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E_1940_Zeitung_Nr.044

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2 AUTOMOBIL-REVUE

2 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 29. OKTOBER 1940 — N° 44 Die Bildung von sogenanntem Wassergas (Mischung von Wasserstoff- und Kohlenmonoxydgas). Zur Verbesserung der Zündfähigkeit des Generatorgases und aus anderen Gründen ist nämlich ein beträchtlicher Gehalt an Wasserstoffgas erwünscht. Man erhält ihn durch Beimischung von Wasserdampf zu der über die glühenden Kohlen streichenden Luft. Hiebei zerfällt das Wasser in seine Komponenten Wasserstoff und Sauerstoff, wobei sich das zweitgenannte Gas ähnlich wie der Luftsauerstoff sogleich mit der glühenden Kohle zu Kohlenmonoxydgas verbindet, das dann zusammen mit dem Wasserstoffgas und dem durch unvollständige Verbrennung entstehenden Gas zum Motor gelangt. Der Grund für diese Zersetzung des Wassers liegt darin, dass der Sauerstoff bei hohen Temperaturen eine grössere Vorliebe für den Kohlenstoff als für den Wasserstoff zeigt und dem Wasserstoff daher kurzerhand die Treue bricht, um mit dem heissen Kohlenstoff die Ehe einzugehen. Zur Ehre des Kohlenstoffs sei immerhin gesagt, dass er seinerseits dieser Leidenschaft erst dann freien Lauf lässt, wenn sozusagen der ganze «ledige » Luft- Sauerstoff aufgezehrt ist und nur noch mit Wasserstoff «verheiratete» Sauerstoff-Atome zur Verfügung stehen. Bei Holzkohlegasanlagen wird der in den Gasgenerator strömenden Luft vielfach direkt Wasserdampf zugesetzt, um die Wasserstoffbildung zu verstärken, bei Holzgasanlagen dagegen stammt das Wasser aus dem Feuchtigkeitsgehalt des lufttrockenen Brennstoffs selbst. Schliesslich ist bei den Holzgasgeneratoren noch ein dritter Vorgang an der Gasbildung massgebend beteiligt, nämlich die trockene Destillation des Holzes und Aufspaltung der entstehenden Dämpfe zu brennbaren Gasen in der Feuerzone. Bei der Holzkohle wurden diese flüchtigen Bestandteile des Holzes bereits während des Köhlvorganges ausgetrieben und je nach der Vollkommenheit des dabei angewandten Verfahrens daraus eine grössere oder kleinere Menge wertvoller Nebenprodukte gewonnen. Beim Holzgasgenerator geschieht diese trockene Destillation des Holzes in der an die Glühzone anschliessenden Schwelzone, welche das von oben nachrutschende Holz zwangsläufig ganz langsam passieren muss, bevor es allmählich in den Feuerherd gelangt. Auf diesem Weg, den es im Schnekkentempo durchläuft, erhitzt es sich immer stärker, je näher es der Feuerzone rückt. Hiebei tritt erst das im lufttrockenen Holz enthaltene Wasser (ca. 20—25% des Gewichts) in Dampfform aus, später entweichen brennbare Gase, sodann Holzgeist, Essigsäure, leichter Teer und endlich schwerer Teer sowie Paraffin. Damit ist aus dem Holz bereits Holzkohle geworden. Die genannten, kondensierbaren Dämpfe aber machen in der Glühzone eine Art Krackprozess durch, wobei sie ebenfalls in brennbare Gase zerfallen. Diese überaus wichtige Zersetzung ist an die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Betriebstemperatur in der Glutzone gebunden. Das auf Grund dieser zwei oder (bei Holz) drei Umsetzungen (unvollständige Verbrennung, Wassergasbildung und trockene Destillation verbunden mit Krackvorgang) entstehende Gasgemisch enthält noch allerhand unerwünschte Beimengungen wie Flugasche sowie bei Holzvergasung (oder Holzkohlevergasung mit Wasserdampfzusatz) auch überschüssigen Wasserdampf, ferner Spuren mitgerissenen Teers und anderer Verunreinigungen. Ausserdem ist das Gas heiss und muss daher in einem Gaskühler auf 30 bis Sicheritats-Knithtbel- Versc/iluä Fig. 2. Schema einer Imbert-Holzgasanlage. Generator zur Hälfte geöffnet. Gasweg durch Pfeile angedeutet. Der Gaskühler wird vor dem Wasserkühler des Motors am Wagen angebracht. 40 C abgekühlt werden, wobei sich auch gerade das im Gas enthaltene Wasser niederschlägt. Andere Unreinigkeiten werden je nach Bauart der Generatoranlage durch alle möglichen Arten von Filtern oder Reinigern zurückgehalten. Schliesslich gelangt das gereinigte Gas in den Gas-Luft-Mischer am Saugrohr des Motors, wo ihm die nötige Verbrennungsluft zugesetzt wird. Der Gasmischer besteht in dem im Bild 2 gezeigten Fall aus einem T-Rohr, das hier rechts an den Saugstutzen des Motors, links an die Gasanlage und unten an einen Stutzen mit Luftfilter und Luftdrosselklappe angeschlossen ist. Läuft der Motor, so saugt er somit gleichzeitig Gas und Luft in das T-Rohr. Vermittelst der Luftdrossel lässt sich das Mischungsverhältnis Gas : Luft regulieren. Schliesst man sie ein wenig, so wird verhältnismässig mehr Gas angesaugt, und umgekehrt mehr Luft, wenn sie geöffnet wird. -b- Die beiden Verfügungen über die Verwendung flüssiger Ersatztreibstoffe und über Generatoren und Apparate rollen eine Reihe wichtiger Fragen auf. Im Bestreben, Klarheit darüber zu gewinnen, hat sich die « Automobil-Revue » an den Chef der Sektion für Kraft und Wärme gewendet Was antwortet Nationalrat Grimm? Unmittelbar vor Redaktionsschluss der letzten Nummer veröffentlichte das eidg. Kriegsindustrie- und Arbeitsamt zwei Verfügungen, deren Gegenstand die Verwendung flüssiger Ersatztreibstoffe einerseits und .die Bewilligungspflicht für Generatoren und Apparate zur Verwendung von Ersatztreibstoffen anderseits bildete. Nach dem offiziellen Communique, das im Zusammenhang damit herausgegeben wurde, «sollen die Verfügungen eine möglichst einheitliche Ordnung in der Frage der Versorgung und Verwendung von Ersatztreibstoffen gewährleisten und die Motorfahrzeughalter nach Möglichkeit vor Schädigungen, die sich aus einem ungeregelten Markt von Ersatztreibstoffen ergeben könnten, bewahren ». Zu einer Würdigung und Kommentierung der beiden Erlasse reichte die Zeit damals nicht mehr aus, dagegen zeigte das Studium ihres Wortlautes, dass sie eine ganze Menge von Fragen offen lassen, die von unverkennbarer Bedeutung für die weitere Gestaltung der Dinge auf diesem Gebiet und damit für die ganze schweizerische Automobilwirtschaft sind, insofern als sie überhaupt noch existiert. Wir haben uns einige dieser Fragen notiert, zusammengestellt und sie dem Chef der Sektion für Kraft und Wärme, Nat.- Rat Grimm, mit der Bitte unterbreitet, uns Caskühler tfo/zgasgenena/ör Absitzbehäfter Nachreiniger «Einheitliche Ordnung in der Frage der Ersatztreibstoffe» Wir möchten gerne wissen... darüber im Rahmen des Möglichen Aufschluss zu gewähren. Wenn wir im Nachstehenden die Fragen und die uns darauf zuteil gewordenen Antworten wiedergeben, dann bildet sich der Leser wohl selbst ein Urteil darüber, inwieweit damit der ganze Fragenkomplex einer Abklärung näher gerückt ist. Red. 1. Sind die beiden Verfügungen über die Verwendung flüssiger Ersatztreibstoffe und über die Generatoren und Apparate als Grundlage für die staatliche Ordnung der Ersatatreibstofffrage zu betrachten, wovon schon früher die Rede war? — Die beiden Verfügungen bilden einen Bestandteil der staatlichen Ordnung der Ersatztreibstoffe. Je nach der Entwicklung der Verhältnisse bleiben weitere Anordnungen vorbehalten. 2. Mit dem Erlass Verfügung über flüssige Ersatztreibstoffe werden diese doch der Rationierung unterstellt? Soll dadurch die Zuteilung grösserer Mengen an die Bezugsberechtigten bewirkt werden, sofern die Treibstoffeinfuhr keinen weiteren Rückgang erleidet? — Die flüssigen Ersatztreibstoffe unterliegen, wie die normalen Treibstoffe, der Rationierung. Diese Massnahme empfiehlt sich aus Gründen einer gerechten Versorgung. Die flüssigen Ersatztreibstoffe stellen ein Streckmittel dar und werden, sofern die Importe nicht noch welter zurückgehen, einer Ausweitung der Versorgung dienen. 3. Erfolgt die Abgabe des Gemisches durch die Petrola sofort? Oder von welchem Zeitpunkt an? — Die Abgabe des Gemisches durch die Petrola erfolgt, sobald die erforderlichen organisatorischen Arbeiten getroffen sind. 4. Was werden die Weisungen der Sektion bezüglich der Beimischung bestimmen? Hat diese einen Einfluss auf den Säulenpreis? — Der Säulenpreis bleibt vorläufig unverändert. Er wird indes je nach den Einstandspreisen Veränderungen erfahren können. 5. Was geschieht mit den bereits vorhandenen Vorräten an flüssigen Ersatzbrennstoffen oder Gemischen? Uebernimmt sie die Petrola? Und wie ist die Lösung der Entschädigungsfrage gedaoht? — Ich verweise auf die Weisung Nr. 1 (die sich auf Seite 3 abgedruckt findet. Red.). 6. Wie steht es mit der Verteilung von festen Ersatebrennstoffen? Wird sie ebenfalls vom Bund geordnet? (Nach dem Inhalt der Verfügung betr. Generatoren und Apparate muss man dies annehmen.) — Die Verteilung von festen Ersatztreibstoffen wird ebenfalls durch den Bund grundsätzlich geordnet. Zuständig hiefür ist die Sektion für Holz und Torf. Mit zwölf weiteren Fragen versuchten wir, wichtige Punkte, welche die Verfügung über die Bewilligungspflicht von Generatoren und Apparaten für die Verwendung von Ersatztreibstoffen offen gelassen hatte, soweit als möglich abzuklären. Im einzelnen lauteten diese Fragen: 7. Verfügung über die Bewilligungspflicht von Generatoren usw. Weshalb die Bewilligungs- und nicht die Anmeldepflicht? Die Vertreter der Automobilverbände hatten letztere befürwortet. Stellt die Bewilligungspflicht ein Verbot dar? 8. Wird durch die Bewilligungspflicht nicht die Privatinitiative tangiert, die bisher doch teilweise Brauchbares geschaffen hat? Es bestehen Bedenken nach dieser Richtung hin. Inwieweit sind Einschränkungen vorgesehen? 9. Man hört on Befürchtungen, dass mit dem Bewilligungsverfahren vorläufig alles abgestoppt werde und der Umstellungsprozess dadurch eine Verzögerung erleide. Was ist darauf zu sagen? 10. Mit welcher Zeitspanne muss für die Erledigung der Bewilligungsgesuche gerechnet werden? 11. Auf welche Kriterien wird bei der Erteilung und Verweigerung einer Bewilligung im einzelnen abgestellt? 12. Wenn sich eine Generatorenfirma um die Bewilligung bewirbt, wird diese dann für jeden einzelnen Wagen, für gewisse Serien oder generell erteilt? Genügt es für die Erteilung, wenn die Firma nachweist, dass sie selbst die Garantie für ausreichende Versorgung ihrer Kunden mit Ersatztreibstoffen übernehme? Und was geschieht in einem solchen Fall, wenn nachher der Staat die Versorgung mit festen Ersatztreibstoffen in seine Hände nimmt? 13. Läuft die Verfügung nicht auf eine gewisse Typenbeschränkung heraus? Nach welcher Richtung hin bewegen sich die Auflagen konstruktiver Natur, die bei der Erteilung der Bewilligung angeordnet werden können? 14. Gilt die Bewilligungspflicht auch für Generatoren usw., die sich vor Erlass der Verfügung bereits im Bau befanden? 15. Was, wenn der Bewilligungspflicht zuwidergehandelt, wenn Generatoren ohne Bewilligung gebaut werden und einer nachher mit einem solchen Wagen fährt? Besteht überhaupt die Möglichkeit, den Bau und Einbau zu verhindern, wenn der Kunde keine Bewilligung vorweist? Wie ist die Kontrolle gedacht? 16. Wie soll der als Strafe angedrohte Ausschluss vom Bezug von festen Treibstoffen erfolgen, wenn deren Abgabe noch frei ist, z. B. bei einem Selbstversorger? Setzt die Durchführung der Strafandrohung nicht die Abgabepflicht und Rationie- Tung für feste Brennstoffe voraus? 17. Besteht die Absicht einer weitergehenden Aufklärung der Oeffentlichkeit über diejenigen Fragen, die sich beim Studium der beiden Verfügungen erheben und einer Abklärung bedürfen? 18. Sind Ausführungsbestimmungen vorgesehen und was werden sie vorausichtlich enthalten? Aus Gründen, über die man lediglich Vermutungen anstellen kann, sieht sich der Chef der Sektion für Kraft und Wärme ausserstande, diese Fragen einzeln zu beantworten. Vielmehr fasst er die Aufschlüsse, welche er darauf zu erteilen hat, wie folgt zusammen: Fragen 7 bis 18. — Ueber diese Fragen kann zur Zeit im Detail noch nicht gesprochen werden. Im allgemeinen ist folgendes zu sagen: Pflicht der Behörden ist es, zu verhindern, dass massenweise Generatoren usw. hergestellt werden, für F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 46, Fortsetzung Es wetterleuchtet um die alte Kathedrale von Grasse. Es zuckt schwefelfarben um den alten Stadthausturm. Dunkle Wolken aus Ost und Nord ziehen über dem Südabhang des Rocavignon zusammen. Die Einwohner von Grasse und Umgebung, die in Scharen zur Zirkuswiese strömen, blicken immer ängstlicher zum Himmel auf und beschleunigen die Schritte. Es gilt die .Grosse Gala-Abschieds-Vorstellung' des .Cirflue d'et6' für ,gross und klein'! Madame Molignon an ihrem immer dichter umdrängten Kassentisch sitzt wie in einem Dampfbad. Wenn es nur kein Gewitter gibt!... Der breite klaffende Riss an der linken Seite der Zeltwand sollte erst nach Zeltabbruch — in der Nacht — von den Männern geflickt werden. Wenn es vorher lospladderte, schwamm der ganze Zirkus —! Donnerte es nicht schon?.... Sie reisst die Billette von den perforierten roten, gelben und grünen Kartenblocks. Kassiert. Wechselt. « Zwei Sperrsitze ?... Bitte schön ! > — « Jawohl, Militär und Kolonialsoldaten auch halbe Preise ! » — « Nur noch zwei getrennte Logenplätze ! » — « Ah, guten Abend, Herr Staniol! Augenblick ... ! — '« Stehplätze ! » < Gleich fünf Stück ? Hier bitte ! > — «... für Sie, Herr Staniol!... » — « Nein, auf dem Namen Duval liegen keine Billette ! » — «... hab ich noch mit Mühe einen guten iPlatz reserviert...» — « Natürlich kann ich wechseln ! » — «... mein Mann wollte Sie vorher noch sprechen, Herr Stanio.1...» — « Doch, sie liegen zusammen, ein Vorder- und ein Rücksitz ! » — « Fünfzehn Francs, bitte ! > — « mein Mann ist noch im Wagen, Herr Staniol... > — «Zehnte Reihe» Ja, zwei Plätze ! » Staniol gibt's auf. Er hätte zwar gern gewusst, wie sich die ganz vernünftige Frau dazu stellte, dass er Henri Rene wie ein Wegelagerer mit dem Vertrag überfallen sollte — vielleicht war der gute Molignon nicht ganz richtig im Kopf... er hatte schon die tollsten Sachen erlebt! Aber kriegen musste er den Henri Rene! Unter allen Umständen ! Er ! Staniol! Nicht der junge Bengel, den der Konzern neuerdings in der Welt herumschickte, weil er — Staniol — kein Glück gehabt hatte mit den letzten Nummern, die durchgerasselt waren. Die Mentalität des Publikums hat eben keine Anhaltspunkte mehr: es war sensationsgierig und sensationsmüde zugleich; wenn er nicht ordentlich hinterhakte und eine Kanone anschleppte wie den Rene, war er nicht mehr beim Konzern im nächsten Vierteljahr! Konnte vielleicht als Propagandachef eines Elefantenmädchens auf die Messen ziehen ! Staniol findet Molignon in erregtem Selbstgespräch. « Eh bien, Molignon, was ist los ? ! » « Gar nichts ist los ! Angst hab ich ! » « Wovor denn ? » « Vor der Geschichte mit dem Rene" nachher !» « Aha !! Na sehen Sie ! Das wollt' ich Ihnen gerade sagen : Blödsinn ist das, wie Sie die ganze Geschichte aufziehn !... Gehen Sie in seine Garderobe. Sagen Sie ihm : Staniol ist da! Staniol will Sie sprechen!... Dann setzen wir uns hinterner in die ,Oigogne* und bringen die Sache bei einem Glase Wein unter urbanen Formen zum Abschluss ! Ihre Provision verbleibt Ihnen ja.» « Unter .urbanen Formen' unterschreibt er nicht!» « Zum Donnerwetter, der Mann wird doch wohl auch seinen schwachen Punkt haben ? ! ... Jeder Mensch ist zu fassen. Was für 'n Landsmann ist er denn ? » «Keine Ahnung. Spricht aus allen Sprachen gemixtes Zirkuskauderwelsch!» «Ihre Verträge hat er doch immer anstandslos unterschrieben ? ! > «Nur den allerersten: Henri Rene, in grossen schwungvollen Buchstaben. Später hat er mir immer nur telegraphisch mitgeteilt : Bin pünktlich am Platz. Henri Rene ! » Vom Zelt herüber schallt der Sousa-Marsch .Unter dem Sternenbanner'. Molignon schlägt die Tür seines Wohnwagens zu : « Jetzt muss ich 'rüber !... Verfluchte Ischias! » Er blickt zum Himmel auf: « Es wird doch nicht etwa...? » Die beiden Herren gehen zum Zelt hinüber mit seiner von flimmernden grünen und roten Zwerglämpchen gerahmten Fassade. Die Bogenlampen tauchen die sich bedrohlich stauende Menge in fahles Licht. Hans Römer schiebt seinen Arm in den Gerdas. « Keine Bange, kleine Gerda. > «Ich hab nur immer Angst vor Panik, wenn so viele Menschen zusammen sind », sagt Gerda und schmiegt sich enger an Hans Römer. « Angst, dass die .Könige der Wüste' ausbrechen ? » lacht er. «Ich schätze, es werden zwei altersschwache mummelige Riesenkatzen sein, die der Dompteur mit Müh und Not zum Schnurren bringt.» (Fortsetzung folgt.)

NH4 DIENSTAG, 29. OKTOBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE 3 die dann im Moment der Inbetriebnahme ungenügend oder überhaupt keine festen Treibstoffe zur Verfügung stehen. Das ist auch der Grund, warum die Bewilligungspflicht und nicht bloss die 'Anmeldepflicht statuiert wurde. Die Durchführung der Bewilligungspflicht und die Zahl der Bewilligungen wird vom Nachweis der Sicherstellung der Ersatztreibstoffe abhängig zu machen sein. Im Interesse der Landesverteidigung, aber auch im Interesse der Wirtschaft wird eine Beschränkung der Typenzahl anzustreben sein. Zunächst wird es sich darum handeln, einmal einen Ueberblick über die vorhandenen und beabsichtigten Konstruktionen zu erlangen, deren Zahl auf Grund der bisherigen Feststellungen viel grösser sein dürfte, als man allgemein annimmt. Im Zusammenhang damit ist in Verbindung mit den kriegswirtschaftlichen Sektionen für Holz und Torf und für Chemie und Pharmazeutika ein Rohstoffplan aufzustellen, der die Grundlage für die weitern Vorkehren bildet. Es ist ganz selbstverständlich, dass die Oeffentlichkeit von Zeit zu Zeit über die Ersatztreibstofffrage unterrichtet werden soll. Auf dem Wege zum flüssigen Einheitsbrennstoff. Anmelde- und Abgabepflicht Die Sektion für Kraft und Wärme des Kriegs-Industrie- und -Arbeits-Amtes erlässt folgende WEISUNG Nr. 1. 1. Bestandesaufnahme. Importeure, Produzenten, Händler und andere Wiederverkäufer haben die genaue Menge ihrer am 28. Oktober 1940, 18 Uhr, vorhandenen Vorräte an den verschiedenen flüssigen Ersatztreibstoffen und Streckungsmitteln, sowie an Gemischen von Benzin mit Ersatztreibstoffen und Streckungsmitteln, unter Angabe der Zusammensetzung sowie des Orts der Lagerung, bis zum 30. Oktober 1940 der Petrola, Schweizerische Genossenschaft für die Versorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen in Zürich, zu melden. Als flüssige Ersatztreibstoffe und Strekkungsmittel im Sinne dieser und nachfolgender Bestimmungen gelten die unter Art. 1 der Verfügung vom 17. Oktober 1940 fallenden Stoffe. Die am 28. Oktober 1940, 18 Uhr, bei Importeuren, Händlern, andern Wiederverkäufern und Produzenten vorhandenen Gemische , von Benzin mit Ersatztreibstoffen und Strekkungsmitteln dürfen ausverkauft werden; doch ist über den Verkauf eine genaue schriftliche Kontrolle zu führen. Neue Mischungen dürfen nicht hergestellt werden, es sei denn auf Weisung der Petrola. 2. Meldepflicht für Importeure. Sämtliche vom 28. Oktober 1940, 18 Uhr, an in der Schweiz eintreffenden Importe an flüssigen Ersatztreibstoffen und an Strekkungsmitteln sind vom Importeur möglichst vor dem Eintreffen an der Grenze der Petrola' zu melden. Neuabschlüsse über zum Import in die Schweiz bestimmte Streckungsmittel und flüssige Ersatztreibstoffe sind unter Angabe von Menge, Preis und Lieferzeit vor Tätigung des Abschlusses der Petrola zu melden. 3. Abnahme der Ware. Seit dem 28. Oktober 1940, 18 Uhr, eingeführte Streckungsmittel und flüssige Ersatztreibstoffe, über die bereits Abschlüsse vorlegen, werden von der Petrola zu dem Preis und zu den Bedingungen übernommen, zu denen sie nachweislich dem bisherigen Abnehmer oder dem Kontrahenten im Inland hätten verkauft werden können oder verkauft 1 wurden, mit der Abänderung, dass die Ware von der Petrola franko Schweiz. Grenzstation oder andere von der Petrola bezeichnete Mischstation angenommen und berechnet wird. Importware, über die am 28. Oktober 1940, 18 Uhr, noch kein Abschluss vorliegt, wird von der Petrola übernommen, sofern der Stoff zur Beimischung zu Benzin oder zu dessen Ersetzung geeignet ist, die Preisbedingungen annehmbar sind und die für den Antransport nach der Schweiz notwendigen Transportmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Petrola wird für die geeignete Verwertung im Inland besorgt sein. Für die Abnahme im Inland anfallender Streckungsmittel und flüssiger Ersatztreibstoffe, sowie über das Verfahren bei der Beimischung und Verwendung dieser Stoffe bleiben weitere Weisungen vorbehalten. 4. Ausführung. Die Durchführung dieser Weisung obliegt der Petrola. Diese ist zuständig für die Erteilung von Auskünften jeder Art im Zusammenhang mit der Verfügung vom 17. Oktober 1940. Zuwiderhandlungen gegen diese Weisungen und die Anordnungen der Petrola werden igemäss Art. 2 der Verfügung des Kriegsindustrie- und -Arbeits-Amtes betreffend die Verwendung flüssiger Ersatztreibstoffe vom 17. Oktober 1940 geahndet. Die Verweigerung der Einfuhrbewilligung nach den Weisungen der Handelsabteilung bleibt vorbehalten. Klaren Wein, bitte! Gedanken zum Benzinpreisaufschlag. Man schreibt uns aus der Ostschweiz: Es bedarf keines speziellen Hinweises, dass der erneute Benzinpreisaufschlag von 8 Rappen in der Ostschweiz konsternierend gewirkt hat. Man kann es nicht verstehen, dass ein Aufschlag in solcher Höhe ausschliesslich in einer < Verteuerung der Fluss- und Landtransporte » begründet sein soll. Oder sollte es belegt werden können, dass für einen einzigen Eisenbahnwagen Benzin von rund 15 000 Liter seit der letzten Benzinpreiserhöhung am 10. September, d. h. binnen 40 Tagen, eine Verteuerung der Transportkosten von 15 000 Liter ä 8 Rp. = 1200 Fr. eingetreten ist? Angesichts der vom Bund ergriffenen Massnahmen zur Förderung des Umbaues von 100O—1200 Lastwagen auf Holzgasbetrieb, eine Aktion, die allerdings lediglich im Berner Tempo voranschreitet, mag es interessieren, zu wissen, wie weit der Gasgenerator in anderen Ländern entwickelt worden ist und welche praktischen Erfahrungen bisher dort mit ihm gesammelt wurden. Lenken wir den Blick über die Grenzen unseres Landes hinaus, so sehen wir, dass es kaum ein motorisiertes Land in Europa gibt, dass nicht mit der Entwicklung des Generators beschäftigt wäre. In Deutschland wird mit besonderer Betonung darauf hingewiesen, dass es sich bei der Eingliederung des Gasgenerators in die Motorfahrzeugwirtschaft nicht um eine kurzfristige Notmassnahme, sondern um eine Planung auf länge Sicht handelt. Der deutschen Wirtschaft stehen in reichen Holz-, Torf-, Kohle- und Braunkohlevorkommen bedeutende Vorräte an Generator-Betriebsstoffen zur Verfügung. Bei dem gewaltigen Bedarf, den die deutsche Motorisierung mit sich bringt und der nach dem Kriege noch sehr viel höher sein wird, wäre es widersinnig, diesen Reichtum nicht auszuschöpfen. Mithin hat allein die Frage entscheidende Bedeutung, ob die konstruktive Entwicklung des Generators weit genug vorgeschritten ist, dass er ohne Beeinträchtigung der Betriebssicherheit, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit in Dienst gestellt werden kann. Abgesehen davon, dass der Generator ein höheres Mass an Wartung beansprucht, glaubt man in technischen Kreisen Deutschlands diese Frage unbedingt bejahen zu können. In Frankreich hat man dem Generatorfahrzeug von Anfang an grosses Interesse entgegengebracht. Dabei ging die amen Koben tU stanniert Btsttt terz*n tebutn hrfabrn z* Btbintliif dir toibiilufflicbeg Balaiift.lt. nf ih Hh|an ntahtt : dtr Utendiw Weitere Abstriche an der Benzinzuteilung für den November 1940 Wie bereits in unserer letzten Nummer mitgeteilt, erfahren die bewilligten Benzinmengen für die 9. Rationierungsperiode, den November 1940, eine weitere Kürzung. Ueber das Ausmass dieses Abbaues geben die nachstehenden Litertafeln Auskunft, worin wir neben den neuen Zuteilungsmengen in Klammern die im Oktober zugestandene Ration aufführen. Litertafel für Personenwagen Dringlich- Quant!- Motorenleistung (Steuer-PS): keits- tätskate- bis 7,5 PS 7,51-15,5 PS 15,51 PS kategoria gorie Liter Benzin und mehr 1 35 (40) 45 (55) 50 (60) 2 30 (35) 40 (50) 45 (55) (20 + 20) 25 (30) 35 (40) 40 (45) (20 + 20) 4 20 (25) 30 (35) 35 (40) A 5 15 (20) 25 (30) 80 (35) teres Zuwarten ist nicht tragbar und nicht 6 15 (20) 20 (25) 25 (30) zu verantworten. V 7 15 (15) 20 (25) 25 (30) 10 (15) 15 (20) 20 (25) 1 20 (25) 30 (35) 35 (40) B 2 15 (15) 20 (25) 25 (30) 3 10 (15) 15 (20) 20 (25) 1 - (-) - (-) _ (-) 2 - (-) - (-) - (-) Initiative von der Armee aus, die auf Grund der D _ _ (_) _ (_) _ (_) Erfahrungen des vorigen Krieges immer mit der Möglichkeit rechnete, die Zufuhr flüssigen Betriebsstoffes könnte durch kriegerische Ereignisse ein- Litertafel für Lieferwagen mal abgeschnitten werden. Noch bei den Herbstmanövern des Jahres 1938 wurden Generatorfahrzeuge katesori. katetori. "" 7 > 5 ps 7 . 51 '' 5 - 5 ps « 5 - 51 P8 »• ••» D kJi £ ts ICl " Q tft*'" Motorleistung (Steuer-PS): für den Nachschub und das Transportwesen in Liter Benzin grosser Zahl eingesetzt und erprobt. Die Erfahrungen waren jedoch damals so ungünstig, dass der 1 40 (50) 60 (65) 65 (75) Generator in der Armee sehr bald an Interesse verlor. Die Schwierigkeiten mögen in unzureichenden (20 + 20) (30 + 30) (30 + 35) 2 35 (40) 50 (55) 55 (60) Konstruktionen sowie in Hemmnissen beim Nachschub verschiedenartiger Materialien von grossem 3 30 (35) 45 (50) 50 (55) (35 + 20) Volumen gelegen haben. Trotzdem war die Zahl der A 4 20 (25) 30 (35) 35 (40) Generatorfahrzeuge in Frankreich bereits vor dem ß 15 (20) 20 (25) 25 (30) Krieg relativ gross: die amtliche Statistik wies zu 6 10 (15) 15 (20) 20 (25) Beginn des Jahres 1939 über 5000 Stück nach, die 7 10 (10) 15 (15) 20 (20) fast alle mit Holz betrieben wurden; sie befanden 1 30 (35) 45 (50) 50 (55) sich ausschliesslich in Privatbesita. Zu dieser 2 20 (25) 30 (35) 35 (40) Verbreitung hatte die Bestimmung beigetragen, dass B 3 15 (20) 20 (25) 25 (30) alle Autobetriebe mit 10 und mehr Fahrzeugen mindestens ein Generatorfahrzeug in Dienst stellen 5 10 (10) 15 (15) 20 (20) 4 10 (15) 15 (20) 20 (25) mussten. Jetzt, nach der Niederlage, soll die trostlose Lage des französischen Automobilwesens durch 1 20 (25) 30 (35) 35 (40) das Zauberwort « Gazogene» belebt werden. Bis p 2 15 (20) 20 (25) 25 (30) En3e 1940 soll die Holzkohlenerzeugung auf ^ 3 10 (15) 15 (20) 20 (25) 1 000 000 t gesteigert werden, mit deren Hilfe man 4 10 (10) 15 (15) 20 (20) 50 000 Lastwagen betreiben will. Da aber auch die Holzvorräte Frankreichs nicht unerschöpflich sind, hat die Regierung die Umstellung auf Generatorbetrieb auf bestimmte Lastwagenkategorien beschränkt. In diesem Sinne hat die Umstellung be- Generatorbetrieb umstellen lässt, einen staatlichen tümer jedes Autobusses, der sein Fahrzeug auf den gonnen. Zuschuss von 18 000 Lire, mit dem er die Umstellungskosten decken kann. Auch die Besitzer von Dass die Regierung Lastautos werden ähnlich subventioniert. Den Bemühungen, den italienischen Automcbilismus auf Italiens einheimische Betriebsstoffe umzustellen, ist es bisher im R,ahmen der Autarkiebestrebungen der Generatorfrage einen hervorragenden Platz eingeräumt hat, Dienst zu erfassen. Allerdings spielen dabei auch gelungen, 80% der Nutzfahrzeuge im öffentlichen ist selbstverständlich. Seit 1937 erhält der Eigen- die Erdgasvorkommen eine erhebliche Rolle; aber auch der Holz- und Holzgasgenerator ist technisch so weit entwickelt, dass er als betriebssicher anzusprechen ist. Seiner Ausbreitung steht der geringe Waldbestand Italiens natürlich hindernd im Wege. In England richtet sich die Initiative verständlicherweise in erster Linie auf Kohle und Anthrazit als Betriebsstoff, wobei bereits recht brauchbare Resultate erzielt wurden. Der Holzgasgenerator hat in England keinen fruchtbaren Boden gefunden, da es an diesem Rohstoff fehlt. Die Entwicklung ist hier, da man sich ungern prinzipiell vom flüssigen Betriebsstoff |g§L abwendet, verhältnismässig nicht weit gediehen. ü Vor allem technisches und wirtschaftliches Interesse an der Generator-Konstruktion besitzt die Sowjetunion, denn hier arbeiten die Konstrukteure ja nicht unter dem Druck des Mangels an flüssigen Betriebsstoffen. Aber die weiten und schlecht ausgebauten Transportwege liessen hier schon frühzeitig Pläne reifen, die auf die Verwendung fester Betriebsstoffe abzielten, so dass an der Entwicklung des Generators relativ viel gearbeitet wurde. Die grossen Waldbestände weisen von selbst auf die Nutzbarmachung des Holzes für die Motorisierung hin. Es gelang, •wirklich brauchbare und zuverlässige Holzgasgeneratoren zu entwickeln, die jetzt einen solchen Grad an Betriebssicherheit erreicht haben, dass / f£FT sämtliche Motorfahrzeuge der Landwirtschaft auf Generatorbetrieb eingestellt werden. 1941 soll die ifeS^s Umstellung von 10000 landwirtschaftlichen Schleppern erfolgen, und die gleiche Zahl neuer Traktoren soll schon bei der Fabrikation für den Generatorbetrieb eingerichtet "werden. Dass schliesslich die holzreichen skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Finnland w. Das Schweizervolk scheut die Wahrheit nicht und weiss sich auch mit ernsteren Situationen abzufinden. Aber man muss ihm klaren Wein einschenken. Es ist daher unerlässlich, dass die Eidg. Preiskontrollstelle einmal klar, präzis und erschöpfend über die Höhe der einzelnen Preiskomponenten, die zu dem heutigen exorbitanten Benzinpreis von 75 Rappen geführt haben, Auskunft gibt. Wenn nicht, so wird .man es sich gefallen lassen müssen, dass die Mißstimmung und Gerüchtemacherei immer mehr um sich greifen und sich die Motorfahrzeughalter energischer zu wehren beginnen. Dies gilt auch für die dringend nötige Herabsetzung des Benzinzolls, die längst fällig ist, und an die nun der Bundesrat wohl oder übel oder « koste es was es wolle » endlich herangehen muss. Ein wei- Europäische Ersatzbreniistoff-Wirtscliaft ''MDxtL- i 'l:i?ll •nttilil UUMlMMMl. in der Generatorfrage nicht untätig waren, versteht sich von selbst. In Schweden wurde mit staatlicher Hilfe eine Gesellschaft zur Entwicklung und Einführung des Generators gegründet, die sich mit der Beschaffung, dem Transport und der Verteilung des Holzes befasst. In den letzten 3 Monaten wurden 7000 Generatoranlagen zur schnellsten Lieferung verkauft. Auch die Schiffahrt bedient sich des Generators. Etwa die Hälfte der verkauften Generatoren ist für landwirtschaftliche Traktoren, die andere Hälfte zum Betrieb von Lastwagen bestimmt. Umstritten bleibt dabei die Frage des Karbidgenerators, gegen dessen Einführung vor allem Gründe der Sicherheit sprechen. In Finnland befinden sich z. Zt. ca. 2000 Autobusse mit Generatorantrieb im Verkehr. Monatlich werden ca. 500 neue Generatoren erzeugt, die der Umstellung von Lastwagen und Schleppern dienen; der Einbau in Personenwagen ist nur mit besonderer Genehmigung zulässig. Der Staat unterstützt die Einführung des Generators durch Umbaukredite sowie durch Beschaffung des reichlich vorhandenen Holzes. In Norwegen hat der staatliche Beschaffungsausschuss einen besonderen Ausschuss für Gasgeneratoren eingesetzt, der die Einführung und Ausbreitung des Generators vorbereiten, erleichtern und beschleunigen soll. Auch in Dänemark wird eifrig an der Einführung des Generators gearbeitet; hier steht Torf in reichen Mengen zur Verfügung. — In Holland sollen bis zum Frühjahr rund 1000 Lastwagen mit Generatoren ausgerüstet sein, wobei sowohl Holz wie Torf als Rohstoff dienen.