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E_1940_Zeitung_Nr.048

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BERN, Dienstag, 26. November 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No*8 H s* ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postaratltch abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Enchclnt Jaden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheek III414 - Telegramm-Adresse: Autoren«, Barn GMehiftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di* aehtgetpaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Ranm 4t Grössere Inserate nach Spezialtarif baeratciuehlnss 4 Tage vor Erseheinen der Ifnmmer Rationiernng und Ersatzbrennstoffe Weitere Verschärfung der Rationierung Keine Litertafeln mehr für den Dezember, sondern lediglich eine Weisung an die Kantone In der letzten Zentralvorstandssiteung der Äspa bot deren Geschäftsleiter, Ing. E. Monteil, einen Ueberblick über die weitschichtige Frage der Ersatztreibstoffe. Als Sekretär der Schweiz. Gesellschaft für das Studium der Motorbrennstoffe hat er sich seit Jahren mit dieser Materie beschäftigt und erscheint deshalb als legitimiert, ein kompetentes Urteil darüber abzugeben. Wir glauben somit, unsern Lesern seine zusammenfassende Darstellung als Beitrag zur Abklärung des heute zu höchster Aktualität gelangten Problems der Ersatztreibstoffe nicht vorenthalten zu sollen. Red. Es gibt wohl kein Land in Europa, wo die Versorgungsfrage mit motorischen Treibstoffen nicht akute Formen angenommen hat. Nach dieser Richtung stehen wir nicht etwa vereinzelt da und dürfen uns sogr noch glücklich schätzen, dass man bis anhin in unserem Lande nicht zu gleich drastischen JÜassnahmen gegriffen hat, wie in allen uns umgebenden Staaten. Auch der Vorwurf, dass man nicht zur rechten Zeit vorgesorgt habe, trifft nicht zu, wenn wir die Importziffern 1938, also im Zeitpunkt einer ziemlich normalen Lage,"mit den Ziffern 1939 verglichen: Benzin Dieselöl 1938 1939 1938 1939 200 530 t 188548 t 14930 t 15537 t — 6% + 4% Allerdings ist seit Kriegsbeginn eine bedeutende Abnahme zu verzeichnen. Sie betrug bis Jahresende für die restierenden 4 Monate gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres: Benzin Dieselöl 1938 1939 1938 1939 69 081 t 45 174 t 8269 t 5259 t — 35% +36% Daraus muss die Folgerung gezogen werden, dass man den Bezug vor Kriegsbeginn noch ganz bedeutend steigern konnte. Mit der Erschöpfung der in den Importhäfen lagernden Mengen in Belgien, Holland, Frankreich und Deutschland war man dann zu einem umständlichen Umleitungsmanöver durch Italien genötigt, bis auch der Import über Genua und Triest infolge der Verwicklungen im Mittelmeer gestoppt wurde. Heute machen die Brennstoffe, soweit überhaupt noch eine Belieferungsmöglichkeit besteht, den umständlichen und langwierigen Weg über die Donauschiffahrt mit Umleitung in die Häfen der Nebenflüsse in Jugoslawien und von dort den Bahntransitweg meist über Italien. Mit der politischen Entwicklung in Rumänien sind die Aussichten noch wesentlich schlechter geworden. Aus dieser Sachlage müssen wir notgedrungen •die Konsequenzen ziehen. TJeber die LandesreseTven sind genaue Zahlen nicht erhältlich, dagegen weiss man, dass sie zu einem sehr grossen Teil erschöpft und teilweise bis auf die Pflichtlager, ja sogar darunter, aufgebraucht sind. Seit Monaten hat die Einfuhrmenge nicht mehr ausgereicht, um die ganze Rationierung zu decken, um so weniger als es eigentlich nie möglich war, alle geschaffenen Reservelager ganz aufzufüllen. Die äusseren Verhältnisse sind nach dieser Richtung mächtiger als der Wille. Es darf daher nicht wundern, wenn eine ganze Reihe weiterer Massnahmen ventiliert werden, um den Treibstoffkonsum weiter herabzusetzen, so neben einer Verkleinerung der Rationen eine Revision der bisherigen Kategorien A und B, um den Treibstoff den wirklich lebensnotwendigen Betrieben und der Kriegsindustrie zu erhalten und zu garantieren, ein Sonntags- und Nachtfahrverbot usw. Wegen einer Unterbindung der Fernfahrten schwebt gegenwärtig eine Umfrage bei den Arbeitsgemeinschaften mit dem Vorschlag zu einer "Wiedereinführung der früheren Astokurse. Das Ergebnis dieser Umfrage ist nur zu einem geringen Teil bejahend, in der Hauptsache aber ablehnend, da darin keine genügende Garantie zur Vermeidung von Leerfahrten erblickt wird. Alles ist somit im FJues und müssen wir daner «walten, -was uns die weitere Zukunft bringt. Inzwischen ist nun die Frage der Ersatzbrennstoffe auch in unserem Lande höchst aktuell geworden und ein behördlicher Eingriff war dringendes Gebot der Stunde, uim nach dieser Richtung nicht völlig falsche Hoffnungen aufkommen zu lassen und auf die Bahn einer vollständig verfehlten Wirtschaftslenkung zu geraten. Die Erfindungen schiessen wie Pilze aus dem Boden und die Interessenten werden teilweise mit skrupellosen Angeboten bestürmt, nur um die Apparate verkaufen zu können, wobei man sich mitunter um die Garantie für ein dauerndes Funktionieren und was noch wichtiger ist, um die Versorgungsfrage mit den erforderlichen Ersatztreibstoffen wenig kümmert. Es bestellen ganiz bedeutende technische und wirtschaftliche Schwierigkeiten, um hier allen Wünschen und Anforderungen genügen zu können. 1. Holzgas. Holz gehört in unserem Lande entschieden zu den relativ einfachsten Ersatzmitteln, trotzdem ihm gewisse Nachteile anhaften, wie unsauberer Betrieb und vermehrte Wartungsarbeiten. Diese ergeben sich, wenn die Anlage zufriedenstellend funktionieren soll, sowohl bei der täglichen Inbetriebsetzung, als auch in den Betriebspausen unterwegs und abends bei der Rückkehr. Ausserdem wird eine wöchentliche Generalreinigung der Gaswege, der Zündkerzen usw. notwendig. Dann darf der Leistungsabfall nicht unberücksichtigt bleiben, der sich besonders in unserem bergigen Gelände unangenehm fühlbar macht. Er kann durch entsprechende Erhöhung der Kompression sozusagen ganz behoben werden; nur darf man nicht übersehen, dass sich nicht jeder Motor für die Kompressionssteigerung eignet (Fortsetzung Seite 2.) Auf Einladung der forstwirtschaftlichen Zentralstelle der Schweiz in Solothurn fand bei Bei eine Besichtigung der verschiedenen Holzverkohlungssysteme durch die Vertreter der kantonalen Behörden, der Industrie und der Presse statt. In einem erläuternden Vortrag ging Direktor Winkelmann, vom Schweiz. Zentralverband für Landwirtschaft, auf die bisher gemachten Versuche ein und gab anschliessend ein Bild von den durch die Verkohlung des Abfallholzes zu erwartenden Möglichkeiten, wobei er zur Schlussfolgerung gelangte, dass die Zeit der Versuche nun abgeschlossen sei und unmittelbar mit der serienweisen Produktion des für die wie schon in unserer letzten Nummer dargelegt, hat das Erdbeben in Rumänien die von unsern Behörden getroffenen Dispositionen für die Treibstoffeinfuhr über den Haufen geworfen und den Nachschub einstweilen unterbunden. Stellt man noch die gegenwärtige politische Situation auf dem Balkan in Rechnung und vergegenwärtigt man sich die Auswirkungen, die allfällige Truppenbewegungen in Rumänien auf die Transportmöglichkeiten ausüben roüssten, dann erscheint es auch als erklärlich, dass sich die mit der Treibstoffversorgung betrauten Amtsstellen auf den Dezember hin zu einem weiteren Abbau der Rationen gezwungen sehen. So schmerzlich die abermalige Amputation auch ist, die Verhältnisse und die Pflicht, die Vorräte zu schonen und zu strecken, lassen keinen andern Weg offen. Konnten wir bereits VOT acht Tagen melden, dass auf den kommenden Monat hin keine Litertafeln mehr herausgegeben werden, so lässt sich diese Nachricht heute noch weiter präzisieren. Für die nächsten Tage steht nämlich eine Weisung der Sektion für Kraft und Wärme an die Kantone zu erwarten, die an Stelle der Litertafeln tritt und bestimmt, dass die Dringlichkeitskategorien A und B für den Dezember noch eine Grundration von 10 L. für Personen- und Lieferwagen und von 5 L. für Motorräder bewilligt erhalten. Dazu können sich die Halter dieser Kategorien nach wie vor um Zusatzbons bewerben; die Holzverkohlung in der Schweiz Ein Meiler-Ofen wird, gefüllt schweizerischen Verhältnisse besonders geeigneten Köhlerofens begonnen wird. Dann stehe die Schweiz auch vor der baldigen wirtschaftlichen Verwertung eines Rohproduktes, das bis anhin in den Wäldern verkam. Den Ausführungen Herrn Winkelmanns war weiter zu entnehmen, dass unser Land in Friedenszeiten jährlich 4000 Tonnen Holzkohle, hauptsächlich aus dem Balkan, bezog. Der Preis stellte sich franko Grenze auf Fr. 10.—- pro 100 kg, doch liegen natürlich die Gestehungskosten für schweizerische Holzkohle höher (man spricht von Fr. 18.—). Freilich hat auch die ausländische Holzkohle eine Verteuerung erfahren und überdies den Kantonen zugeteilten Kontingente erfahren mit Rücksicht auf die minimen Rationen eine bescheidene Erhöhung, doch wird bei der Gewährung von Zusatzmengen nach wie vor darauf abgestellt, ob es sich um dringende Bedürfnisse, um lebenswichtige Betriebe oder um Fälle handelt, bei denen die Zuteilung von Zusatzbenzin im Interesse der Existenzerhaltung des Gesuchstellers als geboten erscheint. Ueber die Art und Weise der Gewährung von zusätzlichen Mengen durch die Kantone herrscht allerdings bei dei; Automobilisten keineswegs restlose Zufriedenheit, denn immer wieder hört man dabei von ungleicher Behandlung. Dieser Mangel an Unparteilichkeit aber erregt berechtigten Unwillen. Voraussichtlich auf Anfang 1941 erfolgt sodann — auch das fand in unserer letzten Nummer Erwähnung — eine Neueinteilung der Kategorien nach Dringlichkeit, wofür sich heute die Vorarbeiten im Gang befinden. Im weiteren ist der Erlass eines Sonntags- und Nachtfahrverbotes in Aussicht genommen, wovon jedoch, soviel man hört, beispielsweise Taxi, Aerzte, Postautokurse, Lebensmitteltransporte usw. ausgenommen bleiben sollen. Eine solche Massnahme kann indessen nur auf der Grundige eines Bundesratsbeschlusses angeordnet werden. Wann er erfolgt, ist lediglich noch eine Frage der Zeit, zumal die Vorarbeiten dafür dem Vernehmen nach bereits ihren Abschluss gefunden haben. stösst deren Einfuhr auf Schwierigkeiten. Um eine rationelle Verwendung zu gewährleisten, schlug Herr Winkelmann die Erstellung von Köhler-Oefen in schwer zugänglichen Wäldern vor, wobei in der Hauptsache die Abfälle aus dem Holzschlag gebrau oht werden sollten. Allerdings tritt beim Verkohlungsprozess ein erheblicher Kalorienverlust ein, weshalb Untersuchungen angestellt werden sollen, gestützt auf die man vielleicht zur Holzverzuckerung übergehen könnte. Oberstlt. Weber referierte dann über die Frage der Verwendung von Holzkohle in der Armee. Der Meilerofen in Tätigkeit: Einer der Köhler reguliert den Luftzug.