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E_1940_Zeitung_Nr.031

E_1940_Zeitung_Nr.031

BERN, Dienstag, 30. Juli 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GerahSttsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grflssere Inserate nach SpezialtarW Inseratenschlnu 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Besorgniserregende Kürzung der Benzinrationen für den August Reduktionen bis zu 60°/ 0 auf den ohnehin schon stark beschnittenen Juli-Rationen. Noch ist der Unmut über die Erhöhung des Benzinpreises auf 64 Rappen weit davon entfernt, sich zu legen und schon wieder trifft das schweizerische Automobilwesen und damit auch jene zahlreichen Wirtschaftszweige, die mit ihm auf Gedeih und Verderb verbunden sind, ein neuer schwerer Schlag: die weitere scharfe Kürzung der Benzinrationen für den Monat August. Die Amputation, welche die Sektion für Kraft und Wärme dadurch vorgenommen, droht nicht nur manchen Geschäftsbetrieb zu iparalysieren, sie wird auch, weil sie ausgerechnet auf den Ferienmonat August fällt, im Hotel- und Qastwirtschaftsgewerfoe tiefe Spuren hinterlassen. Nach alledem, was in letzter Zeit an die Oeffentlichkeit durchgesickert war, musste man sich auf eine abermalige Drosselung der -Treibstoifzuteilungen gefasst machen, aber dass die Herabsetzung bis zu 60% der Juli- Rationen ausmachen würde, kommt trotzdem unerwartet und bedeutet einen Eingriff in unser Wirtschaftsleben, der schwere Bedenken auslöst. Denn allerdings stand schon die Zuteilung für den Juli, verglichen mit derjenigen für Mai-Juni, im Zeichen eines rigorosen Abbaues, so dass die Verminderung, gemessen an den für Mai und Juni bewilligten Mengen, heute bis zu 73 Prozent beträgt. Das sagt genug und spricht für sich selbst. Gegenüber dem Juli bewegen sich die Ab- Litertafel für Personenwagen 6. Rationierungsperiode, 1.—31. August 1940. (Die in Klammern beigefügten fetten Zahlen entsprechen der Zuteilung während der letzten Rationierungsperiode, lassen also die für den August tingetretene Reduktion erkennen.) Dringlich- Q«an«. Motorenleistung (Steuer-PS): keits- Uttkate- bis 7,5 P8 7,51-15,5 PS 15,51 PS kateIOrl« gorie Lltar Betitln und mehr 1 45 (80) 65(115) 80(135) (20+25) (30+35) (40+40) 2 40 (70) 60(100) 70(120) (35+35) 3 35 (60) 50 (85) 60(100) A 4 30 (50) 40 (75) 50 (90) 5 25 (45) 35 (65) 40 (80) 6 25 (40) 35 (55) 40 (65) 7 20 (35) 30 (50) 35 (60) striche zwischen 20 und 60%, wirken sich somit nicht in allen Kategorien gleichmässig aus. Die stärkste Schmälerung erleidet die Kategorie C1 mit einer Verminderung um 57, 60 und 58%, währenddem die in Kategorie D Eingeteilten, je nach der PS-Zahl ihres Wagens, mit einer Einbusse von 33, 25 oder 20% davonkommen. Immerhin ein schwacher Trost, denn entscheidend sind die absoluten Literzahlen. Und wie weit 10, 15 oder 20 Liter für einen ganzen Monat reichen, in welchem Ausmass bei diesen völlig ungenügenden Quantitäten die Kilometerkosten emporschnellen, ist bald ausgerechnet. Wenn sich daneben die Fahrzeuge mit intensivem Gebrauch, voran jene der Kategorie A und B, eine Kürzung ihrer bisherigen Ration um 40 bis 50% gefallen lassen 'müssen, dann liegt der Grund für eine solche Massnahme darin, dass sie, als die mit den höchsten Treibstoffzuteilungen bedachten Kategorien,, am meisten Benzin konsumieren und dass die Behörden auf Einschränkungen auch hier nicht verzichten zu körinen glauben. "Natürlich werfen sie mehr ab als in der Kategorie D, deren Anteil am Gesamtbestand sich nur auf ca. 15% beziffert. Nicht bei ihr, sondern auf den oberen Kategorien werden die hauptsächlichsten Ersparnisse herausgeholt, doch bleibt hier als Regulierventil nach wie vor die Möglichkeit des Bezuges von Zusatzkontingenten, die zwar gleichfalls eine Senkung erfahren haben. Damit versucht man einen gewissen Ausgleich zu schaffen und unerträgliche Härten für die Halter von Fahrzeugen, die in kriegswirtschaftlicher Hinsicht oder für die Sicherung der Existenz unentbehrlich sind, zu mildern. Einmal mehr hat — das sei in diesem Zusammenhang eingeflochten — die Verarbeitung der Fragebogen, ein Pensum, das im vergangenen Henbst die Experten während Wochen und Monaten beschäftigte, ihren Wert erwiesen. Nicht nur gewährt sie einen Ueberblick über die Wichtigkeit der enzelnen Kategorien im Rahmen der Gesamtwirtschaft, sie vermittelt darüber hin- . 8 15 (25) 20 (35) 25 (45) aus auch zuverlässige Anhaltspunkte über 1 30 (50) 40 (75) 50 (90) den Treiibstoffbedarf und liefert die Basis B 2 20 (35) 30 (50) 35 (60) für die Zuteilung. . 3 15 (30) 20 (40) 25 (50) G 1 15 (35) 20 (50) 25 (60) So wenig wie bei der Rationierung für den Juli, hat es nach den Erklärungen von amtlicher Seite auch diesmal nicht an Reklamatio- U — 10 (15) 15 (20) 20 (25) nen gefehlt, dass die Kat. D bei der Zuteilung überhaupt noch Berücksichtigung ge- Litertafel für Lieferwagen funden. Das sei doch Luxus, hiess es, namentlich aus dem Lager jener, die den Wa- (Die in Klammern beigefügten fetten Zahlen entsprechen der Zuteilung während der letzten Rationierungsperlode, lassen also die für den August gen als Arbeitsinstrument benützen müssen. Anderseits aber vermochte man sich bei der Sektion für Kraft und Wärme der Erkenntnis nicht zu verschliessen, dass auch die Kategorie D Arbeit für das schWer darniederliegende Autogewerbe schafft und die Gästwirtschaft befruchtet, ganz abgesehen von dem Interesse, das ihr die Kantone aus finanziellen Gründen entgegenbringen. Ueberlegungen dieser Art waren es, welche die eingetretene Reduktion erkennen.) Dringlich- Quantl- „ . keiti- titt, MotoMMeUtune (Steuer-PS): kit*(ori* katecoria Wl 7 > s ps 7,51-15,5 PS 15,51 p* o. meb Liter Benzin 1' 60(100) 85(145) (50+35) 100(180) (50+50) 2 50 (85) 70 (120) 85 (155) (35+35) (50+35) 3 40(70) 60(100) 70(130) (35+35) A 4 30 (50) 40 (75) 50 (95) 5 20 (35) 30 (50) 35 (65) 6 15 (25) 20 (35) 25 (45) 7 15 (20) 20 (30) 25 (35) 1 40 (70) 60(100) 70(130) (35+35) 2 30 (50) 40 (75) 50 (95) B 3 20 (35) 30 (50) 35 (65) * 15 (25) 20 (35) 25 (45) 1 30 (50) 40 (75) 50 (95) 2 20 (35) 30 (50) 35 (65) 3 15 (25) 20 (35) 25 (45) 4 15 (20) 20 (30) 25 (35) zuständigen Stellen dazu bewogen, ihre früher ins Auge gefassten Pläne einer gänzlichen Streichung der Kategorie D einstweilen noch fallen zu lassen. Die Benzinmenge, welche sie verbraucht, spielt, wie bereits angedeutet, eine untergeordnete Rolle, so dass die Behörden ihren Entscheid auch nach diesem Gesichtspunkt glauben verantworten zu dürfen. (Schluss Seite 2.) In dieser Nummer: Warenanhänger an leichten Motorwagen Vorteile des Anhängerbetriebs Als am 19. April .1940 der Bundesrat seinen Beschkss über die Zulassung von einachsigen Anhängern zum Gütertransport an leichte Motorwagen fasste, konnte er ebensowenig wie jemand anders voraussehen, dass unser Land innert weniger Wochen auf striktestes Haushalten mit allen Importgütern angewiesen wäre. Haushalten heisst keineswegs, den Verbrauch irgend eines Gutes auf ein Minimum zu reduzieren, sondern aus seiner Verwen- 25 20 15 •o «a so 10O 120 ... Wird darum in der Praxis keinen nennenswerten Mehrverbrauch an Brennstoff im Gefolge haben ... dung ein Maximum an wirtschaftlichen Leistungen zu ziehen. Haushalten soll die geschäftliche Tätigkeit, die persönliche Initiative und die Möglichkeit der Leistung keineswegs beeinträchtigen oder gar unterbinden. Mit dem Brennstoff haushälterisch umgehen, will einfach sagen, in jeder Arbeitsstunde des Motors ein Höchstmass von Menschen und Gütern zu transportieren. Die ».. Man denke an den Maler... Wiederbelebung unseres wirtschaftlichen Lebens kann nur dann von Erfolg gekrönt werden, wenn alle vorhandenen Energien die Möglichkeit haben, sich in Handel und Wandel zu entfalten, denn der Wohlstand des Ganzen setzt sich letzten Endes aus der schaffenden Tätigkeit des einzelnen zusammen. Das Problem Hegt darum weniger in einer möglichst weitgehenden Einschränkung des Verbrauchs aller Waren, die gegenwärtig nur schwer zu ersetzen sind als darin, aus ihnen einen höchsten Nutzwert zu erzielen. In diesem Lichte betrachtet, gewinnt der genannte Bundesbeschiluss besonders unter den gegenwärtigen Verhältnissen erklecklich an Bedeutung, ermöglicht er doch dem Besitzer eines Personenwagens von wenigstens 1200 kg Gewicht und 10 PS, einen Anhänger von mindestens 500 kg mitzufahren. Wiegt der Zugwagen mindestens 1800 kg, so darf sich die angehängte Gesamtlast sogar auf 1000 kg belaufen. Allerdings mag es auf den ersten Blick scheinen, als ob ein Motor, der nebst dem Eigengewicht des Wagens noch einen Anhänger von 500 kg zieht, unter sonst gleichbleibenden Umständen mehr Brennstoff verbraucht — so gut wie ein schweres Fuder Heu zwei Pferde benötigt, während ein leichtes durch ein einziges ohne Schwierigkeit « gemeistert » werden kann. Doch auch hier greift die Praxis vermittelnd und ausgleichend in die Theorie ein. Der Brennstoffverbrauch ist nicht allein abhängig von dem beförderten Gesamtgewicht, sondern, wie wir in unserer Nummer vom 2. Juli ausführlich dargelegt haben, ebenso von der Fahrgeschwindigkeit. Wenn ein Personenwagen bei 40 km/h 9 Liter, bei 80 km/h aber 12 Liter Brennstoff verschlingt, kann der Verbrauch eines Wagens mit Anhänger am einfachsten dadurch eingeschränkt werden, dass das Tempo auf das rationellste Niveau reduziert wird. Diese Verlangsamung wird schon deshalb mit fast automatischer Sicherheit eintreten, weil das Lenken eines solchen «Anhängerzuges» mehr Vor- und Umsicht erfordert, als dies bei einem einfachen Wagen der Fall ist. Die Benützung eines Personenwagenanhängers wird darum in der Praxis keinen nennenswerten Mehrverbrauch an Brennstoff im Gefolge haben. Soll der Personenwagenanhänger den Lieferwagen ersetzen ? Dies dürfte kaum auf breiterer Basis eintreten. Der moderne Lieferwagen steht in bezug auf Leistungsfähigkeit und Brennstoffersparnis dem « Personen- wagenzug» in keiner Weise nach, ist ihm aber, was die Zweckmässigkeit der Karosseriegestaltung und die Manövrierbarkeit im Verkehr anbetrifft, im Gegenteil überlegen. Dagegen lässt sich ohne weiteres annehmen, dass dieser oder jener Automobilbesitzer, der einen «ausgelaufenen» Lieferwagen ausschalten .muss, die Anschaffung eines neuen auf später verschiebt und sich vorübergehend mit einem Anhänger begnügt. Auch als Ersatz für requirierte « Camionnetten » dürfte der Personenwagenanhänger nützliche Dienste leisten. Dies um so mehr als die Kosten ...So wird mancher Dekorateur gerne von der sich bietenden Gelegenheit Gebrauch machen ..,