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E_1948_Zeitung_Nr.012

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AU ee I1E¥ÜE Die Adrninistratioaj Hr. 12 - BERN, Montag, 15. März 1948 Dritte Salon-Nummer Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schwell: ABONNEMENTS-PREISE: halbjährlich Fr. 6.30 jährlich Fr. 12.60 Erscheint jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr.97, Bern Telephon (031) 2 82 22 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse i Antoreme, Bern GeechäflssleUe Zürich: Löwenslrasse 51, Zürich 23, Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die achtjespaltene 2 mm hohe Grnndzeile oder deren Raum 60 Bp. Grössere Inserate nach SpeiialUrif lnseraten«chlus» Freitag 12 00 Uhr Das motorisierte Nutzfahrzeug der Nachkriegszeit Unter dem Begriff des motorisierten Nutzfahrzeugs werden — im Unterschied zum Personenwagen — die Lastwagen samt Anhänger, Lieferwagen, Autocars, Industrietraktoren und andere Fährzeuge zusammengefasst, die auf Grund ihrer Spezialeinrichtungen bestimmten wirtschaftlichen Zwecken dienen. Der Transport mit Nutzfahrzeugen hatte bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten im Herbst 1939 bereits eine erfreuliche Entwicklung hinter sich und spielte in der Wirtschaft der verschiedenen Staaten eine wesentliche Rolle. In allen Ländern war das Problem der Koordinierung der verschiedenen Verkehrsmittel auf Grund von Erfahrungen gelöst worden, ohne dass indessen das Nutzfahrzeug gegenüber dem Machtfaktor der Eisenbahnen über eine seiner Bedeutung entsprechende Rechtsgrundlage verfügt hätte. Die Erfahrung hatte jedoch den unwiderlegbaren Beweis dafür erbracht, dass gewisse Transporte nur mittels Motorfahrzeug vorteilhaft abgewickelt.werden konnten, weshalb sich denn auch mit der Zeit ein bestimmtes Gebiet abzeichnete, vdas die Bahnen dem Motorfahrzeug nicht mehr streitig machten. Im Kriege hat das Nutzfahrzeug, das oft den müitärischei Notwendigkeiten, angepasst wurde (besondere Modelle von Militärlastwagen, Jeeps etc.), die in es gesetzten Erwartungen vollauf .erfüllt. Es zeigte sich durchaus auf der Höhe seiner Aufgabe und trug nicht wenig zum Endsieg der Alliierten bei. Während, Transporte auf weite Distanzen überall dort, wo die festen Anlagen und das Rollmaterial intakt geblieben waren, den Bahnen überlassen wurden, diente das Nutzfahrzeug auf verhältnismässig kurzen Strecken nicht nur dem Truppentransport, sondern auch der Beförderung des Nachschubs und von Kriegsmaterial aller Art. Am Ende des Völkerringens stand man in allen Staaten und ganz besonders in Europa — sei es als Folge der Zerstörungen, sei es, dass man das Rollmaterial dem Ausland überlassen hatte — einem schwerwiegenden Mangel an Eisenbahnwagen gegenüber. Damit war für das Nutzfahrzeug der Augenblick gekommen, sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Gebiete in die Bresche zu springen, um jene Transporte durchzuführen, deren Bewältigung vorher zum Tätigkeitsbereich der Bahnen gehört hatte. Diesen dramatischen Umständen ist es zuzuschreiben, wenn das Nutzfahrzeug heute, da es dazu "berufen ist, der Transportkrise in Europa wirksam entgegenzutreten, im Wirtschaftsleben unseres Kontinents und damit auch in der Organisation der Vereinten Nationen eine hervorragende Rolle spielt. Das « Comite des transports interieUrs*. der « Commission economique pour l'Europe *• der UNO hat — wovon hier wiederholt die Rede war — eine Arbeitsgruppe beauftragt, sich so rasch als möglich des Problems der internationalen Strassentransporte anzunehmen. Die Delegierten waren sich einig darüber, daS$ die Freiheit im internationalen, Strassenverkehr, soweit sie die Warentransporte betrifft,. • eitie absolute Notwendigkeit bedeutet, weshalb denn auch im Dezember 1947 ein Abkommen unterzeichnet wurde, das die Transitfreiheit für alle Warentransporte auf der Strasse / vorsieht. Zu den Signatarstaaten gehören u. a. Dänemark, Frankreich, Grossbritannien» Holland; Italien, Luxemburg, Norwegen, Oesterreich, Polen, Schweden, die Schweiz, die Tschechoslowakei sowie die Besetzüngsmächte der einzelnen Zonen Deutschlands. Wenn . es auch die Meinung,hat, dass diesem Statut einstweilen nur provisorische Bedeutung.^zukomme, so kann "doch keift Zweifel darübet be- Man darf als sicher voraussetzen, dass dem motorisierten Nutzfahrzeug in der Nachkriegszeit eine steigende wirtschaftliche Bedeutung beigemessen wird. Ist auch eine Ueberflügelung der Eisenbahn nicht wahrscheinlich, so darf man doch annehmen, dass sich das Nutzfahrzeug, sowohl was die zu transportierenden Waren als auch die zu bedienenden Strecken anbetrifft, gewisse Beschränkungen auferlegen und im übrigen darauf abzielen wird, in bezug auf bestimmte Güter und Routen eine Monopolstellung einzunehmen. Um einer wirtschaftlichen Entwicklung,in diesem Sinne keine Fess'em anzulegen. ' Der neue grosse Postwagen 4 H von Saurer, eine bedeutende Neukonstruktion auf dem Gebiete der schweren, raschen Ueberlandfahrzeuge. stehen, dass es für eine neue und aller Voraussicht nach längere Periode erneuert wird, sofern die Ergebnisse den Erwartungen entsprechen. Auf Grund dieser Vereinbarung sind die beteiligten Länder übereingekommen, nachgesuchte Transitbewilligungen grundsätzlich 'zu erteilen. Notwendig sind diese Bewilligungen in jedem Falle, weil es noch nicht möglich war, auf jedes administrative Vorgehen zu verzichten. Im allgemeinen ist die Prozedur in allen Ländern lang und kompliziert, und da sie zu einem wesentlichen Teil auf Polizeivorschriften beruht, auch von Land zu Land verschieden. Blick in die neue Halle der Nutzfahrzeuge ist es von Wichtigkeit, dass für das Nutziahrzeug in jedem Staate die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, die seinen praktischen Möglichkeiten und der internen Struktur der Unternehmerfirmen Rechnung tragen. Es gilt den motorisierten Strassentransporten auf internationalem Boden jenes Maximum an Erleichterungen zu gewähren, mit denen sich Regierungen einverstanden erklären können. Diese Ueberlegungen haben die europäische Transportkommission veranlagst, das Studium .— und, wie man hofft, die baldige Lösung — zweier umfassender, komplizierter Probleme in ihr Programm aufzunehmen: Einmal soll angestrebt werden, die Zolldokumente, ! die bisher lediglich für Personenwagen ausgestellt wurden, inskünftig auch für Nutzfahrzeuge auszugeben, und anderseits will man auf die Verzollung der per Lastwagen transportierten Waren hin arbeiten. Wenn auch gewisse Länder für das Nutzfahrzeug bei dessen Uebertritt auf ihr Hoheitsgebiet schon heute die gleichen Dokumente gelten lassen wie für die Personenwagen,; so ist doch eine allgemein gültige undj. 4 verbindliche Lösung noch nicht getroffen. ^Eine gewisse Uebereinstimmung im Schosse der mit dem Studium der Frage beauftragten Komfnission ist immerhin festzustellen. An den nationalen Verbänden und Clubs ist'es nun, ; die Garantie für die Kategorie der Nutzfahrzeuje. zu übernehmen. Wenn nicht alles täuscht, wird sich eine internationale Verständigung über kurz oder lang erzielen lassen. Die Verzollung der auf einem Lastwagen mitgeführten Waren hat gegenwärtig an der Grenze zu erfolgen, selbst wenn der Transporteur beabsichtigt, ein bestimmtes Land lediglich zu durchfahren. Die interimsweise Verzollung, die in der Prüfung der Waren und deren Versiegelung, in der Hinterlegung des Zollbetrages oder der Leistung einer Kaution besteht, wozu oftmals noch eine Reihe weiterer Formalitäten kommt, verursacht, beträchtliche Verspätungen und beeinträchtigt die Abwicklung des internationalen Güteraustausches. Ziel muss daher sein, eine analoge Lösung zu suchen, wie sie bei den Bahntransporten in Kraft steht. Denke man nur an die Zeitersparnis und die Vereinfachung, die daraus resultieren würde, wenn man statt der Ware den Lastwagen als solchen versiegeln und die eigentliche Verzollung am Ort des Empfängers durchführen könnte. Es würde sich darum handeln, den Transit durch einen oder mehrere Staaten durch eine Art Generalkaution zu garantieren. Diese Art des Vorgehens trägt den Stempel der Einfachheit und Wirksamkeit, so dass man sich staunend fragt, weshalb sie noch nicht angewendet Wird. So rationell sie erscheint, so ist sie doch einstweilen noch frommer Wunsch, Die neuesten Neues aus dem Nutzfahrzeugbau am Genfer Salon Links: Der kleine Commerlieferwagen, ein gut gefertigtes, elegantes und geräumiges Modell. Rechts : Das Fahrgestell des Tatra 201 mit dem Motor des Tatraplan, aber vorne montiert. Chassisgewicht rund 650 kg, Tragkraft rund WO bis 1000 kg.