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E_1940_Zeitung_Nr.030

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BERN, Dienstag, 23. Juli 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jährgang — No 30 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Awgmb* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, JährliebFr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION «.ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTu«, Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DI* aebtgafpatten« 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 .Ry. Grössere Inserat« nach Spezialtarif Iaa*r«UnsehluM 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Wenig Neigung zu einer Zollermässigung ? Nach Informationen, die einem Blatt der Tagespresse zugekommen sind, scheint man beim Bund wenig Neigung zu verspüren, der Forderung nach einem Abbau des Benzinzolls Gehör zu schenken. Die Begründung, auf welche sich diese ablehnende Haltung stützt, der Fiskus sei auf den Benzinzoll bereits angewiesen und müsste den Ausgleich für die Einnahmenvermmderung, welche bei einer Zollermässigung zu gewärtigen stände, voraussichtlich in einer allgemeinen Erhöhung der Steuern suchen, offenbart drastisch die Lage, in welche die unaufhörlichen Zugriffe des Bundes auf das Benzin einerseits und die drohende Lähmung des Strassenverkehrs als Folge der Treibstoff-Einfuhrschwierigkeiten anderseits den Fiskus hineinmanövriert haben. Dass er sich sträubt, in den sauren Apfel zu beissen und den Aderlass, den er bisher dem Motorfahrzeug appliziert, an sich selbst vorzunehmen, überrascht weiter nicht. Richtiger und den heutigen Verhältnissen angepasster ist es jedoch, die Sache von der entgegengesetzten Seite her zu betrachten. Dann stellt sich die Frage, Ob der Bund — genau wie die Kantone — nicht selbst ein Interesse an einer vernünftigen Zollbelastung und damit an einem tragbaren Benzinpreis habe, der ihn vor einer Massenabwanderung von der Strasse und, was gleichviel bedeutet, vor einem Einnahmenschwund bewahrt. Dass ein Benzinpreis von 64 Rappen pro Liter die Neigung zum Aufbocken des Fahr- zeugs zum mindesten mächtig anfacht, wenn nicht geradezu erzwingt, darin liegt ein Vorgang von man möchte fast sagen gesetzesmässiger Unabwendbarkeit. Was zuviel ist, ist zuviel; auf eine Ueberspanmmg des Bogens antwortet der Treibstoffkonsument mit der Flucht von der Strasse, weil das krasse Missverhältnis zwischen sinkender Verwendungsmöglichkeit und steigenden Betriebskosten das Fass zum Ueberlaufen und das Fahrzeug auf die Pflöcke bringt. Beim «Stillesitzen» des motorischen Verkehrs kommen jedoch, finanziell gesehen, weder der Bund noch die Kantone auf ihre Rechnung. Hat es auch seine Richtigkeit damit, dass der Benzinzoll heute, beim Preis von 64 Rp., nur noch eine geringere prozentuale Belastung pro Liter ausmacht, so ändert das nichts daran, dass eine fühlbare Senkung manchen davon abhalten könnte, seinen Wagen « einzupökeln >. Aber eine wirklich spürbare Entlastung müsste es sein, um den zwischen Weiterfahren und Nicht-mehr-Fabren schwankenden Automobilisten von • Mutlosigkeit zu befreien und ihn zur Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs zu bewegen, zu jenem Entschluss also, womit nicht nur dem Wunsch jedes einzelnen, sondern ebensosehr auch den wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Notwendigkeiten des Landes gedient wäre. Aus einer geschmälerten Existenzgrundlage der Fahrzeuigbesitzer und der gesamten Autowirtschaft ungeschmälerte Einnahmen herausholen zu wollen, darin läge I eine Fehlspekulation, der die Ernüchterung auf dem Fusse folgen müsste. Entscheidend ist heute für die Wirtschaft, die Landesverteidigung und den Fiskus, dass eine* möglichst grosse Anzahl von Motorfahrzeugen im Verkehr bleiben. Selbst wenn die Treibstoffrationierung die Fahrleistungen einengt, so leidet das Landesinteresse unter dieser Beeinträchtigung noch immer bei weitem nicht so schwer wie im Fall, da auch nur ein Teil unseres Fahrzeugbestandes völlig von der Strasse verschwindet. Können wir es uns leisten, den Puls des motorischen Verkehrs, dessen Schlag ohnehin langsamer geht, weil ausserhalb unserer Einflußsphäre liegende Umstände die Behörden zum schmerzlichen Eingriff der Rationierung genötigt — können wir es uns leisten, diesen Puls noch künstlich weiter dadurch zu schwächen, dass vom Ventil der Zollreduktion kein Gebrauch gemacht wird ? Eine Weigerung des Bundes, die Zollschraube um einige Gänge rückwärts zu drehen, käme einer Aufmunterung zur Stillegung gleich. Das Thema Benzmpreiserhöhung in der kant. Strassenverkehrsliga Zürich Es konnte nicht ausbleiben, dass die schlagartig erfolgte Erhöhung des Benzinipreises von 55 auf 64 Rappen an der Delegiertenversammlung der zürcherischen kantonalen Strassenverkehrsiiga, die am letzten Freitag zusammentrat, den Hauptgegenstand der Beratungen lieferte. Die Massnahme hat bei den zürcherischen Motorfahrzeughaltern starke Mißstimmung ausgelöst, wobei vor allem der Zeitpunkt, die unbefriedigende Auskunft der Bidg. Preiskontrollstelle über die Preiszusammemsetzung, die Nichtberücksiehtigung der Benzinkonsumenten bei der Festsetzung des Preises trotz der früheren Zusicherung und der umsonst erwartete Abbau des verfassungsrechtlich unzulässig hohen Benzinzolls Anlass zu berechtigter Kritik gaben. An einer Besprechung mit dem Präsidenten der Schweizerischen Verkehrsliga in Bern, Herrn Direktor Primault, am 16. Juli wurde bereits von dieser Mißstimmung Kenntnis gegeben, (Forts. Seite 2.) ebenso auch vom Verlangen nach baldiger Stellungnahme der schweizerischen Dachorganisationen Auf Grund von Vorbesprechungen mit dem Präsidenten der Schweizerischen Strassenverkehrsliga, Herrn Direktor Primault, und der dabei erhaltenen Auskünfte fasste die Delegiertenvefsammlung der Zürcher Strassenverkehrsliga einstimmig folgende Beschlüsse über das weitere Vorgehen : 1. Die Schweiz. StrassenverkehrsUga ist zu ersuchen, die Delegiertenversammlunn zur Besprechung des ganzen Problems der Benzinpreisfrage raschestens einzuberufen. Dabei erwartet man eine genaue Ueberprüfung aller Preiskomponenten, da man allgemein der Auffassung ist, dass verschiedene darunter, trotz der eingetretenen Preissteigerungen, eine Senkung sehr wohl ertragen können. Es wird hier etwas im Vollen gerechnet. Ferner ist eine Herabsetzung des Benzinzolls anzubahnen, damit der gegenwärtige Benzinpreis gesenkt werden kann. 2. Durch Entsendung einer Delegation der Einschiessen der Maschinengewehre und der Kanone einer Jagdmaschine Wm3z WSrn^ 1) Für das Einschiessen wird das Flugzeug genau «ins Blei> gestellt und verstrebt (N/S 1158). 2) Der Motor wird durch Pressluft in Gang gesetzt. Im Hintergrund" die Zielscheibe (N/S 1157). 3) Kontrolle der Kanonenachse in bezug auf die Scheibe (N/.S1153). 4) Kontrolle der Maschinengewehrachse in bezug auf die Scheibe (N/S 1141). 5) Je nach den Ergebnissen müssen die Flügel - Maschinengewehre nötigenfalls verstellt werden (N/S 1138). 6) Eines der Maschinengewehre hat geschossen. Rechts oben der Visierpunkt, Unis unten (wohin der Offizier mit der kleinen Kelle zeigt) die Garbe der Trefferpunkte. (Photoa Keche.)