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E_1940_Zeitung_Nr.040

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lüa steht die Anpassung* de* Steuern,? Base -Stadt macht vorwärts. Steuerrückvergütungen und Förderung der Ersatztreibstoffe durch Steuererleichterungen. Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt nahm am 26. September in seiner ersten Sitzung nach den Ferien stillschweigend "und in zustimmendem Sinne Kenntnis von einer Verordnung, die ihm der Regierungsrat nebst einem erläuternden Begleitschreiben auf Grund der ihm erteilten ausserordentlichen Vollmachten "vom 30. Mai 1940 vorlegte. Danach wird anerkannt, dass der Kanton nicht •wohl einen Steueranspruch erheben könne, wo wegen mangelnder Benzinzuteilung Schilderrückgaben aus den Kategorien C und D erfolgen. Vorausbezahlte Steuern sollen daher pro Kalendermonat zurückerstattet werden, obwohl Basel-Stadt bisher nur die quartalsweise Steuerrückzahlung bei Schilderrückgabe kennt. Der auf Grund des Zusatzes vom 25. Januar 1940 zum Motorfahrzeugsteuergesetz gewährte Rabatt von 12% auf die voll entrichtete Jahresßteuer, wird nicht zurückverlangt. Dem "Fahrzeughalter, der seine Schilder abigibt, wird einfach Vu der bezahlten Jahressteuer zurückgegeben. Wie RegierungsTat Brecbbühl bereits am 6. September anlässlich der grossen Versammlung des Autogewerbe-Verbandes beider Basel mitzuteilen in der Lage war, hat die Regierung unter diesem Titel beschlossen, die Verwendung von Ersatzbrennstoffen tatkräftig zu fördern und zu /unterstützen. Ein erster Schritt in dieser Richtung ist der ausdrückliche Erlass der Motorfahrzeugsteuer auf Wagen, die auf den Betrieb mit Ersatzbrennstoffen umgebaut wurden oder werden. Von ihnen soll lediglich eine der Wagenkategorie entsprechende Verkehrsgebühr erhoben werden. Dieser Steuererlass dürfte bereits ein Anreiz zum Umbau auf Ersatzbrennstoff für manches Fahrzeug sein und dem Autogewerbe erwünschte Beschäftigung bringen helfen. Vor einer Revls'on der Verkehrssteuern in Genf. In einem vor dem Genfer Grossen Rat abgegebenen Expose schilderte Staatsrat Casai die wirtschaftliche und soziale Lage des Kantons, wobei er, das Automobilwesen berührend, die Erklärung abgab, dass das Justiz- und Polizeidepartement gegenwärtig die Revision der Verkehrssteuer- Gosetzgebung prüfe in der Absicht, während der Krise eine möglfchst grosse Anzahl von Fahrzeugen in Betrieb zu erhalten. Leitender Gedanke sei dabei die Anpassung der Steuern an den Benzinverbrauch. Auch Freiburg räumt Steuerrückvergütungen ein. Die Regierung des Kantons Freiburg hat beschlossen, vom 1. Oktober bis 31. Dezember gewisse Erleichterungen auf den Verkehrsstouern eintreten zu lassen, und zwar in folgendem Ausmass: Personenwagen und Motorräder: Kat. A 1—4 20 % Kat. A 5—8 und Kat. B 1—4 30 % Kat. C und D 40 % (im Falle der beiden letzterwähnten Kategorien nur, sofern sie noch fahren können). Lieferwagen und Lastwagen bis 1 t: Kat. A 1—4, B 1—2, C 1 20 % Kat. A 5—7, B Z—5 und G 2—4 30 % Lastwagen über 1 t, Gesellschaftswagen und Industrietraktoren: Fahrzeuge mit Dieselbotrieb 10 % Fahrzeuge mit Benzinbetrieb 20 % Sofern der Halter die Steuer für das letzte Quartal schon vorausbezahlt hat, wird ihm für das nächste Jahr eine diesen Ermässigungen entsprechende Gutschrift gewährt. Der gleiche Modus findet Anwendung auf jene, die nicht mehr fahren; ihnen steht ein Anspruch auf Rückvergütung der vollen Quartalssteuer zu. In ihrer vorliegenden Form entspricht die Skala der Reduktionen nicht vollständig den Wünschen der Motorfahrzeugbesitzer. Die Sektion Freiburg des T.C.S. z. B. hatte die Einführung der Verbrauchssteuer postuliert und dazu standen die Präeidenten der freiburgischen Strassenverkehrs-Interessentenverbände im Begriff, die Frage der Steueranpassung an einer gemeinsamen Sitzung zu erörtern, doch kam ihnen der Beschluss der Regierung zuvor. Benzinsteuer auch in der Waadt. Einer eben veröffentlichten Mitteilung des waadtländischen Departements der öffentlichen Arbeiten zufolge tritt ab 1. Oktober eine Benzinsteuer an die Stelle der bisherigen Verkehrssteuer. Der Ansatz ist — wie in allen Kantonen, welche bisher diesen Weg beschritten — auf 15 Rappen pro Liter Benzin und 25 Rappen pro Liter Dieselöl fixiert; die Erhebung erfolgt bei Ausstellung der Bezugsscheine. Motorräder, Seitenwagen, Personenwagen und Lieferwagen haben daneben eine monatliche Taxe in der Höhe von 1—6 Fr. zu entrichten, je nach der PS-Zahl des Fahrzeugs. In keinem Fall jedoch dürfen die neuen Steuern das bisherige Steuerbetreffnis übersteigen. Für Fahrzeuge, welche mit Holzgas betrieben werden, erfolgt eine weitere Herabsetzung der Steuern von 10 %> auf 20%, Anhänger bezahlen, je nach Nutzlast, 3—40 Fr. Fahrzeuge, deren Nummernschilder nicht hinterlegt werden und welche keinen Treibstoff mehr zugeteilt erhalten, entrichten die vor dem 1. Oktober «eltenden Steuern. Auch Appenzell I.-Rh. bekennt sich zur Benzinsteuer Die Standeskommission von Appenzell I.-Rh. hat mit Rücksicht auf die Rationierung der flüssigen Kraft- und Brennstoff© folgende Aenderungen der bisherigen Vorschriften übeT den Bezug der Motorfahrzeugsteuern beschlossen: Die Besteuerung der mit flüssigen -Kraftstoffen betriebenen Motorfahrzeuge berechnet sich während der Dauer der Rationierung der flüssigen Betriebsstoffe nach Massgabe der Zuteilung derselben. Die Steuer beträgt für jeden zugeteilten Liter Benzin 15 Rp. und für jeden Liter Dieselöl 25 Rp. Der Bezug der Betriebsstoffsteuer erfolgt anlässlich der Ausgabe der Rationierungs- oder Zusatzkarten,, jedoch höchstens bis zu den in Art. 2 dieses Beschlusses aufgestellten Steuerpositionen. Ausserdem wird — Traktoren, die ausschliess- Iich landwirtschaftlichen Zwecken dienen, ausgenommen —• eine jährliche Grundgebühr von 1 Fr. pro HP erhoben im Mindestbetrag jedoch von 15 Fr. für Motorwagen und von 5 Fr. für Motorräder. Bei Motorfahrzeugen, die nicht mit rationierten Kraftstoffen betrieben werden, beträgt die Jahressteuer: 1. Für Motorwagen bis und mit 8 HP (Grundsteuer 130 Fr., mit einem Zuschlag von 15 Fr. für jede weitere HP. Für Motorlastwagen über 8 HP wird ausserdem ein Zuschlag von 20% erhoben. 2. Für Motorräder bis und mit 2 HP (Grundsteuer) 40 Fr., mit einem Zusehlag von 15*Fr. für jede weitere HP. 3. Für Traktoren bis und mit 5 HP 50 Fr ; , über 5 HP bis und mit 8 HP 100 Fr., über 8 HP gleichviel wie Motorlastwagen. Bruchteile einer HP von 0,5 oder darüber werden als ganze HP berechnet. Für Landwirtschaftstraktoren und andere landwirtschaftliche Arbeitsmaschinen, die ausschliesslich landwirtschaftlichen Zwecken dienen, ferner für Holzgasfahrzeuge beträgt die Steuer die Hälfte obgenannter Ansätze. Sofern öffentliche Strassen und Plätze nicht befahren werden, wird keine Steuer erhoben. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 1. OKTOBER 1940 — N° 40 Im weiteren führt der Beschlues die Wechselnummern ein (volle Steuer für das erste Fahrzeug, 20 Fr. oder 10 Fr. für das zweite, je nachdem es ohne rationierte Kraftstoffe oder mit solchen betrieben wird); darüber hinaus bringt er die zweimonatliche Steuerberechnung und die auf den Tag berechnete Steuerrückvergütung für recniirierte oder für solche Fahrzeuge, deren Halter sich im Militärdienst befindet. Zürich reduziert die Steuern nochmals! Als sich der Regierungsrat des Kantons Zürich darüber schlüssig werden musste, wie gestützt auf das Ermächtigungsgesetz vom 16. Juni die Anpassung der kantonalen Verkehrssteuern an die Benzinzuteilung vorgenommen werden sollte, musste er auf die für Mai ud Juni geltenden Benzinrationen abstellen, um die bezügliche Verordnung noch auf die zweite Hälfte Juni herausbringen zu können. Es kam mit dem 1. Juli der Abbau der Brennstoffzuteilung, dem dann im September eine weitere, scharfe Kürzung und die Streichung der Kategorien G und D erfolgte. De Kantonale Strassenverkehrsliga Zürich hat die Ereignisse vorausgesehen und bereits anfangs August das Gesuch an den Regierungsrat gerichtet, durch eine weitergehende Herabsetzung der Verkehrssteuern den «Anschluss> an die Brennstoffzuteilung in die Wege zu leiten. Sie schlug hiebei vor, auch für den Kanton Zürich das System der Brennstoffsteuer einzuführen, was aber von Regierungsseite abgelehnt wurde, da diese Umstellung für die Abrechnung der rund 18 000 Fahrzeugausweise eine ztf grosse Mehrarbeit gebracht hätte und der Regierungsrat der Auffassung war, dass ohnehin das ganze Problem der Motorfahrzeugbesteuerung auf den 1. Januar 1941 eine Neuregelung erfahren werde; tatsächlich hat denn auch die kantonale Polizeidirektorenkonferenz eine solche interkantonale Regelung für 1941 in Aussicht genommen. Unter diesen Umständen konnte eich die Verkehrsliga grundsätzlich damit einverstanden erklären, für das vierte Quartal 1940 noch das bisherige System der Gewährung einer prozentualen Steuerherabsetzung, je nach Benzinkategorie, beizubehalten, wenn für die Zeit ab 1. Oktober ein weiterer fühlbarer Rabatt gewährt werde. Am 26. September hat nun der Regierungsrat eine Verordnung erlassen, welche gegenüber der letzten am 27. Juni erfolgten Steuersenkung folgende Aenderungen aufweist: 1. Personenwagen. Die bisherigen Steuerreduktionen wurden wie folgt heraufgesetzt: Kat. A von 10 auf 30 V«, Kat. B von 20 auf 50°/«, Kat. C von 30 auf 50°/«. Für die Kat. D wurde der Steuerrabatt auf 5O°/o belassen. 2. Motorräder und Motordreiräder. Die Steuerermässigungen erfuhren die gleiche Erhöhung wie bei den Personenautomobilen. 3. Lieferungs- und Lastwagen. Dem Antrag der Verkehrsliga, auch für diese beiden Fahrzeugkategorien eine stärkere Steuerermässigung zu gewähren, wurde leider nicht entsprochen und der Steuerrabatt auf 1O°/o belassen. 4. Gesellschaftswagen. Auch für die Gesellschaftswagen mit auswechselbarer Vorrichtung für den : Warentransport bleibt der bisherige Steuerrabatt von 10 •/• in Kraft, dagegen wurde die Steuerreduktion für Gesellschaftswagen, die keine auswechselbare Vorrichtung für Warentransport besitzen, von 20 auf 50 */• erhöht. Man wollte damit speziell den notleidenden Unternehmern für Gesellschaftsfahrten helfen. 5. Händlerschilder. Die bisherigen Ansätze von Fr. 350.— für Personenwagen und Fr. 60.— für Motorräder bleiben unverändert; sie gemessen aber die neuen Steuerennässigungen für diese Fahrzeugkategorien. 6. Fahrzeuge mit Ersatztreibstoffen. Die bis jetzt nur den Holzgasfahrzeugen zugestandene Steuerreduktion von 50 V» hat nun allgemein für alle mit Ersatztreibstoffen betriebenen Motorfahrzeuge Geltung. 7. Anhänger, die zum Mitführen -von Ersatztreibstoffaggregaten und Ersatztreibstoffen verwendet werden, sind von der Entrichtung einer Verkehrssteuer befreit. Alle diese Vergünstigungen treten mit dem 1. Oktober 1940 in Kraft. Der neue Beschluss des Zürcher Regierungsrates bedeutet zweifellos ein weiteres Entgegenkommen gegenüber den Motorfahrzeughaltern. Trotzdem bleibt er auf halbem Wege stehen, denn die Zürcher Automobilisten haben auch nach dem 1. Oktober immer noch wesentlich höhere Steuern zu entrichten als z. B. ihre St Galler, Luzerner nnd Tessiner Kollegen. Die bernische Regierung lehnt die Benzinsteuer ab dagegen soll die Frage von Steuerermässigungen geprüft werden. Wie an dieser Stelle angekündigt, fand am vergangenen Freitag in Bern eine Konferenz zwischen dem kantonalen Polizeidirektor, Regierungsrat Seematter, und den Vertretern der Strassenverkehrsverbände statt. Gegenstand der Aussprache bildete die Beratung der Eingabe, welche die bernischen ACS- und TGS^Sektionen dm August an die Regierung gerichtet und worin sie, wohlverstanden nur für die Dauer der Rationierung, die Ersetzung der fixen Hubraumtaxen durch eine auf den Treibstoffverbrauch abstellende Besteuerung nach dem Muster der Kantone Tessin, Luzern usw in Vorschlag gebracht hatten. Besondere Bedeutung verlieh dieser Zusammenkunft der Umstand, dass es dabei galt, noch vor dem 6. Oktober, dem Tag der Abstimmung über das neue Strassenpolizei- und Motorfahrzeug-Steuergesetz und damit auch über das Steuerdekret mit seinen höheren Lasten für Besitzer kleiner und mittelstarker Personenwagen, Klarheit darüber zu erlangen, welche Stellung die Behörden zu den Anregungen und Wünschen der beiden Verbände einnehmen. Und Klarheit hat die Sitzung geschafft, aber in einem für die Personenwagenbesitzer negativen Sinn. In einem Expose, das schon eher an eine S'tandpredigt an die Adresse der beiden Gesuchsteller gemahnte, setzte sich Regierungsrat Seematter mit der Benzinsteuer auseinander, um abschliessend rundheraus zu erklären, der Kanton Bern lehne deren Einführung zur Zeit ab. Der Uebergang zu diesem Besteuerungsmodus, so fügte er bei, bedeutete die Anarchie, weil im Gesetz das Prinzip der Steuererhebung nach Motorstärke verankert 6ei. Und als sich dann in der Diskussion die Vertreter der anderen Verbände vom ACS und TCS distanzierten, da war das Schicksal der Eingabe besiegelt: die Regierung verzichtet darauf, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Zu diesem für die Besitzer von Personenwagen nicht eben erfreulichen Ausgang der Konferenz hat wohl nicht zuletzt die bei den übrigen Verbänden herrschende und auch keineswegs verschwiegene Auffassung beigetragen, dass die Vorteile von Gesetz und Dekret die Nachteile überwiegen und das« die beiden Vorlagen immerhin einen Fortschritt verkörpern ... Ganz mit leeren Händen kehrten indessen die Vertreter von ACS und TCS nicht zurück: Gewisse Aussichten scheinen dafür zu bestehen, dass im Falle einer Annahme des Gesetzes die Steuererhöhungen, welche das Dekret bringt, einstweilen nicht in Kraft treten. Weil es ausserdem, wie In der Diskussion betont wurde, der Gerechtigkeit widerspreche, die Steuern weiter zu erheben, währenddem die Rationierung dem Fahrbetrieb einschneidende Beschränkungen auferlege, nahm Regierungsrat Seematter auch die Anregung zu wohlwollender Prüfung entgegen, die Frage der Gewährung von Steuerreduktionen näher ins Auge zu fassen. Gewonnen ist zwar damit noch nichts, aber die Zusage dea kantonalen Polizeidirektors, bei einem annehmenden Volksentscheid über das Gesetz mit den Verbänden wieder am grünen Tisch zusammenzusitzen und dem Regierungsrat Vorschläge für Steuerermässigungen zu unterbreiten, falls die Rationierung fortdaure, lässt immerhin der Hoffnung Raum, dass sich auch der grösste schweizerische Kanton einem Entgegenkommen gegenüber den Automobilisten nicht ganz verschliesse. In automobilistischen Kreisen zählt man denn auch darauf, die Regierung werde Verständnis genug aufbringen, um die Unhaltbarkeit der Lage, wie sie sich hinsichtlich der Verkehrssteuerbelastung präsentiert, einzusehen und ihre Konsequenzen in Form angemessener Reduktionen daraus zu ziehen. An Vorbildern herrscht wahrhaftig kein Mangel. Uebrigens verrät man ja kein Geheimnis, wenn man auf die Strömungen nach einer Vereinheitlichung der Verkehrssteuern in der ganzen Schweiz hinweist. Es sei in diesem Zusammenhang an die Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren in St. Gallen erinnert, die eine Kommission — an deren Spitze dem Vernehmen nach niemand anders als Regierungsrat Seematter steht — mit der Aufgabe betraute, die Frage der Motorfahrzeugbesteuerung und der Benzinrationierung zu studieren. Darüber hinaus beschäftigt sich, wie aus dem Interview hervorgeht, das Bundesrat Celio der « Automobil- Revue » gewährte, auch der Bund mit diesem Problem. Völlig abwegig wäre somit die Annahme nicht, dass die bernische Regierung ihren Entscheid über das Zugeständnis von Steuerermässigungen zurückstellen will, bis die «PolizeidirektoTen-Kommission » ihre Arbeiten abgeschlossen hat. schon miteinander ? ! ! ! So ? Er hat dich wohl auch hergeschickt, um mich auszuhorchen, ja ? ... ja ? Hat dir die Reise bezahlt, ja ? ... Hat dich eingepuppt, ja ?... Erwartet wohl heute noch ein Telegramm von dir, ja ?... .Habe dem Trottel, dem Becker, alle Würmer aus der Nase gezogen', ja ?... Pfui!! Pfui!! » Er spuckt auf den Boden. Er ist halb von Sinnen : «Mein anständiger, ehrlicher Name war dir nicht gut genug — aber dieser grüne Junge » Becker weiss wirklich nicht mehr, was er spricht : .anständiger, ehrlicher Name', es kommt ihm über die Lippen, ohne dass er die Lächerlichkeit spürt. Gerda kann kaum mehr klar denken. Sie hat noch nicht an Hans telephoniert. Wenn er, in plötzlicher Sorge um sie, jetzt hier im Lokal auftauchte ... ? Wenn Becker den Revolver bei sich hat... ? Wenn er Hans niederschiesst ?!... Sie hört Schritte. Eine Stimme, ist es Hans ?... Die Angst um ihn gibt es ihr ein : Sie springt auf, schlägt mit der Faust auf den Tisch und schreit mit geller, überkippender Stimme : < Ich verbiete dir, so mit mir zu sprechen ! !... Jetzt ist Schluss mit uns beiden ! ! Schluss ! !... Wir waren beide bei der Vulkan angestellt! Wir haben uns beide über das Verschwinden des Chefs den Mund zerrissen! » Beckers Zorn ist erstickt durch Gerdas Ausbruch. Er starrt sie an : « Du sagst — .waren' ?... Du bist nicht mehr bei Vulkan ? ? > « Nein », sagt Gerda mit blanker Stimme. «Der junge Römer hat midi kurz nach dem Autoausflug fristlos entlassen ! So! und jetzt geh' ich zur Bahn und warte den nächsten Zug nach Hause ab ! » Sie zieht ihre Handschuhe an. « Das wirst du nicht, Gerda ! » « Ich werde es ! » « Und wenn ich dir alles erzähle ?... Von Direktor Römer ?... > « Das interessiert mich nicht mehr. » « Doch Gerda... es muss dich interessieren 1... Siehst du das Pliakat da an der Wand ? Vom Cirque d'ete... siehst du's ? » Gerda blickt nicht hin. Nur nicht zeigen, dass ihr Herz zum Zerspringen klopft! « Mir ist nicht gut», sagt sie und lässt sich auf den Stuhl fallen und betet in ihrem Innern, dass er weiter spricht. Becker hält ihr das Weinglas an die Lippen : « Ist dir besser ? Ja ? ... Ist dir besser, Gerda ? » Gerda schlägt die Augen auf. « Wann geht der nächste Zug ?!... Becker stösst hastig heraus : «Im Zirkus, denke dir... im Zirkus habe ich ihn gefunden !... In Villefranche !... In diesem Zirkus! Siehst du das Plakat da?... ein Mann wie er !... Nicht wahr, Gerda... du verstehst, dass ich ihn nacht preisgeben wollte ? 1... Es ist doch ungeheuerlich, gerade für ihn ! ? » Gerda scbliesst düe Augen, dass Becker nicht den Freudentaumel aus ihnen herausliest !... Becker streichelt 3ir Gesicht, ihre Hände : < Müde bist du, Gerda... Müde von der langen Reise... und von der Aufregung ! Ich bin ein Berserker... ich weiss es. Du wirst es mir schon abgewöhnen, Gerda 1... Jetzt musst du ins Bett, Kind !... Und morgen früh sprechen wir in aller Ruhe... in aller •Ruhe... ob du nochmal nach Hause zurück willst... oder gleich mit mir nach Genua zunächst !... Alles, wie du willst... wie du willst...» «Ja... müde -...», murmelt Gerda, die zusammenschreckt jedesmal, wenn die Büfettglocke schrillt. Nur allein sein. Erst mal allein sein, alles weitere wird sich finden ! Becker legt den Arm um Gerdia und führt sie über die steile Stiege zum ersten Stock hinauf. Eine Petroleumlampe beleuchtet den schmalen Gang, von dem zehn Türen zu den zehn vermietbaren Zimmern führen. Vor den Türschwellen ausgetretene Männerstiefel und hochgestöckelte helle Damenschuhe. Becker öffnet die Tür zu einem Zimmer, das ihm eben von der Wirtin als noch frei bezeichnet worden war. Die Luft ist dick und muffig. Er stösst das Fenster auf. Er sagt: < Gute Nacht Deinen Handkoffer lege ich auf den Stuhl.» Darm steht er auf der Schwelle. Kommt noch einmal zra Gerda zurück : « Sei nicht böse. » < Sei du nicht böse», sagt Gerda und blickt weg. Becker sieht noch, wie Gerda mitten im Zimmer am Tisch lehnt, mit hängenden Armen, wie einen Augenblick nur hingestellt. Er fühlt den Blick, mit dem sie ihn umfasst, als er hinausgeht, und spürt auch, dass keine Feindlichkeit mehr ist in diesem Blick. < Gute Nacht, Gerda. » « Gute Nacht, Alfred.» So an die zehn Minuten steht Gerda am gleichen Fleck. Sie hört die Schritte Beckers im Nebenzimmer. Hört Stühle rücken. Hört planschen in der Waschschüssel. Darm knarrt das Bett Dann klopft es an die Wand, ein Gutenachtgruss wohl... Sie klopft zurück. Dann lauscht sie eine Weile. Von irgendwo ein Frauenlachen. (Fortsetzung iolgt.)

— DIENSTAG, 1. OKTOBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE ft Barrückzahlung der Verslcherungssistierungsrabatte — ein zweischneidiges Schwert! Die Mitteilung, wonach eich die Haftpflichtversicherungsgesellschaften damit einverstanden erklärt haben, die Sistierungsrabatte bei vorübergehender Betriebseinstellung auf Wunsch des Fahrzeughalters in bar auszubezahlen und damit auf die Gutschreibung zugunsten der nächstjährigen Jahresprämie zu verzichten, scheint auf den ersten Blick ein gewisses Entgegenkommen gegenüber den Automobilisten zu bedeuten. Eine nähere Prüfung zeigt aber, dass dieser Neuerung auch ein namhafter Nachteil anhaftet, der die Vergünstigung wieder in Frage stellt. Nach der bisherigen Praxis der Gutschreibung •des Sistierungsrabattes zugunsten der nächstjährigen Prämie wurde die Anzahl Monate der Betriebsstillegung, die für die Höhe der Prämienreduktion massgeben sind, von einem Versicherungsjahr ins andere durchgezählt. Wurde z. B. der Wagen am 30. September stillgelegt und atn nächsten 1. Mai wieder in Betrieb genommen, so fiel für die Höhe des Sistierungsrabattes die Anzahl Monate der Stillegung, d. h. 7 Monate, in Betracht, für welche der Steuerrabatt nach Skala 50 % beträgt. Wünscht nun aber der Halter Barauszahlung des Sistierungsrabattea, so erfolgt sie nur für die drei Monate Oktober, November und Dezember mit total 15°/o Kommt der Wagen am 1. Mai wieder in Betrieb, so wird auf der neuen 1941er Jahresprämie für die vier Monate Januar bis und mit April noch der entsprechende Rabatt von 2O°/o gutgeschrieben. Weil damit die Sistierungsrabattberechnung auf Ende des Versicherungsjahres eine Unterbrechung erleidet, erhält der Automobilist bei Barauszahlung des Sistierungsrabattes für die total 7 Monate der Stillegung zusammen nur 15 plus 20 = 35 %> zurückvergütet anstatt 50 %> bei Nichtbarauszahlung, d. h. Anrechnung des ganzen Rabattes zugunsten der neuen Prämie. Er muss dabei also einen Ausfall von 15 %> in Kauf nehmen, der durch den Vorteil der Barauszahlung selbstverständlich nur bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen wird. Der Wunsch, die Versicherungsgesellschaften möchten auch bei Barauszahlung am bisher durchgehenden Berechnunigsmodus festhalten, erscheint deshalb als gerechtfertigt. V Kriegswirtschaft Etwas Benzin kommt via Donau immerhin herein. Aus Bern hat dieser Tage eine Genfer Zeitung vernommen, dass schweizerische Zisternenwagen nach zwei kleinen jugoslawischen Häfen an der Save abgehen, wo die Schleppkähne mit rumänischem Benzin eintreffen. Die Meldung entspricht den Tatsachen, oder wenigstens annähernd. Schon lange besteht dieser Verkehr, ja seit der Blockade des Mittelmeers und der atlantischen Häfen Frankreichs bildet er den einzigen sicheren und regeknässigen Weg, auf dem wir Treibstoffe zu erhalten hoffen dürfen und wirklich auch erhalten. Nur vermag diese Zufuhr leider nicht zu genügen, doch bemüht man sich, sie zu steigern. Neben jenen Zisternenwagen, womit der Verkehr zwischen unserem Land und Jugoslawien aufrechterhalten wird, versehen andere, wie bekannt, den nämlichen Dienst von der italienischen — bis vor kurzem auch von der französischen — und der spanischen Grenze her. In diesem Zusammenhang weiss ein westschweizerisches Blatt zu berichten, der Stationsvorsteher von Cerbere an der spanisch-französischen Grenze hätte sich dahin geäussert, man arbeite dort fast ausschliesslich für uns und unsere Bahnen sollten so rasch als möglich Wagenmaterial schicken. Unter den (heutigen Verhältnissen beschränken sich unsere Treibstoff-Bezugsmögliohkeiten fast ausschliesslich auf Rumänien. Der Landtransport gestaltet sich indessen namhaft teurer als jener per Schiff und wenn früher die Tanker mit dem für uns bestimmten Benzin in den jugoslawischen und italienischen Adriahäfen einliefen, so ist dieser Weg jetzt praktisch verschlossen. Was uns bleibt, ist einzig die Schiffahrt auf der Donau und deren Zuflüssen. Aber hier macht sich die Konkurrenz der Achsenmächte geltend mit der Folge, dass eine Verknappung der verfügbaren Tonnage eintritt, ganz zu schweigen von den hohen Mietgeldern, die nunmehr gefordert werden. Das Transferabkommen mit Rumänien und der ausländische Benzinpreis. Diese Tatsachen gilt es sich bei der Lektüre des bundesrätlichen Berichts über die Wirtschaftsabkommen gegenüber dem Ausland (vom 10. September) vor Augen zu halten. Bei der Umwandlung des bisherigen Clearingabkoimimens mit Rumänien in ein Transferabkommen leitete unsere Behörden die Absicht, die Anwendung der 50prozentigen Umsatzprämie, welche das rumänische Aussenhandelsregime gewährt, auch für die Schweiz zu erlangen, weil sonst zwangsläufig iiiissi eine Preiserhöhung besonders für Benzin und Heizöl eingetreten wäre. Aus dem Betreben heraus, unserem Lande die Möglichkeit zu verschaffen, den internen Preis speziell für flüssige Brennstoffe möglichst wenig heraufzusetzen, wurde deshalb, wie der Bericht unterstreicht, dieses Transferabkommen geschlossen. Freilich war man sich zuständigen Orts dabei bewusst, dass die an das Vertragswerk geknüpfte Hoffnung auf die Einfuhr beträchtlicher Mengen flüssiger Brenn- Stoffe sich nur erfüllen ikönne, «soweit die Zufahrtslinien nach der Schweiz und die Transportmittel einen genügenden Verkehr gestatten». Gerade die Verwirklichung dieser Voraussetzung für eine ausreichende Treibstoffzufuhr aber ist zum grossen Teil gescheitert, gescheitert an Faktoren, gegen die mit Erfolg anzukämpfen ausserhalb unserer Macht steht. Die Bemühungen zur Ausschaltung eines scharfen Preisanstiegs in allen Ehren — doch was nützen sie uns, wenn das für uns lebensnotwendige Benzin nur tropfenweise ins Land gelangen kann? Ein neues Rationierungssystem für die flüssigen Treibstoffe in der Landwirtschaft An der Konferenz der kantonalen Landwirtschaftsdirektoren, die am 17. September in Bern tagte, orientierte der Vertreter der Sektion für Kraft und Wärme über die Vorbereitungen für die Einführung einer Neuordnung in der Rationierung der flüssigen Kraftstoffe bei der Landwirtschaft. Geplant ist dabei die Anpassung der Zuteilung an das allgemein gültige Rationierungssystem, wobei in angemessener Weise auf den wirklichen Verbrauch beim einzelnen Traktor Rücksicht genommen werden soll. Es handelt sich somit um ein neues System, das eine bessere Erfassung der Landwirtsehaftstraktoren gewährleisten soll. Die Angelegenheit befindet sich indessen erst im Studium; die Durchführung der bestehenden Pläne erfolgt auf dem Wege einer Weisung der Sektion für Kraft und Wärme. Mit dem Ueberspringen der kriegerischen Operationen auf den Boden Nordafrikas richten sich die Augen der Oeffentlichkeit in verstärktem Masse auf die italienische Kolonie Libyen. Der nachstehenden Schilderung kommt deshalb im gegenwärtigen Moment besondere Aktualität zu. Red. Die sengende Sonne des Südens hat den Zenifh schon seit einer knappen Stunde überschritten, als die verschwommenen Umrisse der afrikanischen Küste aus dem Flugzeug erkennbar werden. AUS geringer Höhe schauen wir uns das bunte Treiben im Hafen von Tripolis an, dann wassern wir im Idroscalo Civile. Rasch bin ich von einer ganzen Schar Araberjungen mit prunkenden Portiermützen umgeben. Alle streiten sich um meine Koffer. Von ihrem lauten Kauderwelsch verstehe ich kein Wort. Ein hagerer Bengel mit stechenden Augen und messerscharfer Nasenkante ist im Kampf um mein Reiseinventar Sieger geblieben. Mit einer Kopfbewegung bedeutet er mir, ihm zu folgen. Ich bin gespannt auf das Hotel, das zu diesem finstern Kofferjäger gehören soll. Meine schlimmsten Erwartungen werden noch übertroffen, denn die schmutzige Bude, in der er verschwindet, ekelt mich schon von aussen an. Mit ein paar Sätzen Am letzten Sonntag fanden auf dem Lausanner Stadion in Anwesenheit des Generals Wehrsport- Vorführugen des 1. Armeekorps statt, woran sich _auch Kampfwagen beteiligten. Unser Bild zeigt eines dieser Fahrzeuge bei einer Demonstration. Nr. 1-2174. ß^lfÄifiijc.h af f u ng von 1 bis 3^ Nutzlast Motorwagenfabrik Berna AG., Ölten Flug nach Libyen hole ich Ihn auf der steilen Stiege ein, werfe ihm ein paar kraftvolle Kosenamen auf echt Schweizerdeutsch ins verblüffte Gesicht und trage meine Utensilien wieder hinunter. Ein Droschkenkutscher scheint den Ausgang des kurzen Intermezzos genau vorausgesehen zu haben und wartet seelenruhig auf der Strasse. Ohne zu wissen, ob es ein solches Haus hier gebe, sage ich einfach: «Grand Hoteil» Der Mann nickt verstehend und sein mageres Rösslein setzt sich in Trab. Vor einem feudalen Palast in maurischem Stil bleibt er stehen. Ein Portier in tadelloser Uniform erscheint, und in den nächsten fünf Minuten befinde ich mich in einem freundlichen Zimmer, darin ich mich wirklich wohl fühle. Seit der Machtergreifung Mussolinis hat sich diese Kolonie, die fünfmal grösser ist als das Mutterland, mächtig entwickelt. Neue, breite Strossen und moderne Geschäftshäuser und Paläste, wie etwa die sich harmonisch in die nordafrikanische Landschaft einfügenden Uaddan und Mehari am Lungomare Badoglio, zeugen von italienischer Grosszügigkeit im Bauen. Gleich neben dieser säubern Gartenstadt der Neuzeit finden wir das alte, malerische Berberviertel mit den schlanken Minaretten und den arabischen Kaufläden, in denen man stundenlang verweilen kann. Ausserhalb der Stadt dehnt sich die weite Oase von Tripolis bis zu den Palmenhainen von Tagiura und Sorman, während hinter dem grünen Küstenland sich die fruchtbare Hochebene von Garian, deren Eingeborene noch in Höhlengrotten wohnen, erhebt. Auf der prächtigen, geteerten Autostrasse, die der fast 2000 Kilometer langen libyschen Küste entlang führt und Ras Agedir an der tunesisch-tripolitanischen Grenze mit dem Golf von Sollum an der libysch-ägyptischen Grenze verbindet, erreicht man von Tripolis aus in kurzer, herrlicher Fahrt die alten Römer Städte Sabratha und Leptis Magna mit ihren erstaunlich gut erhaltenen Zeugen antiker Kultur. Ausgedehnte Siedlungen italienischer Bauernfamilien, die mit staatlicher Unterstützung sich hier eine neue Existenz gründeten und dem ehedem noch kargen, öden Boden mit zäher Beharrlichkeit Oliven, Datteln, Orangen und andere Früchte der nordafrikanischen Erde abringen, erzählen von den kolonisatorischen Leistungen, die hier erzielt wurden. Am dritten Tag nach meiner Ankunft in Tripolitaniens schöner Hauptstadt werde ich punkt fünf Uhr morgens durch das Zimmertelephon des Grand Hotels geweckt. Um sechs Uhr erwartet uns der Autobus der Ala Littoria, der uns durch die Oase von Tripolis zum Aeroporto Mellaha bringt. Einige Jagdmaschinen stehen startbereit auf dem offenen Feld und entschwinden bald darauf in Geschwaderformation unsern Blicken. Ein grosser Bomber reizt mich, die Leica zu zücken; da legt sich eine sehnige Hand vor das Objektiv und nimmt allsogleich den ganzen Apparat in Beschlag. «In Bengasi bekommen Sie ihn wieder», tröstet mich der junge Fliegeroffizier und lächelt freundlich. Unser achtplätziges Verkehrsflugzeug hat ausser der zweiköpfigen Besatzung nur einen Kolonialoffizier, einen Grosshändler und mich an Bord. In massiger Höhe folgen wir dem teils grünen, teils gelbsandigen Küstenstreifen nach Homs und Zliten. Aus dem Grün der Palmen leuchten von Zeit zu Zeit die kalkweissen Kuppeln kleiner Moscheen herauf. Unter uns grünen die Oasen von Tauorga und Misurata, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Zur Linken dehnen sich die tiefblauen Weiten des Mittelländischen Meeres, das sich im fernen Horizont verliert. Nach 2 Stunden fliegen wir Sirte an, dessen Aerodrom in einer ausgedehnten Steppe liegt. Ueber dem dürren Boden flimmert die Luft in der glühenden Hitze. In der modernen Bar des Lufthafens netze ich die trockene Kehle mit eisgekühlten Wässerlein, indes unsere Maschine aus den mächtigen, im Wüstenboden vergrabenen Tanks neuen Treibstoff erhält. Dann starten wir zum weiten Sprung über die Grosse Syrte, deren seichte Ufergewässer in allen Nuancen von Grün und Blau heraufleuchten. Am östlichen Rand des breiten Golfes liegt Bengasi, die Hauptstadt der Cyrenaika. Auch hier finden wir Spuren alter Jahrtausende unmittelbar neben modernsten Bauten. Diese ständig sich vergrössernde Stadt mit ihren weiten Strossen, dem prächtigen Lungomare Mussolini, den neuen, weissen Palästen, den schmalwinkligen Gassen mit ihren zahlreichen Kleinläden, die uns an rgendeine italienische Provinzstadt erinnern, den mehr im Hintergrund bleibenden Wohnstätten der Eingeborenen — diese aufstrebende Kolonie am Rande der Wüste ist voller Gegensätze. In Bengasi vertausche ich das Flugzeug mit der «Cittä di Bastia», einem Küstendampfer der «Tirrenia». Mein Ziel ist Aegypten. Auf dem weiten Hafenplatz von Bengasi wartet ein ganzer Senussistamm mit allem «Hausrat» und einer kleinen Viehherde auf die Verschiffung nach Derna, einer blühenden Stadt am Uadi Derna mit den einzigen Bananenkulturen, die man in Libyen findet. Weiter östlich, gegen die libysch-ägyptische Grenze, liegt die militärisch bedeutsame, moderne Garnisonstadt Tobruk, die kurz nach der Kriegserklärung Italiens von englischen Flugzeugen bombardiert wurde. Nach dreitägiger Fahrt der nordafrikanischen Küste entlang steuern wir zwischen einem ganzen Geschwader der britischen Kriegsflotte hindurch in den Hafen von Alexandrien hinein. W.W.