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E_1948_Zeitung_Nr.022

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20 AUTOMOBIL-REVUE

20 AUTOMOBIL-REVUE MITTWOCH, 12. MAI 19*8 - Nr. 22 GARAGISTEN! Mit dem TURCO-LIFT ist die Chassis-Keinieuns eine Leichtigkeit, er kann aber auch in der Reparaturwerkstätte mit grösstem Erfoljc verwendet werden. • Der TURCO-LIFT hebt auf Jeder Seite 1500 Kilo. Der TTJRCO-LIFT hebt in 5 Sekunden 150 cm hoch. Der TURCO-LIFT ist iahrbar, deshalb überall verwendbar. Der TURCO-LIFT ist bitlie in der Anschaffung nnd braucht praktisch keine Installationsund Unterhaltungskosten. Garagisten und Fabrikbetriebe mit eigenem Wagenpark verlangen unverbindliche Offerte und Prospekte durch die Generalvertretung für die Kantone Aargau, Basel. Solothurn. Bern nnd Zentralschweiz: J. E. Buomberger Fach 16 - Wettingen / AG. Telephon (056) 2 62 39 Motoren-Abnützung schmiert kühlt! säubert Der Autofahrer fährt mit STABILOIL Chemische Fabrik Baden, M. Bürli ZU = 5 =* ! -^% FEDERN " ' für Personenwagen, Lastwagen und •.Anhänger. Neuanfertigung für sämtt.Typen. Reparaturen. Verstärken. Kurze Lieferfrist. VERKAUFEN an Meistbietenden, ein Posten von 200 Rädern 32X6 oder 7,5X20, die zu zweien verwendet werden können, geeignet für die Konstruktion von Anhängern und landwirtschaftlichen Wagen. — Neuwertige Ware aus amerikanischen Armeebeständen. Anfragen an A. Blaser, 14, route de Drize, Garouge- Genf. (OPA 9078 G) 873.35 Das COLOR-METER... der letzte technische Fortschritt in der Autolack-lndustriel Dank des COLOR-METERS ist heute ein schnelles und sicheres Mischen von Hunderten von Farbtönen mühelos gewährleistet. — Viele fortschrittliche Spritzwerke arbeiten bereits zur besseren Bedienung ihrer Kunden, vor allem der USA-Wagen-Besifzer, mit dem ROGERS-MISCH-SYSTEM. Wir nennen Ihnen gerne die Adressen von ROGERS-Spritzlackierern. Verlangen auch Sie für Ihren Wagen Neugummierungen Reparaturen Neue Pneus P.TOBLER,BASEL Laufenstr. 70. Tel. (061) 35305 LUZERN Cl. Mühlemann Horwerstrme-Elchwaldstrasse 39 Telephon 2 56 22 Speziell eingerichtete Werkstatt für die fachmännische Prüfung und Instandstellung der elektrischen und Diesel- Ausrüstung Zahnräder und andere Getriebeteile Von Hotel zu mieten gesucht für europ. und amerik. Fahrzeuge iabrizieren aisSpezialität Abt. Zahnradfabrik & Autobestandteile Kaiserstr. 492 Tel.(061) 671 00 starker Aussichtswagen wenn möglich mit Chauffeur. Gebr. Grell, Rheinfelden für die Monate Juli—August (22 ca. 20 Plätze Offerten unter Chiffre 66786 an die Automobil-Revue, Bern. ZU VERKAUFEN Chevrolet 1938 Limousine, 4türiu, 18 PS, wie neu. Nehme eventuell Kleinwagen, 5-tO PS, von 1937—46, in Zahlung. Offert, an Postfach 44, Neuchätel. 66920(22 ZU VERKAUFEN Berna Diesel 2U. Modell 1946, feste Brücke, mit Blachenverdeck, 3-Plätzer-Kabine. E. Fuhrer, Saumstr. 6, Zürich 3. Tel. 33 41 14. 66842(22 Seltene Gelegenheit! Wegen Abreise von Privat sofort zu verkaufen ein AUTO (22 DE SOTO Lim., 18 PS, fabrikneu, Modell 1948. Für raschentschlossenen Käufer äusserst günstig. Eilofferten sind zu rieht, unt. Chiffre 66841 an die Automobil-Revup. Bern. ZU VERKAUFEN Cabriolet Praga 5 PS, 4plätzig, Mod. 1936, sehr guter Zustand, mit neuem Verdeck. Günstiger Preis. (P 10678 2) Schneiter & Co. AG., Effingerstrasse 53, Bern. Tel. 2 55 05. 87361 ZU VERKAUFEN Dodge-Limousine 18 PS, Modell 1938. Allgemeiner Zustd. sehr gut. Schneiter & Co. AG., Effingerstias'p 53. TW n . Telephon 2 55 05. 87363 (P 10675 Y Ich, Mr. Val, bin da, um Ihnen zu dienen mit meinem VALAY car interior cleaner, zum Reinigen der Verdecke, Stoff- und Lederpolster, wie auch Kleider, Hüte, Teppiche und Möbelstoffe. VALAY reinigt nicht nur oberflächlich, entfernt Schmutz, Fett, Oel und ist unschädlich, denn es enthält weder Säure; Ammoniak, Sprit noch Benzin, ist sparsam, wirkt auffrischend und hinterlässt keinen Ring. Sei's im Auto, Haushalt od. Gesellschaftswagen, immer und überall sind Sie vom Resultat erhaben, denn VALAY löst Ihr Reinigungsproblem, weil es auch die grössten Flecken entfernt. Die praktische Quart-Kanne (Inhalt 1,14 Liter) Fr. 16. h Wust. Für Grossverbraucher die Gallone-Kanne (Inhalt 4,55 Liter) Fr. 52. f- Wust. Dazu die praktischen « Tampico «-Handbürsten, Spezialfabrikat, Fr. 1.25. (Preisermässigungen für das Gewerbe.) Alleinimporteur: HERMANN KIPFER, Rabbentaltreppe 10 BERN

III. Blatt BERN. 12. Mai 1948 AUTOMOBIL-REVUE III. Blatt BERN. 12. Mai 1948 DEUTSCHLAND Mütter schützen ihre Kinder Eine Werkstattwoche in der Ostzone (Eigener Bericht der «A.-R. ») Bei meinem kürzlichen Besuch der deutschen Ostzone hatte ich Gelegenheit, bei einem befreundeten Autohändler den Ablauf einer Werkstattwoche zu erleben, der mir einen Einblick in die gegenwärtige Lage des Autogewerbes in dieser Zone gewährte. Am besten lasse ich hierüber meine Tagebuchnotizen sprechen: Montag, den 23. Februar 1948. Der motorisierte Strassenv erkehr in der Ostzone ist nicht so restlos erledigt, wie ich zuvor gedacht und wie von vielen erzählt wird. Aber etwas ist doch anders: nicht nur die Verkehrsintensität ist geringer, auch der Charakter des Verkehrs hat sich geändert und ist jetzt gekennzaichnet durch das starke Vorherrschen des Lw.- und Schlepperanteils. Und noch etwas: der Fahrzeugpark ist durchschnittlich zwischen 10—-20 Jahren alt und der allgemeine Wagenzustand einmalig, typisch « Ostzone ». Das bewies heute morgen auch der Anblick der Fülle von Reparatur- Fahrzeugen in der Werkstatthalle und den Abstellräumen von L. Die Arbeitshalle war überfüllt, der zwischen den Fahrzeugen verbleibende Arbeitsraum auf ein Minimum reduziert, daher unübersichtlich und dazu ungenügend geheizt und renovierungsbedürftig. Der Glühlampenmangel gestattete hier nur die Einschaltung der Deckenbeleuchtung. Die Arbeitsplatzleuchten wurden mittels Auto-Akkumulatoren notdürftig in Betrieb gehalten, Handlampen konnten, statt wie früher 8—10 Stück, nur noch 2 benutzt werden, wobei sie von Monteur zu Monteur wanderten. Krass wirkte sich der Strommangel im Maschinenraum aus. Von zwei Drehbänken kann früh nur die eine, kleinere laufen und auch nur mit 6tark verlangsamter Tourenzahl. Die gleichzeitige Benützung der Bohrmaschinen ist auch nur zu bestimmten Zeiten möglich und der Kompressor der Luftanlage lief stark schwankend. Neue Licht- und Kraftstromschalter sind ebenso wenig zu beschaffen wie neues Werkzeug für die Monteur-Montage-Kästen oder Schneid-, Bohr-, Fräs- und Spezial-Werkzeug zur Inventar erneuerung. Als kurze Zeit darauf der Meister die Arbeitseinstellung an einem Lw. und einem Schlepper im Betriebsbureau meldete, fragte ich: « Was nun weiter? » Da deutete er auf die Abstellhalle jenseits des Hofes, wohin wir uns zusammen begaben. Mit Staunen erblickte ich darin etwa 8—10 nur teilweise reparierte Fahrzeuge, an denen wegen Materialmangels nicht weitergearbeitet werden konnte. Einzelne davon standen schon 5—6 Monate und länger hier — « ohne die aus gleichen Gründen unfertig zu den Kunden zurückgeschleppten Fahrzeuge», setzte sorgenvoll der Meister hinzu. Einem « Kursus in Planwirtschaft» glich die Besorgung der Wochen-Fahrbefehle für zwei Betriebsfahrzeuge auf dem Strassenverkehrsamt, mit der mir noch jetzt unfassbaren Zumutung, mit der auf Monatsanfang zugeteilten «Menge > von je 10 Liter Benzin und 4 Liter Oel einen vollen Monat im Geschäftsbetrieb auszukommen. So trostlos wie diese Treibstoff-Planbewirtschaftung sahen trotz aller Wascheinrichtungen im Betrieb, trotz des Aufenthaltsraumes usw die sozialen Verhältnisse der Monteure aus: nicht genug Brot, Tag für Tag Wassersuppe, fleischlos, keine Zukost, keine Schuhsohlen, eine «hinfällige» Berufskleidung, völlig unzureichende Zuteilungen an Seife und Reinigungsmitteln, trotz der schmutzigen Arbeit Dienstag, den 24, Februar 1948. Vom frühen Morgen an lebhafter Reparaturzugang, wovon ein guter Teil abgewiesen werden musste. Aehnliche Verhältnisse herrschten in einer Zylinderschleiferei, die wir besuchten. Zu bearbeitende Motorenblocks, Kurbelwellen und Pleuel standen rechts und links längs der Einfahrt bis hinaus ins Freie. An der Bureautür prangte ein Schild: « Auftragsannahme vorübergehend geschlossen! » Meinem Freund L. gewährte man als altem Geschäftsfreund Zutritt in das Bureau der technischen Betriebsleitung, wo ich Gelegenheit hatte, die Beweggründe materieller und personeller Art mit anzuhören, welche die Geschäftsleitung zu dieser Sperre veranlassten. Denn die dem Betrieb durch die Besetzungsmacht auferlegte Arbeitsfülle und die Terminnot lasteten schwer auf ihm. Eine Abschleppung konnte nur unter der Bedingung durchgeführt werden, dass der Fahrzeugbesitzer Benzin und Oel für das Abschleppfahrzeug stellte: eine zonenbedingte Umkehr des Begriffes Werkstatthilfe! Inzwischen meldete der Betrieb, dass das Azetylenflaschengas und der Schweissdraht bzw, das Ersatzmaterial völlig aufgebraucht seien und das6 weitere Schweissarbeiten z. Z. nicht ausgeführt werden können. Im Bureau erläuterte man mir die vielfachen vergeblichen Bemühungen um rechtzeitige Ergänzung, und mit Staunen folgte ich dem Lotteriespiel weiterer telephonischer Bemühungen beim Handwerksamt, Industriekontor usw. Einziger Erfolg: eine befreundete Firma sagte die Lieferung alter Matratzenfedern als Schwei6Sdrahtersatz zu. Auf dem Motorenstand sollte eine Maschine ausprobiert werden] regulären Einlauf kann man sich seit langem schon nicht mehr gestatten, Der Fahrzeugbesitzer hatte aber trotz mehrmaliger Mahnung das dringend benötigte Benzin und Oel noch nicht geschickt. Also zunächst Stopp. Wie es um die Service-Stationen bestellt ist? Aeusserlich, soweit 6ie nicht zerstört sind, bedürfen sie der Renovation, Dabei bleiben sie ausschliesslich auf das Benzingeschäft angewiesen. Winter-, Uebergangs- und Sommeröl kennen die Service-Stationen hier nur noch aus der Vergangenheit, genau wie die verschiedenen Sorten Obenöle, Lackpflegemittel usw Die Eigentumsrechte der grossen Benzingesellschaften gelten bei vielen dieser Stationen als erloschen, Mittwoch, den 25. Februar 1948. Nächtliche Stromausschaltungen haben zu einer Unterbrechung des Ladevorganges in der Akkustation geführt, was unliebsame Aenderungen im Tagesarbeitsplan zur Folge hat. Auch Akkusäure gilt als nur sehr schwer beschaffbar. Eine Chef-Besprechung mit dem Lagerverwalter zeigt mir den fundamentalen Wandel der Funktion eines Ersatzteillagerleitere hierzulande: einst Teileund Fabrikkatalog-Spezialist mit dem Motto: « Nur Original-Ersatzteile », heute darin bloss noch kläglicher Päckchenbezüger, dafür aber Rohmaterialkenner Und fachmännischer Autofriedhofsverwerter. Die Beteiligung an einer Montagefahrt nach auswärts offenbarte mir den Ernst der hier herrschenden Reifenlage. Ein Lastzug mit einem 5-Tonnen- Anhänger hatte bereits am Vortage infolge doppelter Reifenpanne seine Reserveräder montieren müssen, da die nächste Werkstatt wegen Gummimangels nicht hatte helfen können. Nach wenigen Fahrtkilometern waren auch diese mitsamt den Schläuchen defekt, so dass Fahrer und Mitfahrer, um ihre Ladung vor der drohenden Diebstahlsgefahr zu schützen, die ganze Nacht bei strenger Kälte auf freier Strecke verbringen mussten. Wir wollten ihm helfen. Der Anblick der Pneus konnte einen Automobilisten aber in Staunen und Schrekken versetzen. Fast alle, aber auch alle Laufflächen des Zugwagens wie des Anhängers waren bis auf die Leinwand abgefahren. Die Fahrt in eine Vulkanisieranstalt gewährte mir hochinteressante Aufschlüsse: neue Reifen zu kaufen, das •gibt es schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr; Laufflächenprofilierungen können wegen Materialmangels so gut wie nicht ausgeführt werden, und die Vulkanisierwerkstätte ist infolge der völlig unzureichenden behördlichen Materialzuteilung zu privaten Kompensationsgeschäften aus der Westzone gezwungen. Ca. 700 Pneus warten hier zur Zeit auf Reparatur, wochen-, monatelang; die Besetzungsmacht und deren Privatfahrzeuge mussten aber sofort bedient werden. Ventileinsätze galten als « Goldstücke der Automobilbesitzer », und die Zahl der wegen Reifenschaden stilliegenden Fahrzeuge soll sehr beträchtlich sein. Am Spätnachmittag besuchte ich mit L. zusammen den Chef einer Grosswerkstätte. Er berichtete über die am gleichen Tage in seinem Hause abgehaltene mehrstündige Betriebsrat-Bilanz-Sitzung, von weitgehendem Mitbestimmungs- und Wien, Ende April. Wie anderswo, so sind auch in den USA die Strassenverkehrsunfälle heute wieder im Zunehmen begriffen. Als in Philadelphia ein von der Schule heimkehrender Knabe von einem Auto angefahren wurde und bald darauf starb, bildeten die Mütter in der Nähe zweier Schulen am Ort des Unglücks demonstrativ eine Barriere, in deren Schulz die Kinder die Strasse überquerten. Die Wagen (im Hintergrund) mussten eben warten. Kontrollrechten des Betriebsrates. Man kam auch auf die zu «Landeseigenen Betrieben > erklärten Werkfilialen, wie z. B. von Mercedes-Benz, MAN, Adler, Opel, der Auto-Union usw. zu sprechen, die als enteignete Betriebe jetzt alle in einer Industrie - Verwaltungsgruppe Fahrzeugbau zusammengefasst 6ind. Hier wie auch andernorts gewann ich den Eindruck, dass in dieser Hinsicht so etwas wie ein Alpdruck auf den Privatbetrieben lastet. Gemeinsame Materialbeschaffungsfahrt mit L., Besuch mehrerer Maschinenfabriken zur Sonderanfertigung von Ersatzteilen. Wir hatten nur wenig Erfolg, da die meisten Firmen wegen eigenem Materialmangel, vor allem wegen dringlicher, teils ausschliesslicher Reparationslieferung an die Russen, absagten. Ich gewann den Eindruck, die sowletkthen AG. seien verhältnismässig ausreichend mit ^Materialien versorgt, bzw, 6ie besitzen hiezu bevorzu^m Möglichkeiten, während bei den anderen, sogar deh^« Landeseigenen Betrieben •», die Schwierigkeiten der Materialbeschaffung über kurz oder lang zu einer Beschäftungskrise führen werden. ", Bei zwei Firmen war eine Auftragsannahme nur unter der Bedingung zu erreichen, dass die Werkstatt das Rohmaterial, nämlich hochwertigen Chromnickelstahl, liefere. Quintessenz: keine Lösung des Problems, sondern Entstehung neuer Probl£jn$ im Rücken der wartende Kunde oder sogar ein mit Strafandrohung ausgestatteter Fertigstellungsbefehl einer Besetzungsbehörde. OESTERREICH Donnerstag, den 26. Februar 1948. Nach der Rückkehr lag im Bureau eine Einberufung zu einer Gewerkschaftsversammlung für alle Werkstätten vor, trotz grösster Arbeitsfülle. Das bedeutete den Ausfall des Nachmittags der gesamten Belegschaft, wofür der Arbeitgeber aufzukommen hat, Begründung: nach der Arbeitszeit kommen zu wenige! L. beschloss daraufhin, die Zeit zu nutzen und ein paar Autofriedhöfe zu besuchen, die typischen Einkaufsstellen für Originalersatzteile, soweit man sie dort noch findet. Immerhin 6ind manche Friedhöfe schon dazu übergegangen, Teile nur bei Lieferung anderen Materials abzugeben. Freitag, den 27. Februar 1948. Beim Frühstück bin ich Zeuge einer lebhaften Aussprache zwischen verschiedenen Mechanikern und Chauffeuren über die unterschiedlichen Auswirkungen der Zuteilung zusätzlicher Lebensmittelrationen an Gross-, Mittel- und Kleinbetriebe. Ein wiederholtes, lautes « Tawai, Tawai » durchhallte plötzlich die Werkstatt. Ein russischer DKW- Fahrer verlangte sofortige Schnellreparatur. Oesterreichs X-Jahresplan (Spezialbericht für die « A.-R. ») (Schluss auf Seite 22) Die Rationalisierung der Produktion ist für Oesterreich eine der dringlichsten Forderungen unserer krisenreichen Gegenwart. Angesichts der brennenden Aktualität dieses Problems kann man nicht gut von dahin gerichteten spontanen Erwägungen sprechen: es handelt sich einfach um eine pressante Angelegenheit! Jedenfalls ist es im Autobau unter dem Patronat des Bundesministeriums für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung bereits zu einer neuen Zielsetzung gekommen, die für die gesamte Automobilindustrie bindend sein soll. Das scheint um so einfacher, als ja Oesterreichs Industrie praktisch zur Zeit nur noch drei Unternehmungen für Automobilbau umfasst, nämlich Saurer, Steyr-Daimler- Puch und Graf & Stift, Fross-Büssing hat derzeit die Erzeugung völlig eingestellt, Austro-Fiat liegt in der russischen Zone und gilt als deutsches Eigentum, kommt also für eine Gesamtplanung zur Zeit nicht in Betracht. Es war primär die Frage zu beantworten, ob Oesterreich überhaupt eine Autoindustrie braucht, ob sie einer Notwendigkeit entspricht, ob 6ie wirtschaftlich verantwortbar ist. Die Frage wurde bejaht. Das Land hat nun einmal seine alte, sozusagen klassische Automobilindustrie, die man nicht leichten Herzens abbauen kann. Als positiver Faktor wird auch angeführt, dass Oesterreich über Eisen, Holz und Rohöl verfügt. Unter diesen hier nur roh skizzierten Voraussetzungen wurde nun von den drei verbliebenen Automobilfabriken im engen Einvernehmen mit dem Planungsministerium, auf Grund einer eingehenden Bedarfsanalyse ein Kollektivprogramm festgelegt, wobei auch ein ziemlich bedeutender Export in die Berechnungen einbezogen ist. Das Ziel war eine möglichst weitgehende Typenbereinigung, zu der man ohne äusseren Zwang in gegenseitigem Einvernehmen gelangen will. Typenmässig ergab sich zunächst eine Klarstellung insofern, als die Produktion von Personenwagen und leichten Lieferwagen vorläufig überhaupt zurückgestellt wurde. Es verblieb schliesslich folgendes Grundprogramm: Steyr: Traktor und 3-Tonnen-Die6el (Lastwagen und Autobus); Saurer: Vorläufig noch 5-Tonnen-Diesel, ab etwa 1949 ein moderner 5J^-Tonnen-Diesel (Lastwagen und Autobus); Graf & Stift: Auch weiterhin noch Autobusse, Omnibusanhänger und Trolleybusse, Aus Gründen .einer günstigen Preisgestaltung wurden nur Fahrzeuge in die Planung einbezogen, für die auf Grund ihrer Qualität und ihrer konstruktiven Grosse auch im Ausland mit Abnehmern zu rechnen ist. Interessant und für die Planung wichtig war das von Steyr verfolgte System des Aufbaumotors, Als Ausgangsform darf der bekannte Zweizylindermotor des Steyr-Diesel-Traktors gelten, von dem aus eine Reihe anderer Motoren unter Beibehaltung vielfach gleicher Bauelemente entwickelt werden konnten. Man plant neben dem Zweizylindermotor (26-PS-Dieseltraktor) einen Vierzylinder (85-PS-Lastwagen, und aufgeladen 110 PS für Autobusse) und einen Sechszylindermotor (125 PS als Exportmotor und aufgeladen 160 PS für schwerere Fahrzeuge anderer Firmen. Der letztgenannte Motor würde als Aggregat für jene Firmen — d. h. also praktisch für Graf & Stift — bereitgestellt, die nur mit so geringen Stückzahlen arbeiten, dass die Entwicklung und die Produktion eines fabrikeigenen Diesels nicht lohnen würde). Es werden vorläufig 500 Zweizylinder, 200 Vierzylinder und 50 Sechszylindermotoren pro Monat als Endziel gesetzt. Die Planung hindert Graf & Stift nicht, seine Entwicklungsarbeiten an einem modernen, selbsttragenden Ganzstahlgerippebau fortzusetzen. Saurer zeigt seinen kommenden 5M-Tonner schon in einem Prototyp in der Wiener Automobilausstellung. Das Unternehmen wird sich ganz auf den Bau schwerer Nutzfahrzeuge bei monatlichen Stückzahlen von 100, vielleicht auch mehr bis zu 200, beschränken. Dieser Gesamtplan ist nicht befristet, weil seine Erfüllung in hohem Masse von der Rohstoffversorgung abhängt. Da aber Faktoren hineinspielen, auf die die Industrie keinen Einfluss zu nehmen vermag, musste man auch den Faktor « Zeit » als eine vorläufig noch unbekannte Grosse bestehen lassen. e. s.