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E_1940_Zeitung_Nr.051

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BERN, Dienstag, 17. Dezember 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No51 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erseheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Barn GcMhkttsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di« aehtcespaitene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Ranm 46 Rp. GrSssere Inserate nach SpezlaltarU Imteralenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Hammer Ist das alles? Man hätte mehr erwartet von der Beantwortung der autogewerblichen Postulate und der Treibstoffragen im Nationalrat. Unmittelbar vor Torschluss der anderthalbwöchigen Dezembersession hat der Nationalrat am vergangenen Mittwoch und Donnerstag den Strauss von Interpellationen, Motionen und Postulaten, der sich um die Brennpunkte Benzinversorgung, Ersatztreibstoffe und Notlage im Autogewerbe gruppierte, in etwa dreistündiger Verhandlung glücklich unter Dach gebracht, c Glücklich » darf man getrost sagen, denn schon in der ersten Sitzungswoche war das Geschäft auf der Traktandenliste erschienen, doch immer •wieder geschah's, dass das schwerbefrachtete Tätigkeitsprogramm des Rates dessen Zurückstellung erzwang, bis zum zweitletzten Sitzungstag. Eine Verschleppung auf die nächste Session wäre angesichts des unleugbaren Missbehagens in den Kreisen der Automobilisten und des Autogewerbes, angesichts auch der brennenden Dringlichkeit dieser Probleme schlechterdings undenkbar gewesen. Aber auch wenn die parlamentarische Treibsioffschjaght gesphUigen und das, was man an Vorkehrungen für das Autogewerbe bereits getroffen oder noch in petto hat, enthüllt worden ist, so vermag diese Art von «Abklärung» die zahllosen Fragen keineswegs zum Verstummen zu bringen und die Sorgen nicht im mindesten zu zerstreuen. Rund heraus muss es ausgesprochen sein, dass uns die mit Spannung erwartete Debatte mit einem Gefühl des Unzufriedenseins und einer dumpfen Beklemmung entlassen hat. Was sie zutage förderte, zerrinnt bei Licht betrachtet, zum grossen Teil in Nichts. Wir sind, so kann man etwa das Fazit formulieren, in den entscheidenden Fragen ziemlich genau so klug wie zuvor. Bei der Beantwortung der Interpellation Bringolf wich Bundesrat Stampfli den sehr präzisen Fragen nach den Verantwortlichkeiten vor und nach dem 5. September 1939 geflissentlich aus und ignorierte damit den nur allzuberechtigten Wunsch nach Aufklärung, die übrigens zweifellos auch im Interesse der Regierung selbst läge. Darf es noch verwundern, wenn das Vertrauen in die Behörden, anstatt durch ein offenes Wort wieder erweckt zu werden, noch weiter schwindet, weil man es nicht über sich gebracht hat, mit der Wahrheit herauszurücken. Ist F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. Schluss. Römer und Manz'...? Römer, Sohn?... Römer, Vater? ... Warum war das Telegramm mit einem Decknamen gezeichnet? .Staniol'! Was sollte das nun wieder bedeuten: Staniol?... Karsten hatte es auch nicht verstanden. Um halb acht bringt der Diener die Abendpost. « Für wen? » fragt Else. « Ein Brief für den jungen Herrn. Der andere...» Der Diener stockt, sagt gedämpft: »Für die gnädige Frau.» « Legen Sie sie drüben auf den Tisch.» Sie sagt es müde, liegt mit geschlossenen Augen, bis Karsten kommt. Nach dem Essen gehen Karsten und Else Römer in den Garten. Sie strecken sich unter der Terrasse in den Liegestühlen aus. « Es sind die letzten Stunden, die wir so das Volk nicht reif genug, um sie zu erfahren? Wenn Bundesrat Stampfli auch mehr Aufschluss gewährte durch das, was er verschwieg als durch das, was er sagte, so musste er immerhin* zugeben, dass «man sich wegen der hohen Lagerungskosten mit einem geringeren Vorrat an Benzin begnügt hat». Wir gestehen: eine solche Argumentation lässt uns sprachlos. Nimmt man sie wirklich ernst, dann offenbart sie eine geradezu tragische Verkennung der Lage, dann deckt sie Unterlassungssünden auf,; für welche der Entlastungsbeweis sehr schwer zu erbringen sein wird. Um einiger Millionen willen setzt man also rund 500 Millionen — soviel nämlich sind in unserem Autogewerbe investiert — aufs Spiel, nimmt man eine Lähmung unseres wirtschaftlichen Kreislaufs in Kauf, die, wenn überhaupt, so doch erst erheblich später eingetreten wäre und wofür wir ein Vielfaches dessen bezahlen müssen, "wäs~'3er fechtzeitige, aber ängstlich vermiedene Bau ausreichender Benzinlager gekostet hätte. Ganz zu schweigen davon, dass diese Politik des Sparens am falschen Ort der Arbeitslosigkeit nicht nur im Autogewerbe, sondern auch in andern mit dem Automobil verwachsenen Wirtschaftszweigen Vorschub leistet. Ob es Mangel an Voraussicht oder eine unbegreifliche Scheu vor der Aufwendung einiger Millionen war (wobei wir für die Sicherung unserer wehrwirtschaftlichen Landesverteidigung nicht mit Millionen., wohl aber mit Milliarden rechnen müssen!) —: daran gibt es nichts zu rütteln. dass uns heute grössere Benzinvorrate zur Verfügung stünden, wenn die grossen unterirdischen Tanks früher erstellt worden wären. Ohne Beschönigungsversuche bekannte das Bundesrat Stampfli, hütete sich indessen auch vor der leisesten Andeutung, wer für diesen Fehler einzustehen habe. Entschuldbarer wird er dadurch nicht, dass nach den Behauptungen vom Bundesratstisch aus kostbare Zeit mit den von Herrn Duttweiler propagierten Unterwassertanks draufgegangen sei, eine Feststellung übrigens, die in diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen unwillkürlich an das gefügelte Wort gemahnte: les absents ont tort. (Fortsetzung Seite 2.) allein miteinander verbringen —», sagt Else. « Nein », anwortet Karsten. « Es sind nicht die letzten! » Ein Leuchten liegt in seinem Blick. Auch in ihren Augen ist ein Glanz. Sie schweigen beide, vergessen beinahe, dass es noch anderes gibt als diese Stunde. Sie fahren nachts zum Bahnhof. Karsten küsst Else die Hand: « Wir sind einig? » Der Zug braust heran. Hans Römer springt aus dem noch einfahrenden Zug, schreit ihnen schon von weitem entgegen, kaum dass er sie entdeckt. « Ist Vater bei euch? » «Nein », rufen Karsten und Else wie aus einem Mund. Hans steht ratlos. Er begrüsst die Schwester nicht. Er begrüsst Karsten nicht. Er hilft nicht einmal Gerda, die allein aus dem Zug klettert: «Ich hätte unten bleiben sollen!... Dieser verdammte Staniol mit seinen aufdringlichen Ratschlägen!» « Ach, das ist ein Mensch: Staniol? » Gerda steht abseits, weiss nicht, was wird mit ihr... Sie reicht Else die Hand, sagtj Englands Herrscherpaar im Panzerwagen: Wenn König Georg und Königin Elisabeth von England ihre Rundfahrten durch die Luftschutzkeller und die zerstörten Gebiete Londons unternehmen, dann werden sie seit einiger Zeit von einem Panzerwagen begleitet. Dieser ist nicht etwa für die Bewachung oder gegen Ueberfälle bestimmt, sondern dient bei Fliegeralarm dem Königspaar als erste Zuflucht und bringt es auf schnellstem Wege in seinen eigenen Luftschutzkeller. Dem Autogewerbe muss der Verkauf von Holz und Holzkohle als Ersatztreibstoff vorbehalten bleiben Wenn in der letzten Nummer der « A.-R. > die Verfügung des Volkswirtschaftsdepartements, welche die Einfuhr von Holzkohle als bewilligungspflichtig erklärt und sie in der Hand des Brennholz-Syndikates konzentriert, als starkes Stück gegenüber dem Autogewerbe hingestellt und entsprechend tiefer gehängt wurde, so fand diese Betrachtungsweise ihre Bestätigung auch anderswo. Bis in den Nationalratssaal hinein warf besagter Ukas seine Wellen, denn es bedurfte immerhin ketaer besonderen Feinhörigkeit, um herauszuspüren, was gemeint war, als die Herren Müller und Gafner bei der Begründung ihrer parlamentarischen Aktionen zugunsten des Autogewerbes verlangten, dass diesem die Ausschliesslichkeit des Vertriebs aller Arten von Ersatztreibstoffen gewährleistet werden müsse. Wer Ohren hatte, zu hören, wusste, worauf diese Andeutung gemünzt zaghaft: «Ich muss jetzt zur Mutter... Ich darf doch morgen nachfragen...» «Träger!» brüllt Hans Römer. Und zu Gerda: « Reden Sie doch keinen Unsinn! Sie kommen natürlich jetzt zu uns, Gerda! Was sollen Sie denn in Ihrer Gartenstrasse?... Ihre Mutter benachrichtigen wir morgen.» «Aber natürlich», sagt Elise. « Unser Fremdenzimmer! » Hans legt Else die Hand auf die Schulter. «Von heute ab ist's kein Fremdenzimmer! » Else versteht. Sie umarmt Gerda. Sie setzen sich alle vier in den blauen Wagen, der sie zur Wohnung bringt. Dann sitzen sie zu viert auf der Terrasse. Die Hortensien stehen wie blaue, leuchtende Bälle gegen das Dunkel draussen. Der Teekessel summt. Es ist eine wundervolle, klare Sommernacht. Sie wagen es noch immer nicht zu fragen, wagen es nicht zu erzählen. Bis Gerda sagt: «Sprechen Sie doch, Hans. Ihre Schwester muss wissen.» Hans Römer erzählt. Er berichtet mit harten Worten, die er hinsetzt wie Steine. Seine war. Auf ein Echo vom Bundesratstisch aus lauschte man zwar umsonst. Vielleicht braucht es aber diesmal doch keine vier Monate, bis die Eingabe, womit nunmehr der Schweiz. Autogewerbeverband in dieser Sache an das Volkswirtschaftsdepartement herangetreten ist, einer Antwort teilhaftig wird. Sehr richtig begründet der Verband seine Forderung, der Verkauf von Holz und Holzkohle zu Fahrzwecken müsse durch das Autogewerbe erfolgen, mit dem Hinweis darauf, dass eine andere Regelung gar nicht denkbar sei, sofern man sich wenigstens ernsthaft mit der Absicht trage, ihm zu Arbeit und Verdienst zu verhelfen. Schon der Import von Holz und Kohle, die als Ersatztreibstoffe dienen, muss, wie die Eingabe betont, jenen Autogewerbe-Firmen gesichert bleiben, welche den Nachweis erbringen, dass sie bereits importiert oder die Hände verkrampfen sich zu Fäusten bei der Anstrengung, nichts preiszugeben von der eigenen Erschütterung. Else sagt in die'Stille: « Es gibt Dinge, die man sich nicht vorstellen darf... sonst wird man verrückt.Unser Vater — Clown!...» « Nein », sagt Gerda. « So ist das nicht... Er ist eine Persönlichkeit vor allem!... Auch als Clown war er es, bis zu dem Augenblick, wo... Ach, es war schrecklich!...» 3JH diesec Thmutec beginnt im „ Aut&^Tllaqazin " unsec neue Roman Karsten steht auf: «Ich darf mich wohl jetzt verabschieden. Wenn Sie mich brauchen, ich stehe selbstverständlich immer zur Verfügung, für Sie und für Ihr Fräulein Schwester.» Else sieht Karsten nach, der durch den Garten geht. .« Du magst ihn, Else? »