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E_1948_Zeitung_Nr.022

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22 AUTOMOBIL-REVUE

22 AUTOMOBIL-REVUE MITTWOCH, 12. MAI 1918 - Nr. 22 Die fortdauernde Diskussion um weitere italienische Benzinpreiserhöhungen, weitreichende Pläne der Regierung ZUT Erhöhung der Produktionskapazität der Raffinerien und schliesslich die internationalen Projekte einer Versorgung des europäischen Treibstoffmarkte6 mit in Italien raffiniertem Nahostöl haben die italienische Treibstoffwirtschaft eeit dem vergangenen Herbst in den Mittelpunkt eines weiten internationalen Interessenfeldes gestellt. Gleichzeitig ist die inneritalienische Oelpolitik durch die neuerliche Zusammenarbeit mit ausländischem Kapital und verstärkten Bohrungen auf der Apenninhalbinsel in eine neue Phase getreten. Die zumindest zeitweise Schwerpunktverlagerung de« italienischen Verkehrswesens von der Schiene auf die Landstrasse und die damit verbundene Erhöhung des Lastwagenbestandes hat zu einer erheblichen Verbrauchs6teigerung auf dem Treibstoffsektor geführt. Betrug der normale Bedarf der italienischen Wirtschaft an Erdöl und Erdölderivaten vor dem Krieg 2,3 Mill. t jährlich, so wurde für das abgelaufene Jahr 1947 ein offizieller Ge«amtverbrauch von 2,1 Mill. t angegeben, doch liegt, wenn man den in grossem Stil organisierten Schwarzhandel berücksichtigt, der tatsächliche Verbrauch wohl mindestens bei der Vorkriegsgrenze von 2,3 Mill. t. Das amerikanische Hilfsprogramm für Europa versucht in seinen Planungen und in den jetzt auch bereits einsetzenden Lieferungen der italienischen Bedarfslage gerecht zu werden. Für die Jahre 1949 bis 1951 ist denn auch eine durchschnittliche Einfuhr von jährlich 5,44 Mill, t nach Italien vorgesehen. Die italienische Eigenversorgung, die trotz grosser Bemühungen nur jährlich 25 000 t oder unter 1 % des nationalen Bedarfs erreicht, fällt in keiner Hinsicht ins Gewicht. In klarer Erkenntnis der Abhängigkeit und der Notwendigkeit einer Koordinierung der eigenen Interessen schuf die Regierung 1945/46 das sogenannte Comitato Italiano Petroli (CIP) als temporäres staatliches Interventionsorgan für die Einfuhrlenkung und die Verteilung der Erdölprodukte innerhalb des Landes. In der Hand dieses Komitees ist denn auch die Verteilung der ITALIEN Treibstofflager Italien (Von unserem Römer Korrespondenten) Treibstoffe grossenteils konzentriert, und seiner Intervention ist es zuzuschreiben, wenn der Tankwagenbestand der Staatsbahnen wieder auf 2200 Einheiten gebracht und gleichzeitig ein bedeutender motorisierter Tankwagenpark geschaffen wurde. Nahostoel für Europa. Neben dieser Tein internen Konzeption laufen die Pläne, welche die Grossen der Weltölpolitik gegenwärtig um Italien hegen. Es geht dabei um nichts Geringeres als die Nutzbarmachung der relativ grossen und modernen italienischen Raffinationsindustrie für das nahöstliche Rohöl und die unmittelbare Versorgung des europäischen Treibstoffmarktes mit diesen Oelprodukten. Da im Mittelmeerraum relativ wenig grosse Oelraffinerien vorhanden sind, erweist sich die italienische Oelverarbeitungsindustrie als besonders für diese Aufgabe geeignet. Als erste Firma bot die Anglo-Iranian, an der die britische Admiralität massgebend beteiligt ist, den Italienern die Chance, einen grossen Teil des nahöstlichen Petrols in Italien verarbeiten zu lassen. Schon im Juni 1947 wurde eine entsprechende Gesellschaft, die IROM (Industrie Raffinazione Olii Mineral!) gegründet, Von dem 509 Mill. Lire betragenden Anfangskapital übernahm die italienische Regierung 51 % der Aktien. Von italienischer Seite wurden die zu Anfang 1947 wieder völlig hergestellten Raffinierungsanlagen von Porto Marghera in die neue Gesellschaft eingebracht. Inzwischen treffen die Tanker der Anglo-Iranian laufend in Porto Marghera ein. Die dort erfolgende Verarbeitung des Oels gilt aber lediglich als erster Schritt für künftige Unternehmungen von weitaus grösserem Umfang. Aehnliche Absichten beherrschen die französisch-italienische Gesellschaft Apri-Deliom, deren Raffinerie in Genua französisches Nahostöl verarbeitet. Die Produktion soll schon in den nächsten Jahren teilweise nach Frankreich und in andere europäische Länder gehen Vom britischen Beispiel angeregt, zeigen jetzt auch die Amerikaner nicht übel Lust, sich in steigendem Masse der italienischen Erdölraffinerien zu bedienen. Bei einer ebenfalls im Sommer und Herbst 1947 geschaffenen Gemeinschaftsgründung brachte die italienische Regierung in die neue Gesellschaft, hinter der amerikanischerseits die Standard Oil Co. steht, die während des Krieges schwer angeschlagenen Raffinerien von Bari und Livorno ein. -'•' Ausbau der Raffinerien. Für die gegenwärtig bereits in Angriff genommenen, geschweige denn für die künftigen Pläne, reichen die vorhandenen Raffinerien keineswegs aus. Die 14 grossen und mittelgrossen Anlagen, über die Italien jetzt, nach der Beseitigung aller Kriegszerstörungen wieder verfügt, besitzen eine Kapazität von 2,18 Mill. t im Jahr. Seit Januar 1948 sind indessen nicht weniger als 8 Anträge zur Errichtung neuer Raffinerieanlagen von einer Kapazität von insgesamt 3,2 Mill, t genehmigt worden, ebenso wie zahlreiche Pläne für Werkerweiterungen, Es handelt sich dabei um neue Raffinerien in Mailand, in Vercelli, in Mantua, in Falconara, um zwei Raffinerien bei Florenz sowie um eine Anlage bei Neapel. Darüber hinaus ist eine Kapazitätsausweitung der Hydrieranlagen von Bari und Livorno um je 500 000 t auf 1,5 Mill. t jährlich vorgesehen. Mit Fertigstellung dieser Anlagen würde Eine Werkstattwoche in der Ostzone (Schluss von Seite 21) «Nur 5 Minüt, nur 5 Minüt». Aber was war los? Der Zweitakter war mit stark rohölverdünntem Benzin gefahren worden; er hatte Kurbelwellenschaden, und die weitere Prüfung ergab ausserdem: Vorderfederbruch, gewaltsame Zerstörung der elektrischen Leitung am Armaturenbrett und gefährliches Spiel in den Vorderachskugellagern — und das alles sollte « in 5 Minüt » behoben werden! Diese technische Unmöglichkeit löste L. in der Weise, dass er mit seinem letzten Benzin den Wagen in die « Russische Werkstatt » am Platze abschleppen Hess, wohin ich mitfuhr. Man stelle sich darunter eine rein deutsche Werkstatt vor, die zur Instandsetzung russischer Motorfahrzeuge verpflichtet ist. Der Werkstatthof bot den Anblick eines grossen Auto-Friedhofes, und zwischen wartenden russischen Offizieren und Zivilpersonen einerseits und dem deutschen Werkstattpersonal anderseits ging es sehr lebhaft zu. Der stille Beobachter konnte bei den anfeuernden « Taway, Taway »-Rufen beidseits eine gewisse Nervosität und Spannung beobachten. Sonnabend, den 28. Februar 1948. Ein guter Teil des Vormittags war meinen Abreisevorbereitungen gewidmet. Als ich gegen 11 Uhr zu L. ins Bureau kam, hatte ich Gelegenheit, eine 1947er Bilanz- und Steuerabschlussbesprechung mit anzuhören, die folgendes Ergebnis auswies: eine Gesamtkapazität von 8,22 Mill. t erreicht, die bei einem Durchschnittsertrag an raffinierten Erzeugnissen von 85 % immerhin fast 6,9 Mill. t Erdölderivate produzieren könnten. Das wären annähernd 1,4 Mill t mehr als der Marshall-Plan für Italien vorsieht. Ausfuhrabsichten. Diese Zahlen lassen bereits einen beträchtlichen Ueberschuss Italiens an Oelprodukten erkennen. Sowohl die englische wie auch die nordamerikanische und nicht zuletzt die französische Beteiligung haben ausdrücklich auf die Ausfuhrmöglichkeiten hingewiesen, die allerdings erst nach der vollständigen Deckung des italienischen Bedarfs. ausgeschöpft werden sollen. Neben Frankreich fallen für diese Exporte in erster Linie die Schweiz und Oesterreich, auf längere Sicht auch zweifellos Deutschland, in Betracht. Die Italiener setzen sehr grosse Hoffnungen in eine derartige künftige Entwicklungsmöglichkeit, würde doch damit die Treibstoffsituation des Landes, die von Natur aus sehr prekär ist, endgültig gefestigt. Lpk. Der Reparaturumsatz 1947 gegenüber 1946 ist fast gleich geblieben; die Werkstattleistung und die Fremdarbeitsleistungen sind zu Hauptträgern des Geschäfts geworden. Völlig ausgefallen sind dagegen im Vergleich zu 1938 der Neuwagenverkauf, der Altwagenhandel, der Zubehör- und Ersatzteilverkauf ausserhalb der Werkstatt, der Verkauf von Reifen, Benzin und Oel. Die eigene Servicestation dient nur Einlagerungszwecken und liegt damit praktisch brach. Diese totale Funktionsumkehr erforderte von der Betriebsleitung ein hohes Mass von geschäftlicher Anpassungsfähigkeit. In der dem gesteigerten Arbeitstempo völlig zuwiderlaufenden Entwicklung der Materialversorgung, verbunden mit der Unmöglichkeit dringend notwendiger Erneuerungen liegt eine Diskrepanz, die dazu führt, dass die Menschen der Ostzone oft von wirtschaftlicher Sinnlosigkeit all ihrer Mühen sprechen. Kustos. Produktionssteigerung beim Volkswagenwerk Nachdem Mitte Januar der 20 OOOsle Nachkriegs-Volkswagen das Werk verlassen konnte, wurde die Produktion seither weiter gesteigert. Im Februar verliessen 1108. im März 1200 Wagen das Werk. Für den April belief sich die Produktion bereits auf 1300 Volkswagen und soll jetzt auf 1500 Stück je Monat gesteigert werden. Davon gehen rund 400 pro Monat an die Besetzungsmächte, bis der alte Rückstand aufgeholt ist. Der Rest steht (ür den Inlandsbedarf, bzw. Export zur Verfügung. Augenblicklich beträgt der Exportpreis 800 Dollar. Gebrauchte MOTORRAD- TEILE aller Marken R. 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Nr. 22 - MITTWOCH, 12. MAI 194s AUTOMOBIL-REVUE 23 Zum erstenmal in der Nachkriegszeit: Verkehrserziehung in Wien Trotz des Kampfes, den die Wiener Polizei in den Vorkriegsjahren gegen die Disziplinlosigkeit im Strassecverkehr führte, konnte sie nicht verhindern, dass die Unfallziffer im letzten Friedensjahr mit fast 670O (bei 118 Toten und fast 5000 Verletzten) einen Höchststand erreichte, demgegenüber andere Großstädte Europas relativ erheblich besser dastanden. Mit dem Krieg sank naturgemäsis die Verkehrsunfallhäufigkeit, gleichzeitig aber wuchs auch die Unachtsamkeit und Sorglosig- An den Gartenzäunen mehrerer Wiener Parks oder auch am Slrassenrand waren fliegende Ausstellungen von Verkehrssignalen eingerichtet, bei denen Polizisten bereitwillig «Nachhilfestunden» erteilten, wie unser Bild zeigt, worauf eine biedere Frau interessiert die Zeichen betrachtet, deren Sprache sie nur schwer versteht. keit der FussgSnger, die, gemessen an anderen europäischen Beispielen, sicherlich zu den « unerzogensten » gehören. Eine auf 20 Jahre sich erstreckende Statistik der Wiener Polizeidirektion., die über bestimmte Einzelheiten des Unfalls Bescheid .gibt, zeigt z. B., dass in nicht weniger als 75 % der Verkehrsunfälle die Nichtbeachtung der Verkehrsvorschriften Ursache des Unfalls ist und dass die Beteiligung der Fussgänger mehr als 78 % beträgt, also weit mehr wie in einer amerikanischen Großstadt, wo sie sich um ca. 50 % herum bewegt. Mit dem Einsetzen eines durch die alliierten Fahrzeuge gesteigerten Autoverkehrs in der Nachkriegszeit begann aber auch die Unfallkurve neuerdings stark anzusteigen. Die fast 6000 Unfälle des Jahres 1946 forderten mit nahezu 400 Toten das Vierfache des Vorkriegsdurchschnittes. Und auch im Jahre 1947 sank diese Ziffer nur unwesentlich. Allerdings stand in den ersten Nachkriegsjahren die Wiener Polizei fast ohnmächtig neuen, ungewöhnlichen Problemen gegenüber. In erster Linie war es hier die wilde Fahrerei der meisten Militärchauffeure der russischen Besetzungsmacht, die nicht nur in der russischen Zone Oesterreichs, sondern auch in Wien selbst zahlreiche Unfälle hervorrief, welche meist gar nicht aufgenommen werden konnten. Hierher gehörten' aber auch — zumindest anfänglich — die Raserei gewisser amerikanischer Jeeps und nicht zuletzt die Eigenheiten der Signalgebung und der Fahrweise der Alliierten. Es kam schließlich fast .zu der grotesken Situation, dass in jeder der vier Besetzungszonen Wiens ein anderes oder gar kein Verkehrsrecht galt und alsbald auch einzelne Besetzungsmächte neue, ei- Pariser Verkehrserziehung 85127 Strafmandate in sechs Monaten Die Pariser Polizeipräfektur hat in den letzten sechs Monaten des Jahres 1947 nicht weniger als 85 127 Strafmandate erlassen müssen, davon 34 000 allein wegen unbefugten Parkens. Wiewohl der Automobilveirkehr der französischen Hauptstadt zur Zeit noch weniger dicht ist als im Hochsommer 1947, hat die Polizei ihre Wachsamkeit auf Strassen und Plätzen in den letzten Wochen wesentlich verschärft. Ueberall sind fliegende Kontrollen gene Verkehrssignale aufstellten und ..Höchstgeschwindigkeiten dekretierten. Darüber nahm die amerikanische Militärpolizei eine Zeitlang auch die Verkehrskontrolle in ihre Hände, und das Schnellgericht im Auerspergpalais mag für manchen Wiener Autofahrer in wenig angenehmer Erinnerung geblieben sein. Wohl zeitigte diese « Erziehung »