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E_1940_Zeitung_Nr.044

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 29. OKTOBER 1940 — N° 44 Eine Winternacht vor der grossen Sphinx Von Pierre LotL Eine allzu klare Nacht, von einer in unseren der sandigen Täler hin. Auch darauf war man Himmelsstrichen unbekannten Färbung. Ein Ortnicht gefasst; die neuen Eroberer (die Engländer) von phantastischem Aussehen, vom Geheimnis umwittert. Ein Mond von grell leuchtendem, blengebracht zu haben, als sie den alten Nil aufstau- scheinen die Feuchtigkeit ihrer nebligen Insel mitdendem Silberglanz bescheint eine Welt, die gewiss nicht die unsere ist, denn sie ist mit nichts zu machen. Und diese ungewohnte Kälte, dieser ten, um das Stromland feuchter und ertragreicher vergleichbar, was man anderswo auf Erden erblickt hat; eine Welt, in der alle Dinge unter den chen des Endes der alten Zeiten und rückt die Nebel, so leicht er noch sein mag, scheint ein Zei- mitternächtigen Sternen gleichmässig rosa sind ganze Vergangenheit noch ferner ab, sie, die hier und in die riesenhafte Symbole mit gespenstischer Regungslosigkeit aufragen. ten, die von tausend Mumien bewohnt sind. schläft in dem Labyrinth der unterirdischen Bau- Ist das ein Sandhügel, was da vor uns emporsteigt? Wohl kaum, denn es hat sozusagen keine Doch der Nebel, der sich mit vorrückender Zeit in den Niederungen verdichtet, zaudert noch, Umrisse; es erweckt eher die Vorstellung einer bis zu dem grossen bedrohlichen Antlitz emporzusteigen und umhüllt es kaum mit einem durchsich- grossen, rosigen Wolke, einer fast unstofflichen Wasserwoge, die sich in alten Zeiten dort getürmt tigen Gazeschleier, der, wie alles hier, rosig ist. hat, um für ewig zu erstarren... Ein ungeheures Und die Sphinx, die die ganze Weltgeschichte vor Menschenantlitz, gleichfalls rosig, von einem unnennbaren rosigen Hauch, taucht aus dieser mumi- sich abrollen sah, schaut fühllos auf den Wechsel des heimischen Klimas, regungslos versunken in fizierten Brandungswoge empor, erhebt das Haupt, blickt aus starren Augen und lächelt; es ist so riesenhaft, dass es unwirklich erscheint, wie aus einem Reflektor geworfen, der sich im Monde verbirgt ... Und hinter dem Riesenantlitz, weit zurück, auf dem Gipfel der undeutlichen, weich geschwungenen Dünen, ragen drei apokalyptische Zeichen gen Himmel, drei rosa Dreiecke, regelmässig wie geometrische Figuren, doch so riesenhaft, trotz der Entfernung, dass sie Furcht einflössen. Sie scheinen von innen heraus zu leuchten; so hell heben sie sich vom Dunkelblau der gestirnten Leere ab; und die Uawahrscheinlichkeit dieses inneren Leuchtens macht sie noch furchtbarer. Ringsum Wüste, ein Stück des trostlosen Sandmeeres. Und nirgends etwas anderes als diese vier ragenden Schreckensgestalten, das allen Massen entwachsene Menschenantlitz und die drei geometrischen Berge, auf den ersten Blick wie Nebelgebilde, aber doch hier und dort, namentlich in den Zügen des stummen Riesengesichis, scharfe Schlagschatten, die beweisen, dass es wirklich da ist, starr und unerschütterlich, ein ewiges Urgestein. Selbst wenn man es nicht im voraus wüsste, erriete man es auf der Stelle, denn es ist einzig auf der Welt, und die Abbildungen aller Zeitalter haben es verbreitet: Die Sphinx und die Pyramiden! Doch man war nicht darauf gefasst, dass es so beunruhigend sei... Und warum ist es rosa, wo doch der Mond alles, was er bescheint, sonst bläulich färbt? Auch diese Farbe sah man nicht voraus — trotzdem ist es die Farbe aller Granitfelsen Aegyptens oder Arabiens. Und dann hatte man die Augen von Standbildern zu Tausenden gesehen; man wusste, sie können nicht anders als starr sein. Warum ist man hier also betroffen, ja versteinert durch die Unbeweglichkeit dieses Sphinxblickes, und zugleich gebannt durch das Lächeln dieser geschlossenen Lippen, die das Rätselwort zu verschweigen scheinen? ... Es ist kalt wie bei uns in schönen Winternächten, und ein Nebelstreifen zieht sich im Grunde die mystische Betrachtung des Mondes, ihres Freundes seit fünf Jahrtausenden. Zuerst umschreiten wir den unerschütterlichen Unterbau der Cheopspyramide; der Mond lässt ihre Riesenblöcke deutlich hervortreten, die regelmässigen, gleich grossen Steine, die sich endlos übereinanderschichten, immer schmaler und in gerader Flucht emporsteigend, um droben die Spitze des schwindelnden Dreiecks zu bilden. Das Ganze ist wie beleuchtet vom trüben Morgenrot eines Weltunterganges, der nur den Sand und den Granit rosig färbt, doch den ausgestirnten Himmel in düsterem Schwarz lässt. — Wie unbegreiflich ist uns das Denken jener Könige, die ein halbes Jahrtausend lang das Leben von Tausenden und aber Tausenden von Sklaven vergeudeten, um dieses Grabmal zu türmen — in der betörenden irren Hoffnung, ihre Mumien für ewige Zeiten zu erhalten! Hat man die Pyramide hinter sich, so bleibt noch ein Stück Wegs, bis man der Sphinx gegenübersteht; man klettert den Hang der Düne hinab, die wie ein Wolkengebilde aussieht, das sich absichtlich verdichtet hat, um- an dieser Stätte das Schweigen zu mehren. Hier und da gähnt ein schwarzes Loch auf; ein Luftloch des tiefen, unentwirrbaren Reiches der Mumien, das trotz der Raubgier der Menschen noch immer reich bevölkert ist. Beim Hinabsteigen des Sandberges erblickt man sie bald — die Sphinx, halb Hügel, halb langes Tier, das uns den Rücken zudreht, in der Haltung eines Riesenhundes, der den Mond anbellen will; ihr Kopf ragt wie ein Schattenrfss in das Licht, das er anzustarren scheint, und die Zipfel ihres Kopfschmuckes erscheinen wie lange Schlapp, ohren. Je näher man kommt, desto mehr tritt das Profil hervor, ohne Nase, stumpfnasig wie ein Totenkopf, doch schon mit einem Gesichtsausdruck, selbst aus der Ferne und von der Seite gesehen, schon verächtlich mit ihrem vorspringenden Kinn und ihrem geheimnisvollen Lächeln. Und wenn man schliesslich vor dem Riesenantlitz steht, von Angesicht zu Angesicht — ohne doch dem Blick zu begegnen, der über unsern hinwegschaut — empfindet man unmittelbar den Zauber all der geheimen Gedanken, welche die Menschen von einst Ra#s@l*^€:l£C£ Einsendetermin: 7. November 1940. Auflösung des Kreuzworträtsels. Waagrecht: 1. Pentameter, 9. Tornados, 13. Oese, 14. Enos, 15. le, 16. Aurorainseln, 19. Linienschiff, 20. Ai, 21. Peer, 23. re, 24. nisi, 25. Servette, 26. Bastonnade. Magisches Quadrat in diesen verstümmelten Zügen eingefangen und verewigt haben. Am hellen Tage existiert ihre grosse Sphinx gleichsam nicht mehr. Sie ist so zerstört durch die Zeit und die Hand der Bilderstürmer, halb versunken, verkleinert und ausdruckslos wie die Mumien, die man halb zerfallen in den Sarkophagen findet und die kein menschliches Antlitz mehr haben. Doch, wie alle Gespenster, lebt sie bei Nacht wieder auf, im Zauberbanne des Mondes. Wen stellt sie für die Zeitgenossen dar? Den König Amenhemeth? Den Sonnengott? Man weiss es nicht recht. Von allen Hieroglyphen bleibt sie die unlesbarste. Die undurchdringlichen ägyptischen Denker symbolisierten alles in furchtgebietenden Göttergestalten — für das uneingeweihte Volk; vielleicht also wollten sie, nachdem sie im Dunkel der Tempel lange gegrübelt, lange das unergründliche Warum des Lebens und Sterbens gesucht hatten, einfach dies tun: durch das Lächeln jener stummen Lippen die Vergeblichkeit unseres tiefstens menschlichen Nachsinnens ausdrücken ... Wie es heisst, war die Sphinx ehemals von überraschender Schönheit; Verputz und Malereien harmonisierten und belebten ihr Antlitz, und sie thronte in voller Grosse auf einer mit breiten Steinfliesen belegten Terrasse. Aber wirkte sie in jenen Zeiten gewaltiger als in dieser Nacht, in ihrem endgültigen Verfall? Fast begraben im lybischen Sande, aus dem ihr Sockel sich nicht mehr emporhebt, taucht sie jetzt wie eine Erscheinung empor, die nichts Festes im Räume hält. Mitternacht ist vorüber. Die rosigen Töne verbleichen allmählich; alles in der übernatürlichen Umgebung verblasst zusehends; denn der Mond ist höher gestiegen und scheint noch silberner durch die eisige Nacht. Der winterliche Nebel, den die künstlich bewässerten Felder ausdünsten, steigt immer höher und umhüllt keck das stumme Riesenantlitz, das nach wie vor den totenbleichen Mond anstarrt und ihm sein verwirrendes Lächeln zusendet. Immer weniger scheint es ein wirklicher Koloss zu sein, vielmehr nichts weiter als ein vergrösserter Widerschein aus einer anderen Welt. Und dahinter im Nebel verschwimmen die drei dreieckigen Berge; auch sie scheinen nicht mehr leibhaftig, sondern blosse Visionen aus der Apokalypse. Allmählich entströmt eine unerträgliche Trübsal den übergrossen Augen mit den leeren Höhlen — denn in diesem Moment scheint die Sphinx seit Jahrtausenden das letzte Geheimnis zu wissen, doch mit schwermütiger Ironie zu verschweigen: das Geheimnis, dass das Volk der Toten drunten in der Mumienstadt, trotz seiner Frömmigkeit und seiner Gebete, sich selbst betrog, weil die Stunde des Erwachens noch keinem geschlagen hat; dass die Erschaffung einer denkenden und leidenden Menschheit keinen vernünftigen Grund hat, und dass unsere armen Hoffnungen eitel sind, erbarmungswürdig eitel! Die Sprachen in Europa In Europa gibt es nicht etwa, wie man vielleicht auf Grund der Anzahl der Staaten annehmen könnte, ungefähr zwanzig Sprachen, sondern nicht weniger als hundertzwanzig. Natürlich kommt nicht allen die gleiche Bedeutung zu: 19 Sprachen werden von mehr als je 5 Millionen, 37 von mehr als je 1 Million Menschen gesprochen und weitere 50 von je etwa hunderttausend Menschen. Etwa ein gutes Dutzend Sprachen ist auf so kleine Gebiete beschränkt, dass sich nicht einmal 100 000 Personen ihrer bedienen. Zu ihnen gehört beispielsweise das Romanische, das nur von rund 45 000 Menschen als Muttersprache angegeben wird. Die grösste Verbreitung hat unter den 485 Millionen Europäern die deutsche Sprache, die von über 82 Millionen Menschen gesprochen wird. An zweiter Stelle folgt Russisch mit 71 Millionen; man darf nicht vergessen, dass gerade innerhalb des russischen 170-Mülionen-Reiches die grösste Buntheit an Muttersprachen zu verzeichnen ist. An dritter Stelle folgt die englische Sprache, die innerhalb Europas von 47 Millionen als Muttersprache bezeichnet wird. a-a-a-a-c-c-c-c-e-e-e-ef-h -h -h -h -m-n-n-n-o-o-o-o r-r-r-r-s-s-t-t-t-t. Obige Buchstaben sind so in die Figur einzusetzen, dass waagrecht und senkrecht dieselben Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1. Schleife, Bandknoten. 2. Göchster Beamter im alten Athen. 3. Werkzeug-Stiel. 4. Verfassungsurkunde. 5. -?-. 6. Ein Schiff mittels Enterhaken erstürmen. 3 Punkte. Senkrecht: 2. et, 3. Note, 4. Antananarivo, 5. majorisieren, 6. Tore, 7. es, 8. Apokalypse, 10. Eisenfeüe, 11. Beduinen, 12. Dollfuss, 17. re, 18. Ei, 22. Ries, 24. Nota. Richtige Lösungen des Kreuzwort-Rätsels (Nr. 42). 5 Punkte. A. Bachofen, Glarus; Max Bertsohmann, Basel; Frl. Margrit Bossert, Lenzburg; Frl. Margrit Epple, St. Gallen; Frau G. Fravi, Rapperswil; Frau Dr. Gräflin, Walzeahausen; Frl. Heidi Hürsch, St. Gallen; G. Laepple, Basel; Frau Marti, Ölten. 4 Punkte. Frau E. Markoff, Buchs; Frau E. Steinbömer, Schaan; Fritz Wenger, Bern; Frl. E. Winteler, Glarus. Wenn zwei das gleiche tun... Ein richtiggehender Filmschauspieler «kann» in Hollywood nicht in einem Taxi fahren. Er muss einfach sein eigenes Auto haben, bzw. deren zwei, damit er auch nicht in Verlegenheit kommt, wenn das eine sich In Reparatur befindet. Im gleichen Stil ist das ganze Leben drüben eingerichtet, so dass ein Filmstar, selbst wenn sein Gehalt noch so hoch ist, nicht dazukommt, sich etwas zurückzulegen. Als Alexander Korda das letztemal nach USA kam, beschloss er, einfach «nicht mehr mitzutun». Kaufte sich also kein Auto, sondern mietete sich ein Taxi und kam darin bei Metro-Goldwyn-Meyer vorgefahren. Die Folge war, dass der Hüter des Aussentors ihn anwies, sich in der Reihe der wartenden Komparsen anzustellen. Korda stellte sich brav an, wartete, bis nach etwa einer Stunde die Reihe an ihn kam, und erklärte dann dem Portier, er wünsche Mister Meyer zu sprechen. Es dauerte eine weitere Viertelstunde, bis er den guten Mann dazu überredet hatte, telephonisch der Sekretärin Meyers tu berichten, ein gewisser Mr. Korda wünsche nicht weniger, als den Chef persönlich zu sprechen. Ob er ihn hinausschmeissen solle? Man kann sich die Verblüffung des Portiers und sämtlicher bis dahin höhnisch grinsenden Komparsen vorstellen, als knappe zwei Minuten später Mister Meyer in Person herbeigestürzt kam, um Korda zu begrüssen und wegen der Ungeschicklichkeit «dieses Idioten da» um Entschuldigung zu bitten. Die Sache sprach sich herum, die Zeitungen bemächtigten sich des dankbaren Stoffes, und es war die grösste und zugleich billigste «Publicity», die Alexander Korda je gemacht bekam ... Acht Tage später fuhr wiederum ein Taxi beim Studio vor, ein Herr entstieg ihm, drängte sich durch zum Portier, erklärte er heisse Kyler und wünsche unverzüglich Mr. Meyer zu sprechen. Der Portier, gewitzigt, fragte sofort oben im Bureau an. Prompt erschien nach zwei Minuten — ein riesiger Nigger, packte Herrn Kyler am Kragen und beförderte ihn in gewaltigem Schwung zum Tor hinaus. Seither hat der Portier sein Selbstbewusstsein wiedergefunden. Zürich Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Stadttheater Abend«19X Uhr, Sonntag nachmittags 14}* Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 36 13, 8—18.30 Uhr. Mi. abend 30. Okt. Der fliegende Holländer, v. Rieh. Wagner. DO. abend 31. OkL Volksvorstellung: Zar und Zimmermann. Ff. abend 1. NO». Romeo und Julia, von Heinrich Sutermeister (Fr-Ab. 4). Sa. abend 2. NOV. Erstaufführung: Der vergessene Kuss, Operette von Harald Barth. So. nachm. 3. NOV. Die Traviata, Oper von G. Verdi. SO. abend 3. NOV. Der vergessene Kuss, Operette von Harald Barth. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Schauspielhaus Abends f uh^s° r tag nachm. 15 Uhr. Abendkasse ab 18 Uhr (211 11) Die Mi. abend 30. Okt. Ratten, Tragikomödie von Gerhart Hauptmann. DO. abend 31. Okt. Premiere: Der Schatten, von Hans Reinhart, Musik von Fr. abend 1. NOV. Die Petyrek. lustigen Weiber von Windsor. Sa. abend 2. NOV. Premiere: Der Soldat Tanaka, Schauspiel von Georg Kaiser. So. nachm. 3. NOV. Maria Stuart SO. abend 3. NOV. Die Ratten. Militär auf allen Plätzen halbe Preise.

DIENSTAG, 29. OKTOBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE «If Wenn hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen... Auf dem türkischen Konsulat in Bukarest wollte man uns — einem französischen Kollegen von der Alliance-Foto und mir — ursprünglich 600 Lei pro Kopf für ein Visum abnehmen. Wir hatten zu jener Zeit allerdings schon etliches an östlicher Beredsamkeit gelernt und vermochten daher den Herrn Konsul zu überzeugen, dass wir als Journalisten nicht gewohnt seien, für ein Visum Geld auszugeben. Ganz im Gegenteil hätten sich bisher alle Staaten, die wir je bereisten, gefreut, uns zu empfangen. Die äusseren Zeichen dieser Freude seien nebst der kostenlosen Einreise jeweils auch Gratisabonnement, Hotelgutscheine und Autos gewesen. Dies war natürlich Bluff und grobe Aufschneiderei. Aber Journalisten pflegen von fremden Regierungen immer eine gewisse Vorzugsbehandlung zu geniessen. Es sind nämlich gefährliche Leute. Gibt man ihnen zu wenig, dann schreiben sie in ihren Zeitungen, das Land sei knauserig und zurückgeblieben. Gibt man ihnen zu viel, so halten sie es für Bestechung und schreiben erst recht niederträchtige Artikel. Es ist schwer, die Mitte zu halten. Jedenfalls erreichten wir was wir wollten und verliessen mit Empfehlungsschreiben den freundlichen Konsul. Auf der «Romania», die uns nach Istanbul brachte, herrschte ein wilder Betrieb. Bereits in Konstanza hatten wir 2 Stunden Verspätung und es war halb drei Uhr morgens, als das Schiff, stark überladen, ausfuhr. Die Nacht verging mit Pokerspielen und Abenteuer erzählen. Aus kleinen Augen blinzelten wir in die aufgehende Morgensonne. Gegen 8 Uhr abends erlebten wir eines jener seltenen und zarten Wunder, die man auf dieser gequälten Welt noch sehen kann, nämlich die Einfahrt durch den Bosporus in die Stadt der tausend Wunder. Aber ach, auch Muri (Aargau) Rest, zum Alpenzeiger T. C. 8. Auf der Anhöhe gelegen, b. d. Kirche. Neue, gr. heizbare Terrasse. Prachtvolle Aussicht. Grosser Parkpl. Sitzungszimmer. Butterküche, leb. Forellen, ff. Weine. Treffpunkt f. Automobilisten. Garage. Tel. 67. A. Stäubli. St. Gallen Hotel Walhalla-Terminus T. C. S. A. C. S. Bahnhofplatz. Grosstes Haus am Platze, (80 D.). Mod. Komf. App. m. Bad. Z.-Telephon. Garage. Z. ab Fr. 4.50. Menüs zu Fr. 2.30,3.- u. 4.-. Tel. 2 29 22. Dr. B. W. na HE \ dieses unendlich Schöne, das nur Dichter beschreiben dürfen, um den ganzen pastellfarbenen Hauch nicht zu zerstören, wurde durch die grossen Tankanlagen, auf der europäischen und asiatischen Seite der Meerenge, in den Schmutz der alltäglichen Sorgen gezogen. Gross und rund wie überdimensionierte Weinfässer, mit grüner und gelber Farbe gegen Fliegersicht geschützt, entblössten sie die Landschaft ihrer Reize. Die beruflichen Instinkte meines Weggenossen erwachten, und in einem Augenblick, in welchem er sich unbeobachtet glaubte, photographierte er die Zisternenanlagen. Aber im selben Moment nahm ihm ein als Zivilist verkleideter Beamter den Film aus der Kassette, allerdings nicht in der löblichen Absicht, dem Gast auf fremder Erde die Arbeit des Entwickeins abzunehmen. Eine halbe Stunde bevor wir am Quai anlegen sollten, wurden alle Passagiere in den Speisesaal II. Klasse beordert, wo man sich anschickte, die Pässe zu kontrollieren. Die türkischen Zöllner in ihren schmucklosen Uniformen und mit den unbestechlichen, ruhigen Gesichtern, waren in einer kleinen Schaluppe an Bord gekommen. Wie erstaunt waren wir, als aus dem Wirrwarr der Stimmen klar und deutlich unsere beiden Namen als erste ausgerufen wurden und ein Beamter geradewegs auf uns zukam. Wir hatten uns nirgends eingetragen und figurierten unseres Wissens auch auf keiner Liste. Die Pässe ruhten wohlverwahrt in der inneren Brusttasche. Jetzt erst kam es uns zum Bewusstsein, warum wir in Bukarest 6 Photographien gebraucht hatten und warum man uns mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen hatte, dass der Dampfer «Romania», der Konstanza übermorgen verlasse, die beste Verbindung mit Istanbul sei. Wir sollten auch später noch die Erfahrung machen, dass ein türkischer Geheimdienst existiert und zu arbeiten versteht, insbesondere wenn es sich darum handelt, ausländischen Journalisten das zu zeigen, was sie sehen sollen und ihnen im übrigen nicht allzuviel freie Zeit zu lassen. Unsere erste Nacht in Istanbul war mehr schützen sich vor Auto« und Eisenbahnkrankheit durch Erhtltllch In a!lenApothek«n oder Cntral. Homeopathique Romanda Oenf Die neue Türkei: Blick auf Ankara, die (Hauptstadt. ermüdend als jede der vielen Nächte, die wir in Paris durchgebummelt hatten. Durch Tausende Strassen und Gässchen, über Brücken und durch Zwischenhäuser streiften wir auf der Suche nach dem Ungeahnten. Was wir schliesslich gegen frühen Morgen ins Hotel Bristol brachten, waren müde Beine und graue Ernüchterung. Die heilige Stadt des Kalifen war nach 11 Uhr ebenso ausgestorben und menschenleer wie etwa Bern. Wo wir hin und wieder eine grüne oder rote Laterne über einem Hauseingang aufzucken sahen, tönte uns amerikanische Jazzmusik entgegen. Im grossen Vergnügungspark gastierten die 3 Fratellinis, die uns ebenfalls, wie das schlechte Gewissen, von einer Stadt in die andere gefolgt waren. Als wir andern Morgens mit fahlen Gesichtern gegen 10 Uhr auf dem Presseamt erschienen, trat uns der kleine und energieausstrahlende Generaldirektor der Presse, Dr. Vedad Tör, strahlend entgegen und begrüsste uns in fliessendem Deutsch, dem ein wenig Berliner Dialekt anzuhören war. Dr. Tör hatte in Berlin, Paris und Moskau studiert, bevor er auf das wichtigste Amt der türkischen Propaganda berufen worden war. Wenn ich ihm hier aus Dankbarkeit einen Lorbeerkranz winde, dann geschieht es nicht, weil er uns ein Generalabonnement I. Klasse auf den türkischen Bahnen ausstellte, unsere Hotelrechnungen bezahlte und jeden Morgen einen 8zylindrigen Packard mit Chauffeur und Reisebegleiter auf uns warten Hess, sondern weil er sich als aufrechter Charakter und grosser Idealist erwiesen hat. * Kein Volk der Erde kann die Notwendigkeit einer nationalen Geschichtsschreibung dringender und zwingender empfinden, als das türkische, dessen Geschichte von jeher von seinen Feinden geschrieben worden ist. Von Attila bis zu Abdul Hamid erscheinen die Türken als Erzfeinde aller abendländischen Zivilisation, als Inbegriff alles Bösen, als Gottesgeissel, welche die christliche Zivilisation der westlichen W,elt in dauernden barbarischen Stössen zu erschüttern versuchten. Nie wäre es den Historikern eingefallen, die politischen Gegebenheiten vom Standpunkt des Türken selbst aus zu sehen, des Nomaden, der heute seine Zelte in einer Siedlung der anatolischen Steppe .aufschlug, um sie morgen wieder abzubrechen. Seit Dschingis Khan gab es Dutzende von Hauptstädten. Nie war ein Ort über eine geschichtlich bedeutungsvolle Zeitspanne hinaus dazu auserkoren gewesen, die Insignien der Herrschaftsmacht in seinen Toren zu beherbergen. Auch in der neuen Geschichte war Konstantinopel nie eine «türkische» Hauptstadt, sondern eine Allerwelthauptstadt, welcher nicht der Stempel türkischen Wesens aufgedrückt war. Dann kam die Zeit der Selbstbesinnung und der türkischen Emanzipation, und es erwuchs die Aufgabe, die Zelte durch Häuser aus Stein und Beton zu ersetzen, um einen Ort dauernden Aufenthaltes zu errichten, der von türkischen Händen aufgebaut sein sollte, wo man die türkische Sprache gebrauchte und wo türkische Literatur und Kunst eine würdige Wiege finden konnten. So entstand Ankara, die Fata Morgana in der Steinwüste. Denn die Türken gingen nicht den Weg des kleinsten Widerstandes, sondern wollten sich selbst in verbissener Wut den Beweis ihrer Existenzberechtigung erbringen. So trotzte man der fiebrigen und trockenen Einöde am Kreuzweg der Hettiter, Römer und Vandalen eine Stadt ab, die nicht ihresgleichen hat. Aus einer Entfernung von drei Wegstunden wird das Wasser für die Menschen und Bäume Ankaras vom Stauwehr des Cubuk durch wunderbare Filtrieranlagen nach Ankara gepumpt. Aber die Türken haben von den Juden, dem Volk des Buches, gelernt, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. So kam es, kaum hatte man ein Dach über den Kopf, dass Universitäten gegründet wurden, an welche man die auserlesensten Köpfe des westlichen Geistes berief. Aber auch die geistige Nahrung, die dem jungen türkischen Menschen verabreicht wurde, konnte nicht genügen, den Funken des überquellenden Freiheitsdranges zum mächtigen Feuer aufzublasen, solange nicht Die alte Türkei: Der Eyuc-Friedhof in Istanbul. die sittliche Grundlage alles Zusammenlebens im Staate gegeben war. Daher musste man, nachdem man den Wust verworrener Einzelkodifikationen des mohammedanischen und christlichen Rechtes abgeschafft hatte, sich nach einer Vereinheitlichung umsehen. Es ist bezeichnend, dass die Türkei aus der Vielzahl abendländischer Gesetzbücher das schweizerische für sich wählte, welches das sozialste von allen genannt zu werden verdient, das Gesetz jenes Volkes, das seine Auffassung von Menschlichkeit und Gesellschaftsverpflichtung nicht dem starren und egoistischen römischen Recht entlehnt hat. Daher hat das türkische Leben jenes Rechtssystem,- welches sich das freiheitsstolzeste Volk Europas selbst gebaut hat und aus welchem heraus es sich Freiheit, Ordnung und Menschlichkeit zimmerte. Die Türken haben sich durch 17 Jahre hindurch unter bitteren Entsagungen, unter Tränen und mit beinahe übermenschlicher Kraftanstrengung zu einem Kulturvolk hinaufgearbeitet, das, hinsichtlich seinem Drang nach Freiheit und Anständigkeit ganz dem schweizerischen gegenübergestellt werden kann und vor der Geschichte das Recht erwirkt, überall dort eine führende Rolle zu spielen, wo es sich darum handelt, die tausendjährige Zivilisation zu verteidigen. Die Türken wissen, dass sie, die sich mit so viel Schmerzen von dem überwucherten orientalischen Kulturkreis losgerungen haben, um sich ganz den westlichen Gedanken des Humanismus zu verschreiben, die letzte Bastion vor den Toren Europas darstellen, wo die Fackel der Unabhängigkeit mit trotziger Gebärde hochgehalten wird. Der Ausspruch des türkischen Aussenministers, dass ein Eindringling seinen Weg durch Anatolien an 2 Millionen Bajonetten vorbei erkämpfen müsse, ist daher nicht allein als die Rede eines seiner Kraft bewussten Mächtigen zu bewerten, sondern als diejenige eines Mannes, der die menschlichen Errungenschaften seines Landes um keinen Preis und um keiner Interessen wegen aufzugeben gewillt ist. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. A BASE DE FINE CHAMPAGNE Eine gute Emnfehlunii Ist Jeder Erika-Brief. Erzeugt von fortschrittlichem Geist seines Absenders und macht durch seine schöne, saubere Schrift auf den Empfänger einen nachhaltigen Eindruck. 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