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E_1940_Zeitung_Nr.028

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.endeten Tatsache in Kenntnis gesetzt zu werden. Herunter mit dem Benzinzoll! Es springt in die Augen, dass von der neuerlichen Verteuerung des Benzins um mehr als 16% des bisherigen Preises ein heftiger Anreiz zur Stillegung ausgeht, namentlich wenn man sich noch die kräftige Drosselung der Treibstoffrationen für den Juli vor Augen hält. Die Ausserbetriebsetzung der Fahrzeuge leistet aber einem weiteren Umsichgreifen der Beschäftigungslosigkeit Vorschub, löst also gerade jene Wirkung aus, die wir heute mit allen Mitteln zu unterbinden bestrebt sein müssen. Keine 48 Stunden nach der DemoUilmachung eines Teils unserer Armee schnellte der Benzinpreis um 9 Rappen empor. Was wird die Reaktion darauf sein? Dass der Unternehmer, der zwar Personal und Wagen wieder hat, sich genötigt sieht, sein Geschäft einzuschränken oder gar einzustellen, weil es jeglicher Wirtschaftlichkeit beraubt ist, dass sich der einzelne Fahrzeugbesitzer die Wiedereinlösung verkneift, mit einem Wort, dass eine Aufbockung in Massen anhebt. Wohin aber eine solche Flucht von der Strasse für das heute schon verzweifelt um seine Existenz ringende Autogewerbe, für den Fremdenverkehr, kurz für unsere gesamte Wirtschaft führen muss, das lässt sich an den Fingern abzählen. Der Bund hat es in der Hand, das drohende Verhängnis abzuwenden. Gebieterischer als je zuvor erwächst ihm die Pflicht, das Land vor dem Gespenst der Arbeitslosigkeit zu bewahren. Das Mittel dazu heisst: Massive Senkung des weit übersetzten Benzinzolls. Ist es dem Bundesrat ernst mit seiner Zusicherung, Arbeit zu beschaffen, koste es was es wolle — und niemand zweifelt an seinem Willen, dieses Versprechen einzulösen — so kann er durch einen Abbau der Treibstoffzölle mjjt dazu beitragen, dass das schwer darniederliegende Autogewerbe nicht vollends in den Strudel der Katastrophe hineingerissen wird und dass sich gleichzeitig auch jene Zehntausende, die zur Ausübung ihres Berufes auf das Motorfahrzeug angewiesen sind, nicht noch zu weitern Einschränkungen des Fahrbetriebes oder zu dessen gänzlicher Sistierung genötigt sehen, was nicht nur ihre eigene Existenzgrundlage schmälern, sondern auch andere in Mitleidenschaft ziehen würde. Arbeit und Brot hat der Bundesrat dem Volk, den heimkehrenden Wehrmännern vor allem, zugesagt. So fange er die arbeitsvernichtende Benzinverteuerung, deren Effekt durch die Kürzung der Rationen und die teilweise Aufhebung der Zusatzkontingente nur noch verschlimmert wird, auf dem Wege einer Zollreduktion auf! Eine verantwortungsbewusste Wirtschaftsführung kommt um diesen Entschluss nicht mehr herum, sofern ihr daran gelegen ist, Zusammenbrüche am laufenden Band mit all deren schwerwiegenden wirtschaftlichen und politischen Folgen zu verhüten, ganz zu schweigen davon, dass die Interessen unserer Landesverteidigung auch heute noch eine möglichst grosse Zahl in Betrieb stehender Fahrzeuge erheischen. Erweist sich schon aus diesen Erwägungen heraus eine fühlbare Lockerung der Zollschraube als unumgängliche Notwendigkeit, so gesellt sich als weiteres Moment, das ©in Nachgeben des Bundes in dieser Beziehung erfordert, auch die Rücksicht auf die Kantone hinzu. Staatspolitisch betrachtet, wäre es ge- Anregungen zum Thema Arbeitsbeschaffung verdienen gerade heute besonders ernsthafte. Prüfung. Die nachstehende Einsendung gelangte vor der neuen Verteuerung des Benzins in imsern Besitz, sie hat aber dadurch an Aktualität und Interesse u. E. nichts eingebüsst. Die elektroHttiagnetischen und geistigen Wellen der Radioansprache des Bundespräsidenten sind bis in die hintersten Ecken unseres Landes gedrungen. In jedem von uns, der den Willen in sich spürt der anonymen Drohung der Zukunft entgegenzutreten, hat sie mächtigen Widerhall ausgelöst. Darin sind alle einig : nur Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit kann Volk und Staat am Leben erhalten. Arbeit schaffen muss also das erste Gebot sein, es ist •wichtiger als irgend etwas anderes, ohne Ausnahme. Wer eine positive Möglichkeit sieht, vom Militärdienst zurückgekehrte Wehrmänner rasch wieder an ihre Arbeitsstätten zu führen und ihren Familien ein ständiges Auskommen auch weiterhin zu sichern, darf mit seinem Vorschlag nicht hinter dem Berge halten. Unser Automobilgewerbe ist durch die Benzinrationierung schwer mitgenommen worden. Die Automobilhändler beugen sich mit grauen Gesichtern über ihre Buchhaltung, die den dumpfen Geruch der Defizite um sich verbreitet. Was die Händlerschaft heute noch davor bewahren könnte, ihre Garagen zu schliessen und das ihnen verbliebene Personal zu entlassen, wäre die Mögglichkeit, durch Neuwagen-Verkäufe den finanziellen Zusammenbruch aufzuhalten. Hunderte von Garagen haben diesen Verdienst bitter nötig. Bleibt er aus, dann gibt es eben kein Entrinnen mehr. Die Arbeitslosigkeit wächst, anstatt abzunehmen. Durch eine einfache aber rasch einsetzende Massnahme Hesse sich hier Hilfe schaffen. Aus einer Menge von Erfahrungen, die in den letzten Wochen gesammelt wurden, geht hervor, dass es in unserem Land viele Interessenten für Automobile gibt. Der einzige Grund, weshalb trotz hartnäckigen, ja verzweifelten Bemühungen seitens der Händler der Absatz stockt, liegt in der Benzinzuteilung. Wenn man schon einen neuen Wagen kauft, dann möchte man damit auch fahren. Besässe der Interessent die Gewissheit, mit dem neuen Fahrzeug vorerst einmal 20O0 km zurücklegen zu können, ohne auf die Benzinkarte angewiesen zu sein, so würde er in den meisten Fällen die Unterschrift auf den Kaufvertrag setzen. Häufig, sehr häufig sogar wäre der Abschluss sofort perfekt geworden, hätte nicht der Interessent daran die Bedingung geknüpft, « dass Sie mir 500 Liter Benzin dazu geben». Dieser Wunsch Hess sich natürlich nie erfüllen, aber er zeigj, wie die Dinge liegen : die Schweisstropfen von Käufer und Verkäufer gelten ausschliesslieh der Benzinfrage. Wird sie gelöst, so wird gekauft. Diese Situation weist deutlich den Weg, der zu beschreiten ist, will man eine grosse Anzahl von Garagebetrieben mit nicht selten 50 oder 100 Angestellten am Leben erhalten, AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 9. Juli 1940 — N° 28 Arbeitsbeschaffung — mit Hilfe von Benzin dem Gastwirtschaftsgewerbe zusätzlichen Verdienst verschaffen und die tausend und mehr Arbeiterfamilien, die durch die Montage von Automobilen in der Schweiz ernährt werden können, weiter versorgt sehen. Jeder Neuwagen-Käufer sollte zusammen mit seinem neuen Fahrzeug einen Sonderbezugsschein für 200—400 Liter Benzin erhalten, je nach der Motorstärke. Dieser Schein wäre wie die gewöhnliche Rationierungskarte in Abschnitte eingeteilt, welche der Besitzer des neuen Wagens nach Belieben einlösen und in Benzin umsetzen könnte. Um die Auswirkungen einer derartigen Massnahme auf die Gesamtlage in der Benzinversorgung zu ermitteln, seien folgende Sonderzuteilungen für Neuwagen angenommen : bis 7,5 PS 200 Liter 7,51—15,5 PS 300 Liter 15,51 PS und darüber 400 Liter Im Mai 1940 wurden 229 Wagen der erstgenannten Klasse bis 7,5 PS gekauft, auf die zweite entfielen 160, und die Verkäufe in der dritten erreichten die Zahl von 68. Mit den oben angenommenen Sonderzuteilungen multipliziert, ergeben diese Ziffern ein Total von 121 000 Liter oder ca. 90 Tonnen Benzin. Selbst wenn sich dieses Quantum unter dem Einfluss der neuen'Massnahme auf 120 t erhöhen würde, so bedeutete dies nur eine minime Belastung der Importe, sofern nun gar sämtlich© Automobilisten der Kategorien A und B auf 1 Liter ihrer monatlichen Zuteilung verzichteten, wäre der Ausfall zum Teil schon wieder gutgemacht, während jene, die dieses Opfer brächten, davon kaum etwas spüren würden. Darin aber läge eine Geste tatkräftigen, positiven schweizerischen Gemeinsinns. Dass durch die vorgeschlagene Massnahme der betriebsbereite Wagenpark unseres Landes vergrössert würde, kann vom militärischen Standpunkt nur nützlich sein; dass sich dadurch ferner viel© Geschäftsleute wieder imstande sehen, längst fällige Kundenbesuche durchzuführen, wirkt sich auf die Wirtschaft befruchtend aus, und dass die Garagisten und ihr Personal dem drohenden Damoklesschwert entrücken und zuversichtlich weiterarbeiten können, bedeutet die Abwendung einer herannahenden Katastrophe. Bedenken ? Wir würdigen sie im vornherein, aber alles, was damit zusammenhängt, ist Hypothese und scheinbare Vorsicht. Es gibt aber heute nur eine berechtigte Vorsicht: alle irgendwie denkbaren Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung auszuschöpfen. Mögen die starken Worte des Herrn Bundespräsidenten auch für das Automobilgewerbe die Voraussetzungen schaffen, die ihm erlauben, mit neuem Optimismus in die Zukunft zu schauen ! C. W. K. rade in der gegenwärtigen Zeit unklug, ihnen allein Oipfer zuzumuten, denn Opfer haben sie durch die Gewährung von Steuerermässigungen und -Erleichterungen teilweise gebracht. Allein sie laufen Gefahr, um den Preis ihres Verständnisses und Entgegenkommens gegenüber den Fahrzeughaltern geprellt zu werden, wenn sich der Bund nicht dazu aufrafft, seine bisher starre, unbeugsame Haltung in der Frage der Benzinzollsenkung zu revidieren. Heute geht es darum, der Lahmlegung unserer gesamten Automobilwirtschaft entgegenzutreten und zu retten, was noch zu retten ist. Auch der Bund muss den Weg zum Opferaltar finden, heute, da Fahrzeugbesitzer und Angehörige des Autogewerbes von der Grenzwacht an ihre Arbeitsstätten heimgekehrt sind und wieder arbeiten wollen. Feierlich hat der Bundesrat dieses ihr Recht anerkannt — jetzt ist der Augenblick, um sein Wort in die Tat umzusetzen. Er appelliert an den Willen zum Durchhalten : belebe und stärke er ihn seinerseits, rechtfertige er das Vertrauen, das er vom Volk verlangt dadurch, dass er endlich die längst fällige Benzinzollreduktion vornimmt, die heute als einziges, sofort wirksames Mittel übriggeblieben ist, um den Zerfall des motorisierten Strassenverkehrs und die Verelendung der mit ihm auf Gedeih und Verderb verbundenen Wirtschaftskreise aufzuhalten. Der Verbitterung und Entmutigung, die sich ihrer sonst bemächtigen würde, kann er durch eine grosszügige Geste nach dieser Seite hin einen Damm errichten. Demobllisation und Benzinrationierung. Die schrittweise Demobilisation unserer Armee muss natürlich auch die Frage aufwerfen, ob eventuell und welchen Einfluss die Verminderung der Bestände an requirierten Fahrzeugen und deren Rückkehr ins zivile Leben auf die weitere Gestaltung der Benzinrationierung ausübe. « Natürlich » — haben wir gesagt, denn des Gedankens Vater bildet im vorliegenden Falle der Wunsch nach einer Erhöhung der Treibstoffzuteilung. Und dieser Wunsch allerdings ist unter dem heutigen Rationierungsregime mehr als verständlich. Im Zeichen der Arbeitsbeschaffung als nationaler Aufgabe Nr. 1 beginnt die Hoffnung sich zu regen, dass auch de-m Motorfahrzeug, dem unentbehrlichen und unersetzlichen Werkzeug zur Sicherung Hunderttausender von Existenzen, in gesteigertem Masse verliehen werde, sich in den Dienst der Lösung dieses Problems zu stellen. Was unsere Erkundigungen an zuständigem Ort ergeben haben? Dass sich zurzeit irgendwelche definitive Angaben darüber nicht machen lassen, in welcher Richtung sich die Rationierungsmassnahmen auf die nächste Periode hin bewegen werden. Auch wenn mit der Demobilrnachung der Treibstoffbedarf der Armee sinkt, so spielt bei der Bemessung der künftigen Mengenzuteilung die Situation im Gebiet der Einfuhr mit eine entscheidende Rolle. Wie sich jedoch hier die Dinge entwickeln werden, liegt noch im Ungewissen, so dass es unangebracht wäre, sich heute schon in Spekulationen über die weitere Gestaltung der Rationierung zu ergehen. Wohl hat es seine Richtigkeit damit, dass letzter Tage eines der Schiffe der «Schweizerflotte» im Hafen von Savona eingetroffen ist, beladen mit Kohlen. Dabei handelte es sich aber um einen Versuchstransport, aus dem man keine übereilten Schlüsse ziehen sollte. Vom Ausgang der Verhandlungen mit England hängt es ab, ob noch weitere unserer Frachtdampfer Gibraltar passieren und in die uns zur Verfügung stehenden Mittelmeerhäfen einlaufen können. Damit ist jedoch auch die Frage unserer Treibstoffzufuhr unmittelbar verknüpft. Im Augenblick bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, was unsere Unterhändler zu erreichen vermögen. Damit erst gewinnen wir einigermassen festen Boden, um die Aussichten und Möglichkeiten für die Treibstoffrationierung während des nächsten Abschnittes zu beurteilen. Indessen darf man dabei nicht übersehen, dass wir jetzt, mit der allmählichen Demobilisation, eine Steigerung des Benzinverbrauchs namentlich bei den Lastwagen zu gewärtigen haben. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 30. Fortsetzung € Ich habe meinen Wanderschein », hatte Molignon erwidert, «und habe der Gemeinde den Platz im voraus bezahlt. Auch jeden Abend Steuer richtig bezahlt!» « Das hat mit der Steuer nichts zu tun. Ich spreche von Ihrer Clownnummer ! Ich werde Ihnen die Konzession entziehen lassen ! Das ist keine einfache Variete- und Zirkusnummer! Das ist kein Groteskclown, dieser Rene ! Verstehen Sie, was der ist ? ... Ein Hypnotiseur ist der! Ein Suggestor! Der sich vermutlich der eigenen Macht gar nicht einmal bewusst ist. Und der sich darum damit begnügt, seine Medien — und sie werden beinahe alle seine Medien, die da sitzen, von den obersten Plätzen bis zu den Logen — durch Massensuggestion in eine Lachhysterie hineinzutreiben! Es ist eine Art Massenirrsinn, den er schafft! Verstehen Sie ? ! > Molignon hatte Mühe gehabt, dem Redeschwall in fremder Sprach© zu folgen. t Und ich sage Ihnen, Herr Direktor, wenn durch irgend ein unvorhergesehenes Ereignis Ihr Clown verhindert wäre, die Suggestion aufzuheben — es könnte geschehen, dass die Menge in ihrem Kampfzustand verbliebe und es dann den von überall zusammengeholten Nervenärzten erst unter grösster Anstrengung gelänge, die Suggestion wieder aufzuheben ! Direktor Molignon fühlte unsagbaren Stolz: — so eine Nummer !... So eine Sensationsnummer hatte gerade er erwischt!... Er, der kleine Zirkusdirektor Molignon !... Er hatte erwidert: < Jede Kunst, Herr Doktor, macht Effekt durch Suggestionskraft von Künstler ! » «Aber schauen Sie, lieber Direktor, es kommt doch auf die Stärke der Suggestion an !... Der Mann da, Ihr Clown, ist der stärkste Wachsuggestor, den ich kenne. Er versetzt ja nicht in Schlaf — er schaltet die freie Willensbestimmung der Leute aus, ohne in Schlaf zu versetzen !... Er ist gefährlich !... Da sehen Sie ... da hören Sie, da oben auf den Stehplätzen rechts, der Mann — er hat sich noch nicht aus seinem Lachen herausgefunden... Sehen Sie, seine Nachbarn bemühen sich schon um ihn... Nein, nein, betrunken ist der nicht... Und da, gleich links — sehen Sie die Frau... wie es an ihrem Gesicht reisst?... Wie sie das Lachen kaum bändigen kann ?... Da — jetzt bricht es heraus... ich werde mich mal sofort ihrer annehmen!... Aber ich wame Sie, Direktor !... Molignon war damals heilfroh gewesen, als er am nächsten Morgen sein Zelt abbrach. Denn die Frau hatte sich damals nicht beruhigt, man hatte sie in eine Künstlergarderobe bringen müssen, wo Henri Rene durch Einspräche den Bann von ihr nahtri. Aber Molignon hatte sich gehütet, seinem Clown ein Wort von der Unterredung mit der Arzt zu sagen — es war schon so kaum ein Auskommen mit Rene. So gross durfte man ihn auch nicht werden lassen vor sich selbst. Es dauerte" in' jeder Saison eine Weile, bis sich die Stallmeister und die auftrittbereiten Artisten an die Renesche Nummer gewöhnten. Es war zu Anfang vorgekommen — ja gerade bei der Roberto-Truppe war es gewesen —, dass nach dem Abgang Renes eine grosse Pause eintrat, weil Roberto mit seinen zwei Partnerinnen so von Lachen geschüttelt war, dass die Kapelle in ihrer Not dieselbe Zwischenmusik-Nummer dreimal spielen musste. Ja, es hatte sich schon allerlei ereignet während der Auftritte Henri Renes, und das schuf eine Atmosphäre der Spannung um ihn herum, die der beste Boden war für seine Erfolge. — Auch diesmal ist es ein rasender Erfolg. Madame Juliette zittert sogar um die Tribünen unter dem Zeltdach, beschliesst, mit ihrem Mann zu sprechen, dass die Holzgerüste noch fester gebaut werden, damit sie nicht etwa einmal einstürzen unter dem Gewicht der sich hin- und herwerfenden Leiber und der trampelnden Füsse. Henri Rene tritt in den Wandelgang hinaus. Sein Schritt ist schleppend. Er ist völlig erschöpft, ausgepumpt. Es ist vielleicht kein Artistenmätzchen, dass er nicht mehr in die Manege zurückläuft, um mit Sprüngen und Gesichtsverrenkungen für den Applaus zu danken. Er wankt zu seiner Garderobe, die jedesmal als besonderer ZeltverscMag der gemeinsamen Herrengarderobe eingebaut ist (Fortsetzung folgt.)

N°28 — DIENSTAG, 9. Juli 1940 AUTOMOBIL-REVUE UM SOFORTIGE ARBEITSGELEGENHEIT ZU SCHAFFEN. 2 Millionen Bundesbeiträge für den Ausbau von Alpenstrassen. Die von ihm verkündete Devise « Arbeit um' jeden Preis » unverzüglich in die Tat umsetzend, hat der Bundesrat in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, einen Beitrag in der Gesamthöhe von rund 2 Millionen an den Ausbau der Oberalp-, Bernhardin- und der Lukmanierstrasse zu bewilligen. Damit wird auf den Zeitpunkt der Demobilmachung hin Arbeit bereitgestellt, eine Lösung, welche den Willen unserer obersten Landesbehörde dokumentiert, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass sich den von der Grenze zurückkehrenden Wehrmännern unverzüglich Verdienstmöglichkeiteri eröffnen. Dass gerade der Strassenbau in erster Linie dazu ausersehen ist, die Gefahr der Arbeitslosigkeit ablenken und eindämmen zu helfen, darin liegt für uns Automobilisten eine doppelte Genugtuung, denn einerseits hat erst das Erscheinen und die Entwicklung des Motorfahrzeugs den Strassenbau zu seiner heutigen Bedeutung emporgehoben und anderseits kommt er uns selbst und der gesamten Wirtschaft unmittelbar zu statten. Und eine Beschleunigung des Tempos in der Modernisierung namentlich der Alpenstrassen kann den Belangen des ganzen Landes nur förderlich sein. Wenn der erwähnte 2-Millionenkredit so rasch gewährt werden konnte — was unter den gegenwärtigen Umständen doppelt wertvoll ist — so treten darin die Wirkungen der rechtzeitigen Bereitstellung der finanziellen Mittel zutage. Dabei fliessen dem Ausbau der Oberalpstrassen Bundessulbventionen aus zwei Quellen zu. Aus dem grossen Kredit für das Arbeitsbeschaffungsprogramm leistet der Bund dieses Jahr an die auf ca. 2 Millionen veranschlagten Aufwendungen zur Sicherstellung des Winterbetriebs auf diesem Pass einen Beitrag von 90 %. Dazu kommen für den allgemeinen Ausbau noch 200 000 Fr. aus dem Kredit für die Durchführung des Alpenstrassen-Ausbauprogrammes. Ebenfalls je 200 000 Fr. aus dem selben Kredit stehe jetzt für die Verbesserung der Berohardinund der Ofenbergstrasse zur Verfügung- Die Zeichengebung bei Strassengabelungen. Art. 75 der Vollziehungsverordnuag zum Automobilgesetz schreibt vor, dass der Motorfahrzeugführer beim Abbiegen den Fahrtrichtungszeiger auf der Seite der Abbiegungsrichtung zu betätigen hat. Wie verhält es sich nun bezüglich der Anwendung dieser Vorschrift, wenn sich eine Hauptstrasse in der Weise gabelt, dass die abzweigende Nebenstrasse in der ursprünglichen Richtung der Hauptstrasse verläuft, die Hauptstrasse aber an der Gabelung nach rechts fast im rechten Winkel abbiegt ? Das BundeSigericht hatte schon im Jahre 1935 Gelegenheit, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es hat dahingehend entschieden, dass auch derjenige bei Strassengabelungen den Richtungszeiger zu stellen hat, der den Ast der Gabel befahren will, welcher als die —Nebenstrasse Hauptstrasse Kriegswirtschaft Rationierung von Benzin, Benzindestillaten usw. für den gewerblichen Gebrauch für den Juli 1940. In einer Verfügung vom 26. Juni 1940 regelt das Kriegs-Industrie- Und Arbeitsamt die Zuteilung von Benzin, Benzindestillaten und Benzolkohlenwasserstoffen für den technischen und gewerblichen Gebrauch für den Juli 1940. Danach beträgt die Rationierungsquote für Benzin 100% des nachgewiesenen Bedarfs, jedoch höchstens 100% des durchschnittlichen Monatäbezuges in der Zeit vom 1. Juli 1938 bis 30. Juni 1939. Immerhin bleiben zusätzliche Zuteilungen vorbehalten. Für Benzindestillate sind die Zuteilungsquoten wie folgt festgesetzt: Gasolin, Siedegrenzenbenzin und Leichtbenzin 50% der durchschnittlichen Monatsbezüge vom 1. Juli 1938 bis 30. Juni 1939: White Spirit, Benzin Ph.H. V. und Petroläther: 100% der durchschnittlichen Monatsbezüge •während des erwähnten Zeitraumes; Rotalin und Diluan 75%. Ein weiterer Artikel beschlägt die Zuteilung von Berizolkohlenwasserstoffen, die in folgenden Mengen abgegeben werden können: Toluol je nach Verwendungszweck 50 oder 25% der durchschnittlichen Monatsbezüge während der erwähnten Periode, Benzol, Xylol und Solvent-Naphtha 100%. Förderung der Benzolauswaschung, der Teerproduktion und der Aufarbeitung des Teers. Gestützt auf den BundesratsbeschluBs vom 12. März 1940 über die Förderung der Benzolauswaschung, der, Teerproduktion und der Aufarbeitung des Teers hat das Kriegs-Industrie- und Arbeitsamt eine Verfügung No. 1 (vom 27. Juni 1940) erlassen, die bestimmt, dass aller bei den Gaswerken oder in andern Betrieben anfallende Teer oder aus dem Ausland eingeführte Rohteer zur Gewinnung kriegswirtschaftlich 'wichtiger Produkte aufgearbeitet werden müsse. Um die Durchführung dieses Grundsatzes zu gewährleisten, stellt die Verfügung detaillierte Vorschriften über die. Destillation, über die Weiterverarbeitung der Leidht- und Mittelöle auf, die nicht im Rohzustand verwendet werden dürfen, sondern den speziell für die Aufarbeitung eingerichteten Anlagen für die Oelzerlegung restlos zur Verfügung zu stellen sind. In bezug auf die Erzeugung von Strassenteer ordnet der Erlass an, dass dabei die «Richtlinien für Baustoffe zu bituminösen Strassendecken» vom Juli 1933 einzuhalten sind. Teerdestillationsanlagen, die aus technischen Gründen die Destillationsvorschriften nicht zu erfüllen vermögen, fallen der Stillegung anheim. Im weiteren auferlegt die Verfügung den Importeuren, Produzenten und Händlern die Pflicht, über die eingeführten, verarbeiteten und verbrauchten Mengen an Rohteer sowie über die daraus gewonnenen Produkte genau Buch zu führen. Schliesslich können die Gaswerke zur Auswaschung des Benzols aus dem von ihnen erzeugten Gas verpflichtet werden. Die Verfügung, deren Vollzug in den Händen der Sektion für Chemie Und Pharmazeutika liegt, ist am 1. Juli in Kraft getreten. Fahrermangel bei der Evakuation. Ausbildung junger Leute Im Fahrunterricht. Wenn der General erst kürzlich neue Vorschriften über die. Evakuation herausgegeben hat, dann lässt diese Massnahme erkennen, dass das Evakuierungsproblem an Aktualität nicht das allermindeste eingebüsst hat und keinesfalls etwa durch die Ereignisse überholt ist. Nach wie vor plagt aber die mit der Durchführung der Abwanderung betrauten Organe eine ernste Sorge: es fehlt — wie an dieser Stelle bereits erwähnt — an Fahrern für die Evakuationskolonnen. Weshalb denn auch einzelne Kantone im Begriff stehen oder bereits dazu übergegangen sind, junge Leute in der Fahrkunst auszubilden. Zu diesem Mittel hat sich nun auch der Kanton Appenzell A.-Rh. entschlossen, indem er daran geht, 16—19jährige beiderlei Geschlechts zum Fahrunterricht heranzuziehen. Rund 200 Wagen müssten nämlich im Gebiet des Kantons aus Mangel an Führern an ihrem Standort verbleiben, sofern es nicht gelingt, die Lücken im Fahrerbestand durch junge Leute zu ergänzen, die im Falle einer Evakuation zur Verfügung stehen. V«»l««>h» TroUeybus und Autobus marschieren. Der Winterthurer Gemeinderat hat den Bericht des Stadtrates über die Vorbestellung von vier für die neue Linie nach Seen bestimmten Trolleybussen, deren Anschaffungskosten sich auf 310,000 Franken belaufen, genehmigt. Basel beabsichtigt die Anschaffung zweier dieselelektrischer Autobusse, und der Gemeinderat der Stadt Bern hat ebenfalls einem Kreditbegehren für zwei weitere diesel-mechanische zugestimmt. Heck-Omnibusse TroUeybus auch in St. Gallen? Die Geschäfts- und Reohnungsprüfungskommission des St. Galler Gemeinderates regt die Prüfung der Frage an, ob es nicht zweckmässig wäre, den städtischen Autobusbetrielb durch Trolleybusse zu ersetzen. Seit einiger Zeit beschäftigt eich daneben die Verwaltung der technischen Betriebe mit Untersuchungen über eine Umstellung des Tramnetzes auf den TroUeybus. Stfi»£»son die Mobilisation den Fortschritt der Arbeiten stark verzögert. Im •weiteren hat der Regierungsrat dieser Tage eine Planvorlag« des kantonalen Baudepartementes für den Ausbau der Stoßstrasse (Gemeinde Altstätten) genehmigt. Für die Korrektionsarbeiten ist eine Aufwendung von 320000 Fr. vorgesehen. Basle* N«»«£z«»n Autobusbetrieb der Basler Strassenbahnen. Der Jahresbericht der Basier Strassenbahnen für das Jahr 1939 unterstreicht die Tatsache, dass der Aushruch des europäischen Konfliktes nicht ohne tiefgreifenden Einfluss auf den Betrieb des Unternehmens geblieben sei. So verminderte sich bei den Autobuslinien die Betriebslänge von 9,1 auf 5 km. Dieser Schrumpfung des N'etzes entspricht auch ein Rückgang der Fahrleistungen, die sich auf 360,824 km (gegen 383,873 km im Vorjahr) bezifferten. Hand in Hand damit geht, -wie nicht anders zu erwarten war, eine Abnahme der Frequenz, die seinen Ausdruck darin findet, dass die Zahl der beförderten Personen von 887,097 im Jahr 1938 auf 833,494 im Berichtsjahr sank. Bei Fr. 201,271.— Einnahmen und Fr. 204,355 Ausgaben schliesst die Betriebsrechnung mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 3082.— ab, nicht eingerechnet allerdings die Ausgaben zu Lasten des Betriebsreservefonds. Zur Deckung der Gesamtauslagen fehlen Fr. 26,501.— (Fr. 34,216.— im V.). In der Gewinn- und Verlustrechnung erscheinen unter den Einnahmen von Fr. 49,824.— die Zuschüsse der Strassenbahnen und aus dem Betriebsreservefonds; die Ausgaben setzten sich zusammen aus dem Ueberschuss der Betriebsausgaben, der Verzinsung des Anlagekapitals, der Abschreibung auf dem Baukonto und der Einlage in den Betriebsreservefonds. Strassenverkehr im Zeichen des Krieges DEUTSCHLAND Kontrollierte Geschwindigkeitsbeschränkungen für Nutzfahrzeuge. In Deutschland ist die Höchstgeschwindigkeit für Autos mit Reifengröose 7,50—20 bis 9,75—24 auf 40 km/St, beschränkt worden. Es handelt sich dabei um Nutzfahrzeuge mit 3,5 bis 5 Tonnen Nutzlast. Für schwerere Fahrzeuge beträgt die Geschwindigkeitshöchstgrenze 28 km/St. Um eine Strassenbau im Kanton St. Gallen. Überschreitung dieser neuen Maximalgeschwindigkeiten zu verunmöglichen, müssen bei Dieselmotoren Der Kanton St. Gallen hat für die Walenseestrasse, deren Bausumime mit Einsohluss der Zufahrtsstrassen auf 8 Millionen Fr. veranschlagt ist, saugleitungen entsprechende Drosselungen erhalten. die Fliehkraftregler, bei Vergasermotoren die An- bis zum Beginn des Baujahres 1940 insgesamt Bei Getrieben mit Schnellgang muss dieser gesperrt 2 630 238 Fr. aufgewendet. Daran leistete der Bund werden. an Beiträgen 1457 800 Fr. Für den Ausbau der Wildhauserstrasse sieht der Voranschlag einen Betrag von rund 3 Millionen vor. Wohl konnten einzelne Baulos© bereits fertiggestellt werden, doch hat auch hier wie andernorts Nach wie vor strenge Bestrafung des Missbrauchs von Motorfahrzeugen. Die zuständigen Behörden Deutschlands haben eich veranlagst gesehen, neuerdings eine eindringliche Warnung vor unbefugter Benützung von Motorfahrzeugen ergehen zu lassen. Sie wiederholen dabei, dass nur Fahrzeuge mit dem roten Winkel in Verkehr stehen, dass aber selbst damit nur Fahrten unternommen werden dürfen, die ein dringendes öffentliches Interesse erheischt. Eine unausgesetzt scharfe Überwachung des motorischen Strassenverkebrs sorgt dafür, daee jeder Missbrauch unnachsichtlich geahndet wird. HaftpHlchtverslcherungsrwang am 1. Juli In Kraft getreten. Das im November 1939 erlassene Pflichtversicherungsgesetz für die deutschen Motorfahrzeughalter hat am 1. Juli rechtliche Wirksamkeit erlangt Von diesem Tage an müssen sämtliche in. Verkehr stehenden Motorfahrzeuge gegen Haftpflicht versichert sein. Dabei beträgt die Mindest' höhe der Versicherungssumme: bei Personenfahrzeugen bis zu 6 Sitzplätzen 100 000 RM., von 7—10 Sitzplätzen 150000 RM., bei Anhängern zur Personenbeförderung 8O00 RM. pro Platz, bei Güterfahrzeugen, Zug- und Arbeitsmaschinen mit Einschluss der Anhänger 100 000 RM. Vereinheitlichung der Anhänger. Entsprechend einer Verfügung des Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen dürfen vom 1. Oktober 1940 an nur noch Anhänger für Last- und Personenwagen hergestellt werden, die im Kriegsprogramm der Autoindustrie genehmigt sind. Dabei handelt es sich um je einen Einheitstyp von 1J4. 3, 5, 8 und 11 Tonnen. Endet die Auslaufzeit für die Fabrikation anderer Typen am 1. Oktober, so •werden sie noch bis 31. März 1941 zum Verkehr zugelassen. ITALIEN R72IH natürliche Fortsetzung seiner bisherigen Strasse erscheint. Mit andern Worten, der Fahrer auf der Hauptstrasse hat, obwohl er seine Fahrt auf der Hauptstrasse fortsetzen will, bei einer Strassengabelung wie der obigen, den Richtungszeiger zu betätigen. Beabsichtigt er, geradeaus zu fahren, d. h. die Hauptstrasse zu verlassen, hat er, falls auf der Hauptstrasse ein Fahrzeug entgegenkommt, dasselbe vorbeizulassen, da er bei einem Abbiegen nach links — in diesem Falle beim Verlassen der Hauptstrasse — einem gleichzeitig entgegenkommenden Fahrzeug den Vortritt zu lassen hat. Da über diese Frage bei Motorfahrzeugführern verschiedentlich Unwissenheit herrschte, dürfte diesen mit deren Abklärung vielleicht da und dort gedient sein. Dr. R. v. Stürler. Forderung der Elektrofahrzeuge in Italien. Vom Juli 1&40 an dürfen in Italien neu sragelassene Motorfahrzeuge der Post,, für die Strassenreinigung, die Beförderung von Milch, Brot ugw. nur noch mit Akkumulatoren und Elektromotoren ausgerüstet sein. Ausnahmen von dieser Vorschrift können gestattet werden, wenn in einer Gegend das Gelände für diese Antriebsart zu bergig ist. NORWEGEN Mehr Gasgeneratoren auch in Norwegen. Mit der Benzinknappheit in Norwegen ist der Konsum auf 25% seines normalen Umfanges gedrosselt worden. Nicht von ungefähr steht deshalb die Frage der Beschaffung von Gasgeneratoren für Autos im Vordergrund. Bereits haben denn auch die Behörden die Verwendung von je drei Typen für Holz und Holzkohle als zulässig erklärt. Sofern sich der Rohstoffzufuhr keine neuen Schwierigkeiten in den Weg legen, hofft man bis zum nächsten Jahr 3000 Wagen mit Generatorantrieb im Verkehr stehen zu haken. Dabei finden in erster Linie Fahrzeuge für den Transport von Lebensmitteln, von Industrie- und Landwirtschaftsprodukten und von Heilmitteln Berücksichtigung.