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E_1940_Zeitung_Nr.036

E_1940_Zeitung_Nr.036

BERN, Dienstag, 3. September 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION; Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222-Postcheck III 414 -Telep-amm-Adresse: Autorevu«, : GcschifUttelie Zürich: LAwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Bk Mhtgvfpaltena 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 JRp, Grfissere Inserate nach Spezlaltarit ImMratcnschluM 4 Tage vor Erseheinen der Ifnramer Grössere Sicherheit im Strassenverkehr Versuch eines Programms der Verkehrsunfallbekämpfung Der heutige Strassenverkehr ist gekennzeichnet durch die starke Zunahme des Fahrradverkehrs. Im Gegensatz dazu nimmt der motorisierte Strassenverkehr infolge der Benzinrationierung rapid ab. Wenn die Einfuhrschwierigkeiten von Brennstoff anhalten, ist damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit die Radfahrer die absoluten Herren der Strasse sind. Es ist anzunehmen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle im ganzen gesehen zurückgehen wird, weil das motorisierte Verkehrsfahrzeug, infolge seiner Schnelligkeit, Schwere usw. ein erhebliches Gefahrenmoment im Strassenverkehr darstellt. Ganz ohne Zweifel werden aber die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fahrrädern zunehmen. Die grösste Gefahr der gegenwärtigen Verhältnisse liegt aber darin, dass wir bei Rückkehr normaler Verhältnisse Hunderttausenden von Radfahrern gegenüberstehen werden, die sich eben., als Herren der Landstrasse fühlen und der notwendigen Verkehrsdisziplin entwöhnt sind. Dazu kommt, dass voraussichtlich der motorisierte Strassenverkehr nach Rückkehr normaler Verhältnisse gegenüber der Vorkriegszeit zunehmen wird. Man wird bestimmt damit rechnen müssen, dass es nach dem Krieg einige hunderttausend Radfahrer, einige tausend Motorfahrzeuge mehr geben wird als heute und vor dem Krieg. Aus dieser Situation ergibt sich heute schon die Notwendigkeit, im Interesse der Verkehrssicherheit alle Konsequenzen zu ziehen und die nötigen Maß- F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 38. Fortsetzung «Andere reiche Leute halten sich einen Rennstall oder eine Hundezucht... mein Freund hält sich einen Zirkus!» hatte die Luchon ihm damals gesagt. «Es macht ihm Spass, brieflich ein bisschen dreinzureden bei der Auswahl der Artisten und die Gastspielorte mitzubestimmen. Lass dir daran genügen, Molignon ! » Molignon. hatte damals in sich hineingelacht. Es machte dieser unbekannten Grosse, dem Direktor, Spass, sich « einen Zirkus zu halten » ? ... Nein! Sich eine bildschöne, dankbare junge [Artistin als Freundin zu halten — das machte ahm Spass ! Darum hatte Molignon damals gezittert — nach Manon Luchons Tod, dass die regelmässigen Zuwendungen aufhören könnten. nahmen zu treffen, um ein starkes Ansteigen der Unfälle zu verhindern. Einige wenige Zahlen mögen zeigen, wie der Fahrradverkehr in den letzten Jahren anwuchs und in welchem Masse das Fahrrad das allesbeherrsehende Verkehrsmittel geworden ist. Zahl der Fahrräder in der Schweiz. Aber sie wurden fortgesetzt!... Das unglückliche Bild mit dem Text in der einen Zeitschrift hatte dann alles wieder in Frage gestellt! Aber nun blieb es, scheint's, doch beim alten — Gott sei Dank ! Seine Gestalt strafft sich. « Wo hast du unsern Freund und Gönner plaziert, mein Kind ? » « Idiot», sagt Madame Juliette. « Staniol ist da !... Staniol, der Vertreter vom Apollokonzern! Er gab seinen Namen an der Kasse an. Er fragte nach dir. Er spricht gut Französisch. Ich wollte ihm einen Ehrenplatz anweisen, aber er sagte : Staniol bezahlt seinen Logenplatz selbst!... Er sitzt— warte mal... ich habe ein blaues Kreuz gemacht, da, wo er sitzt...» Sie entfaltet den angefleckten, eingerissenen Zeltplan, in den sie jeden Tag die verkauften Plätze mit Bleistiftkreuzen eingezeichnet, die sie nach der Abrechnung wieder ausradiert. «Da Loge 6. Den Platz neben ihm habe ich nicht verkauft!... Erzähl ihm die Ohren voll während Renes Auftritt... lenk ihn ab ! Bleib bloss die ganze Zeit bei ihm l»«-.Briag. 1920 426 652 1930 823179 1940 ca. 1370 000 Die Zunahme beträgt von 1020—30 396 527 und von 1930—40 546 821. Neben diesen Zahlen nehmen sich die rund 125 000 Motorfahrzeuge, die wir 1939 zählten, eher bescheiden aus. 1920 fiel auf jeden neunten Einwohner unseres Landes ein Fahrrad, heute aber beinahe auf jeden dritten. Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um den gewaltigen Strassenverkehr, besonders im Hinblick auf die starke Zunahme der Radfahrer, möglichst gefahrlos zu gestalten? Als die vordringlichste Aufgabe aller Bemühungen zur Hebung der Verkehrssicherheit bezeichnen wir die sofortige Anhandnahme der Anlage von Radwegen. Die Erstellung von Radwegen ist eine der wichtigsten Massnahmen zur Unfallfoekämpfung. Wenn die Radfahrer mit ihren leichten Vehikeln die Strassen mit den motorisierten Sie cechtsufÜQe.Munecseestcasse Die Einstellung des den Strassenverkehr stark behindernden Strassenbahnbetriebes zwischen Beatenbucht und Bahnhof Interlaien machte den Umbau des entsprechenden Strassenstüokes erforderlich. Die Geleise sind aus dem Strassenkörper entfernt, und die Strasse ist selbst durch einen soliden Oberflächenbelag sowie durch Korrektion in der Linienführung den neuzeitlichen Verkehrsanforderungen angepasst •worden. Ganz abgesehen von dieser staubigen und mit Löchern reichlich versehenen Teilstrecke war eine durchgreifende Korrektur im Hinblick auf den den Strassenbahnverkehr ersetzenden Autobusbetrieb geboten. Die Teilstrecke zwischen Unterseen und Neuhaus (Bild links) illustriert, einmal mehr die Wünschbarkeit der Trennung von Motorfahrzeugund Fuhrwerkverkehr; denn letzterer nimmt mit seinen Eisenreifen auch die besten auf Gummibereifung abgestimmten Strassendecken viel zu stark in Anspruch. Auf der Hauptstrasse Baden—Zürich (linke Litnmatseite) wurde beispielsweise parallel zu der letztes Jahr erstellten Betonstrasse westlich Dietikon ein Feldweg angelegt, der einzig und allein dem landwirtschaftlichen Fuhrwerkverkehr reserviert bleibt. Diese Lösung hat nicht nur den Vorteil der Trennung von mit recht verschiedenen Geschwindigkeiten sich bewegenden Verkehrsun-d Transportmitteln voneinander, sondern der Feldweg bringt namentlich den Pferden ganz erhebliche Erleichterungen im Gegensatz zum. harten Autostrassenbelag. ihn dann in sein Hotel... dass er nicht rankommt an unsern Clown! Ich klopf heute den Rene heraus... ich bring ihn zum Wagen !... Ach, Molignon, du wirst ja doch wieder alles verkehrt machen...! » Madame Juliette hat es. längst vergessen, dass sie selbst die Aufregungen der letzten Zeit verursacht hat. « Warte doch ! > ruft sie ihm nach. «Der Brief hier... er ist vorhin für dich abgegeben worden.» «Ja?... Gib her»* sagt Molignon. Und beruhigend : « Hab keine Angst wegen Rene ... der schliesst nicht wo anders ab ! Der lässt überhaupt keinen zu Verhandlungen an sich ran ! Der kommt nur zu uns — jeden Sommer! Ich hab ihm sogar vorhin freiwillig versprochen, seine Gage zu erhöhen — ganz beträchtlich sogar. Also — keine Angst! Der macht uns jeden Sommer das Geschäft... bis er alt und klapprig ist! Sprich du nicht soviel auf den Rene ein, wenn du ihn zum Wagen bringst — er liebt das nicht! » Molignon kommt an Henri Rene vorbei, der, abgestorben für alles, was sich um ihn herum begibt, wie gefedert, mit angehobener Fahrzeugen teilen müssen, Mefben sie dsauernd gefährdet, besonders, wenn sie in einer derartigen Unzahl wie heute die Strassen bevölkern. Für einen ersten Ausbau kommen vor allem die Ausfallstrassen von Städten und grössern Ortschaften mit ihrem starken Vorortsverkehr in Frage. Ein Blick auf den Verkehr bei Geschäftsanfang und -schluss in einigen grössern Ortschaften zeigt ohne weiteres, dass die heutigen Strassen, trotz ihrem guten Ausbau, den starken Verkehr nicht mehr bewältigen können. Wenn wir dem sofortigen Bau von Radwegen im städtischen Vorortsverkehr vor allem das Wort reden, so ist dies durch die heutigen Verhältnisse bedingt. Aber auch Ueberlandradwege müssen gebaut werden. Unser Land wird und muss ein Land des Tourismus bleiben, wenn es einen grossen Teil seiner Bevölkerung ernähren will. Wenn die Forderung aufgestellt wird, den Bau von Radwegen grosszügig an die Hand zu nehmen, so müssen wir uns bewusst sein, dass die Terrainverhältnisse unseres Landesi vielerlei Schwierigkeiten bieten und die Radwege nicht überall parallel den Hauptverkehrsstrassen erstellt . -m -%. m -%. ~%, "•."%. Tfc."%, ">,~fc. * werden können. Esi mag dies kein Nachteil sein, sondern aus touristischen und Sicherheitsgründen ein grosser Vorteil. Nebenbei muss auch die Forderung aufgestellt werden, dass die dl* lettantische Anlage von Radwegen, wie sie da und dort zum Schaden der gutem Idee praktiziert wurde, aufhören muss nud! dass die Normalien berücksichtigt werden, wie sie von den Radfahrer-Verbänden in Verbindung mit anderen Interessenten, aufgestellt wurden. Der Bau der Radwege* wird willkommene und volkswirtschaftlich wichtige Arbeitsgelegenheit bringen. Die Finanzierung* des Radwegebaus muss im Rahmen ei-* nes Gesamtarbeitsbe-* schaffungsplanes Ferse, vorgestrecktem Oberkörper, zum dop-* pelten Saltomortale bereit, hinter den Stall-» meistern steht. Molignon drückt sich seitlich' an ihm vorbei, geht langsam am Aussenrand der rot eingefassten Manegebrüstung in der Richtung auf Loge 6 zu. Brausender Applaus umtost ihn: Henr! Ren© ist wie ein Ball in die Manege geflo» gen. Das Feuerwerk seiner Witze prasselt aus dem Sandkreis in das volle Zelt, prasselndes Lachen dröhnt aus dem Zelt zurück Henri Rene niest — ein Knall, der zum Zusammenschrecken zwingt — er hat seine Pistole abgeschossen. Nun wringt er die Gummiposaune aus, in die er hmerageniest hat. Molignon schneidet im Gehen den Brief mit dem kleinen Finger auf: Sehr geehrter Herr Molignon! Nach dem peinlichen Zwischenfall in einem illustrieten Blatt bin ich in Zukunft an Ihrem Unternehmen desinteressiert. Ich bitte das für Ihre Dispositionen in Kenntnis zu nehmen. Hochachtungsvoll Direktor Heinrich Römer. Minutenlang steht Molignon am gleichen