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E_1940_Zeitung_Nr.045

E_1940_Zeitung_Nr.045

BERN, Dienstag, 5. November 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No « Ich weiss nicht»., ich kann kaum richtig atmen.» da der Automobilist sich darüber schlüssig werden muss, ob er seinen Wagen weiterhin in Betrieb halten will. Kantone und Versicherungsgesellschaften sollten sich daher beeilen, ihre Studien derart zu fördern, dass auf Mitte Dezember ihre Stellungsnahme präzisiert ist und der Motorfahrzeughälter genau weiss, mit welchen Ausgaben dieser Art er zu rechnen hat. Hinsichtlich der Verkehrssteuern präsentiert sich die Lage so, dass die kantonale Polizeidirektorenkonferenz eine unter dem Vorsitz von Regierungsrat Seematter (Bern) stehende Spezialkommission beauftragt hat, die Frage einer Vereinheitlichung der von den Kantonen gewährten Steuerreduktionen zu prüfen und Bericht zu .erstatten. Es dürfte heute wohl mehr als fraglich sein, ob sich eine solche Einheitslösung verwirklichen lässt, denn man vergesse nicht, dass schon die normalen Steueransätee der ; 25 Kantone sehr stark voneinander abweichen. Unter diesen Umständen will es jedoch schwer halten, eine Formel für die Steuerherabsetzung zu finden, die gleichartige Verhältnisse schafft. Da die Kantone, die zum System der Brennstoffsteuer übergegangen sind, in bezug auf den Sfeuerabbau alle anderen Kantone weit überflügelt haben, steht kaum anzunehmen, dass sie sich zu einer Steuererhöhung entschliessen, um das Niveau der andern Kantone wieder zu erreichen. Voraussichtlich bleibt es daher beim bisherigen, stark differenzierten System; lediglich diejenigen Kantone, die bis anhin keine Steuersenkung gewährt haben (Neuenburg, Zug, Uri, beide Unterwaiden, Genf und Schaffhausen) oder jene, deren Entgegenkommen nicht genügt, werden deshalb — und zwar mit tunlichster Beschleunigung — zur Frage Stellung beziehen müssen, wie die Steueransätze pro 1941 zu gestalten seien. Die Einführung einer eidgenössischen Brennstoffsteuer wird angesichts des Widerstandes der Kantone für 1941 wohl kaum realisierbar sind. Und wirklich, sie ist weiss im Gesicht. « Das ist die Fülle, die Enge, die Sie bedrückt. Wir sind gleich in unserer Loge, da haben Sie Luft... Den Alfred schlagen Sie sich aus dem Kopf — der sitzt gemütlich in Polizeigewahrsam !... Vor unserer Abreise gehe ich zur Gendarmerie und sorge dafür, dass er freikommt. Dann schiebt er ja doch nach Brasilien •ab, und wir zwei sind ihn los, nicht, Gerda? » Er neigt sich zu ihr, sieht ihr in die Augen. Sie lächelt unsicher. Aber warum soll sie das Märchen nicht träumen, das ja doch — in einigen Tagen zu Ende geht — ? Leise erwidert sie den Druck seines Armes. Das Holzgerüst unter der Zeltkuppel erzittert unter den Tritten der ihre Plätze suchenden Zuschauer. Ein schlitzäugiger Chinese in knallroter Uniform weist sie in ihre Loge. «Sehen Sie, Gerda... die schönsten Plätze ! Gerade gegenüber vom Manegeeingang !... Beinahe Fürstenloge !... Ja, bitte, Mademoiselle — haben Sie Pralines ?... Marens glaees?... Ja. bitte. Hallo! Ein Programm, bitte !... Nicht sehr bequem, die Stühle !... Da läuft einer mit bunten Kissen 'rum... soll ich eins leihen ? » « Ja >, sagt Gerda, « nein », sagt sie dann. Die Vorarbeiten für das Postulat Müller im Gang. Nach der eindrucksvollen Tagung des schweizerischen Autogewerbes am 14. September in Bern reichte Nat.-Rat Müller (Aarberg) das von der Versammlung formulierte Programm für Sofortmassnahmen, dessen Kern die Forderung nach Arbeitsbeschaffung und nach Sicherung der Existenz dieses in seinen Grundfesten erschütterten Wirtschaftszweiges bildeten, in Gestalt eines Postulates im' Nationalrat ein. Wie man erfährt, befindet es sich zur Zeit bei den verschiedenen Departements des Bundes, deren Zuständigkeitsbereich es berührt, in Prüfung, nachdem der Schweiz. Autogewerbeverband die Fühlung mit den in Betracht fallenden Amtsstellen aufgenommen und bereits auch eine Aussprache mit Bundesrat Stampfli gepflogen hat, um ihm und seinen Funktionären mit dem erforderlichen Unterlagenmaterial an die Hand zu gehen. Man hofft deshalb, es Die Kapelle schmettert grell und knallig einen Galopp in das ausverkaufte Zelt. Ein kleines Mädchen im Flitterkleid sprengt auf ungesatteltem Pferd in den Kreis. < Ich hab mal mit solchen Zirkusieuten an einem Tisch gesessen — im Romanischen Cafö », sagt Gerda, « als ich auf den Graphologen wartete. > Hans Römer denkt: ach Gott, der mit seiner .Ambivalenz der Gefühle'... Vier .Araberhengste' werden hineingejagt. Es riecht nach Stall. Nach Gäulen. Sand sprenkelt ins Gesicht. Die Glöckchen am roten Zaumzeug klirren, die Peitsche knallt vor den Hufen.. Auf den Stehplätzen schnalzen sie mit der Zunge. « So... ? » Draussen vor dem Zelt —an einer Stelle, die im Dunkeln liegt — steigt Henri Rene aus dem Wagen. Der schwarze Umhang deckt sein gelb-grün gewürfeltes Gewand. Die Kapuze ist über die Wollperücke gezogen. Er sieht sich um mit scheuem Blick — wie er. das immer tut beim Kommen und Gehen. Er verschwindet in seiner Garderobe. Molignon, der neben Staniol im Wandelgang steht, hört seine kurzen harten Schritte. « Er ist schiecht disponiert! > I Im Gebiete der Haftpfllchtversicherungsprämien ist die Situation gegeben. Der für 1940 gewährte Rabatt von 20% erweist sich als unzureichend, so dass die Versicherungsgesellschaften nicht darum herumkommen werden, ihre Pläne über ein weiteres namhaftes Entgegenkommen sobald als möglich bekanntzugeben. Dabei könnte die Anpassung entweder durch einen je nach Dringlichkeitskategoräe abgestuften, weit höheren Rabatt als 1940 oder nach Vorschlag von A.CS. und T.C.S.. durch Festlegung einer je nach der Höhe der zugeteilten Brennstoffmenge abgestuften, monatlichen Versicherungsprämie erfolgen, also durch Einführung einer kombinierten Brennstoff-Versicherungsprämie. Rasches Handeln erscheint dringend geboten! Aufgabe der nationalen Verbände und der kantonalen Verkehrsligen ist es, darüber zu wachen, dass nicht unnütz Zeit verloren geht, denn — das sei nochmals unterstrichen — auf den Stichtag des 15. Dezember muss die Skala der Verkehrssteuern und Haftpflichtversicherungsprämien pro 1941 bereitliegen, wenn man den Motorfahrzeugverkehr im nächsten Jahr vor einem katastrophalen Rückgang bewahren will, woran ja der kantonale Fiskus ein ebenso grosses Interesse Staniol, der an krankhafter Gewitterfurcht In dieser Nummer: Rationalisierung der Autotransporte. Erste Begegnung mit Ing. Treyer. Dieselmotor und Holzgasbetrieb. Synthetisches Benzin aus den Erdgasen des Rheintals? Neue Welt-Rekorde Jenkins. Auto-Magazin. hat wie der Haushalt der Versicherungsgesellschaften. Bereits hat sich auch die < Via Vita » mit der Neuregelung der Verkehrssteuerfrage befasst. Eine neue bezügliche Aktion bei den Behörden steht in Aussicht. Daneben erwächst jedoch auch den kantonalen Verkehrsinteressenten-Verbänden die Pflicht, raschestens die Verhandlungen mit der Regierung aufzunehmen, um entweder weitere Steuersenkungen herbeizuführen oder an der bisherigen, quantitativ befriedigenden Lösung andere Verbesserungen oder Erleichterungen zu ermöglichen. V Vom Tage Dm dar Sofortprogramm dis Autogewerbes werde möglich sein, das Postulat in der Dezembersession der eidg. Räte zur Behandlung zu bringen (was allerdings dringend zu wünschen wäre, denn will man dem.. Autogewerbe wirklich und ernsthaft unter die Arme greifen, dann versteht es sich von selbst, dass Hilfe rasch Tcommen muss. Eine Verschleppung des Postulates wäre angesichts der katastrophalen Lage im Autogewerbe nicht zu verantworten). Wie die Petrola die Streckmittel und Ersatzbrennstoffe übernimmt. An ihre Verfügung vom 25. Oktober anknüpfend, welche die Bestandesaufnahme über flüssige Ersatztreibstoffe, die Meldepflicht für Importeure und die Abnahmepflicht der Petrola statuiert, hat die Sektion für Kraft und Wärme nähere Vorschriften über die Durchführung dieser Weisung erlassen. Danach kauft die Petrola (Schweiz. leidet und bei jedem Donnergrollen ängstlich zusammenzuckt, fährt auf: « Wenn Sie glauben, dass Staniol mit Ihrer Schmiere so lange 'rumzieht, bis es dem Kerl mal passt, in gnädiger Laune den Vertrag zu unterschreiben, dann irren Sie sich! » « Gleich ist die Einrad-Nummer zu Ende >< flüstert Molignon beruhigend. « Dann kommt er ! Haben Sie den Vertrag ? » « Ja, zum Donnerwetter. Ich hab' ihn ! •.« Wenn den Mann nicht der Schlag rührt, wenn er die Gage sieht, dann weiss ich nicht...! So viel Geld hat sich der selbst in seinen kühnsten Träumen nicht erhofft! > Klatschen aus dem Zelt. Die .Signorina* radelt aus der Manege, springt aus ihrer Höhe von drei Metern herunter, ruft Molignon zu: « Eine Stimmung heute! Eine Stimmung! Ein grossartiges Publikum!...» lauft Kusshände werfend wieder zurück in die Manege, kommt wieder : « Doppelt so lang hätte meine Nummer heute sein können ! » springt noch einmal zurück, kommt lachend wieder, läuft gegen Henri Rene an. sagt erschrocken : < Dio mio ! » und wirbelt in-die Garderobe ab. Der Clown zählt aufmerksam seine Requisiten: Gummiposaune, Leiter, Koffer, Riesenzigarre.