentum in Korsika allerdings nicht vorzustellen. Aber es ist alte Tradition und sogar für den Rechtshistoriker nicht uninteressant. Das Banditenwesen hängt eng zusammen mit den blutigen Händeln, die aus Streitigkeiten zwischen Familien — der Vendetta —entstehen. Bei uns prozessieren die Nachbarn miteinander, wenn sie Meinungsverschiedenheiten haben; in Korsika wird geschossen, und wer dann von den beiden streitenden Nachbarn am Leben bleibt, der flieht in die Macchia, in den ungeheuren Buschwald, der das ganze Land überdeckt. Die öffentliche Gewalt gibt sich keine besondere Mühe, den Arm der Gerechtigkeit in Funktion zu setzen. Die Polizei fahndet nicht, und die Familie des Flüchlings samt der Hälfte des Dorfes, die hinter der Familie steht, sorgt dafür, dass es der Bandit in der Macchia aushalten kann. Der Korse betrachtet die Blutrache, die bewaffnete Auseinandersetzung mit einem Gegner, als eine private, zivile Angelegenheit, die den Staat nichts angeht; die Polizei solle sich um Diebe, Betrüger und Brandstifter kümmern und sich nicht in die Familienhändel mischen. Das ist korsische Tradition. Freilich ist nun aber das Banditentum, wie es bei den gegenwärtigen Vorfällen in Korsika in Frage kommt, im Zeichen ausgesprochener Degeneration. Der letzte Rest alter Romantik ist verschwunden. Die Banditen, die ehemals als Retter der Familienehre dastanden und in ihrem « Busch » keinem Menschen etwas zuleide taten, sind freche Wegelagerer und Erpresser geworden. Das Muster ist der brühmte Bartoli, der vor einigen Jahren erschossen worden ist und der seit Jahren die Gegend von Palnesa unter dem Daumen gehalten hat. Bartoli hat im grossen gearbeitet, und die Zeitungen veröffentlichten verwegene Zuschriften, wohl versehen mit dem Stempel des Banditen. So wollte Bartoli von dem Privatunternehmer, der die staatliche Autopost von Ajaccio nach Propriano führt, eine Summe Geldes haben; als die Summe nicht sofort geliefert wurde, verbot der Bandit die Weiterführung des Postbetriebes durch eine Aufforderung, die er in den Blättern von Ajaccio mit Namensunterschrift veröffentlichte: « Ich mache das Publikum aufmerksam, dass ich der Firma Orlandini u. Sohn den Verkehr mit ihren Automobilen auf den korsischen Strassen verboten habe, infolge einer Affäre, die mich persönlich angeht. Die Benützung der Wagen dieser Firma ist also für das Publikum mit Todesgefahr verbunden, denn ich werde auf jedes Auto, das ich antreffe, ohne vorherige Warnung schiessen. Es kommt jetzt darauf an, wer der Stärkere ist. Mehr habe ich nicht beizufügen. Genehmigen Sie, Herr Redaktor, die Versicherung meiner Hochachtung: Der Bandit Bartoli. » Drei Tage später Typische korsische Küstenlandschaft. fuhren die Wagen der Firma wieder von Ajaccio nach Propriano; Orlandini u. Sohn haben vorgezogen, dem Banditen die verlangte Summe zu zahlen. Der gleiche Bartoli hat das Hotel « Continental » in Ajaccio aufgefordert, innert einer bestimmten Frist die Summe von 20 000 Franken abzuliefern, ansonst das Haus angezündet werde. Der Besitzer weigerte sich, Hess das Hotel durch eigenes bewaffntes Personal bewachen, die Polizei verhielt sich passiv, und die zahlreichen Fremden, die in dem Hotel wohnten, reisten ab. Bartoli hat dann aber bald seinen Meister gefunden; er ist von einem Bauunternehmer Simonetti, von dem er ebenfalls 20 000 Franken verlangt hatte, niedergeschossen worden; die Leiche blieb ein paar Tage lang auf dem Platze liegen, bis sie vom ganzen Dorfe Palnesa in feierlichem Zuge abgeholt wurde. Seither liefern sich in Palnesa die Familien Bartoli und Simonetti die tollsten Gefechte. Ein Gemeinderat von Palnesa hat für Bartoli die Erpressungssummen einkassiert. Die Geschichte Korsikas ist aber auch sonst überaus bewegt. Fast fünfhundert Jahre-lang stand die Insel unter der Gewalt der Stadt Genua. An Aufständen und Freiheitskämpfen hat es nicht gefehlt, bis der korsische General Pascal Paoli, neben Napoleon die markanteste Persönlichkeit der Insel, sein Volk vom fremden Joch befreite. Doch es kam bald anders. Frankreich besiegte Paoli, aber England stand ihm bei; es setzt einen englischen Vizekönig ein. Es drängt sich die Frage auf, was wäre aus dem Mann geworden, der, drei Monate, nachdem die Franzosen die Insel wieder an sich gerissen hatten, geboren wurde und bald alle Grenzen europäischer Lande über den Haufen warf, wenn Frankreich im Mai 1769 nicht die Hand auf Korsika gelegt hätte? Eine ganz eigenartige Fügung des Schicksals! Als der kleine Bonaparte am 15. August 1769 in Ajaccio das Licht der Welt erblickte, da wusste man kaum, dass man seit einigen Wochen zu Frankreich gehörig war. Der Korsensohn hat dann allerdings kräftig bewiesen, unter welcher Fahne seine Insel nun zu stehen hatte. —id. Ladislaus Piwonka wird alt Von Maximilian Mauthner. Bastia auf Korsika: ein Winkel des alten Hafens, Es war eine kleine, aber erlesene Gesellschaft, die sich im Hause des bekannten Rechtsanwalts Mallnitz versammelt hatte. Die Namen der Anwesenden hatten in der Oeffentlichkeit guten Klang; es waren bekannte Aerzte, Künstler und Vertreter der Wissenschaft, die zum Freundeskreis des Rechtsanwalts zählten. Diesmal führte der alte Neurolog Dr. Fabrizius das grosse Wort. Sein be-* liebtes Steckenpferd, die Hypnose, stand wieder einmal zur Diskussion, und das war der einzige Gegenstand, der sein sonst so ruhiges Gemüt in Wallung bringen konnte. Fabrizius hatte ein vielbeachtetes Buch über die hypnotische Suggestion geschrieben und auch bemerkenswerte praktische Heilerfolge mit dieser Methode erzielt. Als Optimist hegte er einen unbegrenzten Glauben an ihre Wirksamkeit, wodurch er stets die Opposition des nüchternen Juristen Mallnitz herausforderte. «Sie werden mir doch nicht einreden wollen, lieber Doktor», ereiJerte sich Mallnitz wieder einmal, «dass man mit Hilfe der Hypnose ernsthafte moralische Defekte heilen kann. Ein Verbrecher bleibt ein Verbrecher, auch wenn Sie ihm jahrelang das Gegenteil suggerieren.» «Sie sind auf dem Holzweg, Eeber Freund«, entgegnete Dr. Fabrizius. «Die Macht des menschlichen Willens ist unbegrenzt. Es gibt wohl Psychologen, die der Meinung sind, dass man einen Menschen auf diese Weise niemals zu einer Handlung zwingen könne, die seinem moralischem Gefühl widerspricht. Meine Erfahrungen lehren mich jedoch das Gegenteil. Es kommt nur auf die Beeinflussbarkeit der Versuchsperson an. Und genau so, wie man diese auf hypnotischem Wege zu verwerflichen Handlungen zwingen kann, so lässt sie sich durch die Macht eines überlegenen Willens auch zur sittlichen Besserung führen.» «Ich schlage vor, diese Frage durch ein praktisches Experiment zu entscheiden», mischte sich der Physiker Wallner ins Gespräch. « Einverstanden », erklärte der Rechtsanwalt. «Ich glaube sogar, Ihnen ein geeignetes Versuchsobjekt zuführen zu können. Einer meiner Klienten, Ladislaus Piwonka, ist ein unverbesserlicher Taschendieb. Er behauptet immer, sein Wille sei zu schwach, um der Versuchung zum Stehlen zu widerstehen. Vielleicht können Sie ihn bessern, Doktor Fabrizius.» Der Neurologe war für diesen Vorschlag sofort Feuer und Flamme. Es wurde beschlossen, dass