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E_1940_Zeitung_Nr.049

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BERN, Dienstag, 3. Dezember 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrsrang — No49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Arbeitsbeschaffung Strassenbau, Verkehrstellung und Förderung der Ersatztreibstoffe kommen als Mittel dazu ebenfalls In Frage. In den letzten Tagen hat die Eidg. Arbeitsbeschaffungskommission, den deren Spitze Nat.-Rat Grimm steht, ihren Bericht über die «Grundlagen der Arbeitsbeschaffung^ ein 119 Seiten starkes Buch, dem Eidg. Volkswirtschaftsdepartement unterbreitet. Die Massnahmen, wovon darin die Rede ist, bewegen sich teilweise auch auf dem Gebiete des Strassenbaues, der Verkehrsteilung und der Förderung der Ersatztreibstoffe, weshalb es sich rechtfertigt, diese Kapitel des Berichtes hier näher zu beleuchten. Grundsätzlich wird festgestellt, dass die zu ergreifenden vorsorglichen Massnahmen sich nicht auf Momentanlösungen beschränken dürfen, sondern beherrscht sein müssen vom Gedanken an eine Ueberleitung in die Friedenswirtschaft. Militärische Arbeitsbeschaffung. Die militärpolitische Lage kommt, wie der Bericht hervorhebt, dem Bestreben, die Berufs- und Qualitätsarbeit zu erhalten, entgegen. Im Alpenraum sind militärisch notwendige Verbindungen zu erstellen, wobei einzelne dieser Strassenzüge mit bisher mehr vom wirtschaftlichen Standpunkt aus geltend gemachten Bedürfnissen zusammenfallen. Zivile Arbeitsbeschaffung Was den Automobilisten an den hier vorgesehenen Arbeiten interessiert, sind die Abschnitte über Ersatztreibstoffe, die, Verkehrsteilung und das Strassenbauprogramm. Zum Thema Ersatztreibstoffe ausseist sich der Bericht dahin, dass die Rohstoffbasis womöglich eine einheimische sein müsse. Immerhin könne es sich nicht um die Verwendung solcher Stoffe handeln, die für andere wichtige Wirtschaftszweige unerlässlich sind. Angesichts des Charakters der Ersatztreibstoffwirtschaft als Mangelwirtschaft seien Stoffe zu wählen, die möglichst rasch auf den Markt kommen und deren Erzeugung nicht Anlagen erfordere, die erst nach Jahren fertig erstellt werden können. Gegenüber dem Benzin und dem Diesel- und Heizöl vermögen sich in normalen Zeiten nur die wenigsten Ersatztreibstoffe durchzusetzen. Soll sich das private Kapital an der Ersatztreibstoffwirtschaft interessieren, so müsse das aufgewendete Kapital auch dann verzinst und amortisiert werden können, wenn sich die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Treibstoffversorgung rascher überwinden lassen als heute anzunehmen fiteht. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 51. Fortsetzung Gerda fühlt, dass ihr von dieser, schwer durch die Umstände geschädigten, aufs tiefste verletzten Frau keine Güte kommen kann. So sagt sie nur: «Ich gehe. Aber Direktor Römer ist fort «— er ist verschwunden...» Nein, sie hat sich nicht mehr in der Gewalt... die Tränen stürzen ihr aus den Augen: «... ich weiss nicht, wo er hin ist! » Frau Molignon antwortet, während sie sich zum Gehen wendet, über die Schulter: «In sein Hotel wird er gefahren sein...!> Gerdas Tränen versiegen: « Wo wohnt er? » « Keine Ahnung! » «... Aber das gibt's doch nicht — man hat doch in jedem Betrieb die Adresse seiner Angestellten! » «Na, jedenfalls, wir haben sie nicht!» antwortet Frau Molignon gereizt. Erscheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern T«l»phon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 Als Massnahmen kommen m Frage eine Abnahmegarantie der Produktion, bis die Anlagen amortisiert sind, die Befreiung der eingeführten Rohstoffe von ausserordentlichen Zollzuschlägen, die Gewährung von finanziellen Erleichterungen durch die öffentliche Hand und die finanzielle Förderung der serienmässigen Herstellung von Generatoren. (Schluss Seite 2.) Oben: Die mobile Ackerbaukolonne, vorgeführt an der Marktausstellung in Uster: Ursprünglich als Hilfsmittel für friedliche Zeiten gedacht, ist die mobile Ackerbaukolonne heute zum unentbehrlichen Instrument der Kriegswirtschaft geworden. Sie setzt dort ein, wo die Arbeit liegen zu bleiben droht, weil Mann und Ross mobilisiert sind. Sie verfügt über sehr leistungsfähige Geräte, und die Traktorenführer wissen dank ständiger Uebung das Maximum an Leistungsfähigkeit aus ihren Hilfsmitteln herauszuholen, so dass heute der Raupenschlepper mit Zweischar-Einmannpflug oder die Ackerfräse in 1—1/4 Stunden die gleiche Arbeit bewältigen, für die 3—4 Pferde einen Arbeitstag benötigen. Rechts: Fliegeralarm «sichtbar» gemacht Weil es vorkommt, dass ein Automobilist das Sirenengeheul, das den Beginn des Fliegeralarms verkündet, überhört oder dass er in eine Ortschaft einfährt, worin der Anfangsalarm -bereits verklungen ist, werden nun in Deutschland Städte, die sich im Zustand des Fliegeralarms befinden, besonders gekennzeichnet. Der Automobilist findet nämlich an den Einfallstrassen grosse gelbblaue Flaggen, womit er weiss, was er zu tun hat. Auch an den Tank- und Raststellen der Autobahnen sind solche Signale angebracht, wie unser Bild zeigt Gerda sagt mit einem Gesicht, das die neuen, sich in ihr ballenden Energien widerspiegelt: «Dann muss eben ich...» Sie sieht an sich herab. Ihr Spitzenkleid hängt in Fetzen um sie herum. « So kann ich doch nicht... Können Sie mir denn nicht wenigstens irgend was zum Anziehen geben? ... Ich kann doch für die ganze Sache hier überhaupt nichts! > « Kommen Sie mit! » Sie gehen hinüber zum Molignonschen Wohnwagen Die Nacht ist kalt. Eisig der Wind, der vom Rocavignon herunterbläst. Gerda hört die Stimme Molignons, der den Zeltabbau leitet: « Vorsicht!... Halt... dass der Eisenmast nicht umstürzt... Aufpassen! ... Links steifen!...» Frau Molignon zerrt ein Kleid aus dem Korb: «Da. Es wird zu gross sein für Sie! > Gerda sagt: « Ist ja nur bis ins Hotel! » Frau Molignons grosskariertes Kleid umsteht Gerda wie ein Sack. Sie kann kaum darin gehen. «Können Sie mir vielleicht ein bisschen mit Geld aushelfen?... Ich habe keinen Centime in der Tasche!» Frau Molignon wehrt trocken ab: « Ich werde meinen Mann morgen früh zur INSERTIONS-PREIS Dia MfatCMpaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Hj. Grossera Inserate nach Spezialtarif buttratensehlnM 4 Tmae vor Erseheinen 4er Nummer Die Aufwendungen der Kantone für das Strassenwesen 1938 Das Motorfahrzeug bezahlt mehr als den Strassenkostenanteif, der ihm gerechterweise zugemutet werden kann /, Ausgaben. Es mag wohl auf die reichlich komplizierten buchhalterischen Verhältnisse zurückzuführen sein, dass die Zusammenstellung über Orkan und Panik angerichtet haben. I Staniol ist in einer nicht wiederzugebendann schneller heraus ... Soll ich Sie jetzt zum Wagen bringen?... Er kann heute nicht ganz heran fahren. Die Wiese ist wie ein Sumpf nach dem Unwetter...» « Danke. Nicht nötig. » Gerda geht in die Nacht hinaus. Noch immer die Kommandoworte Molignons von irgendwoher: « Mehr links!..« Stützen!... Halt! » Im Dunkeln, in nächster Nähe überlaut dröhnend die Stimme eines Mannes: « Merci, Merini... war ein bisschen viel Wein ... viel Wein... aber gut ...sehr gut! Danke für die Gastfreundschaft in Ihrem Wagen!... Kann... kann mich kaum auf den Beinen halten!... Sie hören von mir, Merini, .... Ja, ja, wenn ich Ihnen sage!... Wenn Staniol was verspricht...» Die Lampen des Wagens, der drüben, hundert Meter entfernt, am. Feldrand auf der Strasse steht, leuchten wie bleiche Silberscheiben in das Dunkel. Gerda patscht über die Wiese. Versinkt bis über die Knöchel in Pfützen. Das aufspritzende Wasser dringt in ihre Schuhe. Ihr Einsamkeitsgefühl ist grenzenlos. Wenn sie daran denkt, dass Hans Römer nach seinem erschütternden Erlebnis mit dem Vater Polizei schicken, das ist alles, was ich tun kann... Vielleicht lassen sie Ihren Freund jetzt wie irgend ein Verbrecher hinter die Einnahmen und Ausgaben der Kantone für das Strassenwesen in der Zeitschrift der Schweiz. Strassenfachmänner jeweilen mit erheblicher Verspätung publiziert wird. So sind erst kürzlich die Zahlen für das Jahr 1938, das letzte Vorkriegsjahr, zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangt. Daraus geht hervor, dass die Kosten mit 94,3 Mill. Fr. sehr nahe an den 1933 mit 94,6 Mill. Fr. ausgewiesenen Höchststand herankamen. In der Zwischenzeit hatten die Aufwendungen folgende Entwicklung genommen: Unter- Verbes- Neujahr halt serungen bauten Total Mill. Fr. Mill. Fr. Mill. Fr. Mill. Fr 1934 28,2 50,8 8,6 90,2 1935 29,1 42,7 6,0 80,3 1936 27,6 47,2 2,8 80,1 1937 27,4 50,4 2,8 83,1 1938 27,2 57,6 6,9 94,3 , Im Gesamtbetrag sind auch noch die Administrativkosten eingeschlossen, die sich auf rund 2,5 Mill. Fr. beziffern. Die starke Erhöhung der Ausgaben um über 11 Mill. Fr. gegenüber dem Jahr 1937 beruht auf der Intensivierung der Verbesserungen und der Neubauten. Dabei stellen die 57,6 Mill. Fr. Auslagen für Verbesserungen ein«n Rekord für diesen Posten dar. Mit dem Ausbau der Alpenstrassen musste man ja allerdings mit einer neuerlichen Zunahme der Aufwendungen für Verbesserungen rechnen, doch bleibt die Steigerung keineswegs auf die Instandstellung der Verbindungen im Alpengebiet beschränkt. Bei näherem Zusehen ergibt es sich nämlich, dass die Kantone Zürich und Bern in der Berichtsperiode gegenüber 1937 mit je 3 Mill. Fr. am Zuwachs der Gesamtausgaben beteiligt sind, weil nämlich im Jahre 1938 die Aufwendungen des Kantons Zürich mit 14,5 Mill. Fr. und jene von Bern mit 14,4 Mill. Fr. alle bisherigen kantonalen Ziffern übertrafen. Von den Gebirgskantonen erreichten drei, Graubünden mit 7,4 Mill. (+ 1 Mill.), Wallis mit 3,3 Mill. (+ 1,1 Mill.) und Uri mit 2,1 Mill. (+ 0,8 Mill.) Fr. ebenfalls einen neuen Rekordstand ihrer Ausgaben. Im Vergleich zu 1937 stehen Schloss und Riegel sitzt, dass er den Vater in ihrer sorgenden Obhut glaubt — sie könnte laut herausschreien vor Verzweiflung! Und keinen Rappen in der Tasche! Nichts unternehmen können! In einem fremden Land! Mit kalten, feindlichen, misstrauischen Menschen um sich herum! Hinter ihr durch 'den Morast patschende, schwere Schritte. Sie geht schneller. Als sie vor dem Wagen steht, ein Räuspern in ihrem Nacken. Dann: « Mademoiselle! Wollen Sie mich mitnehmen in Ihrem Wagen? » Schwerer Weindunst schlägt Gerda tos Gesicht. «Mein Name ist Staniol vom ,Apollo- Konzern' !» «Ja, bitte, bitte... steigen Sie ein. IcH wohne im Hotel de la Gare.» «Das äst Ja phänomenal!» dröhnt Staniol. «Ich wohne, denken Sie, auch im ,de la Gare'! ... Was es so gibt im Leben, was?. .- Was es so gibt...! » Sie fahren der Stadt zu, an kleinen Gruppen Neugieriger vorüber, die nach der Zifi kuswiese hinauspilgern, um zu sehen, was