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E_1948_Zeitung_Nr.019

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Dio Administration s Nr. 19 - BERN, Mittwoch, 21. April 1948 44. Jahrgang Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schwellt ABONNEMENTS-PREISE: halbjährlich Fr. 6.30 fährUch Fr. 12.60 Erschein! Jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr.97. Bern Telephon (031) 2 82 22 - Postcheck III414 • Telegramm-Adreue: Autoren», Ben Geschäftestelle Zürich: Löwenstruse 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nun hohe Grnndzeile oder deren Ranm 60 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratenschills» Freitag 12 00 Uhr Einseitig festgefahren Der Gotthard soll auf Pfingsten wieder fahrbar sein W ihrer Aufgabe Nr. 47 rom 9. April veröffentlichte die « Neue Zürcher Zeitung » einen aus der Feder des Sekretärs des Schweizerischen Strassenverkehrsverbandes, Dr. A. Raaflaub, stammenden Artikel «Die Automtfbilwirtechaft zur Bundesfmanzreform». Darin umschrieb der Verfasser in sehr massvoller Form die Stellungnahme der Organisationen des Straßenverkehrs zu den Vorschlägen des Bundesrats für die Bundesfmanzreform. Ausgehend von einer Gegenüberstellung der Einnahmen des Bundes aus der Fiskalbelastung des Automobils — die sich im Jahre 1947 auf 130 bis 140 Mill. Fr. beziffern — mit dessen heutigen Leistungen für den Strassenbau in der Höhe von ganzen 17 Mill, Fr., skizzierte er das Bild der neuen Finanzpolitik des Strassenwesens, wie es sich aus der Botschaft über die Bundesfinanzreform ergibt. Wenn sich, so schrieb er, die Stra6senverkehrsverbände mit der von 1950 an vorgesehenen, sehr bescheidenen Erhöhung der Bundesleistungen an die Kantone um bloss rund 4 Mill. Fr. — nämlich 24,1 Mill. Fr. gegen etwa 20 Mill. Fr. im Jahre 1939 — nicht einverstanden erklären können, sondern die Ausrichtung, vermehrter Strassen'beiträge aus den sehr hohen Bundeseinnahmen aus der Automobilwirtschaft erwarten, weil sonst eine aktive Strassenbaupolitik ein. Ding der Unmöglichkeit wird, dann knüpfte Dr. Raaflaub daran den Hinweis, dass sich die genannten Organisationen zur Ergreifung einer Initiative und zur Herausgabe der Verwerfungsparöle gegenüber der Bundesfinanzrefonn gezwungen sehen werden, sofern Bundesrat und Parlament für ihre Auffassung kein Verständnis zeigen. «Verhandlungen sind aber heute noch möglich. Vielleicht führen sie noch zu Ergebnissen, welche Auseinandersetzungen auf dem Fechtboden der verfassungsmässig gewährleisteten VolksTechte unnötig machen », 6chloss der Verfasser seine Ausführungen. Die Redaktion der « NZZ» glaubte nun diesem Artikel ein Vorwort vorausschicken zu müssen, worin sie den Verfasser und zugleich auch die Strassenverkehrsverbände u. a. mit der Bemerkung abkanzelte, man sollte 6tch auch in diesen Kreisen klar darüber sein, da6s wir mit einer rein gruppenegoistischen Einstellung nie zu einer Neuorientierung der Bundesfinanzen auf rechtsstaatlicher Grundlage gelangen werden. Wenige Tage darauf erschien in den Spalten des selben Blattes ein von Kreisdirektor Dr. Berchtold verfasster Aufsatz, der sich vom Standpunkt der Bahnen aus mit dem Problem der Bundesfinanzreform auseinandersetzte, ohne dass es der Redaktion eingefallen wäre, ihn dem Leser als Aeusserung einer Interessengruppe vorzustellen, was sie anständigerweise hätte tun müssen, wenn sie es schon für richtig erachtete, in bezug auf die Postulate des Strassenverkehrs von .gruppenegoistischer Einstellung zu reden. Zu diesem Verhalten der Schriftleitung des Zürcher Blattes und zur-Mentalität, die sie hier verrät und die ihr im automobilistischen Lager denn auch entsprechend vermerkt worden ist, wäre einiges zu sagen; Zunächst in journalistischer Hineicht. Uns will bedünken, es sei mit den elementaren Grundsätzen des fair play unvereinbar, einen Autor — wie es im vorliegenden Falle-geschehen ist — um einen Beitrag zu ersuchen, nur um dann die Veröffentlichung zu seiner Anprangerung zu benützen. Es wirft doch ein sehr eigentümliches Licht auf die « Unvoreingenommenheit » des Blattes und seiner Redaktion, wenn diese einen Exponenten des Strassenverkehrs einlädt) dessen Ansichten zur Frage der Bundesfinanzreform zu begründen, seine Darlegungen aber, bevor er nur zu Worte kommt, durch eine redaktionelle Vorbemerkung in den Augen des Lesers herabmindert. Denn um das und um nichts anderes geht «s hier. Eine solche Art von Journalistik aber darf nicht erwarten, stillschweigend hingenommen zu werden. Neben dem Verfasser des Artikels will ja das Blatt mit seinem hämischen und sachlich zum Widerspruch herausfordernden Vorwort den Strassenverkehr selbst in seiner Gesamtheit treffen. Des «Gruppenegoismus» wird er bezichtigt. Nun, inzwischen hat die Studienkommission für den schweizerischen Strassenbau getagt, worin die kantonale Baudirektorenkonfereaiz und die interkantonale Kommission für das Motorfahrzeugwesen eine massgebende Rolle spielen. Dort wie hier sitzen ausnahmlos Vertreter der Behörden, deren Aufgabenkreis die Probleme des Strassenbaues und des Strassenverkehrs umfasst, Männer also, die sich als Organe des Staates mit diesen Dingen befassen. Auch die Studienkommission erachtet die im Rahmen der Bundesfinanzreform Vorgesehenen Beiträge an das Strassenwesen der Kantone als ungenügend und fordert vom Bund 'bedeutend grössere Mittel, namentlich im Hinblick auf die dringende Notwendigkeit des Talstrassenausbaues. Weshal'b sie beschlossen hat, den parlamentarischen Kommissionen für die Neuordnung der Bundesfinanzen ihre Begehren um Gewährung höherer Bundesbeiträge an den Strassenbau in einer Eingabe zu unterbreiten, die, wie man hört, auf einen erheblich schärferen Ton abgestimmt sein soll als alle Aeusserungen der FRS, worin sie sieb zu diesem Fragenkomplex vernehmen Hess. Wohlverstanden, es sind in erster Linie offizielle Persönlichkeiten, es 6ind Amtspersonen, welche diesen resoluten Vorstoss gegen dem Plan zur Bundesfinanzreform unternehmen und auf den Busch klopfen, um Bundesrat und Parlament dazu zu bringen, einen grösseren Anteil der Bundeseinnahmen aus der Automobilwirtschaft zur Finanzierung des Strassenbaues an die Kantone zurückfliessen zu lassen. Vertreter und Hüter der Kantonsinteressen fordern das. « Gruppenegoismus »? Dass sich das Zürcher Blatt sehr ungnädig gebärdet, wenn der Strassenverkehr verlangt, im Zuge der Neugestaltung der Bundesfinanzen endlich etwas mehr zu seinem Recht, d. h. zur Zuwendung eines grösseren Anteils der von ihm an die Bundeskasse abgelieferten Millionen aus Treibstoff-, Autozöllen usw. für Strassenbauzwecke zu gelangen, wird erklärlich, so man sich der Haltung erinnert, welche die «NZZ» in den grossen verkehrspolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre eingenommen hat. Es mag in diesem Zusammenhang angebracht erscheinen, der Tatsache Erwähnung zu tun, dass ihrer Redaktion der aus dem Beamtenstab der Generaldirektion der SBB hervorgegangene und jetzt wieder, als Kreisdirektor III, in deren Schos6 zurückgekehrte Dr. Berchtold angehört hat. Die Beziehungen zu «seinem » Blatt sind indessen, wie Beispiele lehren, recht eng gebliebein. Nach den Ursachen zu fragen, welche die « NZZ » dazu geführt haben, die Auffassungen und Begehren des Strassenverkehrs zum Problem der Bundesfinanzreform diffamierend als Ausfluss einer gruppenegoistischen Gesinnung hinzustellen, davon kann man absehen. Wundern darf man sich aber nicht, wenn sich nach solchen Diskriminierungen in automobilistischen Kreisen die Ansicht festsetzt, das zitierte Blatt anerkenne lediglich das Interesse der Bahnen als allgemeines Landesinteresse. Als ob dieses, mit Rücksicht auf die wirtschaftliche wie die militärische Landesverteidigung, nicht ebensosehr einen möglichst grossen Motorfahrzeug* bestand und leistungsfähige Strassen verlangte! Will man an den Erfahrungen des letzten Weltkrieges geflissentlich vorbeisehen? Denn allerdings haben sie mit drastischer Einprägsamkeit gelehrt, wie leichtverletzlich die Bahnanlagen sind (ganz besonders elektrifizierte) und wie gründlich mit relativ einfachen Mitteln der Bahnbetrieb gelähmt werden kann. Noch heute leiden europäische Län- Die Gotlhardjlrnsse soll auch dieses Jahr wieder auf Pfingsten dem Fährverkehr geöffnet werden. Heute liegt jie tat allgemeinen noch unter einer hohen Schneedecke, wie unser Bild zeigt, das vor einer Woche in der Gegend der Grent« Uri-Ttisin aufge* ?mmen wurde. Etwa 4 m hoch ist an dieser Stelle die Schneeverwehung, währenddem andernorts die Strosse stückweise bereits freiliegt. der, über die der Krieg hinweggegangen, schwer an den Folgen dieser Zerstörungen. Die Strassen und den Strassenverkehr aber vermögen Kriegshandlungen weit weniger in Mitleidenschaft zu ziehen. Sie können ihn wohl 'belästigen, aber nicht unterbinden, weil er leichter Ausweichmöglichkeiten findet. Und was das Motorfahrzeug als Mittel der wirtschaftlichen Landesverteidigung angeht: sind die unersetzlichen Dienste schon in Vergessenheit geraten, die es während der Kriegsjahre unserem Lande dadurch geleistet hat, dass es mithalf, die Versorgung sicherzustellen und dass es Transporte ausführte, wofür die Bahn versagen musste? Dort wie hier fällt dem Strassenverkehr neben der Schiene — deren Existenzberechtigunig kein vernünftiger Automobilist in Zweifel zieht — eine Mission von lebenswichtiger Bedeutung für unser Land zu. Daraus erhellt die Notwendigkeit und Wichtigkeit eines zeitgemSss ausgebauten und unterhaltenen Strassennetzes. Strassen 6ind genau so gut wie die Bahnen Verkehrsträger erster Ordnung und damit Diener an der Gesamtheit des Volkes. Nur sture Einseitigkeit kann - diese fundamentale Tatsache leugnen, nur sie bringt es fertig, das Postulat nach besseren Strassen und damit nach erhöhten Subsidien des Bundes al« « Gruppenegoismus > abzutun. Dass dieser Vorwurf völlig danebentrifft, dafür sei ein 6o unverdächtiger Zeuge wie die Fachkommission des eidg. Oberbauinspektorates zitiert, die in den Sohlussfolgerungen ihres Berichtes über den Ausbau der Hauptstrassen schreibt, es gehe aus ihren Untersuchungen hervor, dass der weitere Auebau des vorgeschlagenen Netzes eine objektive. Notwendigkeit darstelle und dass er um so dringender werde, je besser sich die allgemeine Wirtschaftslage entwickle. Noch eine weitere Seite des brennenden Probleme « Strassenausbau » sei zum Schluss kurz berührt. Es springt in die Augen, dass die Anpassung unserer Strassen an den in unaufhaltsamem Aufschwung begriffenen Verkehr — allein im letzten Jahr erfuhr unser Motorfahrzeugpark einen Zuwachs um rund ein Viertel gegenüber 1946 — wirksam mit dazu beiträgt, die Unfallgefahren zu vermindern. Im Kampf gegen den Tod auf der Strasse vereinigen 6ich aber die Bemühungen aller Kreise unseres Volkes. So gesehen gewinnen die Forderungen der Strassenverkehrsverbände auch eine eminente volkshygienische Tragweite, Der Strassenbenützer wird sich daher seinen eigenen Vers dazu machen, was es heisst, auch diese gewollte Auswirkung der auf eine Intensivierung des Strassenausbaues abzielenden Begehren mit dem herabsetzenden Ausdruck « Gruppenegoismus > zu belegen. Die Durchführung der schweizerischen Verkehrszählungen In einem orientierenden Artikel (« A.-R. » Nr. 8 vom 25. Februar) legten wir den Zweck der dritten, gesamtschweizerischen Verkehrszählungen dar, die erstmals auf Erhebungen über die Herkunft der Fahrzeuge erweitert werden, um die verkehrspolitische Bedeutung des Strassenverkehrs erfassen zu können. Aus dieser doppelten Zielsetzung, Material über das Verkehrsvolumen und dessen Struktur zu sammeln, ergeben sich auch die Anleitungen für die Durchführung, deneil die Vereinigung Schweiz. Stras6enfachmänner (VSS) und die Baudirektorenkonferenz ihre Zustimmung erteilt haben. Die Verkehrszählungen finden im Zeitraum April 1948 bis Februar 1949 in allen Kantonen nach einheitlichen Gesichtspunkten statt. Während die VSS die umfangreichen Vorbereitungen betreut und später auch die Auswertung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Ergebnisse besorgen wird, ist die Durchführung der eigentlichen Zählarbeit Sache der Kantone. Drei verschiedene Zählungen sind vorgesehen: 1. Hauptzählungen: Längs der Alpenstrassen und längs jener Hauptstrassen, die im Bundesratsbeschluss vom 3. Dezember 1943 betr. Durchgangs- und Zufahrtsstrassen besonders aufgeführt sind sowie nach dem Gutdünken der Kantone auch auf andern wichtigen Strassen werden rund 400 Hauptzählstellen, nämlich ungefähr 300 im Flachland und über 100 im Alpengebiete, eingerichtet. Ihre Aufgabe besteht darin, nicht nur die örtliche und zeitliche Verteilung des Verkehrs, son- Vorarbeiten für ein europäisches Fernverkehrsstrassennetz Unsere Automobil-Aussenhandelsbilanz im 1. Quartal 1948 Sportnachrichten Rund um den Basler Bundesbahnhof (II) Schiene und Strasse in Frankreich Öl aus dem Mittleren Osten Der Hercules-Dieselmotor Der «Microma»-Schiebermotor Auto-Magazin