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E_1940_Zeitung_Nr.040

E_1940_Zeitung_Nr.040

BERN, Dienstag, 1. Oktober 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevu», Bern Geschäftsstelle Zürichs Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di« aehtgespmrtene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raun 45 jRp. GrBssere Inserate nach Spezialtarif Inaeraiensehlnss 4 Tage vor Erseheinen der Hnmmer Experimente mit der Benzinsteuer Die Tarnung von Privatwagen in England Das Gebot der Gerechtigkeit verlangte eine Anpassung der kantonalen Motorfahrzeugsteuern an die Rationierung der Treibstoffe. Im ersten Rationierungsjahr haben 16 Kantone oder zwei Drittel, aller Stände die Notwendigkeit erkannt, die Verkehrssteuern in Beziehung zu der Treibstoffrationierung zu setzen. Bei der Lösung des Problems, auch von der Steuerseite her den eingeschränkten Fahrleistungen Rechnung zu tragen, kann man zwei grundsätzliche Verfahren unterscheiden. Eine Gruppe von neun Kantonen versuchte unter Beibehaltung der bisherigen Hubraumtaxen den Ausweg in Steuerermässigungen, wobei sieben Kantone (Appenzell A.-Rh., Thurgau, Schwyz, Zürich, Solothurn, Glarus und Wallis) Abstufungen nach den Rationierungskategorien vornehmen, während die Waadt und Baselstadt eine generelle Steuersenkung durchführten, wobei Baselstadt ausserdem für die Kategorien C und D zur monatlichen Steuerrückvergütung übergegangen ist. Dieser Gruppe ist das Chäräktefisti'kum des Festhaltens am Prinzip der Hubraumsteuer selland und Aargau nur die Personen*- und Lieferwagen sowie die Motorräder der neuen Regelung unterstellt, für die Lastwagen bleibt die alte Hubraumstsuer weiterhin in Kraft. In diesen beiden Kantonen werden somit zwei Steuerverfahren nebeneinander und gleichzeitig angewendet. Weitere Unterschiede bestehen in bezug auf die Kriterien für die Grundgebühren. Der Tessin, Luzern, St. Gallen und Appenzell I.-Rh. behalten die Hubraumtaxe noch in einer Art rudimentären Form bei, indem sie die früheren Ansätze auf 1 Fr. pro PS reduzieren. Die Unterschiede in den jährlichen Minimalgebühren von 10—15 Fr. für Motorwagen bzw. 3—5 Fr. für Motorräder sittd dabei nebensächlich. ^ •'. Einen wirklich radikale» Bruch mit der «Tradition» haben bis heute eigentlich/erst der Aargau, Graubünden und Baselland vollzogen: sie schalten den Hubraum als- ein Element der Besteuerung überhaupt gänzlich aus. Aber auch dieses Trio geht verschiedene Wege. Graübünden und Aargau ersetzen das Element "«Hubraufn» durch den FaktoP^Zeit»-." Sie stufen die Grundtaxe nach der Benützungsdauer ab, man erhebt monatlich, pauschale Gebühren von 5—7 Fr. für Motorwagen (pro Jahr 60-^-75 Fr. und von 1 Fr. für Motorräder (jährlich 10—12 Fr.). Diese festen Abgaben sind wesentlich höher als an den vier Kantonen mit Grundtaxen auf der gemeinsam. Die angeführten neun Stände begnügen sich damit, das alte Steuersystem an die durch die Verhältnisse bedingten Umstände anzugleichen. Sie sehen vorläufig davon ab, die eigentliche Grundlage der Be-Basis von 1 Fr. pro PS, wo ein jährliches Maximum 5 Fr. für Motorräder und 20—25 Franken für Personenwagen (entsprechend 20—25 St.-PS) in der Regel kaum überschritten werden dürfte. steuerung, nämlich den Hubraum, als Steuerbasis — nach der üblichen Formel ergeben 197 ccm 1 sog. St.-PS — zu verlassen. Mit ganz andern, neuartigen Methoden führte zu Beginn des Jahres der Tessin die Benzinsteuer in der Schweiz ein, und seinem Beispiel sind seither Luzern, Aargau, St. Gallen, Graubünden, Appenzell I.-Rh. und Baselland gefolgt. Innerhalb dieser Siebnergruppe ergeben sich nun auch wieder prinzipielle Abweichungen. Eine erste Trennung lässt sich beispielsweise nach dem Geltungsbereich vornehmen. Fünf •Kantone (Tessin, Luzern, St. Gallen, Graubünden und Appenzell I.-Rh.) wenden die Benzinsteuer auf sämtliche von der Treibstoffrationierung betroffenen Fahrzeugarten, also auf Personenwagen, Nutzfahrzeuge und Motorräder, an. Demgegenüber sind in Ba- F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 42. Fortsetzung «Ich bin sehr froh, du rnusst es mir glaußen ! Bin sehr glücklich, dass du wieder in Ordnung bist mit allem ! Sehr !... Ich war dir auch nie böse. Es war nur schrecklich peinlich alles...» Becker legt seinen Mund auf Gerdas Hand. Sie entzieht sie ihm so sanft wie möglich : < Aber wie willst du denn nun dein Leben iweiter einrichten, Alfred ? » Becker rückt näher zu Gerda heran. Er entrollt ihr seine Zukunftspläne. Er schildert ihr die Möglichkeiten, die Brasilien einem intelligenten Menschen von seinen Fähigkeiten bietet. Er baut seine künftige Existenz vor ihr auf, mit grossen, flammenden Bildern, und wagt es doch nicht, Gerda offenkundig hineinzubeziehen in sein kommendes Leben. Nur einmal sagt er tastend : « Wein du dann später auf Europa zurückisehen wirst...» « Nicht doch », sagt Gerda, « Du weisst ja selbst, dass das mit mir nie sein wird. > Die einfachste Lösung, die weder auf den Hubraum noch auf die Zeit abstellt, kennt Baselland. Hier sind lediglich pauschale Grundtaxen von 5 Fr. für Motorräder, 20 Fr. für Dreiräder (inkl. Seitenwagen) und 50 Fr. für Personen- und Lieferwagen zu entrichten. In allen diesen Kantonen liegt jedoch der Zuschlag von 15 Rp. pro Liter Benzin oder 25 Rp. pro Liter Dieselöl auf gleicher Höhe. Da bei den gegenwärtigen und früheren Treibstoffzuteilungen nicht zu erwarten steht, dass Benzinabgabe plus Grundtaxe die frühere Verkehrssteuer Bremse der Begrenzung nach oben angezogen werden, muss, können sich die beiden Steuer- Das englische Tranepoxtministerium besitzt die Möglichkeit, Privatwagen, bei denen nieht die erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden sind, um deren Sichtbarkeit aus der Luft zu vermindern, vom Verkehr auszuschliessen. Bereits haben sich denn auch Spezialisten für die Herstellung von Tarnungsanstrichen auigetan. Die Kosten der « Camouflage » stellen sich, je nach Wagengrösse, auf 35 Schilling bis zu über 5 Pfd.-St. Unser Bild zeigt die Arbeiter einer solchen Firma beim Aufspritzen der Tarnung. komponenten praktisch voll auswirken. Dabei darf man annehmen, dass der Einfluss der Grundtaxe auf das Gesamtsteueraufkommen in den Kantonen Aargau, Baselland und Graubünden wesentlich grösser ist als in den andern vier Kantonen mit Benzinsteuern. Die Einführung der Benzinsteuer hat uns vorderhand noch keine Vereinfachung gebracht, im Gegenteil, die Buntheit im Steuerwesen ist noch gewachsen. Momentan stekken wir im Stadium der Umwandlung des Versuches, und deshalb ist es begreiflich und sogar wünschenswert, wenn namentlich in bezug auf die Grundtaxe mehrere Methoden praktiziert werden. Auf Grund der in verschiedenen Kantonen gesammelten Erfahrun- lässt sich .möglicherweise eine übersteigen und diegen Mittellinie Becker widerspricht nicht. Er kennt Gerda, sie sagt manches Mal etwas, was sie nicht denkt... Wäre sie denn sonst zu ihm gefahren ?... Er .muss sie nur behutsam behandeln und schonend...! So neigt er sich zu ihr, sagt, mit der ruhigen Stimme, die ihr so viel Vertrauen eingeflösst hatte früher : « Du weisst nicht, was das bedeutet, Gerda, so geliebt zu werden wie du von mir... das wirft das Leben nicht jedem Menschen in den Schoss... es gibt viele, Gerda, viele, die mit den ganz kleinen Gefühlchen auskommen müssen, die ihnen wie Brocken hingeworfen werden !... Und diese armen Menschen müssen diese Gefühlchen dann gross aufbauschen und viel drum 'rum machen... damit sie Platz einnehmen im Leben und die grosse Leere ausfüllen ! » Schön spricht er, denkt Gerda. Und sieht an ihm vorbei mit zuckendem Lächeln. Wenn aber die «kleinen Brocken», die von der Empfindung eines anderen abfallen, so viel bedeuten können ... so viel ?... Ja, alles ! Alles !... Und eine Sehnsucht steigt in ihr auf nach Hans Römer, wie sie sie bis zur Stunde noch nie empfunden. «Ich möchte dich um etwas bitten, Alfred ...» « Du machst mich glücklich damit, Gerda !» finden, auf der man eine einheitliche, schweizerische Motorfahrzeugsteuer aufbauen kann. « Erzähl' mir genau, wie das gewesen ist mit Direktor Römer.» «Er hat mir verziehen, Gerda! > «Wo hast du ihn gefunden, Alfred ? Wie war das ? » Becker lehnt sich zurück, sagt ernst: « Nein, Kind. Darüber kann ich dir nichts erzählen.» « Es braucht dir nicht peinlich zu sein vor mir, Alfred ! > « Damit hat es nichts mehr zu tun, Gerda. Meine Sache ist erledigt! Aber es ist eine Schuftigkeit, eine neue Schuftigkeit von mir, dass ich noch hier sitze, deinetwegen noch geblieben bin. Ich hatte mein Ehrenwort gegeben, noch gestern abzureisen ! » < Dein Ehrenwort ?... Warum, Alfred ? Warum ? » « Quäl' mich nicht, Gerda. Ich kann es dir nicht sagen. Der Mann hat sich anständig benommen mir gegenüber ! > < Du weisst also, was ihn fernhält von der Fabrik ? Fernhält von den Seinen ? » « Ich weiss es, Gerda.» « Dann wirst du es mir sagen. » «Nein, Kind. Das werde ich nicht. Nicht hier !... Wenn wir drüben sind, im neuen Land... dann .meinetwegen. » Wie eine Anklage schleudert Gerda ihm ins Gesicht: Aber die Versicherungsprämien? Hat somit bisher die Mehrheit der Kantone für die aussergewöhnliche Lage des Automobilverkehrs, wie sie durch die Treib-» Stoffrationierung geschaffen worden ist, Verständnis bewiesen, so hapert es damit bei den Versicherungsgesellschaften. Gewiss, die 20* prozentige Reduktion der Haftpflichtprämien! bedeutet einen Schritt zur Anpassung an die durch die Umstände erzwungene Einschrän* kung der Fahrleistungen. Aber dabei darf es sein Bewenden nicht haben, denn die bisherige Ermässigung entspricht dem Rückt gang des Unfallrisikos, gekennzeichnet durch die Ausschaltung von rund 34 000 Fahrzeugen, und die scharfe Drosselung der Fahrleistungen der noch venbleibenden durchaus nicht mehr und bedarf dringend einer Kor-* rektur im Sinne einer weiteren Senkung. « Seine Frau ist gestorben ! Frau Direktor Römer ! » Ruhig antwortet Becker: « Ich weiss es, Gerda. > Gerda Manz, völlig hilflos vor dieser unerwarteten Unbeugsamkeit, ist dem Weinen nahe: «Alfred, das ist meine erst© Bitte an dicfö ... meine allererste, seit wir uns kennen.. • Alles, was du bisher für mich getan hast, hast du dir selbst zuliebe getan !... Aber diesmal... Alfred...» Flehend ergreift sie* seine Hände : < Ich liebe... ich verehre diel* Familie Römer.— sie schwebt in Todesangst ! » « Wer ist das jetzt, .Familie' Römer...?, Die Tochter ? Der Sohn —? ! Für wen zitterst du ? > Und da Gerda erblasst: « Für den jungen Herrn zitterst du — def dich zu Ausfahrten und Diners einladet, ja? ! ... Der dir schönere Geschenke machen kann als ich! Ja? !... Der dich aber nur zu einer machen wird, wie sie zu Tauseraden herum- 1 laufen in der Welt! Zu nichts anderem !! * Gerda zittert vor Zorn : « Ich verbiete dir, so zu sprechen ! HattS ist ein prachtvoller Mensch.» Das Weinglas zerbricht in Beckers Hand. «So?.«. JIans'?L»« So steht ihr also