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E_1940_Zeitung_Nr.041

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BERN, Dienstag, 8. Oktober 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevu«, Bern Geschäftsstelle Zürich: LOwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS PU aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 4» Grössere Inserate nach Spezialtarif Inaeratensehlnsa A Tage vor Erseheinen der Nummer Abklärung des Problems der Ersatzbremtstof fe Was ist bisher geschehen und welche staatlichen Massnahmen sind geplant? — Eine Konferenz zwischen Behörden und Interessenten hat sich mit diesen Fragen befasst Mit der fast völligen Unterbindung; der Benzinzufuhr ist auch bei uns das Problem der Ersatztreibstoffe in ein akutes Stadium getreten. Schon vor Wochen erfuhr man aus Aeusserungen zuständiger Amtsstellen, dass sich die Behörden der Sache annehmen und dass sich ein Bundesratsbeschluss in Vorbereitung befinde, der die ganze Frage an der Wurzel anpacke und sie in geregelte Bahnen leite. Denn dass wir ohne staatlichen Eingriff, ohne eine Art von Planung und Lenkung, wie sie uns der Zwang und die Not der Zeit schon auf andern Gebieten der Kriegswirtschaft gebracht, auch hier nicht länger auskommen, das steht für jeden fest, der sich mit diesen Dingen näher befasst hat. Die Aufstellung eines Programms, das Ordnung schafft und aus der gegenwärtigen etwas verworrenen Situation herausführt, setzt jedoch die Abklärung einer Menge von Fragen voraus. Mit der Propagierung von Ersatztreibstoffen und Apparaturen, mit der Lancierung von Erfindungen ist es nicht getan, will man irrigen Vorstellungen und Kapitalfehlleitmigen vorbeugen. Wirklich aufbauende, positive Arbeit nach dieser Richtung hin kann nur dann geleistet werden, wenn man sich von allem Anbeginn an vergewissert, was unter den heutigen Verhältnissen möglich ist und was nicht. Auch der Umstellung auf die Ersatztreibstoffe sind Grenzen gezogen und es wäre eine fatale Illusion, zu glauben, wir könnten hier unsere Ziele beliebig weit stecken. Bei allen Ueberlegungen und bei jedem Schritt, den man in dieser dringend nach einer Lösung rufenden Angelegenheit unternimmt, spielt die Frage der Rohstoffversorgung mit. Sie beeinflusst nicht' nur die Beschaffung des Materials für die Apparaturen, sondern auch für die Hilfsmittel der Produktion, ganz abgesehen davon, dass sie auch die Menge der Ersatztreibstoffe, die uns zur [Verfügung stehen, entscheidend bestimmt. Als weitere Probleme, welche gründlicher Erforschung und Abklärung bedürfen, solern die Ersatzbrennstoff-Wirtschaft auf eine solide, brauchbare Basis gestellt werden isoll, seien erwähnt die Kapitalinvestitionen, die Liquidation und die Amortisationsdauer, F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 43. Fortsetzung Gerda nimmt Hut und Mantel und schleicht aus dem Zimmer. Sie dreht leise den Schlüssel von aussen herum und steckt ihn ein. Sie steigt auf den Zehenspitzen die Stiege hinunter. Muss durch die Wirtschaft. Der Hausdiener hat einen Korb mit Schuhen vor sich ausgeschüttet. «Bitte, machen Sie die Tür auf», sagt Gerda in dem steifen Französisch aus dem Handelsunterricht. Der Hausdiener ist viel zu müde, um sich zu verwundern. Ausserdem kommt es öfter vor, dass Gäste schon nach Stunden das Haus verlassen. Nun steht Gerda in der schmalen Seitengasse. Ein dünnes Wässerchen gluckert durch den Rinnstein. An der Strassenkreuzung brennt eine Laterne. Gerda geht bis zur beleuchteten Ecke. Zwei Arbeiter schlendern pfeifend vorbei. Sie sind angeheitert die Preisfrage, d. h. die wirtschaftliche Tragbarkeit der Ersatztreibstoffe, die Organisation der Verteilung, die Typenbeschränkung usw. Es war deshalb sehr zu begrüssen, dass die Sektion für Kraft und Wärme auf vergangenen Freitag die Vertreter sämtlicher interessierten Verbände, der Armee und der an der kommenden Regelung beteiligten Kriegswirtschaftssektionen zu einer Konferenz nach Bern einberief, um sie über die bisher durchgeführte Abklärungsarbeit und die geplanten Massnahmen zur möglichst raschen Aufnahme der Produktion und der Verteilung von Ersatzbrennstoffen zu unterrichten und ihnen zugleich Gelegenheit zu einer Aussprache über das von den Herren Dechevrens, Präsident der Syndikalkammer der Autoindustrie, und Britschgi, Direktor des T.C.S., vorgelegte Exposö über eine planmässige Gestaltung der Ersatzbrennstoffwirtschaft zu bieten. Die Tatsache, dass so gut wie alle Eingeladenen dem an sie ergangenen Ruf Folge.leisteten, dokiMMtUtiert zur Evidenz die überragende Bedeutung, welche sie einer Lösung dieser Frage entgegenbringen. Was ist zu tun? Die Darlegungen Nat-Rat Grimms. In seinem einleitenden Referat legte Herr Nationalrat Grimm, der Chef der Sektion für Kraft und Wärme, dar, dass heute eine Unmenge von Ersatzmöglichkeiten angeboten werden, doch haben sich bisher nur "wenige über die wirkliche Bedeutung des Problems und über dessen Lösungsmöglichkeiten Rechenschaft gegeben. Verschiedene Ersatztreibstolfe seien aber bei weitem nicht in der erforderlichen Menge vorhanden. Eine planmässige Regelung dieser Materie erscheine aber als unerlässlich, sofern Fehlleitungen vermieden werden sollen. Mit Rückeicht auf die unumgänglichen Investitionen sowohl bei der Herstellungsindustrie als auch beim Umbau der Wagen könne man sich nicht «Ach bitte... wo ist das Hotel de la Gare ? » Die Männer lachen. Sie nehmen Gerda in die Mitte, bieten ihr mit vielen Worten eine Zigarette an und führen sie vor das Hotel. Sie drücken auf den Klingelknopf, grüssen und gehen ab mit einem Witzwort Niemand öffnet. Gerda erzittert bei jedem Schritt, der durch die Nacht hallt — wenn Becker ihr Verschwinden schon entdeckt hätte ? ! Sie wartet fünf Minuten. Dann klingelt sie selbst. Der Nachtportier öffnet, m rasch übergestreiftem Beinkleid. Mürrisch. Gerda sagt : « Ein Zimmer, bitte. » Der Portier antwortet, misstrauisch : « Jetzt ist kein Zug eingelaufen !... Gepäck haben Sie auch keins. » Gerda besteht: « Ich gehöre zu Herrn Hans Römer ! » Der Portier gähnt: « Aoh richtig... der Herr von Nr. 12. Er hat gesagt, wenn er von einer Dame ans Telephon gerufen wird, man soU ihn holen, und wenn's mitten in der Nacht ist... Na, dann kommen Sie nur ruhig herein, Madame. Ich werde den Herrn wecken!» auf eine Momentanlösung einlassen. Nach dem Kriege müsse eine gewisse Liquidationsmöglichkeit garantiert werden. Eine staatliche Ordnung sei deshalb dringendes Erfordernis. Besteht — so fuhr der Redner fort — für die Hojzversorgung bereits ein Plan, so liegen die Dinge bei der Holzkohle wesentlich schwieriger. Bisher bezogen wir sie hauptsächlich vom Ausland. Angesichts der ständig wachsenden Hemmnisse beim Import nmssten daher in erster Linie gewisse Vorräte geschaffen werden, damit die Betriebsmöglichkeit selbst für eine beschränkte Anzahl von Apparaten garantiert bleibt. Noch nicht in jeder Beziehung abgeklärt ist die Frage der Herstellung von Holzkohlenbriketts. Was das Karbid anbetrifft, so wird unsere gegenwärtige Produktion von der Industrie absorbiert. Einer Steigerung steht allerdings nichts im Wege, sobald wir über die erforderlichen Kohlenmengen verfügen. Bei 20 000 km Fahrleistung würden 3—4000 Tonnen Karbid für ca. 1000 Wagen ausreichen. Das Azetylen-Dissous fällt wegen seiner hohen Kosten und angesichts des Mangels an Flaschenmaterial zum vornherein praktisch aua. Anders dagegen die flüssigen Treibstoffe, so z.B. das Paraldehyd auf Karbid-Basis, dessen Verwendung keine Veränderung am Wagen erfordert. Zum Kapitel Alkohol ist festzustellen, dass die Alkoholverwaltung nicht über genügend« Vorräte verfügt, um davon noch etwas für den Betrieb von Fahrzeugen abgeben zu können. Die Einfuhrmöglichkeiten aber gestalten sich mehr als problematisch, denn von sämtlichen Angeboten, die bisher gemacht worden sind, Hess sich nur ein einziges realisieren. Dagegen ist mit dem Finanzdepartement nunmehr eine Vereinbarung zustande Bekommen, wonach alle Ersatzbrennstoffe inskünftig zollfrei eingeführt werden können, solang« die Ben- ... zinnot andauert Darunter fällt auch der Me- - thylalkohol. Hinsichtlich der Generatoren besteht die Absicht, sich auf einige wenige gangbare Konstruktionen zu beschränken. Um die heute bestehende Fabrikation in grösserem Ausmass zu fördern, bedarf es einer vom Bund ausgehenden Aktion. Auf dem Wege eines Aufrufes soll die Zahl der Interessenten ermittelt werden. Nur für den Fall, dass sie nicht genügt, erfolgt der Umbau zwangsweise. Dabei ist vorgesehen, die Lieferungen auf die ganze Schweiz zu verteilen, um der Lage des Autogewerbes Rücksicht zu tragen. Für gewisse Materialien sind wir indessen auch hier vom Ausland abhängig, doch befinden sich Unterhandlungen im Gang. Auch bei andern Arten der Umstellung müssen wir uns nach den Rohstoffen richten. Bei der ganzen Aktion ist eine staatliche Mithilfe in organisatorischer sowohl als auch in finanzieller Hinsicht geplant. Es wird eine Serie von 1000 Holzgaewagen in Auftrag gegeben. Offen bleibt noch die Frage, ob das Anmeldungs- oder das Bewilligung sverfahren Anwendung finden soll. Die Bewilligungspflicht sollte nach der Auffassung Nationalrat Grimms auf die Fabrikation und den Verkauf von Apparaten sowohl als auch auf die Herstellung und den Handel mit Ersatztreibstoffen ausgedehnt werden. Die zu genehmigenden Typen sollen gewissen Bedingungen entsprechen. Massgebend ist für die Erteilung einer Bewilligung immer die Versorgungsmöglichkeit. Die Verteilung der Ereatztreib- Stoffe muss einheitlich geordnet werden. Das ist Hans Römer läuft noch angezogen in seinem Zimmer auf und ab. «Die Dame hat nicht telephoniert... sie ist lieber gleich selbst gekommen und verlangt ein Zimmer. Soll ich...» « Weisen Sie ihr ein Zimmer an ! > « Oui, Monsieur. Das neben dem Ihrigen ist gerade frei! » Im Vestibül bittet der Portier Gerda um Angabe ihres Namens, zur Eintragung ins Fremdenbuch. « Ich muss um den Pass bitten, Madame.» « Ich heisse Gerda Manz. » « Aoh so... ja. Bitte hier. » Der Portier denkt — noch immer verschlafen : komisch, diese ausländischen Namen ! Sprechen sich meist ganz anders aus, als sie sich schreiben !... Und sorgfältig buchstabierend trägt er ein: Erna H-e4-m-k-e. Geboren in am Ach Gott, ja — denkt Gerda — ich heisse ja Erna Helmke !.. • Hans Römer ist heruntergekommen : « Kindchen! Was haben Sie denn nun wieder angestellt ? ! » < Nicht hier ! Nicht Wer ! » drängt Gerda. «Ich muss sofort mit Ihnen sprechen!...» Angstvoll blickt sie zur Eingangstür. Hans Römers Augen durchforschen Gerdas schon ans technischen Gründen nötig, entspricht aber auch einem Gebot der Gerechtigkeit Die flüssigen Ersatztreibstoffe sollen dem Normalbenzin beigemischt und wie das gewöhnliche Benzin als Einheitsmarke an den Tankstellen verteilt werden. Die Vorbereitungen dazu befinden sich im Gang und die Aktion kann in dem Moment einsetzen, da dia Industrie die Fabrikation von flüssigen Brennstoffen in genügendem Masse aufgenommen hat oder die erforderlichen Alkoholmengen zur Verfügung stehen. Zur weiteren Behandlung des Ersatztreibstoffproblems wird die Sektion für Kraft und Wärme eine besondere Abteilung echaffen, an deren Spitze ein versierter Fachmann stehen soll» Leider sind solche Leute nicht in allzu grosser Zahl zur Verfügung. Die Abteilung soll ihre Arbeit unter Zuzug von Experten der verschiedenen Spezialgebiete aufnehmen. In der Diskussion äusserte eich der Vertreter, der Sektion für Holz des Kriegsindustrie- und -Arbeitsamtes zur Holzfrage, die im Grunde genommen die geringsten Schwierigkeiten bietet. Die Holzmengen eind vorhanden, doch kann natürlich-getrocknetes Holz erst auf nächsten August hin geliefert werden. Die künstliche Trocknung sollte, weil sehr teuer, wenn irgend möglich ausgeschaltet werden. Für die Verteilung des Gasholzes wäre das bestehende Tankstellennetz auszubauen, wobei jedoch den bisherigen Bezügern eine bestimmte feste Menge zugeteilt bleiben raüsste. Hier heisst es Ordnung schaffen, damit das Holz den richtigen Verbraucher findet Holzkohle. Ueber die Produktionemöglichkeiten der Holzkohle herrechen unzutreffende Meinungen. So können wir z. B. nicht auf das Abfallholz der Wälder greifen, weil an verschiedenen Orten Sammelaktionen für Heizzwecke ins Werk gesetzt worden sind. (Fortsetzung Seltt 2.) In dieser Nummer: Steuerrückvergütung bei requirierten Fahrzeugen. Vor der Gründung der neuen Schweiz. Verkehrszentrale. Das deutsche Automobilwesen nach dem Kriege. Schwedisches Zwei-Tage-Ren-' nen für Generatorwagen. Amerikanische Modelle 1941. Rohölvergaser. Die Anrechnung der Benzin- Vorräte. Auto-Magazin. Gesicht: Ja, sie hatte erreicht was sid wollte — was er wollte ! Nun muss er lachen. Sie ist doch noch ein richtiges Kind, seine kleine Schutzbefohlene! ...Hat eine grosse Reise hinter sich, eine sicher aufregende Auseinandersetzung mit dem Bräutigam —sonst wäre sie nicht ausgerissen mitten in der Nacht — und steht jetzt wie gebannt, weil sie ein an der Wand hängendes Zirkusplakat sieht, das in Buntdruck Löwenköpfe, einen Jockei, einen August mit grüner Perücke und eine rote Trapezkünstlerin zeigt. « Ja.., Gerda, ja», sagt Hans Römer. « Morgen gehn wir in den Zirkus ! Selbstverständlich!... Wo haben Sie Ihr Necessaire ? > « Dort gelassen. * «War das nun wirklich "wieder nötig, nachts durchzubrennen ? » « Ja. Es war nötig. > Er glaubt es ihr. Eine halbe Stunde später sitzt Gerda in einem bordeauxroten, ihr an Armen und Beinen zu langen Herrenpyjama auf dem Kanapee ihres Zimmers, während Hans Römer, noch immer im Strassenanzug, die Hände in den Taschen, ärgerlich auf und ab geht