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E_1948_Zeitung_Nr.029

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AUTOMOBIL. REVUE

AUTOMOBIL. REVUE MnrnnT~rr. ?* .rt"Ni IO-IB - Nr. 29 U. S. A. Die fluoreszierende Strassenbeleuchtung in der Avenue Wilson in Paris Aus der Autoindustrie wird gemeldet... Preiserhöhungen Ausser Chrysler und General Motors haben noch zahlreiche andere Werke ihren Arbeitern Lohnerhöhungen gewährt, u, a. Kaiser-Frazer (14,4 Cents pro Stunde), Briggs, Nash und Packard (13 Cents) und Firestone Rubber (11 Cents). Obwohl •verschiedene Fabriken angekündigt hatten, die Lohnerhöhungen würden die Preise der Fabrikate nicht beeinflussen, sind bereits drei derartige Preiserhöhungen zu verzeichnen. Naßh hat seine Preise um 74 bis 90 Dollar heraufgesetzt, Packard um 75 bis 200 und General Motors jene für sfeine Lastwagen um 10 bi6 110 Dollar. Auch die Preise für die 1949er Modelle von Ford liegen erheblich über jenen des Vorjahres. Expansion bei Crosley Crosley hat weitere Werkstätten in Betrieb genommen, um die Produktion seiner Kleinwagen sowie seiner Motoren, die neuerdings auch in Leichtflugzeugen Verwendung finden, zu vergrössern. Charakteristisch für die Lage des amerikanischen Automarktes ist die Tatsache, dass trotz der bekannten Abneigung der Amerikaner gegen Miniaturwagen auch bei Crosley ein ungedeckter Auftragsbestand vorhanden ist, der gegenwärtig 8000 Wagen erreicht. Die monatliche Produktion bei Crosley übertrifft mit 3000 Stück jene de6 Vorjahtes um 160 %. Eine Viertelmillion Kaiser-Frazers Am 25. Juni verHess der 250 OOOste Kaiser-Frazer (ein Frazer Manhattan) das Fliessband in Willow Run, auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Bau des ersten KF-Wagens. Im Jahre 1946 wurden 11 753 KF-Wagen gebaut, 1947 144 506; die Produktion im Juni 1948 stellt mit rund 21 000 Wagen einen Rekord dar, der nur im Januar dieses Jahres (als vorübergehend zwei Arbeitsschichten eingeführt waren) mit 20 667 Wagen annähernd erreicht wurde. Nach Ansicht informierter Kreise hat Kaiser-Frazer den schweren Rückschlag, der mit dem MissHngen seiner Aktienausgabe im Februar dieses Jahres (vgl. « A.-R. > Nr. 27) und der erzwungenen Aufgabe des Zweischichtensystems verbunden war, trotz des Fehlens zusätzlichen Betriebskapitals bereits überwunden. Finanzierung bei Tucker ... Ein ungewöhnliches FinanzierungG6ystera ist von Tucker angekündigt worden. Gegenwärtig verfügt seine Gesellschaft über rund 26 Millionen Dollar, von denen 15 Millionen, durch Aktienausgabe und 11 Millionen von Vertretern aufgebracht wurden. Um sich {weiteres Kapital zu sichern, ist Tuoker auf den Gedanken gekommen, Kunden ein Vorzugsrecht bei der Lieferung neuer Tucker-Wagen einzuräumen, falls sie ihre Zubehörteile (Radio, Ofen, Sitzbezüge usw.) schon jetzt bestellen und bezahlen. Kunden, die sich hierauf einlassen, haben mit keiner Wartefrist zu rechnen; ferner erfolgt die Installation der Zubehörteile unentgeltlich. Die Zubehörteile kosten zwischen 210 und 240 Dollar, und Tucker rechnet damit, au6 diesem «Vorverkauf» einen Rcinverdienst von 15 bis 18 Millionen Dollar zu erzielen. In ganzseitigen Inseraten in den grössten amerikanischen Tageszeitungen hat Tucker einen offenen Brief an das Publikum gerichtet, der das allergrösste Aufsehen erregt. In diesem Brief spielt er auf gewisse Machinationen innerhalb der amerikanischen Autoindustrie an und schiebt die Schuld an der Verzögerung der Produktion auf Intrigen, durch die er bei öffentlichen Ausschreibungen am Erwerb von Fabriken und Werkstätten gehindert worden sei. Bisher hat die Gegenseite noch nicht geantwortet. Wartefristen Die New Yorker Tageszeitung PM hat eine Umfrage bei den Autohändlern durchgeführt, um sich zu vergewissern, ob die Wartefristen für neue Autos tatsächlich noch länger sind als im Vorjahre. Sie sind es. Nicht ein einziger Wagen ist heute früher erhältlich als vor Ablauf eines Jahres von der Bestellung an. Die kürzesten Fristen werden für Kaiser-Frazer genannt; auf die meisten anderen Wagen mus6 man 6 bis 18 Monate warten; beim Cadillac beträgt die Lieferfrist 2'A Jahre und beim Buick 3 Jahre. General Motors untersucht Chlorophyll Charles F. Kettering, Vizepräsident und Leiter der Forschungsabteilungen von General Motors, hat soeben bekanntgegeben, dass die General Motors-Werke sich intensiv dem Studium der Photosyntheee des Chlorophylls widmen und bereits 6O weit vorgedrungen sind, um definitive Ziele ins Auge fassen zu können. Da Chlorophyll (das « Blattgrün » der Pflanzen) der einzige Stoff ist, der Sonnenenergie speichert, und da gespeicherte Sonnenenergie in Form von Kohle und Erdöl alle unsere Treibstoffe liefert, hofft General Motors ein Verfahren zu finden, wodurch die Umwandlung von Sonnen- in Kohlenenergie um Jahrtausende abgekürzt, d. h. im Laboratorium und in der chemischen Fabrik durchgeführt werden könnte. Fachkreise bemerken hiezu, dass Ketterings Prognosen sich bisher noch immer bewarheitet haben. «Altwagen wird in Zahlung genommen> Es ist auch heute noch möglich, in New York einen neuen Wagen ohne Wartezeit zu erstehen, vorausgesetzt, da6s man sich der typischen «Altwagen-Operation » unterzieht. Ein Fall dieser Art sieht folgendermassen aus: Man geht zu einem Autohändler und ersucht um einen neuen Wagen, der 1300 Dollar kostet. Diesen Wagen erhält man sofort, wenn man 6ich auf zwei Manöver einlässt, die zwar moralisch, nicht aber juristisch anfechtbar sind. Erstens verpflichtet man sich zur Abnahme von « Zubehör », worin ausser Radio und anderen « normalen » Zubehörteilen auch Monogramme, eingebaute Behälter für Papiertaschentücher und ähnliche « unentbehrliche » Dinge enthalten sind; diese Zubehörteile kosten 600 Dollar. Zweitens verpflichtet man sich, einen Altwagen in Zahlung zu geben; dieser Altwagen wird vom Händler gestellt. Er verkauft ihn dem Kunden für 1000 Dollar und kauft ihn nach wenigen Sekunden für 700 Dollar zurück. Die Differenz von 300 Dollar kommt zu den 600 für Zubehör hinzu, so dass der neue Wagen jetzt nicht 1300, sondern 2200 Dollar kostet. E. B. Siegfried Marcus — Am 30. Juni jährt sich zum 50. Male der,Tode6- tag von Siegfried Marcus, dem «Vater des Automobils », wie ihn ein Wiener Blatt 1898 nannte Die Namen Daimler, Benz usw. sindvim-Zusamminni, hang mit der Erfindung des Automobils dermassen" zum Begriff geworden, dass man darob jenen Marcus' gern vergis6t, währenddem er richtigerweise den Pionieren des Automobils zugezählt werden mu6S. Wohl fuhr ungefähr zur gleichen Zeit wie Marcus der Franzose Lenoir in Paris mit seinem mit Leuchtgas betriebenen Wagen umher, aber nach Braunbecks Sportlexikon war « doch der erste Erfinder deutscher Nationalität, der mehrere für die Weiterentwicklung des Benzinmotors grund-, legende Prinzipien praktisch ausgebaut und durch Patente hat schützen lassen» Tatsächlich hat Marcus als erster einen Benzinwagen gebaut, dessen Motor durch verdampftes Benzin betrieben und elektrisch entzündet wurde. Auf der Wiener Weltausstellung, wo er das Modell zur Schau brachte, erregte es Aufsehen, das sich jedoch noch steigerte, als Marcus ein zweites Fahrzeug konstruierte, das als der Vorläufer des heutigen Automobils angesprochen werden darf. Es gab einen kleinen Aufstand in der Wiener Maria-Hilfer-Strasse, so berichtet Theilhaber, einer der Biographen Marcus', « als Siegfried Marcus auf den Bock stieg und, statt die Zügel in die Hand zu nehmen und mit der Peitsche zu knallen, den laut ratternden Benzinmotor antrieb. Unter donnerndem Gepolter, wobei es den Insassen etwas bänglich zumute wurde, setzte sich die rosselose Kutsche in schaukelnde Bewegung. Dies Ereignis vollzog «ich im Jahre 1875. » Aber die Welt lächelte über Siegfried Marcus, wenn sie überhaupt etwas von ihm und seiner Erfindung wusste; schon die Mitfahrer von Marcus lächelten über das Vehikel, das unterwegs streikte und sich von Pferdefuhrwerken überholen Hess, und mit ihnen lächelte die ganze Maria-Hilfer-Gasse, wo Marcus seine Werk6tätte hatte, über den « verrückten Erfinder», der ohne Dampf und ohne Pferde eine Art von perpetuum mobile schaffen wollte. Und die hohe Polizei tat ihr übriges. Sie der Rechte Fahrbahn: Fadenlampen alten Systems. Linke Fahrbahn: die neuen Beleuchtungskörper. Der Unterschied im Heiligkeilsgrad ist auffallend. In der Avenue du President Wilson, einer Zweibahnstrasse zwischen der Place de Jena und der Place du Tracadero, sind seit einigen Monaten Versuche mit einer neuartigen Strassenbeleuchtung im Gang, die 6tatt der bisher verwendeten Fadenlampen fluoreszierende Leuchtröhren benutzt. Insgesamt wurden 12 Kandelaber mit je 5 Röhrenkörpern — Erzeugnisse der französischen Philipsgesellschaft — ausgerüstet. Jede Röhre hat eine Stromstärke von 40 Watt und eine Leuchtkraft von 2000 Lumen. Bei einem Abstand von 32 m zwischen den einzelnen Beleuchtungskörpern beträgt im direkten Umkreis von 5 m von jedem Kandelaber die Beleuchtungsstärke 6 Lux und zwischen 2 Kandelabern 3 Lu*. Dabei wurden die Beleuchtungskörper, die mit zylindrisch-parabolischen Spiegeln aus Aluminium umgeben sind, so angeordnet, dass «Vater des Automobils» Zu seinem 50. Todestag am 30. Juni. verbot Marcus kurzerhand weitere Versuchsfahrten wegen des ruliestörendenjund die Pferde scheu machenden: Lärms. Der Wägen wanderte, weil sich niemand fand, um die Idee auszuwerten und Marcus selbst dazu zu wenig materiell eingestellt war, in eine Ecke, ohne je wieder in Gang gebracht zu werden. Später freilich ging er in da6 Eigentum des österreichischen Automobil-Clubs über, der ihn im Wiener Gewerbemuseum ausstellte. Ueber die technischen Einzelheiten der Marcusschen Erfindung besagt der offizielle Ausstellungsbericht der Wiener Weltausstellung von 1873, dass Marcus seinem Petroleummotor eine neue Idee zugrunde legte. Er betrieb ihn, entgegen seinen vorher unternommenen Versuchen, nicht mit zerstäubtem, sondern mit verflüchtigtem Petroleum. Marcus hatte es unterlassen, auf 6einen Wagen ein Patent anzumelden, doch erhielt er das chronologisch älteste deutsche Reichspatent für Neuerung an Explosionsmotoren, das sich auf eine Kombination eines wassergekühlten Arbeitszylinders mit einem Zerstäuber für flüssige Kohlenwasserstoffe bezieht, die mit von der Maschine 6elbst in einem besonderen Reservoir erzeugter komprimierter Luft vermengt und nach erfolgter Verbrennung wieder entfernt werden. Die Maschine besass einen automatischen Regulator sowie elektrische Magnetzündung. Siegfried Marcus erblickte am 18. September 1831 in Malchlin, in der «mecklenburgischen Schweiz », das Licht der Welt. Als Sohn eines jüdischen Oberrats und Kaufmanns stand ihm die Handwerkslaufbahn, zu der er sich hingezogen wvröBi Siegfried Marcus (oben rechts) und der von ihm konstruierte t Teufelswogen », ein Vorläufer des heutigen Automobils, womit der in Wien lebende Erfinder bei seinen Fahrten im Jahre 1875 nicht nur die Pferde, sondern auch die Polizei zum Scheuen brachte, denn sie verbot ihm die weitere Benützung seines Vehikels. Marcus, dem OB Geldverdienen nicht viel gelegen war, fügte sich willig diesem Ukas und stellte seinen Wagen irgendwo in die Ecke eines Schopfes, dem Rost zum Frass. nirgends Schatten entstehen. Jede Lichtquelle wirft nämlich ein Maximum reflektierter Strahlen etwas weiter ak bis zum Fuss des benachbarten Kandelabers, und zwar so, dass der gesamte Raum zwischen zwei Kandelabern gleichmäßig bestrahlt wird. Besondere Vorrichtungen schützen die Leuchtröhren gegen jeden Witterungseinfluss. Währenddem der Stromverbrauch für die fluoreszierenden Röhren nur 250 Watt beträgt (gegen 300 Watt für Bogen- oder Fadenlampenbeleuchtung), ist die Beleuchtungsstärke zweimal so gross wie beim bisherigen System. Die Strahlung erreicht eine ungewöhnliche Intensität; das Licht^ ist ruhig und gleichmässig, blendet weniger als die üblichen Strassenlampcn und erleichtert somit in jeder Hinsicht den nächtlichen Strassenverkehr. W Bg. fühlte, nicht ohne weiteres offen, doch fand er nach seiner Lehrzeit in Hamburg eine Anstellung bei den Siemens-Werken in Berlin, die gerade von der Regierung den Auftrag, erhalten hatten, die erste Telegraphenlinie zwischen Berlin und Magdeburg zu legen. Und hier, auf dem Gebiet des Telegraphen- sowie des Elektrizitätsweseos, sollten die ersten Erfindungen von Marcus liegen. Mit einer Verbesserung des Telegraphenrelais machte er den Anfang, und dann produzierte er Erfindungen sozusagen am laufendend Band, wie beispielsweise einen Kopierapparat für Lithographen, eine Rotationspumpe, ein Galvanoskop, das er auf

ISr. 29 - MITTWOCH, 30. JUNI 1918 AinOMOBIL-REVUE A. GASSNER (früher Chef-Magaziner bei Renaulf) 10, nie de Monthoux DELAGE DELAHAYE Motor vor-, Vorderachse zurückversetzt, Radstand bei gleicher karossabler Chassislänge kürzer, d. h. die Wagen sind wendiger; breitere Ganzstahlkabine mit verbesserter Sicht, neuer Allwetterventilation, Sitz mit regulierbarer Stellung und Elastizität. Zahllose andere bemerkenswerte Verbesserungen. Das Bauprogramm 1948 der Dodge-Werke umfassf eine lastwagenreihe, wie sie bis heute noch nie zweckmassiger, fortschrittlicher und leistungsfähiger erhältlich gewesen ist. Mit Nutzlasten von % bis 5 Tonnen, 7 verschiedenen Motorentypen, 15 Hinterachsen und 58 Chassis-Kombinationen t bietet Ihnen Dodge jenen Lastwagen, der Ihren spezifischen Bedurfnissen in jeder Hinsicht entspricht. Die neuen Dodge-Lasrwagen sind wirtschaftlicher, aufnahmefähiger, leichter manövrierbar und komfortabler als je zuvor und bieten selbstverständlich wieder jenes Plus an Lebensdauer, das sie schon seit langem berühmt gemacht hat.