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E_1940_Zeitung_Nr.043

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immerhin mit einer

immerhin mit einer ziemlich langen Zeitspanne gerechnet werden müsse. Freilich war es mit der Herstellung der Generatoren noch nicht getan; hinzu kam die Bereitstellung des Brennstoffs nach dem zu erwartenden Bedarf. Darüber hinaus standen die Behörden aber auch vor der Notwendigkeit, die inneren Widerstände aus dem Wege räumen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Entwicklung während der vergangenen Monate hat nach den Feststellungen Generalmajors v. Schell den Generator zu neuem Leben erweckt und ihm neue Bedeutung verliehen. Von den Schritten, welche zur Intensivierung des Generatorbetriebs unternommen wurden, entwirft der Leiter des Generatorstabes, Oberstlt. Schanze, ein umfassendes und anschauliches Bild. Nach der Ernennung des Generatorstabes, der sich zunächst der Aufgabe gegenübersah, die wenigen noch vorhandenen Generatorfirmen durch Zuweisung von Material und Maschinen am Leben zu erhalten, stellte sich die Frage, welche Generatoren weiter gebaut werden sollten. Um einer Zersplitterung vorzubeugen, schritt man auch hier zu einer Typenbeschränkung und einer staatlichen Steuerung des Umbaues auf den Generatorbetrieb. Unreife Konstruktionen hatten in den vorhergehenden Jahren mit dazu beigetragen, den Generator zu diskreditieren. Aussicht auf Bewilligung eines Typs besteht heute erst dann, wenn der Generator in einer längeren Erprobung befriedigende Resultate geliefert hat und wenn damit gerechnet werden kann, dass er auch in den Händen eines weniger geschulten Fahrers genügt. Herrschte einmal Klarheit über die Frage, welche Fahrzeuge überhaupt für den Umbau in Betracht fallen, dann mussten sie irgendwie erfasst werden. Dabei konnte es sich nur um die mit dem roten Winkel ausgestatteten Wagen handeln, worüber man eine Kartothek anlegte. Das Zusammentragen dieses Unterlagenmaterials kostete viel Zeit und Arbeit, aber heute, nach ihrer Fertigstellung, bieten die Karten einen vollständigen Uebcrblick über die umstellfähigen Lastwagen. Der Umbau selbst erfolgt an Hand der beim Generatorstab liegenden Karten auf dem Wege des Aufrufs, wobei den Haltern eine bestimmte Frist zu dessen Vornahme gesetzt wird. Auch hier geht man planmässig vor: die monatliche Zahl der aufgerufenen Karten richtet sich nach dem Produktionsplan für Generatoren, Motorteile und Zündapparate; zudem trägt sie den Notwendigkeiten einer wirtschaftlichen Erzeugung und der Deckung der zu erwartenden Treibstoffnachfrage Rechnung. Währenddem der Holz- und Torfgasgenerator als einführungsreif bezeichnet werden kann, musste man auf die Verwendung von Holzkohlegasgeneratoren im Hinblick auf den Mangel an diesem Brennstoff verzichten. Was das Problem der Kraftstoffversorgung anbelangt, so liegt dessen Bearbeitung bei zwei eigens zu diesem Zweck ins Leben gerufenen Gesellschaften. Weil der Generatorbefrieb mit den technischen Kenntnissen des Fahrers steht und fällt, weil er aber auch eine grössere Arbeitsleistung verlangt, hat das N.S.K.K. die Schulung der künftigen Generatorfahrer an die Hand genommen. Sie erhalten eine Lohnzulage von 1 Pf. pro Fahrkilometer, eine Massnahme, die sich schon sehr fördernd auf den einwandfreien Betrieb von Generatorfahrzeugen ausgewirkt hat. Angesichts der Belastung des Fahrzeughalters, der durch den Staat gezwungen wird, sein Altfahrzeug mit einem Generator auszurüsten und den Motor hiefür umzubauen, entschloss sich das Reichs-Finanzministerium, staatliche Zuschüsse für die Umstellung zu gewähren. Sie betragen 600 resp. 1000 RM. je nach dem Typ des umzubauenden Motors. Ist bei den Diesellastwagen die Umbauaktion bereits eingeleitet, so erfolgt zu gegebener Zeit deren Ausdehnung auch auf die Zugmaschinen. Im übrigen erstreckt sich der Aufgabenkreis des Generatorstabes auch auf den Einsatz des Generators bei der Binnenschiffahrt, in Schienenfahrzeugen, bei Feldbahnen und Lokomobilen. Ein Wort noch über die Organisation der Gasholzversorgung. Um sie zu garantieren und die Verteilung wirklich nach Massgabe des Bedarfs gestalten zu können, wurden zwei Gesellschaften mit deutlich getrennten Obliegenheiten gegründet. Die « Gesellschaft für Tankholzgewinnung und Holzabfallverwertung> hat das für die Versorgung von Generatoranlagen benötigte Holz aufzunehmen und generatorfertig aufzuarbeiten, die «Generatorkraft» dagegen übernimmt Sdawe Die Verteilung der flüssigen Ersatztreibstoffe wird zentralisiert Das Kriegs-Industrie- und Arbeits-Amt hat am 17. Oktober eine Verfügung betreffend die Verwendung flüssiger Ersatz-, treibstofie erlassen, die folgenden Wortlaut trägt: Das Kriegsindustrie- und Arbeitsamt, gestützt auf den Bundesratsbeschluss vom 26. September 1939 über die Landesversorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen verfügt: Art. 1. Die Abgabe, der Bezug, die Beimischung und die Verwendung flüssiger Ersatztreibstoffe wie Aethylalkohol (Sprit, Brennspiritus, alcohol absolutus), Methylalkohol, Buthylalkohol, Ketone, Paraldehyd, Methylazetat und allfälliger weiterer als flüssige Ersat' troibstoffe verwendbarer Produkte zu motorischen Zwecken sind untersagt. Die Beimischung von Ersatztreibstoffen zu Benzin ist nur der schweizerischen Genossenschaft für die Versorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen «PETR0LA > nach den Weisungen der Sektion für Kraft und Wärme des Kriegsindustrieund Arbeitsamtes gestattet. Der von der «PETROLA» durch Beimischung erzeugte Treibstoff ist in allen Teilen wie ungemischtes Benzin den bestehenden Rationierungsvorschriften unterstellt. In Zweifelsfällen entscheidet über die Unterstellung eines Produktes unter diese Verfügung die Sektion für Kraft und Wärme im Einvernehmen der Sektion für Chemie und Pharmazeutika des Kriegsindustrie- und Arbeitsamtes. Die Vorschriften über die Zuteilung von Benzin, Benzindestillaten und Benzolkohlenwasserstoffen für den technischen und gewerblichen Gebrauch, insbesondere das Verbot der Verwendung dieser Stoffe für motorische Zwecke, sowie die von der Alkoholverwaltung gestützt auf die Alkoholgesetzgebung getroffenen Erlasse über den Verkauf und die Verwendung gebrannter Wasser werden von der vorstehenden Verfügung nicht berührt. Art. 2. Widerhandlungen gegen diese Verfügung und gegen die Vollzugsvorschriften der Sektion für Kraft und Wärme werden mit Busse bis zu 5000 Franken bestraft. Auch die fahrlässige Begehung ist strafbar. Die allgemeinen Bestimmungen des Bundesstrafrechts finden Anwendung. Widerhandelnde Personen oder Firmen können ausserdem von der weitern Zuteilung von Treibstoffen gesperrt werden. Art. 2 und 21 des Bundesratsbeschlusses über die Landesversorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen finden Anwendung. Art. 3. Diese Verfügung tritt am 23. Oktober 1940 in Kraft. Die Sektion für Kraft und Wärme ist mit ihrem Vollzug beauftragt. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 22. OKTOBER 1940 — N° 43 die Zuteilung dieses Holzes entweder direkt an den Verbraucher, soweit er Grossabnehmer ist, oder aber an die Tankstellen, wobei in erster Linie jene an den Autobahnen in ausreichendem Masse zu verproviantieren sind. Einstweilen sollen 23 solcher Holztankstellen an den Autobahnen eingerichtet werden, denn als Gasholzkonsument fällt in erster Linie der Durchgangs-Fernverkehr in Betracht Daneben befinden sich noch weitere 109 Tankstellen in verschiedenen Teilen des Landes im Bau. eine Bewilligungspflicht für Generatoren und Apparate für die Verwendung von Ersatztreibstoffen Eine zweite Verfügung des Kriegsindustrie- und Arbeitsamtes erklärt den Kauf und Verkauf, Herstellung, Einbau und Aufstellung von Generatoren und Apparaten für die Verwendung von Ersatztreibstoffen als bewilligungspflichüg. Die Bewilligung ist vom Käufer oder Besteller, falls die Herstellung nicht auf Bestellung erfolgt, vom Fabrikanten einzuholen. Das Gesuch ist bei der Sektion für Kraft und Wärme auf einem von dieser zur Verfügung gestellten Formular einzureichen. Die Bestellung von Generatoren und Apparaten im Sinne der Verfügung darf nur ausgeführt werden, wenn der Besteller eine Bewilligung vorweist. Die Bewilligungen werden nach Massgabe der voraussichtlichen Versorgungsmöglichkeit mit den einzelnen Ersatztreibstoffärten und unter Berücksichtigung der Interessen der Armee und der Verkehrswirtschaft erteilt. Mit der Erteilung von Bewilligungen können Bedingungen auferlegt und insbesondere Vorschriften über die herzustellenden Typen von Generatoren und Apparaten und die von ihnen zu erfüllenden Mindestanforderungen erlassen werden. Die Belieferung mit Ersatztreibstoffen erfolgt nach der jeweiligen Versorgungslage. Die Erteilung einer Bewilligung gibt keinen Anspruch auf beliebige Belieferung mit Ersatztreibstoffen. Generatoren und Apparate zur Verwendung von Ersatztreibstoffen, die bei Inkrafttreten dieser Verfügung schon im Betriebe stehen, sind bis 31. Oktober 1940 bei der Sektion für Kraft und Wärme anzumelden. Auch diese Verfügung tritt am 23. Oktober 1940 in Kraft. Weitere Kürzung der Treibstoffrationen für den November ? Wenn auch im Moment, da diese Zeilen in Druck gehen, die Litertafeln für die nächste Treibstoffrationierungsperiode, den November, noch nicht erhältlich sind, so scheint es nach unsern Informationen an kompetenter Stelle doch bereits festzustehen, dass die Zuteilungen einen neuerlichen Abbau erfahren werden. So wenig sich die Behörden auch über die Atiswirkungen eines abermaligen Abstrichs täuschen, sie kommen, wie man uns erklärt, um diese Massnahme nicht herum, wird sie ihnen doch durch Importhindernisse aufgezwungen, durch Faktoren also, die stärker sind als wir. Um so gebieterischer erhebt sich deshalb die Notwendigkeit einer tatkräftigen und vor allem raschen Lösung der Frage der Ersatztreibstoffe, auch wenn sie der Benzinnot nur in bescheidenen Grenzen zu steuern vermag. Das Tempo, das bisher bei der Behandlung dieses Problems eingeschlagen wurde, verträgt aber eine Beschleunigung nicht nur, vielmehr stempelt die weitere Verschärfung der Zufuhrschwierigkeiten eine speditivere Erledigung des ganzen Fragenkomplexes zur «vordringlichen» Pflicht der Behörden. Weitere Erhöhung des Benzinpreises auf 75 Rp. pro Liter. Nachdem der Säulenpreis für das Benzin am 10. September von 64 auf 67 Rappen erhöht worden war, ist anderthalb Monate später, mit Gültigkeit vom 23. Oktober an, weitere kräftige Heraufsetzung von 67 auf 75 Rappen pro Liter erfolgt. Damit erreicht die Verteuerung seit Kriegsausbruch 32 Rappen pro Liter oder 74,4 Prozent. Man geht wohl kaum fehl mit der Annahme, dass die neuerliche Preissteigerung den gleichen Gründen zuzuschreiben ist wie die bisherigen Aufschläge. A«. »n Kantonen Die St. Gailisch-Appenzeiiische Stranenverkehrsliga hielt in St. Gallen ihre ordentliche Delegiertenversammlung ab. Im Jahresbericht des Präsidenten, Bed. Weyermann-Tobler, Wattwil, wurde auf die stets wachsende Bedeutung des Motors sowohl im militärischen wie im Wirtschafts-Kampf hingewiesen. Die Auswirkungen sind in positivem Sinne in den Kriegsereignissen, negativ in der Lahmlegung unseres Strassenverkehrs klar ersichtlich. Bedauerlich sei, dass es an der Versorgung mit natürlichen und synthetischen Betriebsstoffen bei uns fehle. In einem Kurzreferat: «Aus der Tätigkeit der Zürcher Strassenverkehrsliga», berichtete deren Präsident, Herr G. Burk, Zürich, über die beachtlichen Erfolge der zürcherischen Verkehrsverbände. — Nach einer Aussprache über die gegenwärtige und zukünftige Lage der am motorisierten Strassenverkehr beteiligten Kreise, stimmte die Delegiertenversammlung einmütig folgender Entschliessung zu: 1. Die St. Gallisch-Appeniellische Strassenverkehrsliga macht erneut auf die grosse Bedeutung des Motors für die Armee wie für die Wirtschaft aufmerksam. Um den gesamten Wagenpark im Land zu erhöhen, verlangt sie die Senkung der fiskalischen Gebühren für Motorfahrzeuge und Erleichterungen für die Versicherung. Sie empfiehlt daneben eine frühzeitige Einführung der reiferen Jugend in die Motorenkenntnisse, um einen genügenden Nachwuchs wehrtüchtiger Fahrer und Flieger zu erhalten. 2. Die Liga gibt dem Erstaunen Ausdruck über die nur nebenamtliche Leitung der Sektion für Kraft und Wärme in Bern. Sie verlangt di» Besetzung dieses bedeutenden und verantwortungsvollen Postens im Hauptamt durch einen tüchtigen Fachmann. Die Beschaffung von Brerinstoffersatz muss mit aller Energie weiter und vermehrt gefördert werden. 3. Die Liga erwartet von den massgehenden Instanzen der Kantone St. Gallen und beider Appenzell, dass, in Nachachtung des grundsätzlichen bundesgerichtlichen Entscheides vom 26.9. 1940, für die für 3ie Armee requirierten Motorfahrzeuge die volle kantonale Taxe pro rata temporis rückvergütet werde. 4. Die Liga empfiehlt das rechtzeitige Studium der auch für die Friedenswirtschaft notwendig werdenden Aenderung in der fiskalischen Belastung des Motorfahrverkehrs, wobei bei Verwendung von einheimischen Brennstoffen wesentliche Erleichterungen zugestanden werden sollen. 5. Der Strassendisziplin ist sowohl von den Sfrassenbenützern wie von den Kontrollorganen noch erhöhte Beachtung zu schenken, damit auch bei gesteigertem Verkehr die Unfälle reduziert werden können. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 45. Fortsetzung Es ist das erstemal, dass er dieses Wort auf seinen Vater anwendet. Es ist ihm selbst peinlich — aber er sieht plötzlich den Ernst, die Strenge, die Härte des Wesens seines Vaters unter so anderem Gesichtswinkel... als wäre der Vater nicht auf seinen zwei Beinen zwischen ihnen herumgegangen, sondern auf... ja, auf Kothurnen... Irgendwie hochgestelzt, um sich über sich selbst hinauszuheben ! Und — musste dann wohl doch manchmal die Kothurne abschrauben...! Was Mutter wohl gesagt hätte hierzu ! Hans Römer lässt den Blick über die Zirkuswiese schweifen: ein dickliches Mädchen von nicht abzuschätzenden Jahren wäscht Hemden, die sie über ein Seil hängt. Die Worte des Graphologen fallen Hans Römer ein : ... man braucht keine anderen Länder, man braucht nur in andere Berufe, in andere Gesellschaftsschichten zu verreisen !... Ja — aber dazu gehörte mehr als nur ein paar Worte Deutsch, Englisch oder Französisch... Dazu gehörte auch eine grössere innere Beweglichkeit als zum Kauf einer Bahnkarte oder eines Schiffstickets...! Dazu gehörten eine Menge Dinge, die Hans Römer nicht liegen bei seiner Sprödigkeit. — Und sein Vater sollte alle diese Dinge besessen haben ?... i « Und da zigeunern Sie so das ganze Jahr herum ? » « Der letzte Sommer diesmal! kh arbeite jetzt für den grossen .Apollo-Konzern'!... Den kennen Sie doch, natürlich ? > Hans Römer hat keine Ahnung. « Heute bringe ich den Vertrag zwischen dem Konzern und Henri Rene zustande! ...> « Was ist das für einer ? Schnellmaler ? Messerwerfer ?...» Molignon, fast beleidigt : « Aber Herr Römer ! Unser Clown ! Groteskclown, wie sie in England sagen ! » « Ach so —der August ?!... Der mit der grünen Perücke auf dem Plakat ? > « Ja, der !... Eine Sensation ! Ein Genie, sage ich Ihnen ! » Hans Römer greift in die Tasche: « Kann ich zwei Karten haben für heute abend ? » Und er bezahlt seine Billette. < Darf ich Sie jetzt in unserm Zirkus herumführen, Herr Römer ? > Hans Römer weiss selbst nicht, ob er sagen soll: ,Ach wie interessant!' oder ob er darüber hinweggucken soll, als er in der Manege zwei starkleibige .Damen' im Trikot bei der Morgenarbeit sieht. « Sehr gut, die Nummer ! » sagt Molignon. c Unsere ,Box-Sisters*! Oft wetten sie im Publikum. Aber wenn soundsoviel Minuten um sind, muss sich eben eine auf den Rücken legen und knock-out sipielen. Dafür boxen sie sich eben am Vormittag nach allen Regein der Kunst aus !... Sehen Sie : drüben iong- liert ,Nelly\ unser Seehund, mit Orangen ! Ich hab ihn auf einer Messe aus einem Wasserbottich heraus gekauft und selbst abgerichtet ! » « Ist wohl sehr schwer, immer neue Hummern' aus dem Boden zu stampfen, Herr Molignon ? > « Ob's schwer ist, Herr Römer ! Die besten Geschäfte macht man mit Abnormitäten und dergleichen. Aber ich... ich lege eben Wert auf reines Artistentum, auf durch jahrelanges Training erreichte Leistungen !... Hab schon viel Gutes entdeckt — der Rene zum Beispiel war ein Dreck, als er zu mir kam, ein Nichts! Und jetzt?... Na, Sie werden ja selbst urteilen ! » « Allerdings. » Hans Römer verbeugt sich: < Also denn — bis heute abend. Ich komme mit einer jungen Dame, die das alles sicher noch viel besser würdigen wird als ich...» Molignon begleitet seinen, Gast bis zum Rande der Wiese, die sich in der staubigen Strasse verliert, und kehrt melancholisch zu seiner Frau zurück. «... Ja, Juliette... das wird ja nun aufhören, dass man seine Gäste in seinem Unternehmen herumführt...! » « Sieh mal lieber zu, Molignon, dass du die zweite Sitzreihe von oben kontrollierst! Da haben sie gestern die Bohlen durchgetrampelt bei der Clownnummer.» Molignon beschliesst, seine Frau von der Direktion des Apollokonzerns fernzuhalten : sie hatte einen Ton am Leibe, der ihm sogar den Respekt vor sich selbst untergräbt! Hans Römer schlendert durch die engen, oft steilen Gassen von Grasse. Der Himmel spannt sich in tiefem Blau, das bleiern wird am Horizont, über Giebel und Fabrikschornsteine. Die Luft ist wie durchtränkt von dem Duft von Nelken, Orangenblüten und süssen Oeien. Hans Römer fühlt sich entspannt und ungeheuer erleichtert. Auf der Post gibt er ein Telegramm an die Schwester auf: .Vater noch nicht gesprochen, aber Angelegenheit aufgeklärt. - Völlig harmlos. - Erklärungen mündlich. Hans.' Und fügt hinzu : ,und Gerda'. Dann kauft er ein Päckchen Zigaretten, trinkt irgendwo einen Aperitif, pfeift einen Schlager vor sich hin und geht ins Hotel zurück. Der Portier kommt ihm entgegen : « Die Dame oben hat schon dreimal nach Monsieur gefragt. : Ach Gottchen, denkt er — wie die gestern wieder aussah in den zu langen roten Hosen !... « Die Dame noch auf ihrem Zimmer ? > « Ja, Monsieur », sagt der Portier und fügt hinzu : « Wir hatten dieser Tage schon einmal einen Herrn Ihres Namens bei uns : Direktor Römer! Aber der hat nur eine Besprechung hier gehabt, mit einem Mann, der übrigens heute wieder hier war und uns viel Ungelegenheiten gemacht hat. > < Wie sah denn... Direktor Römer aus ? » fragt Hans Römer, der auf diese Weise hofft, etwas über das Wohlergehen seines Vaters zu erfahren. « Ein sehr vornehmer Herr... viel Aehnlichkeit mit Ihnen, Monsieur... nur eben alt. > Hans Römer denkt: ,alt'?... Er sagte zwar ^mein alter Herr', weil das so üblich war in studentischen Kreisen... aber für ihn war der Vater doch noch immer jung gewesen ... und soll nun plötzlich ein .vornehmer, alter Herr' sein ?... Merkwürdig — aber er fühlt sich dem .vornehmen, alten Herrn' wieder eng verbunden. (Fortsetzung folgt.)

N°43 — DIENSTAG, 22. OKTOBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE 3 Wie steht es mit den Erfolgschancen von Petrolbohrungen ? Petrolbohrungen in der Schweiz Im Lichte amerikanischer Erfahrungstatsachen. Man schreibt uns : Der bekannte Geologe F. H. Lab.ee hat kürzlich interessante Einzelheiten über die amerikanischen Erdölschürfbohrungen im Jahre 1939 mitgeteilt. Die grösste Zahl von Schürfbohrungen hat Texas mit der Zahl 1036 aufzuweisen. Infolge der Entdeckung neuer Erdölfelder ist die Bohrtätigkeit in den Staaten Illinois und Michigan sprunghaft gestiegen. Es wurden in diesen Staaten 750 Bohrungen ausgeführt, von denen indessen nur 43 fündig wurden. Wesentlich höher ist der Prozentsatz der fündigen Bohrungen in Texas mit 131. Es zeigt sich hier, dass die Erfolgschancen in einem durch Bohrungen geologisch weitgehend erkundeten Erdölgebiet merklich besser sind als in Neuland. Sehr aufschlussreich ist eine Aufstellung über die Art der Vorarbeiten und die erzielten Erfolge und Misserfolge. Bei rein geologischer Erkundung betrug die Anzahl der fündigen Schürfbohrungen 12%, bei geophysikalischer und geochemischer 15%, bei geologischer und geophysikalischer 25%, bei verschiedenen nicht wissenschaftlichen Vorarbeiten (Wünschelrute?) 6%. Diese Angaben sprechen deutlich für die Anwendung möglichst aller wissenschaftlichen Forschungsmethoden. Bemerkenswert ist immerhin, dass die Erfolgschancen nicht-wissenschaftlicher Methoden doch die Hälfte derjenigen geologischer .Methoden erreichen. Für die Gesamtzahl der 2569 Oelschürfbohrungen in den Vereinigten Staaten im Jahre 1939 ergab sioh ein Anteil der fündigen Bohrungen von 10,4:%. Betrachten wir einmal die bisherige Erdölbohrtätlnkelt In der Schweiz im Lichte dieser Zahlen. Auf geologischer Grundlage sind bei uns bis heute 5 Bohrungen niedergebracht worden: zwei in Chavornay, eine in Tuggen, eine in Cuarny und eine in Servion. Die letzten zwei sind noch unvollendet. Fündig wurde noch keine. Wenn wir bedenken, dass im grössten Erdöllande der Welt nur jede zehnte, bei geologischen Vorarbeiten jede achte Schürfbohrung fündig wird, so wäre es wirklich ein ausserordentlicher Glücksfall, wenn im Neuland Schweiz mit nur 5 Versuchsbohrungen eine davon fündig geworden wäre. Der bisherige Misserfolg unserer bescheidenen Explorationstätigkeit besagt also sehr wenig über die Erfolgschancen. Geophysikalische Forschungen, wie sie die grossen Oelgesellschaften in erdölhöffigen Gebieten vorzunehmen pflegen, sind in der Schweiz noch nicht durchgeführt worden. Auch geochemische Forschungen fehlen noch. Auf Grund nicht wissenschaftlicher Vorarbeiten (Wünschelrutenforschungen) hat man in der Schweiz 3 Bohrungen niedergebracht; eine bei Semsales im Kanton Freiburg, eine in Arnex bei Orbe und eine in Notkersegg bei St. Gallen. Keine ist über 300 m tief geworden. Nach Auffassung der Geologen haben derart untiefe Bohrungen in unserem Lande überhaupt keine Erfolgschancen. Uebrigens waren alle ohne Ausnahme in geologischer Hinsicht sehr ungünstig placiert und es wäre wirklich ein ganz unwahrscheinlicher Glücksfall gewesen, wenn einer dieser dilettantischen Versuche zum Erfolg geführt hätte. Zum Erfolg im Petroleumspiel — trotz aller Errungenschaften der Wissenschaft und Technik ist es noch weitgehend ein Spiel! — gehören Wagemut, Geld, Glück, vor allem aber Ausdauer. Kriegswirtschaft Obligatorische Oel-Regenerlerung auch in Ungarn. Eine soeben veröffentlichte Verordnung schreibt allen Personen, die in Ungarn Personen- oder Lastautos betreiben, vor, das verbrauchte Oel einer zum Ankauf berechtigten Stelle anzubieten. Der Bezug neuen Oels wird vom Nachweis der Ablieferung des Altöls abhängig gemacht. Eine neue Ford-Fabrik in Schweden. Die Ford-Motor Co. A/B in Stockholm, eine Tochtergesellschaft der Ford-