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E_1948_Zeitung_Nr.024

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14 AUTOMOBH^REVUE

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UI. Blatt BERN, 26. Mai 1948 AUTOMOBIL-REVUE III. Blatt BERN, 26. Mai 1948 Adam Opel AG. ein Beispiel für den industriellen Aufbau im besetzten Deutschland Die Vorkriegsentwicklung, Wir müssen mit einem historischen Rückblick beginnen. Er dient dazu, die Bedeutung eines Werkes zu unterstreichen, das unter den schwierigsten Bedingungen verwirklicht wurde. Zu diesem Behuf heisst es bis in die Zeit unserer Grossväter zurückblicken. Es war im Jahre 1862, als der Mechaniker Adam Opel im Dorfe Rüsselsheim am Main seine erste Nähmaschine konstruierte. 25 Jahre später gab es bereits eine Aktiengesellschaft Adam Opel, welche den Bau von Fahrrädern auf industrieller Basis unternahm. 1897, in der « Steinzeit» der Automobilindustrie, montierten Adam Opel und seine Söhne bereits den ersten Personenwagen, und im Jahre 1924, unmittelbar nach einem Krieg, der die materielle Grundlage der Werke unberührt gelassen hatte, begann man in Riiseelsheim mit der Serienfabrikation moderneT Automobile. Vier Jahre nachher, 1928, erwarb die « General Motors Corporation » (Detroit) die Aktienmehrheit der Opel-Gesellschaft, und unter der Aegide der Amerikaner wurden die Rüsselsheimer Werke nicht nur renoviert und von Grund aus modernisiert, sondern auch vergrössert und einer durchgehenden Rationalisierung der technischen und organisatorischen Methoden unterzogen. 1938 überstieg die Gesamtoberfläche des Unternehmens 1 735 800 m 8 . 11,2 km Bahnanschlüsse, ein spezieller Verladebahnhof für das Werk und ein kleiner Umschlaghafen am Mainufer haben nach und nach die industrielle und verkehrstechnische Basis dieses Werkes verbreitert. Seine Produktion erreichte im Jahre 1938 mit 118 783 Fahrzeugen, davon 114 203 Personenwagen und 4580 Nutzfahrzeugen, einen regelrechten Europarekord. Auch die Schweiz zählte damals zu den bedeutendsten Kunden dieses Werks. (Von unserem Sonderberichterstatter) Die Maschinenhalle im Presswerk. Zerstörungen und Wiederaufbau. Bei Kriegsbeginn durfte man die Rüsselsheimer Werke zu den modernsten Automobilanlagen Westeuropas zählen. Aber das umfangreiche Areal zu beiden Seiten der Eisenbahnlinie Frankfurt—Mainz erlebte insbesondere während der Jahre 1944/45 schwere anglo-amerikanische Bombardements. Der hierdurch verursachte Schaden verteilte sich zu etwa 48 % auf die Gebäude, zu etwa 20 % auf die Einrichtungen und zu 15°/o auf die einzelnen Maschinen, doch Hessen sich die Beschädigungen an der mechanischen Einrichtung mit Ausnahme einer grossen, dem Bau von Motoren gewidmeten Halle und eines Teiles der Grosspressen im Stanzwerk relativ rasch reparieren (wie denn überhaupt die Grossbombardements während des Krieges gezeigt haben, dass solide Werkzeugmaschinen selbst beim völligen Einsturz von Gebäuden verhältnismässig heil davonkommen!). Der äussere Anblick, den die Werkanlage im Frühjahr 1948 bot, war denn auch im ganzen durchaus normal. Allerdings mussten Tausende von Arbeitern und Technikern während mehr als einem Jahr sehr oft mit nur. behelfsmässigen Mitteln und Ersatzmaterial Tag und Nacht schaffen, um Gebäudeschäden auszumauern, Dächer zu flicken leere Fensterhöhlen, deren Scheiben zersprungen waren, wieder zu schliessen und VOT allem die riesigen Trümmerfelder systematisch auszuräumen. Was zur 'Zeit'den ~ Opel-Werken am meisten mangelt, sind Rohstoffe, Halbfabrikate und Fertigprodukte für die Innenausstattung der Personenwagen. .Fehlt es im Rahmen des möglichen auch nicht an Gusseisen und Stahl — Aluminium, dessen Fabrikation bisher verboten war, kommt nur in ganz geringen Mengen iri Frage — so müssen die vorgegossenen Stücke, die vor dem Kriege in zwei werkeigenen Betrieben vorfabriziert wurden, heute bei 17 verschiedenen Lieferanten bestellt werden, die sich über die drei Westzonen verteilen. Die benachbarten Werke der München-Augsburger Maschinenfabrik liefern allerdings vorfabrizierte Chassisteile fabrikfertig. Im ganzen stellte 6ich aber in den vergangenen zwei Jahren die notorische Knappheit an Securitglas, Stoffbezügen für die Innensitze und Holz für die Lastwagenkasten, ebenso wie der Mangel an Bereifung jeder methodischen Steigerung des Wagenbaus als Dauerhindernis entgegen. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, mussten beträchtliche Aenderungen an der technischen Struktur der Werke vorgenommen werden. Ein Beispiel: Die Radscheiben, die Opel vor dem Krieg durch ein Spezialwerk geliefert erhielt, das heute in der russischen Zone Hegt, werden jetzt im grossen Blechstanzwerk in Rüsselsheim selbst profiliert und gestanzt, ebenso wie die Windungen für die Kühlschränke vom «General-Motors »-Typ. Anderseits hat die beinahe hundertprozentige Mechanisierung der Produktion nach modernsten technischen Methoden nicht nur die Ausbesserung der Gebäudeschäden, sondern auch die Wiederherstellung der technischen Armatur erleichtert. Im Zeitpunkt,-* da Ihr Berichterstatter den grössten Teil der Rüsselsheimer Werke besichtigten konnte, entliessen deren Fliessbänder täglich 12—15 « Olympia » und 20 « Opel-Blitz »-1^-t-Lastwagen, ausserdem etwa 15 t Einzelersatzteile und eine erhebliche Zahl Kühlschränke. Die Produktionskapazität der verschiedenen Abteilungen würde aber heute 6chon eine Tageserzeugung von 50 lJ4-t-Lastwagen, 50 «Olympia» und 25 t Ersatzteile erlauben. Natürlich bleibt die Mehrzahl der Personenwagen der Ausfuhr vorbehalten. Der bereits jetzt ansehnlichen Produktionskapazität durfte in Kürze durch die Aufnahme der Herstellung eines Zusatzkontingents von 50 Opel «Kapitän» pro Tag erweitert werden. Es handelt 6ich um Spezialarbeiter beim Schleifen der Kurbelwelle eines l'/j-t-Lastwaaens. einen Auftrag der amerikanischen Besetzungsbehörden, zu dessen Ausführung derzeit die nötigen Anlagen im Werke selbst montiert werden. Vom 1. Juli dieses Jahres an hofft man diese Zusatzproduktion beginnen und also bis etwa Ende Oktober den Gesamtauftrag von 5000 « Kapitän » für die Besetzungsbehörden ausführen zu können. Zur Abrundung dieser begreiflicherweise recht summarischen Beschreibung der Betriebsmöglichkeiten der Opel AG. darf die nützliche Tätigkeit der verschiedenen Rüsselsheimer Werkstätten auf dem Gebiet der Wagenreparaturen nicht unerwähnt bleiben. Aus allen drei westlichen Besetzungszonen langen täglich beschädigte Fahrzeuge, nicht selten als wahre «Wracks», ein, die dann geflickt, überholt, völlig gereinigt und frisch gestrichen einige Tage später als «neue Wagen» diese Autotnobilklraik verlassen. Einige wirtschaftliche Schlussbemerkungen. Die technischen, organisatorischen und sozialen Leistungen, die in Rüsselsheim seit dem Waffenstillstand verwirklicht wurden, sind um so bemerkenswerter, als in diesem Zweig der deutschen Industrie kaum die Möglichkeit besteht, die Verpflegung und Versorgung der Arbeiter durch sogenannte Kompensationsgeschäfte (Naturalienaustausch) zu verbessern. Es ist ein überraschender Geist, der unter der Belegschaft von 8400 Technikern, Arbeitern und Angestellten herrscht, die bisher praktisch kaum mehr als 1800 Kalorien pro Tag an Ernährung erhielten und von denen 4000 ihre bescheidenen Mahlzeiten in den Werkskantinen einnehmen. Ihr Berichterstatter hatte Gelegenheit, nicht nur diese Männer und Frauen am Werk zu sehen, er teilte das Mittagessen in der Ingenieurmesse. Er sah die Männer fräsen, drehen, schweissen, die Spritzpistole handhaben, Holz für die Wagenkästen hobeln und schneiden. Er hat beobachtet, wie sich ihre schwieligen Fäuste um die Hebel der Mammuthpressen schlössen, die mit einem einzigen Schlag eine Wagentüre oder ein Wagendach formen,.. und er fragte sich, ob wohl ein französischer Arbeiter unter den gleichen physiologischen und sozialen Vorbedingungen dieselbe Arbeit leisten will und kann. Dr. W. Bg. Die Karosserie eines Opel-Olympia senkt sich von oben auf Vorder- und Hinterachse, die bereits auf dem Fliessband ruhen. Die grosste Presse des Stanzwerkes. Holzgestelle der Führerkabine des Lastwagens werden zusammengezimmert.