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E_1948_Zeitung_Nr.026

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AUTOMOB1L.REVUE ii. o UM

AUTOMOB1L.REVUE ii. o UM I

II. Blatt BERN, 9. Juni 1948 AUTOMOBIL-REVUE II. Blatt BERN, 9. Juni 1948 ren kann er nach Lösen des vorderen Befestigung6- flänsches und Demontage des Kühlers auf besonderen, am Rahmen befestigten Führungen nach vorn herausgezogen werden/ Die Kardanwelle mit nadelgelagerten Gelenken ist beim Lastwagenchassis einteilig, beim wesentlich längeren Carchassis zweiteilig ausgeführt. Da6 normale Kegelraddifferential kann mit verschiedenen Uebersetzung6verhältnissen und auf Wunsch mit Differen- Gestänge unter Umgehunig de6 Servozylinders direkt mit dem Hauptzylinder des hydraulischen Systems verbunden ist, sind die Bremsen auch bei einem Defekt an der Druckluftanlage wirksam; die Servohilfe bleibt allerdings in diesem Falle aus. Die elektrische Anlage arbeitet mit 12 V für die Beleuchtung und mit 24 V für den Anlasser. Als Stromquelle dient ein 6pannungsregulierter 300-W-Marelli-Dynamo. Die beiden 12-V-Batterien Die weltbekannte Turiner Firma zeigte am letzten Genfer Salon zum erstenmal zwei Modelle aus ihrem Fabrikationsprogramm für schwere Nutzfahrzeuge, die Typen 626 NL und RNL, die wegen ihrer modernen Gesamtkonzeption und der sorgfältigen Ausführung allgemeinem Interesse begegneten. Fiat baut im ganzen vier schwere Nu t z f ahr z eu g t y p en mit zwei verschiedenen Dieselmotoren, nämlich die erwähnte Ausführung 626 NL, ein Lastwagen für 3,5 t Nutzlast und das gleiche Modell unter der Bezeichnung 626 RNL mit niedrigem Rahmen für eine 26—30plätzige Autobuskarosserie, ferner den schweren 7-t-Lastwagen 666 N 7 und die entsprechende Ausführung mit niedrigem Chassisrahmen und einer 40plätzigen Karosserie, mit der Bezeichnung 666 RN. Alle vier Fahrzeuge sind als Frontlenker, d. n. mit vorgeschobenem Führersitz gebaut und bieten daher beste Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Chassislänge und ausgezeichnete Sichtverhältniese für den Fahrer. Der Typ 626 NL ging aus dem kurz vor dem Kriege eingeführten Modell 626 N hervor und weist gegenüber jenem nur geringfügige Aenderungen auf. Der See hs z y 1 i n d e r - Dieselmotor, dessen genaue Daten in der Tabelle zusammengestellt sind, hat ein Hubvolumen von, 5750 cem «nd erreicht eine maximale Leistung' von 70 PS bei 2200 U/min. Er arbeitet nach dem bewährten Wir* belkammerprinzip und hat ein Verdichtungsverhältnis von 18 : 1. Die kugelförmige Wirbelkammer ist nach der von Ricardo entwickelten Bauweise im Zylinderkopf eingelassen; in 6ie münden die unter 45 Grad geneigte Einspritzdüse und eine Glühkerze zur Erleichterung des Kaltstarts, Pro Zylinder ist je ein Ein- und Auslassventil vorhanden. Die Ventile hängen senkrecht im Zylinderkopf und sind in einer Reihe angeordnet; sie werden von der im Kurbelgehäuse liegenden Nockenwelle in üblicher Weise über Stoßstangen und Kipphebel betätigt. Der .Zylinderblock ist aus Gusseisen und enthält auswechselbare, trockene Laufbüchsen. Die Zylinderköpfe sind nach je drei Zylindern unterteilt und bestehen ebenfalls aus Gusseisen. Die mit Ausnahme einer kleinen Einbuchtung unter der Wirbelkammer vollständig ebenen Leichtmetallkolben sind mit nicht weniger als fünf Kompressions- und zwei Oelabstreifringen ausgerüstet. Die kräftige Kurbelwelle ist siebenfach in Gleitlagern gelagert und mit einem Torsionsschwingungsdämpfer versehen. Nockenwelle, Drehzahlregler, Einspritzpumpe und Bremsluftkompressor werden durch eine Doppelrollenkette angetrieben, die durch eine federbelastete Spannrolle automatisch nachgespannt wird. Der Motor ist mit einem Hochdruck-Umlaufschmiersystem ausgerüstet, an das auch der Drehzahlregler und der Bremsluftkompressor angeschlossen sind. Das Schmieröl wird durch ein Siebfilter im Saugstutzen der Oelpumpe und durch ein auf .der rechten Motorseite angebrachtes, selbstreinigendes Doppelfilter, das in den Hauptstrom der Oelleitun^ eingeschaltet ist, gereinigt. Letzteres ist vom Spaltfiltertyp. Der aus Metallscheiben Der Dreieinhalblonnen-Lastwagen 626 NL mit Brückenkarosserie. Die Fiat-Nutzfahrzeuge gebildete innere Filtereinsatz ist über ein Gestänge mit dem Kupplungspedal verbunden. Bei dessen Betätigung wird der Filtereinsatz gedreht und der darauf abgelagerte Schmutz abgestreift. Er kann durch eine Ablassöffnung im Boden des Filtergehäuses abgelassen werden. , Der Brennstoff wird durch eine mechanische Membranpumpe aus dem seitlichen 75-Liter-Tank in einen kleinen 5,5 Liter fassenden Fällbehälter am Spritzbrett gefördert. Dieser ist hermetisch verschlossen; in seinem Innern entsteht deshalb mit steigendem Brennstoffniveau, ein kleiner Ueberdruck, der die Förderpumpe ausser Betrieb setzt. Sobald der Druck sinkt, beginnt die Pumpe wieder zu arbeiten, bis das normale Druckniveau hergestellt ist. Bei einem allfälligen Brennstoffpumpendefekt kann der Fallbehälter von Hand nachgefüllt werden, so dass das Fahrzeug mit eigener Kraft eine Reparaturwerkstätte erreichen kann. Die Reinigung des Brennstoffes erfolgt durch ein zerlegbares Filter zwischen Falltank und Brennstoffpumpe. Der Einspritzdruck ist mit 110—120 kg/cm 2 relativ niedrig, was wesentlich zur Schonung der Einspritzanlage beiträgt. Die Verbrennungsluft wird durch ein grosses Dopp,elfilter im Innern der Kabine angezogen; auch der Bremsluftkompressor ist an die Saugleitung des Motors angeschlossen und benötigt somit kein spezielles Filter. Die Kraftübertragung. Italienische Autobus-Karosserie auf dem Fiat 626 RNL. Ein Fünfganggetriebe mit drei gerauscharmen Gängen, deren 6chrägverzahnte Zahnräder dauernd im Eingriff sind, ist mit dem Motor verblockt. Es steht über eine trockene Einplattenkupplung mit diesem in Verbindung. Eine durch einen Deckel abgedeckte Oeffnung im Getriebegehäuse bietet die Möglichkeit zur Kraftentnahme für den Antrieb ein es zusätzlichen Aggregates. Der Motor getriebeblock ist an drei Stellen elastisch im Rahmen gelagert. Vorn stützt er sich in der Mitte einer rohr- förmigen Quertraverse ab. Für grössere Reparatu- i Daten der Fiat-Nutzfahrzeuge M o d e l l * 626 NL 626 RNL . 666 N 7 Zylinderzahl 6 wie 626 NL 6 Bohrung und Hub 100x122 mm > 120x138 Hubvolumen 5750 cm' » 9365 cm 1 Steuer-PS 2?,3 > 47,8 Arbeitsverfahren Wirbelkammersystem » direkte Einspritzung Verdichtung 18:1 > 15:1 Leistung 70 PS > 113 PS Maximoldrehzahl 2200 U/min. > 1900 U/min. Kolbengeschwindigkeit bei max. 8,95 m/sec. » 875 m/sec. BrennslofftänkinhaT» 75 Liter > 142 Liter Anzahl Gänge 5 > 8 Hinterachsübersetzung normal 5,875:1 5,143:1 6,637:1 Bremsen hydr. mit Druckluftservo dito dito Reifendimensionen 210—20«oder 835—20 > dito 11,00—22 Radstand 3320 mm 4050 mm 3850 mm Spurweite, vorn/hinten • 1712/1610 mm dito 1836/1756 mm Totale Fahrzeuglönge 6235 mm ca. 7900 ca. 7095 mm Totafe Fahrzeugbreite 2164 mm dito 2350 mm Abmessungen der Brücke 4,0X2,0 m — 4,75x2,2 m Drehkreisdurchmesser 11,6 m 13.8 m 13,6 m Chassisgewicht ca. 2720 kg ca. 2800 kg ca. 4355 kg Nutzlast 3,5 t 26—30 Personen 7 t Totalgewicht ca. 7520 kg ca. 7700 kg ca. 13 000 kg Preis des Chassis Fr 30 000.— mit Kabine Fr. 29 500.— ca. Fr 45 000.— mit Kabine tialsperre geliefert werden. Da die Hinterräder auf der rohrförmigen Hinterachsbrücke- gelagert sind, haben die Triebwellen lediglich Drehmomente zu übertragen, und sie können bei montierten Rädern ersetzt werden. Der Chassisrahmen besteht aus gepressten Ü-förmigen' Längeträgern, die mit einer X-Traverse und mehreren Quertraversen vernietet 6ind. Beim Lastwagenchassis sind die Längsträger vollkommen eben, beim Carchassiß, das rund 130 cm länger ist und tiefer liegt, 6ind sie über der Hinterachse gekröpft. Beide Achsen sind an halbelliptischen Blättfedern aufgehängt. Die Dämpfung übernehmen beim Cafcha&sis- vier hydraulische Stossdämpfer, beim Lastwagenchassis sind dagegen nur zwei Stossdämpfer an der Vorderachse montiert.. Die hinteren Federn werden durch besondere Hilfsfedern verstärkt, die erst bei einer gewissen Belastung zur Wirkung kommen. Die rechts liegende, ganz vorgeschobene Lenkung arbeitet mit Schnecke und Rollensegment. Um sie möglichst leichtgängig zu machen und den Verschleiss auf ein Minimum zu beschränken, sind alle Gelenke des Lenkgestänge6 mit Spezialkugellagem ausgerüstet. Der minimale Drehkreisdurchmesser ist mit 11,6 m beim Lastwagen und 13,8 m beim Autobus außerordentlich günstig und speziell in unserem Gelände von grossem Vorteil. Die Vierradbremsen werden hydraulisch betätigt, und ihre Bremswirkung wird durch einen Druckluft-Servomechanismus beträchtlich verstärkt. Durch den bereits erwähnten Kolbenkompressor wird der am rechten Chassislängsträger angebrachte Druckluftbehälter' auf den normalen Betriebsdruck von 5 kg/cm 2 i aufgeladen. Am Druckregler ist ein Anschlussflansch zur Entnahme von Druckluft für das Aufpumpen der Pneus usw. vorhanden. Da das. Bremspedal durch ein besonderes sind in besonderen Blechkasten gut zugänglich am linken Rahmenlängsträger montiert und haben eine Kapazität von 160 Ah. Die ganz vorgeschobene 1,85 m breite Kabine des Lastwagens ist schall- und wärmeisoliert. Der Motor liegt zwischen den beiden Einzelsitzen unter einer abgedichteten Verschalung. Diese kann zur Vornahme von Unterhaltsarbeiten leicht gehoben werden. Um die Zugänglichkeit für grössere Arbeiten zu verbessern, lassen sich die beiden Sitze herausnehmen. Die Fiat-Werke rüsten das Carchassis 626 RNL mit einer eigenen, äusserst komfortablen 30plätzigen Autobuskarosserie aus, die in Italien sehr stark verbreitet ist. Die moderne Ganzstahlkonstruktion ist ringsherum mit grossen Fenstern aus Sicherheitsglas versehen und mit bequemen Stahlrohr- Fauteuils ausgerüstet. In Längsrichtung angebrachte Gepäcknetze im Wageninnern und ein grosser, über eine aufklappbare Leiter erreichbarer Gepäckträger auf dem Dach, machen das Fahrzeug für den Langstreckenverkehr geeignet. Der Siebentonnenlastwagen 666 N 7, Der schwere Lastwagen, Typ 666 N 7, hat eine Geeamtbreite von 2350 mm. Nach der kürzlich erlassenen bundesrätlichen Verordnung über die Höchstbreite von Nutzfahrzeugen kann er deshalb neuerdings mit Spezialbewilligung zum Verkehr auf einem bestimmten Teil des schweizerischen Strassennetzes zugelassen werden. Er hat eine maximale Tragkraft von 7 t und ein Totalgewicht von 13 t. Aeusserlich zeigt er den gleichen Aufbau wie das kleinere Modell, doch weicht seine Konstruktion in einigen Punkten wesentlich von diesem ab. Der Sechszylindermotor hat bei einer Bohrung von 120 mm und einem Hub von 138 mm ein Hubvolumen von 9365 cem (47,8 St.-PS). Bei der durch den Regler beschränkten Maximaldrehzahl von 1900 U/min erreicht er eine Leistung von 113 PS. Im Gegensatz zum kleineren Typ arbeitet er mit direkter Einspritzung. Jeder Zylinder besitzt zwei Ein- und zwei Auslassventile, zwischen denen, genau in der Zylinderachse, die Einspritzdüse placiert ist. Diese spritzen den Brennstoff in mehreren Strahlen in die halbkugeligen Verbrennungsräume, die in den Böden der Leichtmetallkolben eingelassen sind. Zur Erreichung einer zweckmässigen Wirbelbewegung der einströmenden Verbrennungsluft sind die Einlassventile teilweise abgeschirmt. Das Verdichtungsverhältnis ist mit 15 : 1 etwas niedriger als beim kleineren Motor mit Wirbelkammern. Eine weitere wesentliche Abweichung zeigt auch der Aufbau des Getriebes. Dieses ist nicht mit dem Motor verblockt, sondern als separates Aggregat im Rahmen elastisch in drei Punkten gelagert und durch eine kurze Kardanwelle mit dem Motor verbunden. Es hat acht Vorwärtsund zwei Rückwärtsgänge; sämtliche Zahnräder sind schrägverzahnt und ständig im Eingriff. Im Prinzip handelt es sich um ein Viergang- Links: Der Molorbloclr des grossen Dieselmotors, dessen Getriebe separat im Rahmen Belagert ist. Rechts: Aüsstellungsmedell des kleineren Motors mit teilweise weggeschnittenen Treibstorfleitungen.