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E_1940_Zeitung_Nr.035

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 27. AUGUST 1940 — N° 35 Ersatztreibstoffe Neuere deutsche Erfahrungen mit Holzgas. Die neueste Nummer der < Motor-Kritik > enthält einen interessanten Artikel über die neuen Erfahrungen und Auesichten des Holzgasgenerators in Deutschland. Danach sind die Vorarbeiten des aus Fachleuten zusammengesetzten Generatorstabes soweit gediehen, dass noch in diesem Jahr weitere 2000 Fahrzeuge auf HoLzgao umgestellt werden sollen, wobei mit einem durchschnittlichen Brennstoffverbrauch von 100 m 3 pro Wagen und Jahr gerechnet wird. In der Entwicklung des Gasgenerators in Richtung auf grössere Brennstoffunempfindlichkeit sind wesentliche Fortschritte erzielt worden, so daes heute, nach Ansicht des Verfassers des fraglichen Aufsatzes, «jede stückige Holzart — Hartholz, Weichholz, eine Mischung beider, ja 60gar ein Gemisch von Holz und Torf» als Betriebsstoff in Frage komnjt und überdies wenigstens eine geringfügige Beimischung von Holzspänen oder Sägemehl möglich ist. (Hiezu muss immerhin bemerkt werden, dass nicht jeder Gasgenerator die gleiche Unempfindlichkeit gegenüber der benützten Brennstoff art besitzt und man sich natürlich im ••praktischen Betrieh streng an die Empfehlungen des Fabrikanten halten muss. Red.) Allerdings enthebt diese grössere Brennstoffunempfindlichkeit nicht von der Vorschrift, dass der Treihetoff durchwegs die gleiche Beschaffenheit aufweist und die Stückgrösse beispielsweise die Dimensionen 50X80 mm nicht überschreiten darf. Es ist vorgesehen, im ganzen Reichsgebiet 3000 Holz-Tankstellen zu errichten und die Betriebe, wo Holzabfälle entstehen, mit Zerkleinerungsmaschinen auszurüsten. Für die Umstellung der Wagen werden nicht rückzahlbare Subventionen gewährt, und zwar im Falle von Dieselwagen 1000 RM. und bei Benzinmotoren 600 RM. Hieran wird jedoch die Bedingung geknüpft, dass der Generatorfahrer sich durch Absolvierung eines Spezialkurses mit der Behandlung der Gaserzeugeranlage restlos vertraut gemacht hat. denn die meisten Misserfolge waren bisher auf falsche Bedienung und Wartung sowie mangelndes Verständnis für die Eigenheiten d.es Betriebs zurückzuführen. Mit einpm Leistungsabfall muss beim Umbau auf jeden Fall gerechnet werden, selbst wenn man bei Vergasermotoren das dort noch zulässige Kompressionsverhältnis von 1 : 8, bei umgebauten Dieselmotoren ein solches von 1 : 9 oder gar 1 :10 anwendet, in welchem Fall besonders wärmefeste Kerzen nötig sind. Im praktischen Fahrbetrieb macht dieser Leistungsabfall gerade ungefähr einen Gang aus. Als Beispiel für die Wirtschaftlichkeit des Holzgasbetriebs gibt der Verfasser die Rostocker Straßeenbahngesellschaft an, die seit geraumer Zeit ihre Wie sich das Ausland hilft 14 Omnibusse ausschlieeslich auf Holzgas umgestellt hat. Bei einer Gesamtfahrstrecke von 926 000 km pro Jahr wurden total 1 927 000 kg Holz verbraucht, so dass sich Brennstoffkosten von 64 000 RM. gegen 320 000 RM. bei Benzinbetrieb ergaben. Interessant sind ferner die Hinweise auf die Bestrebungen zur vermehrten Anwendung von Holzgas in den waldreichen Nordländern. In Norwegen wurden verschiedene Gaserzeuger- Modelle für Holz und Holzkohle vom. staatlichen Ausschuss geprüft. Mit den zugelassenen Typen sollen noch im Laufe dieses Jahres 3000 Wagen ausgestattet werden. In Schweden hat eine Fabrik bereits eine umfangreiche Serienherstellung von Gasgeneratoren an die Hand genommen. Ausserdem liefert eine schwedische Automobilfabrik ihre Wagen serienmässig auf Wunsch des Kunden mit Gaserzeugungsanlage. Auch in Finnland wird wohl demnächst die Einführung des Gasgenerators durch Gewährung von Krediten an die Verkaufsorganisation erleichtert und beschleunigt werden. Selbst im fernen Brasilien sind Massnahmen zur Förderung des Gasgenerators ergriffen worden. Bundespräsident Vargas ermächtigte das Landwirtschaftsministerium, im Inland hergestellte Gaserzeuger zu erwerben und mit Zahlungserleichterungen weiterzuverkaufen. Diese Angaben zeigen mit aller Deutlichkeit, dass der Betrieb von Motorfahrzeugen mit festen Treibstoffen vielerorts als beste Lösung der herrschenden Schwierigkeiten in der Brennstoffbeschaffung betrachtet wird und die Einführung des Gasgenerators in aller Welt gerade jetzt starke Fortschritte macht. -b- Ersatztreibstoffe in Schweden. Auch Schweden ist ähnlich unserem Land von überseeischen Importen an flüssigen Treibstoffen abgeschnitten. Dank seines Waldreichtunis wäre es jedoch in der Lage, genügende Mengen von Ersatzbrennstoffen zu erzeugen, um damit sämtliche Motorfahrzeuge zu betreiben. An festen Treibstoffen stehen Holzkohle und Holz zur Verfügung, das seit Kriegsbeginn sogar in beträchtlichem Austnass zum Betrieb von Personenwagen dient, nachdem eine schwedische Automobilfabrik einen für solche Fahrzeuge geeigneten, leichten Gasgeneratoranhänger in den Handel gebracht hat Weiter fallen in den mit der chemischen Verwertung des Holzes beschäftigten Fabriken grössere Mengen an flüssigen Ersatztreibstoffen an, wovon vor allem der Holzalkohol zu nennen ist, von dem Schweden in den existierenden Anlagen jährlich 120 Millionen Liter erzeugen könnte. Daneben wird von der erfolgreichen Verwendung von Terpentinöl als Ersatzbrennstoff berichtet, das ebenfalls ein Nebenprodukt der holzverarbeitenden Industrie darstellt Schliesslich verfügt Schweden noch über ausgedehnte Lager von Oelschiefer, die bisher nicht ausgebeutet wurden. Er soll einen ähnlich hohen Oelgehalt besitzen wie der estländische Oelschiefer und wird daher als wertvolle Treibstoffreserve für Notzeiten betrachtet, -b- Finnische Versuche mit Torf-Hydrierung. Die finnische Regierung lässt seit einiger Zeit Versuche durchführen, die darauf abzielen, auf dem Wege der Hydrierung der vorhandenen grossen Torflager Betriebsstoffe und Oel zu gewinnen ...und wir? Unfug in der Propagierung von Ersatzbrennstoffen. Die rasche Umstellung eines Teils unserer Motorfahrzeuge auf inländische Ersatztreibstoffe ist für unser Land von allerhöchster Bedeutung. Infolgedessen befasst sich natürlich die Fachpresse sehr eifrig mit diesem Thema. Leider müssen wir konstatieren, dass dabei auch bedauerliche, journalistische Exzesse vorkommen. So ist es offenbar vom technischen Standpunkt ein Unfug, wenn in einem Fachblatt gemeldet wird, man könne mit einer bestimmten Menge eines Betriebsstoffes 1 Liter oder unter günstigen Umständen gar 1 kg Benzin ersetzen, obwohl eine kleine auch dem Laien mögliche Nachrechnung ergibt, dass der fragliche Treibstoff nicht einmal 4000 KGal produziert gegenüber den 8250 KCal von 1 Liter oder 11000 KCal von einem kg Benzin. Man fühlt sich in jene Zeiten zurückversetzt, wo eine ähnliche Unsitte, wenn auch nicht in diesem besonders bedenklichen Ausmasse, bei der Propagierung von Benzin-Sparmitteln « gang and gäbe» war. Diesem Spuk hat die Eidg. Materialprüfungsanstalt durch den Mund D-ires Herrn Dr. Brunner erfreulicherweise endgültig einen Riegel gestossen. Um so bedauerlicher wäre es, wenn nun ähnliche Methoden auf dem Gebiete des Ersatzbrennstoff-Wesens um sich greifen sollten. Was heute nottut ist nicht eine Verneblung des Terrains, sondern ein klarer Blick für die technisch richtige Lösung. -b- Von der Entdeckung grosser Oelvorkommen in der Gegend von Sirt (Türkei), die angeblich zur Deckung des gesamten türkischen Bedarfs ausreichen werden. Das Oel soll in einer Tiefe von 1040 m liegen. Von einem Schloss, das erlaubt, gleichzeitig den Zündstrom und die Brennstoffzufuhr zum Vergaser zu unterbrechen. Hiedurch wird ein besonders guter Schutz gegen Diebstahl geboten, weshalb der Einbau dieser Vorrichtung jetzt in Engtand als Sicherungsmassnahme gegen Fallschirmjäger empfohlen wird. Dass nach einer New-Yorker Meldung einer tschechischen Firma durch das deutsche Heer angeblich 3000 Wagen mit leichter, äusserlich an Panzerwagen gemahnender Karosserie in Auftrag gegeben worden seien. Diese Fahrzeuge sollen nach den gleichen Angaben mit Heulsirenen ausgerüstet sein und offenbar dem Zweck dienen, Verwirrung zu stiften. Von einem neuen Brennstoffsparer, der den Brennstoffverbrauch bei Talfahrten oder sonst, wenn immer der Motor bremst, vollständig ausschaltet, indem sich dann auf mechanischem Weg ein Luftventil öffnet, welches das Saugrohr des Motors mit der freien Atmosphäre verbindet. Dadurch wird der Vergaser von selbst ausser Aktion gesetzt und der Brennstoffkonsum hört auf. Wir beschrieben vor längerer Zeit einen anderen Brennstoffsparer, wobei die gleiche Wirkung vermittelst eines elektrisch gesteuerten Luftventils erreicht wird. Dass in Russland neuerdings an Stelle des Normalbenzins 3 verschiedene Benzinsorten fabriziert werden, wovon die eine besonders für den Sommer, eine zweite für den Winter und 'die dritte für Sommerbetrieb in den südlichen Gebieten der Sowjetunion bestimmt ist. Hiedurch dürften sich gewisse Einsparungen an Benzin erzielen lassen, da voraussichtlich das Winterbenzin bei kaltem Wetter geringere Kondensationsverluste ergibt Motorwagenfabrik ßerna AG., Ölten S-Tonnen-Lastwagen, der mit einem „Carbusol"-Holzkohlenvergaser ausgerüstet ist. Als Brennstoff dient „Carbonite" Die Holzkohlenvergaser CARB USOL für Personen- und Lastwagen jeder Marke, die mit „Carbonite" (Press-Stücke aus destillierter Holzkohle) betrieben werden, sind die saubersten, technisch vollkommensten und sparsamsten. Keinerlei Teer-, Wasser- oder Säureabscheidung. Ein Motor, der gewöhnlich 20 Liter Benzin pro 100 km verbraucht, benötigt auf 100 km etwa 20 kg Carbonite, wenn er mit einem Holzkohlenvergaser „Carbusol" ausgestattet ist. Daraus ergibt sich eine Ersparnis von ungefähr 40%. BLANC & PAICHE Generalvertrieb für die Schweiz: (Wiederverkäufer Rabatt) RUEDULSMANB GENF Ein Vorführungswagen befindet sich Donnerstag, 29. dies, bei der Service-Station Bundesgasse in Bern.

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