Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.050

E_1940_Zeitung_Nr.050

II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 10. DEZEMBER 1940 — N° 50 Aristide bricht sich ein Bein EINE WEIHNACHTSGESCHI'CHTE der Menschen, und ein glücklicher Einfall sagte ihm, dass hier das Gesuchte zu finden sein müsste. Er hatte recht geahnt: er befand sich im Schlachtfeld um die letzten Bäume. Polizisten sperrten ab; Winkelriede stürmten ... Uebergehen wir, was alles Onkel Theodor blühte, ehe er mit Tannenbaum und eingetriebenem Hut das Gelände verliess; um sechs Uhr stand er mit Siegergefühlen vor uns. «Ich dachte schon, du kämest überhaupt nicht wieder!» sagte meine Frau und warf einen Blick auf den Baum. «Na, nun schraub den Besen, den du da mitgebracht hast, nur schleunigst ein!» Onkel Theodor hat mir nie in seinem Leben einen so schmerzverzerrten Blick zugeworfen! Nachher, als alle Verwandten versammelt waren und die seltsame Schönheit unseres Tannenbaums — eines etwas schiefen und seltsam zerfressenen Wunders seiner Art — beäugten und sauersüss lobten, nahm Onkel Theodor mich beiseite und erzählte mir, dem Weinen nahe, auf seine nadelzerschundenen Hände weisend, die Geschichte seiner Heldenfahrt. Aber kaum war er damit zu Ende und äusserte leise die Absicht, nun doch lieber nach Hause gehen zu wollen, als meine Frau den Flügel öffnete und vorschlug, gemeinschaftlich ein paar Weihnachtslieder zu singen. Nun muss man Onkel Theodor singen sehen! Er ist ein Mensch, der sogar beim Reden den Mund kaum auftut, wenn ihm ein paar Leute zuhören — aber singen! Das sollte man Onkel Theodor nicht zumuten. Als meine Frau in die Tasten schlug und gar als erstes Lied, das gesungen werden sollte, sich entpuppte: «O Tannenbaum, o Tannenbaum! wie schön...», da sprang Onkel Theodor wie von einer Tannennadel gestochen vom Stuhle auf, flüchtete zur Tür hinaus und ward nicht mehr gesehen. Meine Frau aber drehte sich nur auf ihrem Sitz um, schüttelte den Kopf und sagte: «Diese Junggesellen sind unberechenbar! ». nbekanntes und Irrtümliches lim Weihnachten Wenn auch vielleicht ein wenig bescheidener als sonst, wird man Weihnachten trotz Krieg und dessen Folgen auch dieses Jahr unverändert feiern. Weihnachten hat sich zu tief in das Herz des Europäers als Fest eingegraben, als dass selbst ein Krieg es aus den Angeln heben könnte. Aber um Weihnachten hat sich eine Menge Irrtümer eingenistet, und es gibt viel Unbekanntes um dieses Fest, das wir bei dieser Gelegenheit klarstellen wollen.. Rätselraten um den Weihnachtsbaum. Wo es eben möglich ist, wird man zu Weihnachten auch einen Weihnachtsbaum oder eine symbolische Nachbildung aufstellen. Weihnachten und Weihnachtsbaum sind eng miteinander verbunden. Weihnachtsbaum und Mistelzweig sind freilich viel älter als das Christentum, im sogenannten Ureuropa schnitt die Druide (damals freilich zum Jahresbeginn) mit einem goldenen Messer Zweige von der Tanne oder vom Mistelstrauch ab, um diese Zweige als Boten der erwachenden Natur, die auch unter Kälte und Schnee nicht starb, den Umstehenden zu überreichen. Neuere Forschung behauptet, dass die Aufstellung eines Weihnachtsbaumes im Familienkreis eigentlich nicht einmal in dieser Form in Germanien zuerst aufkam, sondern in Aegypten. Dort habe man freilich keine Tannenbäume zur Verfügung gehabt, sondern Palmen, die in jedem Monat einen Blattkranz hervorgebracht hätten — Im Jahre also 12 Kränze — Symbol des Jahres, des Jahresendes und des Anfangs eines neuen Jahres. Weihnachtsgeschenke zu — Neujahr. Wir haben schon aus den vorhergehenden Darlegungen entnehmen müssen, dass der Neujahrstag in den meisten Fällen für vielwichtiger genommen wurde als der Weihnachfstag, den man lange Zeit hindurch überhaupt nur als kirchliches Fest betrachtete. Den Kindern gab man Geschenke zu Nikolas daher gibt es ja noch einen Weihnachtsmann, aer ohne St. Nikolas ganz unmotiviert wäre. Den Nikolas verlegte man auf den Weihnachtstag BERNE RESTAURANT DU THßATRE Französisches Restaurant im I. Stock Im Parterre - Restaurant Orchester Lore Durant und gab in späterer Zeit dann die Geschenke, die. für'Erwachsene in der Regel zu Neujahr überreicht wyrden. Das Ist übrigens In vielen Gegenden Europas noch heute der Fall. So war es schon im alten Rom. Man gab damals In der Regel Felgen und Datteln in goldene Blätter eingeschlagen als Geschenk — freilich zusammen mit e|nem Geldbetrag, der Im Prinzip dazu verwendet werden sollte, kleine Götterstatuen zu kaufen, die teils als Talisman dienten, teils geopfert wurden. Jedenfalls kannte man nur Neujahrsgeschenke im a|ten Rom. Sogar im Mittelalter blieb man bei den Neujahrsgeschenken, die besonders an den Fürstenhöfen sehr beliebt waren. Aus der Beliebtheit wurde eine Anstandspflicht. Und die Könige machten zum Schluss eine Verpflichtung daraus. Noch die englische Königin Elisabeth war für die Bestreitung ihrer sehr erheblichen Garderobengelder abhängig von den Neujahrsgeschenken. Man hatte anfangs hier eine Tauschsitte eingeführt: die Spender bekamen auch vom König und von der Königin ein Geschenk. Aber bald verstanden es die Könige, recht wenig zurückzuschenken, vielleicht nur einen doch scnliesslich kostenlosen Titel — oder einen Orden. Interessante Kleinigkeiten. ring» Unter sich schenkte man schon frühzeitig praktische Dinge. Den Frauen gab man zum Beispiel Handschuhe und — Nadeln. Später konnten die Frauen sich die Nadeln selbst aussuchen. Man sagte daher — Nadelgeld. In der «guten, alten Zelt» war man bekanntlich mit den Feiertagen nicht sparsam. Man feierte Weihnachten und Jahresende in der Regel von dem 21. Dezember bis zum 6. Januar. In Jerusalem ging die Feier noch länger, denn hier feierte man am 25. Dezember das westliche Weihnachten, 13 Tage später das griechisch-orthodoxe Weihnachten und nochmals 13 Tage später das armenische Weihnachten. In vielen Ländern — wie zum Beispiel in Schweden, Sizilien und Italien kennt man keinen Weihnachtsmann, sondern nur eine Weihnachtsfrau oder eine Weihnachtsmutter. Ehe man sich zur Weihnachtsgans oder zum Truthahn entschloss, waren gewaltige Eberessen (Wildschweinbraten) üblich. Aber aus Mangel an Wildschweinen musste man sich endlich umstellen. Fast überall da, wo man Weihnachten feierte, wurde das Wetter an diesem Tag als Prognose für das Wetter des kommenden Jahres genommen. Auch aus der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr zog man entsprechende Schlüsse für das Jahreswetter All diese Dinge beweisen, wie tief die Idee des Weihnachts- und Neujahrsfestes in dem Vorstellungsleben der Völker verankert ist... Ich hätte meinem wackeren Esel Aristide nicht noch den Weinkorb mit sechs Litern umhängen sollen. Es war zuviel für ihn, mit all den sonstigen Vorräten für die Weihnachtstage. Aber wenn man viele Kilometer von der Stadt entfernt wohnt, in den schlüpfrigen Bergen, abgeschieden von aller Welt, und wenn dann Weihnachten ist und der Wind fegt durch das Haus { als wäre es aus Schilf und nicht aus schweren Steinen erbaut — da werden Sie gewiss verstehen, dass man, um das Fest zu feiern, sein Kaninchenragout mit einigen Gläsern Wein begiessen möchte ... Da lag nun Aristide mit gebrochenen Beinen, der rote Saft troff über seinen Leib und versickerte in der roten Erde am Weihnachtsabend. Ich hatte noch eine gute Stunde nach Hause. Es fing schon zu dämmern an. Ich sagte mir, am besten packst du dir auf, was du tragen kannst, und dann schleunigst nach Hause. Du kannst doch Frau und Kind nicht ohne Geschenke lassen. Aber da lag der Esel vor mir und stöhnte. Wenn er verblutet, würde das eine schöne Bescherung zu Weihnachten! Ein Esel kostet heute allerhand. In der Nähe war eine verfallene Kapelle^ Ich verband Aristide mit Taschentüchern, ich schiente seine Beine mit Aesten. Dann schleifte ich ihn in die Kapelle. Es war nicht leicht, Aristide seines Gepäcks zu entledigen und ihn zu betten. Die Kapelle glich einer Rumpelkammer. Aller denkbare Unrat lag wirr durcheinander: Stroh, Holzreste, Scherben, Matratzenfedern, Ziegelsteine Mein Gott, was ist denn das? Aus dem Paket, in dem sich die neuen Hemdchen für mein Töchterchen befanden, tropfte eine gelbliche Brühe. In sorgendem Eifer um Aristide hatte ich die Eierschachtel eingedrückt. Ich ging hinaus, um die Hemdchen zu trocknen. Ich knüpfte sie einzeln an den Aesten eines nahen Baumes auf. Als ich wieder in die Kapelle trat, war ausser Aristide ein junger Mann da. Ich weiss nicht, woher er gekommen, noch wie er eingetreten war. Der Mann machte sich hinten in der rechten Ecke zu schaffen. Er schien etwas zu suchen. Ich sah nur seine Rückseite. Er trug eine schwarze Hose und rotbraune Schaftstiefel, die blendend gewichst waren. «Verzeihen Sie, mein Herr, fst Ihnen hier etwas abhanden gekommen?» «Allerdings», antwortete der Rofstiefel, indem er sich umdrehte. Nun sah ich ihn in seiner ganzen Pracht. Das Wort ist nicht übertrieben: er glich jenen eleganten Phantasieoffizieren, die man bei Galavorstellungen auf gut subventionierten Operettentheatern sieht. Er war jung und schien! aus bester Familie. Was ihn von dem genannten Bühnentypus unterschied, war einzig sein blonder Lockenkopf (wie Botticelli auf seinem Selbstbildnis). Denn diese Herren pflegen schwarzgelackte Scheitel zu tragen. «Sollte Aristide Sie stören, dann legen wir ihn beiseite?» Sollte Aristide dieser hier liegende Esel sein, dann wäre es reizend von Ihnen, wenn Sie ihn beiseite legten. Ich fürchte, er knabbert just an den Utensilien, die ich hier suche.» In der Tat machte sich Aristide im Wust zu schaffen. Ich machte den Platz frei. Der elegante, junge Mann grub weiter. Nach kurzer Frist zog er zwei weisse, längliche Gegenstände hervor, die er nachdenklich betrachtete. «Da scheinen die Mäuse hineingekommen zu sein. Unangenehm!» Ich traute meinen Augen nicht: Es waren Engelsflügel. «Wollen Sie mir helfen, meine Flügel ein wenig auszubessern? Sie haben da draussen kleine Hemdchen hängen, die könnten wir in die löchrigen Stellen stopfen.» «Geht leider nicht, schöner Mann, das sind Weihnachtsgaben für meine Tochter.» «Sorgen Sie sich nicht darum! Helfen Sie mir!» «Aber hören Sie mal, zuerst schleichen Sie sich auf verdächtige Weise in diese Kapelle ein, und Filmen war doch schon lange Ihr Wunsch Filmen mit der Siemens Kino Kamera ist einfach und nicht teuer. dann Wolfen Sie auch noch, dass ich die Weihnachtshemdehen für meine Tochter zerschleisse, jjm diese Flügel zu reparieren — mir scheint das eine Narrheit, die mehr zur Fastnacht passt als zum heiligen Christabend.» «Erlauben Sie, braver Mann», sagte der Rotstiefel, indem er einfach hinausging und die Hemdchen vom Baume knüpfte, « dass ich Sie aufkläre: diese Flügel sind für mich weit wichtiger als die Hemdchen für Sie. Die Hemdchen kann man ersetzen. Die Flügel sind mir vom Himmel gegeben. Ich bin ein Engel.» So hatte ich mir nun allerdings einen Engel nicht vorgestellt. Aber schliesslich müssen ja nicht alle Engel junge Damen in wallendem Gewände sein. Der Engelsoffizier zerriss die Hemdchen und stopfte damit die Löcher in seinen Flügeln aus. Ich half ihm aus Höflichkeit. «Da Sie nun schon einmal Zeuge dieser Szene sind, so will ich Ihnen lieber alles sagen. Ich muss In halbwegs gutem Kostüm heimkehren, das werden Sie verstehen. Auch im Himmel gibt es Konventionen, glauben Sie mir. Einer solchen Konvention wegen musste ich mich 365 Tage auf der Erde herumtreiben. Wir Engel dritten Grades haben nämlich nur einmal im Jahr Ausgang, und zwar an Weihnachten. Da können wir uns auf Erden frei bewegen und uns beliebig der Zauberkraft bedienen, die uns verliehen wurde. So tat ich auch im vorigen Jahr. Unglüchlicherweise Hess ich mich, nachdem ich meiner'Zauberlust zum Wohle der Menschen Genüge getan hatte verführen, in ein Dancing zu gehen; ich machte die Bekanntschaft einer liebreizenden Dame. Na ja, das übrige wissen Sie wahrscheinlich besser als ich. — Ich versäumte die morgengrauende Stunde der Rückkehr. Ich musste mich ein Jahr auf der Erde herumtreiben. Ich hatte alle möglichen Berufe und niemals Arbeitserlaubnis. Zuletzt war ich Statist in einer Operetfentruppe... Wollen Sie mir beim Ansetzen der Flügel behilflich sein? — Danke. Rechts bitte etwas fester schnallen! So ist es gut. Tausend Dank, braver Mann. Leben sie wohl!» Ich wollte den Engel hinausbegleiten — da war er schön verschwunden. Ich ging vor die Kapelle. Nichts zu sehen. Die Nacht brach ein. Da war ich nun mit dem kranken Esel und ohne die Hemdchen für meine Tochter, eine Stunde von zu Hause entfernt, am Weihnachtsabend. Als ich wieder in die Kapelle trat, stand Aristide gesund und fein bepackt vor mir. Die Eierschachtel war frisch gefüllt, das Paket mit den Hemdchen hing unversehrt daneben, und der Weinkorb bau* melte froh an der Hüfte des Esels. Es ist doch gut, wenn man sich fremden, jungen Herren gegenüber hilfreich erweist. Sie konnten Engel sein. WEIHNACHTSGESCHENKE AUS DER verlangen Sie Prospekte und Bezugsquellennachweis durch WOHNUNGS - EINRICHTUNGEN eine Engros A.l, Zflrich NÜSCHELERSTRASSE 24 NEBEN PELIKANSTR. 10 Falkenstrasse 12 Telephon 44904 ZÜRICH

N° 50 — DIENSTAG, 10. DEZEMBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE III Das Geld im Handschuh EINE WEIHNACHTSERZÄHLUNG VON CLARA CAROLA Weihnachten nahte! — Es war alte Sitte im Hause Berger, zum Christabend Kinder des Städtchens zu bescheren. In allen Zimmern duftete es nach süssem Weihnachtsgebäck. — Die letzten Päckchen wurden gebracht, und der Baum stand schon im Zimmer und schaute verheissungsvoll herab auf den mit blendend Weissem Damast gedeckten langen Tisch, an dem Frau Berger die Gaben für ihre jungen Gäste verteilte. — Hoch oben auf der Leiter stand Dr. Berger und — leise vor sich hinsummend — schlang er Silberfäden um die duftenden Tannenäste. Elisabeth aber lief mürrisch umher. Elsi, wie sie genannt wurde, stand seit einem Jahr im Dienste bei den schon bejahrten Leuten. « Begreifst du so etwas?» sagte Frau Berger nun fast traurig zu ihrem Mann, «so ein junges Ding und immer so unfroh. » «Lass* es dich weiter nicht kümmern, Frau», und Dr. Berger bückte sich in ungestört froher Laune nach den bunten Kugeln, die auf dem Tisch bereitlagen. Gleich darauf schwebten Kuchenkränzchen an langen Fäden, und ganz zu unterst kam das süsse, bunte Zuckerwerk für die Kleinsten, deren Aermchen noch nicht viel höher würden reichen können. — Und als nun ein Licht nach dem andern entzündet war, standen sie beide minutenlang in Erinnerungen versunken vor dem schimmernden Baum. — «Nun aber noch schnell zu deinem Tisch», sagte Dr. Berger sich umwendend, und beide überflogen jetzt noch einmal prüfend die Verteilung der Gaben. — «Weisst du», meinte Dr. Berger, indem er nachdenklich von den dem Mädchen zugedachten Geschenken stand, «diese warm gefütterten Lederhandschuhe und all' diese andern kleinen Sachen sind ja schon recht, aber doch möcht' ich ihr noch ein grösseres Geldgeschenk machen, denn sie hat Sorgen wegen ihres arbeitslosen Vaters. — Was denkst du von hundert Franken?» — «Hundert Franken?» rief Frau Berger erschrocken aus, «aber Felix, ist das nicht übertrieben viel?» — Sei es», erwiderte er, «sie scheint Geld für zu Hause arg nötig zu haben, und vielleicht wird sie auch eine etwas frohere Hausgenossin, wenn sie sieht, dass wir nicht gleichgültig gegen ihre Sorgen sind.» Er entnahm der Brieftasche einen Hundertfrankenschein und fältelte ihn sorgsam in das Innere des rechten Handschuhs, jedoch so, dass man den Schein sofort sah, sowie man nur den Knopfstreifen aufbog, um die Handschuhe anzuziehen. — «Das soll dann die grosse Ueberraschung für sie sein. Wir sagen ihr zunächst nichts davon, aber sie muss die Handschuhe noch heute abend anprobieren.» — «So wird es gemacht», lachte seine Frau — und sie horchte nun auf die ersten kleinen Schritte, die draussen auf den Steinfliesen klangen, während frühe Dämmerung über die weisse Erde fiel.... Und bald darauf strahlten viele glückselige Kindergesichter mit dem zauberhaften Glanz des grossen Lichterbautns um die Wette. — Man hatte gesungen, geschmaust, — der Onkel hatte wunderschöne Weisen auf dem Flügel gespielt, man hatte Zürich Empfehlenswert! Unterhaltungsstätttn Stadttheater Abends 19K Uhr, Sonntag nachmittags 14 % ühr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 3613, 8—18.30 Uhr. Mi abend 11 Dez Der fliegende Holländer, von Richard Wagner. 19 Uhr: DO abend 12 Dez Vorstellung für Töchterschule: Romeo und Julia. Fr. abend 13. Dez. Traviata, Oper von G. Verdi (Fr.-A'b. 7). Sa nachm 14 Dez Premiere: Weihnachtsmärchen: Der gestiefelte Kater. Sa. abend 14. Dez. Dep vergessene Kuss, Operette T. Harald Barth. So. nachm. 15.Dez. Die Zauberflöte, Oper von W. A. Mozart. So. abend 15. Dez. Die vier Füsiliere. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Schauspielhaus f> ends 20 uhr tag nachm. 15 Uhr. Abendkasse ab 18 Uhr (21111) Mi. abend 11. Dez. Die lustigen Weiber von Wlndsor. Do abend 12 Dez Maria Stuart, von Friedrich Schiller. Fr. abend 13.Dez. Heinrich VIII. und seine sechste Frau. Sa. abend 14. Dez. Premiere: Figaros Hochzelt oder Der tolle Tag von Beaumarchais. So. vorm. 15. Dez. 10.45 Uhr: Schauspielhaus- und Theaterverein-Matine'e zum 100. Geburtstag von Arnold Ott, So. nachm. 15.Dez. Heinrich VIII. und seine sechste Frau. So. abend 15. Dez. Maria Stuart. MO. abend 16. Dez. Soldaten-Kabare«: Gamälle-Dek- • kel, unter dem Patronat des Armeekommandos, Sekt Heer und Haus. Militär auf allen Plätzen halbe Preise. von all den guten Dingen am Baume naschen dürfen. Und nun trennte man sich nur schwer von der schönen warmen Stube hier und presste zum Trost das Päckchen und die grosse Tüte fest an sich. — Aber dann verhallten doch die letzten Kinderlaute. Elsi war schon damit beschäftigt, den grossen Tisch herzurichten für die abendlichen Gäste. — Der Eckplatz mit ihren Geschenken war noch unberührt. «Nun Elsi», sagte Frau Berger und trat zu ihr, «mit dem Weihnachtsmann zufrieden?» — Das Mädchen reichte ihr die Hand, bedankte sich aber nicht. — Frau Marianne verbarg ihren Unmut. «Sehen Sie, Elsi», fuhr sie beherrscht und freundlich fort, «diese Handschuhe haben wir mit besonderer Sorgfalt für Sie ausgesucht, wollen Sie sie nicht heute abend probieren, damit wir wissen, ob sie Ihnen gut passen?» — «Ja, ja», gab das Mädchen zur Antwort, «gleich nach dem Essen.» Dann Versicherungen aller Art ausgenommen Leben • packte sie die Gaben in ihre Schürze und verschwand in der Küche. — Der Rest des Abends verlief festlich und harmonisch. Bald verabschiedeten sich die letzten Gäste, da horchte Frau Berger plötzlich auf, denn aus der Küche drang jetzt lautes Selbstgespräch. «Diese geringen Sachen ihr zum Weihnachtsfeste zu geben, wo sie doch soviel Arbeit hier hatte; Taschentücher, Strümpfe, Schürzen, — das könnt' sie sich selbst auch kaufen; und Handschuhe brauchte sie für die paar Gänge ja doch keine.» — Und polternd riss sie den grossen Kessel mit dem immer noch siedenden Wasser vom Feuer, stocherte aufgeregt darin herum, bis es hell aufloderte. Dann warf sie die Geschenke, die noch auf dem Küchen- Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft in Bern BERN, Bundesgasse 18 R7*77 tisch lagen, eines nach dem andern ins Feuer. Sekundenlang stiegen die Flammen kerzengerade auf über der leichten, schnell verzehrten Beute. — Nur die Handschuhe, die jetzt ins Feuer flogen, wehrten sich, bäumten sich auf, bogen sich zurück und da... Was war denn das da... Ein Geldschein war aus dem einen Handschuh in die Flammen geflattert. Den Wert des Scheines hatte das Mädchen gerade noch erkennen können. Die Hand wollte ins Feuer greifen, aber die neu entfachten Flammen versengten das leichte Blatt im nu zu Asche. Da standen Herr und Frau Berger auch schon in der Küche. Dr. Berger trat zu dem ungeschützten Herdfeuer, um den Kessel aufzusetzen. Prüfend zog er die brenzlige Luft ein, da wusste er gleich Bescheid. Elsi stand bleich und zitternd am Küchentisch. Leise stammelte sie: « Oh, was hätte ich mit dem vielen Geld Gutes für zu Hause kaufen können. — Ihr seid so gut zu mir, und ich warf alles ins Feuer. » Und nun erst begriff Frau Berger den Sachve^ halt, den ihr Mann schon geahnt hatte, als er in dem verlöschenden Herdfeuer die Ueberreste der schönen Handschuhe entdeckt hatte. Ja, dieser Weihnachtsabend ging zunächst trau-* rig zu Ende. Aber eine verwandelte Elisabeth begrüsste den aufkommenden Tag, eine Elisabeth, die noch viele Jahre hindurch den gütigen alten Leuten eine liebe, heitere Hausgenossin wurde, und obgleich niemals wieder mit dem Mädchen über diesen Vorfall am Weihnachtsabend gesprochen wurde, sagte Dr. Berger schon kurz nachher zu seiner Frau :« Weisst du, diese verbrannten Handschuhe samt Geldschein haben ihren Wert reichlich aufgebracht; denn sie haben einem jungen Menschen Einsicht und Heiterkeit fürs Leben gegeben.» Goethe am Christabend Goethe, der in seinen «Leiden des Werther» es allen empfindsamen Leuten nahelegte, den Brauch der Weihnachtsbescherung zu üben, kannte diesen aus seinem Elternhaus, liebte ihn und schenkte selbst gern zu Weihnachten. 1772 sandte er kurz vor dem Fest an Kestner ein Paket, zu dem er schrieb: «Es istTamis für meine zween kleine Buben zu Wamms und Pumphosen, sonst Maletot genannt. Laßts ihnen den Abend vor Christtag bescheren, wie sich's gehört. Stellt ihnen ein Wachsstöckgen dazu und küßt sie von mir. ... Hätt' ich bey euch seyn können, ich hätte wollen so ein Fest Wachsstöcke illuminieren, daß es in den kleinen Köpfen ein Widerschein der Herrlichkeit des Himmels geglänzt hätte.» Als er nach Weimar kam, war die Bescherung dort ebenfalls üblich, und auch aus seinem Elternhause erhielt er Weihnachtsgeschenke. Frau Rath sandte ihm alljährlich Frankfurter Marzipan, und er teilte davon regelmässig Frau von Stein mit. So schrieb er am 30. Dezember 1780: «Von meinem Frankfurter heiligen Christ schick ich Ihnen einen Theil», und am 24. Dezember 1781: «Ich muß Dir einen guten Morgen sagen und Dir ein Stück Feiertagskuchen schicken, damit mein Verlangen, Dich zu sprechen, nur einigermaßen befriedigt werde.» Am 24. Dezember 1785 sandte er ihr dieselbe Gabe: «Hier was Du Fritzen zu seinem heiligen Christe beilegen wirst. Erst wird bei der H(erzogin) beschert, und dann komme ich zu Dir.» Nur selten verlebte er das Fest selbst in Weimar; meistens zog er, sobald Schnee gefallen war und es ihm weihnachtlich zumute wurde, zu Fuss hinaus in die Berge. Poetisch ausgestaltet aber hat er nach jener ersten Jugendskizze nie wieder einen Weihnachtsabend, so viele schöne Weihnachten er auch erleben mochte, die ihn ergriffen, wie das Weihnachtsfest 1796 bei Frau von Stein mit Christbaum, Lichtern und Bescherung. Umtauschredit bis nur Wahl der richtigen Feder Mit Waterman Schräbt man in der aanzenWelt Wattrman-Goldfedera sind k COM «. Dauerhaftigkeit mdbertnltm. Hebel-, Vakuum-, Fatn- Ma-Keiutniktloii. mit nnJ ohne Slchtlenster. sdiwan tmd farbig T»I Fr. 20.- an. in Gold b* Fr. 300.-. FaAkradl« fedfcn«. twtek PMWrut» 8 Tat 35.710