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E_1940_Zeitung_Nr.049

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, DEN 3. DEZEMBER 1940 — N° 49 linset &tscdztxei&stolt~Iest: Holzkohlengas-Generator „ Carbonia" auf Ford-Dreitonnen-Lastwagen von 18 PS. Sehr rasche Startbereitschaft und gutes Anpassungsvermögen an wechselnde Betriebsverhältnisse. - Günstiger Brennstoffverbrauch. Die Ersatztreibstoffe stehen heute im Vordergrund des Interesses. Besonders das Holz und die Holzkohle werden in nächster Zeit eine wichtige Rolle spielen und dürften dem Garagegewerbe durch den Einbau von Generatoranlagen, verbunden mit vorgehender Revision von Motoren, wertvolle Arbeitsgelegenheiten verschaffen. Unter diesen Umständen nahmen wir die Gelegenheit besonders gern wahr, eine solche Holzkohlengas- Anlage, die auf einem Ford-Dreitonner-Lastwagen von 18 PS, Modell 1936, eingebaut war, einer eingehenden Erprobung zu unterziehen, wobei mit Gasbetrieb rund 140 km zurückgelegt wurden. Unsere Prüfungen, die durchwegs mit vollbelasteten Wagen ausgeführt wurden, bezogen sich auf Brennstoffverbrauch, Leistung sowie Startfähigkeit und bewiesen, dass der untersuchte «Carbonia»-

BERN, Dienstag, 3. Dezember 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 49 Paragraphen für Füchse EINE ECHTE FUCH SIADE VON F. B 0 L T Martin hatte einen prächtigen Vierplätzer. Aussen rot gestrichen, innen grün gepolstert, und, ich glaube gar, er hat ihn auch bezahlt. Nach einem angenehmen Nachtbummel fuhren wir heimwärts. Jagdzeit war zwar keine mehr, doch ein Fuchs war so frech, sich auf die Strasse zu wagen. Wir sahen den Haarigen, hupten, doch der Rote ging nicht mehr von der Stelle, Hess sich von den Scheinwerfern gratis bestrahlen wie eine Miss an einer Miss-Schau und war eine Minute später eben eine Leiche. Vergänglichkeitsursache: Ueberfahrt über den Rücken mit nachfolgender Herzlähmung, Atemnot und Pulsstopp. Mein Freund bremste. Totenbleich stieg er aus und nahm im Zeichen des Mitleids die unerwünschte Jagdbeute in den Wagen. Weder Pelz noch Herz noch Niere waren zu gebrauchen. Die «Ueberfahrt» hatte zu stark eingeschnitten. Wir haben ihn dann verlocht, den frechen Fuchs. Unter Tränen der Gattin Martins, die schon lange einen Fuchspelz auf ihrer Wunschkarte zu stehen hat. Dummerweise haben wir das Erlebnis an unserem Jasstisch erzählt. Und dadurch erfuhr es auch die hohe Polizei. Nicht lange ging es, da steht der Paragraphenwächter hochaufgerichtet vor Martin, blickt ihm hart ins Auge, zerrt die würdige Stirne in Falten und flötet im Amtstone ohne lange Umschweife: «Sie haben in Tat und Wahrheit vorletzte Nacht mit Ihrem Auto einen Fuchs überfahren?! Wo haben Sie den Fuchs? » «Dort* draussen im Erdloch, dick zugedeckt mit allem, was die Erde birgt. Kremation schien mir unnötig! » «Warum haben Sie den Fall nicht sofort gemeldet? Wissen Sie denn nicht, dass das strafbar Ist?» Der Polizist rollt die Augen. «Ich habe doch Signale gegeben, und eine Barriere stand nicht im Wege, die Strasse war offen.» «Für solche Fälle haben w^r Paragraphen! » «Was werden sie nützen? Der Fuchs hat sie doch nicht verstanden. » «Das geht Sie an, nicht den Fuchs. Das ist Wil-t derei, verstanden? » « Bitte, zügeln Sie das Mass Ihrer Grpss?ügigkeit in Wort und Gesichtsäusdruck!» -"•• -j .a « Sie haben einen Fuchs überfahren, sich diesen unrechtmässig angeeignet und mit nach Hause genommen. Sie werden nach den Paragraphen des Jagdgesetzes verurteilt. » «So graben Sie den Paragraphenkerl wieder aus und nehmen Sie die fuchsige Jagdtrophäe eben mit. » « Das geht mich nichts mehr an. Hauptsache ist, dass Sie die Tat zugeben, und somit müssen wir Sie bestrafen.» « Sie sollen dabei warme Haare bekommen, Sie Amtsschimmelreiter!» Und die Türe fiel ins Schloss... Tatsächlich sollte mein Freund wegen Vergehens gegen das Jagdgesetz Busse bezahlen. Das Gericht musste aber nachträglich davon absehen, weil sich 1 der Fuchs gegen die Strassenordnung vergangen hatte. Sicher fuxig so etwas für einen so paragraphenlüsternen Polizistent fluh ©s Drachen? j-Im'Jahre-1774 erschien eine deutsche Ausgabe qes berühmten Werkes von Linne, in dem zu lesen ist, dass mit dem Aufblühen der Naturwissenschaft «die bösen Drachen der Alten samt ihren lächerlichen Figuren auf einmal verschwunden seien.» ii Dem ordnenden Sinn Linnes, der einen exakten Katalog aller Tiere und Pflanzen herausgab, passfe der feuerspeiende Drache nicht, weil ihn niemand gesehen hatte. Er hielt ihn für ein reines Phantasiegebilde, in den Gehirnen der Menschen geboren, und glaubte so mit einer Handbewegung alle Drachengestalten wie einen Spuk wegwischen zu können. Nun ist es aber eine merkwürdige Sache mit Fabelwesen. Der Drache ist nicht nur in den nordischen Epen, wie etwa in der Siegfriedsage, zu finden. Es gibt ihn als Wappentier in China, und zwar als wohltuendes, nicht als bösartiges Geschöpf. In Babylon soll sogar ein Drache in der Stadt, gewissermassen als ein besonders sehenswürdiges Zootier, lebendig gehalten worden sein. In den griechischen Göttersagen finden wir ebenfalls die Figur des Drachen wieder, auch in Afrika erzählen sich die Eingeborenen von ähnlichen Ungetümen. Kurz, überall in der Welt taucht der Drache als geheimnisvolle und unheimliche Tierfigur auf. Immer wird er als Reptil dargestellt, mit furchtbaren Zähnen, Feuer speiend und giftige Dämpfe ausatmend. Der riesenhafte, schwere Leib ist oft geschmückt mit Dornen, Hörnern, zuweilen mit Flügeln, und der berühmteste Naturforscher der Renaissance, Gesner, erzählt folgendes: «Es sind auch Drachen in Lüften schwebend oft in deutschen Landen bei Sonnenschein gesehen worden. Zunächst bei Niederburg haben die Einwohner alle drei verschiedene Sommer bei hellem Tag einen Drachen in der Luft gesehen, als wenn er hing und den Schwanz erschütterte.» Dies alles ist seltsam genug. Soll wirklich der Drache ein reines Produkt der Phantasie sein? Ein Spuk, ein schemenhaftes Gebilde, das vor den strengen Augen des Gelehrten wieder ins Nichts verschwindet, wie Linne meint? All diese Sagen und Mythen müssen doch einen wahren Ker^ enthalten. Irgendeine Ueberlieferung steckt in diesen Drachensagen, und im Laufe der Jahrtausende ist dieses Bild ausgeschmückt worden, symbolhaft erweitert, bis zu den vielfältigen Formen der Sagendrachen, die wir heute kennen. Die Frage ist: hat dieser Drache einstmals gelebt, oder lebt heute noch etwas Aehnliches? Als man im letzten halben Jahrhundert immer genauer Kenntnis der Reste vorweltlicher Saurier bekam, begann man mit Erklärungsversuchen der Drachensage. Und. es besteht kein Zweifel: die Aehnlichkeit zwischen den modernen Rekonstruktionen gigantischer Vorweltsaurier und den Holzschnitten aus alten, dicken Folianten vergangener Jahrhunderte, sind verblüffend. Und dabei können ja je.ne Männer des 17. und 18. Jahrhunderts keinesfalls Saurier rekonstruiert haben. Denn wir wissen, dass jahrzehntelange moderne Forscherarbeit dazu notwendig war. Und eine direkte Ueberlieferung kommt auch nicht in Frage, weil die Riesensaurier längst ausgestorben waren, als der Mensch sich entwickelte. Es ist zwar möglich, dass in vergangenen Zeiten hie und da Reste von solchen Riesenreptilien zutage kamen. An solchen monumentalen Knochen musste sich natürlich die Phantasie der damals noch viel mehr im Mystischen verstrickten Menschen entzünden, und es ist sehr gut möglich, dass verschiedentlich die Drachensage durch solche Funde neue Nahrung erhielt. Aber sie haben ihr nicht den Ursprung gegeben. Nun wurde vor etwa 30 Jahren auf der Insel Komodo, in der Nähe von Java, ein Waran entdeckt, ein riesenhaftes Tier, das dort in letzten Resten lebt. Man will ein Exemplar gesehen haben, das sieben Meter lang gewesen sein soll. Allerdings ist das längste Tier, das erlegt wurde und dessen Haut im Senkenburgisehen Museum zu Frankfurt liegt, nur dreieinhalb Meter grqss. Aber schliesslich sind ja auch 3 bis 4 Meter Länge nicht zu unterschätzen. Die Zähne sind lang, spitz, nach hinten qebogen und können wie eine scharfe Klinge wirken. Ein grosses Drachenmännchen vermag eine ganze Hirschkeule loszureissen und zu verschlucken. Werden sie gereizt, erbrechen sie ihre Nahrung und verpesten die Umgebung mit fürchterlichem Gestank, als ob sie « giftigen Atem » hätten. Urbilder des Drachens unserer Sage, die heute noch leben? Vielleicht! Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross. Denn solche riesigen Warane haben in vorgeschichtlichen Zeiten an vielen Stellen unserer Erde gelebt. Noch während unserer Eiszeiten gab es Formen, die mit dem Riesenwaran der Insel Komodo nahe verwandt waren und 10 Meter lang gewesen sind. Sie können zeitlich noch die frühesten Kulturepochen des Menschen berührt haben, so dass hier tatsächlich die Möglichkeit sehr nahe liegt, dass sie die eigentlichen Vorbilder für die sagenhaft ausgeschmückte Figur des Drachen dargestellt haben.