Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.032

E_1940_Zeitung_Nr.032

PJJ AUTOMOBIL-REVUE

PJJ AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 6. AUGUST 1940 — N° 32 hatte auch die Maschinerie Schaden erlitten, und läufiges und mein erstes Automobil ein unrühmes gab dazumal im Lande keinen Mechaniker, der liches Ende, imstande gewesen wäre, die Reparatur zu über- Ich habe hernach noch einige Autos erworben, nehmen. Ich hätte den Wagen nach Deutschland Immer grösser und moderner wurden sie, aber am schicken müssen; das war mir aber zu umständlich glücklichsten hatte mich doch mein erster kleiner und zt» kostspielig. So nahm unser Glück ein vor- Benz gemacht!, Üerlorene ^lumenkinder Das Blumengeschäft ist kein Geschäft für Kriegszeiten. Die Exportmöglichkeiten sind beschränkt, schon aus finanziellen Gründen und ganz abgesehen von den Transportkomplikationen. Aber sieht man von Europa ab und blickt man über die momentanen Schwierigkeiten hinweg, dann ergibt sich, dass auch heute noch die Blumenkinder in der Welt stark geschätzt sind und riesige Preise für gewisse Blumen bezahlt werden. Die höchsten Preise bezahlt man natürlich für jene Blumen, die entweder gar nicht mehr gefunden werden können, von deren Existenz man aber weiss, oder für Blumen, von denen nur die Märchen oder die Legenden gewisser Eingeborener zu berichten wissen. Ein fester Betrag — für ein Wunder. Der höchste im Augenblick ausgesetzte Betrag für eine Blume ist die Summe von 10 000 Dollar, ausgeschrieben für blaue Chrysantheme. Der Preis wurde von einem amerikanischen Millionär festgesetzt, der sich allerdings insofern eine kleine Rückendeckung besorgte, als er sich mit andern Personen, die wie er für die Gartenkultur begeistert sind, zusammenschloss. Der ausgesetzte Betrag ist also gewissermassen die Prämie einer Aktiengesellschaft. Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, dass ein Mensch sich überhaupt für blaue Chrysanthemen interessiert. Aber aus der Geschichte der Blumen ergibt sich, dass ein solches Exemplar einst existierte — und zwar in China und in Japan. Aber an diese blaue Chrysantheme knüpft sich eine seltsame und rührende Geschichte, die Legende von zwei liebenden Herzen, die zugrunde gingen, wegen der blauen Chrysantheme. Die Untat des bösen Shogun. Die alte japanische Geschichte, die sich mit den blauen Chrysanthemen beschäftigt, erzählt, dass einst im Osten von Japan ein böser Shogun geherrscht hatte, der gewaltig stark, aber auch rücksichtslos und grausam war. Eines Tages lernte er eine kleine und zierliche Geisha kennen. Diese war scheinbar in der Lage, sein hartes Herz ein wenig milder und weicher zu gestalten. Sie kam um so eher zu ihrem Erfolg, als sie dem Shogun, der sich bis dahin nur für Schwerter interessiert hatte, die Liebe zu den Blumen beibrachte. Und dann erzählte die kleine Geisha dem bösen Shogun eines Tages von einer blauen Chrysantheme, von der sie geträumt habe. Sofort setzte der Shogun einen grossen Geldbetrag, eine Belohnung für denjenigen aus, der in der Lage sei, eine blaue Chrysantheme zu erzeugen. Aber die japanischen Gärtner, die sonst für ihre wunderbare Arbeit berühmt sind, versagten hier. Aber eines Tages kam die grosse Ueberraschung, als ein junger Chinese auftauchte und seine Dienste als Gärtner anbot, wobei er versicherte, er könne eine blaue Chrysantheme züchten. Wirklich erzielte der junge Chinese durch irgendein geheimnisvolles Rezept seiner Heimat blaue Chrysanthemen. Und mit diesen Blumen gewann er nicht nur die Gunst des Shogun, sondern auch das Herz der kleinen Geisha. Sie kam öfter zu ihm in den Garten, als dies mit ihrem Interesse für die Blumen zu rechtfertigen gewesen wäre. Eines Abends, als sich die Sonne über den Feldern mit den blauen Chrysanthemen senkte, überraschte der böse Shogun den jungen Chinesen mit der kleinen Geisha und wollte einen tödlichen Streich gegen den jungen Chinesen führen. Doch die Geisha warf sich dazwischen tmd wurde gleichfalls von dem Schwert so schwer verletzt, dass sie und der junge Chinese neben dem Feld mit den blauen Chrysanthemen verbluteten. Und in der gleichen Nacht färbten sich alle blauen Chrysanthemen wieder weiss. Seit dieser Stunde aber ist es niemandem mehr auf dieser Welt gelungen, blaue Chrysanthemen zu erzeugen. Auf der Suche nach der schwarzgelben Orchidee. Zahlreiche hohe Geldbeträge sind ausgesetzt für Orchideen. Man kennt ganze Scharen von Abenteurern, die ausziehen, um Orchideen seltenster Art irgendwo in den Dschungeln von Hinterindien, am Fusse des Himalaya, irgendwo in Zentralasien oder in Südamerika zu finden. Mancher Orchideenjäger ist von seiner Fahrt nicht heimgekehrt. Er wurde ein Opfer der Eingeborenen, die ihm nicht glauben wollten, dass er nur gekommen sei, um Blumen,zu suchen. Gelegentlich werden auch andere Blumen gesucht und mit hohen Preisen bezahlt. Während es sich aber bei den blauen Chrysanthemen und bei den Orchideen um Liebhaber-- preise handelt, sind die zuletzt erwähnten Prämien Belohnung der Wissenschaftler, der Botaniker, die eine Pflanze suchen, von der man behauptet hat, sie sei ausgestorben. Erst vor wenigen Tagen wurde auf Hawai eine Expedition ausgerüstet, um aus dem mit Giftgasen geschwängerten Krater eines Vulkans eine mysteriöse Schwertblume herauszuholen, von der man gleichfalls behauptet hatte, sie sei längst ausgestorben. Die Expedition war von Erfolg. Die aufgewandten Kosten hatten sich gelohnt. die T a n z m u s i k v o n h e u t e Viele von uns erinnern sich noch sehr gut, wie wir zur Zeit vor Kriegsausbruch 1914 aus verträumten Walzerzeiten jäh aufgeschreckt wurden, als über Nacht ein neuer Rhythmus die Tanzparketts überfiel. Man sprach von Jazz. Kaum eine andere Musikfrage rief solch heftige Pro und Contra hervor, wie gerade Jazz. Ueber den rein musikalischen Wert der Jazzmusik wird ungewöhnlich verschieden geurteilt. Ein allgemein orientierendes Expose dürfte deshalb willkommen sein, wenn sich der Artikelschreiber, auch nicht anmasst, sein Werturteil über Jazz zu fällen. Das sei dem Leser vorbehalten. Jazz — dieser Rhythmus der noch von so vielen Schweizern als wesensfremd abgelehnt wird, dürfte sehr wohl in seiner ursprünglichsten Form von den Negern herrühren. Und wer schon einmal Bob Engels grossartige Jazz-Parodie «Kannibalen- Mahlzeit» genört hat, wird feststellen können, dass tatsächlich zwischen einer Super-Hotmelodie und Engels Spezial-Arrangement kein grosser Unterschied besteht. Immerhin ist es absurd, Niggermusik und Jazz auf einen Nenner zu bringen. Denn damals, als man noch von Niggermusik sprechen konnte, handelte es sich um Negerchöre, die durch Schlaginstrumente begleitet waren. Das war zu einer Zeit, da die Neger als billige Arbeitskräfte (sie sind es übrigens heute noch) auf den Baumwollplantagen der Südstaaten in den USA ihre Arbeit durch diese Chöre begleiteten. Es wäre primitiv, anzunehmen, dass diese Chormeiodien einfach modernisiert zu Jazzschlagern umgearbeitet worden wären. Bis dahin war es noch ein weiter Autogramm, ein kurioses Ding, denn solange es nicht verlangt wird — von der Masse nämlich — gibt sich der Star konjunktiv alle Mühe, in die Lage zu kommen, Autogramme erteilen zu können, und wenn der Star endlich genötigt ist, sie zu geben, gibt er sich noch die grössere Mühe, um diesen nun schon lästigen Tribut herumzukommen. Kurios, nicht? •Würden wir zu Lykurgs Geldsystem zurückkehren, also zur Münz-Autarkie, hätten wir wenigstens eine Chance, unser «Wipf» auf der Autogrammbörse an erster Stelle notiert zu sehen. So aber wurde unser Hubschmied auf der letzten Autogrammbörse in London — das gibt es auch — überhaupt nicht notiert, denn die Garbo schwang hoch obenaus, und selbst Lloyd George, der doch sehr sparsam war in der Zeichnung seines L. G., landete im Hintertreffen". Das ist übrigens in London wohl die einzige Börse, die sich nicht an Traditionen hält, denn hier werden Boxer, Flieger, Filmstars, Tenniscracks, Gangster und Politiker wild durch einander gerufen, was zur Folge haben soll, dass die beiden letzteren Sorten oft verwechselt werden. Gelten die Autogramme als Gradmesser der Popularität, so sind sie noch leicht zu erhalten. Boxer und Politiker, die sich ihren Ruhm durch «reale» Erfolge schaffen, bereiten schon grössere Schwierigkeiten da sie es vorziehen, ihren Namenszug unter Verträge zu setzen. Brieflich erbetene Autogramme der Stars gibt jedoch nur der Sekretär, was natürlich die Backfische nicht ahnen können, wenn sie das Autogramm im guten Glauben an seine Echtheit ins Tagebuch legen, um es abends unter das Kopfkissen zu nehmen, das Autogramm des Sekretärs. Die Autogrammsammler haben verwandtschaftliche Beziehungen mit den Briefmarkensammlern. Beide gehören In die psychologische Abteilung der sanften Fanatiker, die vom Strassenbahnschafrner an Stelle der Fahrkarte ein Autogramm bzw. eine seltene Briefmarke fordern, was gewöhnlichen Durchschnittsmenschen unverständlicherweise Grund zum Lachen gibt. Alfons Biland. Freilichtspiele Oberhasli, Meinngen. «Sempach». Ein Winkelried-Drama. Durch ihr Jubiläumsspiel «Isen im Für» und die Spiele «En niwwi Zyt» und «Kristall» erwiesen sich die Oberhasler, Autoren wie Darsteller, als echte Gestalter. Massgebende Kritiker bezeichnen die lebensverbundenen Aufführungen als wahre Volkskunst. In gesundem Optimismus bringen die Hasler dieses Jahr das prächtige Spiel «Sempach», vom unsterblichen Winkelried, das Fritz Ringgenberg in diese Zeit hineinsetzt als Mahnung und Gelübde derer, die Sempach nicht vergessen. Ein Spiel von Opfergeist und Wehrwillen. Der historische Schlossgarten dient als Bühne, die Burg Resti als natürlicher Dekor, die herrliche Landschaft als Hintergrund. Landverwachsen ist dieses Spiel und in der Schweiz einzigartig. «Sempach» wurde letzten Winter in Meiringen mit grossem Erfolg mehrmals auf der Bühne gespielt. Dieses Jahr sind als weitere Spieltage der 11. und 18. August vorgesehen. Weg. Doch dürfte hier die ursprünglichste Form der Jazz zu suchen sein. Der Rhythmus wurde nun immer melodiöser gestaltet. Eine nicht unwesentliche, sogar eine Elementarfrage bedeutete die Instrumentalbesetzung und Adolph Sax wäre sicher nicht wenig erstaunt gewesen, hätte er es noch erlebt, dass das von ihm erfundene Saxophon einst eine solche Bedeutung in den modernen Tanzorchestern erlangen würde. Ein Instrument, bei dessen erster pkustischer Vorführung Klassiker interpretiert wurden. Vom Song der Nigger bis zum Foxtrott unserer Tage liegt eine Zeitspanne, die kaum abzumessen ist, deren letzte Jahrzehnte aber die Popularität der Jazz als Tanzmusik unaufhaltsam steigen sahen. Die Frage, wieso Jazz eine derart ungeheure Verbreitung nehmen konnte, ist nicht so leicht abzuklären. Doch dürfte vor allem die Zeit dazu beigetragen haben; denn Amerika, dieses Land, in dem die Städte wie Pilze aus dem Boden schössen, brauchte einen Rhythmus, der seinem Leben entsprach, und dieses Leben hiess Tempo. Nicht unwesentlich war auch die Bedeutung des Schlagers, der erst mit der Jazzmusik aufkam, und sie sehr stark förderte. Zuletzt müssen wir auch noch das vor dem «ersten> Weltkrieg berühmteste Tanzpaar Irene und Vernon Castle, erwähnen, die durch ihre grosse Tanzkunst nicht nur dem Foxtrott, sondern auch dem Tango und andern «Modernen» zu grösster Beliebtheit verhalfen. Da sie hauptsächlich in Paris grossen Erfolg hatten, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die übrigen Vergnügungsmetropolen Europas nochkamen. Heute ist Jazz als Tanzmusik nicht mehr wegzudenken, und alle Gerüchte über einen Rückgang der Jazz sind unwahrscheinlich; denn sie ist der Rhythmus der Zeit, oder denn: wir müssten wieder zu biedermeiern beginnen. In (eder Hinsicht. Alfons Biland. LeEUtiüve Zwei neue Kriminalromane: Percival Wilde, Fahrt ins Nichts («A. M.-Auj* wähl» Bd. 3). Carter Dickson, Der vierte Gast («A. M.-Auswahl» Bd. 4], Beide Albert-Müller-Verlag, Zürich. Dass der Kriminalroman sich gerade in der heutigen Zeit so ausserordentlicher Beliebtheit erfreut, ist sicher kein Zufall: Unsere Nerven werden von den erregenden Tagesgeschehen so rücksichtslos in Anspruch genommen, dass wir auch zu unserer Entspannung stärkerer Wirkungen bedürfen, als sie uns der Durchschnitts-Unterhaltungsroman zu geben vermag. Gerade geistig regsame, kulturell hochstehende Menschen sind es, unter denen der gute Kriminalroman seine begeisterten Anhänger findet. Dass es trotzdem immer noch Leute gibt, die jeden Kriminalroman ablehnen, dürfte hauptsächlich daran liegen dass sie den modernen Kriminalroman nicht kennen und gar nicht wissen, dass wir heute Bücher dieser Art haben, die als wirkliche Literatur gewertet werden können. Die hier angezeigten beiden neuesten Bände der «A. M.-Auswahl» — Uebersetzungen aus dem Amerikanischen — sind völlig verschieden voneinander — und doch fesselt jeder von ihnen den Leser bis zur letzten Seite. In «Der vierte Gast» von Carter Dickson begegnen wir zu unserer Freude wieder «S. M.», dem originellsten und menschlichsten unter den klassischen Detektiven. Vom ersten Kapitel an, in dem ein junger Gelehrter und ein junges Mädchen vier um einen Tisch herumsitzende Menschen entdecken, von denen einer tot ist, während die anderen durch ein Rauschgift schwer betäubt sind, folgt Ueberraschung auf Ueberraschung, Sensation auf Sensation, ohne dass die Gesetze der Logik ein einziges Mal verletzt würden. Kein einziges Beweisstück wird dem Leser unterschlagen, und zum Schluss sagen wir uns, dass wir auf die Lösung, so verblüffend sie auch ist, eigentlich hätten selbst kommen müssen. Der andere Band, die «Fahrt ins Nichts» von Percival Wilde, führt uns in ein amerikanisches Wintersporthotel, in dem höchst seltsame und scheinbar unmögliche Dinge geschehen, die uns bis zur letzten Seite des Buches in atemloser Spannung erhalten. In hinreissendem Tempo ist dieses Buch geschrieben, mit einem prachtvoll lebendigen Dialog und in einer völlig neuen Technik, von der wir hier nichts verraten wollen, die das Buch jedoch zu einem Kriminalroman macht, der wirklich einmal «etwas anderes» ist. Neuzeitliches Einkochen. Erprobte Anweisungen für die häusliche Obstund Gemüseverwertung, für Herstellung von Gemüse- und Früchtekonserven, Fruchtsäften, Süssmost, Marmeladen, Gelees, Fruchtpasten und Gemüsesäften. Von Käthe Birke mit vielen Bildern. Soeben erschien die Neuflage 16. bis 20. Tausend im Walter Hädecke Verlag, Stuttgart. Gerade jetzt ist es für die Hausfrau wichtig, ohne teuere Geräte und Zutaten, mit wenig Aufwand an Zeit und Mühe ihre Dauer-Vorräte herzustellen. Hierzu ist ihr dieses Buch ein guter Ratgeber; denn hier ist grösster Wert darauf gelegt, dass alle Konserven lange Zeit haltbar bleiben, dass durch das Einkochen der reine natürliche Geschmack nicht zerstört wird und der Nährwert nichts einbüsst. Damit sind die Forderungen der neuzeitlichen Ernährungslehre erfüllt; denn täglich soll reichlich Obst und Gemüse auf den Tisch kommen. Das kann in den erntelosen Monaten aber nur mit Zuhilfenahme einwandfreier Konserven geschehen, soll nicht der Speisezettel in ein ödes Einerlei verfallen.

N° 32 — DIENSTAG, 6. AUGUST 1940 AUTOMOBIL-REVUE III WEI.TOIKTIIFIIFIV Wenn die Amerikaner einen Präsidenten wählen.. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen des Jahres 1936 haben das Volksvermögen der Vereinigten Staaten 50 Millionen Dollar gekostet. Die Ausgaben fangen schon rund ein Jahr vor dem Wahlmonat November an zu laufen, Der republikanische Kandidat Wendell Willkie grüsst seine Wähler von der Plattform des hintersten Eisenbahnwagens. DT. B. W. das heisst von dem Moment an, wo die Kandidaten ihre Privatautobusse mit der hinten angebrachten Rednertribüne besteigen, um kreuz und quer, vom Atlantik zum Pazifik und von der kanadischen Grenze bis nach Florida zu reisen. Sie halten Reden in den Rotaryclubs, bei den Abstinenten, den Eisenbahngewerkschaften, in Arbeiterzirkeln, in der Grossindustrie. Sie engagieren eigene Jazzkapellen, mieten Radiostationen mit eigener Wellenlänge, organisieren Versammlungen der Stadtpräsidenten eines Distriktes, kaufen sich Vertrauensleute, die kleine Oppositionsgruppen zusammenstellen, deren Argumente sorgfältig vorbereitet werden, damit sie der Präsidentschaftskandidat mit Leichtigkeit widerlegen kann, lassen Taschenspiegel herstellen, auf deren Rückseite ihr Bild mit einem Slogan angebracht ist, wie zum Beispiel: «Wählt Hugh Ike, ein sicherer Schuss für einen guten Mann», oder: «Wenn Sie einen Moment überlegen, werden Sie überzeugt sein, dass John Kee der Schlüssel für die Situation ist», etc. «In der Politik macht Geld viele stumme Vögel singen», hat der verstorbene Senator Henri Cabot Lodge gesagt. Die grössten Summen müssen jedoch in den letzten sechs Monaten vor der Wahl bereitgestellt werden können, wenn der Kandidat seine Chancen voll ausnützen will. Die Geschäftsführer, die Autos, die fliegenden Bureaux, die Stenographen, die Angestellten, die improvisierte Privatpost, die Radio- und Lautsprecheranlagen, die gekauften Journalisten und Zeitungen, die Leute, welche Reden vorbereiten, kosten bis zu 100 Dollar per Mann und Woche. Unsummen verschlingen die Hötelrechnungen und Flugbillette des Kandidaten und seines Gefolges, dem mindestens ein «Pressesekretär» und ein Manager angehört, der 24 Stunden vor dem Kandidaten in die nächste Stadt reist, um mit den Lokalbehörden zu sprechen, die Stadthalle und die «Glaque» zu mieten und Plakate anschlagen zu lassen. Gegen Ende der Wahlkampagne wird ein Kandidat für seine Propaganda durchschnittlich 1—300 000 Dollar ausgegeben haben. Den Rekord hält General Leonard Wood, der 1920 die runde Summe von 1773000 Dollar verpulverte. Sein wichtigster Gegenkandidat Frank Lowdon gab 415 000 Dollar aus. Beide fielen durch. Der Senat hatte nämlich eine Kommission eingesetzt, die dem Ursprung der Geldmittel nachforschen sollte. Man stiess auf Schmutz und Schlamm, und die öffentliche Meinung reagierte dementsprechend. Warren G, Harding, der seine Kandidatur nicht ernst genommen hatte, wurde ge- EIDGENÖSSISCHE BANK (Aktiengesellschaft) Gegründet 1863 ZÜRICH Basel, Bern, Geneve, La Chaux-de-Fonds, Lausanne, St. Gallen, Vevey Besorgung sämtlicher Bankgeschäfte zu vorteilhaften Bedingungen Franilin D. Roosevelt kandidiert zum dritten Male. Wenden Willkie am Mikrophon. wählt. Sein Ausgabenbudget betrug nur 113 000 Dollar. Franklin D. Roosevelt und seine Freunde brachten 1932 die Summe von 185000 Dollar auf, währenddem Landon & Cie. im Jahre 1936 150 000 Dollar für die durchgefallenen Kandidaten vergeudeten. So viel Geld wächst nicht auf den amerikanischen Birnbäumen. Ein Bruchteil wird vom «Mann auf der Strasse» aufgebracht. Die Wahlpropaganda behauptet zwar meistens, dass der ganze Wahlfonds von der Opferfreudigkeit der kleinen Bevölkerung stamme. Der Rest kommt aus den dicken Portefeuilles weniger Leute, die «ihren» Kandidaten portieren wollen. Warum geben sie? Man weiss es nicht. Als man F. Kenny, einen nahen Freund des Kandidaten Smith von 1928, fragte, warum er 282 000 Dollar ausgebe, um Smith auf den Präsidentenstuhl zu heben, antwortete er: «Ich würde für AI mein letztes Hemd vom Leibe weggeben!» Sentimentale Aussprüche dieser Art wirken auf den Wähler! Die wahren Gründe sind jedoch sicherlich aus den verschiedenartigsten Motiven zusammenge- setzt: wirkliche Freundschaft, gleiche politische Ansichten, der Kitzel, «einen König zu machen», ähnliche wirtschaftliche Ideen, die Profit für das eigene Geschäft versprechen, die Hoffnung, dass auf der anderen Seite des Regenbogens ein Botschafterposten oder dergleichen warte. Tatsache ist, dass kein Kandidat mit etwelchen Aussichten auf Erfolg Schwierigkeiten darin hat, seinen Feldzug zu finanzieren. Das Geld wird mit offenen Händen weggeworfen, da es einerseits von keinem der Ausgebenden verdient werden muss und anderseits den Eindruck der Großzügigkeit des Kandidaten erwecken soll. Dutzende kleiner Firmen können sich im Wahljahr erholen, grössere haben sich spezialisiert: Annin & Cie., die grösste Fahnenfabrik New Yorks, hat einen lOprozentigen Mehrumsatz allein in den fünf Monaten von Juni bis Oktober in Wahljahren errechnet. Die Regan-Bureaumöbel Corp. in New York hat für die Kandidatur Landon in New York City allein 600 Pulte, 2000 Stühle und 150 komplett eingerichtete Bureaux zum Gesamtpreis von 20 000 Dollar ausgemietet. In dieser Jahreszeit, in welcher in Europa das Korn von Tanks und Maschinengewehren geschnitten wird, erreichen in Amerika die Wellen des Wahlsturmes die wildesten Aos- masse. So wie die Menschen unseres Kontinentes vor 1000 Jahren «hie Weifen, hie Ghibellinen» riefen, ertönt heute die Schlachtlosung auf der anderen Hemisphäre. Schon vor der amerikanischen Revolution waren zwei Fraktionen in den Kolonien organisiert: Jene, welche ihrer britischen Majestät die Treue zu halten gedachten, waren die «Tories», die anderen aber, die Rebellen und Aufrührerischen die «Whigs» genannt. Heute heisst der Kampfruf: «Hie Republikaner, hie Demokraten», deren einen Sinnbild der Elefant, deren anderen der Esel ist. Die anderen Gruppen aller Schattierungen von den Fascisten über die religiösen Fraktionen, bis zu den extremen Kommunisten, werden von den beiden historischen Gruppen überschattet. Die Hauptpunkte des republikanischen Programms sind: 1. «High Tariff» (hohe Schutzzölle auf Importwaren) ; 2. strenge Auslegung der Monroe-Doktrin (Standpunkt der Isolationisten); 3. Konservatismus in bezug auf den Staatshaushalt; 4. Unterstützung des «Big Business» (Grossindustrie) . Die Demokraten hingegen vertreten: 1. «Low Tariff» (niedere Importzölle zur Belebung des Handels); 2. Unterstützung liberaler und fortschrittlicher Ideen; 3. Gleichstellung von Landwirtschaft, Industrie und Kapital. Aber die Amerikaner haben auf Kosten Europas etwas gelernt. So kommt es, dass sich einzelne Punkte der beiden Parteiprogramme einander genähert haben. Eine hochstehende amerikanische Persönlichkeit in Bern, bei der ich mich in diesen Tagen informierte, versicherte mir, dass die Idee der Isolationisten, von denen es nicht nur in der republikanischen Partei Vertreter gab, in beiden Gruppen am Erlöschen ist. In dieser Hinsicht bestehe kein Unterschied zwischen dem republikanischen Kandidaten Willkie und seinem demokratischen Gegenkandidaten, da beide entschlossen seien, gegen totalitäre Ideologien zu kämpfen und die demokratische Sache bis an die aus* serste Grenze zu verteidigen. Ich nehme an t dass die «äusserste Grenze» dort gezogen ist, wo der Materialsendung die Truppensendung folgen müsste. Nach der Ansicht meines Gewährsmannes wird die Frage, ob bewaffnete Kräfte nach unserem Kontinent abgehen sollen, dann wieder ihre volle Aktualität erlangen, wenn man in Amerika eine unmittelbar bevorstehende britische Niederlage glaubt in Betracht ziehen zu müssen. Aber nicht allein das Parteiprogramm ist für die Wahl des Präsidenten massgebend. Die öffentliche Meinung sympathisiert mit einem Kandidaten oder hegt Antipathien gegen ihn, welches immer seine politischen Ansichten seien. Dies war der Fall, als Franklin D. Roosevelt gewählt worden war und ganze Gruppen eingefleischter Republikaner zu Demokraten wurden. Viele Staaten, die jahrelang "von der republikanischen Partei regiert worden waren, wurden demokratisch. Das Hauptbeispiel dafür ist Pennsylvania, ein Staat, der heute allerdings in den Händen der republikanischen Gruppe ist. Kein Wunder daher, dass die Favoriten Lieder, die ihr Lob singen, komponieren und von ihren Kapellen spielen lassen, um so tief wie möglich auf die Wählerschaft zu wirken. So zeigt es sich, dass trotz des Ernstes der Zeit tmd der ungeheuren Wichtigkeit der amerikanischen Wahlen für die ganze Welt dem Vorgang noch ein gewisser Varieie'zauber an- Mngt. Und das ist tröstlich. (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)