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E_1940_Zeitung_Nr.038

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AKTUELLES Dm die Frage

AKTUELLES Dm die Frage der Ersatztreibstoffe Steht darüber ein Bundesratsbeschluss bevor? Wie wir vernehmen, fand Dienstag den 10. September eine Konferenz der in Betracht fallenden eidg. Kriegswirtschaftsämter und der Armeevertreter statt, deren Gegenstand die Frage bildete, was behördlicherseits unternommen werden soll, um das durch die Verknappung der flüssigen Treibstoffe akut gewordene Problem der Ersatztreibstoffe zu fördern. Die Aussprache zeitigte eine vollstandige Uebereinstimmung hinsichtlich der Anträge, welche dam Bundesrat unterbreitet werden sollen. Nach unseren Informationen ist dieser Schritt bereits erfolgt; allem Anschein nach zielt das Programm auf die Umstellung einer gewissen Anzahl schwerer Lastwagen auf Holzgasbetrieb ab, währenddem für die mittleren und kleinen Lastv/agen in reduziertem Ausmass Holzkohlengas und für bestimmte Gruppen von Personenwagenbesitzern Azetylen im Vordergrund stehen dürfte. Möglicherwelse umfasst das Projekt auch noch andere Ersatztreibstoffe und Streckungsmittel, doch lässt sich zurzeit etwas Präzises darüber nicht in Erfahrung bringen. Es heisst somit die Stellungnahme und den Entscheid des Bundesrates abwarten. Er erst wird Klarheit über die Wege schaffen, die man einzuschlagen beabsichtigt, um der drohenden weiteren Lähmung des motorisierten Strassenverkehrs und deren schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft im Rahmen des heute Möglichen Einhalt zu gebieten. Kriegswirtschaft Keine Aenderung der Rationierung für Lastwagen für die Periode vom 16. September bis 15. Oktober. Das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement hat folgende Verfügung getroffen: Art. 1. Für die Dauer vom 16. September 1940, 0 Uhr, Bis zum 15. Oktober 1940, 24 Uhr, werden den Verbrauchern von den kantonalen Automobilkontrollen ihres Wohnortskantons oder bei einer von dieser bezeichneten Stelle gegen Vorweisung des Fahrzeugausweises folgende Rationierungsscheine abgegeben: a) Motorlastwagen (eine Tonne und mehr Nutzlast): Lastwagen bis 15,99 PS: 1 Rationierungsschein von 120 Liter Benzin oder 100 Liter Dieselöl; Lastwagen von 16 PS bis 20,09 PS: 1 Rationierungsschein von 160 Liter Benzin oder 135 Liter Dieselöl; Lastwagen von 21 PS bis 30,99 PS: 1 Rationierungsschein von 220 Liter Benzin oder 1D0 Liter Dieselöl; Lastwagen von 31 PS und mehr- 1 Rationierungsschein von 300 Liter Benzin oder 250 Liter Dieselöl. Für Holzgas- und HolzkohlenlaBtwagen mit Zueatzvergasern wird pro Fahrzeug 1 Rationierungsschein von 35 Liter Benzin abgegeben. b) Industrietraktoren für den Strassenverkehr 1 Rationierungsschein für 120 Liter Benzin oder 100 Liter Dieselöl. Art. 2, Diese Verfügung tritt am 16. September 1940, 0 Uhr, in Kraft. Die ab 16. August 1940 ausgegebenen provisorischen Rationierungsscheine für Kraftstoffe für sämtliche Motorfahrzeuge der in Art. 1 bezeichneten Art verlieren ihre Gültigkeit am 15. September 1940, 24 Uhr, und sind beim-Bezug neuer Rationierungsscheine den kantonalen Automobilstellen zurückzugeben. Konfevenzecn Die Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren die am 13. und 14. September in Gegenwart von Bundesrat Baumann in St. Gallen tagte, hat im Hinblick auf die ausserordentlichen momentanen Verhältnisse eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe das Studium der Frage der Motorfahrzeugbesteuerung und der Benz.inrationierung bildet. Für eine Benzinsteuer auf eidgenössischem Boden haben, wie mau weiss, die Kantone zwar aus mancherlei Gründen nicht viel übrig, aber eine gewisse Einheitlichkeit des Besteuerungssystems wäre während der Dauer der Benzinrationierung immerhin wünschenswert. Bis zu einem bestimmten Grade ist sie auch, was die Benzinsteuer anbelangt, zur Tatsache geworden, basiert doch die Regelung aller Kantone, die sich bisher zu diesem Bestouerungsmodus bekannt haben, auf den gleichen Ansätzen: 15 Rappen pro Liter Benzin und 25 Rappen pro Liter Dieselöl. Im übrigen beschäftigt jedoch das Problem der Benzinsteuer auch den Bund. Und dass er anscheinend ebenfalls ein Wort in dieser Angelegenheit mitzureden gedenkt, geht aus dem Interview hervor, das Bundesrat Celio der «Automobil-Revue» Anfang August gewährte und wobei er erklärte, der Bundesrat beabsichtige, den Kantonen «mehr als blosse Direktiven» hinsichtlich der Benzinsteuer zu erteilen, wenn er ihnen auch nicht alle Kompetenzen entziehen wolle. Nach einem Rückblick auf das erste Kriegejahr, in dessen Verlauf es dem Autogewerhe noch gelang,| sich leidlich über Wasser zu halten, umreisst der Redner die heutige Situation dieses Wirtschaftszweiges, die dringend nach weiterer Hilfe ruft, und zwar in erster Linie durch Arbeitsbeschaffung. Die Zusicherung des Bundespräsidenten, wonach die Behörden für Arbelt sorgen, koste es was es wolle, muss auch dem Autogewerbe gegenüber eingelöst werden. Welche Wege eröffnen sich dazu? Eines der wirksamsten Mittel verkörpert die Fürsorge für Betriebsstoffe. Die Benzinzufuhr ist heute mehr ein Transportproblem als eine Warenfrage. Mit Genugtuung darf man feststellen, dass der Import gemeinsam mit den Behörden nichts unterlässt und keine Kosten scheut, um das kostbare Nass ins Land zu bringen. Wir werden denn auch vom November an voraussichtlich mit einer Deckung des Bedarfs von vielleicht 50 bis 60% rechnen dürfen. Den zweiten Punkt im Kapitel «Betriebsstoffe» bilden die Ersatztreibetoffe. Hier heisst es, alle vorhandenen und ausgereiften Möglichkeiten erschöpfen. Die Kriegsfürsorge muss sich auch dieses Problems annehmen, denn das Autogewerbe sieht sich heute ausserstande, die Mittel aufzubringen, um dieser Frage auf den Leib zu rücken. Notwendig ist deshalb die Schaffung einer eidgenössischen Zentralstelle für Ersatztreibstoffe. Nachahmung von Seiten des Bundes wie durch die Kantone verdient übrigens das Beispiel der Behörden von Baselstadt, welche Motorfahrzeuge, die auf neue Betriebsstoffe umgebaut werden, von der Steuer befreien. Was die Benzinzuteilung an das Autogewerbe anbelangt, so befinden sich Verhandlungen im Gang, um ihm die nötigen Mengen zu sichern Um die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen sich der Automobilist das Fahren überhaupt noch leisten kann, muss die Frage der Besteuerung na ob Massuabe des Treibstoff Verbrauchs geprüft, Bald steht wieder eine neue Rationierungsperiode, der Monat Oktober, vor der Tür und mit dem 30. September ein Termin, der auch in normalen Friedenszeiten für viele Automobilisten eine wichtige Rolle bezüglich der Wageneinstellung während der kommenden Wintermonate spielte. Da die Litertafeln für Personen- und Lieferwagen sowie Motorräder für den Monat S&ptetnber sehr spät (28. August) veröffentlicht wurden und die sogar erst am 5. September erschienen^ Instruktionen an Klarheit und Präzision zu wünschen übrig liessen, wird es nicht unangebracht sein, wenn einmal die Automobilisten der zuständigen Stelle, der «Sektion für Kraft und Wärme», bekanntgeben, was sie für weitere Erlasse solcher Art erwarten. 1. Termin. Nicht nur die neuen Oktoberlitertabellen, sondern auch alle Vorschriften über die Oktober- Brennstoffrationierung sollten spätestens am 2 5. September in der Presse erscheinen. Dabei muss auf die Automobilfachpresse, d. h. deren Erscheinungsdaten derart Rücksicht genommen werden, daas die volle Publikation, die wohl in der Tagespresse kaum möglich- ist, wenigstens dort zu finden ist. Man darf sich im Bundeshaus nicht wundern, wenn jeweils den neuen Weisungen nicht vollständig nachgelebt wird, •wenn man bis anhin der Publizität so geringe Beachtung geschenkt hat. Nicht nur die kantonalen Kriegswirtschaftsämter müssen diese Weisungen kennen, sondern vor allem die «Betroffenen», die Automobilisten und Motorradfahrer. Eine möglichst frühzeitige Publikation erscheint umso eher am Platz, als der Automobilist, wenn er zur Schilderabgabe gezwungen wird, rechtzeitig seine Dispositionen für die nötige «Umstellung» treffen muss. Es war z. B. unverständlich, dass man am 12. September abends noch überhaupt nichts über die Benzinzuteilung an die Lastwagen für die Periode vom 16. September bis 15. Oktober wusste. 2. Klarer, präziser Text der Vorschriften. Die Veröffentlichung der Sepfembervorschriften vom 5. September ist ein Schulbeispiel dafür, wie man ee nicht machen soll. Da ist von «sollen», von «gewissen eigenen Benzinvorräten », von «angemessenen Rationen» für Zusätze etc. die Rede, alles vage Ausdrücke, so dass sich der Automobilist fragen musste, was nun eigentlich erlaubt sei und was nicht. 3. Wer darf fahren? Es ist von behördlicher Seite aus eindeutig zu erklären, dae auch die C- und D-Fahrer weiter ihren Wagen benützen dürfen, und zwar nicht nur im Oktober, sondern auch für spätere Möttate, selbst, wenn ihnen kein Benzin zugeteilt werden kann, sofern sie von eigenen Brennstoffvorräten zehren, die der Rationierung nicht unterliegen. Den betreffenden Fahrern müssen nun hierüber einmal definitive beruhigende Zusicherungen erteilt werden. Noch viele Fahrzeuge dürften damit dem Verkehr erhalten bleiben und daran hat ja das notleidende Autogewerbe das grösste Interesse. 4. Das Vorratsoroblem. Es gibt verschiedene Arten dieser .«gewissem eigenen Benzinvorräte », wie die « Sektion für Kraft und Wärme > sagt, nämlich: a) Vorräte, die vorsorglich in der Zeit vor Kriegsausbruch, d. h. vor Beginn der Benzinrationierung (28. August 1939) angelegt worden sind; b) Vorräte, die seit der Benzinrationierung gegen Unterzeichnung eines schriftlichen Revers angelegt wurden, wonach eie nur im Rahmen der AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 17 SEPTEMBER 1940 — N° 38 Die Berner Tagung des Schweizerischen Automobilgewerbes Fortsetzung-von Seite 1. müssen weiter die Versicherungsprämien gesenkt werden. Zwar verdient der 20prozentige Prämiennachlass, den die Versicherungsgesellschaften zugestanden, Anerkennung, aber er steht in keinem Verhältnis mit der heute noch vorhandenen Möglich- 'keit der Benützung der Fahrzeuge. Aus dem Umstand, dass der Treibstoffpreis nach wie vor eine Rolle spielt, ergibt sich die Notwendifkeit einer Senkung des-übersetzten Zolls. Zusammenfassend formuliert Dr. Kindler nachstehendes . Programm für Sofortmassnahmen, die geeignet sind, den Zerfall, des Autogewerbes aufzuhalten: Auf dem Gebiet vermehrter Arbeitsbeschaffung: 1. Förderung und Erleichterung der Einfuhr von Treibstoffen aller Art. 2. Prüfung der Frage der Ersätztreibstoffe durch den Bund und Ausnützung aller gegebenen Möglichkeiten. 3. Anpassung der Motorfahrzeugsteuern und Versicherungsprämien an die veränderten Verhältnisse (Benzinbesfeuerung). 4. Zuteilung der notwendigen Treibstoffmengen an das Gewerbe. 5. Ueberlassung des durch das Auto geschaffenen Arbeitsfeldes an den Autogewerbetreibendin. Dazu gehören Schliessung aller Nichtfachmannsäul»n und Servicestationen von Importeuren, Unterbindung des dlnkten Einkaufs beim Fabrikanten, Unterbindung von Ausflugsfahrten der Post. Der Handel mit flüssigen Brenn- . Stoffen und Autobestandteilen ist ebenfalls völlig dem Garagisten zu tiberlatsin. 6. Förderung der direkten Arbeitszuteilung durch Armee, ' Sund, Kantone; Gemeinden und Grossbetriebe von Handel und Industrie. 7. Subventionierung von Totalrevisionen und Umbauarbeiten für die Umstellung auf Ersatzbrennstoffe. Zur Erhöhung des Einkommens: 1. Verbot der Eröffnung neuer Garagen (eventl. Bedürfnisklausel). 2. Einbeziehung der Outsider in die Märktordnung. Wünsche an die „Sektion für Kraft und Wärme" monatlichen Rationierungsscheine verbraucht werden dürfen; ' c) Vorräte, welche sich der Halter im Laufe der letzten 12 Monate mit eigenen ersparten Benzinbons geschaffen hat, sei es, dass er im Militärdienst oder krank oder ohne Wagen in den Ferien war oder dass während einigen Monaten (Wintersai.son) geschäftlich nicht gerade viel « lief» und ^d}^ Vorräte, die ihre Entstehung dem Schwarz- ** ^RandeT verdanken; die aber äusser Betfächt fallen. '" '"' " "Wie steht es nun mit diesen « gewissen » Vorräten? Nehmen wir die 0- und D-Fahrer vorweg. Mit Ausnahme der sub b) genannten Vorräte muss es ihnen frei stehen, sie zu verwenden, wie es ihnen passt. Es wird auch nicht zulässig sein, ihnen vorzuschreiben, für welchen Zweck sie noch auf diese Reserven greifen. Die A- und B-Fahr^r sollten die Reserven a) und c) verbrauchen dürfen, ohne dass ihnen bei der Zuteilung der Nörmalfationen irgendwelche Abzüge gemacht werden. Durch Bundesratsbeschluss vom 19. Dezember 1938 wurde «tipuliert, dass Benzinvorräte angelegt werden sollen, damit im Kriegsfalle die « zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und damit für die Landesverteidigung unentbehrlichen» Brennstoffmengen zur Verfügung stehen. Man wird den vielen weitsichtigen Automobilisten heute dafür dankbar sein müssen, dass eie diesem Appell nachgelebt und sich Vorräte zugelegt haben. Auch anlääslich der Verarbeitung des amtlichen Fragebogens betr. Benzinralionierung; vom Oktober 1939, wo man die Vorräte angeben mufste, wurde von amtlicher Seite erklärt, dass diese Reserven weder bei der Kategorieneinteilung noch bei der Benzinzuteiltfng irgendwie angerechnet werden dürfen. Es geht nun heute nicht an, plötzlich die umgekehrte Ansicht zu vertreten und die Leute dafür büssen zu lassen, dass wenigstens s i e Reserven in Brennstoff angelegt haben. Dass für die Verwendung der sub b) genannten Vorräte Benzinrationierungsscheine vorhanden sein, d. h. abgegeben werden müssen, versteht eich von gelbst. 5. Einreisende Auslandsautomobillsten. Es ist bekanntzugeben, auf welche Brennstoffration ein zu vorübergehendem Aufenthalt einreisender ausländischer Automobilist Anspruch hat und wo er seine Karten beziehen kann (früher maximal 2 Karten der Kategorie D). 6. Gesuche für Versetzung In eine höhere Kategorie und Zusatzbenzin. Um einen unnützen Papierkrieg zu vermeiden, ist es dringend nötig, dass etwas näher umschrieben wird, welche dieser Gesuche noch Aussicht auf teilweise oder vollständige Berücksichtigung haben. Damit vermeidet man, dass unnütz Tausenda grüner Gesuche eingereicht und behandelt werden müssen. Es ist auch für den Autohandel wichtig, daes über das Schicksal neu in Verkehr kommender Wagen, d. h. deren Kategorieeinteilunsr, genauere Weisungen erTassen werden. Die Behandlung der Versetzunsrsgesuche sollte in mindestens 7 Taeen möglich sein, von deren Einreichung an gerechnet. Die Festsetzung eines letzten Termins (15. des Monats) für die Einreichung von Gesuchen für Zusatzbenzin ist «weifellos- angezeigt, doch darf man dann verlangen, dass die Gesuche bis zum 20. des betreffenden Monats auch behandelt sind und Antwort erteilt ist. Die vorstehenden Vorschläge sollen nicht eine fruchtlose- 'Kritik bedeu1en,,= sondern mithelfen, etwas mehr Klarheit zu scharfen und eine speditivere Erledigung der mit dem heutigen Treibstoffrationierungssvstem verbundenen Formalitäten zu ermöglichen. Finden diese aus der Praxis stammenden Ratschläge inskünfti? Berücksichtigung, so entzieht man damit der Gerüchtemacherei und mancher Kritik, die heute berechtigt erscheint, den Boden. V 3. Unterstützung der Sanierungsbestrebungen im Autohandel. 4. Margenerhöhung beim Benzinverkauf, 5. Erweiterung der Gebrauchsmöglichkeit des Händlerschildes und Herabsetzung der dafür zu erhebenden Taxe. H i l f s m a s s n a h m e n r e c h t l i c h e r u n d f i n a n z i e l l e r N a t u r : 1. Verhinderung des Ansteigens von Zinsen aller Art (Hypothekarzinsen, Mietzinsen usw.). 2. Individuelle Stundungsmöglichkeit während der Kriegszelt. 3. Finanzielle Hilfe von Bund, Kantonen und Gemeinden, soweit dies wegen der Kriegsverhältnisse individuell nötig erscheint und kein eigenes Verschulden vorliegt. Das Autogewerbe, s-chloss der Redner, wartet nun gespannt auf Taten. Es hofft, das Parlament werde sich dem Echo der heutigen Tagung nicht verschliessen und daraus seine Konsequenzen ziehen. Die Diskussion. Als erster Diskussionsredner meldete sich Nationalrat Müller zum Wort, um die Grüsse des kantonal-bernischen und des schweizerischen Gewerbeverbandes zu überbringen. Es hat den Redner wohltuend berührt, dass die Referenten die Selbsthilfe in den Vordergrund stellten, doch entbindet das nicht von der Pflicht, nach Mitteln zu suchen, um über die schwere Zeit hinwegzukommen. In dieser Beziehung kann Nationah-at Müller nur das eine versprechen: dass der schweizerische Gewerbeverband während der laufenden oder der nächsten Woche in der Gewerbegruppe des Parlaments die Postulate des Autogewerbes aufgreifen und in der Bundesversammlung vorbringen wird. Die Referenten an der heutigen Versammlung haben sich, und das berührt sympathisch, nicht in Kritik erschöpft, sondern sie sind mit positiven Vorschlägen hervorgetreten. Herr Oberstleutnant Beyer, Stellvertreter des Chefs der Sektion für Heeresmotorisierung, betonte die enge Verbundenheit von Armee»; und Autogewerbe und erinnert nochmals an all J das, was von den militärischen Stellen aus bisher zugunsten dieses Wirtschaftszweiges unternommen worden ist. Wenn das Autogewerbe heute die vermehrte Zuweisung von Aufträgen fordert, so ist demgegenüber festzuhalten, dass die Armee infolge der Brennstoffrationierung»ihren Fahrzeugbestand auf ein Minimum beschränkt hat. Darüber hinaus bringt der «Betriebsstoff-Sparbofehl» einen wesentlichen Rückgang der Reparaturen mit sich. Die Hoffnungen auf eine vermehrte Arbeitszuweisung können deshalb von der Armee nicht erfüllt werden, doch erklärt sich die Abteilung jederzeit bereit, Anträge aus dem Kreise des Autogewerbes entgegenzunehmen und wohlwollend zu prüfen, mit dem Vorbehalt freilich, dass dabei die Interessen der Landesverteidigung gewahrt bleiben. Herr National rat Leuenberger (Zürich), der Vertreter des VHTL, unterstreicht die Schicksalsverbundenheit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Autogewerbe und die Pflicht, alles zu tun, um ihnen zu Hilfe zu kommen. Er bedauert, dass Nationalrat Grimm, der für das verantwortlich gemacht wird, was heute über uns hereingebrochen ist, der Tagung hat fernbleiben müssen, denn er hätte die Gelegenheit benützen sollen, um seinen Standpunkt zu vertreten und um darzutun, wieweit er und andere für die Misere einzustehen haben. Der Redner verspricht, Herrn Grimm zu sagen, wie die Dinge stehen und ihn zu bitten, alles zu tun, um die Verwirklichung der heutigen Postulate sicherzustellen. Herr Löffler (von der Firma Schlotterbeck Basel) macht Sich zum Interpreten der im Autogewerbe gegen gewisse Behörden bestehenden Erbitterung, deren Gründe er an einzelnen Beispielen erläutert. Die Wünsche des Gewerbes zur Mitarbeit an der Treibstoffvorratshaltung wurden seinerzeit bagatellisiert und blieben unerhört. Heute indessen wären wir froh um jene Reserven, die wir in unseren Kreisen hätten anlegen können. Der Redner erhebt dann die Frage nach den Verantwortlichen für die Unterlassungen, deren Opfer das Autogewerbe heute ist. In der «Petrola» wurde das Autogewerbe, die grösste Verteilerorganisation im schweizerischen Benzinhandel, mit seinem Anerbieten zur Mitarbeit abgespiesen. Und an der Spitze des Eidg. Kriegstransporfamtes steht ein Jfann, der als ehemaliger Beamter der S.B.B, nach dieser Seife hin orientiert ist. Auch die Frage der Ersatzbrennstoffe hat akute Formen angenommen, weil der Umfang der Importe nicht mehr von uns abhängt. lAenderungen organisatorischer Natur bei den Behörden sind nicht länsrr zu umgehen, wobei namentlich die Leitung der Sektion für Kraft und Wärme nicht, wie bis anhin. im Nebenamt, sondern hauptamtlich ausgeübt werden sollte. Herr A. Schmidt (Genf) bricht eine Lanzo für die Schaffung einer Korporation im Autogewerbe, weil auf die Interventionen der Verbände hin bisher nicht oder nicht rasch genug gehandelt wurde. Herr Dr. A. B fi ch i (Schweiz. Hotelier-Verein Basel) weist auf die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Automobil und HoMlorie hin und redet einem Sofortprogramm das Wort, wobei er die Zusicherung abgibt, dass die Hofellerie die Bemühungen der automobilistischen Kreise nm eine Ermässigung des Benzinzolle weiterhin unterstützen werde. Herr Jaecfnes (Chaux-de-Fonds) möchte vor allem Taten sehen und übt Kritik daran, dasR gewisse Garageinhaber bei ihrer Rückkehr aus dem Militärdienst umsonst nach Beschäftimmg Umschau halten, währenddem andere immer mit Arbeit versehen sind. Herr Percy WJedmer (Basel) äussert si^h* zum Kar/itel «'Ersatzbrennstoffe» und spricht die Erwartung aus. dass die Förderung, welche die Behörden von Baselstadt dinsem Prnblpm angedpihen lassen, in der ganzen Schweiz S"hule machen möge. Angesichts der Erhöhung des Mcthvlalkohnlzolls lässt sich die Befiwhtnntr nicht ganz unterdrücken, dass es andern 'Treibstoffen ähnlich ergehen könnte. Der Bundesrat soll deshalb nuf sein Recht zur Zollerhöhung auf Ersatztreihsfoffen. hfti deren Beznsr wir auf das Ausland angewiesen bleiben, verzichten. Einstimmig bekenn! sich darauf die Tagunn ru den von der Verbandsleifunn ausgearbeiteten und von Dr. Kindler entwickelten Vorschlägen. Zu hoffen bleibt jetzt nur noch, dass die eindrucksvoll verlaufene Versammlung den ihr gebührenden Widerhall im ganien Lande finden und aufbauend mithelfen •werde an der Lösung der Gegenwartsprobleme.

JJ0 38 _ DIENSTAG, 17. SEPTEMBER 1940 Motorfahrzeug-Haftpflicht- Versicherung. Sistierungsrabatte werden sofort in bar ausbezahlt Nach den allgemeinen Versicherungsbedingungen sind die für vorübergehende Ausserbetriebsetzung eines Fahrzeugs vorgesehenen Sistierungsrabatte an der nächstfälligen Prämie in Anrechnung zu bringen. Nachdem die Benzinzumessung neuerdings reduziert und für einzelne Kategorien gänzlich eingestellt wurde, hat, wie in der letzten Nummer der « Automobil-Revue» bereits angekündigt, die Unfalldirektoren-Konferenz am 10. September 1940 beschlossen, dieses Jahr ausnahmsweise die Sistierungsrabatte den Versicherten auf deren Wunsch sofort in bar zurückzuerstatten. Sofern die Kantone den Motorfahrzeughaltern zu Beginn des Monats für die Rückgäbe der Schilder eine Toleranzfrist von einigen Tagen gewähren, wird diese Toleranzfrist, soweit sie 8 Tage nicht übersteigt, bei der Bemessung der Sistierungsdauer nicht berücksichtigt, d. h. es wird den Versicherten bei Rückgabe der Schilder innerhalb der Toleranzfrist für den betreffenden Monat der volle Sistierungsrabatt bezahlt. Diese Veröffentlichung des Beschlusses in der Automobil- und Motorrad-Fachpresse tritt an Stelle einer Mitteilung an die einzelnen Versicherten. Wie der ACS dazu mitteilt, werden die Sektionen des TCS und ACS bei den kantonalen Regierungen Schritte unternehmen, damit die von den Gesellschaften gewährte Toleranzfrist in allen Kantonen auch für die Steuer-Rückvergütung Geltung erhält. Die Erfüllung dieses Begehrens wird für manchen iMotorfahrzeughalter wenigstens eine kleine Erleichterung der gegenwärtigen Schwierigkeiten bringen; die genannten Organisationen zählen deshalb darauf, bei den kantonalen Behörden volles Verständnis zu finden. AM S«k Das thurgauische Autogewerbe ersucht um Zuweisung von Arbeit. Mit der Drosselung des motorischen Strassenferkehrs, bedingt durch die ständige Verschärfung der Benzinrationierung, -wächst für 1 die im Autogewerbe Tätigen die Gefahr zusehends, brotlos zu werden. Auch der thurgauische Autogewerbeverband wendet sich daher mit der dringenden Bitte an die Automobilisten, nach Möglichkeit mitzuhelfen, diesem Wirtschaftszweig Arbeit zu verschaffen. Der Verband empfiehlt den Fahrzeugbesitzern, den Wagen nicht kurzerhand aufzubocken, sondern ihn vor der Stillegung einer gründlichen Revision unterziehen zu lassen (eine Notwendigkeit, die wir an anderer Stelle der vorliegenden Nummer ausführlicher erörtern). Jenen aber, denen die Rationierung erlaube, den Fahrbetrieb noch weiter aufrecht zu erhalten, wird nahegelegt, um der grösstmöglichen Benzinersparnis willen die Motoren kontrollieren zu lassen. Darüber hinaus sollten namentlich jene Wagen, die mit Schäden irgendwelcher Art aus dem Militärdienst zurückkehren, sofort wieder in fahrbereiten Zustand versetzt werden. Rückgabe der Kontrollschilder im Kanton Zürich. Nach den neueren Angaben der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle Zürich beträgt die Zahl der bis zum 5. September abends zurückerstatteten Kontrollschilder für Automobile nicht 1100, sondern nur 9 2 2, was weniger als ein Viertel des Bestandes der Personenwagenbesitzer der Kategorien C und D ausmacht. Auch die Anzahl der zurückgegebenen Motorradschilder ist geringer; es sollen anstatt 400 nur deren 300 sein. Es hat sich somit klar erwiesen, dass noch viele der C- und D-Fahrer während der 12 Kriegsmonate • gewisse » kleinere Brennstoffreserven anlegen konnten odor schon vor Beginn der Brennstoffrationierung, d. h. vor September 1939, eigene Tankvorräte besassen, die sie nun ohne Rationierungsscheine verbrauchen können. Um so gespannter wird man dem Resultat der Schilderrückgabe per Ende September entgegenblicken! Da es sich ohnehin um einen Termin handelt, an dem auch zu Friedenszeiten normalerweise viele Schilder zurückgegeben werden, weil das Fahrzeug während der Wintermonate nicht in Verkehr gehalten wird und weil jetzt viele C- und D-Fahrer dazukommen dürften, die nun ihre Reserven aufgebraucht haben, hat die kantonale Motorfahrzeupkontrolle Zürich beschlossen, den Termin für die Rückgabe der Schilder per Ende September auf den 5. Oktober abends hinauszuschieben. Für die bis dahin deponierten Schilder wird daher die bereits bezahlte Steuer für das letzte Quartal zurückerstattet. V J^utto und f^askus Kommt sie? — die Benzinsteuer im Kanton Bern. Im August haben, wie unsere Leser wissen, der fiernische Kantonalverband der AGS-Sektionen und der TCS, Sektion Bern, in einer gemeinsamen Eingabe an den Regierungsrat für die Dauer der Benzinrationierung die Ersetzung der bisherigen Hubraumsteuer durch eine Steuer nach Massgabe des Treibstoffverbrauchs vorgeschlagen. Dazu teilt das Nachrichtenblatt der AGS-Sektion Bern mit, die kantonale Polizeidirektion, die mit Berichterstattung und Antragstellung an den Regierungsrat beauftragt sei, habe ihre Vorarbeiten bereits abgeschlossen und ihre Absicht kundgegeben, die Forderungen der Verbände an einer Konferenz mit den Strassenverkehrs-Organisationen zur Sprache zu bringen. Natürlich wäre man in den Kreisen der bernischen Automobilisten keineswegs ungehalten, wenn sich die Möglichkeit ergäbe, die Steuerrevision noch im Laufe des Septembers zu realisieren, aber wiewohl die Polizeidirektion die Einberufung der erwähnten Konferenz grundsätzlich versprochen hat, ist deren Termin bisher noch nicht festgesetzt worden. • Ob bei diesem Tempo die Zeit noch ausreicht, um die Neugestaltung des Steuersystem« auf das Ende des 3. Quartals hin vorzunehmen, und ob die Benzinsteuer, die bei der Regierung immerhin nicht auf grundsätzliche Ablehnung zu stossen scheint, auf das 4. Quartal hin in Wirksamkeit treten kann, wird allerdings je länger desto fraglicher. Steuerreduktion und -rückzahlung im Kanton Wallis. Um der durch die BenzinTationierung geschaffenen Lage Rücksicht zu tragen, hat der Walliser Staatsrat am 29. August beschlossen: 1. den Besitzern von Personenautomobilen der Kategorien G und D, welche ihre Verkehrssteuern für das ganze Jahr bezahlt und ihre Schilder hinterlegt haben, die auf die Monate September und Oktober entfallenden Gebührenquoten zurückzuerstatten; 2. für die Monate September und Oktober den Besitzern von Motorfahrzeugen der Kategorie A eine Reduktion der Steuern um 10% und jenen der Kategorie B eine solche von 20% zu gewähren. Stfa»£Ksenvea»l«^ha» Im Zeichen des Fahrrad-Hochbetriebes Auch die Walliser Polizeibehörden erheben den Warnfinger. Angesichts der Lockerung, um nicht zu sagen Verlotterung der Verkehrsdisziplin bei einer gewissen Sorte von Radfahrern hat sich die Genfer Polizei schon vor einiger Zeit veranlasst gesehen, mit dieser Kategorie von Strassenbenützern schärfer ins Gericht zu gehen und ihnen ein besonderes Augenmerk zu widmen. Nunmehr erlässt auch das Walliser Polizeidepartement einen Aufruf, worin es darauf hinweist, dass infolge der Treibstoffrationierung der Automobilverkehr stark zurückgegangen sei, währenddem zugleich die Zahl der Radfahrer täglich wachse. Viele unter ihnen erachten es indessen für überflüssig, sich an die Verkehrsvorschriften zu halten, sie fahren zu dritt nebeneinander, schneiden die Kurven und verhalten sich allgemein so, dass die Unfallgefahr sich ständig steigert. Ein solches Benehmen, betont der Appell, könne aber nicht geduldet werden, weshalb die Kantonspolizei Auftrag erhalten habe, mit aller Strenge dagegen vorzugehen. c Wir hoffen gerne», so 6chliesst der Mahnruf, « dass der gute Wille der Strassenbenützer zu einem reibungslosen Verkehr führe und die dafür vorgesehenen Strafmassnahmen nicht zur Anwendung gelangen müssen ». AUTOMOBIL-REVUE Sauerstoffanreicherung des Leinöls aus der Luft zustandekommt, wird sie nämlich bei den Nitrolacken ganz einfach durch das Verdampfen der lacklösenden und verdünnenden Mittel bewirkt, was weit rascher vor sich geht. An Stelle einer Wartezeit von Tagen nach dem Spritzen sind hierzu nur noch Stunden nötig. Bei den modernen Kunstharzumgeänderten Fahrzeuge unerlässlich: Stärkere Anlasser Spezial-Zündkerzen Hochleistungszündspulen mit Trotz der gewaltigen Fortschritte in der Technik des Anstrichs von Automobil-Karosserien hält das Kleid des modernen Wagens immer noch nicht so lange wie das Fahrzeug selbst. Auch verliert es mit der Zeit an Ansehnlichkeit und bedarf daher ganz abgesehen von einer eigentlichen Erneuerung von Zeit zu Zeit einer kleinen Verschönerungskur durch Aufpolieren, wobei die von der Witterung angegriffene, äusserste Haut entfernt wird, um wieder den alten Glanz hervorzuzaubern. Die Mehrzahl unserer gebrauchten Fahrzeuge stammt aus der Zeit, wo die Nitrozelluloselacke zum mindesten als Deckschicht das Feld beherrschten. Ihre Einführung verdanken sie dem Umstand, dass nach Schluss des letzten Weltkriegs grosse Produktionsanlagen zur Erzeugung von Nitrozellulose zur Verfügung standen, die für die Pulverfabrikation nicht mehr nötig waren und infolgedessen nach neuen Absatzgebieten für ihr Halbfabrikat Ausschau halten mussten, die sich dann schliesslich eben in der Erzeugung von Nitrozelluloselacken fanden. Nach anfänglich nicht ganz hundertprozentigen Erfolgen Hessen sich bald auf Grund gesammelter Erfahrungen Lackiermethoden auf Basis der Nitrozellulose finden, welche die alten Oellacke vollständig zu verdrängen vermochten. Denn die Nitrozelluloselacke erwiesen sich diesen noch aus dem Kutschenzeitalter übernommenen Lackierverfahren sowohl an Dauerhaftigkeit als auch in anderer Hinsicht als weit überlegen. Vor allem Hessen sich damit die Trockenzeiten ganz wesentlich kürzen. Im Gegensatz zu den Oellacken, wo die Verfestigung durch langsame Spezialverteiler (Dieselaustauschsalze) oder Hochleistungszünder Die Forderung des Tages: Für Ihre auf Holzgas Betrieb ROBERT BOSCH A. G. - GENF - ZÜRICH Nur einwandfreie Fahrzeuge., Alter Wagen im neuen Kleid lacken, die heute mit den Nitrozelluloselacken im Wettbewerb stehen, muss hingegen mit etwas längeren Trockenzeiten gerechnet werden. Dafür kommt man bei an sich glatten Oberflächen ohne Spachtelunterlage aus, erspart ferner dank dem natürlichen Hochglanz das Aufpolieren nach Schluss des Spritzens und benötigt schliesslich eine bedeutend kleinere Zahl (z. B. nur zwei) aufeinanderfolgender Lackschichten. Die Firma Du Pont-de Nemours, während des Krieges Hauptlieferantin der Alliierten in Explosivstoffen, gilt als Pionierin für die Nitrozelluloselacke, die sie heute noch unter dem Namen «Duco» herstellt. Allerdings blieb sie auf diesem Gebiete nicht lange aHein und heute werden Nitrolacke auch von der Schweizerindustrie hergestellt, welche mit den amerikanischen Produkten den Wettbewerb durchaus erfolgreich aufzunehmen vermochte. Ein Fahrzeug, ob alt oder neu, macht nur dann einen gepflegten Eindruck, wenn sich seine Lackierung in einwandfreiem Zustand befindet. Sein Aeusseres repräsentiert gleichsam die Visitenkarte, die es für uns abgibt. Darüber hinaus aber hängt davon auch zum Teil die Lebensdauer der Karosserie selbst ab, denn die Lackierung hat nicht zuletzt die Aufgabe, das Metall vor Korrosion zu schützen. Ist der Lacküberzug da und dort durchgewetzt, so wird eine Ausbesserung fällig, soll der Schaden nicht weiter um sich greifen. Beim Augenschein durch einen Fachmann erweist sich unter Umständen die gesamte Lackierung als erneuerungsbedürftig, weil es sich nicht lohnt, sie nur stückweise in Ordnung zu stellen, wenn ohnehin daneben da und dort bald weitere Schäden auftreten würden. Durch das Aufpolieren, das in Zeitabständen von 4—6 Monaten nötig wird, nimmt nämlich die Dicke der Lackschicht immer mehr ab, bis eines Tages an dieser und jener Stelle die Spachtelunterlage durchzuschimmern beginnt. Dann hilft schliesslich kein Zaudern mehr.. 5 Die Neulackierung von Karosserien geschieht ähnlich wie in der Automobilfabrikation nach dem Spritzverfahren. Man benötigt also dazu, abgesehen von Lack und Verdünner als Zusatz zur dicken Lacklösung auch eine Spritzpistole mit Druckluftschlauch, die sich an ein Pressluftnetz von 3—4 Atm. anschliessen lässt. Zweckmässig wird in diese Pressluftleitung noch ein Wasserabscheider eingefügt. Beim Betrieb der Pistole saugt der Druckluftstrahl den Lack aus dem Farbbehälter an und stösst ihn fein vernebelt durch die Mündung aus. Die Ansätze zur praktischen Anwendung des Farbspritzverfahrens gehen ins vorige Jahrhundert zurück. De Vilbiss, ein amerikanischer Arzt, der einen schon damals weitbekannten medizinischen Zerstäuber erfunr den hatte, kam als einer der Ersten auf den Gedanken, vermittels eines derartigen Apparates auch Farbe zu zerstäuben. Er gründete, nachdem sich das Verfahren als entwicklungsfähig erwiesen hatte, eine Gesellschaft, die zusammen mit seinen Farbspritzapparaten auch die von ihm erfundenen und heute ebenfalls in aller Welt bekannten «Toledos- Waagen erzeugte und vertrieb. Die Spritzpistole vermochte sich nur langsam und eigentlich erst dann durchzusetzen, als ihr die rasch trocknenden Nitrolacke den Weg ebneten. Ohne diese neuen Lacke wäre eine derartige Serienproduktion, mit welcher Ford gleich nach dem Weltkriege die Welt erstaunte, gar nicht möglich gewesen. In der Schweiz tauchte die Farbspritzpistole Anfang der 20er Jahre auf. Als die erste vollständige Apparatur nach Zürich kam, mietete die Generalvertretung der De Vilbiss- Apparate auf der Alknend in Zürich in den damaligen «Progress-Werken» einen kleinen Raum in einem barackenähnlichen Anbau zufolge der damals allgemein vorherrschenden Meinung, dass die Geschichte mit den schliesslich aus Schiessbaumwolle hergestellten Nitrolacken vielleicht doch nicht so ganz «urchig» sei und dass man damit am besten etwas abseits gehe. Die erste Anlage holte sich der bekannte Genfer Karossier Gangloff höchst persönlich und war sichtlich befriedigt, als er hörte, dass die nächste derartige Einrichtung eine Lieferfrist von mindestens drei Monaten benötige, was für ihn einen entsprechenden Vorsprung auf seine Konkurrenz bedeutete. (Schluss Seite 7.)