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E_1940_Zeitung_Nr.049

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, DEN 3. DEZEMBER 1940 NO 49 Her SSrohwifwer Die Bahnhofsuhr zeigt sechzehnfünfundzwanzig. In sechs Minuten wird der Expresszug die Halle verlassen. «Gib mir einen richtigen Kuss, du wirst dich nicht vergiften», sagt Frau Rosalie Muzera zu ihrem Gatten und beugt sich zum Fenster heraus. Fred Muzera, Mitinhaber des Bankgeschäfts Muzera & Cie., errötet leicht und fügt sich dem Wunsche seiner Gattin. Plötzlich verdüstert sich ihr Gesicht. Frau Muzera sieht ihren Gatten streng an. «Ich hoffe», stösst sie hervor, «dass du in meiner Abwesenheit keine Damenbesuche empfangen wirst. Oder willst du mich vor dem Personal kompromittieren?» Der Bankier wird eine Weile nachdenklich. «Fred, ich spreche zu dir und du hörst mich nicht. An wen denkst du?» Frau Rosalie Muzera scheint eine unheimliche Gabe zu besitzen, die Gedanken ihres Mannes zu erraten. «Ich höre, ich höre, Rosalie», versichert er- Und ablenkend fügt er hinzu: «Setz dich nachher in den Speisewagen, dort kannst bequem den Baedecker studieren.» «Einsteigen!» mahnt der Schaffner. Die Türen des Zuges werden zugeschlagen. Rufe und Abschiedsgrüsse ertönen. Frau Rosalie beugt sich noch einmal rasch zum Fenster heraus und küsst ihren Mann. «Also, vergiss nicht, dass du verheiratet bist, Fred», sagt sie leise. «Gute Reise!» ruft er. «Schreib bald.» Fred Muzera verlässt langsam den Bahnhof. Eine angenehme Empfindung, durch die eben errungene Freiheit hervorgerufen, nimmt von ihm Besitz. Ein Gefühl der Sicherheit. Im Cafe Berker verkehren vorwiegend Börsianer und Grosskaufleute, hier ist der Treffpunkt der Finanzwelt. Fred Muzera setzt sich zu einem Bekannten, und schon ist eine gemütliche Unterhaltung im Gange. Lächelnd erzählt der Börsenmakler, eine dicke Zigarre zwischen den Zähnen und mit lustigem Augenzwinkern, von einem süssen Geschöpf, das er gestern beim Rennen kennengelernt hat. Börsenmakler Pems ist ein tüchtiger Geschäftsmann, aber auch ein Freund galanter Abenteuer. Zufällig ist er auch verheiratet. Sie kommen mir heute so verändert vor!, meint Herr Pems nach einer Pause. «Ich bin Strohwitwer», erklärt der Bankier, «meine Frau ist vor zwei Stunden weg gefahren.» «O, da werden junge Damen im Kurse steigen», scherzt der Börsenmakler, «wir haben also eine richtige Hausse zu erwarten.» Eine Weile noch tauschen die beiden Börsianer Scherzworte, dann sieht Herr Pems auf seine Uhr. «Ich muss gehen, ich habe in einer halben Stunde eine Besprechung.» «Wohl ein Rendez-vous mit dem süssen Geschöpf?» «Erraten, Herr- Muzera!, sagt der Börsenmakler lächernd, erhebt sich und geht. Der Bankier geht ebenfalls und schlendert durch die Strassen, bis seine Augen an einem grossen Plakat haften bleiben. Er liest: «Hip - Hop - Hip - die neue lustige Sommerrevue im Metropol-Theater. Eine wahre Sensation. Täglich ausverkauftes Haus. Beginn acht Uhr.» Ein Bild erregt Muzeras besondere Aufmerksamkeit: Ein Dutzend lachender Girls mit gehobenem Bein. Insbesondere gefällt dem Bankier das vierte Girl von rechts. Eine Stunde später sitzt Fred Mu- ( zera, mit einem Opernglas bewaffnet, in einer Loge des Metropol-Theaters. Er heftet seine Augen auf die vierte von rechts. Beim Anblick ihrer Beine fühlt er, wie eine ihm unbekannte Schwäche sich durch seinen Körper verbreitet. In der Pause tritt der Bankier entschlossen auf den Portier zu und erkundigt sich bei ihm über das strohblonde Girl, das vierte von rechts. Bereitwilligst gibt der Portier Auskunft, worauf ihm der Bankier einen Geldschein in die Hand drückt. Fred Muzera schreibt auf seine Visitkarte ein paar Zeilen und lässt sie durch den Portier dem Girl überreichen. Und siehe, nach der Vorstellung besteigt der Bankier mit dem Girl ein Taxi. Er schlägt ein gemeinsames Abendessen vor. Und nach wenigen Minuten finden beide in einem eleganten Restaurant ein behagliches Plätzchen. Nach dem Essen begibt sich das Pärchen in die anschliessende Bar. Voll Seligkeit ist der Bankier. Und das strohblonde Girl lächelt zufrieden. Mitternacht ist längst vorüber, als sie aufbrechen. Der Bankier möchte noch mit dem Girl tanzen, am liebsten in seiner Wohnung. Er tanzt so gerne Tango. Aber Girlchen kann heute nicht. Girlchen ist müde. Der Strohwitwer ladet das Girl für den nächsten Nachmittag zum Tee in seine Wohnung. Es ist einverstanden. * .. * Am nächsten Tag entlässt der Bankier seine beiden Hausangestellten für vierundzwanzig Stunden. Dann packt er die Geschenke für das Girl aus und legt sie auf den Tisch: Eine Handtasche aus echtem Krokodilleder, zwei Blousen und drei seidene Pyjamas. Er sieht auf die Uhr und stellt fest: in einer halben Stunde muss sie hier sein. Tristan Bernard wurde in einer grösseren Gesellschaft gedrängt, sich über die Situation der französischen Literatur zu äussern. «Mon Dieu», erklärte Bemard: «Mit der Literatur ist wirklich im Augenblick nicht viel los und ihre Lage ist alles andere als erfreulich. Ueberlegen Sie sich nur einmal: Racine ist tot. Moliere weilt nicht mehr unter uns. Victor Hugo ist gestorben, Balzac, Maupassant, Zola und all die anderen sind nicht mehr. Und nun - es ist wirklich trostlos - muss ich Ihnen auch noch das Allerschlimmste mitteilen: auch ich selber fühle mich seit einiger Zeit gar nicht mehr recht wohl...» * * Ungeduldig geht er im Zimmer auf und ab, bleibt eine Weile vor dem Spiegel stehen, und geht wieder auf und ab. Er nimmt ein Buch zur Hand, blättert darin, nur um seine Ungeduld zu beschwichtigen. Dann sieht er wieder auf die Uhr. Noch zehn Minuten. Schlag fünf läutet sie. Der Strohwitwer öffnet die Tür Ẇie sie ihm entgegentritt und ihm die Hand reicht, ist sie so entzückend, dass sie ihm beinahe den Atem raubt. «Entschuldigen Sie», sagt er «mein Personal hat heute Ausgang. Aber das macht nichts. Ich kann selbst Tee kochen!» «Ich helfe!» sagt das Girl und lächelt strahlend. Statt Tee werden aber Liköre serviert. Höhepunkt der Stimmung. Alle drei Pyjamas passen dem Girl wie angegossen .. • Der glückliche Strohwitwer, der vierzehn Jahre vergeblich auf so einen Tag wartete, bringt strahlend einen Grammophonapparat. «Wir werden tanzen!» sagt er. «Ja!» jubelt das Girl. «Was tanzen Sie am liebsten?» fragt er. «Ich tanze Tango leidenschaftlich gerne.» «Ich auch», meint das Girl. Der Bankier bringt zweihundert Schallplatten. Und sucht: Schubertserenade, Strausswalzer, Reve d'Or, Englische Ouvertüre, Schwarzwälderpolka, Foxtrott, Boston, Pas des quatre, Menuette, Gavotte, Quadrille. Alles. Nur kein Tango. «Wo sind die vielen Tangoplatten?!» murmelt Fred Muzera vor sich hin. «Erst vorgestern hatte ich sie in der Hand.» Das Girl hilft suchen. Plötzlich ein scharfes Läuten an der Korridortür. Beide sehen sich erschrocken an. Mit hochgezogenen Brauen lauscht der Bankier, ein unheimliches Gefühl beschleicht das Girl. Es läutet zum zweiten Mal, es läutet zum drittenmal, anhaltend, langgezogen. Das Girl versteckt sich hinter dem Bücherschrank. Der Strohwitwer öffnet die Tür. Der Eilbriefträger steht vor ihm. Er bringt ein grosses, flaches Packet. Absender Rosalie Muzera. Der Bankier geht erleichtert ins Zimmer zurück und ruft seine erschrockene Freundin. «Liebling, keine Gefahr, nur ein Eilbrief.» Er öffnet das flache Päckchen, zieht freudestrahlend eine Schallplatte heraus und einen Begleitbrief. Rasch liest er: «Mein süsser Fred! Prächtig sind die kleinen bunten Muscheln, die die See ohne Unterlass an den Strand wirft. Während ich hier im Strandkorb sitze, denke ich nur an dich, mein Liebling. Ich spüre noch den zärtlichen Kuss, den du mir beim Abschied gabst. Bist du traurig, mein Fred? denke daran, dass vier Wochen schnell vergehen. Bald wirst du mich wieder haben, und wir werden wieder Tango tanzen. Bist du mir treu? zuzutrauen ist dir alles und zu trauen ist dir gar nichts. Mit gleicher Post sende ich Dur eine Schallplatte, den neuesten Tango. Er wird dir Freude machen. Du siehst, wie sehr ich an dich denke. Leb wohl und schreib bald, ob dir der Tango gefällt. Deine Rosalie.» Lustig ruft der Bankier: «fabelhaft, dieser Tango kommt ja wie gewünscht!» Er legt die Platte auf und setzt den Apparat in Gang. Süsse Tangomusik. Mit graziöser Bewegung umfasst der Bankier seine kleine Freundin. Aber beim zweiten Tangoschritt hört die liebliche Melodie plötzlich auf, und eine energische Frauenstimme spricht laut: «Fred! was machst du?» Totenblass sieht Fred Muzera den Apparat an. Ein Schauer geht ihm über den Rücken hinunter. Flüsternd stottert er zu seinem Girl: «Um Gottes willen, meine Frau!» Das Girl versteckt sich erschrocken unter dem Divan. «Wer war diese Person?» ruft die Schallplatte. «Aber Rosalie», stottert Muzera, «Ich bin ganz allein!» «Das ist nicht wahr!» ruft die Platte. «Ich habe gute Augen! ich habe alles gesehen! Freches Weib! Marsch, hinaus!» Ohne Besinnung rennt das Girl aus dem Hause. «Was für Kleidungsstücke liegen auf dem Sofa?» fragt die Platte. Muzera packt die Kombination und schiebt die Sachen unter das Sofa und antwortet: «Gar keine!» «Ich weiss alles. Ich brauche nur einmal das Hans verlassen, da ...» knirscht die Schallplatte. «Verzeih mir!» bittet der Bankier. «Keine Gnade!» ruft die Platte. «Wenn ich nach Hause komme, dann reisse ich dir alle Haare aus. Sonst, mein süsser Liebling, wie gefällt dir meine Stimme auf der Schallplatte?» Wieder ein Tangoakkord. Die Platte ist abgelaufen. G. A.W. G. B. Shaw erhielt in London den Besuch eines Landmanns, eines einfachen Bauern, der noch den Vater des Dichters gut gekannt hatte. «Die Leute haben mir erzählt, dass Sie immerzu schreiben?» fragte der alte Ire zweifelnd. «Jaja, das stimmt, ich tu' nichts andres, schon von Jugend an», entgegnete Shaw. «Ja, verdienen Sie denn damit genug, um sich satt zu essen?» wollte der alte Mann wissen und schaute mit sichtlichem Mitleid auf die hagere Gestalt des Dichters. «Das kann man wohl sagen», erwiderte G. B. S. lachend: «Ich habe mit meiner Schreiberei schon viele hunderttausend Pfund verdient.» Da platzte der Besucher heraus, laut und dröhnend. Und während er Shaw mit seiner breiten Hand auf den Rücken klopfte, dass es knallte, schrie er lachend:- «Jaja, wir Iren können halt das Aufschneiden einmal nicht lassen I» Astir Es war eine wunderbare Nacht, auf die die Astronomen seit 12419 Jahren gewartet hatten. Der Mond, dem noch ein hübsches Stück zur vollen Rundung fehlte, stand am Himmel; und links von ihm funkelte der Jupiter. Peter zog Erika an sich. «Liebste, schau — die kleinen Wolken unter dem Mond! Gleichen sie nicht glitzernden Liebesengeln?» «Ja, Peter!» seufzte Erika. Und — «Ja» seufzten zehntausend andere Mädchen in dieser Nacht. «Ich möchte dich küssen!» «Aber, Peter, der Mond sieht uns doch zu!» «Der Mond? Sonst niemand? Ach, der Mond plaudert nichts aus!» «Nein, Peter, ich werde böse!» «Alles vorbereitet?» «Jawohl, Herr Professor! Schärfste Optik! Empfindlichster Film!» «Wie spät?» «Es fehlen noch sieben Minuten vierzehneinhalb Sekunden!» «Schön! Die Luft ist klar! Es wird ein herrlicher Film werden. Die Bedeckung Jupiters durch den Mond! Spannender als ein Kriminalfilm! Wenn nur nicht die verdammten Wolken wären!» Der Mond scheint tatsächlich nur aus zwei Gründen vorhanden zu sein: erstens, um verliebten Paaren die Nächte mit seinem Silberlicht zu verklären, und zweitens, um sich von Astronomen durch Fernrohre begaffen und photographierenzu lassen. Jeden Monat jedoch wird dem alten Himmelsgesellen beides zu dumm und er «nimmt ab». Aber die Liebespaare sind ihm doch noch lieber als die Astronomen. * «Peter, bitte, nicht küssen! Schau nur, wie hell der Mond scheint!» «Aber, Erika, weit und breit ist kein Baum, in dessen Schatten wir...» haben es nicht leicht Von Josef Robert Harrer, «Peter, wenn du mich so anfassest, schreie ich...» Der Herr Professor war aufgeregt. Was zahllose Generationen von Astronomen nicht erlebt hatten, sollte er beobachten und filmen können! Es fehlten nur noch wenige Sekunden. Auf der ganzen Welt starrten Fernrohre zum Himmel, Filme waren eingelegt... Erika und Peter sahen zum Mond empor. Zehntausend andere Liebespaare taten das gleiche. 7413 Mädchen aber schreckten davor Zlirück, sich im hellen Mondlicht küssen zu lassen. Wenn sich der Mond zwischen Liebespaaren und Astronomen entscheiden muss, hält' er, wie gesagt, zu den Liebespaaren. Damit also endlich 7413 Jünglinge zu ihrem lang ersehnten Kuss kommen konnten, griff er nach einem Büschel silberglitzernder ,Woiken, ballte sie zusammen und hüljte sie um sein leuchtendes Gesicht, dass es plötzlich ganz verschwand. Da liess sich endlich Erika von ihrem Peter küssen; denn nun war es finster und kein Mond sah mehr zu. Da Messen sich auch die anderen 7412 Mädchen küssen. Der Herr Professor aber und viele hundert seiner wissenschaftlichen Kollegen fluchten wie sudanesische Kameltreiber, denen man die Hühneraugen mit einem Korkzieher entfernt. Ausgerechnet zwei Sekunden vor der seit 12419 Jahren erwarteten Jupiterdeckung hatte sich der Mond hinter einer dicken, schwarzen Wolke versteckt. Die Astronomen mögen sich tröstenI In 27578 Jahren wird wieder die seltene Jupiterbedeckung durch den Mond stattfinden. Vielleicht wird man sich dann so behelfen, dass man für die betreffende Nacht allen Liebespaaren verbietet, sich im Mondlicht zu zeigen.

49 DIENSTAG, DEN 3. DEZEMBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE III Das einstige Mesopotamien heisst heute Irak. Die Nachfolger des Propheten Mohammed haben sich dort zu einer neuen Nation zusammengeschlossen und beginnen, sich als wichtige Einheit in Arabien zu fühlen. Zerfallene Kanäle und Ruinen erinnern an die einst blühenden Kulturen der alten Völker im Zweistromland. Aber heute liegt der Boden brach unter der alles versengenden Sonne, und die Erde ist rissig und meistenteils steinhart. Malarianebel wallen dort, wo einst die hängenden Gärten der Semiramis am Euphrat hingen. Nur die heissen Winde harten in den Ruinen von Aschur, der einstigen Königsstadt der Assyrier am obern Tigris, und wo in Niniveh mächtige Herrscher ihre Gesetze in Stein schreiben Hessen, heulen heute die Schakale und Wölfe um die Trümmer. Auf Schritt und Tritt die Spuren verfallener Grosse, untergegangener Königreiche. Oft wechselten Herrscher und Schicksal im Zweistromland. Tyrannei, Fremdherrschaft und Despotismus zerstörten die alten Kulturen und Völker, hohe Steuern und ausbeuterische Nationen machten aus dem Garten Eden IJhs&poüuniezi ein Wüstenland und stürzten es in tiefste Armut Unter den Türken ging das Land vollends vor die Hunde — damit starb Mesopotamien. Wasser und Arbeit — viel und harte Arbeit — können und werden auch heute wieder dem Lande Fruchtbarkeit und Wohlstand bringen. Im Norden ist das Land durch die kurdischen Berge vom Regen abgeschnitten, im Süden liegen die heissen, riesigen arabischen Wüsten, und von dort bringt der Wind nur Hitze und Staub — aber keinen Regen ... Die Schneeschmelze in den kurdischen Bergen bringt im April die beiden Ströme, Euphrat und Tigris, zum Schwellen, und bald treten sie im topfebenen Unterlauf über die Ufer. Nach dem Fallen des Hochwassers aber bleiben im Land Seen zurück, die nur langsam verdampfen und dann alles mit harten, salzigen Krusten überziehen. In den Löchern aber steht das Wasser, und dort gedeihen dann die Moskitos, die Träger der Malaria. Wacht an der Pipeline. Es gibt auf der ganzen Welt wohl kaum Gebiete, an denen die Schachzüge der Weltpolitik verschlagenere und niederträchtigere Ausflüsse zeitigen, wo Dynamit und Browning, Bestechung und Verrat eine stärkere Rolle spielen als in den Oelgebieten. Um die Pipelines, die das Oel aus der mesopotamischen Ebene nach dem Mittelmeer führen, gegen Angriffe zu sichern, sind die Kontrollstellen nicht nur hinter Drahtverhauen, sondern auch durch eine bewaffnete Wache gesichert. Wo früher die syrisch-babylonische Kultur ihre Heimstätte hatte, befindet sich heute eines der wichtigsten Oelproduktionsgebiete: Mossul-Kirkuk. Die jährliche Förderung beträgt zwischen 4 und 5 Millionen Tonnen; die Quellen befinden sich in britisch-französischem Besitz. Die Ausfuhr erfolgt durch zwei Pipelines, deren eine das französische Mandatgebiet Syrien durchquert und bei Beirut an das Meer gelangt, während die südlichere ganz auf englischem Interessengebiet liegt und in Haifa ausmündet. Vor dem Krieg gingen rund 80% der Produkten nach •Frankreich. Aus diesem Grund befasst sich die Regierung energisch mit der Hochwasserregulierung. Durch das Errichten von zwei gewaltigen Staudämmen (Hindiyah und Kut) ist schon viel gemacht worden, aber es braucht in Irak nicht zwei, es braucht zwanzig solcher Staudämme. Aber doch sind schon viele tausend Quadratkilometer Land dem Pflug zugeführt worden. So bewundernswert diese Werke der Technik auch sind, von allen Teilen der Bevölkerung werden sie doch nicht mit Begeisterung begrüsst. Der freie Beduine sieht mit dem Vorrücken der Technik seine Weidegründe schwinden und wird sich eines Tages ganz in die unwirtlichen Wüsten und Steppen zurückgedrängt finden. Aber die Regierung hat eben nur Interesse an sesshaften und steuerzahlenden Bürgern... Damit beginnt eine neue Zeit in Irak — die Siedelung der Beduinen. Mit ihnen werden die letzten freien Menschen der Welt verschwinden. Verwaltungstechnisch ist das Land in vierzehn Liwas eingeteilt, die, wie in der Schweiz die Bezirke von einem Statthalter, von einem Muttasarrif regiert werden, der fast uneingeschränkte Vollmachten hat und nur dem Parlament verantwortlich ist. Trotzdem die Majorität der Bevölkerung aus Schiiten (rechtsgläubigen Mohammedanern) besteht, liegt die Gewalt ganz in den Händen der Sunniten (linksgläubige Mohammedaner). Schwere Unstimmigkeiten und auch schon Kriege und Revolutionen haben bis heute diese ungleichen Verhältnisse noch nicht aufheben können. Nicht vergessen werden darf, dass Irak ein sehr wichtiges Oelland darstellt. Aus diesem Grunde, und weil es ein wichtiges Glied in der Kette des Landweges nach Indien darstellt, wird es streng gehütet und bewacht. Englands Flugwaffe in Irak ist sehr stark. So ist es nicht ausgeschlossen, dass dieses Land — Mesopotamien — auch in diesem Krieg wieder zu einem Kriegsschauplatz werden kann... davor möge ein gütiges Schicksal das arme Land bewahren! John Henry Mueller. Wo sich heute die arabische "Wallfahrtsmoschee von Nebbi Junis (dem heiligen Jonas aus dem Walfisch) erhebt, stand früher die Hauptstadt des Assyrierreiches, Ninive. Schon damals war die fruchtbare mesopotamische Tiefebene, das sog. Zweistromland, das durch Euphrat und Tigris durchflössen wird, ein begehrtes Ziel des politischen Expansionswillens. Ninive spielte eine grosse Rolle, bis es im 7. Jahrhundert v. Chr. durch die Babylonier und Meder zerstört wurde. Nebbi Junis liegt ganz in der Nähe der modernen Oel-Stadt Mossul, also im heutigen Irak. Taschen-Apotheke FLAWA Unzerbrechliche Meta/Idose mit altem Notwendigen an Verbandmaterial und Medikamenten für die • Erste Hilfe • bei Verletzungen und Unpaaslichkeiten. 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