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E_1940_Zeitung_Nr.042

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BERN, Dienstag, 15. Oktober 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 42 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.— Autland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) viertel jährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Ein exstez Srtoätl tut £.änaua des ExsatiAfLRuafitoIiotoUems Umbau von Lastwagen auf Holzgasbetrieb Schon seit Monaten wusste man, dass sich das Problem der Umstellung von Lastwagen auf Holzgasbetrieb bei der Sektion für Kraft und Wärme im Studium befinde und um Mitte August herum erklärte deren Chef, Nat.-Rat Grimm, in dem Interview, das er der « Automobil-Revue » gewährte, die Sektion habe sich mit der Industrie in Verbindung gesetzt und man hoffe, in absehbarer Zeit tausend Lastwagen mit Holzgasgeneratoren herausbringen zu können. Von dieser Serienherstellung verspreche man sich eine fühlbare Herabsetzung der Umbaukosten, denn die bisherige Einzelanfertigung dieser Einrichtungen durch handwerkliche Arbeit sei zu kostspielig. Seither haben sich die kriegswirtschaftlichen Instanzen der weiteren Abklärung dieses wichtigen Fragenkomplexes gewidmet und in der Konferenz vom 4. Oktober, worüber die letzte Nummer unseres Blattes einen ausführlichen Bericht enthielt, war Nationalrat Grimm in der Lage, vom Bestehen eines" fertig ausgearbeiteten Plans für die Holzversorgung Kunde zu geben und das Programm einer vom Bund ausgehenden Aktion für die Umstellung von 1000 Lastwagen auf Holzgas in seinen Einzelheiten zu entwickeln. Eine Woche später, am letzten Freitag, hat der Bundesrat von einem vom Volkswirtschaftsdepartement vorgelegten Bericht, dem offenbar dieser Plan zugrunde lag, in zustimmendem Sinne Kenntnis genommen. Damit geht die erste Etappe auf dem Wege zur Lösung des immer dringlicher werdenden Ersatztreibstoffproblems Erscheint Jeden Dienttag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222- Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autoreva», Bern GesehUttstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 30.743 ihrer Verwirklichung entgegen. Ohne eine planmässige Regelung durch den Staat, ohne eine gewisse Lenkung sowohl der Produktion als auch des Verbrauches und ohne staatliche Mitwirkung in organisatorischer wie in finanzieller Hinsicht ist unter den heutigen Verhältnissen eine Lösung nicht durchführbar, will man eine Beunruhigung des Marktes und Fehlleitungen von Kapitalien vermeiden. Der Erfindergeist in allen Ehren, aber auch er muss angesichts der gegenwärtigen Lage unserer Automobilwirtschaft in geordnete Bahnen gewiesen werden. Dazu hat sich die Kriegswirtschaft, ihrem Charakter als Mangelwirtschaft entsprechend, dessen ständig bewusst zu bleiben, dass sie bei ihren Vorkehrungen auf dem Gebiet der Ersatztreibstoffe den Bogen nicht überspannt und die Amortisations- wie Liquidationsmöglichkeiten richtig in Rechnung stellt. Soweit aus den bisherigen Veröffentlichungen zu erkennen ist — sie lassen allerdings noch eine ganze Reihe wichtiger Punkte offen, so dass erst die angekündigten bundesrätlichen Weisungen ein abschliessendes Bild und damit ein Urteil über das erlauben werden, was die Behörden beabsichtigen — entfernen sich die Vorschriften des neuen Erlasses nirgends wesentlich von den Grundgedanken, wie sie Nationalrat Grimm an der erwähnten Konferenz dargelegt hat. Nach dem Bericht des Volkswirtschaftsdepartementes ist eine grössere Bundesaktion für den Umbau von Lastwagen auf HoLzgasantrieb in Aussicht genommen. Zu diesem Zweck bewilligt ihm der Bundesrat einen Kredltvorschusr - von höchstens 8 Millionen Franken; Dabei erfolgt die Vergebung der Aufträge an eine Industriegruppe durch den Bund. Er ist es, der bei dieser seiner Kontrolle unterstehenden Gruppe 1000 Generatoren und deren Einbau in die Fahrzeuge umstellt. Durch einen Aufruf will man zunächst einmal die Zahl der LaStwagenbesifzer ermitteln, welche sich für die Umstellung auf Holzgas interessieren. Man bringt also das Anmeldesystem zur Anwendung, wobei es vorläufig dem freien Willen der Lastwagenhalter überlassen bleibt, sich bei der Sektion, für Eisen und Maschinen des Eidg. Kriegsindustrie- und Arbeitsamtes zu melden, in deren Händen der Vollzug liegt. Eine Sichtung der eingehenden Anmeldungen stellt fest, welche Fahrzeuge sich für den Umbau auf das System Imbert, das ausschliesslich in Betracht fällt, eignen. In dieser Beschränkung auf einen einzigen Generatortyp findet der Gedanke der Rationalisierung seinen Ausdruck. Falls die erwähnte Voraussetzung zutrifft, ordnet der Bund den Umbau an. (Schluss Seite 2.) Wie das eidg. Motorfahrzeuggesetz in Art. 1 erklärt, stellt es Bestimmungen auf « über die Verwendung von Motorfahrzeugen und Fahrrädern im öffentlichen Verkehr, sowie Verkehrsvorschriften für die Benutzer der dem Motorfahrzeug oder dem Fahrrad geöffneten Strassen >. Wie steht es mit der Verkehrsregelung auf dem TrottoJr? Ein mutwilliger Radfahrer, der zweimal das Tröttoir befuhr, hat darüber einen Gerichtsentscheid provoziert. Das erstemal wurde er vom Qenieinderat von Zollikon wegen Auch in andern Ländern ist wegen des katastrophalen Benzinmangels eine radikale Umstellung auf das Holzgas erfolgt, wie unser Bild beweist, das einen mit Holzgasgeneratoren versehenen landwirtschaftlichen Traktor in Südfrankreich zeigt. INSERTIONS-PREIS DI« achtgetpaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Iniemtensehlnn 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Um die Benzin-Zusatzkontingente der Kantone. Verschärfte Kontrolle des Fahrradverkehrs. Galvanische Regeneration abgenützter Maschinenteile. Amerikanische Autonotizen. Autotouristische Fragen an der Generalversammlung des Schweiz. Fremdenverkehrsverbandes. Auto-Magazin. M F 6 und kantonales StraSreeht (Aus dem Bundesgericht) Widerhandlung gegen die das Befahren der Trottoirs untersagende Gemeindepolizeiverordnung mit 50 Fr. Busse bestraft und ihm für weitere derartige Uebertretungen strafrechtliche Verfolgung angedroht. Das zweitemal verurteilte ihn das Zürcher Obergericht zu 5 Tagen Gefängnis und 30 Franken Busse wegen Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung. In einer Nichtigkeitsbeschwerde machte der Radfahrer geltend, diese in Anwendung des zürcherischen Strafrechtes ausgesprochene Verurteilung bedeute eine Verletzung vom Bundesrecht, denn das Befahren eines Trottoirs könne nur auf Grund des M.F.G. bestraft werden. Der Kassationshof des Bundesgerichts lehnte diese Auffassung ab. Das Tröttoir kann in strassenbautechnischen und expropriationsrechtlichen Vorschriften als Teil der Strasse angesehen werden und mit ihr eine Einheit bilden. Im M.F.G. aber gehört es nicht zu den « dem Motorfahrzeug oder dem Fahrrad geöffneten Strassen», für die das Gesetz nach seinem Art. 1 Verkehrsvorschriften aufstellt. Zwar hat der Fussgänger nach Art. 35 M.F.G. die Trottoirs zu benützen, aber diese Vorschrift greift nicht in die Verkehrsregelung auf dem Tröttoir ein, sondern sie will bloss — wo Trottoirs bestehen — den Fussgänger tunlichst von der Fahrbahn fernhalten. In Art. 30 M.F.G. wird der Radfahrer auf Art. 26 M.F.G. verwiesen, womit ihm gleich wie den Motorfahrzeugen die rechte Seite der Fahrbahn zugeteilt wird; dies bedeutet nicht ein Verbot, das Tröttoir zu befahren, sondern es betrifft -die Verkehrsordnung auf der Fahrstrasse. So ist die Regelung des Verkehrs auf dem Tröttoir gänzlich dem kantonalen Rechte überlassen und die angefochtene Verurteilung kommt mit dem M.F.G. nicht in Widerspruch. Die Nichtigkeitsbeschwerde wunde deshalb abgewiesen. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 44. Fortsetzung Gerda: hört das Aufhauen des Fremdenbuches auf das Pult und beinahe das Umblättern der Seiten. < Nein, Monsieur. Keine Dame dieses Namens bei uns abgestiegen.» Beckers halb erstickte Stimme: «Ist heute nacht eine Dame in Ihr Hotel gezogen ? Ja oder nein ? > «Ja, Monsieur!. Aber die gehörte zu einem Herrn ! » Da bricht es heraus aus Becker, mit einer Stimme, die das ganze Treppenhaus füllt : « Geben Sie .mir das Fremdenbuch ! Ich will selber kontrollieren !» Der Portier: « Wenn Sie nicht Ruhe geben, Monsieur, müsste ich Sie bitten, das Haus zu verlassen! Ich habe unsere Gäste zu schützen. Wir sind ein Haus ersten Ranges!» Becker wie von Sinnen: «Ich will das Fremdenbuch ! » Er sagt es zehnmal, zwanzigmal, in motorischer Wiederholung. Brüllt: « Ich schlage das Hotel zusammen !» Dazwischen auf Deutsch : « Frauenzimmer !... So ein Frauenzimmer ! > Fünf Minuten dauert das laute Toben. Dann verstummt der Lärm — wie abgerissen. Gedämpftes Murmeln. Schritte, die sich entfernen. Das Zuschlagen der Hoteltür. Erst nach einer halben Stunde getraut sich Gerda zu klingeln. < Madame wünschen ? » Gerda fragt, während ihr Blick unsicher an dem Zimmermädchen vorbeiirrt: « Sagen Sie bitte... der Lärm vorhin...» «Hat Madame gehört?... Oh. es war schrecklich! Aus allen Zimmern sind die Gäste herausgekommen !... Der Herr hat einen Revolver gehabt... der Portier hat an die Polizei telephoniert... zwei Gendarmen sind gekommen und haben den Herrn mitgenommen ! » Gerda zittert wie Espenlaub. < Ja », sagt das Zimmermädchen, während es die Betten zum Sonnen aufs Fensterbrett legt, «man kann nicht vorsichtig genug sein! Wer weiss, was das für eine böse Person ist, die den Herrn so verrückt gemacht hat?... ... Es gibt so schlechte Frauen, Madame ... ! Darf ich Madame das Frühstück bringen ? Tee ? Kaffee ? Schokolade ? » « Ja », sagt Gerda. «Tee, Madame? Oder Kaffee oder Schokolade ? » « Ja. > Unten sagt das Zimmermädchen zum Portier : « Die Dame oben... ich weiss nicht... Vielleicht hat der aufgeregte Herr doch recht! Vielleicht ist das seine Dame ! ? » Der Portier fährt das Mädchen an : «Halten Sie den Mund ! Mein Nachtkollege hat sich den Pass der Dame geben lassen und danach den Namen ins Fremdenbuch eingeschrieben ! Alles andere geht uns nichts an. Gehen Sie an Ihre Arbeit.» Während Gerda vor Schokolade und Aprikosenkonfitüre sitzt, taucht Direktor Molignon grosse Brocken Weissbrot in seinen cafe au lait und wirft ab und zu dem Merinischen Pudel einen Happen in das aufgerissene Maul. Er sitzt an einem wackeligen Tisch vor seinem Wohnwagen und freut sich des Lebens. « Siehst du, Juliette, mein Kind... es wird dann nötig sein, jedes Jahr ein paar Monate im Ausland zu verbringen, um den Kontakt mit dem Apollokonzern zu halten... Vertreter für Südfrankreich ist nicht übel — für ganz Frankreich, mit Sitz in Paris, ist besser !»