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E_1940_Zeitung_Nr.034

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BERN, Dienstag, 20. August 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: AwgalM A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erseheint Jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Portcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevu«, B«ra Geschäftsstelle Zürich: Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di* •ebtCKpalteoe 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum Grössere Inserate nach Spezlaltarif Iuaratcnseblnf* 4 Ine vw Erscheinen der Hammer iTreibstoffeinfah r - Probleme Der Donauweg noch am günstigsten Man spricht kein Geheimnis aus, wenn man behauptet, dass die Schweiz heute für ihre Versorgung mit Treibstoffen in erster Linie auf Bezüge aus Rumänien angewiesen ist, denn die Zufuhr von aussereuropäischer Ware bleibt zurzeit praktisch gesperrt. Wie aber das Benzin aus Rumänien hereinbringen ? Der Massentransport per Schiff wird durch die Mittelmeerblockade erschwert und wir müssten den Transit von den englischen Behörden zugestanden erhalten. Das ist denn auch versucht worden, bisher leider ohne Erfolg. Was die Bahnbeförderung anbelangt, so gestaltet sie sich nicht nur sehr kostspielig, sondern sie erfordert für dermassen lange Strecken auch eine Zahl von Kesselwagen, die wir nicht besitzen. Hinzu kommt, dass sich die direkte Einfuhr durch Jugoslawien und Italien bei der geringen Dichte des jugoslawischen Eisenbahnnetzes nur langsam abzuwickeln vermag. Bleibt somit als letzter Emfuhrwe:g die Donau. Zugegeben, wir müssen dabei mit der Vereisung rechnen, die indessen auch in strengen Wintern kaum länger als vom Dezember bis in den April hinein dauert. Man sollte also, sofern es uns gelingt, die nötige Anzahl von Schleppkähnen zu beschaffen, annehmen dürfen, dass sich der Erschliessung einer Zufuhrlinie via Donau bis' Regensburg — sie ist bis dorthin für Schlepper von 60—90 Tonnen schiffbar — keine unüberwindliche Hindemisse in den Weg stellen. Von Regensburg sind es kaum mehr 200 km •bis zur Schweizergrenze, was selbst dann, wenn uns für diese Transporte nur einige Hundert Zisternenwagen, d. h. lediglich ein Teil unseres Gesamtbestandes an solchen zur Verfügung stände, einen flüssigen und raschen Verkehr zwischen der Donau und unserm Land gestatten würde. Wohl hatte Deutschland seit dem Mai den IWarentransit Richtung Schweiz unterbunden, aber mit dem Handelsabkommen, das kürzlich zwischen dem Reich und der Eidgenosisenschaft in Berlin abgeschlossen worden ist, fällt dieses Hemmnis nunmehr dahin. Auch wenn, wie man hört, der Regensburger Hafen überlastet ist, bestehen angesichts des freundschaftlichen Geistes, worin die Han- «delsvertragsbesprechungen verliefen, vielleicht doch gewisse Aussichten dafür, dass rwir Erleichterungen für den Umlad und Ab- transport unseres Treibstoffes zugestanden erhalten. Die einzige Schwierigkeit besteht somit noch in der Frage der Schaffung einer ausreichenden schweizerischen Donauflötte. Rücksichten handelspolitischer Natur verbieten es uns, mit Ziffern aufzuwarten, aber soviel kann gesagt werden, dass die Zahl der uns zur Verfügung stehenden Schleppkähne gering ist. Ob es aber über unsere Kräfte geht, bei einem der Donaustaaten den nötigen zusätzlichen Frachtraum zu chartern ? Ein Versuch nach dieser Richtung hin sollte jedenfalls unternommen werden. Allerdings würde das Fassungsvermögen dieser Kähne, das 20—40 Tonnen beträgt, die Charterung einer gewissen Anzahl solcher Schiffe bedingen, um die Treibstoffeinfuhrlage für uns einigermassen erträglich zu machen. Wir können daher nicht besser schliessen als mit den Worten, welche Lloyd George als Premierminister während des letzten Weltkrieges vor dem House of Commons aussprach: •• «Unser Wohl liegt in drei Worten eingeschlossen. Das erste davon heisst'. Schiffe !, das zweite : Schiffe ! und das dritte : Schiffe !* Auto und Fahrrad. - Wieviele Passagiere dürfen neben dem Fahrer sitzen? (Aus dem Bundesgericht.) Nach Art 25 Absatz I des Motorfahrzeuiggesetzes soll der Lenker sein Fahrzeug ständig beherrschen und die Geschwindigkeit den Strassen- und Verkehrsverhältnissen anpassen. Diese Anpassung an die Verkehrsverhältnisse spielt auch in den Beziehungen zwischen Automobilisten und Radfahrern eine wichtige Rolle. Auf der von Bern nach Schwarzenburg führenden Strasse wollte am 14. August 1939 gegen Mitternacht ein Automobilist beim Liebefeld einen Radfahrer überholen. Ais er sich ihm bis auf 30—40 m genähert hatte, gab er ein Lichtsignal, nahm das Gas weg und wollte, ohne zu bremsen, in weitem Seitenabstand vorfahren; der Radfahrer, der vorher in der Fahrt. geschwankt hatte, bog im gleichen Moment links ab, ohne ein Richtungszeichen gegeben zu haben. Die Folge war ein Zusammenstoss, bei dem der Radfahrer getötet wurde. Das Berner Obergericht (II. Strafkammer) verurteilte den Automobilisten wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung von Art. 25 MFG zu 14 Tagen Gefängnis unter Gewährung des bedingten Straferlasses. Es hielt zwar dafür, das Tempo von 60 km sei angesichts der günstigen Strassenverhältnisse nicht zu rasch gewesen, erblickte aber ein Verschulden darin, dass der Angeklagte wegen der unsicheren Haltung des Radfahrers nicht gebremst und auf das Ueberholen vorläufig verzichtet habe. 1 In seiner letzten Sitzung hat der Kassa- tionshof des Bundesgerichts in Gutheissung einer vom Automobilisten eingereichten Nichtigkeitsbeschwerde diesen freigesprochen. Erfahrungsgemäss pflegt ein grosser Teil der Radfahrer bei der Fahrt zu schwanken und es kann dem Lenker eines Motorfahrzeugs 'nicht zugemutet werden, dass er in allen solchen Fällen die Bremsen betätige und auf das Vorfahren verzichte. Der Wagenlenker hat, da der Radfahrer kein Richtungszeichen gab, den •, Verkehrsverhältnissen genügend Rechnung getragen, indem er das Gas wegnahm und beim Vorfahren einen erheblichen Seitenabstand wahrte. Mit einem plötzlichen Richtungswechsel des Radfahrers brauchte er nicht zu rechnen. Ein Automobilist wurde vom Polizeirichteramt Zürich mit 5 Fr. gebüsst, weil bei einer Fahrt durch die Stadt Zürich neben ihm sein 27jähriger Sohn Platz genommen hatte undauf dessen Knien seine 13jährige Tochter sass. Die Busse wurde in Anwendung von Art. 52 Absatz 1 der Vollziehungsverordnung zum MFG ausgesprochen: « Neben dem Führer dürfen nicht mehr Personen Platz nehmen als Plätze vorhanden sind.» Das Bezirksgericht Zürich sprach dagegen den Autofahrer frei mit der Begründung, es liege hier kein Verstoss gegen Art. 52 MFVo vor, denn diese Vorschrift sei nur dann verletzt, wenn die Gegenwart einer überzähligen Person auf Und die Rationierung im September? Streichung der Kategorien C und D? Mit dem Eintritt des Monats August in sein letztes Drittel war für uns der Zeitpunkt gekommen, um uns nach der Septemberrationierung für Personen- und Lieferwagen za erkundigen. Die Veröffentlichung der Litertafeki in der vorliegenden Nummer muss jedoch leider unterbleiben, denn unsere Anfrage bei den zuständigen Amtsstellen hat ergeben, dass man dort zurzeit noch gar nichts darüber zu sagen vermag. Immerhin", greifbare, positivei Anhaltspunkte für eine Besserung der Zuteilung scheinen momentan nicht vorzuliegen, denn der Einfuhr stellen sich, nach den Aussagen der kriegswirtschaftlichen Instanzen, denn der Einfuhr stellen sich nach den Aussagen der kriegswirtschaftlichen Instanzen nach wie vor Schwierigkeiten entgegen. Unter diesen Umständen bleibt der Sektion für Kraft und Wärme nichts anderes übrig, als für den September die Streichung der Dringe Hchkeitskategorien C und D ins Auge zu fassen. Immerhin ist ein endgültiger Entscheid darüber noch nicht getroffen; bessert sich die Einfuhrsituation in den nächsten Tagen noch, so hofft man, auf eine solche Massnähme verzichten zu können. dem Führersitz den Lenker an der. sicheren Führung des Wagens hindere; dies treffe aber hier nicht zu, denn das Mädchen habe nicht auf dem Wagensitz, sondern auf den Knien seines Bruders Platz genommen. Gegen diesen Freispruch reichte das Polfzeirichteramt Nichtigkeitsbeschwerde ein und der Kassationshof des Bundesgerichts hat den Prozess zur Bestrafung des Fahrers an das Bezirksgericht zurückgewiesen. Entscheidend für die Auslegung von Art. 52 ist dessen Zweck : der Fahrer darf nicht an der sicheren Lenkung des Fahrzeugs behindert wer* den. Eine solche Behinderung liegt nicht nur dann vor», wenn zu viele Personen auf dem Führersitz Platz nehmen, sondern auch dann, wenn eine überzählige Person auf den Knien des Nebenmannes sitzt, I denn dadurch wird der für die Bedienung des* Wagens nötige freie Ausblick des Fahrers»; nach beiden Seiten beeinträchtigt. Es han-i delt sich daher in der Tat um eine Verletzung der Verordnungsvorschrift. Wp. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 36. Fortsetzung Elses Stimme hellt sich auf: < Ach Sie sind's ? Sie wollen woh! meinen (Bruder sprechen ?... Der kommt gleich zu Tisch nach Hause... ich kann ihm gern tfctwas ausrichten, Fräulein. > Gerda ist so aufgeregt, dass sie hinein- Schreit: < Gnädiges Fräulein...! Ich weiss näm- Ilch... Der Alfred hat telegraphiert...! Ich iweiss, wo Ihr Herr Vater sich aufhält! » Nun ein Schrei auf der andern Seite der Leitung: «Fräulein Manz!..* Fräulein Manz, Sie müssen sofort zu uns kommen ! Sofort!... Nehmen Sie sich ein Auto ! » Gerda nimmt ein Auto. Wenige Minuten später steigt sie vor der Römerschen Villa aus. Else steht bereits im Garten. Schmal und iblass in ihrem schwarzen Kleid. Sie kommt Gerda entgegen. Nimmt sie bei der Hand. Zieht sie ins Haus. «Kommen Sie, Fräulein !.-•* Kommen Sie ... Mein Bruder hat gerade vor ein paar Tagen ... gerade am Tage, bevor Mutter... da hat er von Ihnen gesprochen... Ich wollte Sie schon mal besuchen... aber es ist alles so schrecklich jetzt... so entsetzlich traurig... Und dann kommen immerzu Herren von der Behörde wegen dem Ehevertrag und der Erbschaftssteuer, und Vater... Und wir wissen doch nicht...» Gerda ist, als genese sie von schwerer Krankheit. Else drückt sie in einen Korbstuhl auf der Terrasse, schliesst die Tür zum Esszimmer : « Also, bitte... bitte, sprechen Sie ! » Gerda zieht das Telegramm aus der Tasche. «Da!» Else liest. Dann steht sie auf, nimmt Gerda, ohne ein Wort zu sagen, den Hut vom Kopf, trägt ihn in die Diele. Setzt sich wieder, sagt: « Nun wollen wir warten, was der Hans sagt. > Else und Gerda sprachen dann kein Wort mehr. Nach einer halben Stunde kommt Hans Römer. Er sieht wie gealtert aus, mit verquältem Ausdruck im Gesicht. Else geht dem Bruder entgegen. < Fräulein Manz briogtnNachricht vom Va-n ter ! !... Er ist in Südfrankreich ! In Grasse! » Nun liest Hans das Telegramm. Er faltet es zusammen : « Da muss etwas geschehen. » « Ja ! > wiederholt Else. « Da muss "etwas geschehen! » « Erst wollen wir essen », sagt Hans Römer. Er hat wieder die Haltung und Selbstbeherrschung des Vaters. Die drei jungen Leute setzen sich an den grossen Tisch. Sie sprechen vom Wetter, von der allgemeinen Wirtschaftslage, von den nächsten Ozeanflügen, denn der Diener bleibt die ganze Zeit im Zimmer. « Den schwarzen Kaffee in das Bibliothekzimmer ! Dann sitzen sie in der Bibliothek. Rauchen alle drei. Schweigen alle drei. Die beiden jungen Mädchen fühlen, dass Hans Römer sich einen Plan zurechtlegt, und wagen kaum zu atmen. Nach der zweiten Zigarette sagt er : « Wenn es Ihnen recht ist, Fräulein Manz, dann können wir heute abend fahren. » « Fahren ?... » Gerda starrt Hans Römer an. Else hat verstanden. .Sie nickt. «Ja. Das ist das einzig Richtige!...* Selbstverständlich hinfahren. Fräulein Manzr hat meine Grosse. Ich lasse ihr meine KleH der in meinen Koffer packen... Ist wahr-» scheinlich eine tolle Glut da unten jetzt!..» Also, möglichst weisse Kleider... Du kannst ja immer noch was dazukaufen, Hans* unten.» i] Else verlässt das Zimmer. Gerda bleibt allein mit Hans Römer, deß Elses Fortgang nicht einmal gemerkt hat. Alles dreht sich vor Gerda. Ja. Jetzt hat auch sie verstanden. Sie begreift, dass sie mit ihm verreisen soll. Mit Hans Römer. Allein mit ihm. Heute abend. Der Gedanke ist unheimlich schön. Es ist überwältigend. Aber, sie fühlt, dass sie nichts verraten darf vom dem, was sie bewegt. Hans Römer sagt: i « Sie werden sich in Grasse mit Ihrerrtj Verlobten in Verbindung setzen. Aus ihn» herausbringen, wo ich meinen Vater finde* Ich werde dann... > Ein harter, unnachsichtiger Zug legt sich um seinen Mund: « wift fahren zu dritt zurück ! » |j Gerda springt auf: «Ich habe ja einen Pass 1 Ja, einen PasS hab ich schon ! » « Na, dann ist's ja gut! », sagt Hans Rö* und lächelt:-~» diese Uoibändigkeit, diese]