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E_1948_Zeitung_Nr.028

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AUTOMOBIL.REVUE

AUTOMOBIL.REVUE MITTWOCH. 2.I. JIM Aus dem Jahresbericht des Autogewerbeverbandes der Schweiz In einem fast 150 Seiten umlassenden Jahresbericht legt der Autogewerbeverband der Schweiz Rechenschaft über seine vielseitige Tätigkeit, über die Probleme und Aufgaben ab, die ihn 1947, im 20. Jahre 6eines Bestehens, beschäftigt haben. Treffend umschreibt dabei im Geleitwort der Zentralpräsident, O. Moosmann, das Wesen der Zielsetzung des Verbandes, wenn er feststellt, es seien ihr nach innen und aussen bestimmte Grenzen gezogen. Als demokratische Organisation in einem demokratiechen Staat muss der Verband seine berufspolitischen Begehren nach dem ausrichten, was Verfassung und Gesetzen entspricht; diese selbstverständliche Beschränkung findet aber ihr Korrelat im Recht der freien Meinungsäusserun/g. Das Berichtsjahr selbst kennzeichnet der Zentralpräsident mit den Worten, es sei auch für das Autogewerbe einmalig fruchtbar gewesen, und man werde 6ioh langsam wieder an andere, normalere Zeiten gewöhnen müssen. Den eigentlichen Geschäftsbericht eröffnet das Kapitel Treibstoffmarkt, worin die Schweiz. Benzinunion den Sinn und die Neuerugen der im Sommer 1947 eingeführten vereinfachten Treibstoff-Marktordnung darlegt und dabei auch einige grundsätzliche, wirtschaftspolitische Betrachtungen anstellt. Auf die Ersetzung der jahrelangen Importkontingentierung durch ein Lizenzsystem hinweisend, betont sie, dass der Staatsinterventionismus nur verhütet werden könne, wenn sich ein jeder einer freiwilligen Preis- und Marktordnung unterwerfe und sein ganzes Interesse auf deren Festigung richte. An die von der Benzinunion gegebene Darstellung der Entwicklung auf dem schweizerischen Treibstoffmarkt knüpft der Autogewerbeverband eigene Betrachtungen, in denen sich die Feststellung eingeflochten findet, es lasse sich heute noch nicht abschliessend beurteilen, ob sich das Werk, wozu er einen gewaltigen Verständigungsbeitrag geleistet, seines Entgegenkommens als würdig erweise. Vor allem ist es die Frage der Finanzierung der Marktordnung, worüber sich die Geister scheiden. « Margen und Tarife » heisst ein weiterer Abschnitt, an dessen erster Stelle der Bericht das neue, vom Verband herausgegebene Tarifwerk für Autoreparaturen und Servicearbeiten erwähnt, dessen Vorteile er u.a. mit folgenden Worten schildert: «Den meist unangenehmen Reklamationen, die man oft nicht weiss mit was für Gegenargumenten sie zurückgewiesen werden sollen (denn gibt man ihnen nach, so bedeutet dies eine Gewinneinbusse und oft sogar einen Verlust für das Geschäft), kann man nur das Tarifwerk entgegenhalten; man kann 6ich also gewissermassen hinter der Verbandsannonymität verbergen! Dann verschwinden aber auch die oft unverantwortlich grossen Differenzen zwischen Kostenvoranschlag und Schlussabrechnung, die in vielen Fällen auf eine nicht sehr gewissenhafte Geschäfsführung schliessen lassen und die fast immer Anlass zu unangenehmen Auseinandersetzungen mit dem Auftraggeber und zu Kundeaverlust führen. » Ueber die detaillierte Wiedergabe einer Reihe von Höchstpreisen und Tarifen, welche durch Verfügung der eidg Preiskontrollstelle festgelegt wurden, leitet der Bericht über zu weiteren Kapiteln, worunter das dem Beruisbüdungswesen gewidmete allgemeines Interesse beanspruchen darf, zumal diese Fragen den Automobilisten unmittelbar berühren. Die Durchführung des umfassenden Programms da* der Verband für den Auf- und Ausbau des Berufsbildungswesens im Autogewerbe aufgestellt, setzte u. a. auch die Schaffung eines hauptamtlichen Sekretariates für Berufsbildung voraus. In Herrn A. Werner, der zuvor als Inspektor für das berufliche Bildungswesen des Kantons Zürich tätig gewesen war, konnte dafür eine qualifizierte Kraft gewonnen werden. In seinem Bericht entwickelt er ein aufschlussreiches Bild über den Stand der Bemühungen zur Hebung des Leistungsniveaus in dieser Branche. Bei der beträchtlichen Steigerung der Lehrlingszahl seit Kriegsende liegt das Problem nicht in der Richtung einer zahlenmäßigen Förderung der Lehrverhältnisse, sondern in der Sicherung einer gründlichen Berufsbildung. Nach wie vor steht die Ausbildung der Lehrlinge in den Lehrbetrieben im Mittelpunkt, doch fordert die Entwicklung des Automobilbaues auch eine eingehendere theoretische Ausbildung des Lehrlings durch das Mittel der Berufsschulen. Zusammen mit den zuständigen Stellen arbeitet der Verband an der Bereinigung eines Lehrplanentwurfs für Automechaniker-Fachklassen. Auch die Frag* der Weiterbildung von Fachlehrern sowie die Be Schaffung geeigneter Lehrmittel wird in nächste Zukunft in Angriff genommen. Weitere Massnah men zur Hebung der Berufsbildung im Auto gewerbe bilden die Vereinheitlichung und der Aus bau der Lehrabschlussprüfungen. Im übrigen stellt die Revision des Lehrlings reglementes, die sich im Gang befindet, eine de entscheidenden Fragen für die Heranbildung de6 Berufsarbeiternachwuchses dar. Eine andere wichtige Aufgabe erblickt der Verband darin, die plan massige Fortsetzung der Ausbildung nach de Lehrzeit sowohl in theoretischer als auch in prak tischer Beziehung zu fördern, denn nur unter die ser Voraussetzung vermag das Garagenpersona den Anforderungen der Praxis zu genügen. Des halb befindet sich ein Weiterhildunifsprogramm i Vorbereitung. Im starken Zudrang zu den Meisterprüfungen chliesslich, der sich letztes Jahr und jetzt wieder >emerkbar macht, verrät sich ein gesundes Streben der jungen Generation nach beruflicher Vervollkommnung. Die an diesen Prüfungen gestellten Anforderungen sowie die strenge, aber gerechte Durchführung müssen Gewähr dafür bieten, dass die diplomierten Automechaniker, die allein Lehringe ausbilden und das Benzinverkaufsrecht durch lie Schweiz. Benzinunion erlangen können, sich ,uch in der Praxis ihres Titels als würdig erweisen. Eine neue Paßstrasse im Kanton Schwyz dem Verkehr geöffnet Während des Krieges hatte die Armee zwischen em Tal von Einsiedeln und dem Wäggital eine Militärstrasse erstellt, welche über die Sattelegg führt und daher auf den Namen Satteleggtrasse getauft wurde. Als Verbindung zwischen en beiden Tälern erschliesst sie eine malerische egend. Bisher blieb sie dem zivilen Verkehr gesperrt, wenn 6ie auch « verbotenerweise » trotzdem befahren wurde. Vom letzten Samstag an nun ist sie durch einen Entscheid des Chefs des Eidg. Militärdepartements freigegeben und damit einem fom Kanton Schwyz 6eit Jahren immer wieder geiusserten Wunsch entsprochen worden. Er wollte ich damit die Möglichkeit verschaffen, Erfahrunen zu sammeln, um ein Bild davon gewinnen zu können, wie sich die Strasse bei der Oeffnungfür den allgemeinen Verkehr bewährt. Vorläufig kommt jedoch eine Uebernahme durch die Bezirke Einsiedeln und March nicht in Betracht, und die Strecke bleibt einstweilen militärisches Eigentum. Bei 10,5 km Länge und 4,5 m nutzbarer Breite weist die Satteleggstrasse eine Maximalsteigung on 10 % auf. Ihr Charakter als Bergstrasse wird unterstrichen durch die vielen und grossen Kunstauten, wie Bogenbrücken, Wendeplatten usw. Nur — ein Belag fehlt noch. Um die Stauhplage während der trockenen Jahreszeit auf ein erträgliches Mass zu reduzieren, sei deshalb den Motorfahrzeugführern, nicht zuletzt in ihrem eigenen Interesse, nahegelegt, die Strasse zahm zu befahren. Sich und andern erwiesen 6ie damit einen Dienst. Briafe über allgemein interessierende Fragen werden gerne zur Veröffentlichung entgegengenommen. Sie sind möglichst kurz zu fassen und an die Redaktion der < Automobil-Revue >, Breitenrainstr. 97, Bern, zu senden. Die Verwendung eines Pseudonyms ist gestattet, wenn der Redaktion Name und Adresse des Absenders bekanntgegeben werden. Scherereien am italienischen Zoll in Tubre (Sta. Maria) Für eine Einreise nach Italien besass ich kein Zolldokument, doch erklärte man mir auf zwei Touring-Club-Geschäftsstellen, dass ich mir an der Grenze ohne weiteres einen für zehn Taige gültigen Passierschein zu Fr. 2.40 ausstellen lassen und damit die italienische Grenze passieren könne. Wie wir dann am italienischen Zollamt Tubre im Münstertal nach Erledigung der Pass- und Zollkontrolle die Ausstellung dieses Scheins verlangten, weigerte sich der Kommandant mit'der Begründung, er besitze die Papiere und den Stempel dafür nicht, worauf wir den Beamten des Automobil-Club6 von Italien, Signor C, aus dem Cafe holten. « Va bene, va bene» sprach er und verschwand wieder. E6 folgte ein langes Palaver mit dem Kommandanten, der mir, als er merkte, dass ich auf meinem Recht beharrte, den Vorschlag machte, für den Wagenden Zoll von 400 000 Lire zu hinterlegen. Eine Quittung dafür wollte er mir aber nicht ausstellen, weil er weder Papier noch Stempel habe (!). Im übrigen, fügte er hinzu, wäre es besser, den Zollbetrag in Schweizer Franken zu erlegen. Empört forderte ich darauf meine Papiere zurück, wandte mich nochmals an den Beamten des Automobil-Clubs und ersuchte ihn, in Gegenwart des Kommandanten das Zollamt Meran anzurufen, um mich dort für die Ausstellung und Abstempelung des Passierscheins anzumelden. «Non posso », war kurz und bündig die Antwort darauf. Zwei Tage später erzählte ich den Zwischenfall dem Kommandanten des italienischen Zolls in Campocologno. Nun, auch sie beeässen diese Papiere und den Stempel nicht, erwiderte «r mir, aber ich könne in zehn Minuten passieren. Er wolle nämlich das Zollamt in Tirano benachrichtigen, damit es orientiert sei. Im übrigen entschuldigte er sich, nicht ohne zu bemerken, das unliebsame Vorkommnis am Zollposten in Tubre sei dem dortigen Kommandanten und Signor C. zuzuschreiben, denn sie hätten die Angelegenheit ohne weiteres in Ordnung bringen können, F. F. Der Motorfahrzeugführer als Gegenstand der Tatbestandsaufnahme bei Verkehrsunfällen Der Tausendunderste jedoch verursacht, durSh' genau dasselbe Manöver einen Unfall und wird prompt bestraft, und diese Bestrafung steht zur Straflösigkeit der tausend übrigen in um 60 krasserem Widerspruch, als sie sich ja in erster Linie nach dem angerichteten Schaden und gar nicht nach dem Grade des Verschuldens richtet, das vielleicht weit kleiner ist als jenes der tausend « Glücklichen», denen einfach nichts passierte. Daraus erwächst nun aber dem veräntwortungsbewussten Juristen das unbefriedigende Gefühl einer ungleichen Ahndung gleicher Fahrlässigkeit. Eben dieses Missverhältnis zwischen Schuld und Sühne im Verkehrsstrafrecht deckt nun aber die öffentliche' Meinung- durch ihre gewöhnliche Reaktion auf Verkehrsunfälle und deren gerichtliche Erledigung. Sie ist e6, die ihr Urteil normalerweise auf Grund, des «Erfolges » eines solchen Ereignisses fällt. In Wirklichkeit liegen aber die Dinge doch in unzähligen Fällen so, dass Schuld und « Erjfolg» in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehen, indem gerade die schlimmsten Stra66enwildlinge gerade noch « Glück haben» und durchschlüpfen, ohne einen Unfall zu verursachen, während sie in Tat und Wahrheit die bedenklichsten Schädlinge des Strassenverkehrs sind. . 4. Der Motorfahrzeugführer als Objekt der Tatbestandsaufnahme, (Schluss von'« Seite 1.) Zeigen die bisherigen Darlegungen, welch wichtige Rolle die Persönlichkeit der an einem Unfall beteiligten Strassenbenützer und insbesondere der in ihn verwickelten Motorfahrzeugführer bei der Abklärung der Kausalzusammenhänge und Schuldverhältnisse spielen, so ist leider festzustellen, dass diese subjektiven Momente bei der polizeilichen Tatbestandsaufnahme allzu leicht übersehen oder doch vernachlässigt werden. Um 60 dringlicher ist eine Aufnahme der subjektiven Tatbestände an Ort und Stelle, die an Gründlichkeit jener der modernen Methoden bei der Fixierung der äusseren, mechanischen Unfalkpuren ebenbürtig ist. Allerdings stellen sich, wie Dr. Früh darlegte, der Verwirklichung dieser Forderung sehr grosse Schwierigkeiten entgegen. Sie liegen zu allererst in der Erscheinung begründet, dass zwischen zwei sich gegenüberstehenden Menschen sofort eine psychologische Beziehung entsteht, die es unter Umständen beiden bis zur Unmöglichkeit erschweren kann, sich objektiv zu verstehen und zu verständigen. Der Polizist, der auf dem Schauplatz eines Verkehrsunfalles angesichts eines tödlich verletzten Radfahrers einen scheinbar fröhlich lächelnden Automobilisten vorfindet, bedarf schon reicher Erfahrung im Umgang mit Menschen, um hinter der Maske dieses Zwangslächelns das Entsetzen des Motorfahrzeugführers zu erkennen und unbefangen dessen Erklärungen entgegenzunehmen, BRIEFE DER LESER AN DIE A.-R. d.ie^.seine Schuldlpsigkeit dartun sollen und nach allseitiger objektiver Ueberprüfung auch wirklich dartun. -Der—Polizeikommissär, dem neben der entstellten Leiche eines zweiten Radfahrers ein Autobesitzer mit einem Stück Kaugummi im Munde gegenübertritt, muss alle seine Selbstbeherrschung zusammennehmen, um trotz des anfänglichen Widerwillens gegen ein auf den ersten Blick so zynisches Verhalten in aller Sachlichkeit seine Erhebungen durchzuführen und sich nicht aus purem Rachegefühl gegen eine solche « Gefühllosigkeit > der zwingenden Erkenntnis zu verschliessen, das« der Betreffende an dem Unfall vollkommen unschuldig ist. Nur eine strenge Erziehung zu unbedingter Sachlichkeit setzt den Polizisten instand, derartigen Versuchungen zu rein gefühlsmässiger negativer Einstellung gegenüber den Unfallbeteiligten zu widerstehen. Beim Strassenbenützer bedarf es umgekehrt der Einsicht, das6 der Polizist den festen Willen zur Hilfe bei der Abklärung des Unfalles besitzt, 5. Unfallursachen in der Person des Motorfahrzeugführers. Diese mehr allgemeinen Betrachtungen mögen manchem Leser eher etwas abstrakt vorkommen. Mit gespanntem Interesse wird er aber wohl zur Kenntnis nehmen, was der Chef der Zürcher Kriminalpolizei zu dem in vorstehender Ueberschrift umrissenen Thema ausführte. Hier nämlich bekundete Dr. Früh tiefes Verständnis für die ganze verwickelte Situation etwa eines Automobilisten im Strom des Strassenverkehrs. Wohl noch nie 6ind bei uns diese für den Verkehrsablauf so entscheidenden Faktoren derart klar, ja man muss beinahe sagen kühn dargestellt worden wie in diesem Vortrag, dem man die grösste Verbreitung vor allem auch in den Kreisen der Justiz wünschen möchte. Denn die Rechtsprechung über Verkehrsdelikte ist ja bei uns noch weitgehend durch eine erschreckende Unkenntnis der Richter über die sehr komplizierten «Kräfte » gekennzeichnet, die das Verkehrsgetriebe auf der Strasse bestimmen. Vor allem die « niedere » Verkehrsjustiz in Gestalt der Polizeistrafrechtspflege krankt vielerorts an einem Dilettantismus, der eher Verheerungen anrichtet, statt Segen zu stiften, weil er die wirklichen Ursachen der Verkehrsgefahren mehr verwischt denn klarstellt. 6. Ortskenntnis und Verkehrssicherheit. Einen der allerwichtigsten Abschnitte des spannenden Referates stellen zweifellos die Ausführungen von Dr. Früh über die Bedeutung der Ortskenntnis für die sichere Verkehrsabwicklung dar. «Wo der ortskundige Fahrer einzig und allein auf den Verkehr achten muss und bezüglich Fahrweise, Geschwindigkeit, Abbicgesignal usw. vorausdisponieren kann, muss sich der Orlsremde von Markierung zu Markierung, von Signal zu Signal stufenweise durchwinden und dabei auf viele Einzelheiten achten, ja diese geradezu suchen. Dass daneben die Achtung auf die sich ständig verändernden Verkehrssituaionen selbst eine sehr grosse Belastung darstellt, dass die ganze Situation im allgemeinen ein Unsicherheitsgefühl schafft, braucht nicht begründet zu werden. » Im weiteren Verlauf seiner Darlegungen kam Dr. Früh zu der sehr mutigen Schluss- 'olgerung: « Wenn wir bei Verkehrsunfällen schon nach einem strafrechtlichen Verschulden suchen, 60 hat der Beschuldigte das Recht, dass seine für den Unfall in Betracht kommende Ortskenntnis in die Ueberlegungen {des Gerichtes) einbezogen wird. » Geradezu sensationell -waren dann aber die Ausführungen über die Bedeutung der Fahrgeschwindigkeit für die Tatbestandsaufnahme und Schuldbemessung bei Verkehrsunfällen, Man weiss, welche Rolle das Tempo eines Autofahrers in solchen Prozessen zu spielen pflegt. Ebenso bekannt ist aber, dass es in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle völlig losgelöst von der Geschwindigkeit des allgemeinen Verkehrsstrom« in der betreffenden Strasse gewertet wird. Da ist es nun von allergrösster Bedeutung, dass Dr. Früh wohl zum ersten Male da« kollektive Verkehrstempo «J« Richtmass für die Zulässigkeit oder UnzuJässigkeit der Geschwindigkeit eines einzelnen Fahrer« bezeichnet hat, und zwar ausdrücklich im Interesse der Gerechtigkeit! Er kleidete diese wegweisenden Darlegungen in die folgenden, von grosser Zrvilcourage zeugenden Worte: « Wenn auch das subjektiv« Verschulden nach den Umständen des Einzelfalles bemessen wird, so darf... sicher nicht ausser acht gelassen werden, wie weit sich der betreffende Motorfahrzeugführer von der an diesem Unfallort überhaupt üblichen Fahrweise entfernt hat... und ob auf dem betreffenden Strassenstück üblicherweise gerast wird oder ob das Schnellfahren des Unfallverursachers eine unverantwortliche Abweichung von der sonst durch alle Fahrer erkannten und berücksichtigten Pflicht zu vorsichtigem Fahren bedeutet. » Die eigentliche Quintessenz dieser Ueberiegungen lag aber in dem folgenden Satz, denen wir kein Wort mehr beizufügen brauchen: «Es geht m. E. nicht an, dase man nicht vorher gegen diese Raserei an und für sich einschreitet, wenn man diese dann beim Unfall 6elb6t als ausschlaggebendes Merkmal für die strafrechtlich belangbare Fahrlässigkeit annehmen will.» 7. Ablenkende Einflüsse. Es ißt eine bekannte Tatsache, dass der Autofahrer einer Ueberfülle von äusseren Einwirkungen ausgesetzt ist, die seine Aufmerksamkeit von der Fahrbahn abzulenken geeignet sind. Teils handelt es sich dabei um Vorgänge in seinem Wagen selbst, wie etwa die Manipulation an all den verschiedenen Betätigungsgriffen, "das Schliessen einer nicht ganz geschlossenen Tür und was derlei Dinge mehr sind. Zum andern Teil aber dringen diese Einflüsse von ausserhalb des Fahrzeugs her auf den Fahrer ein, 6ei es, dass Schaufenster oder andere Blickfänge seine Augen auf sich ziehen, sei es, dass vorübergehende Personen, aussergewöhnliche Vorgänge am Straeeenrand sein Interesse erregen, sei es endlich, dass er durch die Effekte der Strassenbeleuchtung oder anderer Lichtquellen geblendet oder doch in Anspruch genommen wird. Auch hier wartet der Polizei bei der Tatbestandsaufnahme eine sehr wichtige Aufgabe im Dienst der Testlosen Abklärung der Unfallursachen und der Schuldverhältnisse. Vielfach nämlich 6ind die Momente, die ihn von der Beachtung von Strasse und Verkehr abgelenkt haben, dem Fahrzeugführer selber gar nicht bewusst, so da&s er ausserstande ist, 6ie geltend zu machen. 8. Rechtspolitische Schlussfolgerungen. Unterstützung aber verdienen die allgemeine« Schlussfolgerungen mit Bezug auf die Verkehrsrechtspflege, in welche die Betrachtungen des Leiters der Zürcher Kriminalpolizei ausmündeten. Dr. Früh sagte nämlich, es könnte übertrieben und unrentabel erscheinen, nur um der Bestrafung des einzelnen Schuldigen willen so viele Momente in die polizeiliche Tatbestandsaufnahme bei einem Unfall einzubeziehen. Beim heutigen noch sehr unvollkommenen Stand der Unfallverhütung sei aber keine Massnahme zuviel, die irgendwie mithelfen könne, eine ernsthafte Forschung und eine tatkräftige Auswertung im Interesse der Volksgesundheit zu unterstützen. Seine Darlegungen schloss der Referent mit einem Blick auf den gegenwärtigen Verfall der Rechtsprechung in Unfallsachen infolge der Ueberlastung von Verwaltung und Justiz. « Man wird » — darin klangen seine tiefschürfenden und klaren Gedankengänge aus — « nicht darum herumkommen, das Problem grosszügig und energisch zu lösen. Persönlich sehe ich eine Lösungsmöglichkeit nur darin, das heutige System der Strafrechtspflege und der administrativen Massnahmen in ein neues, auch auf die modernen Verkehrsdelikte zugeschnittenes Verfahren zu bringen, ein Verfahren, bei dem wirkliche Schuld in jedem Falle zur richtigen Bestrafung führt und welche« festgestellte Unfallursachen nicht nur theoretisch sondern auch in der Praxis zu beseitigen vermag. > H.W.Thommen.

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