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E_1940_Zeitung_Nr.034

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BERN, Blenstag, 20. August 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 34 £ßߣ £RI£££ Ausgesucht und zusammengestellt von Urs Butz Eine gewisse Emma Krüger, 21 Jahre alt, liegt im Spital. Gewesene Blinddarmoperation, Die Wunde heilt nicht richtig. Man kann den Fadenschlag noch nicht herausziehen. Zur Beruhigung der Leser sei's gesagt: Schmerzen hat die Emma Krüger keine. Es ist ihr nur furchtbar langweilig. So im Spital. So im Bett. Und sie freut sich über jeden Brief, den ihr der sonnig weibliche Briefträger in Krankenschwestertracht ans Krankenlager bringt. Der Briefträger hat zu tun. Der Vater schreibt: Liebe Emma! Mutter wird Dir erzählt haben, weshalb ich am Sonntag nicht komme. Schliesslich brauchst Du ja nicht jeden Sonntagnachmittag Deinen Vater am Bett sitzen haben. Nicht? Aber das Wetter ist zu schön. Und wie Du mich kennst, muss auch ich mal frische Luft schnappen. Das, was man im Bureau — ich schreib's immer noch so, obwohl Ihr moderne Junge «Büro» tippt! — also im Bureau ist eine Luft, die mit Messer und Gabel zu gemessen wäre, wenn man schon von Genuss reden könnte. Falls Du dieses Gekritzel nicht richtig lesen kannst, soll es Mutter vorlesen. Ich liege nämlich auf meinem Bauch, auf der Decke, und die Sonne brennt mir die beiden Pickeln auf den Schulterblättern richtig aus. Es ist so herrlich Wer, liebe Emma. Nicht von wegen dem Familienbad — so was macht Deinem alten Vater keinen besonderen Spass mehr —, sondern weil alles so sauber ist und so warm und so richtiger Sommer, weisst Du. Du dauerst mich gewiss im Bett, aber schliesslich kannst Du ja den Sommer über noch genug baden gehen, während ich mit Muttern im Wald herumstoffeln muss. Wie wäre es übrigens, wenn Du mal gelegentlich Deine Mutter gleichfalls zum « Sonnenbad» bekehren könntest? Ich sage ausdrücklich «Sonnenbad*, denn ins Wasser wird unser gutes Muttchen vor allen Leuten nie und nimmer klettern. Stelle Dir nur vor: Die ganze Familie im Familienbad — wo sie allein schon dem Namen nach hingehört! Grossartig, nicht? Soeben stach mich eine frühzeitig aus dem Ei geschlüpfte Mücke. Nicht fest, nein. Sie ist noch zu jung dazu und hat wohl von zu Hause nicht die richtige Erziehung genossen — wie Du, zum Beispiel. Was Du stechen könntest, wenn Du eine Mücke wärst, liebe Emma! Ich kann mich selbst sogar als weissbebarteter Mückerich vbrstellen. Denke jetzt nur nicht, dass mich die Sonne ein wenig zu heftig brennt. Es ist wirklich nicht die Sonne, sondern nur die Freude, hier sein zu dürfen. Bald wage ich mich zum drittenmal — jawohl, zum drittenmal — Du hast ganz richtig gelesen! — ins Wasser, denn es ist ganz verteufelt heiss. Halt — hüp, na, also, so was: Da sprang ein Fräulein direkt über mich und kratzte mich mit einer Zeh. Sie gleicht Dir ein wenig, nur trägt sie ein grünes Badekleid. Grün passt doch nicht für junge Mädchen! Oder? Ich weiss da in Modesachen nicht richtig Bescheid. So, Enrma, es ist zu heiss, Auf ins Wasser! Ich stecke gleich den Bleistiftstummel weg, reiss* die Blätter aus dem Notizbuch und schicke es Dir mit den besten Gesundheitswünschen. Das nächstemal, wenn's schön ist, badest auch Du mit Deinem Vater. Ich sagte doch: Der Briefträger hat zu tun! Die Freundin schreibt: Du, Emmi, gestern waren wir im Strandbad. Tadelloses Wasser, 18 Grad — hiess es, es waren vielleicht nur 17 —, die Wiesen frisch grün, noch wenig, aber vornehme Leute. Vornehm? Nun ja doch, nicht die grosse Volksmenge, die Du auch nicht gerne hast. Wir haben Ball gespielt, Trudi, Alice, Erna und ich, da kamen vier Typen, Studenten, stellte es sich nachher heraus, quasi akademische Sportler — die haben das Spiel richtig organisiert! Herrlich war's! Einer hat sich nach Dir erkundigt. Mit dem Vornamen heisst er Max. Den andern Namen hat er nicht gesagt. Gross, blond, Leberfleck unterm rechten Knie. Kennst Du ihn? Er behauptete, er habe uns mal zusammen im Kino gesehen und Du seiest ihm gleich aufgefallen. Siehst Du, was Du Glück hast! Schade, dass er manchmal, wenn er in die Weite schaut, etwas schielt Vielleicht gefällt Dir das. Du, Deinen Vater habe ich auch gesehen. Urkomisch! In gestreiften Badehosen. Er lag auf dem Bauch und kritzelte heftig in seinem Notizbuch. Wetten, dass er den Zins von soundso viel tausend Franken in 456 Jahren ausrechnete. Mit dem linken Fuss kratzte er sich an der rechten Wade! Gott, haben wir gelacht! Eine war da, Emmi, die wollte ihr neues Strandpytsch in Freiheit dressiert vorführen. Hinten nichts bis ans Kreuz, vorne wenig, aber von «Herzen» — in rosarot, stell Dir mal vor! — und dann Emmi, leg die Hand auf die Wunde, dass sie nicht vor Lachen platzt: Shorts, schwarze Shorts! Hat man Worte? Und so etwas nennt sich noch Strandpytsch? Dein Vater hat ihr übrigens lange nachgeschaut. Weil sie vollschlank war. So was lieben ältere Herren. Aber verrate mich nicht. Da mir die Tinte ausgeht, muss ich jetzt leider aufhören. Flirte nicht zu viel mit dem Doktor. Du weisst: Ein Doktor und eine ungebildete Frau vertragen sich nie und nimmer nicht, wie die Bauernregel heisst. Ich umarme Dich und bleibe Deine Freundin Anni. Beinahe übermüdet schleppt sich der Briefträger ins Zimmer 14. Der Freund schreibt: Lieber kleiner Spatz! Das Leben ist eines der schwersten, und daher schicke ich Dir diese paar Blumen und den kurzen Brief. Ich habe nämlich ein ganz klein wenig Angst, Du seiest böse, dass ich am Sonntag allein baden ging. Du darfst aber nicht böse sein. Ohne grosse Uebertreibung, dachte ich sozusagen den ganzen Nachmittag an Dich, und das kam daher, weil ich mir ausmalte, wie es wäre, wenn Du neben mir liegen würdest. Du weisst, dass ich keine Liebesbriefe schreiben kann, und darum sieht es vielleicht plump aus, wenn ich Dir sage, dass ich dachte, dass es viel schöner gewesen wäre, wenn Du bei mir gewesen sein würdest, weil ich dq ganz allein da lag und die Sonne nur auf mich unter schien und ich immer an Dich dachte Du doch im Spital liegst. Wahrscheinlich is Satz ein wenig zu lange geraten, aber Di mich schon verstehen. Von wegen der Blinddarmnarbe brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Meine Schwester hat ja den Blinddarm auch schon draussen, und sie sagt, dass man höchstens noch so eine Art Weihnachtsbäumchen sähe und nicht mehr. Das ist also nicht schlimm, den Weihnachstbaum am Bauch zu haben, und ausserdem deckt ja das Badekostüm die heikle Stelle. Denke nur, im Grunde genommen bin ich fast froh, dass Du mich heute nicht sehen kannst, denn ich habe mich am Morgen beim Rasieren rechts unten geschnitten. Es hat fürchterlich geblutet, und ich musste dreimal einen andern Kragen anziehen. Das viertemal nahm ich dann das Polohemd, aber nicht das dunkelblaue, das Du so gerne hast, sonn dem das schäbige Grüne, aus Baumwollstoff, oder so, was man heute ja nicht mehr trägt. Deine Freundin Anni habe ich auch gesehen. Sie hopste mit andern Mädchen, die ich nicht kenne, und ein paar Boys herum. Es tut mir leid, aber ich fand sie albern wie immer, Du hast so etwas Ruhiges, Sicheres an Dir, was mir so gefällt, wie eine richtige Frau, und nicht wie ein schlecht gebackener Backfisch. Wenn ich so ausrechne, dann komme ich darauf, dass wir in längstens vier Wochen miteinander beraten, in welchem See wir am Sonntag baden gehen. Lieber Spatz! Ich freue mich darauf unsäglich. Du Dich auch? Ich will Dir eine Ueberraschung verraten: Erinnerst Du Dich noch an meine schwarzen Badehosen mit den weissen Streifen auf der Seite? Obwohl sie mir noch ganz gut gingen, waren doch die Streifen gelblich geworden oder auf jeden Fall nicht mehr ganz weiss, trotzdem sie meine Mutter in heissem Wasser auskochte, wurden sie nicht weiss. Darum habe ich mir neue Badehosen gekauft. Du darfst nun bis am nächsten Mittwoch, wo ich Dich um halb ein Uhr besuchen werde, erraten, wie meine neuen Badehosen aussehen. Um es Dir leichter zu machen, füge ich noch bei, dass sie Fr. 6,80 gekostet haben. Spatzi, ich habe Dich lieb, aber verstecke den Brief zu den andern in der Waschkommode, denn meine Liebe geht niemanden was an ausser Dir. Ach, wärst Du doch gesund! Nimm eine Nase voll Duft von den Blumen und einen Kuss von Deinem Peter. Der Briefträger hat den letzten Brief abgeliefert und verschwindet. Und Emma Krüger legt mit glänzenden Augen und sehr zufrieden zwei Briefe auf das Nachttischchen, neben das Wasserglas. Den dritten Briet aber schiebt sie unter das Kopfkissen: Den wird sie später noch einmal lesen. Das Halsband der Königin Zu den grössten Sensationsprozessen der neueren Zeit gehört die berüchtigte Halsbandgeschichte. Sie hat nicht nur eine ungeheure Aufregung bei den Zeitgenossen verursacht, sondern ist auch für die Entwicklung der französischen Revolution von grösster Bedeutung gewesen. Spätere Generationen haben sich immer wieder mit diesem phantastischen Stoff beschäftigt und selbst in neuerer Zeit fand der Prozess eine dichterische Darstellung. Der grösste Erfolg war zweifellos dem französischen Romancier Alexandre Dumas mit seinem Roman: «Das Halsband der Königin* beschieden, wogegen dem Werk Wilhelm Schäfers «Die Halsbandgeschichte» der Vorzug grösserer historischer Treue und der künstlerischen Form zugestanden werden muss. Die berühmte Halsbandgeschichte hatte zwei Voraussetzungen: die Abneigung gegen die Königin Marie-Antoinette, die weite Kreise des französischen Volkes ergriffen hatte und die durch Pamphlete und Karikaturen immer mehr geschürt wurde, ferner den Konflikt zwischen der Königin und dem leichtlebigen, reichen und verschwenderischen Kardinal von Rohan, den man dazu gebracht hatte zu glauben, dass die Königin durch Geschenke — in diesem Falle ein wertvolles Kollier — zu einer freundlicheren Einstellung, vielleicht gar zu einem Liebesverhältnis zu gewinnen sei. Diese Lage wurde durch eine Abenteuerin, die berüchtigte Gräfin Valois de la Motte, zu ihrem Vorteil ausgenützt. Die de la Motte stammte von einem Bastard des Hauses Valois ab und benützte ihre uneheliche Abstammung aus dem ehemaligen französischen Königshause, um eine der grössten Gaunereien in der Geschichte durchzuführen. Im Jahre 1774 hatte die Königin von dem Juwelier Böhmer Ohrgehänge im Werte von 360 000