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E_1940_Zeitung_Nr.043

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m AUTOMOBIL-REVUF

m AUTOMOBIL-REVUF DIENSTAG, 22. OKTOBER 1940 — N° 43 vor uns sahen, ganz nah, begegneten wir einem frühen Wanderer und begrüssten ihn als einen Freund, als einen ersten Abgesandten einer Welt, in der Menschen leben und wohnen. Mit einem Jauchzen und einem frohen Wort sagten wir uns die grosse Neuigkeit: Es ist Sonntag. Und wir schlichen auf leisen Sohlen durch das ruhende Andermatt hindurch, durch einen Ort, der zu dieser Stunde anderen Menschen gehört. Wenige Landleute, die sich eben erst die Augen ausrieben, junge Männer in grünen Schürzen, mit dem Besen in der Hand. Ein stiller Engländer, der vom Oberalp herabgeschritten kam, einen kleinen Strauss Alpenrosen in der Hand. Wie ich, mochte er auf seine Weise den Herrgott am Sonntag besucht haben, wo er zu Hause ist! Wir aber rollten gemütlich die Gotthardstrasse hinunter, durchs Urnerloch zur Teufelsbrücke, die in dieser einsamen Sonntagsfrühe keine Schrecken hat. Weiter und weiter in die grünende Landschaft hinunter zum vielarmigen See, der so schön ist, dass die Schweiz nie anderswo hätte wachsen und entstehen können. Und nun trafen wir endlich die ersten, entgegenkommenden Ausflügler,- zu Fuss, per Rad oder im Wagen. An einer stillen Bucht ruhtest du nun stundenlang im Schatten, und ich schwamm weit in den See hinaus, einen Tag beendend, den andern erst begonnen. Ich könnte dir noch lange berichten; vom Stilfserjoch, vom Bernina, wo wir lange, fast betend vor der Wucht des Palü erzitterten, von jener Mondscheinfahrt über den Klausenpass oder von der abendlichen Fahrt im Sonnenuntergang durch das urweltliche Gestrüpp des Ofen, zwischen knorrigen, verkrüppelten Arven und moosbewachsenen Felsblöcken hindurch. Du bist alt geworden, gebrechlich, und ich hätte dich am liebsten für immer bei mir behalten. Aber eines Tages musste es doch sein, und so gab ich dich hin. Dass auch das harte Gebot der Zeit mir diesen Abschied nahelegte, erleichterte weder meinen Schmerz, noch mein Gewissen. Nun ist eine gute Weile darüber hingegangen. Der Schmerz des Abschiedes scheint gemildert, und wenn er auch nie vergessen sein wird, so wird er doch überstrahlt durch die vielen Erinnerungen, die uns gemeinsam gehören, und deren Glanz deinen Lebensabend vergoldet, wo du ihn auch leben magst. Der erste Tag, an dem du nicht mehr da standest, war furchtbar. Beinahe hätte ich Trauerkleider angelegt, und wenn es angegangen wäre, hätte ich einen Teil von dir zurückbehalten, die Kühlerfigur vielleicht, und hätte dir in meinem Garten an stiller Stelle ein kleines Denkmal errichtet. Du hättest es überreich verdient Um mich! Einmal besuchte ich dich noch, heimlich und verstohlen in jener Halle, wo du stillstandest und ruhtest und auf einen neuen Herrn wartetest. Fast hätte ich dich nicht mehr erkannt. Neu eingekleidet, frisch poliert und mit einem ganz neuen Dach. Ich habe dich zärtlich gestreichelt und Heimweh gehabt nach dir, dann verschwamm dein Bild für Augenblicke gar ein wenig vor meinen Augen. Hast du es gemerkt? Ich stahl mich hinweg, niedergedrückt von Kummer und Scham. Aber was ich hier gesagt habe, das soll nun ein kleines Denkmal für dich sein. Für deine robuste, nieversagende Treue und Güte! Und es ist zugleich ein letztes Abschiedswort an dich. Du bist heute nur noch eine gute, grosse Erinnerung in meinem Herzen, die kein Nachfolger je verwischen kann. Du wirst immer bleiben, was du warst: Der selbstloseste Kamerad und Freund. Du warst mein erstes Automobil! Das ^dilafzimmer der vier Marien geschichte. Dieweil nämlich seit Boccaccio und Rabelais und der Königin von Navarra eine richtige Bettgeschichte auch immer eine sehr lustige Sache war, während das, was das Leben dieser vier königlichen Frauen geboten hat, vier jedesmal auf andere Art bittere Tragödien waren. Sind anderwärts bei dem, was man Ehe- und Liebesglück nennt, die Rosen und die Dornen nach einem angeblich in den Sternen geschriebenen Gesetz ge- Fontainebleau, das Schlafzimmer der Marie- Antoinette. Es ist, wenn die Leute da plötzlich hereinkommen, wie eine Grossaufnahme im Kino. Vor ihnen steht das imposante Bett, majestätisch wie ein Thron. Eine Bühne! Viel reden hört man nicht, aber man hört die Leute denken. O lala, diese Marie-Antoinette! Die hat's verstanden. Der Himmel mit Putten und Amoretten, da hat sich's gewiss himmlisch träumen lassen. Bei den Ausmassen, der Höhe, der Länge, der Breite nach, da war Platz auch für verstiegene Träume. Und dann rollt im Unterbewusstsein ein Film ab, in dem alles sich begibt, was die Leute sich so vorstellen, wenn vor ihnen jene Fata Morgana auftaucht, «galante Zeit » geheissen. Und während die Hirne fieberhaft arbeiten — man verzeihe die Phrase, aber es ist ja nun einmal so, Hirne, sofern überhaupt, arbeiten eben fieberhaft — wird ihnen vom Führer, der, wie alle diese Leute, mehr fürs Anekdotische als fürs Dramatische ist, der Blick emporgerichtet: nach dem Himmel dieses himmlischen Alkovens, in dem als Standarte königlicher und ehelicher Legitimität das grosse M prangt, das Wappen, das Marie- Antoinette an den Betthimmel projizieren Hess. Himmelsschrift von damals, vielleicht auch ein Menetekel für den Herrn Ehegemahl. Und bei diesem « redenden Wappen », um einen Ausdruck der Heraldik zu gebrauchen, macht der Führer seine Zuhörer darauf aufmerksam, dass dieses Zimmer hier das Schlafzimmer von vier Marien gewesen: Marie-Medici, Gemahlin Heinrichs IV., Marie-Therese, Frau Ludwigs XIV., Marie-Antoinette, Gattin mischt, so gab's hier bei den vier königlichen Marien fast nur Dornen. Ludwig XVI. und Marie-Louise, Nachfolgerin Josephinens bei Napoleon. Als Heinrich IV., der dadurch schon zu unvergänglichem Weltruhm gekommen ist, dass er sich Dieses M, golden strahlend an seinem Himmel, Monogramm von vier Marien, die dieses wahrhaft seinen Bart, den bekannten Henri quatre, wachsen königliche Schlafzimmer Phantasie eines Dichters eine Pointe erfinden können, so knapp, so hübsch und so vielsagend? Keine Frage, eine Kulisse, wie Marie-Antoinette sie da sich aufgebaut hat, zeugt von dichterischer Phantasie; dieses Bett, spricht es nicht Bände? Wenn Betten erzählen könnten — danken wir der Natur, die es in ihrer Allweisheit so eingerichtet hat, dass sie es nicht können, so wäre das, was man da aus Fontainebleau zu hören bekäme, ohne Frage das genaue Gegenteil einer richtigen Bett- Ein Kapitel französischer Kulturgeschichte. passierten: hat je dieHess, von seiner Gemahlin Margarete von Valois glücklich geschieden war, machte ihm sein Kanzler Sully klar, dass er die königliche Pflicht habe, aufs neue zu heiraten, um seinem Lande einen legitimen Thronfolger zu schaffen. Heinrich aber wehrte sich mit dem Mut der Verzweiflung, bis eines Tages Sully ihn wegen anderer Staatsgeschäfte aufsuchte und ihm plötzlich in der Unterhaltung sagte: «Wir sind dabei, Sie zu verheiraten, Majestät.» Heinrich IV. blieb nachdenklich und wie bestürzt, kratzte sich den Kopf und schnickte mit den Nägeln. «Beim Teufel!» rief er aus, «das ist eine Sache, die ich mir lieber erspart hätte.» So kam es denn am 5. Oktober 1600 zu der mit höchstem Pomp gefeierten Hochzeit mit jener Marie-Medici, die als erste jenes Appartement in Fontainebleau bezog. Die Ehe war ganz wie dieser Auftakt. Dauernd Zank und Streit, wie bei Bürgersleuten. Was sie, die in Paris das grosse Luxembourg-Palais bauen waagrecht: 8. Stearin, 9. Dl, 11. Orgie, 12. Kl, 13. Nab, lS. Ade, 16. Pat, 17. Evian, 19. Raine, 21. Hort, 22. Gram, 23. eines, 25. Paare, 26. Bre, 27. uni, 29. ten, 30. ds, 31. Adele, 33. nd, 34. Krawall. Senkrecht: 1. es, 2. Ito, 3. Meran, 4. Jagd, 5. Trier, 6. die, 7. on, 10. Lavoirs, 12. Kanaren, 14. Birne, 16 .Pirat, 18. Ate, 20. Aga, 24. Sudan, 25. Pilaw, 28. Newa, 31. arg, 32. Elz, 34. KE, 35. Im. Sprachrätsel: Brei mit doppeltem Ende zum Zwange wird behende. (Mus — Muss.) RäfseUEcLe Kreuzworträtsel Einsendefrist bis 31. Oktober 1940. Hess, nicht hinderte, sich den grössten Maler der Zeit: Rubens, kommen und durch ihn den jetzt von allen Besuchern des Louvre bestaunten Zyklus malen zu lassen, der auf Riesenflächen, in den üppigsten und prächtigsten Farbe das — Glück ihrer Ehe und ihrer Regierung darstellt. Da erscheint sie als Juno, vergöttert von ihrem Heinrich, der ihr, seiner Königin, Herz und Land zu Füssen legt, der wie ein Troubadour des Mittelalters nur zum . Ruhm und zur Ehre seiner angebeteten Marie Städte und Festungen zu erobern scheint. Auf einem der Bilder steht er da, in den Anblick ihres Bildes versunken, beglückt, verzückt, hingerissen wie ein Operettentenor... Marie-Therese, die als Gemahlin Ludwigs XIV. ja wohl gewüsst haben dürfte, was an diesen Rubensbildern Wirklichkeit und was luftige Phantasie gewesen ist, war sozusagen nichts als eine «staatspolitische Notwendigkeit». Mazarin, der aus Gründen der höheren Politik zwischen Frankreich und Spanien eine Verbindung suchte, hatte sie, die Tochter des Spanierkönigs, ausersehen zu einer Heirat mit seinem Herrn. Der sie auch mit allen Ehren behandelte, noch mehr mit Unehren meinetwegen, denn Ludwigs grosse Liebe waren die Lavalliere, für die er Versailles bauen Hess, die Montespan, die Fontanges und wie sie alle heissen. Napoleon war schon ein bisschen anders, auch darin kein Bourbone. Für ihn war Marie-Louise, die er sich 1810 nach der Verabschiedung Joseph!- nens aus dem österreichischen Kaiserhaus geholt hatte, immer die Kaiserstochter. Davon abgesehen, scheint er richtig und bürgerlich in sie verliebt gewesen zu sein. Zur Hochzeit schenkten ihr die Lyoner Seidenweber die kostbaren Seidentapeten, die Marie-Antoinette für das Schlafzimmer in Fontainebleau in Auftrag gegeben hatte. Bevor die noch fertig geworden waren, war die Revolution ausgebrochen und die Bestellerin hatte die Guillotine besteigen müssen. Was für die Lyoner Fabrikanten, denen niemand die Rechnungen bezahlen wollte, ein grosser Schaden war. Dafür hatte man nun den Vorteil, sozusagen aus den Restbeständen der neuen Kaiserin ein prachtvolles Geschenk machen zu können. Und Napoleon, der als Kaiser sich in der Pflege der königlichen Tradition gefiel, war scheinbar stolz darauf, seiner Gemahlin das Bett der letzten Königin von Frankreich anbieten zu können, in der Aufmachung, wie diese ursprünglich sich das gedacht hatte. Freilich noch nicht drei Jahre, und Napoleon war verbannt nach St. Helena. Und während er da auf seine Gemahlin vergeblich wartete, hatte Marie-Louise es vorgezogen, in die Arme des Grafen Neipperg zu flüchten. Ueber Marie-Antoinette, die einen vergnüglichen Hof geführt und auf dem Schafott mehr für die fremden als für die eigenen Sünden gebüsst hat, ist so viel geschrieben und gedruckt worden, dass mehr als die Hälfte dessen, was man ihr nachgesagt hatte, Tratsch udn Verleumdung gewesen sein muss. Man hat zum Beispiel in diese seinerzeit gegen die Pompadour geschriebenen Pamphlete ihren Namen, den Namen der verhassten «Oesterreicherin», eingesetzt und diese so neu gedruckt und verbreitet. Allem Anschein nach war sie weniger schlimm als ihr Ruf, was gewiss für eine Frau spricht, schon weil es einigermassen selten ist. Ihr Mann, nach Ludwig XIV. und Ludwig XV., etwas aus der Art geschlagen, war das Gegenteil eines Waagrecht: 1. Vorgebirge, 4. Ur-Teüchen, 8. .Schweizer Kanton, 9. französischer Dichter, 10. Honigwein, 11. Musikdrama, 12. Herbstblume, 14. Stadt in Polen, 18. griechischer Buchstabe, 21. Stadt in Russland, 22. Staatshaushalt, 23. Salz (französisch), 24. See (italienisch), 25. Nebenfluss des Neckar. Senkrecht: 1. Fluss in Russland, 2. griechischer Kriegsgott, 3. englischer Politiker, 4. Versammlungsort der alten Griechen, S. Ratschlag, Wink, 6. Gedichtart, 7. Meer (französisch), 13. Muse der Liebesdichtung, 15. italienische Schauspielerin, 16. Heizkörper, 17. Getreide im Keimungsprozess, 18. babylonische Gottheit, 19. griechischer Buchstabe, 20. Zeitabschnitt. 3 Punkte. Auflösung des Rätsel-Kreuzworträtsels Richtige Lösungen des Rätsel-Kreuzworträtsels * (Nr. 41). 5 Punkte. A. Bachofen, Glarus; E. Benz jun., Goldaeh; Max Bertschmann, Basel; H. Boiler, Zürich; Frl. Margrit Bossert, Lenaburg; Frl. Margrit Epple, St. Gallen; Frau Dr. Gräflin, "Walzenhausen; Frl. Heidi Hürsch, St. Gallen; G. Laepple, Basel; Josef Leimer, Bettlach; Frau E. Markoff, Buchs; Frau Marti, Ölten; Frau Lisette Rock, Basel; Frl. M. Ruf, Winterthur; Frau E. Steinbömer, Schaan; Fritz Wenger, Bern; Frl. E. Winteler, Glarus. Wüstlings. Es wird glaubhaft versichert, dass Marie-Antoinette die ersten sieben Jahre ihrer Ehe ohne das, was der Sinn eines Ehevertrages ist, verbringen musste, weil Ludwig XVI. sich erst nach einem Besuch des Schwagers Joseph aus Wien, der, mit dem königlichen Herrn Vetter unter vier Augen ein familiäres Wort gesprochen zu haben scheint, zu einer notwendigen Operation entschloss. Das war der Ehestand, für den Marie-Antoinette dieses gigantische Bett, dieses Schlachtfeld, her- 1 richten Hess, Beim Theater würde man von einem Ausstattungsstück sprechen. Und nun stehen die Leute davor, und es überläuft sie heiss und kalt. In der Meinung, dass Könige, und erst recht natürlich Königinnen, alles doppelt und dreifach haben müssten, sehen sie vor diesem geräumig komfortablen Podium der Liebe alles doppelt, und der Witz der Geschichte, der uralte Witz der Weltgeschichte ist, dass jede pompöse Kulisse den Zweck hat, das, was hinter ihr nicht vorhanden ist, zu verbergen. G.A.W. Herbstabend Leise wirkt die Dämmerung Ihre grauen Schatten, Legt sich wie ein warmes Tuch Ueber Feld und Matten. Eingebettet liegt das Tal In dem stillen Grund, Friede atmen Mensch und Tier In der weiten Rund. Nur der Herden Glockeng'läut Klingt von ferne her, Weckt, verklingend in der Nacht, Sehnsucht süss und schwer. Rosenthal Porzellan Bahnhof.str.18. Zürich, < Cafel-,C Secvice CKuasi -ßbcze l\ICF©r J.B.

JJO 43 —' DIENSTAG, 22. OKTOBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE [*!< WFI.T^ 1O. Mai — 25. Juni (Schluss.) Reynaud entfernt aus seinem Kabinett die schwächern Mitglieder, vor allem Daladier. Er erweitert die Kompetenzen von Baudouin, einer sehr einflussreichen «grauen Eminenz», die seit 50 Jahren sowohl im Geschäft wie in der Politik tätig, und trotzdem nie durch irgendwelche Skandale belastet worden ist. Endlich ernennt Reynaud zum Unterstaats-Sekretär für den Krieg den 50 Jahre alten Charles de Gaulle, der 12 Tage vorher zum General ernannt worden war. De Gaulle war seit jeher der Verfechter der mechanisierten Angriffsdivisionen und der Kampfflugzeuge gewesen. — Der, wenn auch nur relative, Optimismus hält bis zum 9. Juni an. In der Zwischenzeit richtet Reynaud seinen ersten Appell um Hilfe an Roosevelt. Weygand erklärt sogar in einem Tagesbefehl: «Der Feind hat beträchtliche Verluste erlitten. Er ist am Ende ' seiner Kräfte; die letzte Viertelstunde ist herangerückt, haltet stand!» Weygand hat jedoch kaum 40 Divisionen zusammengebracht, trotzdem er alle Garnisonen, selbst diejenigen hinter der Maginotlinie geleert hat und einen Teil der Truppen aus den Alpen holte. Inzwischen verstärken die Deutschen ihre Kräfte zahlenmässig jeden Tag. Der Feind hat auf einer Front von 160 km über 100 Divisionen zusammengezogen. Vierzig stehen an der Oise, 10 gegenüber Soissons, 40 an der oberen Aisne und in der Champagne, wobei die Truppen an der Schweizer Grenze und in der Siegfriedlinie nicht mitgerechnet sind. Die französische Armee hat Tage und Nächte ohne jeglichen Unterbruch gekämpft und steht jeden Morgen frischen deutschen Truppen gegenüber. Das Unabwendbare tritt ein. Die Deutschen dringen bei Abbeville durch, wo eine schottische Division — alles, was von dem britischen Expeditionskorps noch übrig ist — steht. Weygand macht einen verzweifelten Versuch, um eine neue Verbindungslinie aufzustellen. Gleichzeitig empfiehlt er der Regierung, Paris sofort zu verlassen. In der Nacht vom 9. Juni fahren Tausende von Lastwagen vor den Ministerien vor, um alle wichtigen Dokumente wegzuführen. Die Beamten fahren mit ihren Familien in langen Wagenreihen nach. Sonderzüge führen die, welche über keine Automobile verfügen, nach Tours. Sogar das grosse Hauptquartier wird 200 km südwärts verlegt. «Wir müssen den Kampf einstellen.» / Am 10. Juni inspiziert Reynaud mit Weygand die Front. Zwei Tage später sind die beiden Chefs, der militärische und der zivile, im Hauptquartier in Briare-sur-Loire zurück. Sie diskutieren lange, doch Weygand erklärt: «Alles ist verloren! Wir müssen den Kampf sofort einstellen, um das Schlimmste zu vermeiden.» Am 11. Juni erklärt Italien den Krieg. Der Entscheid Mussolinis berührt das französische Volk kaum; er hat auf den Gang der Dinge keinerlei Einfluss mehr. Reynaud kehrt am 12. Juni nach Tours zurück, wo er sich weigert, den Kampf aufzugeben, weil «die Seele Frankreichs nicht besiegt ist». Er versucht, Petain zu überzeugen. Doch dieser ist noch entschlossener als Weygand: «Es giht militärisch keine Möglichkeiten mehr; wir müssen den Kampf einstellen.» Reynaud telephoniert Churchill und ersucht ihn, sofort herüberzukommen; dann ruft er den Ministerrat zusammen, der sich im Polizeigebäude versammelt. Die Minister sind ernst, aufgeregt, verzweifelt. Sie schütteln sich die Hände, sprechen eine Minute miteinander, unterbrechen das Gespräch in der Mitte eines Satzes und wenden sich an jemand anders. Wie die eigentliche Sitzung beginnt, fallen Bomben rings um Tours. Reynaud will den Kampf um jeden Preis fortsetzen. Mandel unterstützt ihn, wie auch General de Gaulle. Dieser letztere schlägt sogar vor, die Regierung möchte sich in die hügelige Bretagne zurückziehen, die dank ihrer topographischen Lage durch die französische Armee verteidigt werden kann und die Möglichkeit der Zufuhren auf dem Wasserwege bietet. Dieser Vorschlag erhält jedoch nur schwache Unterstützung. Campinchi und Laurent-Eynac, die Marine- und Luftminister, sind für einen Rückzug in die französischen Kolonien. Marschall Petain erhebt sich langsam: «Alles das hat wenig mit der eigentlichen Lage zu tun. Jede weitere Stunde vergrössert den Verlust. Die Deutschen werden um so mehr fordern, je weiter sie vorrücken. Besser ist, einen Waffenstillstand solange zu verlangen, als unsere Flotte und ein kleiner Teil unserer Armee noch intakt ist und die Maginotlinie standhält. Später sind wir dem Wohlwollen des Siegers ausgeliefert.» Frossard und Chautemps erklären sich mit Petain einverstanden, wie auch die beiden neuen Minister Baudouin und Bouthillier. Inzwischen ist die Ankunft von Churchill gemeldet worden; die Sitzung wird unterbrochen. Die Auskünfte, die Churchill erhält, bewegen ihn tief. «Haltet nochmals 48 Stunden aus; heute nacht sende ich euch 1000 Bomber und so schnell als möglich das Notwendige an Truppen und Material. Versucht den Zusammenbruch aufzuhalten.» (Zwei Nächte später versuchen 500 Bomber den deutschen Vormarsch zu desorganisieren, jedoch ohne Erfolg.) Im Verlaufe der nächsten Nacht wird eine weitere Sitzung abgehalten unter Präsident Lebrun, an welcher der Oberbefehlshaber sprechen soll. Auf vollständig verdunkelter Strasse, die mit Flüchtlingen überfüllt ist, fahren die Minister ein paar Kilometer von Tours nach dem Schloss de Langeais, wo sidh der Präsident der Republik vorübergehend aufhält. Wie der Kriegsrat zusammengetreten ist, kommt Weygand bleich und nervös herein: «Me'ne Herren», bricht seine heisere Stimme die Stille, «Sie sehen vor sich einen entehrten, einen besiegten Soldaten. Es bleibt nichts andres übrig, als die Waffen niederzulegen!» Vor diesem grossen Führer, der ihnen den Waffenstillstand vorschlägt, fühlen die Männer, die Frankreichs Geschicke leiten, das Gewicht ihrer übergrossen Verantwortung. Frossard weint hemmungslos; alle anderen haben Tränen in den Augen. Paris wird aufgegeben. Die einzige Entscheidung, die diese Nacht getroffen wird, ist die, Paris als offene Stadt zu erklären. Die Verteidigung der Stadt hätte einzig ihre Zerstörung zur Folge, ohne dass der Vormarsch um mehr als ein bis zwei Tage aufgehalten werden könnte. Da Tours bedroht ist, entschliesst sich die Regierung zum zweiten Male zum Rückzug, diesmal nach Bordeaux. Am gleichen Tage, am 14. Juni ziehen die deutschen Truppen in Paris ein und deutsche Flugzeuge zerstören das Schloss, das Reynaud und seine Mitarbeiter einige Stunden vorher verlassen hatten. In Bordeaux waren keinerlei Vorbereitungen getroffen, um die Regierung, die Ministerien, das diplomatische Korps und die Presse aufzunehmen. Bereits suchen hier 2 000 000 Flüchtlinge Schutz. Weitere strömen beständig herein. Die Strassen sind unpassierbar der vielen Wagen wegen, die als Wohnstätten benützt werden. Senatoren, Deputierte, Offiziere, Beamte hängen sich an die Regierung, im Gefühl, dass das Ende nahe sei. Bankiers, Industrielle, Geschäftsleute, Schriftsteller und deren Frauen oder Freundinnen machen sich für eine neue Flucht bereit. Auf den Strassen und Trottoirs, in Cafes und Hotels, in Konsulaten, wo um Visas gebettelt wird, und in den Wandelgängen der Ministerien treffen sich die Leute wieder und wieder, jagen nach Neuigkeiten und erzählen sich solche, die hie und da richtig, meistens aber falsch sind. Otto von »••••••'Frontam 176. Frontam22. Habsburg, ein junger Mann ohne Hut, im Regenmantel geht vor dem Polizeiposten auf und ab. General Haller, der polnische Minister, plaudert mit dem belgischen Premierminister Pierlot, der einen langen schwarzen Rock trägt. Vor dem Hotel Splendide sitzen die Rothschilds, die in aller Hast von Wien, London und Paris zusammengekommen sind. Die Sitzungen des Kabinetts dauern 4 bis 5 Stunden. Petain, der für einen Waffenstillstand plädiert, gewinnt jeden Tag mehr Anhänger. Der alte Soldat, der seine Uniform trägt, setzt seine Argumente mit gebrochener, doch überzeugender Stimme auseinander: «Meine Herren, denken Sie an die Zukunft Frankreichs, Wir können unsere Nation nicht sich selbst und den Eindringlingen überlassen. Bleiben wir auf dem-geliebten Boden, um die Sorge für unser Volk zu übernehmen! Sollte der Sieger, ohne etwas befürchten zu müssen, die Diskussion über die Bedingungen verweigern, dann wollen wir von ihm wenigstens die Zusicherung erhalten, dass unsere jungen Menschen und unsere Städte geschont werden, so dass immer noch die Möglichkeit eines Wiederaufstiegs vorhanden bleibt.» Frossard und die Neulinge im Ministerium, Baudouin, Prouvost, Bouthillier, plädieren ähnlich. «Die Oeffentlichkeit wird unsere Abreise nicht verstehen können,» bemerkt Prouvost, «sie wird behaupten, dass wir mit der Kasse durchgebrannt sindl» Die Zeit drängt. «Wir müssen uns beeilen», fährt Petain fort, «Verdun, Metz, Sedan, Epinal, Beifort, Troyes, Chaumont, Orleans sind gefallen.» Weygand, dessen Hauptquartier sich bereits in Vichy befindet und nun in das Gebiet von Bordeaux evakuiert werden muss, wird hereingerufen. «Das Schlimmste ist eingetreten», sagt er, «die Maginotlinie ist umgangen worden, die Armee der Alpen wird es binnen kurzem ebenfalls sein. Wir verfügen nur noch über kleine isolierte Verteidigungsinseln, die jeden Zusammenhang unter sich und mit uns verloren haben. Auch sind die meisten Flugzeuge, die noch übrig waren, bereits auf dem Boden zerstört worden.» Churchill schlägt eine Vereinigung der beiden Weltreiche vor. Reynaud versucht immer noch, eine Weiterführung des Kampfes durchzudrücken. «Wir können die Flotte nicht aufgeben, wir können nicht alles, sogar unsere Ehre verlieren. Das Reich verfügt über Hilfsquellen.» Er telephoniert Churchill und versucht, ihn für eine letzte Unterredung nach Bordeaux herüberzuholen. Churchill refüsiert, macht aber kurz nachher einen neuen Vorschlag: Die Bildung eines französischenglischen Staates, der während der Dauer der Feindseligkeiten die Bürger der beiden Länder regieren würde. Eine aus englischen und französischen Ministern bestehende Regierung, an deren Spitze zuerst ein französischer Präsident stehen würde, hätte die Leitung des neuen Organismus zu besorgen. Sämtliche Besitzungen, Dominions, Protektorate der beiden Länder, würden unter ihrer Kontrolle stehen. So könnte Frankreich seine Existenz als Gross-Nation weiterführen. Der Vorschlag soll vollständig geheim gehalten werden. Mandel stimmt ihm zu; General de Gaulle unterstützt ihn wärmstens. Pomaret dagegen erklärt, dass daraus nur eine englische Oberherrschaft entstehen würde. Die Antwort Roosevelts auf Reynauds Hilferuf enthält weiter nichts als freundliche Worte und gute Absichten. Inzwischen sind Ybarnegaray und Chichery, die vorher für den Kampf bis zum Ende eingetreten waren, durch die Petain-Weygandschen Argumente überzeugt worden. Am Morden des 16. Juni sind nur noch Marin, Rollin, Campinchi, Delbos und Monnet Anhänger von Reynaud, Mandel und de Gaulies Verteidigungsplan, Dautry und Laurent Eynac zögern. Wohl neigen sie eher dem Standpunkt von Reynaud zu; in Anbetracht der Rüstungs- und Flugzeugstatistiken, die ihnen allzusehr bekannt sind, können sie sich den gegenteiligen Argumenten nicht verschliessen. Nur noch 500 Jagdapparate sind übriggeblieben. Das Parlament befindet sich nicht in Session, doch sind Hunderte von Senatoren und Deputierten um das Stadthaus versammelt, wo sie als Gäste von Adrien Marquet, dem Bürgermeister und Deputierten von Bordeaux aufgenommen werden. Auch unter ihnen besteht eine starke Strömung für den Waffenstillstand, trotzdem der Senatspräsiden Jeanneney und der Kammervorsitzende Herriot dagegen opponieren. Im Laufe des Nachmittags verlangt Petain vom Ministerrat einen definitiven Entscheid. Lebrun, der Präsident, teilt Petains Ansicht; er drängt die Minister, sofort zu einem Entschluss zu kommen, indem er bemerkt, dass er der Oeffentlichkeit unter der Signatur der militärischen Chefs bekanntgegeben werden muss. Alle sind einverstanden, da sie wissen, dass die Autorität der Zivilverwaltung am Zusammenbrechen ist. Das Volk und vor allem die Soldaten werden den unabwendbaren Entscheid annehmen, wenn die Namen von Petain und Weygand damit verbunden sind. Schliesslich gewinnen die Anhänger des Waffenstillstandes die Oberhand, nachdem Chautemps vorgeschlagen hatte, durch die Schweizer Regierung bei Hitler «die Fühler auszustrecken». Das Kabinett Petain. Sofort darauf demissioniert Reynaud. In der gleichen Nacht bildet Petain eine neue Regierung mit Weygand als Minister der Nationalverteidigung und Admiral Darlan als Marineminister. Der elegante und leutselige Baudouin erhält das Aussenministerium. Pierre Laval hat den grössten Teil des vorigen Tages mit einer Unterredung beim spanischen Gesandten zugebracht. Petain lässt ihn rufen und bietet ihm das Justizministerium an. Laval refüsiert. Entweder will er das Aussenministerium oder nichts. Im Grunde genommen, will er überhaupt nicht zu jenen gehören, die auf Ewigkeit mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes gebrandmarkt sind. Dagegen gibt er Auskunft über seine Unterredung mit Lequerica. Petain, der einen geeigneten Vermittler suchte, bittet den Vertreter von Franco zu sich, der sich zusammen mit dem apostolischen Nuntius Mgr. Valerio prompt einstellt. Die beiden Diplomaten sind bereit, den Vorschlag für einen Waffenstillstand der deutschen und der italienischen Regierung zu übermitteln. Der Vorschlag soll «im Geiste der Ehre, von Soldat zu Soldat» betrachtet werden. Während der folgenden Nacht gebt Marschall Petain nicht zu Bett. Beim Morgengrauen setzt er sich in den Lehnstuhl mit einer Decke über die Knie. Hier schlummert er für einige Stunden, wie er es vor Verdun tat, wenn er wusste, dass auf einen anstrengenden Tag ein noch anstrengenderer folgen würde. Am 18. Juni, während Hitler und Mussolini in München über die Waffenstillstands-Bedingungen verhandeln, setzen die deutschen Truppen ihren Vormarsch fort. Sie besetzen Rennes in der Bretagne und überschreiten den Unterlauf der Loire. Sie nehmen Nevers, erreichen die Schweizer Grenze und nehmen drei Tage später Vichy und Lyon. Die Spannung wächst in Bordeaux ins Unerträgliche, da aus Berlin oder Rom immer noch keine Antwort eintrifft. Plötzlich geht das Gerücht, dass Mandel durch einen Polizeioberst verhaftet worden sei, während er im ersten Restaurant von Bordeaux mit Mlle Beatrice Bretty, einer Schauspielerin der Comedie Francaise, dinierte. Mandel verhaftet! Ein Versuch, die Regierung durch Gewalt in die Hände zu bekommen? Die erste der deutschen Bedingungen? Jeder ist bereit, die Richtigkeit seiner Behauptung zu beschwören. In Wahrheit waren Mandel und der Oberbefehlshaber der Kolonialtruppen, Bührer, durch irgendeinen Einwohner von Bordeaux denunziert worden, sie hätten Waffen angesammelt, um die Petain-Regierung zu stürzen. Drei Stunden später werden die beiden wieder freigelassen Der Waffenstillstand mit den Achsenmächten. und erhalten einen Entschuldigungsbrief von Petain. Ein anderes Gerücht will wahr haben, dass Reynaud nach Amerika abgereist sei. In Wahrheit spaziert er ruhig und zuversichtlich in der Halle des Hotels Splendide auf und ab. Das einzige Mitglied der französischen Regierung, das Frankreich verlassen hat, ist General de Gaulle, der ehrgeizige und royalistische Soldat, der, nachdem er den tragischen Verlauf der Ereignisse vorausgesagt hatte, nach London ging, um dort eine neue Regierung zu bilden, Deutschland antwortet l FIP7IA n» TSCHLAND Die deutsche Antwort, die am 19. Juni eingeht,' lautet: «Ernennen Sie Unterhändler, die bevollmächtigt sind, den Waffenstillstand zu unterzeichnen. Wenn wir einverstanden sind, werden wir sie wissen lassen, wo und wann sie mit deutschen Vertretern zusammenkommen können.» Die Aufgabe wird den Generälen Huntzinger und Bergeret, dem Admiral Le Luc und dem früheren Botschafter in Polen, Leon Noel, Überbunden. Am gleichen Abend reisen sie nach Compiegne ab. Im selben Bahnwagen, in welchem die deutschen Generäle 1918 die Bedingungen entgegennahmen, lernen sie das Schicksal Frankreichs kennen. Während derselben Nacht wird Bordeaux stark bombardiert. Am Tage finden lange, geheime Unterredungen wegen der Flotte statt. A. V. Alexander, Erster Lord der britischen Admiralität, trifft im Flugzeug in Begleitung des britischen Botschafters Sir Ronald Campbell ein. Sie sprechen mit Marschall Petain, Admiral Darlan und Baudouin. Man ist darüber einig, dass Frankreich unter keinen Umständen einen Waffenstillstand annehmen darf, der die Verpflichtung enthält, den Deutschen die Flotte auszuliefern. Bei einer anderen Zusammenkunft diskutieren Sir Dudley Pound und Admiral Darlan die praktischen Methoden, wie die Achsenmächte daran verhindert werden könnten, auf die französische Flotte "zu greifen. Während vielen Jahren sind die beiden gute Freunde gewesen. Wie sie sich die Hände zum Abschied schütteln, kommen beiden dieselben Worte über die Lippen: «Leben Sie wohl und viel Glück!» Bei'der nächsten Sitzung des Kabinetts verlangt Darlan, dass die französische Flotte nicht gegen England kämpfen dürfe und schlägt die Desarmierung durch die Franzosen selbst vor. Die Minister pflichten ihm bei. Am 20. Juni bestehen bei der Regierung so starke Zweifel darüber, ob die deutschen Bedingungen überhaupt annehmbar ausfallen, dass provisorisch eine neue Dislokation nach Perpignan beschlossen wird. Ohne Genehmigung der Regierung chartert das Bureau der Deputiertenkammer ein Schiff, die «Massilia», die mit Kriegsmarinesoldaten bemannt ist. Auf diesem schiffen sich nun die ein, denen die deutsche Invasion persönlich am gefährlichsten ist: Daladier und sein Sohn Jean, Mandel, Chautemps, Delbos, Vienot, und ein Dutzent Deputierte. Nach Tagen landet die «Massilia» in Casablanca, wo ihre Passagiere wie Flüchtlinge behandelt werden. Am 22. Juni ist aus Compiegne immer noch keine Nachricht eingetroffen, was dahin ausgelegt wird, dass die Bedingungen wahrscheinlich hart sein werden. Wieder wird die Abreise nach Nordafrika in Erwägung gezogen. Auf alle Fälle wird der Beschluss gefasst, dies zu tun, falls die Bedingungen zu schwer wären. Auch eine dritte Dislokation der Regierung wird beschlossen. Automobile und Boote werden bereit gemacht, um die Minister und deren Stäbe nach Algier zu bringen. Am 23. Juni kann General Huntziger Petain, dank einer in Rekordzeit durch die deutschen Truppen gelegten Leitung, telephonisch erreichen, um ihm die deutschen Bedingungen bekanntzugeben. Allerdings waren sie in Bordeaux bereits sechs Stunden vorher durch einen Sondergesandten, Oberst Beigbeders, des spanischen Aussenministers, bekannt geworden, der sie vom deutschen Botschafter in Madrid, von Stohrer, erhalten hatte. Diese Bedingungen werden durch die französischen Unterhändler in einigen Punkten abgeändert und schliesslich angenommen. Am nächsten Tage wird der Waffenstillstand mit Italien unterzeichnet. Am 25. Juni, um 12 Uhr 35, werden die Feindseligkeiten eingestellt. Frankreich, dessen Territorium zu zwei Dritteln besetzt ist, legt die Waffen nieder, nach 297 Tagen Krieg und 47 Tagen Kampf.