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E_1940_Zeitung_Nr.038

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u AUTOMOBIL-REVUE

u AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 1.7.. SEPTEM3ER 1940 — N° 38 Im Steinbruch Jim war ein Pechvogel, sonst hätte man ihn überhaupt nicht erwischt. Und obendrein lief seine Bewährungsfrist erst ein paar Wochen später ab, so dass er insgesamt wahrhaftig sieben Jahre Strafe vor sich hatte. Immerhin, die ersten zwei sass er ganz brav und ruhig ab; bei diesen elendigen Zeiten sind drei Mahlzeiten am Tag, eine warme Zelle und saubere Kleidung schliesslich nicht zu verachten, auch wenn man dafür Tütenkleben und Säckenähen muss. Aber dann kam das Kommando zum Steinbruch! Alle Insassen der Anstalt duckten sich schon bei dem Wort allein vor Schrecken zusammen. Den ganzen Tag unter Bewachung die schweren Granitblöcke in die Eisenbahnwagen verladen., bis alle Knochen im sich als ganz anderer Mensch, wie er jetzt auf unauffälligen Seitenwegen die Stadt zu erreichen suchte. Gewiss, inzwischen hatte man wohl schon seine Verfolgung vom Gefängnis aus aufgenommen; aber sicher würde man zuerst den Wald beim Steinbruch absuchen und kaum vermuten, dass er mit solcher Dreistigkeit menschlichen Wohnungen zustrebte. Jim wusste, was er wollte; das ganze Land kann man schliesslich nicht gut nach einem Menschen ohne besondere Merkmale absuchen, und die eigentliche Gefahr lag nur in der Nähe des Gefängnisses. Man musste also in einiger Entfernung wieder an die Eisenbahn heranzukommen suchen, dann ein Satz auf einen vorüberrollenden Güterwagen und auf gut Glück hinein in die derweilen der Zug durch die Dunkelheit eilt, auf dem Weg zur Freiheit, in Sicherheit. Gute Nacht, Staube machen; die Eisenbahnangestellten haben nicht immer das richtige Verständnis für blinde Bill Watson, hoffentlich hast du dich von dem Passagiere. «Also los, an die Arbeit! Diesen Wagen Knockout schon erholt. Ade, Steinbruch, du Wirst ohne mich fertig werden müssen. Ein paarmal wachte Jim während der nächtlichen Fahrt auf, als der Zug mit vielem Getöse rangierte, einige Wagen abhängte und andere aufnahm. Dann ein Weilchen Ruhe, mit einem Ruck geht's wieder vorwärts, und das eintönige Lied der Räder singt eine neue Schlummermelodie. Stehen laden wir zuerst!» erklang in diesem Augen- blick eine Stimme. Allmächtiger, den Ton kannte er doch! Jim fasst sich stöhnend an den Kopf; schlief er denn noch? Träumte er etwa, er sei... Und gleichzeitig hatten gehorsame Hände die Segeltuchdecke von aussen losgebunden, zogen sie eilends von dem Wagen zurück und gaben Jim die Aussicht auf seine Umgebung frei. wir still: Fahren wir? Was tut'sl Gähnend dreht Vor ihm stand Bill Watson mit ein paar Sträflingen, schaute ihn erst erstaunt, dann verständnis- sich Jim auf die andere Seite; solange es dunkel ist, wird ja doch kein Wagen geladen. Zeit genug voll grinsend an, als er den Dienstrevolver griffbereit schob und ihn mit ironischer Höflichkeit zur Ueberlegung, wenn der Morgen graut. Irgendwo kam es Jim zum Bewusstsein, dass zum Näherkommen einlud. Und dahinter lag der sich der Waggon schon eine ganze Zeit nicht mehr Steinbruch! «Falsche Richtung gefahren, was?» bewegt hatte. Wahrhaftig, an einer Seite der höhnte Bill Watson. Segeltuchdecke drang auch schon Tageslicht herein. Da musste man also mal sehen, wo man eigentlich war, und sich dann vorsichtig aus dem Habe ich schon gesagt, dass Jim ein Pechvogel ist? dieiliqz Jusütia Leibe zu brechen schienen, bis man glaubte, man würde den Rücken nie wieder gerade biegen können. Natürlich, ausgerechnet Jim musste das passieren! Und dazu noch Bill Watson, der Oberaufseher, der ihn wegen ein paar Beschwerden nicht recht leiden konnte und ihm bestimmt immer die schwerste Arbeit aussuchte. No, Sir r das war nichts für Jim. Also was tun? Gehorsamsverweigerung? — Nicht daran zu denken. Die letzten drei Tage bei Wasser und Brot waren noch zu gut in Erinnerung. Und nachher würde ja doch nur wieder der Steinbruch auf ihn warten. Nein, dann schon lieber gleich ausreissen. Bill Watson ein Schnippchen schlagen. Wenn man es nur geschickt genug anstellte, würde man ihn gewiss nicht wieder fangen, nicht ihn! Und allmählich formte sich in Jims Hirn ein Plan, langsam wurden alle Einzelheiten festgelegt, wie er trotz Bill Watsons Aufmerksamkeit entwischen könnte. Dann nur noch die richtige Gelegenheit abwarten ... Die kam bald. Als Jim an einem nebligen Spätnachmittag wieder eine Ladung Steine in den Eisenbahnwagen entleert hatte, war der Augenblick günstig. Er brauchte nur seine Arbeitskollegen ein paar Schritte vorausgehen 1 zu lassen und Bill Watson unter irgendeinem Vorwand noch einmal zum Gleis zurückzulocken. Hält man dann so einen handlichen runden Stein in der Hand, zum besseren Nachdruck nämlich, und stösst unversehens jemanden die geballten fünf Finger unters. Kinn, wetten, dass er lautlos umsinkt und für ein Weilchen vergisst, Oberaufseher im Gefängnissteinbruch zu sein? Bill Watson jedenfalls vergass es. Der Rest war ziemlich einfach. Schnell über die Eisenbahngeleise hinüber und runter die Böschung auf der andern Seite, damit man wenigstens erst einmal vor allzu neugierigen Blicken geschützt war. Und dann hinein in die Wälder, um sich an der Laubenkolonie vor der nächsten Stadt heranzuschlängeln. Zum Glück war es jetzt schon dunkel, und es musste eine Weile dauern, bis Bill Watson das Gefängnis verständigen und den Alarm geben konnte. Ausserdem, Jim konnte laufen, guter Gott, konnte er laufen! Wahrhaftig, da waren schon die ersten kleinen Bretterhäuschen zu sehen. Jetzt nur recht vorsichtig, irgendwo mussten andere Kleider aufgetrieben werden, das war die Hauptsache. Sagte ich übrigens, Jim sei ein Pechvogel? Keine Idee. Denn sonst hätte doch sicher nicht gleich im ersten Gartenhäuschen dem er sich behutsam näherte, ein vollständiger Arbeitsanzug gelegen. Nein, schön war er ja gerade nicht, die Hose zu lang und von der Wirkung eines Bügeleisens keine Spur. Aber schliesslich, wenn man einen Sträflingsanzug dagegen eintauschen will... Man glaubt gar nicht, was der Uebergang vom Streifenmuster zu einem abgetragenen Graugrün für einen Unterschied machen kann! Jim fühlte Ferne, Kleinigkeit! Jim hatte schon bei früheren Reisen eine Abneigung gegen bezahlte Fahrkarten gehabt. Zu dumm, dass ich am Anfang gesagt habe, Jim sei ein Pechvogel. Im Gegenteil, das Glück jagte und hetzte ihn förmlich! Man muss sich nur einmal richtig vorstellen: Jim wandert entlang der Landstrasse, um möglichst viel Zwischenraum von der Strafanstalt zu gewinnen, und da steht doch wahrhaftig vor der Villa, der ersten auf dem Weg zur Stadt, ein Motorrad! Nicht so ein schwächliches Ding, das bei 30 km Geschwindigkeit den Keuchhusten bekommt und bei der ersten Steigung Schwindsuchtssymptome, sondern ein Rad mit einem wirklichen Motor, der beim blossen Anblick schon Kraft schnaubt und dessen Heisshunger auf Meilen keine Grenze kennt. So ein richtiger Kilometervielfrass. Und der stand vor der Tür des Hauses, an einen Baum gelehnt, und blinzelte Jim mit seinen blanken Nickelteilen verschmitzt zu. Jim hatte schon bei früheren Gelegenheiten dem stummen Werben eines Motorrades nicht widerstehen können; ein Teil der sieben Jahre, die man ihm aufgebrummt hatte, stand im direkten Zusammenhang mit seiner Schwäche für zweirädrige Benzinvehikel. Und ein paar Sekunden später hatte er den Sattel des Rades zwischen die Beine geklemmt und gab Gas. Heissa, das ging! «Ein — kleiner — Seiten—Sprung» summte der Motor vergnügt in sich hinein, als Jim in die spiegelglatte Autostrasse bog und der Geschwindigkeitsmesser fast den Atem verlor. Jetzt sollte ihn nur jemand zu verfolgen suchen. Lächerlich. Hunderte von Fahrzeugen aller Art waren in" diesen Abendstunden auf der Strasse, da hätte man ebensogut eine Wanze in einem Sack voll Flöhen suchen können. Jim weiss selbst nicht genau, wieviel hundert Kilometer er in dieser Nacht fuhr; ist auch ganz egal. Jedenfalls, als plötzlich ein Bahnübergang vor ihm auftauchte, schien die Rettung vollständig. Vorsichtig schob er das Rad in ein Gebüsch und legte sich neben den Eisenbahnschienen auf die Lauer. Wissen Sie, da, wo die Steigung ist und der Zug hübsch langsam fahren muss. Richtig, kaum eine halbe Stunde später kam so eine endlose Reihe von Güterwagen in Sicht; schnaufend und pustend keuchte die Lokomotive an Jim vorbei. Erst ein paar geschlossene Waggons, nicht gut, in denen kann man sich nicht verbergen, am nächsten ein Bremssitz, zu gefährlich, man kann zu leicht entdeckt werden, aber hier, ah, vier, fünf offene Wagen, nur mit einem wasserdichten Ueberzug geschlossen. Ein paar Schritte nebenher laufen, um den richtigen Schwung zu bekommen, dann — hopp — oben sind wir. Ein bisschen finster ist es im Innern unter der Segeltuchdecke zwar, aber ein paar sachverständige Griffe zeigten Jim, dass der Wagen ganz leer ist. Prachtvoll, da kann man sich ausstrecken und. sein- Schläfchen machen. Sie Steuei Ein Kaufmann in Moskau, der nicht Mitglied der Partei ist, erhält von der Behörde einen Steuerbescheid über 5000 Rubel. Er bezahlt sie prompt. Im nächsten Jahr sind es 10000 Rubel. Der Kaufmann bezahlt. Das Jahr darauf verlangt die Steuer schon 25000 Rubel — die glatt bezahlt werden. Auch 50000 Rubel im folgenden Jahr zahlt der Kaufmann noch ohne Murren. Aber als im nächsten Jahr eine Zahlungsaufforderung über 100000 Rubel erscheint, kommt der Kaufmann mit einem Handwagen vor dem Finanzamt vorgefahren, lädt eine schwere Maschine ab, schleppt sie keuchend in den Kassenraum, stellt, sie vor dem Kassier auf und schreit: «Wenn Ihr" meint, ich mache Euch weiter den Narren, irrt Ihr Euch. Da habt Ihr die Maschine — jetzt druckt Euch gefälligst das Geld alleine!» ZDas aute Qeschäft Vor einigen Tagen rief aus einer grossen Bankfirma in Schanghai, ein Mann bei einer Schweissfirma an und verlangte die dringende Entsendung eines Mannes, da er — der Direktor — den Geldschrankschlüssel verloren habe. Sofort schickte rrian, trotz der späten Abendstunde, einen Fachmann hinüber. Dieser entledigte sich der gestellten Aufgabe in kürzester Zeit. Denn für ihn, mit den modernsten Geräten ausgerüstet, bot natürlich dieser Geldschrank kejn Hindernis. Er kassierte für die Arbeit den schönen Betrag von 50 chinesischen Dollars. Erst am nächsten Tag erfuhr der Inhaber der Schweissfirma, dass in Wirklichkeit ein Betröger den Mann mit dem Schweissgerät herübergeholt hatte. Es war für ihn eine Kleinigkeit, die Rechnung von 50'Dollars in bar zu bezahlen. Denn aus dem Geldschrank hatte er 10000.Dollar herausgeholt, ohne Mühe — ohne Apparat, wenn man von dem Schweissapparat der genannten Firma absieht. ZitfHzensui schützt den Jjaucnaiistenstand Die inoffizielle amerikanische Filmzensur, das Hays Office, hat den Produktionsfirmen Anweisungen zugehen lassen, in. Zukunft in ihren Filmen aen Reporter (und Journalisten überhaupt) nicht mehr als grundsätzlichen Trunkenbold und unverantwortlich in den Tag hinein lebenden lustigen Burschen hinzustellen, « dessen Hauptbeschäftigung darin besteht, von einer Bar zur andern zu lustwandeln und sich unhöflich und unmanierlich zu benehmen». Diese ebenso beliebte wie falsche Darstellungsweise habe viel dazu beigetragen, eine Menge junger Leute die journalistische Laufbahn einschlagen zu lassen, die sie bald schwer enttäuscht wieder verlassen hätten. 3ia.Hn man eine Michspaatung. auch stehien? Ein Edelfuchszüchter in Oslo ist Eigentümer einer wertvollen Platinfüchsin, ohne den dazugehörigen Platinfuchs zu besitzen. Da der Besitzer einer benachbarten Fuchsfarm für die Paarung mit einem seiner Füchse einen allzuhohen Preis verlangte, kam der Eigentümer der Füchsin auf die immerhin originelle Idee, sich zum Zwecke dieser Paarung auf heimliche Liebespfade zu begeben. Er schlich sich bei Nacht mitsamt seiner Füchsin in die andere Farm ein und — ein Fuchs ist immer willig, wenn eine Füchsin will... Der gute Mann hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass seine und seiner Füchsin Spuren im tiefen Schnee am nächsten Morgen sein nächtliches Abenteuer verraten würden. Die Sache kam vor den Kadi, der den salomonischen Entscheid fällte, dass die Füchsin bis zu ihrer Niederkunft zu ihrem Liebhaber zurückzukehren hätte, und dass sämtliche Jungen Eigentum des «bestohlenen» Farmers sein würden. tc zog. sich aus dex Vedeaetiheit (NR) Ein bekannter holländischer Rechtsanwalt hatte in einem Prozess offenbar nicht genügend Zeit gehabt, die Akten ganz genau zu studieren. Jedenfalls stellte sein Assistent im Prozess fest, dass sein «Meister» eigentlich seinen eigenen Klienten in Grund und Boden verdammte. Bei nächster Gelegenheit schrieb er auf einen kleinen Zettel, dass es doch so nicht weiter gehe. Er spreche ja für den ganz falschen Klienten. Der Anwalt warf einen raschen Blick auf den Zettel, riss sich zusammen, räusperte sich und sprach: «Meine Herren, ich habe Ihnen bisher auseinandergesetzt, was zu Gunsten des Angeklagten hätte vorgebracht werden können. Ich werde Ihnen jetzt beweisen, wie dünn diese Beweisführung ist!» Und dann begann er mit grösstem Erfolg seine vorhergegangene Rede in kleinste Stücke zu zerreissen. «lüas geschieht, wenn du iuqst?» Hansli sollte als Zeuge vernommen werden. Nun hatte allerdings der Richter seine Befürchtungen, denn Hansli war erst acht Jahre alt. Immerhin wollte es der Richter versuchen. «Weisst du was ein Eid ist?» fragte er den •Kleinen. Dieser schwieg. — «Wohin kommst du, wenn du eine Lüge sagst?» — Hansli schwieg noch immer. «Nun sei einmal ein grosser Junge — was geschieht dir, wenn du lügst — das weisst du doch gewiss!» — «Ja, ich bekomme Warzen!» — «Als Zeuge zugelassen!» entschied der Richter. Und die Verhandlung nahm weiter ihren Gang. Beeilen Sie sich! Es winkeiv21370 Treffer = Fr. 525 000! DielO-Los- Serie hat mindestens einen sicheren Treffer! 1 Los Fr. 5.- plus 40 Rp. Porto. - Postcheck 11110026. Adresse: Seva-Lotterie, Marktgasse 28, Bern.

N° 38 — DIENSTAG, 17. SEPTEMBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE •Tfi WFITIi III III \ Die Augen und Ohren der Welt Dr. B. W. Am 5. Mai des Jahres 1821 starb ein Mann auf einer einsamen Insel im Mittelmeer. Zehn Jahre zuvor hatte der Kontinent vor ihm gezittert, die Mächtigsten der Erde um seine Gunst gebuhlt. Napoleon Bonaparte. Aber erst drei Monate nach diesem welterschütternden vor einer in der Presse Ereignis, am 4. August, traf die Nachricht davon auf dem englischen Kolonialamt in London nen nichts. Ob dort « AP », « UP ein, wohin sie von einem Schiffskapitän überbracht worden war. Und von da dauerte es abermals zwei Tage, bis Paris orientiert werden konnte. In der vorigen Woche bombardierten deutsche Flugzeuge Nordengland. Die Radiosta- tion London-Regional gab in ihrem laufenden ist auch sofort der subjektive Wert Nachrichtendienst das folgende bekannt: einer solchen Mitteilung einzuschätzen, denn « Vor 20 Minuten sind deutsche Flugzeuge jeder Staat — und in den meisten europäischen Ländern sind die Nachrichtenagenturen vom Typ Junkers in Schottland eingeflogen und haben an mehreren Stellen Bomben abgeworfen usw. » halb oder ganz staatliche Institute — hat ein Interesse daran, nur diejenigen Nachrichten durch die Weltpresse gehen zu lassen, die für Diese beiden Vergleiche zeigen den Fortschritt in der Nachrichtenübermittlung, dem seine eigene politische Propaganda wertvoll sind. wichtigsten Faktor bei der Erzeugung der sog. «Volksstimmung », Dieses Instrument, das in HAVAS. keine Definition gefasst werden kann, ist das Im Jahre 1831 eröffnete ein Deutscher, Grundelement für die politische Bearbeitung namens Bernstein, eine Nachrichtenagentur in weiter Kreise und wurde daher, insbesondere Paris, wo bereits die Correspondance Garnier von autoritären Staaten, meisterhaft ausgebildet. wurde. Nach dessen Sturz übernahm Charles bestand, die von Louis Philipp unterstützt Die Hauptaufgabe eines Nachrichtenbüros Havas das Unternehmen und beschäftigte sich ist bereits in dieser Bezeichnung umschrieben. Es ist ein Unternehmen, das gewerbsmässig Nachrichten in der ganzen Welt, sei es durch Nachrichten im Stadium von Rohmaterial. eigene Korrespondenten, sei es durch Vermittlung angeschlossener Unternehmungen, sammelt und an die Zeitungen weitergibt. Dabei können die Abnehmer in verschiedenen Beziehungen zur Agentur stehen, d. h. sie können ein freies Vertragsverhältnis abmachen, sich auf den Nachrichtenbezug abonnie- Kunjthandlung Einrahmungen Beachten Sie meine Schaufenster ren oder selbst Mitglied der Agentur sein und gegen Entrichtung einer einmaligen, jährlichen Abonnementsgebühr die Mitteilungen zugestellt bekommen. Dem uneingeweihten Zeitungsleser sagen die wiedergegebenen Nachricht stehenden Buchstaben im allgemei- DNB: « TAS », « Reuter », « Havas » oder « Stefani » gedruckt steht, ist ihm gleichgültig. Wer jedoch einen tieferen Einblick in den Zeitungsbetrieb hat, weiss, dass eine mit «UP» gezeichnete Nachricht von der neutralen amerikanischen Agentur « United Press » stammt. Damit in erster Linie mit der Uebersetzung von Zeitungsausschnitten aus nichtfranzösischen Blättern. Diese Auszüge gab er gegen Bezahlung an die französischen Zeitungen und an die bei Hof akkreditierten Gesandten weiter. Um so schnell wie möglich arbeiten zu können, stellte er eine Brieftaubenpost zwischen London und Brüssel her. Als dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Telegraphie freigegeben worden war, machte der Sohn, Auguste Havas, der die Leitung übernommen hatte, von dieser Einrichtung weitgehendsten Gebrauch. Aber schon waren Konkurrenzunternehmungen aufgetaucht und so vertrieb Havas seine Nachrichten zum Selbstkostenpreis. Um sein Unternehmen jedoch gewinnbringend auszugestalten, kaufte er die Annoncenexpedition Bullier, welche, ähnlich der schweizerischen Publicitas u. a„ die Annoncenregie der französischen Provinzblätter hatte. Da sich diese kleineren Zeitungen die hohen Ausgaben telegraphischer Nachrichten-Uebermittlung nicht leisten konnten, zahlten sie in Form von freiem Platz in ihren Zeitungen, der durch die Vermittlung von Havas mit Geschäftsreklame ausgefüllt wurde. In der III. Republik wurde diese Agentur zum Sprachrohr des Quai d'Orsay, obwohl sie nach aussenhin immer noch ein Privatunternehmen war. Das neue autoritäre Regime in Frankreich ist nun daran gegangen, eine gründliche Umwandlung vorzunehmen und hat bereits eine grosse Anzahl von Auslandsvertretern entlassen und durch neue ersetzt. Die in Zukunft von Havas durchgegebenen Meldungen, seien es Nachrichten, politische- Mitteilungen, Wiedergabe von Reden usw., sind eindeutig politisches Propagandamaterial. REUTER. England hatte bereits 1695 die Zensur aufgehoben, da ein tadellos funktionierender Nachrichtendienst im Weltreich nicht gehemmt werden durfte. Die «Times», die 1785 von Walter gegründet worden war, zahlte ihrem Für Fr. 5.- wöchentlich oder Fr. 20.— monatlich eine eigene Schreibmaschine ERIKA oder andere Fabrikate. Verlangen Sie noch heute Prospekt Nr. 14 von W. Häujler-Zepf, Ölten Ringstrasse 17 DIE ROMAN-QUELLE Ist die vorteilhafteste Romanlektüre. 36 Selten für 40 Rappen. Jeden Freitag /Samstag neue Nummer. An jed. Zeitungskiosk erhältlich. Kurier 2000 Franken für jede Reise von Marseille nach Calais, die in der Regel in 66 K Stunden zurückgelegt werden konnte. Für jede eingesparte Stunde erhielt er eine Prämie von 55 Franken. 1851 kam der in Kassel geborene Julius Reuter nach London, um ein gewerbsmässiges Nachrichtenbüro zu organisieren. Da ihm die finanziellen Mittel fehlten, verband er sich mit einem reichen ehemaligen Mitarbeiter der « Havas » und verlegte sich zu Anfang darauf, Handelsnachrichten an griechische Kaufleute, die sich für Informationen» über die Weizenkargos auf der Donau interessierten, zu vermitteln. Erst nach und nach gelang es ihm, auch die grossen Londoner Blätter für seinen Nachrichtendienst zu gewinnen. Man lachte ihn anfangs aus. Die Herausgeber der « Times » und des « Morning Advertiser » wollten nichts von einem solchen Unternehmen wissen und Reuter musste monatelang umsonst arbeiten, um die grossen Zeitungen von der Wichtigkeit seiner Agentur zu überzeugen. Er organisierte Zweigstellen in allen wichtigen Ländern, denen eigene Redaktoren vorstanden. Friedrich Fuchs beschreibt Der Fernschreiber spielt in der modernen Nachrichtenübermittlung eine überragende Rolle. Julius Reuter, der Gründer der Agentur Reuter, mit seinem Sohn Herbert. in seiner Dissertation « Telegraphische Nachrichtenbüros » einen Vorfall, der die damaligen Arbeitsmethoden eines Reuter-Korrespondenten erhellt: « Als im Jahre 1865 der amerikanische Präsident Lincoln ermordet worden war und Reuters Vertreter in New York, James Heckscher, die Nachricht darüber erhielt, war der Postdampfer nach Europa schon weggefahren. Heckscher mietete einen Spezial-Schnelldampfer und holte das Postschiff ein. Schnellsegelnde Jachten kreuzten an der irischen Küste und nahmen die für Reuter bestimmten Nachrichten in wasserdicht verschlossenen Büchsen von dem Postdampfer entgegen, brachten sie nach Crookhaven, dem nächstliegenden Punkt Irlands, von wo sie auf der von Reuter selbst errichteten Drahtlinie sofort nach London telegraphiert wurden. » Die Hauptgeschäftsstelle befindet sich in London, wo die Meldungen von Europa und Nordamerika gesammelt und vertrieben werden. Die gleiche Arbeit wird unabhängig davon in Kapstadt für Meldungen aus Süd- und Mittelafrika, in Alexandrien für Aegypten und Ostafrika, in Bombay für Indien, in Hongkong für die malaiischen Inseln, in Teheran iür Persien und in Yokohama für Japan verrichtet. Heute ist das Reuter-Büro die offizielle Nachrichten-Agentur des britischen Weltreiches und ebenfalls ein halbstaatliches Unternehmen. D. N. B. Das « Deutsche Nachrichten-Büro » äst aus der Agentur des Berliner Arztes-Wolff hervorgegangen, der ebenfalls mit einer Brieftaubenpost angefangen hatte. Er war seit 1848 Geschäftsleiter der « National-Zeitung» und nannte seine Agentur Telegraphisches Korrespondenz-Büro (B. Wolff). Seit dem Regierungswechsel in Deutschland wurde das zu ausserordentlicher Bedeutung angewachsene Unternehmen des «Wolff'schen Telegraphen- Büro's » in das staatliche Deutsche Nachrichten-Büro umgewandelt, dem auch alle andern deutschen Agenturen einverleibt wurden. TAS. Dies ist das Zeichen für die sowjetrussische Nachrichtenagentur in Moskau (Telegrafnoje Agentstwo Sojusa), die 1925 gegründet wurde. Die Korrespondenten, Redaktoren und sonstigen Mitarbeiter in allen Ländern sind sowjetrussische Bürger und Staatsbeamte. Büffet SBB Rapperswil Schöne, gänzlich renovierte und neuzeitlich eingerichtete Lokalitäten. Neu eingerichteter, separater Gesellschaftssaal. Anerkannt sorgfältige selbstgeführte Küche. Rasche und freundliche Bedienung. Beste Parkgelegenheit. Schöner, schatt. Garten. Inh.: Gebx. Berthex, A.C.S. T.C.S. Associated Press und United Press. Diese beiden amerikanischen Agenturen unterscheiden sich darin voneinander, dass die eine (AP) die Nachrichten an ihre rund 1300 Mitglieder ohne Gewinnabsicht verteilt. Es werden keine Dividenden bezahlt und die entstehenden Gewinne wieder den Unternehmern zugeführt. Die andere (UP) hingegen gibt ihre Meldungen in mehr sensationeller Form an ihre Abonnenten weiter. Die AP ähnelt einem exklusiven. Club, da es ausserordentlich schwierig ist, Mitglied zu werden. Kein Krach in diesem Jahrhundert des Journalismus war so bitter wie derjenige zwischen den Zeitungen, die der AP angehörten und jenen, die keinen Zutritt hatten. Von den 30 Hearst-Blättern bekommen heute 19 die AP-Meldungen, für welche 600 000 $ jährlich bezahlt werden müssen, haben aber keinen Sitz im Aufsichtsrat der AP, weil die Leute, die dort massgebend sind, die Hearstsche Politik nicht leiden können. Das Rennen um die Mitgliedschaft der AP hat zu den seltsamsten Vorkommnissen geführt. Nachdem Munsey die New Yorker « Sun » gekauft hatte (die niemals AP-Nachrichten bekam), kaufte er für 2 Millionen Dollar noch eine andere Zeitung, die AP-Mitglied war, und fusionierte beide, um die « Sun » attraktiver zu machen. ÄP-Reporter bekommen zwischen 40 bis 75 $ die Woche, AP-Bürochefs rund 5000 Dollar im Jahr. Von den 200 000 Worten, die täglich über den « AP West-Wire» gehen, sind 25 000 Auslandsnachrichten, 50 000 Nachrichten aus Washington, 25 000 Sport und von den restlichen 100 000 rund 10 Prozent Füllstoff, der von den Redaktionen eingeschoben wird, wenn in irgendeiner Spalte noch zehn oder zwanzig Zeilen fehlen. Der Mitarbeiterstab jeder Agentur ist mehr oder weniger nach demselben System aufgebaut. Der Sitz des Hauptbüros befindet sich in der jeweiligen Landeshauptstadt. Der Betrieb ist einem Zeitungsverlag ähnlich. Die Quellen der Agentur sind: 1. die von den Filialen eingehenden Nachrichten; 2. die von den Korrespondenten gelieferten Meldungen (die Korrespondenten haben ihrerseits wieder Agenten, wie: Lehrer, Parlamentarier, Diplomaten, die nebenberuflich Mitteilungen durchgeben); 3. die aus der Presse entnommenen Nachrichten (mit Quellenangabe); 4. die von fremden Journalisten gelieferten Berichte. Ob eine Nachricht wichtig ist, entscheidet zumeist der Bürochef der Filiale. Es gibt darüber genaue Leitfaden. Eine Anweisung der AP an ihre auswärtigen Berichterstatter heisst z.B.: « Unterschlagungen unter einer halben Million Dollar sollen nur gekabelt werden, wenn die Begleitumstände von grossem allgemeinem Interesse sind oder wenn Amerikaner oder amerikanische Konzerne beteiligt sind, » In der jetzigen Kriegszeit ist die Aussonderung glaubwürdiger Nachrichten von besonderer Wichtigkeit. Die Schweizerische Depeschenagentur, die mit den meisten Auslandsagenturen Verträge abgeschlossen hat, leistet darin Vorzügliches, so dass das schweizerische Publikum heute noch den grossen Vorzug geniesst, das bestorientierte in Europa zu sein. Copyright by Universum Press, Bern. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. LiavoR A BASE DE FINE CHAMPAGNE CAFE DES MÄRINS GENF, Quai Gustave-Ädor 28 Gebackene Fische und Barschfilet, Hähneli am Spiess, Entrecöte au Grill, S. Grimardias Telephon 44.9S5