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E_1940_Zeitung_Nr.029

E_1940_Zeitung_Nr.029

Unbefriedigende Auskunft

Unbefriedigende Auskunft Die Antwort der eidg. Preiskontrollstelle an die CIA Ober die Gründe des Benzinpreisaufschlages. Am vergangenen Mittwoch hatte die CIA {Kommission der am Benzinmarkt interessierten Konsuimentenverbände) bei der eidg. Preiskontrollstelle die Bekanntgabe aller Faktoren gefordert, auf welche die Benzinpreiserhöhung vom 8. Juli um 9 Rappen pro Liter zurückzuführen ist. Denn allerdings besteht bei den unmittelbar Leidtragenden dieser Massnahme, den Verbrauchern, der verständliche Wunsch, sich über die Komponenten der saftigen Verteuerung näher unterrichten zu lassen. Soviel wir erfahren, ist ein© Antwort der Preiskontrolle bei der CIA eingetroffen, aber die darin enthaltenen Angaben lassen deren Wunsch nach eingehender Information über die Gründe und das Ausmass des Aufschlags auf den einzelnen, den Benzinverkaufspreis bestimmenden Positionen teilweise unerfüllt, anscheinend deshalb, weil die genannte Behörde damit argumentiert, sie sei nicht verpflichtet, ihre Vorkehrungen bis ins Detail zu begründen und zu erklären. Unserer Meinung nach sollte indessen die Preiskontrolle das Verlangen der Treibstoffkonsumenten nach erschöpfender Aufklärung nicht derart auf die leichte Schulter nehmen. Hat sie nicht selbst ein Interesse daran, ihnen Red und Antwort zu stehen, um dem immer und immer wieder aufkeimenden Unbehagen und unzutreffenden Kombinationen die Spitze zu nehmen ? Geheimniskrämerei weckt Misstrauen. Das Verhältnis zwischen dem Staat, d. h. den Behörden und dem Bürger muss aber aus dem Vertrauen erwachsen. Weshalb also nicht frei heraus mit der Sprache, wenn die Kostenberechnung doch, wie man hört, hieb- und stichfest sein soll ? Item, nach der Mitteilung der Preiskontrolle an die CIA wurzelt die abermalige Verteuerung der Treibstoffe zur Hauptsache in fünf Faktoren. Die Preise für rumänische Ware Treibstoffrationen für Lastwagen um 20 - 25% gekürzt. Für die Periode vom 16. Juli bis 15. August 1940 sind die Treibstoffzuteiihragen an Lastwagen wie folgt festgesetzt worden : a) Lastwagen (Nutzlast eine Tonne und darüber) : BIS 15,99 PS: 140 (180*) Liter Benzin oder 120 (160*) Liter Dieselöl (Kürzung 22,3 resp. 25 %). VON 16—20,99 PS: 190 (240*) Liter Benzin oder 160 (210*) Liter Dieselöl (Kürzung 20,9 resp. 23,9 °/o). VON 21—30,99 PS: 260 (340*) Liter Benzin oder 230 (300*) Liter Dieselöl (Kürzung 23,53 resp. 23.4 °/o). 31 PS UNO DARÜBER: 350 (450*) Liter Benzin oder 300 (400*) Liter Dieselöl (Kürzung 22,3 resp. 25°/o). Für LASTWAGEN MIT HOLZGAS- ODER HOLZ- KOHLEGASBETRIEB und Zusatzvergaser wird eine Karte für 40 (50*) Liter Benzin pro Fahrzeug ausgestellt (Kürzung 20%). b) Industrietraktoren, die im Strassenverkehr Venwendung finden '• 140 (175*) Liter Benzin oder 120 (150*) Liter Dieselöl (Kürzung 20%) in beiden Fällen). Zuteilung berechnet für einen Monat der letzten Rationierungsperiode. sich davor fürchtete, entdeckt und verfolgt zu werden... ja, verfolgt... ! » < Na, so rede doch schon ! » Die Frau zittert vor Furcht und Spannung. Moiignon sagt und hat dabei vor seinen eigenen Worten Furcht: « Weisst du... der Rene ist nicht normal! Es kommt doch jetzt manchmal vor, dass die Geisteskranken von Zeit zu Zeit aus den Irrenhäusern herausgelassen, sozusagen .beurlaubt' werden, damit sie mal wieder frei herumlaufen können, wenn sie nicht gemeingefährlich sind. Weisst du, manchmal denk ich, so was wird das wohl mit dem Rene auch sein ? Weisst du noch — der Arzt damals ... wie der von der .Suggestionskraft' Renes sprach ? Und du weisst doch, gerade Verrückte haben eine so starke Suggestion? » Madame Moiignon fühlt sich ganz klein werden so unheimlich ist ihr zumute. Sie schiebt ihren massigen Körper dicht an die kleine, zierliche Gestalt ihres Mannes heran: « Ja, Moiignon... ich hab schon den ganzen Sommer das Gefühl, dass etwas in der Luft liegt. Halt nur die Augen recht offen ! » Moiignon hat es nicht ungern, wenn seine tatkräftige Frau bei ihm Schutz sucht. Er sagt gönnerhaft, indem er aufsteht : c Komm schlafen, mein Kind. Glaube mir — ich bin dem Direktor Römer und dem Henri Rene und dem Agenten vom Apoillokonzern... ich bin allen dreien gewachsen! » Juliette Moiignon wirft noch einen Rundblick in die Nacht- — dann klettert sie hinter ihrem Mann in das Innere des Wohnwagens. sind, wie es heisst, neuerdings angestiegen; dabei aber hat sich unser Land stark auf diese Bezugsquelle umstellen müssen, und zwar mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten der Zufuhr aus Uebersee. Gleichzeitig haben, wie die Preiskontrolle weiter darlegt, die Frachtansätze und die Versicherungsprämien für Golf- (überseeische) Produkte seit dem Februar eine starke Abwärtsbewegung durchgemacht und Jkufo und AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 16. JULI 1940 — N° 29 Fiskus dazu seien — drittens — auf den Hafengebühren und Liegegeldern abermals Aufschläge eingetreten. Als vierter Faktor, der eine Verteuerung des Tankstellenpreises bedinge, fallen die Inlandsfrachten in Betracht, die bei früheren Preisfestsetzungen nicht ihrer tatsächlichen Höhe entsprechend einkalkuliert worden seien und jetzt eine Korrektur nach oben verlangen. Und schliesslich komme man auch nicht um die Notwendigkeit herum, zur Abdeckung des unendlich angewachsenen und zu Lasten der Konsumenten überzogenen Kompensationskontos- auf jeden Liter verkauften Brennstoffs einen gewissen, wenn auch relativ geringfügigen Betrag zu erheben. Ob sich die CIA, die morgen Mittwoch wieder zusammentritt, mit diesem allzu summarischen Bescheid zufrieden geben wird ? Erfahrungen mit der tessinischen Benzinsteuer. Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem sich die Behörden des Kantons Tessin entschlossen haben, die bisherige Hubraumtaxe für Motorfahrzeuge durch das System der Benzimsteuer, deren Höhe sich nach dem Verbrauch bestimmt, zu ersetzen. Es mag daher Automobilisten und Behörden interessieren, anhand einiger Anhaltspunkte feststellen zu können, wie sich die neue Besteuerungsart seit ihrer Einführung auf Anfang 1940 bewährt und welche Ergebnisse sie gezeitigt hat. Darüber lässt sich das kantonale Verkehrsamt wie folgt vernehmen : Unter dem Gesichtswinkel des Verkehrs betrachtet, hat die neue Besteuerungsmethode sehr befriedigende Resultate erbracht. Verglichen mit den früheren Jahren wurden während der ersten Monate 1940 um 30 % weniger Schilder deponiert. Soweit Rückgaben erfolgten, beschränkte sich überdies deren Dauer in der Regel auf sehr kurze Zeit. Dazu haben die Zahlungserleichterungen die Wiederinverkehrsetzung einer namhaften Anzahl von vorher stillgelegten Fahrzeugen begünstigt. Für 1940 übersteigt damit die Zahl der in Betrieb stehenden Fahrzeuge jene des Vorjahres. Bei den Automobilisten hat die Besteuerung nach Massgabe der Benzinzuteilung gute Aufnahme gefunden, dagegen sind diö Besitzer von Lastwagen mit hohem Treibstoffverbrauch von den Vorteilen der neuen Lösung weniger überzeugt. Immerhin ist dabei zu bemerken, dass sie (wie übrigens sämtliche Fahrzeughalter) die Bons kostenlos erhalten, wenn die Berczinsteuer den Gesamtbetrag der Jahressteuer 1939 erreicht. Vergangenes Jahr warf der Motorfahrzeugverkehr einen Erlös von 1300 000 Fr. ab. Im Voranschlag für 1940 haben wir dafür einen Betrag von 946 000 Fr. eingesetzt. Mit dieser Budgetreduktion wollten wir vor allem den gegenwärtigen Schwierigkeiten Rechnung tragen. Immerhin hätten wir dank der Benzinsteuer die budgetierte Einnahme mit Leichtigkeit übertreffen und die Summe von 1,1 Millionen erreichen können, wäre nicht nach dem Mai eine Kürzung der Benzinzuteilung erfolgt. Die Steuererhebung auf dem Treibstoffverbrauch und die Möglichkeit der Schilderrückgabe während des Jahres hat allerdings dem kantonalen Automobilbüro erhebliche Mehrarbeit verursacht und die Einstellung weiteren Büropersonals bedingt, obgleich Verteilung und Verkauf der Benzinkarten den Automobilverbänden des Kantons übertragen worden sind, die sich übrigens dieser Aufgabe zu unserer grössten Zufriedenheit entledigen. Luzern plant Verkehrssteuerreduktion nach Massgabe des Benzinverbrauchs. In seiner Sitzung vom 1. Juli behandelte der Grosse Rat des Kantons Luzern die Vorlage über die Abänderung des Motorfahrzeuggesetzes in zweiter Lesung. Kernstück des Projektes bildet die Frage einer Angleiehung der Verkehrssteuern an die Verhältnisse, wie sie sich mit der Benzinrationierung eingestellt haben. Dabei werden im Gesetz selbst nur die Grundsätze der neuen Regelung verankert, währenddem die Wahl des neuen Besteuerungssystems und die Bestimmung des Ausmasses der Reduktionen einer vom Regierungsrat zu erlassenden Ausführungsverordnung vorbehalten bleiben. Neue Anträge brachte die Kommission bei der zweiten Lesung nicht ein ,wöhl aber Hess sie durch ihren Präsidenten nochmals betonen, dass es an der Verfassungsmässigkeit des bei dieser Gesetzesrevision eingeschlagenen Weges nichts zu zweifeln gebe. Bereits haben andere Kantone die Anpassung an die veränderten Verhältnisse in ähnlicher Weise vorgenommen. Im übrigen soll das Gesetz rückwirkend auf 1. April .1940 in Kraft erklärt werden. Bei der dem Eintretensbeschluss folgenden materiellen Behandlung des Entwurfs wurde darauf hingewiesen, dass seit der ersten Beratung die Benzinzuteilung eine weitere Verschärfung erfahren habe, die es als angezeigt erscheinen lasse, über die ursprünglich vorgesehene feste Reduktion von 50% hinauszugehen. Auf jeden Fall verdient dieser Gesichtspunkt eine nähere Prüfung durch die Regierung. Der kantonale Baudirektor, Regierungsrat Dr. Winiker, stellte in seinem Votum den baldigen Erlass der Ausführungsbestimmungen in Aussicht, die vom Grundgedanken ausgehen, dass sich die Steuerermässigung nach dem Benzinverbrauch zu richten habe. Anders ausgedrückt: das kommende luzernische Steuersystem lehnt sich teilweise — und wie an dieser bereits angekündigt worden war — an die Tessiner Methode an. Damit glaube man, der Steuergerechtigkeit am ehesten Genüge leisten zu können- Missbräuche müssten unter allen Umständen vermieden werden, wobei die Behörden auf die Mitwirkung der Organisationen des Strassenverkehrs zählen dürfen. Damit erschöpfte sich die Diskussion; die nächste Etappe in der Behandlung der Vorlage besteht nun darin, dass sie ihren Weg an die Redaktionskommission nimmt. Nach dem Erlass des in Auesicht stehenden Regierungsbeschlusses erfolgt für jedes Fahrzeug zu gegebener Zeit detaillierte Abrechnung und Rückerstattung eventuell zuviel bezahlter Steuern. Else Römer pfeift einen Tonfilmschlager vor sich hin, während sie die Vasen aller Zimmer verschwenderisch mit Blumen füllt. Hans hat Vaters Telegramm eingesteckt. Sie weiss nicht, aus welcher Richtung und mit welchem Zuge Vater eintreffen könnte. Damm disponiert sie für den ganzen Tag. Bestellt ein reichliches Frühstück bei der Köchin, berät eine halbe Stunde mit ihr, um ein besonders sorgfältiges Menü für den Mittagstisch zusammenzustellen, und beordert telephonisch vom Delikatessengeschäft kalten Hummer und eine schwedische Platte für den Abend. Sie zieht ihres Vaters Lieblingskleid an, legt ihm eine grosse Schachtel seiner Zigarretten auf die Seitenlehne des Klubsessels, auf dem er immer sitzt, geht in den Keller, um drei Flaschen Wein heraufzuholen. Wohl soll sich Vater zu Hause fühlen! Schön soll alles um ihn herum sein ! Unbegreiflich soll es ihm selbst scheinen, dass er den Seinen so lange in Heimlichkeit fernbleiben konnte ! Keine Frage wird sie an ihn richten ! Keinen Vorwurf in den Augen tragen ! Nichts soll ihn daran mahnen, dass sie Stunden qualvollster Angst durchlebt! Sie wirft einen Blick in den Spiegel — nein, das geht nicht, sie ist zu blass. Das könnte er als stumme Anklage deuten... Beinahe vergisst Else, dass die Mutter nun heute operiert werden soll. Hans ist gleich morgens, noch vor dem Frühstück, in die Klinik gefahren, hat der Mutter das Nachttelegramm vorgelesen und dann seine Schwester angeläutet, die aufgeregt in den Apparat gerufen hatte : « Na, Hans ?... Na ? Ist Mutter selig ? Ist sie selig ? > «Ja », hatte Hans geantwortet. < Sie ist selig. > Aber seine Stimme hatte entsetzlich bedrückt geklungen. c Freut sie sich wieder aufs Leben, Hans? Ja?» « Ja Else. Sie freut sich. Sie will wieder leben. > Und hatte hinzugefügt: « Um zwölf steigt die Geschichte. Ich bleibe so lange hier. Ich kann während der Operation im Nebenzimmer warten.» «Ich komme herüber... ich komme auch herüber ! Sobald ich mit den Vorbereitungen für Vater fertig bin...» Else wirft einen Blick auf die Uhr : gleich zwölf! « Lotte ! Vergessen Sie nicht, die Jalousien im Bibliothekzimmer herunterzulassen! » « Nein, gnädiges Fräulein... die Sonne zieht ja alle Farben aus den Vorhängen.» Ja, diese Sonne, wie sie scheint heute ! So festlich! So festlich, wie Else zumute ist. Else ist glücklich: der Vater kommt zurück ! Die Mutter wird gesund ! Der Hans ist viel netter zu ihr als früher — hat viel von seiner Grobheit abgestreift! In Karsten hatte sie einen neuen Freund gefunden ! Und Mutter, die sich jetzt so auf den Vater freut... Dumme kleine Mama ! So gross und schwer wie sie ist — sie ist doch immer noch ein recht kleines Mädchen! Ist eben Glossen zur Benzinpreiserhöhung Schluss von Seite 1. Die Ostschweiz zur Benzinpreiserhöhung. Die nachstehende Zuschrift illustriert die Stimmung, welche sich der Motorfahrzeugbesitzer in der Ostschweiz nach der 9räppigen Benzinverteuerung vom 8. Juli bemächtigt hat. Die am 8. Juli erfolgte krasse Benzinpreiserhöhung hat bei den ostechweizerischen Motorfahrzeughaltern einen derartigen Unwillen hervorgerufen, dass die Verbände mit dringenden Gesuchen für Einleitung einer Aktion für Senkung des übersetzten Benzinzolls bestürmt werden. Wenn einerseits gewisse Zweifel in die rechnerischen Unterlagen der Neugestaltung des Benzinpreises gesetzt werden und man es als starken Affront betrachtet, dass trotz gegebenen Zusicherungen von Seiten der Eidg. Preiskontrolle die Benzinverbraucher auch diesmal vorher überhaupt nicht begrüsst worden sind, eo macht sich anderseits immer wieder die bittere Enttäuschung darüber Luft, dass der Bundesrat nichts unternommen hat, um den nachgerade unerschwinglich gewordenen Benzinpreis durch eine Ermässigung des Zolls einigermassen tragbar zu gestalten. Der Ruf nach Arbeitsbeschaffung «koste es was es wolle» hat be- Teits einen merkwürdigen Klang erhalten, wenn man schon bei der ersten Gelegenheit, da man dieser Richtlinie nachleben könnte, Arbeitslosigkeit statt Arbeitsgelegenheit schafft und es sich überhaupt nichts «kosten» lässt. Statt «Franken bleibt ein Franken» wird es nun wohl heissen «Benzinzoll bleibt Benzinzoll», getan wird aber nichts! Wie angedeutet geben aber auch einzelne Preiskomponenten selbst zu Einwänden Anlass. So soll der Posten «Inlandsfrachten» seit der Februarberechnung eine Erhöhung erfahren haben (warum?) Wenn schon «Opfer» gebracht werden sollen, dann von allen Beteiligten, d. h. Konsumenten, Lieferanten und Bund. Man hätte auch gerne darüber klare Auskunft, ob die Aufwendungen für die gesamte Lagerhaltung von den Brennstoffbezügern getragen werden müssen, d. h. ob diese auch für die Kosten der Benzineinlagerung des Bundes aufzukommen haben. Die Eidg. Preiskontrollstelle schuldet der Oeffentlichkeit über all diese Fragen eindeutige und rasche Antwort. Der Arbeitsausschuss der Kantonalen Strassenverkehrsliga Zürich hat sich an der letzten Sitzung eingehend mit all diesen Fragen befasst und geeignete Abhilfemaesnahmen ins Auge gefasst. Bereits ist auch die Fühlung mit der Schweiz. Strassenverkehrsliga aufgenommen worden und an der Delegiertenversammlung der Zürcher Liga vom 19. Juli, welche um 20.30 Uhr im Hotel «St. Gotthard» in Zürich stattfindet, werden ausser den ordentlichen Traktanden auch die wichtigen Probleme der Benzinpreiserhöhung und der Benzinzollermässigung zur Sprache kommen. Die Zürcher Automobilisten und Motorradfahrer erwarten, dass in dieser Richtung etwas geschehe. Und zwar bald. Bieten die Bundesbehörden zu einer Senkung des Zollansatzes nicht Hand, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Rückgabe der Kontrollschilder auf Ende der kommenden drei Monate ein Ausmass annimmt, das nicht nur die Notlage im Auto- und Transportgewerbe noch verschärft, sondern auch einen beschleunigten und zum Aufsehen mahnenden Einnahmensehwund des Bundes und der Kantone führt. Schwindender Strassenverkehr. Einer unserer Abonnenten, der letzter Tage die Strecke Bern-Zürich befuhr, begegnete darauf sage und schreibe drei Autos in der einen und ebensoviel — oder wenig — in der andern Richtung. Nicht anders erging es einem zweiten, der sich von Bern nach Basel begab. Und ein dritter traf zwischen Bern und Balsthal überhaupt kein anderes Auto. Und das alles trotz der Demobilisation. Nach den Gründen dieser Verödung braucht man nicht weit zu suchen. Der Coup vom 8. Juli sitzt. Und die Folgen lassen nicht auf sich warten. aus dem vorigen Jahrhundert! So stark fühlen für einen Mann, so stark zittern um einen Mann, sich so in der Stimmung von einem Mann abhängig machen, das bringt Else, das bringen auch die andern Mädels von heutzutage nicht mehr fertig. Die setzen sich mit allem viel rascher auseinander und werfen wie überflüssigen Ballast aus, was die Seele allzusehr belastet... Das Telephon läutet Else hebt ab : « Hier Römer ! » Eine Blutwelle schiesst ihr ins Gesicht. « Ach Sie, Herr Karsten ! ? Danke ... Es geht mir sehr gut! » Und wirklich, ihre Lebensfreude scheint ihr sogar verdoppelt. Karsten steht in einer der Telephonzellen der Maschinenfabrik Vulkan und weiss nicht, wie er es dem jungen Ding da sagen soll, das scheinbar alle Hoffnung auf ihn setzt. Er hat es deutlich gefühlt, beinahe gehört, wie ihr Herz zu klopfen angefangen hat, als sie seinen Namen hörte. Aber es hat ja nun keinen Zweck — das Verschweigen : das Mädel muss wissen, wie es steht. « Gnädiges Fräulein ? » « Ja, bitte, Herr Karsten ? » < Ich habe bereits Nachricht von unserm Detektivbüro. » < Soso.» Else sagt es gleichgültig, ernüchtert. Sie hatte gedacht, Karstens Anruf gälte ihr selbst, ganz persönlich ihr. Sie ist ja allen Sorgen um den Vater schon so fern. (Fortsetzung folgt.)

N°29 — DIENSTAG, 16. JULI 1940 AUTOMOBIL-REVUE tf !Büef aus Ztanbiäch Aus dem nichtbesetzten französischen Gebiet schreibt uns unser Pariser Mitarbeiter *. Auf unserer dreiwöchigen «Reise> von Paris bis nach Toulouse, die uns abwechslungsweise im Wagen, auf einem Tank und auf einer schweren Kanone unterwegs sah und wobei wir mehrere Male scharfe Bombardemente mit Dutzenden von Toten erlebten, boten sich unserem Blick links und rechts vom Wege unzählige verbrannte und noch brennende oder einfach liegen gelassene Wagen jeder Art, zivile, Militärfahrzeuge, Lastwagen usw. usw. Beim Ueberschreiten der Demarkationslinie lernten wir noch rasch die Vehikel der motorisierten deutschen Truppen kennen: es war eine Lüge, zu behaupten, Deutschland besässe kein oder nur schlechtes Material. Gewaltige Lastwagen, Fahrzeuge kleinen und mittleren «Kalibers» und Motorräder gewährten uns einen Begriff von der Durchschlagskraft der deutschen Panzerdivisionen. In Toulouse wie in Marseille und in den anderen nichtbesetzten Städten Frankreichs ist noch etwas Benzin vorhanden. Bis zur Demarkationslinie dagegen war dies nie und nirgends der Fall, so dass man oft Wagen mit Pferden oder Tanks als Vorspann begegnete. Südlich der Demarkationslinie, im freien französischen Gebiet, stehen gegenwärtig 90 Prozent aller französischen Autos. Dazu kommen noch die Tausende der Wagen belgischer und holländischer Flüchtlinge und das Automaterial, das die französische Armee zu retten vermochte. Benzin wird zugeteilt an industrielle Unternehmungen und an Heimkehrer, also an Flüchtlinge, die aus den nichtbesetzten oder inzwischen geräumten Gebieten (zum Beispiel Lyon) kamen. Sonst jedoch ist die Treibstoffabgabe vollständig gesperrt. Seit dem Waffenstillstand erschien zwar eine Reihe von Verordnungen, wonach man zum Beispiel 60 Prozent der Benzin-Gutscheine beziehen könne, praktisch jedoch muss man von Glück reden, wenn es gelingt, sich ein paar Liter zu ergattern. Die Benzinversorgung wird sich übrigens in der nächsten Zeit noch weiter verschlechtern, denn die Treibstoffzufuhr durch das Mittelmeer ist vollständig unterbunden, Frankreich bezog ja hauptsächlich Mossul-Oel (das von den Engländern beherrscht wird) und stand in der synthetischen Benzinerzeugung an einer der letzten Stellen der Weltproduzentenliste. Heute noch lebt man von den Vorräten, die vor und im Kriege angeschafft wurden. Was morgen sein wird, weiss niemand. Trotzde'm ist in den grossen Städten der automobilistische Verkehr nicht ganz versiegt; scheinbar gestaltet sich die Versorgung der Militärautos zufriedenstellender. Die Vertretungen der Automobilwerke stehen in den nichtbesetzten Städten wie immer offen, ja es werden sogar Wagen zum Kauf angeboten, doch besteht gegenwärtig naturgemäss gar kein Interesse dafür. Um so mehr drängen sich die Kunden bei den Zubehörhändlern, denn an Pneus herrscht noch kein Mangel. Die Garagen florieren, ebenso die Reparaturwerkstätten. Wir sprachen mit einigen von diesen Leuten. Wäre nicht eine traurige Zeit über Frankreichs stolzes Volk hereingebrochen, hätte sie nicht alle die Kunde eines urplötzlichen Zusammenbruchs in tiefste Niedergeschlagenheit gestürzt, während sich alles auf den Sieg vorbereitet glaubte, so wäre in den Garagen Zufriedenheit zu Hause gewesen. Angesichts der grossen Not und des Elends aber, das im freien Frankreich herrscht, angesicht der — gering gerechnet — 10 Millionen Flüchtlinge, von denen viele ohne Obdach, ohne Geldmittel und ohne Arbeit dastehen, angesichts der Nahrungsmittelnot, die sich überall breit macht, klang aus den Worten dieser Leute über den zufriedenstellenden Geschäftsgang das tiefe Mitgefühl über die Situation. Wir sahen Autofahrer um ein bisschen Brot betteln, wir sahen Automobilisten aus den wohlhabendsten Ständen mit uns zusammen auf verfaultem Stroh schlafen, wir sahen Frauen, die im eigenen Wagen, von Wehen geschüttelt, Geburten durchmachten, wir sahen das ganze und imfassbare Elend eines gigantischen Zusammenbruches. Das Frankreich von 1939/40 existiert nicht mehr. Dabei steht man heute erst am Beginn des Leidensweges, dessen Ende niemand abschätzen kann. Vieles, wenn nicht alles, wird sich im Frankreich von 1940/41 für den Automobilisten ändern. Die guten Zeiten sind für Jahre, wenn nicht für Jahrzehnte vorbei. Ein neues Leben hat angefangen. Verhältnismässig am besten sind jene Autoflüchtlinge dran, die zur Flucht nicht ihren Personenwagen, sondern einen Transporter benützten. Der dient ihnen jetzt auch als Wohnung. Unzählige Autos dieser Art sahen wir in der Umgebung der Städte. Die Frauen besorgten die Wäsche und hängten sie auf ihrem Wagen zum Trocknen auf. Nach dem Waffenstillstand setzte auf Grund von Mitteilungen unverlässlicher Stellen eine allgemeine Rückwanderung ein. Die deutschen Besatzungsbehörden Hessen aber die Rückwanderer nicht durch. Soferne sie kein Benzin mehr hatten, blieben ihre Wagen an der neuen Grenze stecken, wobei es sich besonders um Belgier handelt, die eilig genug bemüht waren, ihre Heimat wieder zu erreichen. Augenblicklich richtet sich das Bemühen aller darauf, etwas Ordnung in das allgemeine Chaos zu bringen. Man will der Welt zeigen, dass man an Stelle der mangelnden Organisation, welche das Unglück verschuldet hat, eine neue und gute aufbauen kann. All das spielt indessen ins Gebiet der Politik hinüber. Wie dem auch immer sei, wir können nur versichern, dass die Verhältnisse, unter denen de Mehrzahl der geflüchteten Automobilisten zu leben gezwungen ist, sich in gar keiner Weise von jenen unterscheiden, unter denen die übrige Bevölkerung zu leiden hat. Eine neue, eine harte, eine unvorstellbar schwere Zeit ist für jeden gekommen. Die alten Sünden und Fehler müssen jetzt alle auf einmal bezahlt werden. G. Ausland Italiens Treibstoff-Autarkie. Zur Illustration des gegenwärtigen Standes der Bestrebungen Italiens nach Selbstversorgung auf dem Gebiete der Treibstoffe veröffentlicht die italienische Presse eine Meldung, •wonach von den 8649 Fahrzeugen, die im Dienste öffentlicher Unternehmungen stehen, am 1. März 1940 insgesamt 7200 mit einheimischen Kraftstoffen funktionierten, darunter 788 mit Holzgas. Dieser Hinweis deutet zugleich an, dass bei den in Frage stehenden Fahrzeugen zur Hauptsache Metan oder Alkohol als Ersatzbrennstoff Verwendung finden. Amerikanische Autonotizen. Der Anteil der drei grössten amerikanischen Autokonzerne General Motors, Chrysler und Ford am Umsatz ist von 1929 bis 1939 von 66°/o auf 90 % aller verkauften Wagen gestiegen. Ein «Tag des gefärbten Altwagens > ist in Richmond (Virginia) von Altwagenhändlern durchgeführt worden. Allen Käufern gebrauchter Wagen wurde dabei freigestellt, ohne Kostenaufschlag den von ihnen erstandenen Wagen auf jede gewünschte Farbe umfärben zu lassen. Diese Art der Kundenwerbung erwies sich als außerordentlich zugkräftig : Der Altwagenabsatz schnellte an einem Tag um über 700 % in die Höhe, -während die Unkosten der Verkäufer pro Wagen nicht einmal zwei Dollar betrugen. Während der Datier der New Yorker Weltausstellung •werden von der Ausstellungsleitung •wöchentlich 7 Autos an die Inhaber der Eintrittskarten verschenkt, die bei einer Lotterie einen Gewinn erzielen. Als « rollende Goldfeetung» wird das neue gepanzerte Lieferauto bezeichnet, das in New Tork zu Gold- und Silbertransporten zwischen Banken benutzt -wird. Der Wagen ist 21 Tonnen schwer; die Panzerung seiner Wände kann nicht einmal von Armee-Maschinengewehren durchschlagen "werden, während der Fahrer nach allen Seiten hin durch geschlitzte Stahlwände geschützt ist. Selbstverständlich sind die Reifen ebenso wie die Glasteile kugelsicher. Da sich im Innern des Wagens bei Sonnenstrahlung hohe Temperaturen entwickeln, ist eine Luftkonditionierungsanlage eingebaut. 13 Fabriken haben einen gemeinsamen Aussehuss zur Beantwortung der Frage gebildet, ob wohl eine Typenbeschränkung in der amerikanischen Autoindustrie ratsam ist. Angesichts der Schwierigkeiten mit der Benzin Versorgung ist die schwedische Armee m grösserem Maßstab dazu übergegangen, ihre Motorfahrzeuge mit Holzgasgeneratoren auszurüsten. Unser Bild zeigt eine Kolonne solcher Holzgas-Laetwagen. Ueberall Umstellung auf Holz- und Holzkohlegas Mehr Generatorfahrzeuge in Deutschland. Nachdem es heute gelungen ist, Generatorfahrzeuge zu konstruieren, die bei zwecikmässiger Abstimmung von Motor und Generator keinem mit flüssigem Kraftstoff betriebenen Fahrzeug mehr nachstehen, beabsichtigt Deutschland, solche Vehikel in vermehrtem Masse einzusetzen. Noch im Laufe dieses Jahres soll die Umstellung einer grösseren Zahl von Lastwagen und Dieselschlepipern auf Generatorenantrieb erfolgen. Bereits ist denn auch eine besondere Gesellschaft gegründet worden, deren Aufgabe in der Errichtung eines umfassenden Tankstellennetzes und in der Schaffung eines einwandfreien Ersatzteil- und Kundendienstes besteht. Dazu befasst sich eine andere Gesellschaft mit der Besorgung des nötigen Generatorholzes. Indessen soll die vermehrte Verwendung von Generatorfahrzeugen nicht etwa auf die Kriegszeit beschränkt bleiben. Um die Umstellung zu stimulieren, entrichtet der Staat Zuschüsse, die sich auf 100 RM. für Diesel- und auf 600 RM. für Benzinfahrzeuge beziffern. Auch Dänemark gewährt staatliche Subventionen. Infolge des Benzinmangels hat in Danemark die Frage der Ausrüstung namentlich von Lastwagen mit Gasgeneratoren erhöhte Bedeutung gewonnen. Der Staat fördert diese Bestrebungen durch Gewährung von Darlehen für die Anschaffung von Holzund Holzkohlengas-Generatoren, Darlehen, deren Höhe 50—70% der Kosten betragen soll. Dadurch hofft man, in den nächsten Monaten etwa 3000 bis 4000 Generatoren erzeugen zu können. Und was Finnland unternimmt. Der finnische Staatsrat hat dem Reichstag ein Projekt zur Förderung der Herstellung von Motorfahrzeugen mit Holz- und Holzkohlegasbetrieb unterbreitet. Durch Sicherstellunjt der Rentabilität und der in solchen Anlagen investierten Summen trachtet der Entwurf danach, einen Anreiz zum Betrieb mit diesen Ersatztreibstoffen zu schaffen. Ende Mai standen in Finnland etwa 750 Holzkohlen- und 130 Holzgas-Generatoren im Verkehr. Wenn angesichts des Benzinmangels dieser Bestand an Generatorfahrzeugen als gering taxiert werden muss, so ist die Ursache dafür einerseits im hohen Preis der Anlage, anderseits in der noch ungenügenden einheimischen Produktion zu suchen. Wohl ist es gelungen, sie bereits auf rund 300 Stück pro Monat zu steigern, doch reicht das für den Bedarf noch bei weitem nicht aus. Deshalb erteilt der Gesetzesentwurf dem .Staat die Ermächtigung, weniger bemittelten Fahrzeugbesitzern die Anschaffung von Holz- und Holzkohlegasgeneratoren durch Kredite an Verkaufsorganisationen zu erleichtern, •welche die Anlagen auf Abzahlung verkaufen. Im Falle einer Ueberproduktion übernimmt diese der Staat von den Fabrikanten. Sollte sich die Versorgung mit Benzin wieder bessern, so gemessen jene, die sich eine Anlage für Betrieb mit einheimischen Brennstoffen zugelegt haben, insofern einen Schutz, als der Staatsrat die erforderlichen Massnahmen für den Handel mit ausländischen Treibstoffen anordnen kann. Durch die Gewährung von Beiträgen sucht auch die Seh »e i z die Verwendung fester, einheimischer Treibstoffe zu fördern. Allerdings räumt der Bundesratsbeschluss vom 24. Februar 1940 nur den armeetauglichen Lastwagen einen Sübventionsanspruch ein, "wobei er neben einem ordentlichen, während fünf Jahren zur Auszahlung gelangenden Beitrag in der Höhe der vom betreffenden Wagen bezahlten kantonalen Verkehrssteuer noch einmalige zusätzliche Beiträge ausrichtet, und zwar 1800 Fr. an neue (Lastwagen, eingerichtet für feste Treibstoffe und 1000 Fr. an alte, auf feste einheimische Treibstoffe umgebaute Lastwagen. Erweiterung der Chryslerwerke. Die Chryster Corporation in Detroit hat den Bau eines neuen Fabrikgebäudes in Angriff genommen. Aus Fachkreisen verlautet, dass die Fabrik in erster Linie einer erheblichen Erweiterung der Produktion von sogenannten «fluid-flywheel transmissions> dienen soll, womit voraussichtlich im kommenden Jahr sämtliche Dodge- und de Sotoausgestattet werden.