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E_1940_Zeitung_Nr.052

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 24. DEZEMBER 1940 — N° 52 Wie faheen mit tcsatztcei&stolh Ford-Anglia 5 PS mit Karbidentwickler «Acetor» Nahezu identische Motorleistung wie mit Benzin. — Sofortige Startbereitschaft. Der Karbidentwickler aus der Nähe gesehen. Jeder der beiden runden Deckel dient als Versohluss eines Schübladenbehälters. Unter den schweizerischen Ersatztreibstoffen hat auch das Azetylen, sei es in Form von Azetylen-Dissous oder als direkt im Entwickler erzeugtes Treibgas, beträchtliche Beachtung gefunden, weil ihm bei richtiger Verwendung der Vorteil einer praktisch unveränderten Motorleistung verbunden mit augenblicklicher Startbereitschft eignet. Wir hatten nun Gelegenheit, einen Ford-Anglia- BvPS-Vierzylinderwagen neuesten Modells mit Karöidentwickler, System «Acetor», einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, wobei vergleichsweise unter möglichst identischen Verhältnissen £uch mit Benzin gefahren wurde. Vorausgeschickt sei, dass die Karbidanlage in jeder Beziehung zufriedenstellend arbeitete. Die Verbrennungen erfolgten vollkommen weich und praktisch klopffrei, was auf ausreichenden Alkoholzusatz und richtige Einstellung des Gemischs bei allen Drehzahlen zurückzuführen ist. Nach den Ausführungen von Hrn. Prof.Keel tritt ein KlingeJn besonders gern bei allzu mageren Azetylengemischen ein. Weiter ist nach unseren eigenen Beobachtungen die zugesetzte Alkoholmenge von entscheidender Bedeutung und sollte bezogen auf reinen Alkohol nicht geringer gewählt werden als ca.25% des Brennstoffkonsums bei Unsere sämtlichen Prüfungen werden nach wissenschaftlich genauen Methoden und mit entsprechenden, exakten Apparaten durchgeführt. Sie zeigen unvoreingenommen und ohne jede Beschönigung wirklich erreichte Leistungen, die sich an Hand der Bordinstrumente nicht zuverlässig ermitteln lassen. lieh nie über 1,2 bis 1,3 at und hielt sich im normalen Betrieb dauernd zwischen 0,2 und 0,5 at. Das heisst, dass einerseits unerwünschte Gasverluste durch Abblasen nicht eintraten und zweitens die Dimensionen des Entwicklers gut zum Motor passten, so dass er dauernd genügend Gas erhielt. Aus den Expansionsgefässen wird das Azetylen über einen Niederdruckregler zum Mischvergaser geleitet, wo es sich mit der Verbrennungsluft vermischt. Der Regler ist derart eingestellt, dass er nur Gas durchlässt, wenn auf der Ansaugseite (Einlass-Stutzen) ein Unterdruck herrscht. Beim Stillstand des Motors hört somit die Gaszufuhr ganz automatisch auf. "30 20 10 Beim Vergleich der gefundenen Fahrleistungen und Verbrauchsziffern ist zu berücksichtigen, dass die beiden Prüfungen mit Karbid und Benzin nicht unter absolut identischen Verhältnissen durchgeführt werden konnten, weil ein plötzlich auftretender Winternebel Benzinbetrieb. Im vorliegenden Fall wurde eine wässrige Spritlösung mit einem Alkoholgehalt von 65,8 des unter ähnlichen Vergehalt von 65,8% zugesetzt und davon eine Menge konsumiert, die sich auf 38% -des unter ähnlichen "Verhältnissen gemessenen Ben- Ansicht des geprüften Wagens von hinten mit dem in den Kofferraum eingelassenen zinverbrauchs belief. Der reine Alkoholkonsum betrug somit rund Y*, der Einspritz- 80 wasserkonsum V» des Benzinverbrauchs. Diese Norm lässt sich ohne Nachteile zur Zeit kaum wesentlich unterschreiten, sofern nicht Aenderungen am Motor, wie Herabsetzung des Kompressionsverhältnisses, sehr späte Zündung etc., vorgenommen werden.Dies Hess sich auf unserer Probefahrt schon daraus schliessen, dass der Motor bei vorübergehenden, kurzzeitigen Düsenverstopfungen infolge Verunreinigungen der uns zur Verfügung stehenden Alkohollösung selbst in der Ebene sogleich klingelte. Der Karbfdentwickler, System « Acetor » ist ein Schubladen-Apparat, der beim vorliegenden Fahrzeug im Kofferraum untergebracht war. Andere Ausführungen der gleichen Anlage werden (siehe Bild des Fiatwagens) neuerdings ausserhalb am Wagenheck montiert und besitzen zwei Schubladen, die sich seitlich herausziehen lassen. Die geprüfte Einrichtung verfügte dagegen über zwei nach hinten herusziehbare Schubladen, deren jede rund 6 kg Karbid fasst. Der zylindrische Raum, worin jede davon sitzt, durchdringt einen querliegenden Kühlwasserbehälter, der ca. 60 Liter Wasser enthält. Jeder der beiden Schubladenbehälter hat einen Rauminhalt von 16,5 Liter, wozu noch Expansionsbehälter von total 60 Liter -Inhalt kommen. Dank diesem reichlichen Raum machen sich die Nachvergasungen nur ver- hältnismässig schwach bemerkbar, und wir konnten tatsächlich auf der ganzen Fahrt niemals ein Abblasen des Ueberdruckventils beobachten. Der Druck im Apparat stieg näm- Verlag, Druck und. Cliches: HALLWAG A.-G., Bern. t £- £ 60 ao 0 5 O 20 40 60 80 Km/St,.-Km p.h, 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 6O 65 70 75 8O 85 O 5 10 15 20 25 50 35 40 45 50 55 60 See— Diagramme der Fahrleistunoen. Bei Benzinbetrieb wog der belastete Wagen rund 1030, bei Karbidbetrieb 1139 kg. Bj = Benzinbetrieb im 1. Gang; B2 = Benzinbetrieb im 2. Gang;,63 = Benzinbetrieb im direkten Gang; Gi = Azetylenbetrieb im 1. Gang; Gj = Azetylenbetrieb im 2. Gang; Gs = Azetylenbetrieb im direkten Gang; Bi,s,s = Benzinbetrieb, Anfahren mit Durchschalten aller Gänge; Gj,2,3 = Azetylenbetrieb, Anfahren mit Durchschalten aller Gänge. — Die Beschleunigungsdiagramme zeigen die Zunahme der Fahrgeschwindigkeit mit der Zeit. — Innenbild: Steigfähigkeit in den einzelnen Gängen in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit für Benzin- und Azetylenbetrieb. Unsere Probefahrten umfassten sowohl für Karbid- wie für Benzinbetrieb je eine Verbrauchsprüfung auf einer Rundstrecke sowie eine Prüfung der Fahrleistungen mit unserem registrierenden Geschwindigkeitsmesser. Aus den erhaltenen Beschleunigungsdiagrammen für alle 3 Gänge wurden dann die zugehörigen Steigfähigkeitsschaubilder errechnet. Ein Fiat-Baliila mit ausserhalb montiertem Karbidentwickler, System Acetor. Die Schubladen werden hier seitlich herausgezogen. Karbidapparat. unserer ersten Probefahrt ein Ende bereitete. Infolge Vereisung der Strassen in der Umgebung von Bern musste dann die zweite Versuchsserie in Zürich durchgeführt werden. Benützten wir in Bern die bekannte Rennstrecke, die entgegen dem Uhrzeigersinn durchfahren wurde, zu den Verbrauchsmesungen, so diente uns hiezu in Zürich eine ungefähr doppelt so lange 'Rundstrecke zwischen Oerlikon und Dübendorf, worin prozentual ungefähr gleich viele, wenn auch eine Spur weniger steile Steigungen vorkommen, weshalb die Durchschnittsgeschwindigkeit hier etwas höher ausfiel. Immerhin sind' die Differenzen bescheiden und ihr Einfluss auf den Brennstoffverbrauch kann daher nicht wesentlich von Bedeutung sein. Stärker in Erscheinung tritt dagegen die Gewichtserleichterung bei Benzinbetrieb, die durch das Ablassen des frostgefährdeten Wassers aus der Karbidanlage und den Wegfall der Karbidreserve entstand. Sie belief sich auf rund 100 kg (= 10%). Hiedurch dürfte sich zwar der Benzinverbrauch nur um ca. 5% verbessert haben, die erzielten Fahrleistungen dagegen um ca. 12—13%. Eine kleine Rechnung zeigt, dass danach die bei Benzinbetrieb erzielte Motorleistung jene bei Karbidbetrieb nur um wenige Prozente übertrifft. Wenn wir es unterliessen, die erhaltenen Resultate mit entsprechenden Korrekturen zu versehen, so geschah dies deshalb, weil auch der Standpunkt seine Berechtigung hat, dass das im Karbidapparat enthaltene Wasser schliesslich zum Benzinbetrieb nicht nötig ist und es sich weniger darum handelte, die .Motorleistung als vielmehr die des Fahrzeugs alsGanzes bei beidenBetriebsarten festzustellen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, spricht die Tatsache zugunsten des Benzins, dass die Karbidapparatur im ungefähren Gewicht eines erwachsenen Menschen bei der Benzinprüfung am Wagen verblieb. Genau genommen, beziehen sich also die aufgenommenen Beschleunigungskurven bei Benzinbetrieb auf einen normalen, mit 3 Personen belasteten Wagen, bei Karbidbetrieb auf das umgestellte und mit 2 Personen besetzte Fahrzeug. Abschliessend möchten wir noch unsere Gesamteindrücke vom Karbidentwickler « Acetor » kurz umschreiben. Wir können sie am besten in die Worte zusammenfassen, dass dieser Apparat nach unserem Dafürhalten das Stadium der Entwicklung mit ihren Kinderkrankheiten überwunden hat und als betriebsreife Anlage zu betrachten ist, die mit zum Besten gehört, was wir auf diesem Gebiet bisher gesehen haben. Wie sie sich bei Temperaturen von wesentlich unter 0° C benimmt, konnten wir allerdings auf unserer Testfahrt nicht feststellen, und muss dies weiteren Ermittlungen vorbehalten bleiben, -b- Wagendaten und Prüfresultate Geprüftes Fahrzeug; Vierplätziger Personenwagen Ford Anglia 1940, Modell E04A, 933 cem, 56,6X92,5 mm, Vierzylinder, 23,5 Brems-PS, Motorund Chassis-Nummer 282 451. Kompressionsverhältnis bei Benzin- und Gas betrieb unverändert 1 :6,4. Zündpunkt: Bei K & r b i d betrieb ganz leicht zurückgestellt. Zündkerzen: Benzin: Autolite AL7; Karbid: Champion JA-11 (kühle Kerzen). Vergasereinstellung: Benzin: Fordvergaser. Hauptdüse 70, Uebergangsdüse 65, Leerlaufdüse 60; Karbidspritbetrieb: Fordvergaser. Hauptdüse 85, Uebergangsdüse 70, Leerlaufdüse 0 (zugelötet). Wagengewicht: Ben sin: a) leer und fahrbereit ohne unsere Apparate, jedoch inkl. leerem Karbidentwickler 834 kg b) Leergewicht It. Zollquittung inkl. Benzintankfüllung, Kühlwasser, Oel und "Werkzeug * ca. 770 lee c) Gewicht der leeren Karbidanlage ca. 64 kg d) Mit 2 Personen besetzt und prüfbereit ca. 1030 kg Karbid: a) leer und fahrbereit inkl. fünftes Rad, Benzintank voll Sprit-Wasser-Gemisch, Karbidapparat mit 60 Liter Kühlwasser + 35 Liter Betriebswasser 951 kg b) Prüfbereit mit 2 Personen 1139 kg Reifenluftdruck (bei Auslaufversnchen): Vorn: 1.3 und 1,7 at; hinten: 2,05 und 2,1 at. Lufttemperatur: Karbid: +1,5°C bis — 1° C; Benzin: —5° C bis —6° C. Verbrauchsprüfung: Karbid (Wagengewicht 1139 kg)- Rennstrecke Bern. Durchschnittsseschwindigkeit 43,2 km/St.. In der benützten Schublade 4,015 kg Karbid, die vollkommen aufgebraucht werden. Spritgemisch von +4° C zeigt beim Spindeln 62% Alkoholgehalt, korrigiert auf +15° C 65,8%. Davon wurden verbraucht 790 cem, was bezogen auf obige Normalverhältnisse 798 cem ergibt. Totalstrecke: 28,93 km (= fast 4 Runden). Verbrauch pro 100 km: 13,85 kg Karbid +2.765 Liter 65,8- prozentiger Sprit (enthaltend 1,82 Liter Aethylalkohol + 0,945 Liter Wasser). Benzin (Wagengewicht ca. 1030 kg): Rundstrecke Oerlikon—Dübendorf. 1. Runde ä 13,43 km: Durchschnittsgeschwindigkeit 45,2 km/St. Verbrauch 7.4 Lit./lOO km. 2. Runde: Durchschnittsgeschwindigkeit 46,7 km/St. Verbrauch 7,0 Lit/100 km. Mittlerer Verbrauch 7,2 Lit./lOO km. Verhältnis Karbidverbrauch zu Benzinverbrauch: 1,925 kg Karbid + 0,253 Liter Aethylalkohol (+0,131 Liter Wasser) ersetzen 1 Liter Benzin. Heizwert des Aethvlalkohols 6500 KCal/Lit., des Benzins 7500 KCal/Lit. Abzüglich der durch den Alkohol gelieferten Verbrennungsenergie waren zum Ersatz von 1 Liter Benzin somit 2,46 kg Karbid erforderlich. Fahrleistungen: Karbid (Waeengewicht 1139 kg): Höchstgeschwindigkeit 73 km/St. Beschleunigung und Steigfähigkeit siehe Diagramm. Benzin (Wagengewicht 1030 kg): Höchstgeschwindigkeit 78,5 km/St. Beschleunigung und Steigfähigkeit siehe Diagramm. Für wirkungsvolle Inserate: Hallwar-Cliches I

BERN, Dienstag, 24. Dezember 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 52 Eine kleine Geschichte Anton Wenger nahm heute schneller, als er gewöhnt, und als es sonst in den guten Hotels der kleinen Gebirgsseen üblich, sein Frühstück. Ein leiser, warmer Regen fiel auf die Terrasse, das Wasser des Sees hatte einen hellgrünen Schimmer, gerade das richtige Wetter für einen passionierten Angler. Schon wollte Anton Wenger aufstehen und mit einer leichten Verbeugung an den ihm bekannten Hotelgästen vorüberschreiten, als eine junge Dame sich erhob. « Wollen Sie mich nicht mitnehmen, Herr Wenger? » « Wohin? » «Auf den See. Ich habe die Angel schon bereit. » « Aber gern. Mit Vergnügen. » Wenger sah man keineswegs das Vergnügen an, das ihm die Begleitung der jungen Dame versprach. Er erinnerte sich unbestimmt, dass sie Agathe hiess und dass er gestern einige Tänze mit ihr getanzt. Wohl mehr aus Zufall, da sie unweit von seinem Tisch mit ihren Eltern Platz genommen hatte, war die Bekanntschaft entstanden. Aber auch dann, wenn Agathe die Erfüllung einer Sehnsucht gewesen wäre, liebte Anton Wenger keineswegs eine Frau als Sportkameradin. Trotzdem erklärte er höflich und mit einem verzweifelten Lächeln: « Aber gern. Mit Vergnügen. Gehen wir. » Zwei Stunden schon sassen sie im schmalen Boot, die Angelruten hingen traurig in der Windstille und auch zwischen den beiden Menschen hatte eine Traurigkeit Platz ergriffen, die so eng verwandt ist mit der Einsamkeit des Wassers an stillen Stellen. «Sie lieben den Fischsport?» fragte Wenger endlich. « Nein, keineswegs. » «Nein? » « Ich finde Angeln grässlich. » « Aber — » « Warum sehen Sie mich so erstaunt an? » Sie bog sich lachend zurück. «Glauben Sie, ich bin mit Ihnen auf den See gefahren, um zu angeln? » « Gewiss. Natürlich, » Agathe strich eine dichte Strähne ihres Haares aus der Stirn. « Sie sind ein wundervoller Mensch, Wenger », sagte sie, « wirklich, Sie sind sehr nett, Sie gefallen mir aufrichtig, aber von Frauen verstehen Sie nichts. » Anton Wenger zog verärgert die Schnur aus dem Wasser und warf sie in einem grossen Bogen wieder in den See. « Und Sie glauben », sagte er dann, « dass ich jetzt — nach Ihrer überaus liebenswürdigen Aufforderung — » «Ich glaube es nicht. Aber Mama glaubt es.» «Ihre Mama? » « Ja. Mama möchte mich gern verheiraten. Deswegen sind wir ja hierher gefahren. Sie gefallen Mama. Sie sind reich, wir sind arm. Ist es nicht selbstverständlich, dass mir Mama sofort ein Angelzeug kaufte und mir befahl, mit Ihnen angeln zu gehen? » Wenger sah erstaunt auf das Mädchen. « Ich bewundere Ihre Offenheit. » « Sie brauchen sie nicht zu bewundern. Wenn ich mit Mamas Plan einig wäre, hätte ich bestimmt geschwiegen. » «Ich danke Ihnen für diese ehrliche Antwort. Ich gefalle Ihnen also nicht? » Das Mädchen machte ein ernstes Gesicht. « Sie gefallen mir sogar sehr gut», sagte sie. « Schon vom ersten Tage an, als ich Sie sah. Nur glaube ich nicht daran, dass man heute ein junges Mädchen heiratet, weil man einmal mit ihr angeln geht. Die Ansicht von Mama ist veraltet. Trotzdem hat sie alle Vorbereitungen für ihren Plan getroffen. Sehen Sie dort drüben die Bergspitze? d^« WA VT A*% ^7«%14l fl \Y/ A«% AM Dort sitzt jetzt Mama und beobachtet uns. Sehen Sie dort im Schilf die kleine Hütte? Dort wartet jetzt Papa. Und wenn alles nichts nützt, soll ich punkt zwölf Uhr, wenn die Glocken der kleinen Bergkirche läuten, ins Wasser fallen. Sie werden mich retten, ich werde meine Arme um Sie legen — Papa und Mama nahen um die Ecke im Boot — die ganze Situation — Sie verstehen —» «Und warum tun Sie es nicht? Warum verraten Sie mir alles? » Sie zögerte. « Weil ich mein Glück nicht — ich habe es mir anders vorgestellt », sie unterbrach sich, «ich bin sehr dumm — ich galube noch an Liebe.» Sie hielt den Kopf gesenkt, und eine leichte Röte lief über ihre Stirn. « Schade », sagte Wenger, « vielleicht wäre der Plan gelungen. » «Mit einer Lüge? Niemals!» Wenger legte seinen Arm um sie und zog siq an sich. « Was tun Sie? Wenn Mama uns sieht — wissen doch — » Wenger küsste ihren offenen Mund. « Mama soll glauben, dass sie recht hat »,j er, «ich freue mich, einen ehrlichen und Menschen gefunden zu haben. Und wenn Sie es nicht gerade lächerlich finden, möchte ich Sie fragen, ob Sie meine Frau werden wollen? » Im Hotel warteten die Eltern mit Ungeduld auf Agathes Rückkehr. Immer wieder trat die Mutter auf die Terrasse. Endlich tauchte das weisse Kleid Agathes zwischen den Hecken auf. Die Mutter lief ihr entgegen. « Wir haben uns so um dich gesorgt, Kindl Wo warst du denn? » « Auf dem See. Angeln mit Wenger. » «Wir hatten schon Angst, dass dir etwas geschehen ist. » «Es ist auch etwas geschehen.» « Was? » Agathe lächelte. « Ich habe mich soeben verlobt. » Die Mutter erschrak. « Verlobt? Mit wem? » « Mit Wenger. Er ist gerade in ein Blumengeschäft gegangen, um bei euch um meine Hand anzuhalten.» Die Mutter schüttelte ungläubig den Kopf. «Aber ihr kennt euch doch erst seit gestern. Wie ist denn das alles so schnell gekommen? » Agathe strahlte: «Ich habe ihm eine kleine Geschichte erzählt, die ihm gefallen hat. » um tfoieduch den Qzossea „ Kann er schweigen ? " Kaum war Friedrich der Grosse zur Regierung gekommen, so wurde aus dem lustigen Kronprinzen von einst ein ernster Mann, der wusste, was er wollte. Alle Welt merkte, wie er Vorbereitungen für einen Krieg traf, ohne dass das Wort selbst beim König fiel und ohne dass er jemand ins Vertrauen zog. Das wurmte besonders den alten General von Kalkstein, der als ehemaliger Erzieher des Monarchen ein gewisses Vorrecht zu haben glaubte. Er beschloss also, direkt auf den' Busch zu klopfen. « Euer Majestät», sagte er, < ich vermute, es wird Krieg geben?» — «Kann sein, kann auch nicht sein!» antwortete Friedrich einsilbig. « Die Deichsel scheint nach Schlesien gerichtet zu sein!» fuhr Kalkstein fort. Kaum hatte er das gesagt, so nahm ihn der König geheimnisvoll bei der Hand: «Kann er schweigen, Kalkstein?» Kalkstein, der glaubte nun komme der grosse Moment, erwiderte strahlend: «O ja, Majestät!» « Nun», sagte Friedrich und liess seine Hand wieder fahren: «Ich auch!» Neugier wird bestraft Neugierde war Friedrich dem Grossen zeitlebens verhasst. Als er einmal aus dem Zimmer trat, bemerkte er seinen Kammerdiener Fredersdorff, der gerade einen Brief las. Der König verlangte, ihn vorgelesen zu bekommen. Der Bürgermeister von Joachimstal, ein Bekannter Fredersdorffs, schrieb darin allerlei, und fragte zum Schluss, was es bei Hofe Neues gebe. Kaum hatte Friedrich dies gehört, so nahm er den Brief und schrieb selbst darunter: «Das Neueste bei Hofe ist, dass der Bürgermeister zu Joachimstal cassiert (abgesetzt) ist. Friedrich. » So ging der Brief zurück an den Absender. Kirschen und Prügel Friedrich der Grosse liebte Edelobst, das In Sanssouci vortrefflich gedieh. Eines Tages schickte er einen Pagen, einen gewissen von Sydow, mit einer Schachtel Frühkirschen zur Königin-Mutter. Sydow begann unterwegs zu kosten, fand die Kirschen auch gut, und ass sie nach und nach alle auf. Dann ging er zurück und versicherte dem König, dass der Auftrag gut ausgeführt sei. Nach einigen Tagen traf Friedrich die alte Dame, und da kam alles heraus. Der Monarch schrieb sogleich ein Briefchen an den Adjutanten, worin er demselben befahl, dem Ueberbringer dieses sofort fünfzig derbe Hiebe auszufolgen. Dann rief er Sydow, und übergab ihm das Schreiben zur Besorgung. Sydow ahnte nichts Gutes. Er hielt, kaum dass er aus dem Zimmer des Königs heraus war, sein Schnupftuch an die Backe und täuschte fürchterliche Zahnschmerzen vor. Dann beredete er einen Kameraden, ihm doch seines Zustandes wegen zu helfen und ihm den Brief abzunehmen. Der ging auch darauf ein. Kaum war dieser Page beim Adjutanten erschienen, so schloss der auch schon die Tür ab und führte den Auftrag trotz allen Lamentierens aus, ja, er liess sich die fünfzig Hiebe sogar noch quittieren und schickte die Quittung dem König. Friedrich sah kaum die falsche Unterschrift, so rief er den von Sydow. Der wollte erst versichern, er habe den Brief abgeliefert, als er aber merkte, dass der König besser unterrichtet sei, schützte er wieder seine angeblichen Zahnschmerzen vor. Der König merkte die List, und so böse er erst sein wollte — nun rnusste er doch aus Leibeskräften lachen « und blieb dem Sydow seitdem zeitlebens gewogen ». wie der Chronist meldet.