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E_1940_Zeitung_Nr.047

E_1940_Zeitung_Nr.047

BERN, Dienstag, 19. November 1940 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 47 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION ^ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autoren«, B«rn Geschfiftsstelle Zfirlch: Löwenstrasse 51a Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DI« aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtaril InseratonseblnM 4 Tage vor Erscheinen der Hammer Eine Aufklärung und ein Appell Spart flüssige Brennstoffe, wo ihr nur könnt! Weitere Kürzung der Rationen für die nächsten Monate unausweichlich Das Knegs-Indastne- und -Arbeits-Amt, Sektion für Kraft und Wärme, teilt mit: «Die Entwicklung der Importverhältnisse und die steigenden Transportschwierigkeiten, ganz besonders aber der durch die Erdbebenkatastrophe in Rumänien hervorgerufene Unterbruch der Lieferungen, gibt der Sektion für Kraft und Wärme Veranlassung, alle Verbraucher von flüssigen Brennstoffen zu motorischen Zwecken erneut darauf aufmerksam zu machen, dass ein sparsames Umgehen selbst mit den durch die Rationierung zugeteilten Mengen und vor allem auch der noch vorhandenen privaten Vorräte dringend geboten ist Mit Rücksicht auf die erwähnten Schwierigkeiten wird eine weitere Beschränkung der Zuteilungen in den nächsten Monaten unvermeidlich sein. Die laufend zur Verfügung stehenden Warenmengen sollen dabei dem dringlichsten Bedarf reserviert bleiben. Mit, Rücksicht auf die Bedeutung der flüssigen Treibstoffe für die Wirtschaft ist es Pflicht jedes Verbrauchers, so sparsam in der Verwendung der ihm, zur Verfügung stehenden Mengen vorzugehen, dass die bestehenden Bestände und die neu ankommenden Importe auf möglichst lange Sicht gestreckt werden können. Das Problem der Beschaffung und Zuteilung von flüssigen und festen Ersatztreibstoffen wird durch die Sektion mit Beschleunigung weiter behandelt, um die dadurch gebotenen Möglichkeiten für die Wirtschaft auszunützen.» Zur Besprechung der in diesem Communiqu© angedeuteten Massnahmen tritt morgen Mittwoch die konsultative Benzinkommission in Bern zusammen. Nat.-Rat Grimm, der Chef der Sektion für Kraft und Wärme, wird dabei in einem Expose die Lage schildern und über die Vorkehren orientieren, die zu ergreifen sich die Behörden genötigt sehen. Dass sie nicht darum herumkommen, bei der Stockung unserer Benzineinfuhr, verursacht durch die schweren Erdbebenzerstörungen im rumänischen Petrolgebiet, die Rationierungsschraube noch stärker anzuziehen, ist F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 49. Fortsetzung Hans Römer beugt sich zu seinem Vater herab. Sagt leise: «Komm, Vater, komm!» Er hebt des Vaters Oberkörper hoch, stellt den Vater auf die Beine. Und mit einer Stimme, die ohne Klang ist: « Wollen ihnen den Gefallen tun... komm, Vater.» Er legt dem Vater, der noch immer dfe grüne Wollperücke in der verkrampften Hand hält, den Arm in den Rücken, führt ihn, der mehr getragen wird, dessen Beine nachschleifen, zum Manegen-Eingang. Der Menschenklumpen, der sich da staut, spaltet auseinander. Hans Römer schleppt den Vater in die Manegen-Mitte. Reisst ihn sich vor den Leib, dass er wie ein Hampelmann aus Stoff und Werg, von des Sohnes Arm gehalten, kraftlos nach vorn hängt. « Sprich, Vater », befiehlt Hans Römer und hebt seines Vaters Arm. leider eine Tatsache, woran es angesichts des Wortlautes ihres «Mitgeteilt» nichts zu rütteln gibt. Es hiesse Vogel Strauss-Politik betreiben, wollte man sich den Ernst der Lage, in welche wir durch die Folgen einer Naturkatastrophe geraten sind, verheimlichen. Und wenn die künftige Gestaltung der Treibstoffrationierung im-Moment auch noch nicht in allen Teilen feststeht, so scheinen gewisse Anzeichen immerhin darauf hinzudeuten, dass sie sich in der Richtung einer weiteren Abstufung innerhalb der Dringlichkeitskategorien bewegen dürfte, um durch eine solche Verfeinerung die Grundlage für die neue Zuteilung zu schaffen. Dabei läge es in der Natur der Sache, wenn die Benzinkontingente jenen Fahrzeugbesitzern reserviert blieben, bei denen lebenswichtige Interessen die Aufrechterhaltung des Fahrbetriebes unter allen Umständen erfordern. Allerdings würde eine solche weitere Ausscheidung wohl auch bedeuten, dass sich unter den in Kategorie A und B Eingeteilten einzelne Gruppen mit dem' Gedanken an die Möglichkeit einer Sperre vertraut machen müssten. Denn eine Anpassung des laufenden Bedarfs an die zusammengeschrumpften Importe, aus denen er gedeckt werden muss, liesse sich ohne eine gewisse weitere Siebung der Bezugsberechtigten nicht durchführen. Sicher trifft die unentrinnbar gewordene neuerliche Amputation unseren Strassenverkehr schwer, sicher aber greifen die Behörden auch nur unter dem äussersten Zwang und bloss weil es das Landesinteresse erheischt, zum Mittel einer abermaligen Einschränkung. Abklärung darüber, was geschehen soll, bringt, wie man annehmen darf, die Sitzung der Kommission von morgen Mittwoch. Im Zusammenhang mit den dort zur Erörterung gelangenden Schritten steht es wohl auch, Rund 20 bis 25prozentige Kürzung der Treibstoffrationen für Lastwagen während der Periode vom 16. November bis 31. Dezember In der Verfügung Nr. 14 des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements vom 14. November 1940, welche die Treibstoffzuteilung an Lastwagen und Industrietraktoren für die Zeit vom 16. November bis 31. Dezember 1940 regelt, spiegelt sich die neuerliche Erschwerung unserer Versorgung mit flüssigen Brennstoffen wider, sahen sich die Behörden angesichts der unaufhörlich steigenden Einfuhrschwierigkeiten gezwungen, an den bisherigen Rationen Abstriche von ca. 20—25% vorzunehmen. Ueberdies wird die nächste Rationierungsperiode auf 1% Monate ausgedehnt, währenddem sie bisher 1 Monat umfasste. Im nachstehend wiedergegebenen Wortlaut der Verfügung finden sich die Zuteilungsmengen während der Zeit vom 16. Oktober bis 15. November in Klammern beigefügt. Das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement verfügt: Art. 1. Für die Dauer Tom 16. November 1940, 00 Uhr, bis zum 31. Dezember 1940, 34 Uhr, werden den Verbrauchern von den kantonalen Automobilkontrollen ihres Wohnortskantons oder bei einer von dieser bezeichneten Stelle gegen Vorweisung des Und Molignon und seine Frau, die Stallmeister, der Haufen der zur Besinnung Gekommenen, sie drängen nach, sie lauschen atemlos und harren, ob jetzt das Grauen des entfesselten Gelächters wohl verstummt. Heinrich Römer lallt, kaum dass er den Mund zum Klaffen bringt, fast ohne Klang: « Vorbei!... Vorbei!... Fini... Fini!...» Und der Sohn wiederholt — laut, herrisch, metallisch, weithin schmetternd, mit der Stimme, die der seines Vaters gleicht: « Vorbei!... Vorbei!... Fini... Fini!... » Als verfalle die Masse — Schweigen. Erstarrung. Hans Römer will seinen Vater auf den Armen aus der Manege tragen. Er ist zu schwer. So umgreift er seinen Rücken, schleppt ihn unterm Arm wie einen Ballen Stoff zum Manegen^Ausgang zurück. In Totenstille leert sich das Zelt. «Drüben ist seine Garderobe!» sagt Molignon und weist Hans Römer den Weg. Er hilft dem Sohn, den Vater auf das Sofa betten, und geht hinaus, dem Polizeikommissar Rede und Antwort zu stehen. Dreht sich noch einmal herum: « Geben Sie ihm Kognak! Die Feldflasche ist auf dem Tisch! » Heinrich Römer liegt auf dem Rücken. Sein Black irrt am Sohn vorbei. Fahrzeugausweises folgende RationieTungsscheine abgegeben: a) Motorlastwagen (eine Tonne und mehr Nutzlast): Lastwagen bis 15,99 PS: 1 Rationierungsschein von 90 C12O) Liter Benzin oder 80 (100) Liter Dieselöl; Lastwagen von 16 PS bis 20,99 PS: 1 Rationierungsschein von 120 (160) Liter Benzin oder 105 (135) Liter Dieselöl; Lastwagen von 21 PS bis 30,99 PS: 1 Rationierungsschein von 170 (220) Liter Benzin oder 150 (190) Liter Dieselöl; Lastwagen von 31 PS und mehr: J. Rationierungsschein von 225 (300) Liter Benzin Mer 200 (250) Liter Dieselöl. Für Holzgas- und Holzkohlenlastwagen mit Zusatzvergasern wird pro Fahrzeug 1 Rationierungsschein von 25 (35) Liter Benzin abgegeben. b) Industrietraktoren für den Strassenverkehr: 1 Rationierungsschein für 100 (120) Liter Benzin oder 100 (100) Liter Dieselöl. Art. 2.' Diese Verfügung tritt am 16. November 1940, 00 Uhr, in Kraft. Die für die Dauer vom 16 November 1940 bis zum 15. Dezember 1940 ausgestellten Rationierungsscheine gelten für die ganze Rationierungsperiode vom 16. November 1940, 00 Uhr, bis zum 31. Dezember 1940, 24 Uhr. « Allein sein... allein sein...» Hans Römer beugt sich über den Vater, wagt nicht, ihm das Gesicht zu waschen, nicht, ihm das Narrenkleid vom Leib zu reissen, ihn anzusehen. Sagt: « Du warst schon zu viel allein, Vater. Lass mich bei dir bleiben. Die Stunde ist nicht schlimmer für dich als für mich. Hier, trink aus der Flasche. Trink ordentlich. In einer halben Stunde hole ich dich, Vater. Wir fahren nach Hause — so rasch wie möglich. Schlaf die halbe Stunde, Vater, schlaf! » Und weil er den Blick des Vaters gross und lastend auf sich fühlt, bückt er sich herab und küsst ihn auf die Schläfe. Seit er Sekundaner war, hat er dem Vater keinen Kuss mehr gegeben. Es gibt ihm ein Gefühl der Kindlichkeit und verschiebt die Machtverhältnisse wieder auf einen Augenblick. « Bis nachher, Vater...» Hans Römer geht in den Wandelgang zurück, sucht Gerda. Die steht vor einem Tisch. Das Kleid hängt ihr in Fetzen vom Körper. Zwei Herren sitzen an dem Tisch, die Papiere vor sich liegen haben. Er hört Gerdas Stimme, hell, energisch, präzise: wenn für den Dezember von der Herausgabe einer Litertafel in der bisherigen Form Abstand genommen werden und an deren Stelle eine Ankündigung der Sektion für Kraft und Wärme bekanntgeben soll, wie die Zuteilung im nächsten Monat erfolgt. Ein Sparbefehl für die Autoposten. Einer Mitteilung der P.T.T. war zu entnehmen, dass sie sich angesichts der Schwierigkeiten der Landesversorgung mit flüssigen Brennstoffen gezwungen sehe, ihre Fahrplanleistungen vom 1. November 1940 an bis auf weiteres einzuschränken. An die Stelle des Benzinmotors tritt dabei bis zu einem gewissen Grade wieder der Hafermotor. Wenigstens geht das aus einer Nachricht hervor, besagend, dass auf einzelnen kleineren Strecken im Kanton Graubünden die Autopost durch Pferdezug ersetzt wird und dass auf den Jahres-Autolinien die Saisonkurse ausfallen. Neuerdings hat nun der Bundesrat selbst eingegriffen und mit einem Beschluss vom 15. November dem Post- und Eisenbahndepartement den Auftrag erteilt, in den Betrieben der Post alle jene Sparmassnahmen zu treffen, welche die Rücksicht auf die Landesversorgung mit flüssigen Treibstoffen gebietet. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich dabei von den nämlichen Ueberlegungen und Erkenntnissen leiten liess, denen auch der an der Spitze dieser Nummer wiedergegebene und an die Adresse sämtlicher Motorfahrzeugbesitzer gerichtete Sparappell der Sektion für Kraft und Wärme entsprungen ist. Wenn dem privaten Automobilisten haushälterischer Umgang mit dem Benzin angelegentlichst ans Herz gelegt wird, dann versteht es sich von selbst, dass sich auch die staatlichen Betriebe in genau gleicher Weise nach der Decke zu strecken haben. Was denn auch geschehen ist, zuerst durch den Sparukas an das Bundespersonal für Dienstfahrten mit Automobilen, dann durch obenerwähnten Erlass der PTT und jetzt durch gen noch weitergehenden Schritt des Bundesrates. Für die Postverwaltung stellt der Bundesratsbeschluss eine Reihe besonderer Richtlinien zur Erzielung von Treibstoffersparnissen auf. Zum ersten sind die fahrplanmässigen Kurse nach Möglichkeit zu beschränken, wobei namentlich der Betrieb auf Linien, welche parallel zu Bahnen oder Trams verlaufen, ganz oder teilweise eingestellt werden muss. Zum andern soll das Post- und Eisenbahndepartement die höchstzulässige Zahl der Beiwagen auf den Postkursen vorschreiben und nur solche Fahrzeuge in Dienst nehmen, die möglichst wenig flüssige Kraftstoffe brauchen. Und endlich ist die Durchführung von Extrafahrten durch die Post einzustellen, mit Ausnahme solcher für Hilfsaktionen bei Naturkatastrophen und andern unvorhersehbaren Ereignissen. Von den Vorschriften dieses Beschlusses, der am 20. November in Kraft tritt, bleiben jene Fahrzeuge ausgenommen, die mit Elektrizität oder mit einheimischen Ersatztreibstoffen betrieben werden. «Nein, Herr Kommissar, das ist nicht wahr! Er hat nicht in die Manege geschossen! Ich stand ja neben ihm. Er hatte gar keine Waffe bei sich! Der Schuss muss von oben gekommen sein. Von hinter uns oben! Von den Stehplätzen. » «Ihr Name? Ihre Wohnung? » « Gerda Manz, Hotel de la Gare.» Die Herren sehen einander an. « Gerda Manz?... Das ist der Name, den der aufgeregte Mann ununterbrochen wiederholt hat, der heute früh im Hotel de la Gare festgenommen wurde und den wir dann am Spätnachmittag wieder entlassen konnten! » «Der hat geschossen!» schreit Gerda. «Der! Der hat auf Hans Römer geschossen, aber den Clown getroffen! » « Ihren Pass, Madame? » Mit einem Satz steht Hans Römer neben ihr: « Messieurs, ich stehe zu Ihrer Verfügung. Nehmen Sie solange .meinen Pass! Geschossen habe ich nicht. Was die anderen Umstände des heutigen Abends anbetrifft, so komme ich für jeden Schaden auf. Sollten sich bei den Zirkusbesuchern gesundheitliche oder seelische Störungen bemerkbar machen, so bitte ich. mich dafür haftbar zu machen. Mein Va-